1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nes Fahr­zeug weist ei­nen zum Rück­tritt be­rech­ti­gen­den Man­gel auf, wenn die Kauf­ver­trags­par­tei­en hin­sicht­lich sei­ner Stick­oxid-Emis­sio­nen ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung (§ 434 I 1 BGB) ge­trof­fen ha­ben und das Fahr­zeug die ver­ein­bar­ten „La­bor­wer­te“ nur des­halb ein­hält, weil ei­ne Soft­ware die Ab­gas­auf­be­rei­tung op­ti­miert, so­bald das Fahr­zeug ei­nem Emis­si­ons­test un­ter­zo­gen wird.
  2. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs, der dem Ver­käu­fer ei­ne Frist zur Nach­bes­se­rung setzt, muss hin­sicht­lich der Län­ge die­ser Frist zwar ins­be­son­de­re be­rück­sich­ti­gen, dass der Ver­käu­fer oh­ne die Hil­fe der Volks­wa­gen AG zu ei­ner Nach­bes­se­rung gar nicht in der La­ge ist. Es kann dem Käu­fer aber nicht zum Nach­teil ge­rei­chen, dass die Volks­wa­gen AG mil­lio­nen­fach Fahr­zeu­ge ma­ni­pu­liert hat und es mehr als ein Jahr dau­ert, die Ma­ni­pu­la­tio­nen rück­gän­gig zu ma­chen. Ei­ne Nach­bes­se­rungs­frist von zwei Mo­na­ten ist des­halb aus­rei­chend.
  3. Bei der Be­ur­tei­lung, ob der Man­gel, der ei­nem vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeug an­haf­tet, er­heb­lich ist, kann nicht nur dar­auf ab­ge­stellt wer­den, dass die ei­gent­li­che Man­gel­be­sei­ti­gung ei­nen Zeit­auf­wand von rund ei­ner Stun­de und ei­nen Kos­ten­auf­wand von we­ni­ger als 100 € er­for­dert. Viel­mehr ist auch zu be­rück­sich­ti­gen, dass die tech­ni­sche Vor­be­rei­tung der be­ab­sich­tig­ten Man­gel­be­sei­ti­gung fast ein Jahr be­an­sprucht und das Kraft­fahrt-Bun­des­amt die be­ab­sich­tig­ten Maß­nah­men ge­neh­mi­gen muss.
  4. Die zu er­war­ten­de Ge­samt­lauf­leis­tung ei­nes Die­sel­fahr­zeugs ei­nes nam­haf­ten Her­stel­lers (hier: Volks­wa­gen) be­trägt min­des­tens 250.000 km.

LG Lü­ne­burg, Ur­teil vom 02.06.2016 – 4 O 3/16

Sach­ver­halt: Der Klä­ger be­gehrt die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen Neu­wa­gen (VW Pas­sat 1.6 TDI), den er von der Be­klag­ten zu 1 er­wor­ben hat und der vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen ist. Zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Teils des Kauf­prei­ses schloss der Klä­ger mit der Be­klag­ten zu 2 ei­nen Dar­le­hens­ver­trag.

Am 31.10.2013 er­stell­te die Be­klag­te zu 1 ein „in­di­vi­du­el­les An­ge­bot“ für den Klä­ger: Sie bot ihm ei­nen – nä­her be­schrie­be­nen – VW Pas­sat Va­ri­ant 1.6 TDI mit Blu­e­Mo­ti­on-Tech­no­lo­gie in der Aus­stat­tungs­va­ri­an­te „Com­fort­li­ne“ für 28.900 € an. In dem An­ge­bot wird un­ter der Über­schrift „Tech­ni­sche Da­ten“ un­ter an­de­rem aus­ge­führt, dass das Fahr­zeug der Emis­si­ons­klas­se „Eu­ro 5“ an­ge­hö­re. Au­ßer­dem fin­den sich fol­gen­de An­ga­ben:

Stick­oxi­de (NOX) 110,2 mg/km
CO2-Emis­sio­nen kom­bi­niert 116,0 g/km
Kraft­stoff­ver­brauch in­ner­orts 5,3 l/km
Kraft­stoff­ver­brauch au­ßer­orts 4,0 l/km
Kraft­stoff­ver­brauch kom­bi­niert 4,4 l/km

Das The­ma „Emis­si­ons­wer­te des Fahr­zeugs“ war nicht aus­drück­lich Ge­gen­stand der Ge­sprä­che, die der Klä­ger und die Be­klag­te zu 1 im Vor­feld des Ver­trags­schlus­ses führ­ten.

Auf der Grund­la­ge des An­ge­bots vom 31.10.2013 schlos­sen der Klä­ger und die Be­klag­te zu 1 am sel­ben Tag ei­nen Kauf­ver­trag. Den Kauf­preis zahl­te der Klä­ger in Hö­he von 3.800 € in bar, wäh­rend er für 8.700 € sein Alt­fahr­zeug bei der Be­klag­ten zu 1 in Zah­lung gab. Den rest­li­chen Kauf­preis in Hö­he von 16.400 € fi­nan­zier­te der Klä­ger, in­dem er mit der Be­klag­ten zu 2 ei­nen – von der Be­klag­ten zu 1 ver­mit­tel­ten – Dar­le­hens­ver­trag schloss.

Der streit­ge­gen­ständ­li­che VW Pas­sat wur­de am 12.02.2014 an den Klä­ger aus­ge­lie­fert.

Das Fahr­zeug ver­fügt über ei­nen Die­sel­mo­tor des Typs VW EA189. Die­sen hat die Fahr­zeug­her­stel­le­rin, die Volks­wa­gen AG, mit ei­ner Soft­ware kom­bi­niert, die er­kennt, ob sich das Fahr­zeug zur Er­mitt­lung der Emis­si­ons­wer­te auf ei­nem Prüf­stand be­fin­det. Dann ist der Stick­oxid-Aus­stoß ge­rin­ger als im Nor­mal­be­trieb, und oh­ne die Soft­ware, die ei­ne Prüf­si­tua­ti­on er­kennt, wä­ren die Stick­oxid-Emis­sio­nen auf dem Prüf­stand hö­her als im An­ge­bot vom 31.10.2013 an­ge­ge­ben.

In die be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge – die ein Soft­ware­up­date er­hal­ten sol­len – will die Volks­wa­gen AG so­ge­nann­te Strö­mungs­trans­for­ma­to­ren ein­bau­en, um das Pro­blem der zu ho­hen Ab­gas­wer­te zu be­he­ben. Die Ent­wick­lung ist al­ler­dings für das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug­mo­dell noch nicht ab­ge­schlos­sen. Gleich­wohl ist das Fahr­zeug oh­ne Ein­schrän­kun­gen fahr­be­reit und ver­kehrs­si­cher, und auch die EG-Typ­ge­neh­mi­gung wur­de nicht ent­zo­gen.

Mit An­walts­schrei­ben vom 09.11.2015 for­der­te der Klä­ger die Be­klag­te zu 1 auf, mit ihm bis zum 19.11.2015 ei­nen Ter­min zur Nach­bes­se­rung zu ver­ein­ba­ren und die Nach­bes­se­rung bis zum 30.11.2015 ab­zu­schlie­ßen.

In ei­nem Schrei­ben vom 19.11.2015 lehn­te die Be­klag­te zu 1 ei­ne Rück­nah­me des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs ab und teil­te dem Klä­ger un­ter an­de­rem Fol­gen­des mit:

„Zu­dem wer­den Fahr­zeu­ge mit den Die­sel­mo­to­ren des Typs EA189 nach Ab­stim­mung mit dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt auf Kos­ten von Volks­wa­gen ei­ne tech­ni­sche Lö­sung er­hal­ten. Volks­wa­gen hat am 07.10.2015 dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt ei­nen Maß­nah­men­plan vor­ge­legt. Die­ser sieht vor, dass die not­wen­di­gen tech­ni­schen Lö­sun­gen ent­wi­ckelt wer­den. Die Volks­wa­gen AG wird so bald wie mög­lich nä­her über den Zeit­plan und die er­for­der­li­chen Maß­nah­men in­for­mie­ren. Wir ver­si­chern Ih­rem Man­dan­ten, dass Volks­wa­gen mit Hoch­druck an die­sen Lö­sun­gen ar­bei­tet und Sie schnellst­mög­lich über die ge­plan­ten Maß­nah­men un­ter­rich­tet wer­den. In der Zwi­schen­zeit bit­ten wir Ih­ren Man­dan­ten um Ge­duld und Ver­ständ­nis da­für, dass Volks­wa­gen al­le not­wen­di­gen Schrit­te mit dem ge­bo­te­nen Tem­po, aber auch mit der Gründ­lich­keit an­geht, die er jetzt er­war­ten darf.“

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 25.11.2015 er­klär­te der Klä­ger dar­auf­hin den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag und for­der­te die Rück­zah­lung von 12.176 € [rich­tig: 12.416 €] Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des Fahr­zeugs. Den ver­lang­ten Be­trag er­rech­ne­te der Klä­ger wie folgt:

Kauf­preis (bar ge­zahl­ter Be­trag) 3.800 €
Wert des in Zah­lung ge­ge­be­nen Alt­fahr­zeugs + 8.700 €
ge­leis­te­te Dar­le­hens­ra­ten (März 2014 bis De­zem­ber 2015) + 5.280 €
Nut­zungs­ent­schä­di­gung 5.364 €
Ge­samt­for­de­rung 12.416 €

Die Hö­he der Nut­zungs­ent­schä­di­gung er­mit­tel­te der Klä­ger, in­dem er die bis­he­ri­ge Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs (45.000 km) ins Ver­hält­nis zu ei­ner an­ge­nom­me­nen Ge­samt­lauf­leis­tung von 250.000 km set­ze. Da­mit er­gab sich, dass er ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung von 5.364 € [rich­tig: 5.202 €] schul­de­te.

Der Klä­ger be­haup­tet, er ha­be das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ge­kauft, weil es ein be­son­ders um­welt­freund­li­ches Die­sel­fahr­zeug sei. Zu­dem sei­en ne­ben den Stick­oxid­wer­ten, die auch im Re­al­be­trieb hö­her als an­ge­ge­ben sei­en, „wohl auch“ die CO2-Wer­te deut­lich hö­her als in dem An­ge­bot der Be­klag­ten zu 1 an­ge­ge­ben. Au­ßer­dem wür­den sich die Ent­wick­lungs­kos­ten des nö­ti­gen Soft­ware­up­dates auf ei­nen min­des­tens zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag be­lau­fen, und der „VW-Skan­dal“ ha­be zu ei­nem Ver­trau­ens­ver­lust der Be­völ­ke­rung ge­führt. Da­durch sei ein Wei­ter­ver­kauf des Fahr­zeugs selbst mit Soft­ware­up­date nur mit fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen mög­lich.

Die Klag­te hat­te größ­ten­teils Er­folg.

Aus den Grün­den: A. Die Kla­ge ist zu­läs­sig.

Ins­be­son­de­re be­steht … das ge­mäß § 256 I ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se hin­sicht­lich der Fest­stel­lungs­kla­ge ge­gen die Be­klag­te zu 2. Zwar ist es zu­tref­fend, dass es sich bei dem Kauf­ver­trag und dem Dar­le­hens­ver­trag um ein ver­bun­de­nes Ge­schäft han­delt, so­dass der Klä­ger ge­gen­über der Be­klag­ten zu 2 ge­mäß § 359 BGB ein Zu­rück­be­hal­tungs­recht gel­tend ma­chen kann. Dies schließt je­doch nicht das In­ter­es­se des Klä­gers an der Fest­stel­lung aus, dass der Be­klag­ten zu 2 aus dem Dar­le­hens­ver­trag kei­ne Zah­lungs­an­sprü­che ge­gen den Klä­ger zu­ste­hen. Denn nur durch ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge kann der Klä­ger er­rei­chen, dass mit Rechts­kraft auch ge­gen­über der Be­klag­ten zu 2 fest­ge­stellt wird, dass die­ser kei­ne Zah­lungs­an­sprü­che aus dem Dar­le­hens­ver­trag zu­ste­hen. An­de­ren­falls ist es nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Be­klag­ten zu 2 den Kauf­ver­trag wei­ter­hin als wirk­sam an­sieht und den Klä­ger auf Zah­lung der Dar­le­hens­ra­ten in An­spruch nimmt.

So­weit die Be­klag­te zu 2 in der Kla­ge­er­wi­de­rung er­klärt hat, es sei nicht er­sicht­lich und auch nicht vor­ge­tra­gen, dass die Be­klag­te zu 2 ei­ne rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung im Ver­hält­nis des Klä­gers zu der Be­klag­ten zu 1 nicht ak­zep­tie­ren wird, ent­fällt durch die­se Er­klä­rung nicht das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Klä­gers. Denn es han­delt sich in­so­weit nicht um ei­ne rechts­ver­bind­li­che Er­klä­rung der Be­klag­ten zu 2.

B. Die … Kla­ge hat bis auf ei­nen ge­rin­gen Teil der Ne­ben­for­de­run­gen auch in der Sa­che Er­folg.

1. Dem Klä­ger steht ein An­spruch ge­gen die Be­klag­te zu 1 auf Rück­zah­lung von 12.416 € Zug um Zug ge­gen Rück­über­eig­nung des Fahr­zeugs nebst Zu­be­hör ge­mäß §§ 346 I, 437 Nr. 2, 434 I 1, 440, 323 BGB zu.

Nach die­sen Vor­schrif­ten kann ein Käu­fer vom Kauf­ver­trag zu­rück­tre­ten, wenn die Kauf­sa­che bei Ge­fahr­über­gang ei­nen Sach­man­gel auf­wies, der Käu­fer dem Ver­käu­fer er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung ge­setzt hat und der Man­gel nicht un­er­heb­lich ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend er­füllt.

a) Sach­man­gel

Das von dem Klä­ger von der Be­klag­ten zu 1 er­wor­be­ne Fahr­zeug wies zum Zeit­punkt der Über­ga­be an den Klä­ger am 12.02.2014 ei­nen Sach­man­gel auf, da je­den­falls die Stick­oxid­wer­te (NOX) ne­ga­tiv von den ver­ein­bar­ten Schad­stoff­wer­ten ab­wei­chen.

Die Par­tei­en ha­ben ver­trag­lich ver­ein­bart, dass das Fahr­zeug le­dig­lich 110,2 mg/km an Stick­oxi­den aus­stößt. Dies er­gibt sich aus dem in­di­vi­du­el­len An­ge­bot, das die Be­klag­te zu 1 für den Klä­ger er­stellt hat. Die­ses An­ge­bot ha­ben die Par­tei­en zur Grund­la­ge des Kauf­ver­tra­ges ge­macht. Da­bei ist es un­er­heb­lich, dass bei den Ge­sprä­chen zwi­schen dem Klä­ger und der Be­klag­ten zu 1 im Vor­feld des Ver­trags­ab­schlus­ses das The­ma Emis­si­ons­wer­te nicht aus­drück­lich Ge­gen­stand der Er­ör­te­rung ge­we­sen ist. Denn die Be­klag­te zu 1 hat in das für den Klä­ger in­di­vi­du­ell er­stell­te An­ge­bot nicht nur die kon­kre­te Be­schrei­bung der Aus­stat­tung des Fahr­zeugs auf­ge­nom­men, son­dern auch die kon­kre­ten Emis­si­ons­wer­te. Die­ses An­ge­bot hat der Klä­ger an­ge­nom­men.

Dass das An­ge­bot der Be­klag­ten zu 1 auch aus­drück­lich zum Ver­trags­be­stand­teil ge­macht wor­den ist, er­gibt sich dar­aus, dass in der „Ver­bind­li­chen Volks­wa­gen-Be­stel­lung“ vom 31.10.2013 auf das An­ge­bot … Be­zug ge­nom­men wird. Es han­delt sich da­her bei den An­ga­ben der tech­ni­schen Da­ten in dem in­di­vi­du­el­len An­ge­bot für den Klä­ger ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten zu 1 nicht um ei­ne blo­ße Dar­stel­lung des Her­stel­lers in Pro­spek­ten, Wer­bung oder Ähn­li­chem, son­dern um ei­ne ver­trag­li­che Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung i. S. des § 434 I 1 BGB.

Der tat­säch­li­che Aus­stoß von Stick­oxi­den weicht von die­ser ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung von 110,2 mg/km ne­ga­tiv ab, wo­bei al­lein auf die Ab­wei­chung der Emis­si­ons­wer­te un­ter La­bor­be­din­gun­gen ab­zu­stel­len ist. Denn es ist all­ge­mein be­kannt, dass Emis­si­ons­wer­te un­ter La­bor­be­din­gun­gen und nicht un­ter rea­len Be­din­gun­gen er­mit­telt wer­den (vgl. bei­spiels­wei­se OLG Hamm, Urt. v. 08.06.2015 – I-2 U 163/14, ju­ris). Dem­entspre­chend ist auch die An­ga­be in dem An­ge­bot der Be­klag­ten zu 1 aus­zu­le­gen.

Von der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung des Klä­gers und der Be­klag­ten zu 1, dass das Fahr­zeug in dem Prüf­stand, bei nor­ma­lem – nicht ma­ni­pu­lier­ten – Mo­tor­be­trieb Emis­si­ons­wer­te von 110,2 mg/km Stick­oxi­den er­reicht, wich das Fahr­zeug zum Zeit­punkt der Über­ga­be ab. Be­reits auf­grund des Schrei­bens der Volks­wa­gen AG steht fest, dass die Stick­oxid­wer­te durch ei­ne Soft­ware im Prüf­stands­lauf op­ti­miert wer­den. Le­dig­lich durch die­se in das Fahr­zeug ein­ge­bau­te Soft­ware konn­te er­reicht wer­den, dass die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Stick­oxid-Emis­si­ons­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den. Oh­ne die in das Fahr­zeug ein­ge­brach­te Soft­ware, die er­kennt, ob sich das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand zur Er­mitt­lung der Emis­si­ons­wer­te und -klas­se oder im üb­li­chen Stra­ßen­ver­kehr be­fin­det, und die dann, wenn sich das Fahr­zeug auf dem Prüf­stand be­fin­det, ein an­de­res Mo­tor­pro­gramm ab­spielt, wür­den je­den­falls die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Stick­oxid­wer­te nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Dies be­grün­det ei­nen Sach­man­gel des Fahr­zeugs.

Die Kam­mer folgt auch nicht der Auf­fas­sung der Be­klag­ten zu 1, dass die der­zeit im Fahr­zeug des Klä­gers noch vor­han­de­ne Steue­rungs­tech­nik nur dann ei­nen Sach­man­gel be­grün­den könn­te, wenn es sich bei ihr um ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung han­deln wür­de. Auf die Fra­ge, ob in das Fahr­zeug ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung ein­ge­baut wur­de, kommt es vor­lie­gend nicht an. Ent­schei­dungs­er­heb­lich ist le­dig­lich, dass das Fahr­zeug oh­ne die ver­wen­de­te Soft­ware auch im Prüf­stands­lauf die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Stick­oxid­wer­te nicht ein­hal­ten wür­de und mit­hin nicht die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit auf­weist.

b) An­ge­mes­se­ne Nach­frist

Dem Rück­tritt des Klä­gers steht auch nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger der Be­klag­ten zu 1 kei­ne – zu­rei­chen­de – Frist zur Leis­tung bzw. Nach­er­fül­lung (§ 323 I BGB) ge­setzt hät­te. Der Klä­ger ist zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt, da die Be­klag­te zu 1 ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­bes­se­rung un­ge­nutzt hat ver­strei­chen las­sen (§ 323 I BGB).

Ge­mäß §§ 437 Nr. 3, 323 I BGB setzt der Rück­tritt des Käu­fers we­gen ei­nes be­heb­ba­ren Man­gels vor­aus, dass der Käu­fer dem Ver­käu­fer vor dem Rück­tritt er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung be­stimmt hat. So­fern der Käu­fer ei­ne zu kur­ze Frist ge­setzt hat, ist die­se nicht wir­kungs­los, son­dern setzt le­dig­lich ei­ne ob­jek­tiv an­ge­mes­se­ne Frist in Lauf (vgl. BGH, Urt. v. 21.06.1985 – V ZR 134/84, NJW 1985, 2640).

Die von dem Klä­ger der Be­klag­ten zu 1 mit Schrei­ben vom 09.11.2015 ge­setz­te Frist von drei Wo­chen zur Nach­bes­se­rung ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ge­samt­um­stän­de zu knapp be­mes­sen.

Man­gels kon­kre­ter Par­tei­ver­ein­ba­rung rich­tet sich die Be­wer­tung der An­ge­mes­sen­heit nach ob­jek­ti­ven Maß­stä­ben. Die An­ge­mes­sen­heit der Frist be­stimmt sich nach den Um­stän­den des kon­kre­ten Ver­tra­ges, wo­bei die In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­par­tei­en zu be­rück­sich­ti­gen sind, so­wie nach der Art der zu er­brin­gen­den Leis­tung und der Ver­kehrs­an­schau­ung. Be­zieht der Ver­käu­fer sei­ner Wa­ren sei­ner­seits von ei­nem Her­stel­ler, so rich­tet sich die An­ge­mes­sen­heit der Frist da­nach, mit wel­chem or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand die zur Nach­er­fül­lung er­for­der­li­chen Er­satz­tei­le be­schafft wer­den kön­nen. Eben­so ist im Rah­men der An­ge­mes­sen­heit zu be­rück­sich­tig­ten, ob die Re­pa­ra­tur­dienst­leis­tung an dem Fahr­zeug nur mit­hil­fe ei­nes Drit­ten er­bracht wer­den kann.

Vor­lie­gend ist bei der An­ge­mes­sen­heit der Frist zur Nach­er­fül­lung zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te zu 1 al­lein gar nicht in der La­ge ge­we­sen ist, den Man­gel zu be­sei­ti­gen, son­dern dass die­se dar­auf an­ge­wie­sen ist, von der Volks­wa­gen AG das er­for­der­li­che Soft­ware­up­date und den Strö­mungs­trans­for­ma­tor zu er­hal­ten. Fer­ner ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass das Fahr­zeug des Klä­gers durch die ver­wen­de­te „Ma­ni­pu­la­ti­ons-Soft­ware“ in sei­nen Fahr­ei­gen­schaf­ten nicht be­ein­träch­tigt und wei­ter­hin ver­kehrs­si­cher ist. Auf der an­de­ren Sei­te ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass sich die An­ge­mes­sen­heit der Frist vor­ran­gig nach dem In­ter­es­se des Käu­fers rich­tet, der ge­ra­de bei All­tags­ge­schäf­ten die kurz­fris­ti­ge Re­pa­ra­tur oder den so­for­ti­gen Aus­tausch der man­gel­haf­ten Sa­che be­an­spru­chen kann (vgl. BT-Drs. 10/6040, S. 234). Auch kann es nicht zum Nach­teil des Klä­gers ge­rei­chen, dass der Her­stel­ler zu­nächst mil­lio­nen­fach ei­ne ma­ni­pu­la­ti­ve Soft­ware in sei­ne Fahr­zeu­ge ein­baut und sich die Händ­ler dann zum Nach­teil der Käu­fer dar­auf zu­rück­zie­hen, dass es Mo­na­te bzw. mehr als ein Jahr dau­ert, um die­se Ma­ni­pu­la­ti­on zu be­he­ben.

Zum Zeit­punkt der Zu­stel­lung der Kla­ge am 13.01.2016, mit der der Klä­ger er­neut den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klärt hat, stand der Be­klag­ten zu 1 ei­ne Nach­bes­se­rungs­frist von zwei Mo­na­ten zur Ver­fü­gung, die sie un­ge­nutzt hat ver­strei­chen las­sen. Auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des Fal­les be­durf­te es kei­ner län­ge­ren Nach­bes­se­rungs­frist als zwei Mo­na­te. Ei­ne län­ge­re Frist ist nach Über­zeu­gung der Kam­mer mit der ge­setz­ge­be­ri­schen Grund­ent­schei­dung zur Kauf­ge­währ­leis­tung im All­ge­mei­nen und dem Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Be­son­de­ren auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung der hier vor­lie­gen­den be­son­de­ren Um­stän­de nicht mehr ver­ein­bar. Das Kauf­recht ist – ge­ra­de für Ver­brau­cher – auf ei­ne zeit­na­he Re­gu­lie­rung von Ge­währ­leis­tungs­rech­ten aus­ge­rich­tet. Dies gilt auch für das Nach­bes­se­rungs­recht des Ver­käu­fers. Der Ge­setz­ge­ber ver­folgt da­mit so­wohl die Ge­wäh­rung ef­fek­ti­ver Ge­währ­leis­tungs­rech­te als auch die zeit­na­he Her­bei­füh­rung von Rechts­frie­den. Dies zeigt sich ins­be­son­de­re an der ver­kürz­ten Ver­jäh­rungs­frist von zwei Jah­ren ab Ab­lie­fe­rung der Sa­che.

Un­ab­hän­gig da­von hat die Be­klag­te zu 1 selbst zum jet­zi­gen Zeit­punkt, mit­hin über sechs Mo­na­te nach der Auf­for­de­rung des Klä­gers zur Män­gel­be­sei­ti­gung, noch im­mer kei­ne Nach­bes­se­rung durch­ge­führt. Ei­ne sol­che Nach­bes­se­rung ist der Be­klag­te zu 1 auch der­zeit noch un­mög­lich, da ihr von der Volks­wa­gen AG noch im­mer nicht das er­for­der­li­che Soft­ware­up­date zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den ist.

So­weit die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Be­klag­ten zu 1 in der münd­li­chen Ver­hand­lung an­ge­ge­ben hat, sie ge­he da­von aus, dass das Fahr­zeug des Klä­gers im Jah­re 2016 nach­ge­bes­sert wer­den soll, so han­delt es sich in­so­weit le­dig­lich um ei­ne Ver­mu­tung. Ei­nen kon­kre­ten Zeit­plan gibt es in­so­weit je­den­falls noch nicht. Auch lässt sich den Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen ent­neh­men, dass die Volks­wa­gen AG mit der Nach­bes­se­rung des 1,6-Li­ter-EA189-Mo­tors er­heb­li­che Pro­ble­me hat und das von ihr vor­ge­leg­te Sa­nie­rungs­kon­zept für die­sen Mo­tor­typ vom Kraft­fahrt-Bun­des­amt ge­ra­de nicht ge­bil­ligt wor­den ist, weil nicht si­cher­ge­stellt ist, dass nach der Be­sei­ti­gung der Ma­ni­pu­la­ti­ons-Soft­ware kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Emis­si­ons­wer­te, den Kraft­stoff­ver­brauch und die Leis­tung zu er­war­ten sind.

So­weit die Be­klag­te zu 1 den Stand­punkt ver­tritt, für den Klä­ger spie­le es letzt­lich kei­ne Rol­le, wann das Fahr­zeug von der Ma­ni­pu­la­ti­ons-Soft­ware be­freit wird, da das Fahr­zeug kei­ne kon­kre­te Ge­brauchs­be­ein­träch­ti­gung auf­weist, und die Be­klag­te zu 1 mit­hin auch ei­ne Nach­bes­se­rungs­frist von 15 Mo­na­ten (Sep­tem­ber 2015 bis De­zem­ber 2016) für an­ge­mes­sen hält, teilt die Kam­mer die­se Rechts­auf­fas­sung nicht. Die Be­klag­te zu 1 über­sieht hier­bei, dass ei­ne der­ar­tig lan­ge Nach­bes­se­rungs­frist mit dem Kauf­recht nicht ver­ein­bar ist, zu­mal dem Fahr­zeug ei­ne ver­trag­lich ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit fehlt. Fer­ner geht die Kam­mer da­von aus, dass das Fahr­zeug der­zeit – so­lan­ge die Soft­ware-Ma­ni­pu­la­ti­on nicht aus dem Fahr­zeug ent­fernt wor­den ist – nur mit fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen ver­kauft wer­den kann. Dar­über hin­aus hat der Klä­ger von der Be­klag­ten zu 1 ein an­geb­lich be­son­ders um­welt­scho­nen­des Fahr­zeug er­wor­ben. Das Fahr­zeug des Klä­gers ist mit der „Blu­e­Mo­ti­on-Tech­no­lo­gy“ aus­ge­stat­tet, die in der Wer­bung und den Pro­spek­ten des Kfz-Her­stel­lers als be­son­ders um­welt­scho­nend an­ge­prie­sen wird. Weil der Klä­ger ein be­son­ders um­welt­scho­nen­des Fahr­zeug fah­ren woll­te, hat der Klä­ger für die „Blu­e­Mo­ti­on-Tech­no­lo­gy“ auch ei­nen Mehr­preis be­zahlt. Auch vor die­sem Hin­ter­grund kann sich die Be­klag­te zu 1 nicht dar­auf zu­rück­zie­hen, dass es für den Klä­ger un­er­heb­lich sei, wann das Fahr­zeug die ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Emis­si­ons­wer­te ein­hält, so­lan­ge das Fahr­zeug wei­ter­hin fahr­be­reit ist.

c) Er­heb­li­che Pflicht­ver­let­zung

Die Pflicht­ver­let­zung ist un­ter Wür­di­gung der Um­stän­de auch nicht un­er­heb­lich i. S. von § 323 V 2 BGB.

Die Er­heb­lich­keits­prü­fung nach § 323 V 2 BGB er­for­dert ei­ne um­fas­sen­de In­ter­es­sen­ab­wä­gung. Zu be­rück­sich­ti­gen sind vor al­lem der für die Man­gel­be­sei­ti­gung er­for­der­li­che Auf­wand, aber auch die Schwe­re des Ver­schul­dens des Schuld­ners, wo­bei der Ver­stoß ge­gen ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung die Er­heb­lich­keit in­di­ziert (Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 75. Aufl. [2016], § 323 Rn. 32). Die Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung hat nach der ge­setz­ge­be­ri­schen Wer­tung ge­ra­de be­son­de­res Ge­wicht. Zu­dem steht es dem Ver­käu­fer frei, ob und in wel­chem Um­fang er be­stimm­te Ei­gen­schaf­ten zum Ge­gen­stand ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung oder Zu­si­che­rung macht und da­mit ei­ne be­son­de­re Ein­stands­pflicht über­nimmt.

Vor­lie­gend ist ein Ver­stoß ge­gen ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ge­ge­ben, so­dass die Er­heb­lich­keit der Pflicht­ver­let­zung in­di­ziert ist. So­weit die Be­klag­ten zu 1 gel­tend macht, die In­stal­la­ti­on des Soft­ware­up­dates und der Ein­bau des Strö­mungs­trans­for­ma­tors daue­re ma­xi­mal ei­ne Stun­de und ver­ur­sa­che Kos­ten in Hö­he von cir­ca 100 €, spricht dies nicht ge­gen die Er­heb­lich­keit der Pflicht­ver­let­zung.

Für die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die in der Lie­fe­rung ei­nes man­gel­haf­ten Fahr­zeugs lie­gen­de Pflicht­ver­let­zung un­er­heb­lich ist und des­we­gen das Rück­tritts­recht des Käu­fers aus­schließt, ist auf den Zeit­punkt der Rück­tritts­er­klä­rung ab­zu­stel­len. Es nimmt dem er­klär­ten Rück­tritt nicht des­halb die Wirk­sam­keit, wenn sich im Nach­hin­ein her­aus­stellt, dass der zum Zeit­punkt des Rück­tritts nicht oder nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand be­heb­ba­re Man­gel mit ver­hält­nis­mä­ßig ge­rin­gem Kos­ten­auf­wand kor­ri­giert wer­den kann (BGH, Urt. v. 15.06.2011 – VI­II ZR 139/09, ju­ris Rn. 9). Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser Maß­stä­be kann vor­lie­gend nicht von ei­nem un­er­heb­li­chen Man­gel aus­ge­gan­gen wer­den.

Zum Zeit­punkt des Zu­gangs des Rück­tritts in der Kla­ge­schrift am 13.01.2016 be­stand für Be­klag­te zu 1 über­haupt nicht die Mög­lich­keit, den Man­gel – mit wel­chem Ar­beits- und Kos­ten­auf­wand auch im­mer – zu be­he­ben. Denn der Be­klag­ten 1 stand zu die­ser Zeit das er­for­der­li­che Soft­ware­up­date über­haupt nicht zur Ver­fü­gung, und sie selbst hat­te auch un­strei­tig nicht die Mög­lich­kei­ten, ein sol­ches zu ent­wi­ckeln und des­sen Zu­las­sung zum Stra­ßen­ver­kehr zu er­rei­chen.

Der Um­stand, dass die Volks­wa­gen AG für den 1,6-Li­ter-EA189-Mo­tor am 13.01.2016 be­reits ein Kon­zept ent­wi­ckelt hat­te, wie die Soft­ware-Ma­ni­pu­la­ti­on rück­gän­gig ge­macht wer­den kann, ist un­er­heb­lich, denn hier­bei han­delt es sich le­dig­lich um ei­ne theo­re­ti­sche Lö­sungs­mög­lich­keit. Je­den­falls ist bis zum heu­ti­gen Tag noch kein Soft­ware­up­date ent­wi­ckelt wor­den, wel­ches in dem Fahr­zeug des Klä­gers zur An­wen­dung kom­men könn­te, oh­ne dass es zu ei­ner Er­hö­hung der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Emis­si­ons­wer­te und des Kraft­stoff­ver­brauchs kommt. Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt hat in­so­weit sei­ne Zu­stim­mung ver­wei­gert, so­dass die Nach­bes­se­rung an den Fahr­zeu­gen mit ei­nem 1,6-Li­ter-EA189-Mo­tor auch im­mer wei­ter hin­aus­ge­zö­gert wor­den ist und bis zum heu­ti­gen Tag noch nicht be­gon­nen hat. Vor die­sem Hin­ter­grund kann mit­hin nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Kos­ten der Man­gel­be­sei­ti­gung be­reits be­kannt sind.

Un­ab­hän­gig da­von sind nach Auf­fas­sung der Kam­mer die Kos­ten für die Ent­wick­lung des Soft­ware­up­dates bei der Fra­ge der Er­heb­lich­keit der Pflicht­ver­let­zung mit­zu­be­rück­sich­ti­gen. So­weit die Be­klag­te zu 1 vor­trägt, die Durch­füh­rung der Man­gel­be­sei­ti­gung wer­de nur cir­ca ei­ne Stun­de dau­ern und we­ni­ger als 100 € kos­ten, kann bei der Fra­ge des Auf­wands die ei­gent­li­che Durch­füh­rung nicht iso­liert be­trach­tet wer­den. Für die tech­ni­sche Vor­be­rei­tung der be­ab­sich­tig­ten Man­gel­be­sei­ti­gung ist vor­lie­gend nach dem Be­klag­ten­vor­trag für das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ein Vor­lauf von fast ei­nem Jahr er­for­der­lich. Erst dann soll der Man­gel in­ner­halb ei­ner knap­pen Stun­de be­ho­ben wer­den kön­nen. Es han­delt sich da­her of­fen­sicht­lich nicht um ei­ne ein­fa­che tech­ni­sche Maß­nah­me, die kurz­fris­tig und oh­ne wei­te­re Vor­be­rei­tun­gen hät­te vor­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Hin­zu kommt, dass die Man­gel­be­sei­ti­gung hier nicht im Be­lie­ben der Be­klag­ten zu 1 stand. Viel­mehr muss­te der Her­stel­ler nach dem Be­klag­ten­vor­trag hier­für zu­nächst die Ge­neh­mi­gung des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes ein­ho­len. Ei­ne Man­gel­be­sei­ti­gungs­maß­nah­me, die der vor­he­ri­gen be­hörd­li­chen Prü­fung und Ge­neh­mi­gung be­darf, ist aber eben­falls nicht als un­er­heb­lich an­zu­se­hen.

d) Rück­tritt

Ei­ne Rück­tritts­er­klä­rung des Klä­gers liegt vor. Der Klä­ger hat mit Schrift­satz vom 25.11.2015 und in der Kla­ge­schrift den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klärt.

e) Rück­ab­wick­lung

Auf­grund des wirk­sa­men Rück­tritts sind ge­mäß § 346 I BGB die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren.

Die Be­klag­te zu 1 ist da­her zur Rück­zah­lung des von dem Klä­ger ge­leis­te­ten Bar­be­tra­ges in Hö­he von 3.800 € ver­pflich­tet. Fer­ner hat die Be­klag­te zu 1 dem Klä­ger das in Zah­lung ge­ge­be­ne Fahr­zeug her­aus­zu­ge­ben. Da das Alt­fahr­zeug des Klä­gers nicht mehr im Be­sitz der Be­klag­ten zu 1 ist, hat die­se ge­mäß § 346 II 1 Nr. 2 BGB für das Alt­fahr­zeug Wert­er­satz zu leis­ten. Die Hö­he des Wert­er­sat­zes be­stimmt sich da­bei ge­mäß § 346 II 2 Halb­satz 1 BGB man­gels an­de­rer An­halts­punk­te an­hand des Wer­tes, den die Par­tei­en dem Alt­fahr­zeug bei­ge­mes­sen ha­ben, mit­hin 8.700 €. Dar­über hin­aus kann der Klä­ger von der Be­klag­ten zu 1 die be­reits ge­leis­te­ten 22 Dar­le­hens­ra­ten in Hö­he von je­weils 240 €, mit­hin 5.280 €, ver­lan­gen.

Auf die Ge­samt­for­de­rung in Hö­he von 17.780 € hat sich der Klä­ger ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung an­rech­nen zu las­sen. Da es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug um ein Die­sel­fahr­zeug ei­nes nam­haf­ten Her­stel­lers han­delt, schätzt die Kam­mer die Ge­samt­lauf­leis­tung des Fahr­zeugs auf min­des­tens 250.000 km (so auch OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 21.01.2008 – I-1 U 152/07, NJW-RR 2008, 1199; OLG Schles­wig, Urt. v. 02.10.2015 – 17 U 43/15). Der Klä­ger hat mit dem Fahr­zeug ei­ne Fahr­stre­cke von 45.000 km zu­rück­ge­legt. Nach der Recht­spre­chung des BGH hat hin­sicht­lich der ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen ei­ne li­nea­re Ab­wäl­zung statt­zu­fin­den, so­dass sich der Klä­ger ei­nen Ab­zug in Hö­he von 18 % (45.000 km : 250.000 km) vom ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses, mit­hin 5.364 € [rich­tig: 5.202 €], ent­ge­gen­hal­ten las­sen muss.

2. Der Klä­ger hat ge­gen­über der Be­klag­ten zu 1 ei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung, dass sich die Be­klag­te zu 1 mit der An­nah­me des Fahr­zeugs in Ver­zug be­fin­det (§ 293 BGB).

Die Be­klag­te zu 1 be­fin­det sich mit der Rück­nah­me des Fahr­zeugs im An­nah­me­ver­zug. Da Leis­tungs­ort im Fal­le des Rück­tritts ge­mäß §§ 437 Nr. 2, 440 BGB der Ort ist, an dem sich die Sa­che ver­trags­ge­mäß be­fin­det (BGH, Urt. v. 09.03.1983 – VI­II ZR 11/82, NJW 1983, 1479; OLG Saar­brü­cken, Beschl. v. 06.01.2005 – 5 W 306/04, NJW 2005, 906 [907]), ge­nüg­te ge­mäß § 295 BGB das „wört­li­che“ An­ge­bot des Klä­gers im Schrei­ben vom 25.11.2015 …

So­weit der Be­klag­ten zu 1 in dem Schrei­ben zu­ge­stan­den wur­de, sich hin­sicht­lich des Rück­ga­be­ter­mins be­tref­fend das Fahr­zeug mit dem Klä­ger ab­zu­stim­men, steht dies ei­nem wört­li­chen An­ge­bot ge­mäß § 295 BGB nicht ent­ge­gen, son­dern räumt der Be­klag­ten zu 1 le­dig­lich das Recht ein, ei­nen ihr ge­neh­men Ter­min für die Ab­ho­lung des Fahr­zeu­ges zu ver­ein­ba­ren.

Un­schäd­lich ist der Um­stand, dass der Klä­ger le­dig­lich die Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des Fahr­zeugs an­ge­bo­ten hat. Denn die­ses An­ge­bot ist ge­mäß §§ 133, 157 BGB da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Klä­ger die voll­stän­di­ge Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges an­ge­bo­ten hat, mit­hin auch die Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des Zu­be­hörs und der Win­ter­rei­fen. Der Um­stand, dass die Kam­mer in der münd­li­chen Ver­hand­lung dar­auf hin­ge­wirkt hat, dass der Klä­ger den Kla­ge­an­trag zu 1 auf das Zu­be­hör er­wei­tert, steht dem nicht ent­ge­gen. Durch den Hin­weis soll­te le­dig­lich dem Um­stand Rech­nung ge­tra­gen wer­den, dass im Fal­le der Zwangs­voll­stre­ckung der Ge­richts­voll­zie­her den Um­fang der Leis­tung, auf die sich die Zug-um-Zug-Ver­ur­tei­lung be­zieht, ge­nau be­stim­men kann, oh­ne die Ver­trags­un­ter­la­gen hin­zu­zie­hen zu müs­sen.

3. Dem Klä­ger steht fer­ner ein An­spruch ge­gen die Be­klag­te zu 1 auf Frei­stel­lung von sei­nen au­ßer­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von 526,58 € ge­mäß §§ 437 Nr. 3, 280 I BGB zu.

Die Be­klag­te zu 1 hat ei­ne Pflicht aus dem Kauf­ver­trag ver­letzt, in­dem sie ein man­gel­haf­tes Kfz ge­lie­fert hat. Dem Klä­ger ist ein Scha­den durch die Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Rechts­an­walts­kos­ten ent­stan­den. Da­von kann er ge­mäß § 257 BGB Frei­stel­lung ver­lan­gen. Der Frei­stel­lungs­an­spruch rich­tet sich je­doch nur nach ei­nem Ge­gen­stands­wert in Hö­he von 13.036,80 €, da der Klä­ger ge­gen die Be­klag­te zu 1 nur An­sprü­che in die­ser Hö­he ge­richt­lich gel­tend macht …

4. Der Zins­an­spruch folgt aus § 291 BGB. Ein frü­he­rer Zins­be­ginn ist nicht ge­ge­ben, da erst der mit der Kla­ge­schrift er­klär­te Rück­tritt wirk­sam war.

5. Dem Klä­ger steht ge­gen die Be­klag­te zu 2 ein An­spruch auf Fest­stel­lung zu, dass die­ser kei­ne wei­te­ren Zah­lungs­an­sprü­che ge­gen den Klä­ger aus dem Dar­le­hens­ver­trag vom 31.10.2013 zu­ste­hen.

Bei dem mit der Be­klag­ten zu 2 ge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag han­delt es sich um ei­nen mit dem Kauf­ver­trag ver­bun­de­nen Ver­trag, so­dass der Klä­ger der Be­klag­ten zu 2 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag als Ein­wen­dung ent­ge­gen­hal­ten kann mit der Fol­ge, dass fest­zu­stel­len ist, dass der Be­klag­ten zu 2 kei­ne Rech­te aus dem Dar­le­hens­ver­trag mehr zu­ste­hen …

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