1. Gibt ein Ge­braucht­wa­gen­händ­ler in ei­nem In­se­rat den Ki­lo­me­ter­stand ei­nes Fahr­zeugs an („Ki­lo­me­ter­stand: 83.500 km“), so mag er da­mit zwar zu­gleich er­klä­ren, dass die­ser Ki­lo­me­ter­stand der tat­säch­li­chen Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs ent­spre­che. Die­se im Vor­feld ei­nes Ver­trags­ab­schlus­ses ab­ge­ge­be­ne Er­klä­rung wird aber au­ßer Kraft ge­setzt, wenn es in ei­nem spä­ter ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag heißt, der Ver­käu­fer über­neh­me „für die Rich­tig­keit des an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stan­des kei­ne Ge­währ“. Das gilt um­so mehr, wenn über den Ki­lo­me­ter­stand wäh­rend der Ver­trags­ver­hand­lun­gen ge­spro­chen wur­de und der (po­ten­zi­el­le) Käu­fer da­bei er­ken­nen konn­te, dass der Händ­ler kei­ne ver­läss­li­chen An­ga­ben zur Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs ma­chen konn­te.
  2. Grund­sätz­lich darf auch der Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­nen Un­fall er­lit­ten hat, bei dem es zu mehr als ei­nem Ba­ga­tell­scha­den ge­kom­men ist. Das gilt auch, wenn es im Kauf­ver­trag heißt, ei­ne Un­fall­frei­heit wer­de „aus­drück­lich nicht zu­ge­si­chert“. Denn da­durch wird kei­ne ne­ga­ti­ve Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung des In­halts ge­trof­fen, dass das ver­kauf­te Fahr­zeug ein Un­fall­wa­gen ist.
  3. Der Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens, der selbst mit ge­brauch­ten Mo­tor­rad­t­ei­len han­delt, ist in Be­zug auf den Kfz-Kauf­ver­trag nicht als Un­ter­neh­mer, son­dern als Ver­brau­cher an­zu­se­hen. Dar­an än­dert nichts, dass er ge­gen­über dem Kfz-Ver­käu­fer gro­ßen tech­ni­schen Sach­ver­stand hin­sicht­lich be­stimm­ter Fahr­zeu­ge (hier: BMW M3) zum Aus­druck bringt.

OLG Hamm, Ur­teil vom 01.04.2014 – 28 U 85/13

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen ge­brauch­ten BMW M3.

Die Be­klag­te hat­te das Fahr­zeug im In­ter­net für 15.498 € zum Kauf an­ge­bo­ten. Der Klä­ger wur­de so dar­auf auf­merk­sam und be­sich­tig­te das Fahr­zeug am 05.06.2012. Bei die­ser Ge­le­gen­heit er­ör­ter­te er mit dem Ver­kaufs­mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, dem Zeu­gen V, dass das Fahr­zeug in Ita­li­en erst­zu­ge­las­sen und län­ge­re Zeit in Po­len ge­nutzt wor­den war. Des Wei­te­ren wur­de un­strei­tig über ei­ne nachla­ckier­te Stel­le am Fahr­zeug ge­spro­chen, und dem Klä­ger fiel ein un­glei­ches Spalt­maß im Be­reich der Fah­rer­tür auf. Die Par­tei­en ver­stän­dig­ten sich letzt­lich auf ei­nen Kauf­preis von 14.600 €.

Für den Ver­trags­ab­schluss ver­wen­de­te der Zeu­ge V ein Ver­trags­for­mu­lar, das er durch hand­schrift­li­che Zu­sät­ze er­gänz­te. Es hat­te un­ter an­de­rem fol­gen­den In­halt:

„Käu­fer: (ge­werb­lich) K

Der Käu­fer be­stä­tigt mit sei­ner Un­ter­schrift, dass er das Fahr­zeug ge­werb­lich kauft zur ge­werb­li­chen Nut­zung/Wie­der­ver­kauf.

Das nach­ste­hend be­schrie­be­ne Fahr­zeug wird un­ter Aus­schluss der Sach­män­gel­haf­tung/Ge­währ­leis­tung ver­kauft. Das Fahr­zeug wur­de vom Ver­käu­fer nicht nä­her auf Un­fall­spu­ren un­ter­sucht, da­her wird die Un­fall­frei­heit aus­drück­lich nicht ge­währ­leis­tet. Des Wei­te­ren wird für die Rich­tig­keit des an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stands kei­ne Ge­währ über­nom­men …

die Un­fall­frei­heit wird aus­drück­lich nicht zu­ge­si­chert

km-Stand (lt. Ta­cho): 84.000 km“

Nach Über­nah­me des Fahr­zeugs am 07.06.2012 be­merk­te der Klä­ger wäh­rend des Fahr­be­triebs ei­ne blin­ken­de Mo­tor­kon­troll­leuch­te und such­te des­halb ei­ne BMW-Werk­statt auf. Dort wur­de fest­ge­stellt, dass das Fahr­zeug be­reits bei der letz­ten Aus­le­sung des Feh­ler­spei­chers ei­ne Lauf­leis­tung von 119.000 km hat­te.

Der Klä­ger hat der Be­klag­ten dar­auf­hin ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung im Hin­blick auf den Ki­lo­me­ter­stand vor­ge­wor­fen und die An­fech­tung so­wie den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klärt. Er hat kla­ge­wei­se die Rück­ah­lung des Kauf­prei­ses (14.600 €) und der Zu­las­sungs­kos­ten (70 €) so­wie den Er­satz von Ab­hol- und Fahrt­kos­ten (ins­ge­samt 150 €) ver­langt.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge mit der Be­grün­dung ab­ge­wie­sen, dass die Be­klag­te – die kei­ne Ga­ran­tie hin­sicht­lich des Ki­lo­me­ter­stand über­nom­men ha­be – ih­re Haf­tung für Sach­män­gel wirk­sam aus­ge­schlos­sen ha­be. Der Klä­ger dür­fe we­gen der An­ga­ben im Kauf­ver­trag nicht als Ver­brau­cher an­ge­se­hen wer­den, son­dern müs­se sich als Ge­wer­be­trei­ben­der be­han­deln las­sen.

Die da­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung des Klä­gers war über­wie­gend er­folg­reich.

Aus den Grün­den: II. … 1. Der Klä­ger hat ge­gen die Be­klag­te aus §§ 346, 347, 323, 440, 437 Nr. 2 Fall 1, 434 I, 433 I 2 BGB ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ab­züg­lich ge­zo­ge­ner Nut­zun­gen und auf Er­stat­tung ge­tä­tig­ter Auf­wen­dun­gen in Hö­he von ins­ge­samt 11.705,17 €, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und -über­eig­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs.

a) Die mit der Kla­ge­schrift wie­der­hol­te Rück­tritts­er­klä­rung ist wirk­sam, weil dem Klä­ger ein ge­setz­li­ches Rück­tritts­recht zu­steht. Es er­gibt sich aus § 437 Nr. 2 BGB, weil der von der Be­klag­ten ver­kauf­te BMW bei Über­ga­be an den Klä­ger ei­nen Sach­man­gel i. S. des § 434 I BGB auf­wies.

aa) Der Klä­ger kann sich al­ler­dings nicht auf ei­nen Sach­man­gel in dem Sin­ne be­ru­fen, dass die tat­säch­li­che Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs über dem auf dem Weg­stre­cken­zäh­ler an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stand ge­le­gen ha­ben soll. In­so­fern lässt sich we­der ei­ne Ne­ga­tiv­ab­wei­chung von ei­ner ge­mäß § 434 I 1 BGB ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit noch von ei­ner üb­li­chen Be­schaf­fen­heit i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB fest­stel­len.

Zwar mag durch die An­ga­be in der In­ter­netan­non­ce, das Fahr­zeug ha­be ei­nen „Ki­lo­me­ter­stand: 83.500 km“, ei­ne Aus­sa­ge da­hin ge­hend ge­trof­fen wor­den sein, dass die­ser Ki­lo­me­ter­stand auch der tat­säch­li­chen Lauf­leis­tung ent­spre­che (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 2007, 1346). Aber die­se im Vor­feld ab­ge­ge­be­ne Er­klä­rung wur­de durch die aus­drück­li­che Ein­schrän­kung in dem spä­te­ren Ver­trags­text „Des Wei­te­ren wird für die Rich­tig­keit des an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stan­des kei­ne Ge­währ über­nom­men.“ au­ßer Kraft ge­setzt.

Der Se­nat geht auch nicht da­von aus, dass die­ser ein­schrän­ken­de Zu­satz für den Klä­ger ei­ne über­ra­schen­de Klau­sel dar­stell­te. Viel­mehr er­läu­ter­te der Klä­ger bei sei­ner An­hö­rung vor dem Land­ge­richt, dass der Ki­lo­me­ter­stand mit dem Zeu­gen V kon­kret be­spro­chen wor­den sei. Bei die­ser Be­spre­chung konn­te der Klä­ger aber aus ver­stän­di­ger Sicht ge­ra­de kei­ne ver­läss­li­chen An­ga­ben des Zeu­gen V über die tat­säch­li­che Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs er­war­ten. Zum ei­nen ver­füg­te die Be­klag­te nicht über ein ent­spre­chen­des Aus­le­se­ge­rät. Und zum an­de­ren war der Pkw be­kann­ter­ma­ßen nicht zwecks TÜV/AU-Ab­nah­me bei ei­ner Fach­werk­statt in Deutsch­land vor­ge­führt wor­den. Viel­mehr war die His­to­rie des zu­vor in Ita­li­en und Po­len ge­nutz­ten Sport­wa­gens un­be­kannt. Es fehl­ten auch ak­tu­el­le Scheck­heft­ein­trä­ge bzw. sons­ti­ge Werk­statt­un­ter­la­gen, de­nen ein frü­he­rer Ki­lo­me­ter­stand hät­te ent­nom­men wer­den kön­nen.

Bei der Wür­di­gung die­ser kon­kre­ten Um­stän­de konn­te ein Käu­fer ge­ra­de nicht be­rech­tig­ter­wei­se von der Rich­tig­keit des auf dem Weg­stre­cken­zäh­ler an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stands aus­ge­hen (BGH, Urt. v. 16.03.2005 – VI­II ZR 130/04, DAR 2006, 143; OLG Düs­sel­dorf, Beschl. v. 15.11.2012 – I-3 W 228/12, NJW-RR 2013, 761). Er muss­te ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on des Ki­lo­me­ter­zäh­lers als nicht fern­lie­gen­de Mög­lich­keit in Be­tracht zie­hen, für die die Be­klag­te aus­weis­lich des Ver­trags­tex­tes nicht ein­ste­hen woll­te.

bb) Der Klä­ger kann den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag aber dar­auf stüt­zen, dass der BMW M3 ein Un­fall­fahr­zeug war und so­mit ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­wies, die bei Sa­chen der glei­chen Art we­der üb­lich noch zu er­war­ten war (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB).

Auch bei dem Kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens kann ein Käu­fer grund­sätz­lich er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­nen Un­fall er­lit­ten hat, bei dem es zu mehr als ei­nem Ba­ga­tell­scha­den ge­kom­men ist (BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53).

Nach den Fest­stel­lun­gen des vom Se­nat be­auf­trag­ten Kfz-Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. I hat­te das Fahr­zeug aber sehr wohl ei­nen oder meh­re­re er­heb­li­che Un­fäl­le er­lit­ten, durch den bzw. die die Ka­ros­se­rie an al­len Sei­ten in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wur­de. Nach der vom Sach­ver­stän­di­gen vor­ge­leg­ten Fo­to­do­ku­men­ta­ti­on und de­ren Er­läu­te­rung muss es zu ei­nem Auf­prall im Front­be­reich ge­kom­men sein, der nicht nur zu ent­spre­chen­den Spalt­maß­ab­wei­chun­gen führ­te, son­dern auch Mon­ta­ge- und Ein­stel­l­ar­bei­ten er­for­der­lich mach­te. Dar­auf – so der Sach­ver­stän­di­ge – deu­te­ten Lack­ab­plat­zun­gen und Werk­zeug­ein­griff­spu­ren hin. Auch im Heck­be­reich muss es zu ei­nem ent­spre­chen­den Auf­prall ge­kom­men sein, denn auch dort wur­de nach den An­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen an­ge­sichts des Spu­ren­bil­des ei­ne Spann­prat­ze als Richt­werk­zeug ein­ge­setzt. Zu­dem wie­sen nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen auch die Fahr­zeug­sei­ten er­heb­li­che Un­ter­schie­de bei der Lack­schicht­di­cke auf. Dies deu­te auf Spach­tel­ar­bei­ten hin, die vor­ge­nom­men wor­den sei­en, um der Ka­ros­se­rie wie­der ein sym­me­tri­sches Aus­se­hen zu ver­lei­hen.

Ei­ne sol­che Ne­ga­tiv­ab­wei­chung von der üb­li­chen Be­schaf­fen­heit muss­te der Klä­ger – an­ders als hin­sicht­lich der Lauf­leis­tung – nicht er­war­ten.

Durch den in den Kauf­ver­trag auf­ge­nom­me­nen Zu­satz „die Un­fall­frei­heit wird aus­drück­lich nicht zu­ge­si­chert“ wur­de kei­ne ne­ga­ti­ve Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung in dem Sin­ne ge­trof­fen, dass der ver­kauf­te Pkw tat­säch­lich ein Un­fall­wa­gen ist.

Nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me konn­te die Be­klag­te auch nicht den Be­weis füh­ren, dass ei­ne sol­che ne­ga­ti­ve Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung an­läss­lich der Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen – münd­lich – ge­trof­fen wur­de.

Der Zeu­ge V gab da­zu bei sei­ner Ver­neh­mung an, es sei nicht nö­tig ge­we­sen, den BMW aus­drück­lich als „Un­fall­wa­gen“ zu be­zeich­nen, weil die Un­fall­spu­ren oh­ne­hin deut­lich er­kenn­bar ge­we­sen sei­en. Das Fahr­zeug sei vom Klä­ger aus­gie­big be­sich­tigt wor­den. Die vor­han­de­nen Be­schä­di­gun­gen sei­en ge­ra­de der Grund für den Klä­ger ge­we­sen, das Fahr­zeug zu er­wer­ben, denn da­durch ha­be er den Kauf­preis ent­spre­chend her­un­ter­han­deln kön­nen.

Der Se­nat kann aber nicht aus­schlie­ßen, dass dem Klä­ger doch nur ei­ne Spalt­maß­ab­wei­chung an der Fah­rer­tür und ein Lack­scha­den – mög­li­cher­wei­se an der Sei­ten­wand – be­kannt wa­ren, so­dass er von ba­ga­tell­ar­ti­gen Parkremp­lern aus­ge­hen konn­te.

Zum ei­nen be­schrieb auch der Zeu­ge V das Fahr­zeug da­hin ge­hend, dass es „op­ti­sche Bles­su­ren“ ge­habt ha­be und „nicht ma­kel­los“ ge­we­sen sei. Da­mit hat der Zeu­ge aber of­fen­bar selbst nicht die nach Fest­stel­lung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. I vor­han­de­nen gra­vie­ren­den Ka­ros­se­rie­schä­den er­kannt. Ein Laie – so der Sach­ver­stän­di­ge – ha­be die­se Un­fall­spu­ren aber man­gels ent­spre­chen­der Er­fah­rungs­wer­te erst recht nicht er­ken­nen kön­nen. Da­ge­gen hät­te ein ent­spre­chend er­fah­re­ner Kfz-Händ­ler nach Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen die Un­fall­spu­ren durch­aus be­merkt, denn die­se wür­den rou­ti­ne­mä­ßig Schrau­ben auf Ein­griff­spu­ren von Werk­zeu­gen ab­su­chen und die­se könn­ten auch ty­pi­sche Spu­ren an der Lack­ober­flä­che der Vor­nah­me von Richt­ar­bei­ten zu­ord­nen. Ein Laie kön­ne sich – so der Sach­ver­stän­di­ge – glück­lich schät­zen, wenn er die vor­han­de­nen Del­len im Dach­be­reich er­kannt hät­te.

Auch die vom Zeu­gen V an­ge­führ­te Preis­ge­stal­tung er­laub­te nach Ein­schät­zung des Se­nats kei­nen Rück­schluss dar­auf, dass der BMW als Un­fall­wa­gen ver­kauft wur­de.

Zum ei­nen be­kun­de­te der Zeu­ge selbst, dass bei ei­nem BMW M3 et­wai­ge Un­fall­spu­ren „nicht so wich­tig“ sei­en. Bei sol­chen Fahr­zeu­gen ge­he es mehr um das Tech­ni­sche, und in­so­fern ha­be der BMW „be­son­ders gut im Fut­ter ge­stan­den“. Zum an­de­ren konn­te nach den Er­mitt­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. I nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der letzt­lich ver­ein­bar­te Kauf­preis mit 14.600 € si­gni­fi­kant nied­rig war. Viel­mehr la­gen nach der Re­cher­che des Sach­ver­stän­di­gen die da­ma­li­gen Händ­ler­an­ge­bo­te im In­ter­net zwi­schen 15.498 € und 29.900 € und der Händ­ler­ver­kaufs­wert laut DAT-Sys­tem bei 16.000 €. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der un­be­kann­ten Her­kunft aus Ita­li­en/Spa­ni­en sei – so der Sach­ver­stän­di­ge – der tat­säch­li­che Kauf­preis von 14.600 € markt­ge­recht ge­we­sen, wäh­rend ein Fahr­zeug mit den fest­ge­stell­ten Un­fall­spu­ren nur ei­nen Wert von 8.000 € bis 8.500 € ge­habt hät­te.

b) Die Be­klag­te kann sich hin­sicht­lich des Man­gels „Un­fall­wa­gen“ auch nicht auf den ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss be­ru­fen. Die­ser Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss war ge­mäß § 475 I 1 BGB un­wirk­sam, weil ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf vor­liegt (§ 474 I).

Ob ein Kauf­ver­trag in Aus­übung ei­ner ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit er­folgt (§ 14 BGB) oder ob der Kauf­ver­trag ei­nem pri­va­ten Zweck zu­zu­ord­nen ist (§ 13 BGB), ist un­ab­hän­gig vom in­ne­ren Wil­len des Kau­fen­den nach den äu­ße­ren Um­stän­den, dem Auf­tre­ten und nach den Er­klä­run­gen des Käu­fers zu er­mit­teln (OLG Karls­ru­he, Urt. v. 06.10.2011 – 9 U 8/11, NJW-RR 2012, 289).

Nach der Recht­spre­chung des BGH (Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18 m. w. Nachw.) er­for­dert un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln da­bei ein selbst­stän­di­ges und plan­mä­ßi­ges, auf ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­tes An­bie­ten ent­gelt­li­cher Leis­tun­gen am Markt, wo­bei ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht nicht er­for­der­lich ist und auch Ne­ben­tä­tig­kei­ten und bran­chen­frem­de Tä­tig­kei­ten er­fasst wer­den, so­fern sie im Zu­sam­men­hang mit der selb­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ste­hen (BGH, Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18, un­ter Hin­weis auf BGH, Urt. v. 13.07.2011 – VI­II ZR 215/10, NJW 2011, 3435 Rn. 18 ff.). Ist der Ab­schluss ei­nes Ver­trags aber we­der der ge­werb­li­chen noch der selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit des Ver­käu­fers zu­zu­ord­nen, liegt rein pri­va­tes Han­deln vor. Da­bei ist das rechts­ge­schäft­li­che Han­deln ei­ner na­tür­li­chen Per­son mit Rück­sicht auf den Wort­laut des § 13 BGB grund­sätz­lich als Ver­brau­cher­han­deln an­zu­se­hen (Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18). Ei­ne Zu­ord­nung ent­ge­gen dem mit dem rechts­ge­schäft­li­chen Han­deln ob­jek­tiv ver­folg­ten Zweck kommt nur in Be­tracht, wenn die dem Ver­trags­part­ner bei Ver­trags­schluss er­kenn­ba­ren Um­stän­de ein­deu­tig und zwei­fels­frei dar­auf hin­wei­sen, dass die na­tür­li­che Per­son in Ver­fol­gung ih­rer ge­werb­li­chen oder selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit han­delt (BGH, Urt. v. 30.09.2009 – VI­II ZR 7/09, NJW 2009, 3780 Rn. 10 f.).

Spe­zi­ell im Hin­blick auf den An- und Ver­kauf von Kraft­fahr­zeu­gen wird in der In­stanz­recht­spre­chung und der Li­te­ra­tur dar­auf ab­ge­stellt, zu wel­chem Zweck ein Ver­käu­fer das Fahr­zeug ge­nutzt hat­te oder ein Käu­fer es zu be­nut­zen be­ab­sich­tigt. Der Ver­kauf ei­nes zu­vor aus­schließ­lich pri­vat ge­nutz­ten Fahr­zeugs ist da­nach re­gel­mä­ßig nicht als Un­ter­neh­mer­ge­schäft zu klas­si­fi­zie­ren (Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18, un­ter Hin­weis auf OLG Cel­le, Urt. v. 11.08.2004 – 7 U 17/04, NJW-RR 2004, 1645; OLG Karls­ru­he, Urt. v. 06.10.2011 – 9 U 8/11, NJW-RR 2012, 289; Pa­landt/El­len­ber­ger, BGB, 72. Aufl., § 13 Rn. 4; MünchKomm-BGB/Mick­litz, 6. Aufl., § 14 Rn. 19; Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 11. Aufl., Rn. 1973 ff.).

Da­von aus­ge­hend er­folg­te der Er­werb des BMW M3 durch den Klä­ger im Streit­fall ent­ge­gen der Ein­schät­zung des Land­ge­richts nicht zu ge­werb­li­chen Zwe­cken. Denn so­weit der Klä­ger in dem Ver­trags­text als „Käu­fer: (ge­werb­lich)“ be­zeich­net ist, ge­schah dies nach den An­ga­ben der zu die­ser Fra­ge erst­in­stanz­lich ver­nom­me­nen Zeu­gen V und S, weil der Klä­ger an­ge­ge­ben ha­be, mit ge­brauch­ten Mo­tor­rad­t­ei­len zu han­deln. Bei die­ser Aus­gangs­la­ge konn­te aber nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass der Er­werb des Pkw in ei­nem Zu­sam­men­hang ste­hen wür­de zu ei­nem auf Mo­tor­rad­t­ei­le be­zo­ge­nen Ge­wer­be­be­trieb. Auch der nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten vom Klä­ger zum Aus­druck ge­brach­te gro­ße tech­ni­sche Sach­ver­stand hin­sicht­lich der Mo­dell­rei­he BMW M3 ist nicht ge­eig­net, den Klä­ger zu ei­nem Un­ter­neh­mer im Rechts­sin­ne zu ma­chen.

c) Auch die üb­ri­gen Rück­tritts­vor­aus­set­zun­gen la­gen vor. Ins­be­son­de­re konn­te die Ne­ga­tiv­be­schaf­fen­heit des BMW als Un­fall­wa­gen nicht durch ei­ne Nach­er­fül­lung … be­ho­ben wer­den. Auch ist an­ge­sichts der Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. I nicht le­dig­lich von ei­ner un­er­heb­li­chen Pflicht­ver­let­zung (§ 323 V 2 BGB) aus­zu­ge­hen.

d) Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Rück­ab­wick­lung schul­det die Be­klag­te Zug um Zug ge­gen Fahr­zeug­rück­ga­be die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses (14.600 €) ab­züg­lich der vom Klä­ger ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen (§ 346 I und II BGB).

Die­se Nut­zungs­ent­schä­di­gung be­läuft sich un­ter Be­rück­sich­ti­gung des ak­tu­el­len Ki­lo­me­ter­stands von 107.000 km und der vom Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. I an­ge­ge­be­nen üb­li­chen Ge­samt­lauf­leis­tung ei­nes Fahr­zeugs der in Re­de ste­hen­den Art von 200.000 km nach der For­mel

{\frac{\text{14.000 €}\times\text{(107.000 km – 84.000 km)}}{\text{(200.000 km – 84.000 km)}}}

auf ei­nen Be­trag von 2.894,83 €.

Der Se­nat hält es im Streit­fall nicht für er­for­der­lich, an­stel­le der im Kauf­ver­trag an­ge­ge­be­nen Lauf­leis­tung von 84.000 km auf die vom Klä­ger be­haup­te­te hö­he­re Lauf­leis­tung von deut­lich über 100.000 km ab­zu­stel­len. Die­se für den Klä­ger im Hin­blick auf die Nut­zungs­ent­schä­di­gung nach­tei­li­ge Be­rech­nungs­wei­se wür­de vor­aus­set­zen, dass die Be­klag­te sich die Be­haup­tung über die hö­he­re Lauf­leis­tung zu ei­gen ge­macht und in­so­fern zum Ge­gen­stand ei­nes Auf­rech­nungs­ein­wands ge­macht hät­te. Das ist hier aber nicht ge­sche­hen.

2. Der Klä­ger kann von der Be­klag­ten als Fol­ge der pflicht­wid­ri­gen Ver­äu­ße­rung des man­gel­haf­ten Fahr­zeugs ge­mäß §§ 437 Nr. 3, 280 I BGB au­ßer­dem den Er­satz der Fahrt­kos­ten ver­lan­gen, die er durch die zwei­ma­li­gen Fahr­ten zum Ge­schäfts­sitz der Be­klag­ten in Thü­rin­gen auf­wen­den muss­te. Die vom Klä­ger da­für an­ge­setz­ten Be­trä­ge von 50 € und 100 € hält der Se­nat für an­ge­mes­sen (§ 287 ZPO).

Zu­sätz­lich kann der Klä­ger von der Be­klag­ten ge­mäß §§ 437 Nr. 3, 284 BGB den Er­satz der Zu­las­sungs­kos­ten als ver­geb­li­che Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen. Der Se­nat schätzt die an­ge­mes­se­ne Hö­he die­ser Kos­ten auf 50 € (§ 287 ZPO).

3. Der Klä­ger kann schließ­lich ge­mäß §§ 437, 280 I BGB die Er­stat­tung der vor­ge­richt­li­chen An­walts­kos­ten ver­lan­gen nach ei­nem Ge­gen­stands­wert von bis zu 16.000 €:

1,3 Ge­schäfts­ge­bühr 735,80 €
Post­pau­scha­le  20,00 €
Zwi­schen­sum­me 755,80 €
Um­satz­steu­er 143,60 €
Ge­samt 899,40 €

4. Für die vor­ste­hend ge­nann­ten Be­trä­ge wa­ren dem Klä­ger an­trags­ge­mäß Zin­sen ab Rechts­hän­gig­keit zu­zu­spre­chen (§ 291 BGB).

5. Der Klä­ger hat au­ßer­dem ge­mäß §§ 765, 756 ZPO ein be­rech­tig­tes In­ter­es­sen an der Fest­stel­lung, dass sich die Be­klag­te mit der Rück­nah­me des Fahr­zeugs in Ver­zug be­fin­det.

III. So­weit die Be­klag­te mit ih­rem nach der Se­nats­sit­zung ein­ge­reich­ten Schrift­satz vom 14.03.2014 auf den vor­aus­ge­gan­ge­nen geg­ne­ri­schen Schrift­satz vom 05.03.2014 er­wi­dert und au­ßer­dem Um­stän­de da­zu vor­trägt, wes­halb der Klä­ger als be­son­ders fach­kun­dig an­zu­se­hen sei, kommt es dar­auf – wie die vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen er­ge­ben – für die Ent­schei­dung des Se­nats nicht an. Die in dem Schrift­satz erst­mals er­ho­be­ne Ver­jäh­rungs­ein­re­de ist pro­zes­su­al ver­spä­tet und greift im Üb­ri­gen in­halt­lich auch nicht durch. Dem An­trag auf Wie­der­ein­tritt in die münd­li­che Ver­hand­lung war des­halb nicht nach­zu­ge­hen …

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