1. Ei­ne „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ i. S. des § 474 II 2 BGB ist – ent­spre­chend der Le­gal­de­fi­ni­ti­on in § 312g II Nr. 10 BGB – dann ge­ge­ben, wenn der Un­ter­neh­mer Ver­brau­chern, die per­sön­lich an­we­send sind oder de­nen die­se Mög­lich­keit ge­währt wird, Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen an­bie­tet, und zwar in ei­nem vom Ver­stei­ge­rer durch­ge­führ­ten, auf kon­kur­rie­ren­den Ge­bo­ten ba­sie­ren­den trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren, bei dem der Bie­ter, der den Zu­schlag er­hal­ten hat, zum Er­werb der Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen ver­pflich­tet ist. Dar­über hin­aus ist – an­ders als bei ei­ner „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ i. S. der Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 474 I 2 BGB a.F. (s. hier­zu Se­nat, Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 9 ff.; Urt. v. 24.02.2010 – VI­II ZR 71/09, NJW-RR 2010, 1210 Rn. 12) – nicht (mehr) er­for­der­lich, dass der Ver­stei­ge­rer die per­sön­li­chen An­for­de­run­gen ge­mäß § 383 III 1 BGB, § 34b V Ge­wO er­füllt (im An­schluss an Se­nat, Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 51; Urt. v. 09.10.2019 – VI­II ZR 240/18, BGHZ 223, 235 Rn. 24 f., 58 ff.).
  2. Für die Ab­gren­zung zwi­schen Ver­brau­cher- und Un­ter­neh­mer­han­deln ist grund­sätz­lich die ob­jek­tiv zu be­stim­men­de Zweck­rich­tung des Rechts­ge­schäfts ent­schei­dend. Da­bei kommt es maß­geb­lich auf die je­wei­li­gen Um­stän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten der Par­tei­en bei Ver­trags­schluss an (Be­stä­ti­gung von Se­nat, Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16, NJW 2018, 146 Rn. 41 m. w. Nachw.; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 31). Bei dem An­kauf ei­ner be­weg­li­chen Sa­che ge­mäß § 474 I 1 BGB ist hier­bei dar­auf ab­zu­stel­len, zu wel­chem Zweck der Käu­fer die­se zu be­nut­zen be­ab­sich­tigt (im An­schluss an Se­nat, Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18 m. w. Nachw.; Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16, NJW 2018, 146 Rn. 44).
  3. Das rechts­ge­schäft­li­che Han­deln ei­ner na­tür­li­chen Per­son ist mit Rück­sicht auf den Wort­laut des § 13 BGB grund­sätz­lich als Ver­brau­cher­han­deln an­zu­se­hen; ei­ne Zu­ord­nung ent­ge­gen dem mit dem rechts­ge­schäft­li­chen Han­deln ob­jek­tiv ver­folg­ten Zweck kommt nur in Be­tracht, wenn die dem Ver­trags­part­ner bei Ver­trags­schluss er­kenn­ba­ren Um­stän­de ein­deu­tig und zwei­fels­frei dar­auf hin­wei­sen, dass die na­tür­li­che Per­son in Ver­fol­gung ih­rer ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit han­delt (Be­stä­ti­gung von Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18).

BGH, Ur­teil vom 07.04.2021 – VI­II ZR 49/19

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin ist ei­ne pas­sio­nier­te Ama­teur-Dres­sur­rei­te­rin, die in Eng­land ein Ge­stüt be­treibt, auf dem sie un­ter an­de­rem ei­ge­ne Pfer­de hält und re­gel­mä­ßig Tur­nie­re und Reit­lehr­gän­ge aus­rich­tet. Sie er­stei­ger­te am 04.10.2015 durch ei­nen fach­kun­di­gen Be­ra­ter auf ei­ner von dem Be­klag­ten, ei­nem Pfer­de­zucht­ver­band, im ei­ge­nen Na­men als Kom­mis­sio­när zwei Mal jähr­lich durch­ge­führ­ten und für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­li­chen Eli­teauk­ti­on für Reit­pfer­de die zum da­ma­li­gen Zeit­punkt drei­ein­halb­jäh­ri­ge Sie­ger­stu­te der west­fä­li­schen Eli­te­schau V des Streit­hel­fers zu ei­nem Kauf­preis von 119.000 € in­klu­si­ve Mehr­wert­steu­er. Da­ne­ben ent­rich­te­te sie an den Be­klag­ten 8.520,40 € brut­to für die Kom­mis­si­ons­ge­bühr, Aus­lands­pau­scha­le und Pfer­de­ver­si­che­rung.

Die im Auk­ti­ons­ka­ta­log ab­ge­druck­ten Auk­ti­ons­be­din­gun­gen, die im Zeit­punkt der Ver­stei­ge­rung in den Auk­ti­ons­räum­lich­kei­ten aus­la­gen und auf die der die Auk­ti­on durch­füh­ren­de – nicht öf­fent­lich be­stell­te – Ver­stei­ge­rer zu Be­ginn der Auk­ti­on hin­wies, ent­hal­ten un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

„D. Ab­nah­me und Ge­fahr­über­gang

1. Pfer­de/​Po­nys

… Mit dem Zu­schlag, der auch die Be­sitz­über­ga­be er­setzt, geht die Ge­fahr, das Ei­gen­tums­recht an dem ver­kauf­ten Pferd/​Po­ny aber erst mit er­folg­ter rest­lo­ser Be­zah­lung auf den Käu­fer über, auch wenn das Pferd/​Po­ny zu­nächst noch im Ge­wahr­sam des Ver­ban­des bleibt. …

E. Haf­tung

I. Ab­ge­se­hen von der in lit. B dar­ge­stell­ten Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung wird das Pferd/​Po­ny ver­kauft wie be­sich­tigt un­ter voll­stän­di­gem Aus­schluss jeg­li­cher Haf­tung/​Ge­währ­leis­tung. Das West­fä­li­sche Pfer­de­stamm­buch e. V. über­nimmt kei­ner­lei Ge­währ oder Ga­ran­tie für be­stimm­te Ei­gen­schaf­ten oder Ver­wen­dungs­zwe­cke. Hin­sicht­lich der Be­schaf­fen­heit wird der Zu­stand als ver­trag­lich ver­ein­bart, wie er un­ter lit. B dar­ge­stellt ist.

II. Der in Zif­fer I. auf­ge­führ­te Haf­tungs­aus­schluss gilt nicht, so­weit die haf­tungs­be­grün­den­den Um­stän­de auf Vor­satz oder gro­be Fahr­läs­sig­keit des Ver­käu­fers zu­rück­zu­füh­ren sind und/​oder Per­so­nen­schä­den be­trof­fen sind. Bei Per­so­nen­schä­den be­steht Haf­tung auch bei ein­fa­cher Fahr­läs­sig­keit. Vor­ste­hen­der Haf­tungs­aus­schluss gilt nicht, so­weit ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Sin­ne des § 474 BGB vor­liegt. …

F. Ver­jäh­rung

Die Sach­män­gel­an­sprü­che des Käu­fers ver­jäh­ren für un­ter­neh­me­ri­sche Käu­fer im Sin­ne des § 14 BGB 3 Mo­na­te nach Über­ga­be des Pfer­des/​Po­nys, für Ver­brau­cher im Sin­ne des § 13 BGB nach 12 Mo­na­ten nach Über­ga­be.“

Nach der Auk­ti­on ver­blieb das Pferd zu­nächst bis zum 08.10.2015 – mit­hin vier Ta­ge nach dem Zu­schlag – auf der An­la­ge des Be­klag­ten und wur­de im Auf­trag der Klä­ge­rin durch ei­nen Spe­di­teur ge­gen Zah­lung von 2.618 € nach Eng­land ver­bracht, wo es am Fol­ge­tag ein­traf.

Die Klä­ge­rin ließ das Pferd dort am 13.10.2015 von ei­ner Tier­ärz­tin un­ter­su­chen. Die­se kam zu dem Er­geb­nis, das Pferd wei­se rechts vor­ne und links vor­ne ei­ne Lahm­heit mit ei­nem Grad von 1/10 auf. Nach­dem die­ser Be­fund an den Be­klag­ten wei­ter­ge­lei­tet wor­den war, ver­an­lass­te die­ser ei­ne Un­ter­su­chung des Pferds in Eng­land durch den Tier­arzt, der das Pferd vor der Auk­ti­on ve­te­ri­när­me­di­zi­nisch be­treut und un­ter­sucht hat­te. Die­ser ge­lang­te auf­grund ei­ner von ihm am 12.11.2015 durch­ge­führ­ten Un­ter­su­chung zu dem Er­geb­nis, an der Lon­ge auf der rech­ten Hand wei­se das Pferd ei­ne mi­ni­ma­le Lahm­heit vor­ne links auf; es lie­ge ein leich­ter Fes­sel­trä­ger­scha­den vor­ne links vor, der in Ab­hei­lung sei.

Nach­dem die Klä­ge­rin wei­te­re Un­ter­su­chun­gen des Pferds in ei­ner eng­li­schen Tier­kli­nik hat­te vor­neh­men las­sen, wo man auf­grund ei­ner MRT-Un­ter­su­chung un­ter an­de­rem zu dem Er­geb­nis ge­langt war, dass die dort fest­ge­stell­ten Ver­än­de­run­gen an den Vor­der­fü­ßen be­reits zum Ver­kaufs­zeit­punkt be­stan­den hät­ten, er­klär­te sie mit Schrei­ben vom 08.03.2016 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag und ver­lang­te des­sen Rück­ab­wick­lung, da die Stu­te be­reits lahm in Eng­land an­ge­kom­men sei.

Der Be­klag­te und der Streit­hel­fer ma­chen gel­tend, das Pferd ha­be bis zur Auk­ti­on nie­mals Lahm­heits­er­schei­nun­gen ge­zeigt. Ei­ne Man­gel­haf­tig­keit des Pferds bei Ge­fahr­über­gang sei auch nicht zu­guns­ten der Klä­ge­rin zu ver­mu­ten, da sie Un­ter­neh­me­rin sei und zu­dem das Pferd auf ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Auk­ti­on er­stei­gert ha­be. Über­dies sei die Ge­währ­leis­tung durch die Auk­ti­ons­be­din­gun­gen wirk­sam aus­ge­schlos­sen wor­den. Je­den­falls aber ha­be die Klä­ge­rin dem Be­klag­ten kei­ne aus­rei­chen­de Ge­le­gen­heit zur Nach­er­fül­lung ge­ge­ben und sei­en zu­dem et­wai­ge An­sprü­che ver­jährt.

Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge hat die Klä­ge­rin die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses nebst der oben ge­nann­ten Kom­mis­si­ons­ge­bühr, der Kos­ten der Pfer­de­ver­si­che­rung und der er­ho­be­nen Aus­la­gen­pau­scha­le so­wie den Er­satz der Trans­port­kos­ten, ins­ge­samt mit­hin ei­nen Be­trag von 130.138,40 € (nebst Zin­sen), Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Pferds be­gehrt. Fer­ner hat sie die Er­stat­tung au­ßer­ge­richt­lich an­ge­fal­le­ner Rechts­an­walts­kos­ten so­wie die Fest­stel­lun­gen ver­langt, dass sich der Be­klag­te mit der Rück­nah­me des Pferds im An­nah­me­ver­zug be­fin­de und sämt­li­che ihr – der Klä­ge­rin – zu­künf­tig ent­ste­hen­den not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen für das Pferd tra­gen müs­se.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge nach Ein­ho­lung ei­nes – münd­lich er­läu­ter­ten – schrift­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens so­wie Ver­neh­mung meh­re­rer Zeu­gen statt­ge­ge­ben. Es hat zu­guns­ten der Klä­ge­rin die Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. an­ge­wen­det, da die Klä­ge­rin das Pferd als Ver­brau­che­rin ge­kauft ha­be und ei­ne An­wen­dung des § 476 BGB a.F. hier auch nicht durch die Vor­schrift des § 474 II 2 BGB aus­ge­schlos­sen sei. Nach dem über­zeu­gen­den Gut­ach­ten des ge­richt­li­chen Sach­ver­stän­di­gen wei­se das Pferd ei­ne ge­ring­gra­di­ge, aber deut­li­che Lahm­heit bei­der Vor­der­glied­ma­ßen auf. Ins­be­son­de­re auf­grund des In­halts der vor­ge­leg­ten Be­rich­te der Tier­ärz­te, die das Pferd in Eng­land un­ter­sucht hät­ten, ste­he zur Über­zeu­gung des Ge­richts fest, dass die­ser man­gel­haf­te Zu­stand sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang ge­zeigt ha­be. Dem Be­klag­ten sei es nicht ge­lun­gen, die des­halb gel­ten­de Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F., das Pferd sei be­reits bei Ge­fahr­über­gang man­gel­haft (i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB) ge­we­sen, zu wi­der­le­gen.

Auf die hier­ge­gen von dem Be­klag­ten und dem Streit­hel­fer ein­ge­leg­te Be­ru­fung hat das Ober­lan­des­ge­richt das Ur­teil des Land­ge­richts ab­ge­än­dert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Re­vi­si­on der Klä­ge­rin, die da­mit die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils be­gehr­te, hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: [11]   I. Das Be­ru­fungs­ge­richt (OLG Hamm, Urt. v. 28.01.2019 – 2 U 98/18, ju­ris) hat zur Be­grün­dung der Ent­schei­dung – so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren von In­ter­es­se – im We­sent­li­chen aus­ge­führt:

[12]   Die Klä­ge­rin ha­be un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­nen An­spruch ge­gen den Be­klag­ten auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses. Der Klä­ge­rin sei nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me nicht mit der i. S. des § 286 ZPO er­for­der­li­chen Si­cher­heit der Nach­weis ge­lun­gen, dass die Stu­te be­reits zum Zeit­punkt des – nach den Auk­ti­ons­be­din­gun­gen (Buchst. D Zif­fer 1) wirk­sam auf den Zeit­punkt des Zu­schlags vor­ver­la­ger­ten – Ge­fahr­über­gangs mit ei­nem Sach­man­gel ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB be­haf­tet ge­we­sen sei.

[13]   Die von dem Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­ten rönt­ge­no­lo­gi­schen Ver­än­de­run­gen in Form ei­nes zu klei­nen hin­te­ren Huf­win­kels und ge­ring­fü­gi­ger Skle­ro­sie­run­gen be­grün­de­ten, selbst wenn sie schon wäh­rend der Auk­ti­on vor­ge­le­gen hät­ten, oh­ne kli­ni­sche Er­schei­nung, die der Sach­ver­stän­di­ge in Ge­stalt ei­ner Lahm­heit zum Zeit­punkt der Auk­ti­on nicht fest­zu­stel­len ver­mocht ha­be, kei­nen Sach­man­gel. So­fern die Ver­trags­par­tei­en – wie hier – kei­ne an­ders­lau­ten­den Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­run­gen i. S. des § 434 I 1 BGB ge­trof­fen hät­ten, kön­ne der Käu­fer ei­nes mit in­di­vi­du­el­len An­la­gen aus­ge­stat­te­ten Tiers, auch auf ho­hem Preis­ni­veau, nicht er­war­ten, die­ses ent­spre­che dem phy­sio­lo­gi­schen oder bio­lo­gi­schen Ide­al. Eben­so we­nig wer­de die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung ei­nes Reit­pferds da­durch be­ein­träch­tigt, dass auf­grund phy­sio­lo­gi­scher Nor­m­ab­wei­chun­gen ein ge­wis­ses Ri­si­ko für die Ent­wick­lung kli­ni­scher Sym­pto­me be­ste­he.

[14]   Dass dem­ge­gen­über auf­grund des zu fla­chen und an ei­nem Bein so­gar „ne­ga­ti­ven“ Huf­win­kels an den Vor­der­bei­nen der Stu­te, der ty­pi­scher­wei­se zu un­ge­wöhn­lich lan­gen Ze­hen nebst ei­ner spit­zen Huf­form und da­mit zu ei­ner ver­mehr­ten Be­las­tung der pal­ma­ren Struk­tu­ren füh­re, ei­ne als­bal­di­ge Er­kran­kung, na­ment­lich das Ein­set­zen ei­ner Lahm­heit, be­reits bei Ge­fahr­über­gang sehr wahr­schein­lich ge­we­sen sei und das Ri­si­ko ei­ner Ein­bu­ße der Ver­wen­dungs­mög­lich­keit als Reit­pferd deut­lich über die für ein Le­be­we­sen ty­pi­schen Ent­wick­lungs­un­si­cher­hei­ten hin­aus­ge­he, ha­be der Sach­ver­stän­di­ge nicht fest­zu­stel­len ver­mocht.

[15]   Eben­so we­nig ha­be die Klä­ge­rin nach­ge­wie­sen, dass das vom Sach­ver­stän­di­gen im Rah­men sei­ner Un­ter­su­chung dia­gnos­ti­zier­te „Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“ (EPFS) als kli­ni­scher Lahm­heits­be­fund bei der Auk­ti­on am 04.10.2015 be­reits vor­han­den oder als Grund­man­gel an­ge­legt ge­we­sen sei.

[16]   Kei­ner der Zeu­gen ha­be ei­ne Lahm­heit des Pferds am Auk­ti­ons­tag oder im Vor­feld be­stä­tigt. Dass der Sach­ver­stän­di­ge auf dem Auk­ti­ons­vi­deo Tak­t­un­rein­hei­ten im Trab ge­se­hen ha­be, er­for­de­re kei­ne an­de­re Be­wer­tung, da er sei­ner Be­ob­ach­tung ei­ne ein­deu­tig krank­haf­te Ur­sa­che nicht ha­be zu­grun­de le­gen kön­nen. Ob das Pferd – wo­für ei­ne E-Mail des fach­kun­di­gen Be­ra­ters der Klä­ge­rin an den Be­klag­ten vom 17. 10.2015 spre­che – bei sei­ner An­kunft in Eng­land ge­lahmt ha­be, sei nicht maß­geb­lich, weil der Ge­fahr­über­gang be­reits vier (rich­tig: fünf) Ta­ge vor der An­kunft er­folgt sei.

[17]   Das Vor­lie­gen ei­nes Sach­man­gels zum Zeit­punkt des Zu­schlags sei auch nicht auf­grund ei­ner an bei­den Vor­der­bei­nen in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang mög­li­cher­wei­se auf­ge­tre­te­nen Lahm­heit nach § 476 BGB a.F. zu ver­mu­ten. Die Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. kom­me der Klä­ge­rin nicht zu­gu­te, da sie we­der sub­stan­zi­iert dar­ge­tan noch nach­ge­wie­sen ha­be, das Pferd als Ver­brau­che­rin i. S. des § 13 BGB er­wor­ben zu ha­ben. Viel­mehr sprä­chen ge­wich­ti­ge Grün­de für ei­nen Er­werb des Tiers durch die Klä­ge­rin als Un­ter­neh­me­rin ge­mäß § 14 I BGB.

[18]   Zwar sei die Klä­ge­rin un­strei­tig kei­ne Pfer­de­händ­le­rin, die Tie­re zum ei­ge­nen Pro­fit mit ho­her Fluk­tua­ti­on an- und ver­kau­fe. Die Ver­wal­tung des Ver­mö­gens der Klä­ge­rin ver­mit­te­le je­doch das Bild ei­nes plan­mä­ßi­gen Ge­schäfts­be­triebs. Für ei­ne sol­che Grö­ßen­ord­nung des kläg­er­ei­ge­nen Pfer­de­be­triebs, den sie selbst als „Are­na“ be­wer­be, spre­che schon die stän­di­ge An­stel­lung ei­nes Ver­mö­gens­ver­wal­ters so­wie von Stall­per­so­nal, das ei­ne rei­bungs­lo­se Be­wäl­ti­gung des täg­li­chen Ar­beits­an­falls und die Durch­füh­rung mo­nat­li­cher Tur­nie­re und Lehr­gän­ge er­mög­li­che. Dar­über hin­aus ha­be die Klä­ge­rin be­reits in ih­rer Kla­ge­schrift ein­ge­räumt, über Jah­re hin­weg Sport­pfer­de an­ge­kauft und die­je­ni­gen Pfer­de, die ih­ren An­sprü­chen nicht ge­nügt hät­ten, als Reit- oder Zucht­tie­re ver­äu­ßert zu ha­ben. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­be das Be­ru­fungs­vor­brin­gen des Streit­hel­fers be­rück­sich­tigt wer­den kön­nen, wo­nach die Klä­ge­rin in den letz­ten drei bis vier Jah­ren vor dem Er­werb der streit­ge­gen­ständ­li­chen Stu­te V al­lein über ih­ren fach­kun­di­gen Be­ra­ter acht Pfer­de ge­kauft und vier ver­äu­ßert ha­be. Denn die­ses Vor­brin­gen sei nicht neu i. S. des § 531 II ZPO, son­dern die­ne der Kon­kre­ti­sie­rung des ge­nann­ten erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Klä­ge­rin. Die erst­mals in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung auf­ge­stell­te Be­haup­tung der Klä­ge­rin, sie ha­be in den letz­ten drei bis vier Jah­ren vor dem Er­werb der Stu­te V nur drei Pfer­de ge­kauft und kei­nes ver­äu­ßert, sei hin­ge­gen nicht mehr zu­zu­las­sen ge­we­sen, da die­ses Vor­brin­gen nicht in­ner­halb der Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­frist er­folgt und des­halb ver­spä­tet sei.

[19]   II. Die­se Be­ur­tei­lung hält recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kön­nen An­sprü­che der Klä­ge­rin auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ge­mäß § 437 Nr. 2 Fall 1, § 434 I 2 Nr. 1 und Nr. 2, § 90a Satz 3, §§ 323, 346 I BGB so­wie auf Er­satz frus­trier­ter, vor der Rück­tritts­er­klä­rung er­folg­ter Auf­wen­dun­gen in Form der Kom­mis­si­ons­ge­bühr, Ver­si­che­rung, Aus­la­gen­pau­scha­le und Trans­port­kos­ten nach § 437 Nr. 3 Fall 2, § 434 I 2 Nr. 1 und Nr. 2, § 90a Satz 3, §§ 284, 325 BGB (auch sol­che sind von der Vor­schrift des § 325 BGB er­fasst, vgl. Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 22 m. w. Nachw.), je­weils Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Pferds, und auf Er­stat­tung vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten ge­mäß §§ 280 I, II, 286, 288 IV BGB, je­weils nebst Zin­sen, so­wie die von der Klä­ge­rin dar­über hin­aus be­gehr­te Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs und der Ver­pflich­tung des Be­klag­ten, ihr al­le not­wen­di­gen zu­künf­ti­gen Auf­wen­dun­gen für das Pferd zu er­set­zen (§ 437 Nr. 3, §§ 280 I, III, 281 I 1, §§ 284, 325 BGB), nicht ver­neint wer­den.

[20]   Das Be­ru­fungs­ge­richt hat – trotz rechts­feh­ler­haf­ter Ver­nei­nung des Vor­lie­gens ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs (§ 474 I 1 BGB) – zwar im Er­geb­nis zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass der Klä­ge­rin die Ver­mu­tung des § 476 BGB in der ge­mäß Art. 229 § 39 EGBGB an­wend­ba­ren bis zum 31.12.2017 gel­ten­den Fas­sung (nach­fol­gend a.F.; nun­mehr – wort­gleich – § 477 BGB) nicht zu­gu­te­kommt; denn die Vor­schrif­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs fin­den hier – was das Be­ru­fungs­ge­richt, an­ders als das Land­ge­richt, nicht ge­prüft hat – ge­mäß § 474 II 2 BGB kei­ne An­wen­dung. Je­doch be­ruht die Be­ur­tei­lung des Be­ru­fungs­ge­richts, der Klä­ge­rin sei nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me nicht mit der nach § 286 ZPO er­for­der­li­chen Ge­wiss­heit der Nach­weis ge­lun­gen, dass das Pferd zu den maß­geb­li­chen Zeit­punk­ten des Ge­fahr­über­gangs (Zu­schlags) und der Er­klä­rung des Rück­tritts (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 35; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 43) ei­nen Sach­man­gel ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB auf­ge­wie­sen ha­be, auf re­vi­si­ons­recht­lich be­acht­li­chen Rechts­feh­lern.

[21]   Ob die von der Klä­ge­rin gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che – de­nen, an­ders als die Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung des Be­klag­ten meint, der in den Auk­ti­ons­be­din­gun­gen (Buchst. E Zif­fer II) grund­sätz­lich vor­ge­se­he­ne, vom Be­ru­fungs­ge­richt nicht er­ör­ter­te Haf­tungs­aus­schluss we­gen der in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen ent­hal­te­nen Aus­nah­me für den (hier vor­lie­gen­den) Fall des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs (§ 474 I 1 BGB) nicht ent­ge­gen­steht – be­reits des­halb aus­schei­den, weil die Klä­ge­rin dem Be­klag­ten – wie die Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung des Streit­hel­fers des Be­klag­ten gel­tend macht – ei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung (§ 439 I BGB) erst im Lau­fe des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens zu ei­nem Zeit­punkt ge­setzt hat, zu dem ein Rück­tritt nach § 438 IV 1, § 218 I BGB nicht mehr hät­te wirk­sam er­fol­gen kön­nen, kann durch den Se­nat nicht ab­schlie­ßend be­ur­teilt wer­den, da Fest­stel­lun­gen da­zu feh­len, ob das Set­zen ei­ner Frist zur Nach­er­fül­lung mög­li­cher­wei­se, wie es das erst­in­stanz­li­che Ge­richt ge­mäß § 323 II Nr. 1, § 326 V BGB an­ge­nom­men hat, ent­behr­lich war.

[22]   1. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kön­nen die von der Klä­ge­rin ge­gen den Be­klag­ten gel­tend ge­mach­ten kauf­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che nicht ver­neint wer­den.

[23]   Ge­mäß § 434 I 1 BGB ist die Sa­che frei von Sach­män­geln, wenn sie die ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit auf­weist. Ist ei­ne Be­schaf­fen­heit nicht ver­ein­bart, ist die Sa­che frei von Sach­män­geln, wenn sie sich für die nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung eig­net (§ 434 I 2 Nr. 1 BGB), sonst, wenn sie sich für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­net und ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­weist, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB).

[24]   a) Im Aus­gangs­punkt rechts­feh­ler­frei hat das Be­ru­fungs­ge­richt an­ge­nom­men, dass die Par­tei­en ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nach § 434 I 1 BGB nicht ge­trof­fen ha­ben. Dies nimmt auch die Re­vi­si­on hin.

[25]   b) Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann in­des ein Sach­man­gel des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pferds nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB nicht ver­neint wer­den.

[26]   aa) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat al­ler­dings im Er­geb­nis zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass der Klä­ge­rin die Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. nicht zu­gu­te­kommt und des­halb nicht schon auf­grund ei­ner in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang mög­li­cher­wei­se auf­ge­tre­te­nen Lahm­heit des Pferds zu ver­mu­ten sei, die­ses ha­be sich be­reits im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung als Reit­pferd ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB – die un­ter den hier ge­ge­be­nen Um­stän­den mit der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dung i. S. des § 434 I 2 Nr. 1 BGB der auf ei­ner Auk­ti­on für Reit­pfer­de ver­äu­ßer­ten Stu­te über­ein­stimmt (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 23; Urt. v. 20.03.2019 – VI­II ZR 213/18, NJW 2019, 1937 Rn. 25 ff.; Urt. v. 06.12.2017 – VI­II ZR 219/16, NJW-RR 2018, 822 Rn. 33 ff.; Urt. v. 26.04.2017 – VI­II ZR 80/16, NJW 2017, 2817 Rn. 16) – ge­eig­net oder ei­ne Be­schaf­fen­heit nicht auf­ge­wie­sen, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kön­ne (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB).

[27]   An­ders als das Be­ru­fungs­ge­richt ge­meint hat, schei­tert ei­ne An­wen­dung der Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. hier aber nicht des­halb, weil die Klä­ge­rin das Pferd ge­mäß § 14 I BGB als Un­ter­neh­me­rin er­stei­gert hät­te und da­mit ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf nicht vor­lä­ge, son­dern weil es sich bei der hier in Re­de ste­hen­den Auk­ti­on vom 04.10.2015 – un­ge­ach­tet des Um­stands, dass der Ver­stei­ge­rer nach den vom Be­ru­fungs­ge­richt in Be­zug ge­nom­me­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts nicht öf­fent­lich be­stellt war – um ei­ne „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ ge­mäß § 474 II 2 BGB han­del­te, an der die Klä­ge­rin als Ver­brau­che­rin (§ 13 BGB) per­sön­lich teil­neh­men konn­te, und das dort ge­kauf­te Pferd als ei­ne ge­brauch­te Sa­che im Sin­ne die­ser Vor­schrift an­zu­se­hen ist.

[28]   (1) Nach § 474 I 1 BGB sind Ver­brauchs­gü­ter­käu­fe Ver­trä­ge, durch die ein Ver­brau­cher von ei­nem Un­ter­neh­mer ei­ne be­weg­li­che Sa­che kauft. Für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf gel­ten ge­mäß § 474 II 1 BGB er­gän­zend die Vor­schrif­ten des hier­auf be­zo­ge­nen Un­ter­ti­tels (§§ 475 bis 479 BGB). Ver­brau­cher ist ge­mäß § 13 BGB in der ab dem 13.06.2014 gel­ten­den Fas­sung (BGBl. 2013 I 3642, 3463) je­de na­tür­li­che Per­son, die ein Rechts­ge­schäft zu Zwe­cken ab­schließt, die über­wie­gend we­der ih­rer ge­werb­li­chen noch ih­rer selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit zu­ge­rech­net wer­den kön­nen. Un­ter­neh­mer ist nach § 14 I BGB dem­ge­gen­über ei­ne na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­son oder ei­ne rechts­fä­hi­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft, die bei Ab­schluss ei­nes Rechts­ge­schäfts in Aus­übung ih­rer ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit han­delt.

[29]   Hier­von aus­ge­hend hält die Be­ur­tei­lung des Be­ru­fungs­ge­richts, die Klä­ge­rin ha­be das Pferd durch ih­ren fach­kun­di­gen Be­ra­ter als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) er­stei­gert, wes­halb ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§ 474 I 1 BGB) nicht vor­lie­ge und des­halb die Ver­mu­tung nach § 476 BGB aF nicht zur An­wen­dung kom­me, recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand. Zu Un­recht hat das Be­ru­fungs­ge­richt an­ge­nom­men, die Klä­ge­rin ha­be die Stu­te als Un­ter­neh­me­rin er­wor­ben. Viel­mehr han­delt es sich un­ter Zu­grun­de­le­gung der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen um ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf (we­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­grün­dung s. nach­fol­gend un­ter II 3 a aa).

[30]   (2) Die Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. ist im Streit­fall je­doch des­halb nicht an­wend­bar, weil hier – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on – die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 474 II 2 BGB ein­greift, nach der die Vor­schrif­ten über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf (und da­mit auch § 476 BGB a.F.) in den Fäl­len nicht gel­ten, in de­nen ge­brauch­te Sa­chen in ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung (zu die­sem Be­griff s. § 312g II Nr. 10 BGB; vgl. Se­nat, Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 51) ver­kauft wer­den, an der der Ver­brau­cher teil­neh­men kann. So liegt der Fall hier. Un­ter Zu­grun­de­le­gung der vom Be­ru­fungs­ge­richt selbst ge­trof­fe­nen und der von ihm in Be­zug ge­nom­me­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zum Ab­lauf der von dem Be­klag­ten durch­ge­führ­ten – frei zu­gäng­li­chen – Ver­stei­ge­rung vom 04.10.2015 ist da­von aus­zu­ge­hen, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd in ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung ver­kauft wor­den ist, an der die Klä­ge­rin als Ver­brau­che­rin per­sön­lich teil­neh­men konn­te (§ 474 II 2 BGB).

[31]   Des­halb ist die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts im Er­geb­nis nicht zu be­an­stan­den, ei­ne Ab­wei­chung des Pferds von der ge­wöhn­li­chen (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB) – bzw. von der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten (§ 434 I 2 Nr. 1 BGB) – Be­schaf­fen­heit sei nicht be­reits ge­mäß § 476 BGB a.F. zu ver­mu­ten, weil sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang ein man­gel­haf­ter Zu­stand in Ge­stalt der ge­ring­gra­di­gen, aber deut­li­chen Lahm­heit auf bei­den Vor­der­bei­nen (Man­gel­er­schei­nung) ge­zeigt ha­be, die – un­ter­stellt, die­se hät­te ih­re Ur­sa­che in ei­nem dem Be­klag­ten zu­zu­rech­nen­den Um­stand – des­sen Haf­tung we­gen Ab­wei­chung von der ge­schul­de­ten Be­schaf­fen­heit be­grün­den wür­de (st. Rspr.; vgl. Se­nat, Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 54; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 2/19, IHR 2020, 246 Rn. 53; Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15, BGHZ 212, 224 Rn. 36; je­weils m. w. Nachw.).

[32]   (a) Der na­tio­na­le Ge­setz­ge­ber hat mit dem am 13.06.2014 in Kraft ge­tre­te­nen Ge­setz zur Um­set­zung der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie und zur Än­de­rung des Ge­set­zes zur Re­ge­lung der Woh­nungs­ver­mitt­lung vom 20.09.2013 (BGBl. I 2013 3642) in der Aus­nah­me­vor­schrift des § 474 I 2 BGB (im Fol­gen­den: a.F.; jetzt: § 474 II 2 BGB) die bis­he­ri­ge For­mu­lie­rung „öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung“, die in § 383 III 1 BGB ge­setz­lich de­fi­niert ist (st. Rspr.; vgl. Se­nat, Urt. v. 24.02.2010 – VI­II ZR 71/09, NJW-RR 2010, 1210 Rn. 12, 14 f.; Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 9 f.; eben­so Münch­Komm-BGB/​Fet­zer, 8. Aufl., § 383 Rn. 6), durch die in der – zeit­gleich ge­schaf­fe­nen – Vor­schrift des § 312g II Nr. 10 BGB ge­setz­lich de­fi­nier­te For­mu­lie­rung „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ er­setzt (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 51; Urt. v. 09.10.2019 – VI­II ZR 240/18, BGHZ 223, 235 Rn. 24 f., 58 ff.; Er­man/​Gru­ne­wald, BGB, 16. Aufl., § 474 Rn. 7; Münch­Komm-BGB/​Lo­renz, 8. Aufl., § 474 Rn. 14, 16; Stau­din­ger/​Beck­mann, Eck­pfei­ler des Zi­vil­rechts, 7. Aufl., N Rn. 278; Be­ckOK-BGB/​Faust, Stand: 01.02.2021, § 474 Rn. 33 ff.; HK-BGB/​Sa­en­ger, 10. Aufl., § 474 Rn. 4; vgl. auch BeckOGK/​Au­gen­ho­fer, Stand: 01.01.2021, § 474 BGB Rn. 91 ff.).

[33]   (b) Ei­ne „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ ist da­nach in Ab­gren­zung zu ei­ner „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ i. S. des § 474 I 2 BGB a.F. be­reits an­zu­neh­men, wenn der Un­ter­neh­mer Ver­brau­chern, die per­sön­lich an­we­send sind oder de­nen die­se Mög­lich­keit ge­währt wird, Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen an­bie­tet, und zwar in ei­nem vom Ver­stei­ge­rer durch­ge­führ­ten, auf kon­kur­rie­ren­den Ge­bo­ten ba­sie­ren­den trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren, bei dem der Bie­ter, der den Zu­schlag er­hal­ten hat, zum Er­werb der Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen ver­pflich­tet ist (§ 312g II Nr. 10 BGB; s. auch die wort­laut­glei­che Be­griffs­be­stim­mung in der die­ser Vor­schrift zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lung des Art. 2 Nr. 13 der Richt­li­nie 2011/83/EU des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25.10.2011 über die Rech­te der Ver­brau­cher, ABl. 2011 L 304, 64 [im Fol­gen­den: Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie]).

[34]   Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier un­ter Zu­grun­de­le­gung der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zu der von dem be­klag­ten Pfer­de­zucht­ver­band am 04.10.2015 durch­ge­führ­ten Ver­stei­ge­rung (s. oben un­ter II 1 b aa (2)) er­füllt (vgl. dem­entspre­chend zu wei­te­ren von Pfer­de­zucht­ver­bän­den durch­ge­führ­ten Pfer­de­auk­tio­nen Se­nat, Urt. v. 09.10.2019 – VI­II ZR 240/18, BGHZ 223, 235 Rn. 25; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 51). So bot der Be­klag­te auf der Auk­ti­on Pfer­de an, auf die in­ter­es­sier­te Er­wer­ber, wie die Klä­ge­rin, de­nen die Mög­lich­keit er­öff­net wur­de, an der Auk­ti­on per­sön­lich teil­zu­neh­men, in ei­nem trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren bie­ten konn­ten und die mit dem Zu­schlag en­de­te, durch den nach den ein­be­zo­ge­nen Auk­ti­ons­be­din­gun­gen des Be­klag­ten (Buchst. D Zif­fer 1) der Be­sitz und die Ge­fahr auf den Höchst­bie­ten­den über­geht, der mit rest­lo­ser Zah­lung des Kauf­prei­ses das Ei­gen­tum an dem er­stei­ger­ten Pferd er­wirbt.

[35]   (c) Nach der Neu­fas­sung des § 474 II 2 BGB ist für die An­nah­me ei­ner „öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung“ i. S. die­ser Vor­schrift dar­über hin­aus nicht (mehr) er­for­der­lich, dass der Ver­stei­ge­rer die per­sön­li­chen An­for­de­run­gen ge­mäß § 383 III 1 BGB, § 34b V Ge­wO (vgl. zu die­sem Er­for­der­nis Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 14; Urt. v. 24.02.2010 – VI­II ZR 71/09, NJW-RR 2010, 1210 Rn. 12 [je­weils zu § 474 I 2 BGB a.F.]) – wie hier nach den vom Be­ru­fungs­ge­richt in Be­zug ge­nom­me­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts nicht der Fall – er­füllt.

[36]   (aa) So­weit dem­ge­gen­über in der Li­te­ra­tur teil­wei­se – al­ler­dings oh­ne nä­he­re Be­grün­dung – die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, un­ter den nun­mehr in § 474 II 2 BGB ver­wen­de­ten Be­griff der „öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung“ fal­le – wie es das Land­ge­richt an­ge­nom­men hat – auch nach der Ge­set­zes­än­de­rung nur ei­ne „öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung“ i. S. des § 383 III 1 BGB (so ju­risPK-BGB/​Ball, Stand: 01.02.2020, § 474 Rn. 49 f.; Jau­er­nig/​Ber­ger, BGB, 18. Aufl., §§ 474, 475 Rn. 6; NK-BGB/​Bü­den­be­n­der, BGB, 3. Aufl., § 474 Rn. 15), ver­mag dies – an­ders als die Re­vi­si­on meint – nicht zu über­zeu­gen (eben­so Münch­Komm-BGB/​Lo­renz, a. a. O., Rn. 14, 16; Be­ckOK-BGB/​Faust, a. a. O., § 474 Rn. 33 ff.; Er­man/​Gru­ne­wald, a. a. O., § 474 Rn. 7; Stau­din­ger/​Beck­mann, a. a. O., N Rn. 278; HK-BGB/​Sa­en­ger, a. a. O., § 474 Rn. 4; Pa­landt/​Wei­den­kaff, BGB, 80. Aufl., § 474 Rn. 2). Ein sol­ches ein­schrän­ken­des Be­griffs­ver­ständ­nis lässt sich der Vor­schrift des § 474 II 2 BGB im We­ge der Aus­le­gung nicht ent­neh­men, son­dern läuft auf ei­ne te­leo­lo­gi­sche Re­duk­ti­on die­ser Be­stim­mung hin­aus. Ei­ner sol­chen te­leo­lo­gi­schen Re­duk­ti­on steht aber be­reits ent­ge­gen, dass es an der hier­für er­for­der­li­chen ver­deck­ten Re­ge­lungs­lü­cke im Sin­ne ei­ner – vom Stand­punkt des Ge­set­zes und der ihm zu­grun­de lie­gen­den Re­ge­lungs­ab­sicht aus zu be­ur­tei­len­den – plan­wid­ri­gen Un­voll­stän­dig­keit des Ge­set­zes (s. hier­zu BGH, Urt. v. 01.07.2020 – VI­II ZR 323/18, NJW-RR 2020, 956 Rn. 31 m. w. Nachw.; Urt. v. 30.09.2014 – XI ZR 168/13, BGHZ 202, 302 Rn. 13) fehlt. Sie über­schrei­tet zu­dem die Gren­zen zu­läs­si­ger rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung auch des­halb, weil sie in dem im Wort­laut und in der Ge­set­zes­be­grün­dung zum Aus­druck ge­kom­me­nen Wil­len des Ge­setz­ge­bers kei­ne hin­rei­chen­de Stüt­ze fin­det und über­dies dem Sinn und Zweck der Re­ge­lung, näm­lich der Um­set­zung der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie, zu­wi­der­läuft (zu den Gren­zen rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung vgl. BVerfG, Beschl. v. 14.06.2007 – 2 BvR 1447/05 und 2 BvR 136/05, BVerfGE 118, 212, 243; Beschl. v. 15.01.2009 – 2 BvR 2044/07, BVef­GE 122, 248, 258 ff.; Beschl. v. 25.01.2011 – 1 BvR 918/10, BVerfGE 128, 193, 210 ff.; Beschl. v. 23.10.2013 – 1 BvR 1842/11 und 1 BvR 1843/11, BVerfGE 134, 204 Rn. 115; BGH, Urt. v. 28.10.2015 – VI­II ZR 158/11, BGHZ 207, 209 Rn. 41; Urt. v. 03.07.2014 – I ZR 30/11, NJW-RR 2015, 171 Rn. 46).

[37]   (bb) Der Ge­setz­ge­ber hat die Be­stim­mung des § 474 I 2 BGB a.F., die hin­sicht­lich der Aus­nah­me von der An­wend­bar­keit der Vor­schrif­ten über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf noch auf ge­brauch­te Sa­chen ab­stell­te, die in ei­ner „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ ver­kauft wer­den, mit dem am 13.06.2014 in Kraft ge­tre­te­nen Ge­setz zur Um­set­zung der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie und zur Än­de­rung des Ge­set­zes zur Re­ge­lung der Woh­nungs­ver­mitt­lung vom 20.09.2013 (BGBl. 2013 I 3642) ge­än­dert, in­dem er – nun­mehr in § 474 II 2 BGB – für die vor­ste­hend ge­nann­te Aus­nah­me auf die „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ ab­ge­stellt und die­sen Be­griff – zeit­gleich und durch das­sel­be Ge­setz – in § 312g II Nr. 10 BGB (zu dem bis­lang ver­wen­de­ten Be­griff der Ver­stei­ge­rung i. S. des § 156 BGB vgl. § 312d IV Nr. 5 BGB in der bis zum 12.06.2014 gel­ten­den Fas­sung) ent­spre­chend den Vor­ga­ben des Art. 2 Nr. 13 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie (s. auch Er­wä­gungs­grund 24 die­ser Richt­li­nie) ge­setz­lich de­fi­niert hat (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 57). Ei­ne der­ar­ti­ge Le­gal­de­fi­ni­ti­on ei­nes Rechts­be­griffs be­an­sprucht – wie der Se­nat be­reits ent­schie­den hat – grund­sätz­lich für den ge­sam­ten An­wen­dungs­be­reich des Ge­set­zes, in dem sie er­folgt, Gel­tung, wenn nicht der Ge­setz­ge­ber für ei­nen Ein­zel­fall er­kenn­bar da­von ab­ge­wi­chen ist (Se­nat, Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 10). Da­für gibt es hier kei­ne An­halts­punk­te.

[38]   (cc) Dem durch die vor­ge­nann­te Ge­set­zes­än­de­rung do­ku­men­tier­ten Wil­len des Ge­setz­ge­bers lie­fe es viel­mehr – un­ge­ach­tet der Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob das mit der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie ver­folg­te Ziel ei­ner Voll­har­mo­ni­sie­rung (vgl. Art. 4 und Er­wä­gungs­grund 7 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie; s. hier­zu auch BGH, Urt. v. 26.11.2020 – I ZR 169/19, WRP 2021, 343 Rn. 31 m. w. Nachw.) den na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber (so­gar) zu ei­ner An­pas­sung des § 474 I 2 BGB a.F. ge­zwun­gen hät­te (vgl. hier­zu Münch­Komm-BGB/​Lo­renz, a. a. O., § 474 Rn. 14; Be­ckOK-BGB/​Faust, a. a. O., § 474 Rn. 34 f.; BeckOGK/​Au­gen­ho­fer, a. a. O., § 474 Rn. 94) oder ob dies nicht der Fall war, weil der Be­griff des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs mög­li­cher­wei­se vom An­wen­dungs­be­reich der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie nicht oder nur teil­wei­se (vgl. zu die­sem An­satz BeckOGK/​Au­gen­ho­fer, a. a. O., § 474 Rn. 94) um­fasst ist, was vor­lie­gend of­fen­blei­ben kann – zu­wi­der, wenn trotz der er­folg­ten Än­de­rung bei der Aus­le­gung des nun­mehr ver­wen­de­ten Be­griffs der „öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung“ wei­ter­hin auf die Le­gal­de­fi­ni­ti­on des § 383 III 1 BGB („öf­fent­li­che Ver­stei­ge­rung“) und nicht auf die­je­ni­ge des § 312g II Nr. 10 BGB („öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“) ab­ge­stellt wür­de.

[39]   Viel­mehr führt die vor­ge­nom­me­ne Än­de­rung des § 474 II 2 BGB zu dem Schluss, dass der Ge­setz­ge­ber da­mit – an­ders als noch bei der Schaf­fung der Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 474 I 2 BGB a.F. (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 11) – ei­nen ge­gen­über § 383 III 1 BGB er­wei­ter­ten An­wen­dungs­be­reich der Aus­nah­me­vor­schrift zum Aus­druck brin­gen woll­te.

[40]   (dd) Dem kann nicht, wie es das Land­ge­richt an­ge­nom­men hat, ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, der Ge­set­zes­be­grün­dung lie­ße sich ent­neh­men, der Ge­setz­ge­ber ha­be mit der Neu­fas­sung des § 474 II 2 BGB ei­ne in­halt­li­che Än­de­rung nicht be­ab­sich­tigt. Zwar ist in der Ge­set­zes­be­grün­dung zu § 474 II 2 BGB aus­ge­führt, die spe­zi­el­len Vor­schrif­ten über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf sei­en wei­ter­hin nicht an­wend­bar auf ge­brauch­te Sa­chen, die in ei­ner „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ ver­kauft wür­den, an der der Ver­brau­cher per­sön­lich teil­neh­men kön­ne, was wei­ter­hin aus Art. 1 III der Richt­li­nie 1999/44/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25.05.1999 (ABl. 1999 L 171, 12; im Fol­gen­den: Ver­brauchs­gü­terkauf­richt­li­nie) fol­ge (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 69; BR-Drs. 817/12, S. 113). Woll­te man die­ser For­mu­lie­rung in­des ent­neh­men, der Ge­setz­ge­ber ha­be trotz der Än­de­rung des Ge­set­zes­wort­lauts in­halt­lich an dem Be­griff der „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ fest­hal­ten wol­len, er­gä­be die Tat­sa­che, dass er sich den­noch für ei­ne An­pas­sung des Wort­lauts des § 474 II 2 BGB an die Re­ge­lung in § 312g II Nr. 10 BGB ent­schie­den hat, kei­nen Sinn. Hier­für hät­te aus Sicht des Ge­setz­ge­bers – wenn man un­ter­stell­te, bei Art. 2 Nr. 13 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie han­del­te es sich in Be­zug auf die An­wen­dung der Re­ge­lun­gen über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf nicht oh­ne­hin um ei­ne Be­stim­mung, die von der durch die Richt­li­nie be­zweck­ten Voll­har­mo­ni­sie­rung (Art. 4) er­fasst wird – kein An­lass be­stan­den.

[41]   Ei­ne ge­gen­tei­li­ge Sicht­wei­se wür­de im Üb­ri­gen dem oben (un­ter (bb)) be­reits er­wähn­ten Grund­satz wi­der­spre­chen, dass die Le­gal­de­fi­ni­ti­on ei­nes Rechts­be­griffs – wie der Ge­setz­ge­ber sie hier in § 312g II Nr. 10 BGB un­ter Hin­weis auf Art. 2 Nr. 13 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie vor­ge­nom­men hat – grund­sätz­lich für den An­wen­dungs­be­reich des ge­sam­ten Ge­set­zes Gel­tung be­an­sprucht, für den sie er­folgt, wenn der Ge­setz­ge­ber nicht für ei­nen Ein­zel­fall er­kenn­bar ab­ge­wi­chen ist (Se­nat, Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 10), wor­an es vor­lie­gend fehlt.

[42]   (ee) Die oben ge­nann­te For­mu­lie­rung aus der Ge­set­zes­be­grün­dung kann da­her nur da­hin ge­deu­tet wer­den, dass der Ge­setz­ge­ber sich ent­we­der des Um­stands nicht be­wusst war, dass mit der sprach­li­chen An­pas­sung in § 474 II 2 BGB auch ei­ne in­halt­li­che Ver­än­de­rung ver­bun­den war, weil die Recht­spre­chung – ent­spre­chend der vom Ge­setz­ge­ber da­mals im Hin­blick auf die in Art. 1 III der Ver­brauchs­gü­terkauf­richt­li­nie ein­ge­räum­te Aus­nah­me­mög­lich­keit ge­wähl­ten Art der Um­set­zung in § 474 I 2 BGB a.F. – un­ter dem Be­griff der „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ nur ei­ne sol­che nach § 383 III 1 BGB ver­stand (vgl. Se­nat, Urt. v. 09.11.2005 – VI­II ZR 116/05, NJW 2006, 613 Rn. 13; Urt. v. 24.02.2010 – VI­II ZR 71/09, NJW-RR 2010, 1210 Rn. 12; vgl. zu ei­nem wei­te­ren eu­ro­pa­recht­li­chen Ver­ständ­nis des Be­griffs der öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung gem. Art. 1 III der Ver­brauchs­gü­terkauf­richt­li­nie: Stau­din­ger/​Ma­tu­sche-Beck­mann, BGB, Neu­be­arb. 2013, § 474 Rn. 57; Be­ckOK-BGB/​Faust, a. a. O., § 474 Rn. 33; BeckOGK/​Au­gen­ho­fer, a. a. O., § 474 Rn. 91.1) oder der Ge­setz­ge­ber in der Ge­set­zes­be­grün­dung zu § 474 II 2 BGB bei der Ver­wen­dung des Be­griffs der „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ nicht auf die Be­deu­tung des in § 474 I 2 BGB a.F. ent­hal­te­nen na­tio­na­len, durch die Le­gal­de­fi­ni­ti­on in § 383 III 1 BGB ge­präg­ten Rechts­be­griffs ab­ge­stellt hat, son­dern den eu­ro­pa­recht­li­chen Be­griff der „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ im Blick hat­te, wie er be­reits in Art. 1 III der Ver­brauchs­gü­terkauf­richt­li­nie ent­hal­ten war und sich nun in Art. 2 Nr. 13 so­wie Er­wä­gungs­grund 24 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie fin­det (s. zu die­sem eu­ro­pa­recht­li­chen Be­griff nun­mehr auch Art. 2 Nr. 15 und Art. 3 V lit. a der Richt­li­nie (EU) 2019/771 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20.05.2019 über be­stimm­te ver­trags­recht­li­che As­pek­te des Wa­ren­kaufs, ABl. 2019 L 136, 28 [im Fol­gen­den: Wa­renkauf­richt­li­nie]).

[43]   Auch vor die­sem Hin­ter­grund be­trach­tet ver­mag da­her der Um­stand, dass in der Ge­set­zes­be­grün­dung zu § 474 II 2 BGB an ei­ner Stel­le der nicht mehr dem neu­en Ge­set­zes­wort­laut ent­spre­chen­de Be­griff der „öf­fent­li­chen Ver­stei­ge­rung“ ver­wen­det wor­den ist, nichts an dem oben ge­fun­de­nen Aus­le­gungs­er­geb­nis zu än­dern, wo­nach ei­ne „öf­fent­lich zu­gäng­li­che Ver­stei­ge­rung“ i. S. des § 474 II 2 BGB nicht (mehr) er­for­dert, dass der Ver­stei­ge­rer die per­sön­li­chen An­for­de­run­gen ge­mäß § 383 III 1 BGB, § 34b V Ge­wO er­füllt.

[44]   bb) Bei dem von der Klä­ge­rin er­wor­be­nen Pferd han­delt es sich – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on – auch um ei­ne ge­brauch­te Sa­che i. S. des § 474 II 2 BGB.

[45]   Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zwar – von sei­nem Rechts­stand­punkt aus fol­ge­rich­tig – nicht fest­ge­stellt, dass es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Pferd um ei­ne ge­brauch­te Sa­che han­delt. Der Se­nat kann die­se Be­ur­tei­lung je­doch auf der Grund­la­ge der sons­ti­gen Fest­stel­lun­gen und un­ter Her­an­zie­hung der von ihm zur Ab­gren­zung der Be­grif­fe „neu“ und „ge­braucht“ bei Tie­ren ent­wi­ckel­ten Maß­stä­be (s. hier­zu Se­nat, Urt. v. 09.10.2019 – VI­II ZR 240/18, BGHZ 223, 235 Rn. 32 ff. [zum Fall ei­nes zum Zeit­punkt des Ver­kaufs we­der ge­rit­te­nen noch an­ge­rit­te­nen und auch nicht ei­ner sons­ti­gen Ver­wen­dung – et­wa Zucht – zu­ge­führ­ten knapp zwei­ein­halb Jah­re al­ten Hengs­tes]) selbst vor­neh­men, da es hier­zu wei­te­rer Fest­stel­lun­gen nicht be­darf.

[46]   Wie das Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat, ist das am 07.04.2012 ge­bo­re­ne und da­mit zum Zeit­punkt der Auk­ti­on am 04.10.2015 drei­ein­halb Jah­re al­te streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd be­reits ab Au­gust 2015 von dem Chef­be­rei­ter der Be­klag­ten be­rit­ten wor­den. Da­mit ist es in Vor­be­rei­tung auf die Auk­ti­on be­reits ei­ner be­stimm­ten mit ei­ner „Ab­nut­zungs­ge­fahr“ ver­bun­de­nen Ver­wen­dung, näm­lich der Nut­zung als Reit­pferd, zu­ge­führt wor­den (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 09.10.2019 – VI­II ZR 240/18, BGHZ 223, 235 Rn. 32) und des­halb als „ge­braucht“ i. S. des § 474 II 2 BGB ein­zu­stu­fen.

[47]   2. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann je­doch nicht an­ge­nom­men wer­den, der Klä­ge­rin sei der ihr – man­gels Ein­grei­fens der Ver­mu­tung des § 476 BGB a.F. – ge­mäß § 363 BGB ob­lie­gen­de Nach­weis nicht ge­lun­gen, das Pferd ha­be sich, da ei­ne ab­wei­chen­de Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung (§ 434 I 1 BGB) nicht ge­trof­fen wor­den sei, im Zeit­punkt des Zu­schlags, auf den nach den wirk­sam ein­be­zo­ge­nen Auk­ti­ons­be­din­gun­gen der Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs (§ 446 BGB) vor­ver­legt wor­den sei, nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung als Reit­pferd ge­eig­net (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB).

[48]   Die­se Be­ur­tei­lung des Be­ru­fungs­ge­richts ist – wie die Re­vi­si­on mit Recht rügt – von Rechts­feh­lern be­ein­flusst und be­ruht ins­be­son­de­re auf ei­ner un­voll­stän­di­gen Wür­di­gung des Pro­zess­stoffs und des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me (§ 286 I ZPO).

[49]   a) Noch zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt al­ler­dings an­ge­nom­men, für die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob die Stu­te im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs ei­nen Man­gel auf­ge­wie­sen ha­be, sei der Zeit­punkt des Zu­schlags maß­geb­lich. Die Be­ur­tei­lung des Be­ru­fungs­ge­richts, die Auk­ti­ons­be­din­gun­gen des Be­klag­ten sei­en Ver­trags­be­stand­teil des zwi­schen den Par­tei­en ge­mäß § 156 BGB zu­stan­de ge­kom­me­nen Kauf­ver­trags ge­wor­den und da­mit sei ge­mäß Buch­sta­be D Zif­fer 1 Satz 2 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen der Ge­fahr­über­gang wirk­sam auf den Zeit­punkt des Zu­schlags vor­ver­legt, ist – auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Vor­lie­gens ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs – recht­lich nicht zu be­an­stan­den (vgl. hier­zu ein­ge­hend Se­nat, Urt. v. 15.01.2014 – VI­II ZR 70/13, BGHZ 200, 1 Rn. 16; vgl. fer­ner Be­ckOK-BGB/​Faust, a. a. O., § 446 Rn. 25; NK-BGB/​Bü­den­be­n­der, a.a.O., § 446 Rn. 21). Dies zie­hen auch die Par­tei­en im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht in Zwei­fel.

[50]   b) Da die Par­tei­en nach den rechts­feh­ler­frei­en und in­so­weit un­be­an­stan­de­ten Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nicht ge­trof­fen ha­ben (s. oben un­ter II 1 a), hat das Be­ru­fungs­ge­richt für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob das Pferd im Zeit­punkt des Zu­schlags ei­nen Sach­man­gel auf­wies, im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, ob es sich für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung als Reit­pferd ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB eig­ne­te, die – wie oben (un­ter II 1 b aa) be­reits aus­ge­führt – un­ter den hier ge­ge­be­nen Um­stän­den – dem Er­werb des Pferds auf ei­ner Auk­ti­on für Reit­pfer­de – mit der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dung i. S. des § 434 I 2 Nr. 1 BGB über­ein­stimmt.

[51]   aa) Der Ver­käu­fer ei­nes Tiers hat, so­fern ei­ne an­ders­lau­ten­de Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nicht ge­trof­fen wird, (le­dig­lich) da­für ein­zu­ste­hen, dass es bei Ge­fahr­über­gang nicht krank ist und sich auch nicht in ei­nem (eben­falls ver­trags­wid­ri­gen) Zu­stand be­fin­det, auf­grund des­sen be­reits die Si­cher­heit oder zu­min­dest die ho­he Wahr­schein­lich­keit be­steht, dass es als­bald er­kran­ken wird (Se­nat, Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 37; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 26; Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 25; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 25; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 2/19, IHR 2020, 246 Rn. 28) und in­fol­ge­des­sen für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te (oder die ge­wöhn­li­che) Ver­wen­dung nicht mehr ein­setz­bar wä­re.

[52]   bb) Die Eig­nung ei­nes kli­nisch un­auf­fäl­li­gen Pferds für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te oder die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung als Reit­pferd ist, wie der Se­nat be­reits mehr­fach ent­schie­den hat, nicht schon da­durch be­ein­träch­tigt, dass auf­grund von Ab­wei­chun­gen von der „phy­sio­lo­gi­schen Norm“ ei­ne (le­dig­lich) ge­rin­ge Wahr­schein­lich­keit da­für be­steht, dass das Tier zu­künf­tig kli­ni­sche Sym­pto­me ent­wi­ckeln wird, die sei­ner Ver­wen­dung als Reit­pferd ent­ge­gen­ste­hen (Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 14; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 24; Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 26). Eben­so we­nig ge­hört es zur üb­li­chen Be­schaf­fen­heit ei­nes Tiers, dass es in je­der Hin­sicht ei­ner bio­lo­gi­schen oder phy­sio­lo­gi­schen „Ide­al­norm“ ent­spricht (Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 19; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 24; Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 26; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 26; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 2/19, IHR 2020, 246 Rn. 29).

[53]   cc) Die­se Wer­tung trägt dem Um­stand Rech­nung, dass es sich bei Tie­ren um Le­be­we­sen han­delt, die ei­ner stän­di­gen Ent­wick­lung un­ter­lie­gen und die – an­ders als Sa­chen – mit in­di­vi­du­el­len An­la­gen aus­ge­stat­tet und dem­entspre­chend mit sich dar­aus er­ge­ben­den un­ter­schied­li­chen Ri­si­ken be­haf­tet sind (Se­nat, Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 24 m. w. Nachw.). Denn der Käu­fer ei­nes le­ben­den Tiers kann, wie der Se­nat eben­falls aus­ge­spro­chen hat, red­li­cher­wei­se nicht er­war­ten, dass er auch oh­ne be­son­de­re (Be­schaf­fen­heits-) Ver­ein­ba­rung ein Tier mit „idea­len“ An­la­gen er­hält, son­dern muss im Re­gel­fall da­mit rech­nen, dass es in der ei­nen oder an­de­ren Hin­sicht phy­sio­lo­gi­sche Ab­wei­chun­gen vom Ide­al­zu­stand auf­weist, wie sie für Le­be­we­sen nicht un­ge­wöhn­lich sind (vgl. Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 19; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 25). Die da­mit ver­bun­de­nen Ri­si­ken für die spä­te­re Ent­wick­lung des Tiers sind für Le­be­we­sen ty­pisch und stel­len für sich ge­nom­men noch kei­nen ver­trags­wid­ri­gen Zu­stand dar, denn der Ver­käu­fer ei­nes Tiers haf­tet nicht für den Fort­be­stand des bei Ge­fahr­über­gang ge­ge­be­nen Ge­sund­heits­zu­stands (vgl. Se­nat, Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 37; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 25; Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 26; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 27; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 2/19, IHR 2020, 246 Rn. 30).

[54]   c) Die Be­weis­wür­di­gung des Be­ru­fungs­ge­richts kann in­des we­gen Ver­sto­ßes ge­gen § 286 I ZPO kei­nen Be­stand ha­ben. Die tatrich­ter­li­che Be­weis­wür­di­gung kann zwar vom Re­vi­si­ons­ge­richt nur ein­ge­schränkt über­prüft wer­den, näm­lich dar­auf, ob der Tatrich­ter sich mit dem Pro­zess­stoff und den Be­wei­s­er­geb­nis­sen um­fas­send und wi­der­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, die Wür­di­gung voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht ge­gen die Denk- und Na­tur­ge­set­ze ver­stößt (st. Rspr.; vgl. et­wa BGH, Urt. v. 28.06.2016 – VI ZR 559/14, NJW 2016, 3244 Rn. 15; Urt. v. 29.03.2017 – VI­II ZR 44/16, NJW 2017, 2819 Rn. 24; Urt. v. 11.11.2020 – VI­II ZR 191/18, NJW-RR 2021, 84 Rn. 21; je­weils m. w. Nachw.). Der­ar­ti­ge Feh­ler sind dem Be­ru­fungs­ge­richt hier aber un­ter­lau­fen.

[55]   Die Re­vi­si­on be­an­stan­det mit der Ver­fah­rens­rüge (§ 286 I, §§ 551, 557 III 2 ZPO; vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 10.05.2017 – VI­II ZR 292/15, NJW-RR 2017, 976 Rn. 25, 28) zu Recht, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be die Be­weis­an­trä­ge der Klä­ge­rin auf An­hö­rung des Sach­ver­stän­di­gen so­wie auf Ver­neh­mung ih­res sach­kun­di­gen Be­ra­ters – der das Pferd für sie Pro­be ge­rit­ten, er­stei­gert und nach der An­kunft in Eng­land be­treut hat­te – als Zeu­gen und der be­han­deln­den Tier­ärz­te in Eng­land als sach­ver­stän­di­ge Zeu­gen, wel­che die Stu­te nach der An­kunft in Eng­land un­ter­sucht hat­ten, ver­fah­rens­feh­ler­haft über­gan­gen. Der Se­nat ist im Hin­blick auf die­se durch­grei­fen­de Ver­fah­rens­rüge und die auch an­sons­ten lü­cken­haf­te Be­weis­wür­di­gung nicht an die an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ge­bun­den (§ 559 II ZPO; vgl. Se­nat, Urt. v. 10.05.2017 – VI­II ZR 292/15, NJW-RR 2017, 976 Rn. 27).

[56]   aa) Der An­nah­me ei­nes ver­fah­rens­feh­ler­haf­ten Über­ge­hens der vor­be­zeich­ne­ten An­trä­ge der Klä­ge­rin durch das Be­ru­fungs­ge­richt steht nicht be­reits ent­ge­gen, dass der Be­weis nur in ers­ter In­stanz an­ge­bo­ten war und die – in ers­ter In­stanz ob­sie­gen­de – Klä­ge­rin in der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung auf die Be­weis­an­trit­te le­dig­lich all­ge­mein Be­zug ge­nom­men hat (vgl. BGH, Urt. v. 02.07.1986 – IVb ZR 37/85, Fam­RZ 1986, 1085 un­ter II 2 a [zu über­gan­ge­nem Sach­vor­trag]; Beschl. v. 11.03.2010 – V ZR 165/09, ju­ris Rn. 11; Beschl. v. 30.11.2011 – III ZR 165/11, ju­ris Rn. 7; BVerfG [2. Kam­mer des Ers­ten Se­nats], Beschl. v. 09.03.2015 – 1 BvR 2819/14, NJW 2015, 1746 Rn. 17 m. w. Nachw.). Denn nach der ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung so­wohl des BGH als auch des BVerfG ob­liegt es dem Be­ru­fungs­be­klag­ten ge­mäß § 521 II 2 ZPO i.V. mit § 277 I 1 ZPO nur, sei­ne Ver­tei­di­gungs­mit­tel in­so­weit vor­zu­brin­gen, als es nach der Pro­zess­la­ge ei­ner sorg­fäl­ti­gen und auf För­de­rung des Ver­fah­rens be­dach­ten Pro­zess­füh­rung ent­spricht. Da­nach darf er sein Ziel in ers­ter Li­nie dar­in se­hen, die zu sei­nen Guns­ten er­gan­ge­ne Ent­schei­dung zu ver­tei­di­gen und neue An­griffs­mit­tel des Be­ru­fungs­klä­gers ab­zu­weh­ren (vgl. BGH, Urt. v. 28.08.2018 – VI ZR 518/16, NJW 2019, 362 Rn. 15; Beschl. v. 10.01.2017 – XI ZR 365/14, BKR 2017, 164 Rn. 15; BVerfG [2. Kam­mer des Ers­ten Se­nats], Beschl. v. 09.03.2015 – 1 BvR 2819/14, NJW 2015, 1746 Rn. 17; jweils m. w. Nachw.).

[57]   Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung sol­cher nur in ers­ter In­stanz er­folg­ter Be­weis­an­trit­te ver­stößt – wie die Re­vi­si­on mit Recht rügt – ge­gen § 286 I ZPO, wenn das Erst­ge­richt das un­ter Be­weis ge­stell­te Vor­brin­gen als un­er­heb­lich be­han­delt hat, das Vor­brin­gen nach der Rechts­an­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts je­doch er­heb­lich wird (BGH, Beschl. v. 11.03.2010 – V ZR 165/09, ju­ris Rn. 11; Beschl. v. 10.01.2017 – XI ZR 365/14, BKR 2017, 164 Rn. 15; BVerfG, Beschl. v. 08.10.1985 – 1 BvR 33/83, BVerfGE 70, 288, 295; Beschl. v. 21.04.1982 – 2 BvR 810/81, NJW 1982, 1636, 1637; BVerfG [3. Kam­mer des Ers­ten Se­nats], Beschl. v. 13.11.1992 – 1 BvR 1694/88, NJW-RR 1993, 636, 637; BVerfG [2. Kam­mer des Ers­ten Se­nats], Beschl. v. 09.03.2015 – 1 BvR 2819/14, NJW 2015, 1746 Rn. 171Der BGH ver­weist hier auf ei­ne wei­te­re Ent­schei­dung des BVerfG, für die er als Fund­stel­le „NJW 1982, 581, 582“ an­gibt. Dort fin­det sich al­ler­dings ei­ne – ein­schlä­gi­ge – Ent­schei­dung des BGH (Urt. v. 13.03.1981 – I ZR 65/79).). So ver­hält es sich hier.

[58]   Nach­dem das Be­ru­fungs­ge­richt, an­ders als das erst­in­stanz­li­che Ge­richt, auf­grund der rechts­ir­ri­gen An­sicht, die Klä­ge­rin ha­be das Pferd als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) er­wor­ben, vom Nicht­vor­lie­gen ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs und da­mit von der Un­an­wend­bar­keit der Re­ge­lun­gen über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§ 474 I 1 BGB) aus­ge­gan­gen war und des­halb an­nahm, ein Man­gel des Pferds sei nicht be­reits nach § 476 BGB a.F. zu ver­mu­ten, hät­te es sich mit den in­so­weit un­er­le­dig­ten Be­weis­an­trä­gen der Klä­ge­rin zum Vor­lie­gen ei­nes Man­gels bei Ge­fahr­über­gang be­fas­sen müs­sen. Dies hat das Be­ru­fungs­ge­richt un­ter Ver­stoß ge­gen § 286 I ZPO un­ter­las­sen.

[59]   bb) Das Über­ge­hen der Be­weis­an­ge­bo­te war auch nicht et­wa des­halb zu­läs­sig, weil die­se – so­weit sie sich auf die be­han­deln­den Tier­ärz­te in Eng­land und de­ren Wahr­neh­mung hin­sicht­lich des äu­ße­ren Er­schei­nungs­bilds des Pferds nach des­sen Ein­tref­fen dort be­zie­hen – nicht die von der Klä­ge­rin zu be­wei­sen­de Haupt­tat­sa­che, das Pferd ha­be sich (be­reits) im Zeit­punkt des Zu­schlags we­gen ei­nes in Re­de ste­hen­den, vom ge­richt­li­chen Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­ten „Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“ (EPFS) bzw. ei­ner krank­haf­ten Be­ein­träch­ti­gung in Ge­stalt ei­ner Lahm­heit nicht für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te oder ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung ge­eig­net, bzw. die­se Er­kran­kung sei auf­grund der un­güns­ti­gen phy­sio­lo­gi­schen Dis­po­si­ti­on der Vor­der­ze­he im Zeit­punkt der Auk­ti­on be­reits sehr wahr­schein­lich ge­we­sen, hät­ten be­tref­fen kön­nen.

[60]   (1) Bei ei­nem In­di­zi­en­be­weis, wie in­so­weit vor­lie­gend, darf der Tatrich­ter zwar von ei­ner be­an­trag­ten Be­weis­er­he­bung ab­se­hen, wenn die un­ter Be­weis ge­stell­te Hilfs­tat­sa­che für den Nach­weis der Haupt­tat­sa­che nach sei­ner Über­zeu­gung nicht aus­reicht (BGH, Urt. v. 17.02.1970 – III ZR 139/67, BGHZ 53, 245, 261; Urt. v. 14.03.2000 – X ZR 31/98, ju­ris Rn. 13; Urt. v. 30.06.2017 – V ZR 232/16, NJW-RR 2018, 15 Rn. 22 m. w. Nachw.). § 286 I ZPO ist aber ver­letzt, wenn die un­ter Be­weis ge­stell­ten Tat­sa­chen die ernst­li­che Mög­lich­keit des lo­gi­schen Rück­schlus­ses auf den zu be­wei­sen­den Tat­be­stand bie­ten und der Tatrich­ter – wie hier das Be­ru­fungs­ge­richt – sich mit den hier­auf be­zo­ge­nen Be­weis­an­trä­gen in sei­ner Ent­schei­dung über­haupt nicht aus­ein­an­der­setzt (vgl. BGH, Beschl. v. 22.03.2016 – VI ZR 163/14, ju­ris Rn. 16; Urt. v. 03.06.2014 – XI ZR 435/12, BKR 2014, 430 Rn. 17).

[61]   (2) Ge­mes­sen dar­an durf­te das Be­ru­fungs­ge­richt – das sich den Blick auf die ge­bo­te­ne Auf­klä­rung und (Ge­samt-)Wür­di­gung der von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen In­di­zi­en durch die er­sicht­lich zu kurz grei­fen­de An­nah­me ver­sperrt hat, die Fra­ge, ob das Pferd bei sei­ner An­kunft in Eng­land ge­lahmt ha­be, sei schon des­we­gen nicht maß­geb­lich, weil der Ge­fahr­über­gang be­reits vier (rich­tig: fünf) Ta­ge zu­vor statt­ge­fun­den ha­be – von der be­an­trag­ten An­hö­rung des Sach­ver­stän­di­gen so­wie von der Ver­neh­mung des von der Klä­ge­rin be­nann­ten Zeu­gen und der sach­ver­stän­di­gen Zeu­gen nicht ab­se­hen. Die be­son­de­ren Um­stän­de des vor­lie­gen­den Falls schlie­ßen die Mög­lich­keit ei­ner mit­tel­ba­ren Be­weis­füh­rung der Klä­ge­rin aus Sicht des Se­nats je­den­falls nicht von vor­ne­her­ein aus, zu­mal die Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts dar­über hin­aus lü­cken­haft sind.

[62]   (a) Zwar hat das Be­ru­fungs­ge­richt noch rechts­feh­ler­frei dar­auf ab­ge­stellt, dass je­den­falls nach dem schrift­li­chen Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen an­hand der Rönt­gen­auf­nah­men, die am 12.08.2015 für die Auk­ti­on (mit­hin knapp zwei Mo­na­te vor die­ser) an­ge­fer­tigt wor­den wa­ren, le­dig­lich in­so­weit ei­ne phy­sio­lo­gi­sche Nor­m­ab­wei­chung zu er­ken­nen sei, als das Pferd im für den Ge­fahr­über­gang maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Zu­schlags an bei­den Vor­der­ze­hen un­ter an­de­rem ei­ne deut­li­che Bre­chung der Huf­ge­lenk­sach­se als ein we­sent­li­ches ätio­lo­gi­sches Kri­te­ri­um des im Zeit­punkt der spä­te­ren Un­ter­su­chung durch den Sach­ver­stän­di­gen als Teil­dia­gno­se er­mit­tel­ten „Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“ (EPFS) auf­ge­wie­sen ha­be, oh­ne dass der Sach­ver­stän­di­ge hier­aus Rück­schlüs­se auf ei­ne kli­ni­sche Re­le­vanz in Ge­stalt der Lahm­heit zu die­sem Zeit­punkt ab­zu­lei­ten ver­moch­te.

[63]   (b) Da­mit steht in­des noch nicht fest, dass die Stu­te sich im Zeit­punkt des Zu­schlags für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung be­zie­hungs­wei­se die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung als Reit­pferd – hier an­ge­sichts des Ver­kaufs in ei­ner Eli­teauk­ti­on ins­be­son­de­re als Sport­pferd bzw. ge­ho­be­nes Frei­zeit­pferd – eig­ne­te. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, in­wie­weit aus der deut­li­chen Bre­chung der Huf­ge­lenk­sach­se an bei­den Vor­der­ze­hen das Vor­lie­gen ei­nes Man­gels des­halb folg­te, weil die­ser Um­stand die Ge­fahr ei­ner als­bal­di­gen Er­kran­kung in sich barg bzw. das Ri­si­ko ei­ner Ein­bu­ße der Ver­wen­dungs­mög­lich­keit des als Eli­te­s­tu­te ver­äu­ßer­ten Pferds deut­lich über die für ein Le­be­we­sen ty­pi­schen Ent­wick­lungs­un­si­cher­hei­ten (vgl. Se­nat, Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 27, 37; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 24 ff.; Urt. v. 30.10.2019 – VI­II ZR 69/18, NJW 2020, 389 Rn. 25 f.; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 25 ff., Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 2/19, IHR 2020, 246 Rn. 25 ff.; st. Rspr.) hin­aus­ging. We­der die schrift­li­chen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen in sei­nem Gut­ach­ten noch sei­ne pro­to­kol­lier­ten Aus­füh­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz ver­hal­ten sich kon­kret zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge.

[64]   (c) Auch so­weit der Sach­ver­stän­di­ge im Rah­men sei­ner Lahm­heits­un­ter­su­chung mit­tels dia­gnos­ti­scher An­äs­the­si­en des Pferds, die am 15. und 16.05.2017 statt­fan­den, als Teil­dia­gno­se ein „Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“ (EPFS) dia­gnos­ti­ziert hat, bleibt nach den schrift­li­chen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen und der Er­läu­te­rung sei­nes Gut­ach­tens in der erst­in­stanz­li­chen münd­li­chen Ver­hand­lung un­klar, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die­se Er­kran­kung be­reits zum Zeit­punkt des Zu­schlags vor­lag oder in dem Pferd – auf­grund der un­güns­ti­gen Ze­hen­ach­se – je­den­falls be­reits an­ge­legt war. Es er­scheint zwar nach­voll­zieh­bar, dass der Sach­ver­stän­di­ge ei­ne Ge­wiss­heit, mög­li­cher­wei­se im na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Sin­ne – was auf­grund feh­len­der ei­ge­ner Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts un­klar bleibt – nicht zu ge­win­nen ver­moch­te, weil die kli­ni­sche Er­schei­nung die­ser Er­kran­kung in Ge­stalt ei­ner Lahm­heit auf den dem Sach­ver­stän­di­gen in­so­weit als ob­jek­ti­ven Be­weis­mit­teln al­lein zur Ver­fü­gung ste­hen­den Vi­de­os von der Auk­ti­on – auf­grund des durch zu star­ke rei­ter­li­che Ein­wir­kung ver­fälsch­ten na­tür­li­chen Be­we­gungs­ab­laufs der Stu­te und der hier­mit ein­her­ge­hen­den Takt­stö­run­gen – nicht si­cher zu be­ur­tei­len war.

[65]   Dar­aus folgt in­des noch nicht zwin­gend, dass die­se Er­kran­kung zum Zeit­punkt des Zu­schlags nicht be­reits in dem er­wor­be­nen Pferd an­ge­legt war. Die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung nach § 286 ZPO setzt kei­ne ab­so­lu­te oder un­um­stöß­li­che Ge­wiss­heit im Sin­ne des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wei­ses vor­aus, son­dern nur ei­nen für das prak­ti­sche Le­ben brauch­ba­ren Grad von Ge­wiss­heit, der Zwei­feln Schwei­gen ge­bie­tet, oh­ne sie völ­lig aus­zu­schlie­ßen (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urt. v. 16.04.2013 – VI ZR 44/12, NJW 2014, 71 Rn. 8; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 14 [zu Ver­än­de­run­gen an der Hals­wir­bel­säu­le ei­nes Dres­sur­pferds]; je­weils m. w. Nachw.). Das Be­ru­fungs­ge­richt hät­te sich da­her nicht, wie hier of­fen­sicht­lich er­folgt, da­mit be­gnü­gen dür­fen, dem Sach­ver­stän­di­gen die Be­ant­wor­tung der Fra­ge zu über­las­sen, ob das nach § 286 ZPO er­for­der­li­che Be­weis­maß er­reicht ist. Viel­mehr hät­te es sich, was die Re­vi­si­on zu Recht be­an­stan­det, mit dem wei­te­ren Pro­zess­stoff und dem dies­be­züg­lich von der Klä­ge­rin un­ter Be­weis ge­stell­ten Sach­vor­trag be­fas­sen und sich hier­nach ei­ne den vor­ste­hend ge­nann­ten Maß­stä­ben ent­spre­chen­de Über­zeu­gung ge­mäß § 286 ZPO bil­den müs­sen.

[66]   (d) Ins­be­son­de­re wä­re hier vom Be­ru­fungs­ge­richt un­ter Be­ra­tung durch den Sach­ver­stän­di­gen nä­her auf­zu­klä­ren ge­we­sen, in­wie­weit die Tat­sa­che, dass es sich bei der Er­kran­kung des Pferds („Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“) um ei­ne ent­zünd­li­che oder de­ge­ne­ra­ti­ve Er­kran­kung han­delt – was nicht für ih­re plötz­li­che und ins­be­son­de­re nicht durch (vom Sach­ver­stän­di­gen in sei­ner An­hö­rung oh­ne­hin als un­wahr­schein­lich er­ach­te­te) trau­ma­ti­sche Ein­wir­kung ver­ur­sach­te Ent­ste­hung spricht, son­dern mög­li­cher­wei­se ei­nen Krank­heits­ver­lauf über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum na­he­legt – da­für spre­chen könn­te, dass die­se Er­kran­kung be­reits zum Zeit­punkt des Zu­schlags in der Ana­to­mie des Pferds mit ho­her Wahr­schein­lich­keit an­ge­legt war. Dies­be­züg­lich bleibt nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts auch of­fen, in­wie­weit hier­für zu­sätz­lich spre­chen könn­te, dass der Sach­ver­stän­di­ge die­se Er­kran­kung in sei­nem Gut­ach­ten als ei­nen Krank­heits­pro­zess be­schreibt, der sich an­läss­lich der ers­ten Un­ter­su­chung in Eng­land am 13.10.2015 (das heißt nur neun Ta­ge nach der Auk­ti­on) durch die – nicht ver­nom­me­ne – sach­ver­stän­di­ge Zeu­gin Dr. S so­wie der wei­te­ren Un­ter­su­chung im No­vem­ber 2015 durch den – eben­falls nicht ver­nom­me­nen – sach­ver­stän­di­gen Zeu­gen Dr. B in der Kli­nik in Eng­land bis hin zu der im Mai 2017 vor­ge­nom­me­nen Un­ter­su­chung durch den Sach­ver­stän­di­gen na­he­zu un­ver­än­dert ge­zeigt ha­be, und dies nach der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen den Schluss na­he­le­ge, dass die Lahm­heit mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit von dau­er­haf­ter Na­tur sein wer­de. In­so­weit er­scheint über­dies nicht aus­ge­schlos­sen, dass die von der Klä­ge­rin be­nann­ten sach­ver­stän­di­gen Zeu­gen an­läss­lich ih­rer be­an­trag­ten Ver­neh­mung – über die von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Un­ter­su­chungs­un­ter­la­gen hin­aus – zu­sätz­lich Auf­klä­rung für die Lahm­heits­ur­sa­che und ih­re Ent­ste­hung bie­ten könn­ten.

[67]   (e) Auf­zu­klä­ren ge­we­sen wä­re durch das Be­ru­fungs­ge­richt zu­dem, in­wie­weit die Tat­sa­chen, dass zum ei­nen die Klä­ge­rin das Pferd nach ih­rem Be­kun­den seit der An­kunft in Eng­land le­dig­lich auf der Wei­de ge­hal­ten hat und zum an­de­ren das Pferd of­fen­bar in der Zeit der Vor­be­rei­tung auf die Auk­ti­on und wäh­rend der Auk­ti­on – je­den­falls so­weit dies nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen auf den von ihm aus­ge­wer­te­ten Vi­de­os er­sicht­lich ist – ei­ner er­höh­ten trai­nings­be­ding­ten und, so­weit es die Auk­ti­on selbst an­be­langt, ei­ner dem Trai­nings­zu­stand ei­nes drei­jäh­ri­gen Pferds, noch da­zu mit un­güns­ti­ger kör­per­li­cher Dis­po­si­ti­on der Vor­der­ze­he, nicht ent­spre­chen­den Be­las­tung aus­ge­setzt war, zu­sätz­lich Auf­klä­rung da­für bie­ten könn­ten, ob die Er­kran­kung mit ho­her Wahr­schein­lich­keit vor oder nach dem Zu­schlag ent­stan­den ist.

[68]   cc) Das Be­ru­fungs­ur­teil be­ruht auch auf den auf­ge­zeig­ten Rechts­feh­lern (§ 545 I ZPO). Bei der – hier vor­lie­gen­den – Ver­let­zung ver­fah­rens­recht­li­cher Be­stim­mun­gen ge­nügt be­reits die Mög­lich­keit, dass das Be­ru­fungs­ge­richt oh­ne den Ver­fah­rens­feh­ler zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­langt wä­re (Se­nat, Urt. v. 17.02.2010 – VI­II ZR 70/07, NJW-RR 2010, 1289 Rn. 31 m. w. Nachw.; Urt. v. 24.09.2014 – VI­II ZR 394/12, BGHZ 202, 258 Rn. 66). Im Streit­fall ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass das Be­ru­fungs­ge­richt nach Ver­neh­mung der oben er­wähn­ten, von der Klä­ge­rin be­nann­ten (sach­ver­stän­di­gen) Zeu­gen und der von ihr be­an­trag­ten An­hö­rung des ge­richt­li­chen Sach­ver­stän­di­gen zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis im Rah­men der Be­ur­tei­lung des mög­li­chen Vor­lie­gens ei­nes Sach­man­gels des Pferds bei Ge­fahr­über­gang ge­langt wä­re.

[69]   3. Die Ent­schei­dung des Be­ru­fungs­ge­richts stellt sich auch nicht aus an­de­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO). We­der ist die Haf­tung des Be­klag­ten für et­wai­ge Män­gel des Pferds nach den Auk­ti­ons­be­din­gun­gen wirk­sam aus­ge­schlos­sen wor­den (da­zu nach­fol­gend un­ter a), noch ist der von der Klä­ge­rin er­klär­te Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ge­mäß § 438 IV 1, § 218 I BGB un­wirk­sam (da­zu nach­fol­gend un­ter b).

[70]   a) Ei­ne Haf­tung des Be­klag­ten für ei­nen et­wai­gen Man­gel des Pferds im Zeit­punkt des Zu­schlags schei­det nicht – wie er und der Streit­hel­fer mei­nen – aus, weil die­se nach den Auk­ti­ons­be­din­gun­gen aus­ge­schlos­sen wä­re.

[71]   Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der in Buch­sta­be E Zif­fer I der – in das Ver­trags­ver­hält­nis der Par­tei­en ein­be­zo­ge­nen (s. oben un­ter II 2 a) – Auk­ti­ons­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­ne Aus­schluss „jeg­li­cher Haf­tung/​Ge­währ­leis­tung“ ge­gen die Klau­sel­ver­bo­te des § 309 Nr. 7 lit. a und b BGB ver­stößt oder ob er an­ge­sichts der in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 1, 2 ent­hal­te­nen Re­ge­lung, wo­nach die­ser Haf­tungs­aus­schluss nicht gilt, so­weit die haf­tungs­be­grün­den­den Um­stän­de auf Vor­satz oder gro­be Fahr­läs­sig­keit des Ver­käu­fers zu­rück­zu­füh­ren sei­en und/​oder Per­so­nen­schä­den be­trof­fen sei­en, und für Per­so­nen­schä­den die Haf­tung auch bei ein­fa­cher Fahr­läs­sig­keit be­ste­he, als wirk­sam an­ge­se­hen wer­den kann. Denn der vor­ste­hend ge­nann­te Haf­tungs­aus­schluss nach Buch­sta­be E Zif­fer I der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen gilt ge­mäß Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 die­ser Be­din­gun­gen nicht, „so­weit ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Sin­ne des § 474 BGB vor­liegt“.

[72]   Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Aus­nah­me sind im Streit­fall er­füllt, da es sich bei dem Kauf­ver­trag der Par­tei­en – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts – um ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf nach § 474 I 1 BGB han­delt (da­zu nach­fol­gend un­ter aa) und die Re­ge­lung in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen nach den für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Ge­schäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Maß­stä­ben so zu ver­ste­hen ist, dass die dar­in ent­hal­te­ne Aus­nah­me vom Haf­tungs­aus­schluss für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf oh­ne Ein­schrän­kung und da­mit auch dann gilt, wenn auf den kon­kre­ten Ver­brauchs­gü­ter­kauf – wie hier we­gen Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen des § 474 II 2 BGB der Fall – die Vor­schrif­ten der §§ 475 ff. BGB (aus­nahms­wei­se) kei­ne An­wen­dung fin­den (da­zu nach­fol­gend un­ter bb).

[73]   aa) Die Be­ur­tei­lung des Be­ru­fungs­ge­richts, die Klä­ge­rin ha­be das Pferd durch ih­ren Be­ra­ter als Un­ter­neh­me­rin er­stei­gert, wes­halb ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§ 474 I 1 BGB) nicht vor­lie­ge, hält recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand. Zu Un­recht hat das Be­ru­fungs­ge­richt an­ge­nom­men, die Klä­ge­rin ha­be das Pferd nicht als Ver­brau­che­rin (§ 13 BGB), son­dern als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) er­wor­ben.

[74]   (1) Un­ter­neh­mer ist nach der Le­gal­de­fi­ni­ti­on des § 14 I BGB ei­ne na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Per­son oder ei­ne rechts­fä­hi­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft, die bei Ab­schluss ei­nes Rechts­ge­schäfts in Aus­übung ih­rer ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit han­delt. Dem­ge­gen­über ist nach § 13 BGB in der ab 13.06.2014 gel­ten­den Fas­sung (BGBl. 2013 I 3643) Ver­brau­cher je­de na­tür­li­che Per­son, die ein Rechts­ge­schäft zu Zwe­cken ab­schließt, die über­wie­gend we­der ih­rer ge­werb­li­chen noch ih­rer selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit zu­ge­ord­net wer­den kön­nen. So­wohl die ge­werb­li­che als auch die selbst­stän­di­ge be­ruf­li­che Tä­tig­keit set­zen – je­den­falls – ein selbst­stän­di­ges und plan­mä­ßi­ges, auf ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­tes An­bie­ten ent­gelt­li­cher Leis­tun­gen am Markt vor­aus, wo­bei ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht nicht er­for­der­lich ist (vgl. Se­nat, Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 14, 16 f.; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18; Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16, NJW 2018, 146 Rn. 40; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 30). Da­bei kön­nen auch (bran­chen­frem­de) Ne­ben­ge­schäf­te er­fasst wer­den (vgl. Se­nat, Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18; vgl. auch Se­nat, Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 37; je­weils m. w. Nachw.). Ein Han­deln „in Aus­übung“ der ge­werb­li­chen oder der selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit i. S. von § 14 I BGB setzt je­doch stets vor­aus, dass es ge­ra­de in ei­nem hin­rei­chend en­gen, tä­tig­keits­spe­zi­fi­schen Zu­sam­men­hang mit eben die­ser er­folgt (vgl. Se­nat, Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 38; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18).

[75]   Für die Ab­gren­zung zwi­schen Ver­brau­cher- und Un­ter­neh­mer­han­deln ist grund­sätz­lich die ob­jek­tiv zu be­stim­men­de Zweck­rich­tung des Rechts­ge­schäfts ent­schei­dend. Da­bei kommt es maß­geb­lich auf die je­wei­li­gen Um­stän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re das Ver­hal­ten der Par­tei­en (oder et­wai­ger Ver­mitt­ler) bei Ver­trags­schluss an (Se­nat, Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16, NJW 2018, 146 Rn. 40 mwN; Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 31).

[76]   (2) Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen ist die Klä­ge­rin – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts – nicht als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB), son­dern als Ver­brau­che­rin (§ 13 BGB) an­zu­se­hen. Denn es ist we­der den vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen zu ent­neh­men noch sonst er­sicht­lich, dass die Klä­ge­rin bei Ab­schluss des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kauf­ver­trags in Aus­übung ei­ner ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ge­han­delt hat.

[77]   (a) Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zwar im An­satz noch rechts­feh­ler­frei da­von aus­ge­gan­gen, dass es sich bei der Klä­ge­rin nicht um ei­ne Pfer­de­händ­le­rin han­delt und die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 I BGB da­her nicht schon des­halb als er­füllt an­zu­se­hen sei­en.

[78]   (b) Je­doch ist die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, die Klä­ge­rin ha­be das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd gleich­wohl als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) er­wor­ben, da ihr „Pfer­de­be­trieb“ auf­grund der stän­di­gen An­stel­lung ei­nes (in der Schweiz an­säs­si­gen) Ver­mö­gens­ver­wal­ters so­wie von Stall­per­so­nal (in Eng­land), wel­ches ei­ne rei­bungs­lo­se Be­wäl­ti­gung des täg­li­chen Ar­beits­an­falls und die Durch­füh­rung mo­nat­li­cher Tur­nie­re und Lehr­gän­ge mit Pfer­den er­mög­li­che, das Bild ei­nes plan­mä­ßi­gen Ge­schäfts­be­triebs ver­mitt­le, von Rechts­feh­lern be­ein­flusst.

[79]   Die Re­vi­si­on rügt in­so­weit mit Recht, dass das Be­ru­fungs­ge­richt die Grund­sät­ze der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung zur Ab­gren­zung der Ver­brau­cher- und der Un­ter­neh­mer­ei­gen­schaft (§§ 13, 14 I BGB) ver­kannt und un­zu­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen zu ei­nem ver­meint­li­chen Han­deln der Klä­ge­rin als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) ge­trof­fen hat. Auch hat das Be­ru­fungs­ge­richt, wie die Re­vi­si­on eben­falls zu Recht be­an­stan­det, bei der Prü­fung ei­nes mög­li­chen un­ter­neh­me­ri­schen Han­delns der Klä­ge­rin den Um­stand, dass die Klä­ge­rin ver­mö­gend ist und die Ver­wal­tung ih­res Fi­nanz­ver­mö­gens ei­nem Ver­mö­gens­ver­wal­ter in der Schweiz über­tra­gen hat, mit der Wür­di­gung der auf Pfer­de be­zo­ge­nen Tä­tig­keit der Klä­ge­rin auf der „B F“ in Eng­land ver­mengt.

[80]   Da­bei hat das Be­ru­fungs­ge­richt zu­dem aus dem Blick ver­lo­ren, dass es für die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd als Ver­brau­che­rin (§ 13 BGB) ge­kauft hat und da­mit – da es sich bei dem Be­klag­ten nach den in­so­weit rechts­feh­ler­frei­en und un­an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen um ei­nen Un­ter­neh­mer (§ 14 I BGB) han­delt – ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf vor­liegt (§ 474 I 1 BGB), ent­schei­dend auf die ob­jek­tiv zu be­stim­men­de Zweck­rich­tung des Rechts­ge­schäfts an­kommt, die hier nach dem un­wi­der­leg­ten Vor­trag der Klä­ge­rin dar­in be­stand, das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd al­lein für pri­va­te Zwe­cke, näm­lich für den Ein­satz als Dres­sur­pferd für ei­ne ama­teur­mä­ßig be­trie­be­ne Sport­rei­te­rei, zu er­wer­ben.

[81]   (aa) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat bei der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des § 14 I BGB im Aus­gangs­punkt al­ler­dings zu­tref­fend er­kannt, dass nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH zu den ge­werb­li­chen Be­tä­ti­gun­gen nicht die Ver­wal­tung ei­ge­nen Ver­mö­gens ge­hört, die auch dann grund­sätz­lich dem pri­va­ten Be­reich zu­ge­rech­net wird, wenn es sich – wie hier – um die An­la­ge be­trächt­li­chen Ka­pi­tals han­delt (s. nur BGH, Urt. v. 23.10.2001 – XI ZR 63/01, BGHZ 149, 80, 86 f. [zum Ver­brau­cher­kre­dit­ge­setz]; Urt. v. 25.03.2015 – VI­II ZR 243/13, BGHZ 204, 325 Rn. 50; Urt. v. 03.03.2020 – XI ZR 461/18, WM 2020, 781 Rn. 12 f.; Urt. v. 28.05.2020 – III ZR 58/19, NJW 2020, 3786 Rn. 20 [zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen]; je­weils zu §§ 13, 14 BGB). Das aus­schlag­ge­ben­de Kri­te­ri­um für die Ab­gren­zung der pri­va­ten von ei­ner be­rufs­mä­ßig be­trie­be­nen Ver­mö­gens­ver­wal­tung ist viel­mehr der Um­fang der mit ihr ver­bun­de­nen Ge­schäf­te; er­for­dern die­se – was der Be­ur­tei­lung im Ein­zel­fall un­ter­liegt – ei­nen plan­mä­ßi­gen Ge­schäfts­be­trieb, wie et­wa die Un­ter­hal­tung ei­nes Bü­ros oder ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, so liegt ei­ne ge­werb­li­che Be­tä­ti­gung vor (BGH, Urt. v. 23.10.2001 – XI ZR 63/01, BGHZ 149, 80, 86 f.; Urt. v. 28.05.2020 – III ZR 58/19, NJW 2020, 3786 Rn. 20).

[82]   (bb) Das Be­ru­fungs­ge­richt ist je­doch bei der An­wen­dung die­ser Grund­sät­ze auf den Streit­fall zu der un­zu­tref­fen­den Be­ur­tei­lung ge­langt, der „Pfer­de­be­trieb“ der Klä­ge­rin ver­mitt­le das Bild ei­nes plan­mä­ßi­gen Ge­schäfts­be­triebs im Sin­ne der vor­ste­hend ge­nann­ten Recht­spre­chung, so­dass die Klä­ge­rin als Un­ter­neh­me­rin an­zu­se­hen sei. Zwar un­ter­liegt die­se tatrich­ter­li­che Wür­di­gung nur ei­ner ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt da­hin ge­hend, ob sie ver­tret­bar ist, nicht ge­gen die Denk­ge­set­ze ver­stößt und nicht auf ver­fah­rens­wid­ri­ger Tat­sa­chen­fest­stel­lung be­ruht (vgl. BGH, Urt. v. 09.12.2008 – XI ZR 513/07, BGHZ 179, 126 Rn. 23 m. w. Nachw.). Sol­che Rechts­feh­ler sind dem Be­ru­fungs­ge­richt hier je­doch un­ter­lau­fen.

[83]   (cc) Die An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, die Klä­ge­rin ha­be das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd als Un­ter­neh­me­rin er­wor­ben, da ihr „Pfer­de­be­trieb“ auf­grund der „stän­di­gen An­stel­lung“ ei­nes in der Schweiz an­säs­si­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ters (für ihr Fi­nanz­ver­mö­gen) so­wie des Vor­han­den­seins von Stall­per­so­nal, das ei­ne rei­bungs­lo­se Be­wäl­ti­gung des täg­li­chen Ar­beits­an­falls und die Durch­füh­rung mo­nat­li­cher Tur­nie­re und Lehr­gän­ge mit Pfer­den er­mög­li­che, das Bild ei­nes plan­mä­ßi­gen Ge­schäfts­be­triebs ver­mitt­le, be­ruht schon nicht auf trag­fä­hi­gen Fest­stel­lun­gen, son­dern auf Mut­ma­ßun­gen. Auch hat das Be­ru­fungs­ge­richt hier­bei – wie be­reits er­wähnt – den Ge­sichts­punkt, dass die Klä­ge­rin ver­mö­gend ist und ei­nen Ver­mö­gens­ver­wal­ter in der Schweiz mit der Ver­wal­tung ih­res Fi­nanz­ver­mö­gens be­traut hat, mit dem Ge­sichts­punkt der Tä­tig­keit der Klä­ge­rin im Zu­sam­men­hang mit der „B F“ und der Fra­ge des Zwecks des hier in Re­de ste­hen­den Pfer­de­kaufs ver­mengt.

[84]   Über­dies hat das Be­ru­fungs­ge­richt – wie die Re­vi­si­on eben­falls zu­tref­fend rügt – nicht be­rück­sich­tigt, dass nach der Recht­spre­chung des Se­nats das rechts­ge­schäft­li­che Han­deln ei­ner na­tür­li­chen Per­son – wie hier der Klä­ge­rin – mit Rück­sicht auf den Wort­laut des § 13 BGB grund­sätz­lich als Ver­brau­cher­han­deln an­zu­se­hen ist. Ei­ne Zu­ord­nung ent­ge­gen dem mit dem rechts­ge­schäft­li­chen Han­deln ob­jek­tiv ver­folg­ten Zweck kommt nur in Be­tracht, wenn die dem Ver­trags­part­ner bei Ver­trags­schluss er­kenn­ba­ren Um­stän­de ein­deu­tig und zwei­fels­frei dar­auf hin­wei­sen, dass die na­tür­li­che Per­son in Ver­fol­gung ih­rer ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit han­delt (Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18). Sol­che Um­stän­de hat das Be­ru­fungs­ge­richt we­der fest­ge­stellt, noch sind sie sonst er­sicht­lich.

[85]   (aaa) Der vom Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­te Sach­ver­halt gibt nichts da­für her, dass die Klä­ge­rin beim Er­werb des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pferds in Aus­übung ei­ner – vom Be­ru­fungs­ge­richt über­dies nicht ein­mal kon­kret fest­ge­stell­ten – ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen Tä­tig­keit ge­han­delt ha­ben könn­te. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, dass die Klä­ge­rin mit ih­rem „Ge­stüt“ bzw. „Pfer­de­be­trieb“ ent­gelt­li­che Leis­tun­gen am Markt an­bie­tet und da­mit in­so­weit ei­ner ge­werb­li­chen Tä­tig­keit nach­geht, mit wel­cher der An­kauf der Stu­te, ge­ge­be­nen­falls auch nur im Sin­ne ei­ner bran­chen­frem­den Ne­ben­tä­tig­keit, in ei­nem tä­tig­keits­be­zo­ge­nen Zu­sam­men­hang ste­hen könn­te, wo­zu trag­fä­hi­ge Fest­stel­lun­gen eben­falls feh­len.

[86]   Ab­ge­se­hen da­von, dass ein sol­cher tä­tig­keits­be­zo­ge­ner Zu­sam­men­hang – un­ge­ach­tet des Feh­lens ord­nungs­ge­mä­ßer Fest­stel­lun­gen zu ei­ner Un­ter­neh­mer­ei­gen­schaft der Klä­ge­rin – we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich ist, hat die Klä­ge­rin ei­nen sol­chen Zu­sam­men­hang über­dies in Ab­re­de ge­stellt, in­dem sie un­wi­der­legt vor­ge­tra­gen hat, das Pferd ob­jek­tiv al­lein für pri­va­te Zwe­cke, näm­lich für den Ein­satz als Dres­sur­pferd für ei­ne ama­teur­mä­ßig be­trie­be­ne Sport­rei­te­rei er­wor­ben zu ha­ben. Ein tä­tig­keits­spe­zi­fi­scher Zu­sam­men­hang ist hier auch nicht et­wa zu ver­mu­ten. Ei­ne Ver­mu­tung da­für, dass al­le vor­ge­nom­me­nen Rechts­ge­schäf­te ei­nes Un­ter­neh­mers im Zwei­fel sei­nem ge­schäft­li­chen Be­reich zu­zu­ord­nen sind, be­steht grund­sätz­lich nicht (vgl. Se­nat, Urt. v. 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16, NJW 2018, 150 Rn. 37).

[87]   (bbb) Ei­ne ge­werb­li­che Tä­tig­keit der Klä­ge­rin, die mit dem Er­werb des Pferds im Zu­sam­men­hang steht, lässt sich auch nicht et­wa mit dem Vor­trag des Streit­hel­fers des Be­klag­ten be­grün­den, die Klä­ge­rin ha­be in den letz­ten drei bis vier Jah­ren vor dem Kauf des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pferds über ih­ren fach­kun­di­gen Be­ra­ter acht Pfer­de ge­kauft und vier ver­äu­ßert. Selbst wenn man in­so­weit das vom Be­ru­fungs­ge­richt – in ver­fah­rens­feh­ler­haf­ter Wei­se – als ver­spä­tet zu­rück­ge­wie­se­ne qua­li­fi­zier­te Be­strei­ten der Klä­ge­rin un­be­rück­sich­tigt lie­ße, wo­nach sie in dem vor­ge­nann­ten Zeit­raum nur drei Pfer­de er­wor­ben und kei­nes ver­äu­ßert ha­be, folg­te hier­aus we­der für sich ge­nom­men noch in der Ge­samt­schau mit den sons­ti­gen Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ne ge­werb­li­che Tä­tig­keit der Klä­ge­rin.

[88]   Viel­mehr las­sen die vom Streit­hel­fer des Be­klag­ten be­haup­te­ten Um­stän­de, na­ment­lich die von ihm ge­nann­te An­zahl er­wor­be­ner und wie­der ver­äu­ßer­ter Pfer­de – erst recht un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der Klä­ge­rin, die ihr den Er­werb und das Hal­ten ei­ner grö­ße­ren Zahl wert­vol­ler Pfer­de er­mög­li­chen – nicht den Schluss zu, die Klä­ge­rin ge­he – wie dies nach den oben (un­ter II 3 a aa (1)) dar­ge­stell­ten Grund­sät­zen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung für die An­nah­me ei­nes un­ter­neh­me­ri­schen Han­delns (§ 14 I BGB) er­for­der­lich wä­re – durch plan­mä­ßi­ges und auf ei­ne ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­tes An­bie­ten von Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen am Markt ge­gen Ent­gelt ei­ner ge­werb­li­chen Tä­tig­keit nach.

[89]   (dd) Über­dies steht der An­nah­me, die Klä­ge­rin ha­be das streit­ge­gen­ständ­li­che Pferd als Un­ter­neh­me­rin (§ 14 I BGB) er­wor­ben, auch der Ge­sichts­punkt ent­ge­gen, dass der Er­werb des Pferds nach dem in­so­weit als un­wi­der­legt an­zu­se­hen­den Vor­trag der Klä­ge­rin ob­jek­tiv be­trach­tet al­lein pri­va­ten Zwe­cken, näm­lich ei­nem von ihr ama­teur­mä­ßig be­trie­be­nen Dres­sur­sport, dien­te, und sie in An­se­hung des Er­werbs der Stu­te – ent­ge­gen der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts – auch des­halb als Ver­brau­che­rin an­zu­se­hen ist (§ 13 BGB).

[90]   (aaa) Zwar hat das Be­ru­fungs­ge­richt in­so­weit im Aus­gangs­punkt noch rechts­feh­ler­frei an­ge­nom­men, dass die Klä­ge­rin für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 474 I 1 BGB als ei­ner ihr güns­ti­gen Norm (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 11.07.2007 – VI­II ZR 110/06, NJW 2007, 2619 Rn. 13 m. w. Nachw.) und da­mit auch für den Um­stand, dass sie das Pferd als Ver­brau­che­rin er­stei­gert hat, die Dar­le­gungs- und Be­weis­last trägt (vgl. hier­zu Se­nat, Urt. v. 11.07.2007 – VI­II ZR 110/06, NJW 2007, 2619 Rn. 13; Urt. v. 11.02.2009 – VI­II ZR 176/06, ju­ris Rn. 8). Der Ver­brau­cher trägt aber le­dig­lich die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass nach dem von ihm ob­jek­tiv ver­folg­ten Zweck ein sei­nem pri­va­ten Rechts­kreis zu­zu­ord­nen­des Rechts­ge­schäft vor­liegt (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 11; Urt. v. 11.07.2007 – VI­II ZR 110/06, NJW 2007, 2619 Rn. 13). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier je­doch – ent­ge­gen der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts – er­füllt.

[91]   Denn wie be­reits er­wähnt, dien­te der Er­werb der Stu­te durch die Klä­ge­rin ob­jek­tiv be­trach­tet al­lein ih­rem pri­va­ten In­ter­es­se. Bei dem An­kauf be­weg­li­cher Sa­chen ge­mäß § 474 I 1 BGB ist da­bei dar­auf ab­zu­stel­len, zu wel­chem Zweck der Käu­fer die­se zu be­nut­zen be­ab­sich­tigt (vgl. Se­nat, Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18 m. w. Nachw.; vgl. auch Se­nat, Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16, NJW 2018, 146 Rn. 44 [je­weils zum Kauf von Kraft­fahr­zeu­gen]). Für den An­kauf ei­nes Tiers – wie hier – gilt dies ent­spre­chend (§ 90a Satz 3 BGB). Nach ih­rem un­wi­der­leg­ten Vor­trag er­warb die Klä­ge­rin, wie be­reits er­wähnt, das Pferd zum Zwe­cke der pri­va­ten Sport­aus­übung. Auf­grund die­ser ob­jek­ti­ven Zweck­set­zung ist grund­sätz­lich von ei­nem Han­deln der Klä­ge­rin als Ver­brau­che­rin aus­zu­ge­hen (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18).

[92]   (bbb) Ei­ne Zu­rech­nung ent­ge­gen die­ser ob­jek­tiv pri­va­ten Zweck­set­zung kä­me da­nach nur in Be­tracht, wenn die dem Be­klag­ten er­kenn­ba­ren Um­stän­de ein­deu­tig und zwei­fels­frei dar­auf hin­ge­wie­sen hät­ten, dass die Klä­ge­rin beim Er­werb des Pferds in Ver­fol­gung ei­ner ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ge­han­delt hät­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.; Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18). Dar­an fehlt es hier.

[93]   Ein sol­cher äu­ße­rer Um­stand ist – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts – ins­be­son­de­re nicht dar­in zu se­hen, dass die Klä­ge­rin an der Auk­ti­on nicht per­sön­lich teil­nahm, son­dern für sie dort (und auch im Vor­feld der Auk­ti­on) ein fach­kun­di­ger Be­ra­ter auf­trat, der – hät­te er das Pferd für sich selbst er­wor­ben – mög­li­cher­wei­se als Un­ter­neh­mer an­zu­se­hen wä­re, was eben­so je­doch of­fen­blei­ben kann, wie die Be­ant­wor­tung der zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Fra­ge, ob er das zum Zu­schlag füh­ren­de Ge­bot (§ 156 BGB) recht­lich ge­se­hen als Stell­ver­tre­ter (§§ 164 ff. BGB) oder Bo­te (§§ 164 ff. BGB ana­log) der Klä­ge­rin ab­ge­ge­ben hat. Denn selbst wenn der fach­kun­di­ge Be­ra­ter der Klä­ge­rin zu­guns­ten des Be­klag­ten als Stell­ver­tre­ter an­zu­se­hen wä­re, kä­me es – wie auch das Be­ru­fungs­ge­richt im An­satz er­kannt hat – bei der Ab­gren­zung i. S. der §§ 13, 14 I BGB nicht auf die Per­son des Ver­tre­ters, son­dern al­lein auf die Per­son des Ver­tre­te­nen, hier mit­hin der Klä­ge­rin, an (vgl. Se­nat, Urt. v. 25.03.2015 – VI­II ZR 243/13, BGHZ 204, 325 Rn. 53 m. w. Nachw.).

[94]   Wei­te­re, für den Be­klag­ten im Zeit­punkt der Ver­stei­ge­rung er­kenn­ba­re Um­stän­de, die ein­deu­tig und zwei­fels­frei dar­auf hin­wie­sen, dass die Klä­ge­rin nicht zu ei­nem pri­va­ten Zweck, son­dern in Ver­fol­gung ei­ner ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ge­han­delt hät­te, sind we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich. Im Üb­ri­gen gin­gen selbst dies­be­züg­li­che – hier in­des oh­ne­hin nicht er­kenn­ba­re – Un­si­cher­hei­ten und Zwei­fel, an­ders als das Be­ru­fungs­ge­richt of­fen­bar ge­meint hat, nach der ne­ga­ti­ven For­mu­lie­rung des zwei­ten Halb­sat­zes des § 13 BGB ge­ra­de nicht zu­las­ten der Klä­ge­rin als Ver­brau­che­rin (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.).

[95]   bb) Liegt da­mit – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts – im vor­lie­gen­den Fall ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf i. S. des § 474 I 1 BGB vor, so ist die Re­ge­lung in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen, wo­nach der in Buch­sta­be E Zif­fer I vor­ge­se­he­ne Haf­tungs­aus­schluss nicht gilt, so­weit ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf i. S. des § 474 BGB vor­liegt, nach den für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Ge­schäfts­be­din­gun­gen gel­ten­den Maß­stä­ben so zu ver­ste­hen, dass die­se Aus­nah­me vom Haf­tungs­aus­schluss für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf oh­ne Ein­schrän­kung und da­mit auch dann gilt, wenn auf den kon­kre­ten Ver­brauchs­gü­ter­kauf – wie hier we­gen Vor­lie­gens der Vor­aus­set­zun­gen des § 474 II 2 BGB der Fall – die Vor­schrif­ten der §§ 475 ff. BGB (aus­nahms­wei­se) kei­ne An­wen­dung fin­den.

[96]   (1) All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Ab­wä­gung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Krei­se ver­stan­den wer­den. Da­bei sind die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten ei­nes durch­schnitt­li­chen, recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen. An­satz­punkt für die bei ei­ner For­mu­lar­klau­sel ge­bo­te­ne ob­jek­ti­ve, nicht am Wil­len der kon­kre­ten Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung ist in ers­ter Li­nie ihr Wort­laut. So­fern nach Aus­schöp­fung al­ler in Be­tracht kom­men­den Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten Zwei­fel ver­blei­ben und zu­min­dest zwei Aus­le­gungs­er­geb­nis­se recht­lich ver­tret­bar sind, kommt die sich zu­las­ten des Klau­sel­ver­wen­ders aus­wir­ken­de Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305c II BGB zur An­wen­dung. Hier­bei blei­ben al­ler­dings Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten un­be­rück­sich­tigt, die zwar theo­re­tisch denk­bar, prak­tisch aber fern­lie­gend sind und für die an sol­chen Ge­schäf­ten ty­pi­scher­wei­se Be­tei­lig­ten nicht ernst­haft in Be­tracht kom­men (st. Rspr.; vgl. nur Se­nat, Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 45/19, BGHZ 225, 352 Rn. 119; Urt. v. 20.01.2016 – VI­II ZR 152/15, NJW-RR 2016, 526 Rn. 17 ff.; Urt. v. 03.12.2014 – VI­II ZR 224/13, NJW-RR 2015, 264 Rn. 16; je­weils m. w. Nachw.; Se­nat, Beschl. v. 02.07.2019 – VI­II ZR 74/18, NJW-RR 2019, 1202 Rn. 20).

[97]   (2) Die An­wen­dung die­ser Grund­sät­ze führt hier zu der Aus­le­gung der Re­ge­lung in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen, dass die dar­in vor­ge­se­he­ne Aus­nah­me vom Haf­tungs­aus­schluss (be­reits) dann ein­greift, wenn ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf i. S. des § 474 I 1 BGB vor­liegt, und sie dar­über hin­aus nicht zu­sätz­lich vor­aus­setzt, dass auf den kon­kre­ten Ver­brauchs­gü­ter­kauf – wie hier ge­mäß § 474 II 2 BGB nicht der Fall – (auch) die Vor­schrif­ten der §§ 475 ff. BGB An­wen­dung fin­den. Die Klau­sel um­fasst da­mit auch den – hier vor­lie­gen­den – Ver­kauf ei­ner ge­brauch­ten Sa­che bzw. ei­nes ge­brauch­ten Tiers (§ 90a Satz 3 BGB) durch ei­nen Un­ter­neh­mer in ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung, an der der Ver­brau­cher per­sön­lich teil­neh­men kann (§ 474 II 2 BGB). Dies er­gibt sich – ein­deu­tig – aus dem Wort­laut so­wie dem Sinn und Zweck der Klau­sel.

[98]   (a) Der Wort­laut der Klau­sel stellt – oh­ne Ein­schrän­kung – al­lein auf das Vor­lie­gen ei­nes „Ver­brauchs­gü­ter­kaufs im Sin­ne des § 474 BGB“ ab. Ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf ist nach der in § 474 I 1 BGB ent­hal­te­nen Le­gal­de­fi­ni­ti­on ein Ver­trag, durch den ein Ver­brau­cher von ei­nem Un­ter­neh­mer ei­ne be­weg­li­che Sa­che kauft. Nach der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik än­dert es an dem Vor­lie­gen ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs in die­sem Sin­ne nichts, wenn auf ihn im kon­kre­ten Fall (aus­nahms­wei­se) nicht er­gän­zend die (be­son­de­ren) Vor­schrif­ten für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§§ 475 ff. BGB) An­wen­dung fin­den (so auch Be­ckOK-BGB/​Faust, a. a. O., § 474 Rn. 27; BeckOGK/​Au­gen­ho­fer, a. a. O., § 474 Rn. 89). Denn § 474 II 2 BGB re­gelt nicht et­wa, dass die dort ge­nann­ten Fäl­le kei­ne Ver­brauchs­gü­ter­käu­fe sei­en, son­dern be­stimmt le­dig­lich, dass un­ter den ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen die in § 474 II 1 BGB vor­ge­se­he­ne er­gän­zen­de Gel­tung der (nach § 474 BGB) „fol­gen­den Vor­schrif­ten die­ses Un­ter­ti­tels“ nicht ein­greift.

[99]   Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den ob­jek­ti­ven Aus­le­gung der Klau­sel ist – man­gels ge­gen­tei­li­ger An­halts­punk­te – da­von aus­zu­ge­hen, dass sich das hier­bei maß­geb­li­che Ver­ständ­nis des Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders hin­sicht­lich des in der Klau­sel ver­wen­de­ten Be­griffs des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung an dem vor­ste­hend dar­ge­stell­ten, vom Ge­setz­ge­ber zu­grun­de ge­leg­ten Ver­ständ­nis des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs ori­en­tiert und des­halb nach dem (ob­jek­ti­vier­ten) Ver­ständ­nis des Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders der Wort­laut der Klau­sel auch die in § 474 II 2 BGB ge­nann­te – hier ge­ge­be­ne – Fall­ge­stal­tung des (Ver­brauchs­gü­ter-)Kaufs ei­ner ge­brauch­ten Sa­che in ei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Ver­stei­ge­rung um­fasst.

[100]  (b) Al­lein die­se Aus­le­gung der Klau­sel in Buch­sta­be E Zif­fer II Satz 3 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen ent­spricht auch ih­rem Sinn und Zweck. Denn die Klau­sel soll, oh­ne dass in­so­weit ob­jek­ti­ve An­halts­punk­te für ei­ne Ein­schrän­kung zu er­ken­nen wä­ren, ei­ne Bes­ser­stel­lung des Käu­fers im Fal­le ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs ge­gen­über dem sonst in den Auk­ti­ons­be­din­gun­gen vor­ge­se­he­nen Haf­tungs­aus­schluss be­wir­ken. Die­se be­ab­sich­tig­te Aus­nah­me vom Haf­tungs­aus­schluss lie­fe je­doch – da die Auk­ti­ons­be­din­gun­gen und da­mit auch die ge­nann­te Klau­sel sich ge­ra­de auf den Ver­kauf von Tie­ren im Rah­men ei­ner (öf­fent­lich zu­gäng­li­chen) Ver­stei­ge­rung be­zie­hen und da­von aus­zu­ge­hen ist, dass, wie auch der vor­lie­gen­de Fall zeigt, dort zu ei­nem nicht un­er­heb­li­chen Teil ge­brauch­te Tie­re ver­stei­gert wer­den – von vorn­her­ein in­so­weit leer, wenn sie die Ver­stei­ge­rung ge­brauch­ter Tie­re nicht um­fass­te. Ein sol­ches – vom Wort­laut zu­dem nicht ge­deck­tes – Ver­ständ­nis der Klau­sel wä­re mit­hin fern­lie­gend und kommt da­her im Rah­men der ob­jek­ti­ven Aus­le­gung nicht ernst­haft in Be­tracht.

[101]  b) Der von der Klä­ge­rin er­klär­te Rück­tritt ist – ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung des Be­klag­ten und sei­nes Streit­hel­fers – auch nicht et­wa ge­mäß § 438 IV 1, § 218 I BGB be­reits des­halb un­wirk­sam, weil der An­spruch auf Nach­er­fül­lung nach den Auk­ti­ons­be­stim­mun­gen ver­jährt wä­re und der Be­klag­te sich hier­auf be­ru­fen hat.

[102]  Nach Buch­sta­be F der Auk­ti­ons­be­stim­mun­gen ver­jäh­ren Sach­män­gel­an­sprü­che des Käu­fers, wenn es sich bei die­sem – wie im Fall der Klä­ge­rin – um ei­nen Ver­brau­cher i. S. des § 13 BGB han­delt, nicht (wie nach Buch­sta­be F Satz 1 Halb­satz 1 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen für „un­ter­neh­me­ri­sche Käu­fer“ vor­ge­se­hen) in drei, son­dern in zwölf Mo­na­ten ab der Über­ga­be des Pferds (Buch­sta­be F Satz 1 Halb­satz 2 der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen). Ei­ne Ver­jäh­rungs­ver­kür­zung auf ein Jahr wä­re, da es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Pferd um ei­ne ge­brauch­te Sa­che han­delt, selbst dann nicht im Rah­men ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 I, II BGB zu be­an­stan­den (vgl. Se­nat, Urt. v. 18.11.2020 – VI­II ZR 78/20, ju­ris Rn. 18 f., 46 [zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen]), wenn die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf, wie hier § 475 II BGB in der bis zum 31.12.2017 gül­ti­gen Fas­sung (§ 475 II BGB a.F., jetzt: § 476 II BGB), An­wen­dung fän­den (vgl. zum Ver­stoß die­ser Vor­schrift ge­gen Art. 5 I und Art. 7 I Un­terabs. 2 der Ver­brauchs­gü­terkauf­richt­li­nie so­wie zu ih­rer vor­läu­fi­gen Wei­ter­gel­tung: Se­nat, Urt. v. 18.11.2020 – VI­II ZR 78/20, ju­ris Rn. 19 ff.), was hier je­doch ge­mäß § 474 II 2 BGB nicht der Fall ist.

[103]  Da die Klä­ge­rin den Rück­tritt be­reits mit Schrei­ben vom 08.03.2016 (fünf Mo­na­te nach der Auk­ti­on) und da­mit un­ab­hän­gig da­von, wann ge­nau das Pferd ihr im Sin­ne der Auk­ti­ons­be­din­gun­gen über­ge­ben wur­de, je­den­falls in­ner­halb der vor­ge­nann­ten ein­jäh­ri­gen Frist der Ver­jäh­rung des Nach­er­fül­lungs­an­spruchs er­klärt hat (vgl. Se­nat, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 26; Urt. v. 15.11.2006 – VI­II ZR 3/06, BGHZ 170, 31 Rn. 34), ist der Rück­tritt nicht ge­mäß § 438 IV 1, § 218 I BGB un­wirk­sam.

[104]  4. Ob ei­ne ge­währ­leis­tungs­recht­li­che Haf­tung des Be­klag­ten be­reits des­halb aus­schei­det, weil die Klä­ge­rin ihm nicht vor der Er­klä­rung des Rück­tritts ei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung (§ 439 I BGB) ge­setzt hat und die im Lau­fe des Ver­fah­rens mit Schrift­satz vom 03.02.2017 ge­setz­te Frist, wenn man in der wei­te­ren Gel­tend­ma­chung des Zah­lungs­be­geh­rens ei­ne er­neu­te kon­klu­den­te Rück­tritts­er­klä­rung se­hen woll­te, nicht in un­ver­jähr­ter Zeit er­folg­te, kann der Se­nat nicht ab­schlie­ßend be­ur­tei­len, da das Be­ru­fungs­ge­richt – von sei­nem Rechts­stand­punkt aus fol­ge­rich­tig – kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen hat, ob ei­ne Frist­set­zung mög­li­cher­wei­se ge­mäß § 323 II, § 326 V BGB ent­behr­lich war.

[105]  Bei dem dia­gnos­ti­zier­ten „Equi­ne Pal­mar Foot Syn­dro­me“ (EPFS) dürf­te es sich nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zwar um ei­ne un­heil­ba­re Er­kran­kung des Pferds han­deln, wes­halb ei­ne Nach­er­fül­lung in Ge­stalt der Nach­bes­se­rung – bei­spiels­wei­se durch ei­ne tier­ärzt­li­che Be­hand­lung – nicht mög­lich sein dürf­te. Das Set­zen ei­ner Frist zur Nach­er­fül­lung ist in­des nach §§ 437 Nr. 2, 326 V BGB nur dann ent­behr­lich, wenn bei­de Ar­ten der Nach­er­fül­lung un­mög­lich sind (st. Rspr.; vgl. Se­nat, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 17; Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 23; Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 39; Urt. v. 27.05.2020 – VI­II ZR 315/18, BGHZ 226, 1 Rn. 59). Dies ist im vor­lie­gen­den Fall je­doch we­der fest­ge­stellt noch sonst oh­ne Wei­te­res er­sicht­lich.

[106]  Ei­ne Nach­er­fül­lung in Form der Er­satz­lie­fe­rung schei­det bei dem Er­werb ei­nes Pferds, auch wenn es sich hier­bei um ei­nen Stück­kauf han­delt, nicht von vor­ne­her­ein aus (vgl. Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 41 m. w. Nachw.; Se­nat, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 21; Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, BGHZ 170, 86 Rn. 17 [je­weils zum Fahr­zeug­kauf]). Der Ge­setz­ge­ber ist bei der Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rung da­von aus­ge­gan­gen, dass das In­ter­es­se des Käu­fers, ei­ne man­gel­freie Sa­che zu er­hal­ten, „in den meis­ten Fäl­len“ – auch beim Stück­kauf – durch Nach­bes­se­rung oder Lie­fe­rung ei­ner an­de­ren gleich­ar­ti­gen Sa­che be­frie­digt wer­den kön­ne (BT-Drs. 14/6040, S. 89, 220, 230; Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 41). Ent­schei­dend ist letzt­lich, ob und in wel­chem Um­fang der Ver­käu­fer ei­ne Be­schaf­fungpflicht über­nom­men hat (Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 41 m. w. Nachw.). Da­bei ist, wie der Se­nat be­reits ent­schie­den hat, ei­ne Er­satz­lie­fe­rung auch nicht be­reits des­we­gen von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, weil es sich – wie hier – um ei­nen ge­brauch­ten Kauf­ge­gen­stand han­delt (Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 42).

[107]  Die­se Grund­sät­ze sind auch beim Kauf ei­nes Tiers (§ 90a Satz 3 BGB) zu be­ach­ten. Ob ei­ne Er­satz­be­schaf­fung vor­lie­gend mög­lich und ge­schul­det war, hängt da­nach da­von ab, ob nach dem durch in­ter­es­sen­ge­rech­te Aus­le­gung zu er­mit­teln­den Wil­len der Par­tei­en (§§ 133, 157 BGB) bei Ver­trags­schluss ei­ne Nach­lie­fe­rung ei­nes gleich­ar­ti­gen und gleich­wer­ti­gen Pferds in Be­tracht kom­men soll­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 11.12.2019 – VI­II ZR 361/18, BGHZ 224, 195 Rn. 41 f. m. w. Nachw.).

[108]  III. Nach al­le­dem kann das an­ge­foch­te­ne Ur­teil kei­nen Be­stand ha­ben; es ist da­her auf­zu­he­ben (§ 562 I ZPO). Die Sa­che ist zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung – un­ter Zu­grun­de­le­gung der Rechts­auf­fas­sung des Se­nats (§ 563 II ZPO) – an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­zu­ver­wei­sen (§ 563 I 1 ZPO), da­mit den über­gan­ge­nen Be­weis- und An­hö­rungs­an­trä­gen der Klä­ge­rin nach­ge­gan­gen wer­den kann und die hier­nach er­for­der­li­chen wei­te­ren Fest­stel­lun­gen er­fol­gen kön­nen. Da­bei macht der Se­nat von der Mög­lich­keit Ge­brauch, die Sa­che an ei­nen an­de­ren Se­nat des Be­ru­fungs­ge­richts zu­rück­zu­ver­wei­sen (§ 563 I 2 ZPO).

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