Zum Um­fang der Haf­tung ei­nes Au­to­mo­bil­her­stel­lers nach §§ 826, 31 BGB ge­gen­über dem Käu­fer des Fahr­zeugs in ei­nem so­ge­nann­ten Die­sel­fall (hier: Er­satz­fä­hig­keit von Fi­nan­zie­rungs­kos­ten, Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs).

BGH, Ur­teil vom 13.04.2021 – VI ZR 274/20

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin nimmt den be­klag­ten Kraft­fahr­zeug­her­stel­ler we­gen der Ver­wen­dung ei­ner un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung, die zu er­höh­ten Schad­stoff­emis­sio­nen führ­te, auf Scha­dens­er­satz in An­spruch.

Die Klä­ge­rin er­warb mit Kauf­ver­trag vom 01.02.2013 von ei­nem Au­to­händ­ler ei­nen von der Be­klag­ten her­ge­stell­ten (ge­brauch­ten) VW Golf mit ei­ner Lauf­leis­tung von 12.566 km. Der Kauf­preis in Hö­he von 18.500 € wur­de teil­wei­se – in Hö­he von 2.750 € – bar ge­zahlt und im Üb­ri­gen fi­nan­ziert, in­dem sich die Klä­ge­rin von der Volks­wa­gen Bank GmbH ein Dar­le­hen ge­wäh­ren ließ.

Der VW Golf ist mit ei­nem von der Be­klag­ten ent­wi­ckel­ten und her­ge­stell­ten Die­sel­mo­tor der Bau­rei­he EA189 aus­ge­stat­tet. Die­ser ent­hielt ei­ne Steue­rungs­soft­ware, die er­kann­te, ob das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand den Neu­en Eu­ro­päi­schen Fahr­zy­klus (NEFZ) durch­lief oder ob es nor­mal im Stra­ßen­ver­kehr be­trie­ben wur­de. Beim Be­trieb des Fahr­zeugs auf ei­nem Prüf­stand be­wirk­te die Soft­ware ei­ne im Ver­gleich zum Nor­mal­be­trieb er­höh­te Ab­gas­rück­füh­rungs­ra­te, wo­durch die Eu­ro-5-Grenz­wer­te für Stick­oxid­emis­sio­nen auf dem Prüf­stand ein­ge­hal­ten wer­den konn­ten.

Die Klä­ge­rin tä­tig­te Auf­wen­dun­gen für den Pkw (Werk­statt­kos­ten etc.) in Hö­he von ins­ge­samt 1.036,06 €. Mit vor­ge­richt­li­chem An­walts­schrei­ben vom 12.07.2018 ver­lang­te sie von der Be­klag­ten die Er­stat­tung des Kauf­prei­ses, Zug um Zug ge­gen Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs, was die Be­klag­te mit Schrei­ben vom Fol­ge­tag ab­lehn­te.

Die Klä­ge­rin hat be­haup­tet, dass sie das Dar­le­hen der Volks­wa­gen Bank GmbH voll­stän­dig ge­tilgt ha­be. Hier­für und für die Kauf­preis­an­zah­lung ha­be sie ins­ge­samt 21.775,55 € ge­leis­tet. Sie hat die Be­klag­te erst­in­stanz­lich auf Zah­lung von 21.775,55 € und wei­te­ren 1.036,06 € (Auf­wen­dungs­er­satz) nebst Ver­zugs­zin­sen seit dem 27.07.2018, Zug um Zug ge­gen Über­eig­nung des Fahr­zeugs und Zah­lung ei­ner in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stell­ten Nut­zungs­ent­schä­di­gung, in An­spruch ge­nom­men. Fer­ner hat die Klä­ge­rin be­an­tragt, die Be­klag­te zur Zah­lung von Zin­sen in Hö­he von vier Pro­zent auf die Kauf­preis- und Dar­le­hens­zah­lun­gen ab dem je­wei­li­gen Zah­lungs­zeit­punkt bis zum Ver­zugs­be­ginn so­wie zum Er­satz vor­ge­richt­lich an­ge­fal­le­ner Rechts­an­walts­kos­ten (1.242,84 € nebst Ver­zugs­zin­sen) zu ver­ur­tei­len. Schließ­lich hat die Klä­ge­rin die Fest­stel­lun­gen be­an­tragt, dass die Be­klag­te mit der Fahr­zeug­rück­nah­me in An­nah­me­ver­zug sei und ihr et­wai­ge wei­te­re aus der Ma­ni­pu­la­ti­on des Pkw re­sul­tie­ren­de Schä­den er­set­zen müs­se.

Das Land­ge­richt hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Klä­ge­rin 15.605,64 € nebst Ver­zugs­zin­sen seit dem 27.07.2018, Zug um Zug ge­gen Über­eig­nung des Fahr­zeugs, wei­te­re 1.029,35 € (vor­ge­richt­li­che Rechts­an­walts­kos­ten) nebst Ver­zugs­zin­sen seit dem 27.07.2018 so­wie De­likt­szin­sen in Hö­he von vier Pro­zent aus 2.750 € für die Zeit vom 01.02.2013 bis zum 26.07.2018 zu zah­len. Fer­ner hat es den An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten fest­ge­stellt. Im Üb­ri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fun­gen bei­der Par­tei­en ge­gen sind er­folg­los ge­blie­ben.

Mit ih­rer Re­vi­si­on hat die Be­klag­te ih­ren in den Vor­in­stan­zen ge­stell­ten Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag teil­wei­se wei­ter­ver­folgt, näm­lich hin­sicht­lich der von den Vor­in­stan­zen für er­satz­fä­hig ge­hal­te­nen Fi­nan­zie­rungs­kos­ten in Hö­he von 3.275,55 € (21.775,55 € − 18.500 € =) 3.275,55 € und der Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs. So­weit die Be­klag­te wei­ter gel­tend ge­macht hat, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be sie zu Un­recht ver­ur­teilt, der Klä­ge­rin die für das Fahr­zeug ge­tä­tig­ten Auf­wen­dun­gen in Hö­he von 1.036,06 € zu er­stat­ten und an die Klä­ge­rin De­likt­szin­sen aus 2.750 € für die Zeit vom 01.02.2013 bis zum 26.07.2018 zu zah­len, hat die Klä­ge­rin ih­re Kla­ge in der Re­vi­si­ons­in­stanz mit Zu­stim­mung der Be­klag­ten zu­rück­ge­nom­men.

Die ver­blei­ben­de Re­vi­si­on der Be­klag­ten hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: [7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt, des­sen Ur­teil bei ju­ris und un­ter BeckRS 2020, 6990 ver­öf­fent­licht ist, hat zur Be­grün­dung sei­ner Ent­schei­dung – auch durch Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dungs­grün­de des land­ge­richt­li­chen Ur­teils – im We­sent­li­chen Fol­gen­des aus­ge­führt:

[8]    Die Klä­ge­rin ha­be ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klag­te aus § 826 BGB i. V. mit § 31 BGB. Die Be­klag­te ha­be die Klä­ge­rin durch das In­ver­kehr­brin­gen des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs, das mit ei­ner un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung aus­ge­rüs­tet ge­we­sen sei, sit­ten­wid­rig vor­sätz­lich ge­schä­digt. Der Scha­den der Klä­ge­rin lie­ge im Er­werb des Fahr­zeugs, den sie in Kennt­nis der Ab­schalt­ein­rich­tung nicht ge­tä­tigt hät­te.

[9]    Die Klä­ge­rin ha­be An­spruch auf Er­stat­tung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 18.500 € ab­züg­lich ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung von 6.169,03 €. Zu er­set­zen sei­en wei­ter die ge­tä­tig­ten Auf­wen­dun­gen in Hö­he von 1.036,06 € so­wie die Kos­ten der Fi­nan­zie­rung von 3.275,55 €, so­dass sich ein An­spruch in Hö­he von 15.605,64 € er­ge­be. An­nah­me­ver­zug ge­mäß § 293 BGB sei durch das vor­ge­richt­li­che Schrei­ben der Klä­ge­rin vom 12.07.2018 ein­ge­tre­ten.

[10]   II. Mit der teil­wei­sen Kla­ge­rück­nah­me ist das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts, so­weit es die Be­klag­te zur Zah­lung von De­likt­szin­sen ver­ur­teilt hat, wir­kungs­los und die Re­vi­si­on der Be­klag­ten in­so­weit ge­gen­stands­los ge­wor­den. Eben­falls ge­gen­stands­los ist die Re­vi­si­on, so­weit sie die von den Vor­in­stan­zen für er­satz­fä­hig ge­hal­te­nen Auf­wen­dun­gen in Hö­he von 1.036,06 € be­trifft. Die­se sind in dem zu­ge­spro­che­nen Scha­dens­er­satz­be­trag von 15.605,64 € nicht ent­hal­ten. Be­reits aus dem Kauf­preis zu­züg­lich der Fi­nan­zie­rungs­kos­ten (ins­ge­samt 21.775,55 €) ab­züg­lich des von den Vor­in­stan­zen er­rech­ne­ten Nut­zungs­vor­teils (6.169,03 €) er­gibt sich mit 15.606,52 € ein Be­trag, der den aus­ge­ur­teil­ten Be­trag ge­ring­fü­gig über­steigt. Dem land­ge­richt­li­chen Ur­teil, auf das das Be­ru­fungs­ge­richt Be­zug ge­nom­men hat, ist ein­deu­tig zu ent­neh­men, dass ei­ne Hin­zu­rech­nung der Auf­wen­dun­gen ver­se­hent­lich un­ter­blie­ben ist.

[11]   III. So­weit die Re­vi­si­on nicht ge­gen­stands­los ist, ist sie un­be­grün­det.

[12]   Die Zu­er­ken­nung von Fi­nan­zie­rungs­kos­ten in Hö­he von 3.275,55 € hält der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung stand.

[13]   a) Aus Rechts­grün­den nicht zu be­an­stan­den ist zu­nächst die An­nah­me der Vor­in­stan­zen, dass mit dem Er­werb des VW Golf am 01.02.2013 ein auf Kauf­prei­ser­stat­tung Zug um Zug ge­gen Über­eig­nung des Fahr­zeugs ge­rich­te­ter Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin ge­gen die Be­klag­te aus vor­sätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung ge­mäß § 826 BGB ent­stan­den ist (vgl. Se­nat, Urt. v. 25.05.2020 – VI ZR 252/19, BGHZ 225, 316 = NJW 2020, 1962 Rn. 12 ff.). Dies zieht auch die Re­vi­si­on nicht in Zwei­fel.

[14]   b) Eben­falls zu­tref­fend ha­ben die Vor­in­stan­zen an­ge­nom­men, dass die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, die Klä­ge­rin ge­mäß §§ 826, 249 I BGB so zu stel­len, als wä­re es nicht zu dem Fahr­zeu­ger­werb ge­kom­men, ne­ben dem ge­zahl­ten Kauf­preis auch die mit dem Er­werb ver­bun­de­nen Fi­nan­zie­rungs­kos­ten um­fasst (vgl. et­wa OLG Mün­chen, Urt. v. 15.07.2020 – 20 U 2914/19, ju­ris Rn. 34; OLG Ko­blenz, Urt. v. 05.06.2020 – 8 U 1803/19, ju­ris Rn. 124 m. w. Nachw.).

[15]   aa) Der Ein­wand der Re­vi­si­on, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be schon nicht fest­ge­stellt, dass die Klä­ge­rin den Dar­le­hens­ver­trag in Kennt­nis der „EA189-The­ma­tik“ nicht ge­schlos­sen hät­te, greift nicht durch. Es liegt auf der Hand und be­durf­te kei­ner ge­son­der­ten Fest­stel­lung, dass es oh­ne den irr­tums­be­ding­ten Fahr­zeu­ger­werb auch nicht zur Fi­nan­zie­rung des Kauf­prei­ses ge­kom­men wä­re. Die Klä­ge­rin hat nicht et­wa ein Dar­le­hen zur frei­en Ver­wen­dung auf­ge­nom­men, son­dern ein Dar­le­hen bei der Volks­wa­gen Bank, das al­lein und kon­kret der Fi­nan­zie­rung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeu­ger­werbs dien­te. Dies folgt schon aus dem Dar­le­hens­an­trag, auf den die Vor­in­stan­zen kon­kret Be­zug ge­nom­men ha­ben.

[16]   bb) Ob die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten auch beim Er­werb ei­nes an­de­ren Fahr­zeugs an­ge­fal­len wä­ren, spielt ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on schon des­halb kei­ne Rol­le, weil ein hy­po­the­ti­scher al­ter­na­ti­ver Fahr­zeu­ger­werb nicht fest­ge­stellt ist, oh­ne dass die Re­vi­si­on dies­be­züg­lich über­gan­ge­nen In­stanz­vor­trag oder über­gan­ge­ne Be­weis­an­trit­te auf­zei­gen wür­de.

[17]   c) Die Hö­he der Fi­nan­zie­rungs­kos­ten ha­ben die Vor­in­stan­zen un­an­ge­foch­ten mit 3.275,55 € fest­ge­stellt (2.323,54 € Dar­le­hens­zin­sen, 952,01 € für ei­ne Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­rung).

[18]   d) Der Ein­wand der Re­vi­si­on, dass die Kos­ten der Fi­nan­zie­rung je­den­falls nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung kei­nen Scha­den (mehr) dar­stell­ten, da der Klä­ge­rin aus dem Dar­le­hens­ver­trag ein Li­qui­di­täts­vor­teil in glei­cher Hö­he zu­ge­flos­sen und ver­blie­ben sei, greift nicht durch. Der Fi­nan­zie­rungs­auf­wand ist – ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on – auch nicht bei der Be­mes­sung des Nut­zungs­vor­teils im Rah­men der Vor­teils­aus­glei­chung zu be­rück­sich­ti­gen.

[19]   aa) Nach den von der Recht­spre­chung im Be­reich des Scha­dens­er­satz­rechts ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung sind dem Ge­schä­dig­ten in ge­wis­sem Um­fang die­je­ni­gen Vor­tei­le zu­zu­rech­nen, die ihm in ad­äqua­tem Zu­sam­men­hang mit dem Scha­dens­er­eig­nis zu­ge­flos­sen sind. Es soll ein ge­rech­ter Aus­gleich zwi­schen den bei ei­nem Scha­dens­fall wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen her­bei­ge­führt wer­den. Der Ge­schä­dig­te darf ei­ner­seits im Hin­blick auf das scha­dens­er­satz­recht­li­che Be­rei­che­rungs­ver­bot nicht bes­ser ge­stellt wer­den, als er oh­ne das schä­di­gen­de Er­eig­nis stün­de. An­de­rer­seits sind nur die­je­ni­gen durch das Scha­dens­er­eig­nis be­ding­ten Vor­tei­le auf den Scha­dens­er­satz­an­spruch an­zu­rech­nen, de­ren An­rech­nung mit dem je­wei­li­gen Zweck des Er­satz­an­spruchs über­ein­stimmt, al­so dem Ge­schä­dig­ten zu­mut­bar ist und den Schä­di­ger nicht un­an­ge­mes­sen ent­las­tet (st. Rspr., s. et­wa Se­nat, Urt. v. 25.05.2020 – VI ZR 252/19, BGHZ 225, 316 = NJW 2020, 1962 Rn. 65; BGH, Urt. v. 06.08.2019 – X ZR 165/18, ju­ris Rn. 8 f.; Urt. v. 30.09.2014 – X ZR 126/13, NJW 2015, 553 Rn. 14; Urt. v. 28.06.2007 – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18; je­weils m. w. Nachw.). Vor- und Nach­tei­le müs­sen bei wer­ten­der Be­trach­tungs­wei­se gleich­sam zu ei­ner Rech­nungs­ein­heit ver­bun­den sein (Se­nat, Urt. v. 16.01.1990 – VI ZR 170/89, NJW 1990, 1360 = ju­ris Rn. 10; Urt. v. 28.06.2007 – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18; je­weils m. w. Nachw.). Die Grund­sät­ze der Vor­teils­aus­glei­chung gel­ten auch für ei­nen An­spruch aus sit­ten­wid­ri­ger vor­sätz­li­cher Schä­di­gung ge­mäß § 826 BGB (Se­nat, Urt. v. 25.05.2020 – VI ZR 252/19, BGHZ 225, 316 = NJW 2020, 1962 Rn. 66; Urt. v. 28.10.2014 – VI ZR 15/14, VersR 2015, 75 Rn. 14, 37 ff.; je­weils m. w. Nachw.).

[20]   bb) Der Fi­nan­zie­rungs­auf­wand dien­te – wie die Kauf­preis­zah­lung – im Streit­fall dem Er­werb des Fahr­zeugs und ver­schaff­te der Klä­ge­rin kei­nen zu­sätz­li­chen Li­qui­di­täts­vor­teil im Ver­gleich zu dem Zu­stand, der be­stan­den hät­te, hät­te die Klä­ge­rin vom Kauf Ab­stand ge­nom­men. Als an­zu­rech­nen­der Vor­teil ist bei­den Scha­dens­po­si­tio­nen – dem Fi­nan­zie­rungs­auf­wand und der Kauf­preis­zah­lung – ein­heit­lich die Fahr­zeug­nut­zung ge­gen­über­zu­stel­len, und zwar ge­ge­be­nen­falls bis zur Er­schöp­fung bei­der Po­si­tio­nen.

[21]   cc) Bei der ge­mäß § 287 ZPO vor­zu­neh­men­den Be­mes­sung des an­zu­rech­nen­den Nut­zungs­vor­teils ist das Be­ru­fungs­ge­richt von fol­gen­der Be­rech­nungs­for­mel aus­ge­gan­gen:

\text{Nut­zungs­vor­teil} = {\frac{\text{Brut­to­kauf­preis}\times\text{ge­fah­re­ne Stre­cke (seit Er­werb)}}{\text{er­war­te­te Rest­lauf­leis­tung im Er­werbs­zeit­punkt}}}.

[22]   Die­se Be­rech­nungs­me­tho­de ist, wie der Se­nat be­reits ent­schie­den hat, re­vi­si­ons­recht­lich grund­sätz­lich nicht zu be­an­stan­den (vgl. Se­nat, Urt. v. 25.05.2020 – VI ZR 252/19, BGHZ 225, 316 = NJW 2020, 1962 Rn. 78 ff.; Urt. v. 30.07.2020 – VI ZR 354/19, NJW 2020, 2796 Rn. 12 f.).

[23]   Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on hat das Be­ru­fungs­ge­richt den der Klä­ge­rin zu­ge­flos­se­nen Nut­zungs­vor­teil zu­tref­fend auf der Grund­la­ge des Kauf­prei­ses als taug­li­chen An­halts­punkt für den ob­jek­ti­ven Fahr­zeug­wert er­mit­telt, oh­ne die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten zu be­rück­sich­ti­gen (a. A. OLG Karls­ru­he, Urt. v. 04.11.2020 – 13 U 1328/19, ju­ris Rn. 67 ff.; KG, Urt. v. 26.09.2019 – 4 U 77/18, ju­ris Rn. 177 f.; OLG Mün­chen, Urt. v. 15.07.2020 – 20 U 2914/19, ju­ris Rn. 36). Zwar konn­te die Klä­ge­rin das Fahr­zeug nur er­wer­ben und nut­zen, weil sie nicht nur den Kauf­preis des Fahr­zeugs, son­dern auch die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten auf­ge­wen­det hat. Die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten er­hö­hen je­doch nicht den ob­jek­ti­ven Wert des Fahr­zeugs und ver­grö­ßern da­mit auch nicht den Ge­brauchs­vor­teil, den die Klä­ge­rin aus der Nut­zung des Fahr­zeugs ge­zo­gen hat. Ein Fahr­zeug­käu­fer, der den Kauf­preis fremd­fi­nan­ziert, hat ob­jek­tiv kei­nen hö­he­ren Nut­zungs­vor­teil je ge­fah­re­nem Ki­lo­me­ter als ein Käu­fer, der das Fahr­zeug mit ei­ge­nen Mit­teln er­wirbt.

[24]   2. Die Fest­stel­lung, dass sich die Be­klag­te mit der „Rück­nah­me“ des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug be­fin­det, hält der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung eben­falls stand. Denn je­den­falls in dem für die Ent­schei­dung maß­geb­li­chen Zeit­punkt, dem Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Be­ru­fungs­in­stanz (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.07.2020 – VI ZR 397/19, NJW 2020, 2806 Rn. 30), war das An­ge­bot der Klä­ge­rin ord­nungs­ge­mäß. Zwar hat die Klä­ge­rin in der Be­ru­fungs­in­stanz an ih­rem un­be­grün­de­ten (vgl. Se­nat, Urt. v. 30.07.2020 – VI ZR 397/19, NJW 2020, 2806 Rn. 20 ff.) Be­geh­ren fest­ge­hal­ten, die Be­klag­te zur Zah­lung von De­likt­szin­sen ge­mäß § 849 BGB zu ver­ur­tei­len. Die­se For­de­rung war aber, was die Re­vi­si­on ver­kennt, zu kei­nem Zeit­punkt mit der Über­eig­nung des Fahr­zeugs ver­knüpft. Die hier maß­geb­li­che erst­in­stanz­li­che Zug-um-Zug-Ver­ur­tei­lung hat die Klä­ge­rin in der Be­ru­fungs­in­stanz ver­tei­digt und da­mit kon­klu­dent ein ent­spre­chen­des wört­li­ches An­ge­bot ge­macht. Die Be­klag­te hat das An­ge­bot durch ih­ren auf Kla­ge­ab­wei­sung ge­rich­te­ten Be­ru­fungs­an­trag ab­ge­lehnt und ist spä­tes­tens da­durch ent­spre­chend § 293 BGB in An­nah­me­ver­zug ge­ra­ten.

[25]   In­so­weit un­ter­schei­det sich der Sach­ver­halt von dem, der dem Se­nats­ur­teil vom 02.02.2021 (VI ZR 449/20, ju­ris) zu­grun­de lag. Dort hat­te der Klä­ger vor­pro­zes­su­al (Schrei­ben vom 06.12.2018 mit Frist zum 20.12.2018) der Be­klag­ten das Fahr­zeug nur Zug um Zug ge­gen Zah­lung ei­nes Be­trags an­ge­bo­ten, der die De­likt­szin­sen um­fass­te. Er hat­te dann, ge­stützt auf die­ses Schrei­ben und die dort an­ge­bo­te­ne Zug-um-Zug-Leis­tung, im Ge­richts­ver­fah­ren be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass sich die Be­klag­te seit dem 20.12.2018 in An­nah­me­ver­zug be­fin­de. Dies hat­ten die In­stanz­ge­rich­te auch so aus­ge­spro­chen. Al­lein der Um­stand, dass im Ge­richts­ver­fah­ren bei den An­trä­gen die De­likt­szin­sen un­ter ei­ner ge­son­der­ten Num­mer auf­ge­führt wa­ren, recht­fer­tig­te an­ge­sichts des An­trags zum An­nah­me­ver­zug und der in die­sem Zu­sam­men­hang er­folg­ten Be­zug­nah­me auf den vor­pro­zes­sua­len Schrift­satz nicht den ver­läss­li­chen Schluss, dass der Klä­ger durch sein pro­zes­sua­les Ver­hal­ten nun­mehr da­von ab­wei­chend das Fahr­zeug der Be­klag­ten Zug um Zug in ei­ner den An­nah­me­ver­zug be­grün­den­den Wei­se an­ge­bo­ten hat. Im vor­lie­gen­den Fall hat dem­ge­gen­über die Klä­ge­rin we­der vor­pro­zes­su­al noch im Ver­fah­ren die Zug-um-Zug-Leis­tung je­mals von der Zah­lung von De­likt­szin­sen ab­hän­gig ge­macht.

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