1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen, bei dem der Stick­oxid­aus­stoß (nur) re­du­ziert wird, so­bald das Fahr­zeug auf ei­nem Rol­len­prüf­stand ei­nem Emis­si­ons­test un­ter­zo­gen wird, ist i. S. § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft. Denn er eig­net sich we­der für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung, noch weist das Fahr­zeug ei­ne für ei­nen Neu­wa­gen üb­li­che und vom Käu­fer zu er­war­ten­de Be­schaf­fen­heit auf.
  2. Der An­spruch ei­nes Neu­wa­gen­käu­fers auf Nach­er­fül­lung durch Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs (§ 439 I Fall 2 BGB) kann auch da­durch er­füllt wer­den, dass der Ver­käu­fer er­satz­wei­se ein fa­brik­neu­es Fahr­zeug mit ei­ner an­de­ren Mo­tor­leis­tung oder sons­ti­gen tech­ni­schen Ver­bes­se­run­gen lie­fert. Das er­gibt sich schon dar­aus, dass nach zu­tref­fen­der An­sicht ei­ne Nach­lie­fe­rung auch beim Stück­kauf in­fra­ge kommt und dort der An­spruch auf Nach­er­fül­lung durch Er­satz­lie­fe­rung not­wen­dig auf die Lie­fe­rung ei­nes ali­uds ge­rich­tet ist.
  3. Zwar ver­ur­sacht die Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs ei­nem Ver­käu­fer, der dem Käu­fer ei­nen vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gen ge­lie­fert hat, Kos­ten, die um ein Viel­fa­ches hö­her sind als die Kos­ten ei­ner Nach­bes­se­rung. In­so­weit kommt es nicht dar­auf an, wel­chen Wert das man­gel­haf­te Fahr­zeug für den Ver­käu­fer hat und wel­che Kos­ten für die Er­satz­lie­fe­rung ei­nes Neu­wa­gens im Ein­zel­nen an­fal­len. Je­doch ist zum ei­nen in die nach § 439 III BGB vor­zu­neh­men­de Ab­wä­gung zu­guns­ten des Käu­fers ein­zu­stel­len, dass der Man­gel der ei­nem vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeug an­haf­tet, selbst dann er­heb­lich ist, wenn man auf den für ei­ne Man­gel­be­sei­ti­gung er­for­der­li­chen Kos­ten­auf­wand ab­stellt. Zum an­de­ren ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass ei­ne Nach­bes­se­rung durch Auf­spie­len ei­nes Soft­ware­up­dates für den Käu­fer er­heb­lich nach­tei­li­ger ist als ei­ne Er­satz­lie­fe­rung, weil der­zeit kon­tro­vers dis­ku­tiert wird, ob das Soft­ware­up­date nach­tei­li­ge Fol­gen ha­ben wird.

LG Re­gens­burg, Ur­teil vom 04.01.2017 – 7 O 967/16

Sach­ver­halt: Der Klä­ger er­warb von der Be­klag­ten am 23.03.2015 ei­nen fa­brik­neu­en Pkw SE­AT Al­ham­bra I-TECH 2.0 TDI Eco­mo­ti­ve (103 kW) zum Preis von 30.950 €. Das Fahr­zeug wur­de dem Klä­ger am 15.05.2015 über­ge­ben.

Es ist mit ei­nem Die­sel­mo­tor des Typs EA189 und ei­ner Soft­ware aus­ge­stat­tet, die be­zo­gen auf die Ab­gas­rück­füh­rung zwei un­ter­schied­li­che Be­triebs­mo­di kennt. Der Mo­dus 1, bei dem die Ab­gas­rück­füh­rungs­ra­te hö­her ist und des­halb die Stick­oxid­emis­sio­nen nied­ri­ger sind als im Mo­dus 0, ist ak­tiv, so­bald der Pkw ei­nen ge­norm­ten Fahr­zy­klus (NEFZ) durch­fährt. Im nor­ma­len Stra­ßen­ver­kehr wird das Fahr­zeug da­ge­gen durch­ge­hend im Mo­dus 0 be­trie­ben.

Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt sieht in der Soft­ware &nda­sh an­ders als die Be­klag­te und die Fahr­zeug­her­stel­le­rin – ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. des Art. 5 II i. V. mit Art. 3 Nr. 10 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007. Es ver­langt, dass al­le Fahr­zeu­ge, die über ei­ne sol­che Soft­ware ver­fü­gen, „in den vor­schrifts­mä­ßi­gen Zu­stand zu ver­set­zen“ sind, und hat des­halb den Rück­ruf der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge an­ge­ord­net.

Der VW-Kon­zern hat für den EA189-Mo­tor ein Soft­ware­up­date ent­wi­ckelt, das da­zu füh­ren soll, dass künf­tig auch im rea­len Stra­ßen­ver­kehr der Mo­dus 1 ak­tiv ist und die Eu­ro-5-Emis­si­ons­grenz­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den. Das Fahr­zeug des Klä­gers konn­te je­den­falls bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung je­doch nicht über­ar­bei­tet wer­den, weil das Kraft­fahrt-Bun­des­amt die er­for­der­li­che Frei­ga­be von dem Nach­weis ab­hän­gig mach­te, dass die Über­ar­bei­tung sich nicht nach­tei­lig auf den Kraft­stoff­ver­brauch, die CO2-Emis­sio­nen, die Mo­tor­leis­tung, das Dreh­mo­ment oder die Fahr­zeuga­kus­tik aus­wirkt.

Dass das Fahr­zeug des Klä­gers man­gel­haft ist, er­kennt we­der die Be­klag­te noch ih­re Streit­hel­fe­rin, die Fahr­zeug­her­stel­le­rin, an.

Der Klä­ger hat die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 19.02.2016 auf­ge­for­dert, ihm bis zum 01.04.2016 im We­ge der Nach­er­fül­lung ei­nen man­gel­frei­en Neu­wa­gen zu lie­fern (§ 439 I Fall 2 BGB). Er be­haup­tet, das ihm ge­lie­fer­te Fahr­zeug sei nicht zu­las­sungs­fä­hig, weil es die Eu­ro-5-Emis­si­ons­grenz­wer­te (NOX) nicht ein­hal­te. Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt ha­be nur aus­nahms­wei­se da­von ab­ge­se­hen, den be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen die Zu­las­sung zu ent­zie­hen. Den sei­nem Fahr­zeug an­haf­ten­den Man­gel fol­gen­los zu be­sei­ti­gen, sei – so be­haup­tet der Klä­ger wei­ter – tech­nisch nicht mög­lich. Je­den­falls ver­blei­be trotz Nach­bes­se­rung ein Man­gel­ver­dacht, wes­halb der Markt­wert der vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge ge­sun­ken sei.

Die auf Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Neu­wa­gens ge­rich­te­te Kla­ge hat­te im We­sent­li­chen Er­folg.

Aus den Grün­den: Die Kla­ge ist wei­test­ge­hend zu­läs­sig und – so­weit zu­läs­sig – auch im We­sent­li­chen be­grün­det.

I. So­weit der Klä­ger nicht nur fest­ge­stellt ha­ben will, dass sich die Be­klag­te im An­nah­me­ver­zug mit der Rück­nah­me des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs, son­dern dar­über hin­aus im (Schuld­ner-)Ver­zug mit der von ihm be­gehr­ten Nach­lie­fe­rung be­fin­det, ist die Kla­ge un­zu­läs­sig.

Ge­mäß § 256 I ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses er­ho­ben wer­den. Kei­ne Rechts­ver­hält­nis­se sind abs­trak­te Rechts­fra­gen wie et­wa der Ver­zug des Schuld­ners. Der Schuld­ner­ver­zug ist ein Un­ter­fall der Ver­let­zung der Leis­tungs­pflicht, näm­lich die rechts­wid­ri­ge Ver­zö­ge­rung der ge­schul­de­ten Leis­tung aus ei­nem vom Schuld­ner zu ver­tre­ten­den Grund, und zu­gleich ei­ne ge­setz­lich de­fi­nier­te Vor­aus­set­zung un­ter­schied­li­cher Rechts­fol­gen, al­so le­dig­lich „Vor­fra­ge“ für die Be­ur­tei­lung die­ser Rechts­fol­gen. Ein ge­gen­über dem ur­sprüng­li­chen Schuld­ver­hält­nis ei­gen­stän­di­ges „Ver­zugs­ver­hält­nis“ kennt das Ge­setz nicht (BGH, Urt. v. 19.04.2000 – XII ZR 332/97, NJW 2000, 2280 [2281]).

So­weit in Fäl­len, in de­nen ei­ne Ver­ur­tei­lung zu ei­ner Zug um Zug zu er­brin­gen­den Leis­tung be­gehrt wird, der An­trag des Klä­gers, den An­nah­me­ver­zug des Schuld­ners hin­sicht­lich der ihm ge­büh­ren­den Leis­tung fest­zu­stel­len, mit Rück­sicht auf §§ 756, 765 ZPO aus Grün­den der Pro­zess­öko­no­mie all­ge­mein als zu­läs­sig an­ge­se­hen wird, sind die­se Über­le­gun­gen auf den Schuld­ner­ver­zug nicht über­trag­bar (BGH, Urt. v. 19.04.2000 – XII ZR 332/97, NJW 2000, 2280 [2281]).

Im Üb­ri­gen ist die Kla­ge zu­läs­sig. Dies gilt aus den ge­nann­ten Grün­den auch für den An­trag fest­zu­stel­len, dass sich die Be­klag­te im An­nah­me­ver­zug be­fin­det.

II. Die Kla­ge ist weit­ge­hend be­grün­det.

1. Dem Klä­ger steht der gel­tend ge­mach­te Nach­lie­fe­rungs­an­spruch aus §§ 434 I 2 Nr. 2, 437 Nr. 1, .439 I Fall 2 BGB zu.

a) Die im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug in­stal­lier­te Soft­ware zur Be­ein­flus­sung der Schad­stoff­emis­si­on im Test­be­trieb stellt ei­nen Sach­man­gel i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB dar.

Nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB ist der Kauf­ge­gen­stand frei von Sach­män­geln, wenn er sich für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­net und ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­weist, wel­che bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann. Die im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ein­ge­bau­te Ab­schalt­soft­ware ent­spricht nicht der Be­schaf­fen­heit, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach Art der Sa­che auch er­war­ten kann. Die In­stal­la­ti­on und Ver­wen­dung ei­ner so­ge­nann­ten Ab­schalt­soft­ware ist bei Fahr­zeu­gen an­de­rer Her­stel­ler in ei­ner ver­gleich­ba­ren Fahr­zeug­klas­se je­den­falls nicht be­kann­ter­ma­ßen üb­lich (so auch LG Braun­schweig, Urt. v. 12.10.2016 – 4 O 202/16). Auch er­war­tet ein Durch­schnitts­käu­fer nicht, dass die ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Ab­gas­wer­te nur des­halb ein­ge­hal­ten und ent­spre­chend at­tes­tiert wer­den, weil ei­ne Soft­ware in­stal­liert ist, die da­für sorgt, dass der Prüf­stand­lauf er­kannt und über ent­spre­chen­de Pro­gram­mie­rung der Mo­tor­steue­rung nur für die­sen Fall der Stick­oxid­aus­stoß re­du­ziert wird. In­so­weit re­sul­tiert die Man­gel­haf­tig­keit nicht et­wa dar­aus, dass die un­ter La­bor­be­din­gun­gen ge­mes­se­nen Wer­te im all­täg­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Denn für den Klä­ger als Käu­fer und Er­klä­rungs­emp­fän­ger war er­kenn­bar, dass die An­ga­ben zum Schad­stoff­aus­stoß auf ei­ner ob­jek­ti­vie­ren­den Grund­la­ge be­ru­hen und nicht den Ab­gas­wer­ten im rea­len Fähr­be­trieb ent­spre­chen wer­den. Die Man­gel­haf­tig­keit des Fahr­zeugs ba­siert viel­mehr dar­auf, dass der Mo­tor die Vor­ga­ben im Prüf­stand­lauf nur auf­grund der ma­ni­pu­lie­ren­den Soft­ware ein­hält (LG Müns­ter, Urt. v. 14.03.2016 – 011 O 341/15; LG Ol­den­burg, Urt. v. 01.09.2016 – 16 O 790/16).

Auch eig­net sich das Fahr­zeug nicht zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung. Zwar ist der Be­klag­ten­sei­te zu­zu­ge­ste­hen, dass der Klä­ger der­zeit das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug un­ein­ge­schränkt nut­zen kann. Al­ler­dings muss das Fahr­zeug un­strei­tig im Rah­men ei­ner Rück­ruf­ak­ti­on um­ge­rüs­tet wer­den, um mit­tel­fris­tig kei­ne Nach­tei­le wie Pro­ble­me bei der Ein­fahrt in Um­welt­zo­nen, steu­er­li­che Nach­tei­le oder gar den Ver­lust der all­ge­mei­nen Be­triebs­er­laub­nis zu er­lei­den. Wenn es dem Klä­ger al­so nicht frei­steht, dem Rück­ruf sei­nes Fahr­zeugs Fol­ge zu leis­ten, um des­sen Zu­las­sung im Stra­ßen­ver­kehr zu er­hal­ten, dann kann nicht von ei­ner ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dungs­mög­lich­keit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs aus­ge­gan­gen wer­den (LG Ol­den­burg, Urt. v. 01.09.2016 – 16 O 790/16).

b) Der Man­gel des Fahr­zeugs gibt dem Klä­ger ge­mäß §§ 437 Nr. 1, 439 I BGB das Recht, Nach­er­fül­lung zu ver­lan­gen, wo­bei er grund­sätz­lich frei wäh­len kann, ob er die Be­sei­ti­gung des Man­gels oder – wie hier – die Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che ver­langt.

c) Die Nach­lie­fe­rung ist der Be­klag­ten nicht un­mög­lich (§ 275 I BGB).

Es spricht vie­les da­für, dass Neu­fahr­zeu­ge des Typs SE­AT Al­ham­bra aus der ak­tu­el­len Se­ri­en­pro­duk­ti­on mit ver­gleich­ba­rer Aus­stat­tung auch dann der­sel­ben Gat­tung wie das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug an­ge­hö­ren, wenn sie ei­ne an­de­re Mo­tor­leis­tung oder sons­ti­ge tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen auf­wei­sen und da­bei ins­be­son­de­re den An­for­de­run­gen der Eu­ro-6-Norm ent­spre­chen.

Für die Be­stim­mung der Gat­tung ist zu­nächst maß­geb­lich, wie der Ver­trags­ge­gen­stand in dem zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag be­stimmt wird. In­so­weit weist der Klä­ger zu­tref­fend dar­auf hin, dass sich die Be­klag­te in ih­ren Neu­wa­gen-Ver­kaufs­be­din­gun­gen weit­ge­hen­de Än­de­run­gen des Leis­tungs­ge­gen­stan­des vor­be­hält, et­wa im Hin­blick auf Kon­struk­ti­ons- oder Form­än­de­run­gen, so­fern die Än­de­run­gen un­ter Be­rück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­käu­fers für den Käu­fer zu­mut­bar sind. So wie der Käu­fer ei­nes Neu­fahr­zeu­ges es da­nach hin­zu­neh­men hät­te, statt des von ihm ge­wähl­ten, der Eu­ro-5-Norm ge­nü­gen­den Mo­dells ein Mo­dell zu er­hal­ten, wel­ches der Eu­ro-6-Norm ent­spricht, kann die Be­klag­te dem Nach­lie­fe­rungs­ver­lan­gen des Käu­fers die tech­ni­sche Ver­bes­se­rung nicht ent­ge­gen­hal­ten.

Letzt­lich kann auch da­hin­ste­hen, ob es sich bei ei­nem ähn­li­chen Fahr­zeug aus der ak­tu­el­len Pro­duk­ti­on um ein Fahr­zeug der­sel­ben Gat­tung oder um ein so­ge­nann­tes ali­ud han­delt, weil der Nach­lie­fe­rungs­an­spruch nicht nur mit Ge­gen­stän­den er­füllt wer­den kann, die der­sel­ben Gat­tung an­ge­hö­ren. Das er­gibt sich schon dar­aus, dass nach zu­tref­fen­der An­sicht ei­ne Nach­lie­fe­rung auch beim Stück­kauf in­fra­ge kommt, wo der An­spruch not­wen­dig auf die Lie­fe­rung ei­nes ali­uds ge­rich­tet ist. Ob beim Stück­kauf ei­ne Er­satz­lie­fe­rung in Be­tracht kommt, ist nach dem durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den Wil­len der Ver­trags­par­tei­en bei Ver­trags­schluss zu be­ur­tei­len (§§ 133, 157 BGB). Mög­lich ist die Er­satz­lie­fe­rung nach der Vor­stel­lung der Par­tei­en dann, wenn die Kauf­sa­che im Fal­le ih­rer Man­gel­haf­tig­keit durch ei­ne gleich­ar­ti­ge und gleich­wer­ti­ge er­setzt wer­den kann (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 23). Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kann da­her auch bei ei­ner Gat­tungs­schuld die Ver­pflich­tung zur Nach­lie­fe­rung auf ei­nen nicht der­sel­ben Gat­tung an­ge­hö­ren­den Ge­gen­stand ge­rich­tet sein. Das ist hier aus den ge­nann­ten Ge­sichts­punk­ten der Fall.

d) Die Be­klag­te kann die Nach­lie­fe­rung nicht nach § 439 III BGB ver­wei­gern. Ins­be­son­de­re ist die Nach­lie­fe­rung nicht nur mit un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Kos­ten mög­lich. Die Kos­ten der Nach­lie­fe­rung sind auch im Ver­hält­nis zu den Kos­ten ei­ner Nach­bes­se­rung nicht un­ver­hält­nis­mä­ßig (sog. re­la­ti­ve Un­ver­hält­nis­mä­ßig­keit).

Bei der Be­ur­tei­lung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sind nach § 439 III 2 BGB ins­be­son­de­re der Wert der Sa­che in man­gel­frei­em Zu­stand, die Be­deu­tung des Man­gels und die Fra­ge zu be­rück­sich­ti­gen, ob auf die an­de­re Art der Nach­er­fül­lung oh­ne er­heb­li­che Nach­tei­le für den Käu­fer zu­rück­ge­grif­fen wer­den kann.

Wäh­rend dem Wert der Sa­che in man­gel­frei­em Zu­stand bei der hier im Vor­der­grund ste­hen­den re­la­ti­ven Un­ver­hält­nis­mä­ßig­keit kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt, sind die bei­den zu­letzt ge­nann­ten As­pek­te im Sin­ne des Klä­gers zu be­ant­wor­ten.

Im Rah­men der bei der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung ge­bo­te­nen In­ter­es­sen­ab­wä­gung ist zu­nächst der ge­sam­te Auf­wand der Kos­ten für die Nach­bes­se­rung ei­ner­seits und für die Nach­lie­fe­rung an­de­rer­seits im We­ge ei­ner Schät­zung ge­gen­über­zu­stel­len. Da­bei sind nach An­sicht des Ge­richts an die­ser Stel­le die Kos­ten nicht mit­ein­zu­be­zie­hen, die für die Ent­wick­lung des Soft­ware­up­dates an­fal­len, wenn­gleich die Ent­wick­lung des Up­dates auch von der Be­klag­ten – und sei es we­gen der Vor­ga­ben des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes – als äu­ßerst auf­wen­dig be­schrie­ben wird. Denn in­so­weit ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te die­sen Auf­wand so­wie­so hat – schon we­gen der Vor­ga­ben des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes und im Hin­blick auf die Kun­den, die Nach­bes­se­rung ver­lan­gen. Ab­ge­se­hen von den Kos­ten für das Auf­spie­len der Soft­ware auf das Fahr­zeug des Klä­gers han­delt es sich al­so bei den Kos­ten der Nach­lie­fe­rung um Kos­ten die zu­sätz­lich an­fal­len. Da­mit ist fest­zu­stel­len, dass die Kos­ten der Nach­lie­fe­rung die Kos­ten der Nach­bes­se­rung um ein Viel­fa­ches über­stei­gen, oh­ne dass es dar­auf an­kä­me, wel­chen Wert der zu­rück­ge­nom­me­ne Pkw für die Be­klag­te hat und wel­che Kos­ten bei ihr oder dem Her­stel­ler für das nach­zu­lie­fern­de Neu­fahr­zeug im Ein­zel­nen an­fal­len.

An­de­rer­seits ist der Man­gel von er­heb­li­cher Be­deu­tung. Selbst wenn man zu­grun­de legt, dass der­zeit kei­ne Ver­wen­dungs­ein­schrän­kung be­steht, droht im Fall ei­ner un­ter­blie­be­nen oder ge­schei­ter­ten Nach­bes­se­rung der Ent­zug der Zu­las­sung des Fahr­zeugs.

Die Be­deu­tung des Man­gels wird nicht durch die Be­haup­tung der Be­klag­ten in­fra­ge ge­stellt, dass er – im We­ge der Nach­bes­se­rung – mit ei­nem Auf­wand von we­ni­ger als 100 € und da­mit we­ni­ger als 0,3 % des Kauf­prei­ses be­sei­tigt wer­den könn­te. Selbst wenn man in An­leh­nung an die Recht­spre­chung zur Er­heb­lich­keit ei­nes Man­gels – ge­nau­er: der Pflicht­ver­let­zung – i. S. von § 323 V 2 BGB auf die Hö­he des Man­gel­be­sei­ti­gungs­auf­wands ab­stel­len woll­te (BGH, Urt. v. 28.05.2014 – VI­II ZR 94/13, BGHZ 201, 290 Rn. 17 ff.) er­gä­be sich nichts an­de­res. Denn dort, wo der Be­sei­ti­gungs­auf­wand in­di­zi­el­le Be­deu­tung für das Ge­wicht ei­nes Man­gels ha­ben soll, müss­ten die er­heb­li­chen Kos­ten für die Ent­wick­lung des Soft­ware­up­dates mit ein­be­zo­gen wer­den. Denn in die­sen Kos­ten spie­gelt sich das tech­ni­sche De­fi­zit wi­der, wel­ches den mit der streit­ge­gen­ständ­li­chen Ab­gas­steue­rungs­soft­ware aus­ge­rüs­te­ten Fahr­zeu­gen an­haf­tet.

Vor al­lem aber ist die Nach­bes­se­rung im Ver­gleich zur Nach­lie­fe­rung im kon­kre­ten Fall für den Klä­ger er­heb­lich nach­teil­haf­ter. Dies er­gibt sich zum ei­nen dar­aus, dass der­zeit noch un­ge­wiss ist, ob das von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date nach­tei­li­ge Fol­gen ha­ben wird.

Der Klä­ger be­haup­tet, dass ei­ne fol­gen­lo­se Nach­bes­se­rung gar nicht mög­lich ist; die Be­klag­te be­haup­tet das Ge­gen­teil. Zwar bie­ten bei­de zum Be­weis ih­rer Be­haup­tung Sach­ver­stän­di­gen­be­weis an. Die Er­ho­lung ei­nes da­hin ge­hen­den Gut­ach­tens ist aber nicht er­for­der­lich, denn zwei­fel­los wird die Mög­lich­keit ei­ner fol­gen­lo­sen Nach­bes­se­rung der­zeit in der Öf­fent­lich­keit kon­tro­vers dis­ku­tiert. Schon die­se der­zeit be­ste­hen­de Un­si­cher­heit hin­sicht­lich des Er­folgs ei­ner Nach­bes­se­rung führt da­zu, dass die­se Form der Nach­er­fül­lung für den Klä­ger als er­heb­lich nach­tei­lig an­zu­se­hen ist. Denn die Un­si­cher­heit des Er­fol­ges der Nach­bes­se­rung kann den Wei­ter­ver­kaufs­wert des Fahr­zeugs be­ein­träch­ti­gen. Ne­ga­ti­ve Äu­ße­run­gen in der Öf­fent­lich­keit über mög­li­che Fol­gen des vom VW-Kon­zern an­ge­bo­te­nen Soft­ware­up­dates be­ein­flus­sen den Fahr­zeug­wert auch dann, wenn sie sich aus tech­ni­scher Sicht als un­zu­tref­fend dar­stel­len soll­ten.

Er­gän­zend ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass bei man­gel­haf­ter Nach­bes­se­rung nach ei­ner weit ver­brei­te­ten Mei­nung die Ver­jäh­rung der Ge­währ­leis­tungs­rech­te nur dann von neu­em be­ginnt, wenn aus den Um­stän­den an­zu­neh­men ist, dass der Ver­käu­fer den Man­gel an­er­kennt (§ 212 I Nr. 1 BGB; vgl. auch Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 75. Aufl. [2016], § 438 Rn. 16a). Das macht die Be­klag­te aus­drück­lich nicht, son­dern be­tont, dass sie das Up­date nur im We­ge der Ku­lanz zur Ver­fü­gung stellt. Da­durch wird das Ri­si­ko des Schei­terns der Nach­bes­se­rung in­so­fern auf den Käu­fer ver­la­gert, als die­ser sei­nen An­spruch auf Nach­bes­se­rung des Soft­ware­up­dates mög­li­cher­wei­se im Kla­ge­we­ge durch­set­zen muss und er ris­kiert, dass sei­nem da­hin ge­hen­den An­spruch der Ver­jäh­rungs­ein­wand ent­ge­gen­ge­hal­ten wird.

Der Klä­ger hat da­her An­spruch auf Nach­lie­fe­rung ei­nes Neu­fahr­zeugs aus der ak­tu­el­len Se­rie, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung (§§ 439 IV, 348 BGB) des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs.

2. Nut­zungs­er­satz nach §§ 439 IV, 346 II 1 Nr. 1 BGB schul­det der Klä­ger nicht, weil es sich bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Kauf­ver­trag um ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf nach § 474 I BGB han­delt. Auf sol­che Ver­trä­ge ist § 439 IV BGB mit der Maß­ga­be an­zu­wen­den, dass Nut­zun­gen we­der her­aus­zu­ge­ben sind noch de­ren Wert zu er­set­zen ist (§ 474 V 1 BGB).

3. Die Be­klag­te be­fin­det sich ge­mäß § 293 BGB in Ver­zug mit der Rück­nah­me des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs.

Mit Schrei­ben vom 19.2.2016 hat der Klä­ger der Be­klag­ten an­ge­bo­ten, den dort mit der Fahr­zeu­gi­den­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer nä­her be­zeich­ne­ten, bei der Be­klag­ten er­wor­be­nen Pkw SE­AT Al­ham­bra „ge­gen Lie­fe­rung des Neu­wa­gens … zu­rück­zu­ge­ben“. Leis­tungs­ort für die Rück­ga­be der man­gel­haf­ten Sa­che ist nach § 269 I BGB der Wohn­sitz des Schuld­ners. Das vor­ge­nann­te Schrei­ben stellt da­her ein tat­säch­li­ches An­ge­bot nach § 294 BGB dar, weil die Be­klag­te nur noch zu­zu­grei­fen braucht.

4. Ein An­spruch des Klä­gers auf Frei­stel­lung von den sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ge­schul­de­ten vor­ge­richt­li­chen An­walts­kos­ten er­gibt sich dem Grun­de nach aus §§ 434 I 2 Nr. 2, 439 II BGB, denn der Klä­ger durf­te zur Durch­set­zung sei­ner Män­gel­rech­te an­walt­li­chen Bei­stand in An­spruch neh­men. Den da­durch ent­ste­hen­den Auf­wand hat die Be­klag­te ge­mäß § 439 II BGB zu tra­gen (BGH, Urt. v. 17.02.1999 – X ZR 40/96, ju­ris) …

Al­ler­dings er­ach­tet das Ge­richt im kon­kre­ten Ein­zel­fall un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Um­stän­de, vor al­lem des Um­fangs und der Schwie­rig­keit der an­walt­li­chen Tä­tig­keit und der Be­deu­tung der An­ge­le­gen­heit (§ 14 I RVG), le­dig­lich ei­ne 1,7-fa­che Ge­schäfts­ge­bühr nach Nr. 2300 VV RVG für an­ge­mes­sen. Dem Klä­ger ist zu­zu­ge­ste­hen, dass die den Sach­ver­halt zu­grun­de lie­gen­den tat­säch­li­chen As­pek­te und teil­wei­se auch die recht­li­chen Fra­gen über­durch­schnitt­lich schwie­rig und kom­plex sind. Ent­ge­gen der An­sicht des Klä­gers und mit der Recht­spre­chung des BGH (Urt. v. 28.05.2013 – XI ZR 420/10, ju­ris Rn. 46) muss die durch die Par­al­le­li­tät der Sach­ver­hal­te be­ding­te ganz er­heb­li­che Ver­rin­ge­rung des zeit­li­chen Auf­wands für das ein­zel­ne Man­dat im Rah­men der nach § 14 I RVG er­for­der­li­chen Ge­samt­wür­di­gung aber maß­geb­lich be­rück­sich­tigt wer­den.

Die Ge­bühr war da­her nach § 315 III 2 BGB vom Ge­richt durch Ur­teil zu be­stim­men (Urt. v. 28.05.2013 – XI ZR 420/10, ju­ris Rn. 45). Im Rechts­streit mit ei­nem er­stat­tungs­pflich­ti­gen Drit­ten muss kein Gut­ach­ten ge­mäß § 14 II RVG ein­ge­holt wer­den (Wink­ler, in: May­er/Kroiß, RVG, 6. Aufl. [2013], § 14 Rn. 65).

Die. er­satz­fä­hi­gen vor­ge­richt­li­chen An­walts­kos­ten be­rech­nen sich da­her wie folgt:

1,7-fa­che Ge­schäfts­ge­bühr (Nr. 2300 VV RVG) aus 30.950 € 1.594,60 €
An­rech­nung ei­ner 0,75-fa­chen Ge­bühr 703,50 €
Aus­la­gen­pau­scha­le (Nr. 7002 VV RVG) 20,00 €
Zwi­schen­sum­me 911,10 €
19 % Um­satz­steu­er (Nr. 7008 VV RVG) 173,11 €
Ge­samt 1.084,21 €

So­weit der Klä­ger ei­nen wei­ter­ge­hen­den Frei­stel­lungs­an­spruch gel­tend macht, war die Kla­ge ab­zu­wei­sen …

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