Ein Ge­braucht­wa­gen­händ­ler, der in ei­nem In­se­rat die Lauf­leis­tung ei­nes zum Ver­kauf ste­hen­den Fahr­zeugs oh­ne Ein­schrän­kun­gen an­gibt (hier: „137.800 km“), muss sich an die­ser An­ga­be auch dann fest­hal­ten las­sen, wenn die Lauf­leis­tung in ei­nem spä­ter ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag nicht mehr er­wähnt wird. Denn die ur­sprüng­li­che An­ga­be ist kon­klu­dent In­halt des Kauf­ver­trags ge­wor­den.

OLG Düs­sel­dorf, Be­schluss vom 15.11.2012 – I-3 W 228/12

Sach­ver­halt: Der Klä­ger nimmt den Be­klag­ten, mit dem er ei­nen Kauf­ver­trag über ei­nen ge­brauch­ten VW Lu­po 1,2 3L TDI ge­schlos­sen hat, nach dem Rück­tritt von die­sem Ver­trag auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses (5.000 €) so­wie auf Er­satz von Über­füh­rungs­kos­ten (575 €) und auf­ge­wen­de­ter Re­pa­ra­tur­kos­ten (1.835 €) in An­spruch. Au­ßer­dem ver­langt er den Er­satz vor­ge­richt­lich ent­stan­de­ner Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von 661,16 €.

Der Klä­ger hat gel­tend ge­macht, der Be­klag­te ha­be das in Re­de ste­hen­de Fahr­zeug – Erst­zu­las­sung 02/2005, Fahr­leis­tung 137.800 km – im In­ter­net auf der Ver­kaufs­platt­form „mobile.​de“ ür 5.990 € an­ge­bo­ten. Hier­auf ha­be er, der Klä­ger, sich ge­mel­det und den Wa­gen am 05.11.2011 für 5.000 € ge­kauft. Das Fahr­zeug sei so­dann nach Dä­ne­mark über­führt wor­den, wo­für er, der Klä­ger, 575 € ge­zahlt ha­be. Im De­zem­ber sei ei­ne Grund­in­stand­set­zung des Ge­trie­bes er­for­der­lich ge­wor­den, wo­für er 1.835 €auf­ge­wen­det ha­be. Über ei­ne VW-Ver­tre­tung sei dann ei­ne „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ an­ge­for­dert wor­den, die er­ge­ben ha­be, dass der Wa­gen am 20.10.2008 mit ei­ner Lauf­leis­tung von 270.858 km no­tiert ge­we­sen sei. Bei der nächs­ten Re­pa­ra­tur am 22. 01.2010 sei­en 215.531 km ab­ge­le­sen wor­den, bei ei­ner wei­te­ren Re­pa­ra­tur am 19.09.2011 dann nur noch 137.907 km.

Nach­dem der Klä­ger den Be­klag­ten un­ter dem 12.03.2012 ver­geb­lich we­gen die­ser Dif­fe­renz und der Ge­trie­be­re­pa­ra­tur um ei­ne Lö­sung ge­be­ten hat­te, er­klär­te er mit An­walts­schrei­ben vom 16.03.2012 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag, kün­dig­te Scha­dens­er­satz­an­sprü­che an und setz­te dem Be­klag­ten un­ter dem 10.04.2012 ver­geb­lich ei­ne Nach­frist zur Her­bei­füh­rung ei­ner au­ßer­ge­richt­li­chen Re­ge­lung bis zum 20.04.2012.

Der Be­klag­te hat un­ter An­kün­di­gung ei­nes Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags be­an­tragt, ihm zur Ver­tei­di­gung ge­gen die Kla­ge Pro­zess­kos­ten­hil­fe un­ter Bei­ord­nung von Rechts­an­walt R zu be­wil­li­gen. Er be­strei­te mit Nicht­wis­sen, dass die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs in der vom Klä­ger be­schrie­be­nen Wei­se ma­ni­pu­liert wor­den sei und dass die „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ von Volks­wa­gen stam­me, sich auf das in Re­de ste­hen­de Fahr­zeug be­zie­he und die Ki­lo­me­ter­stän­de zu­tref­fend wie­der­ge­be. Er selbst ha­be das Fahr­zeug bei ei­ner Lauf­leis­tung von 137.700 km auf ei­nem Au­to­markt in Es­sen er­wor­ben und am 19.09.2011 zur Be­he­bung ei­nes klei­ne­ren Ge­trie­be­scha­dens so­wie am 30.09.2011 zur Über­prü­fung der Ge­trie­be­funk­ti­on und des Gang­stel­lers je­weils in ei­ne VW-Werk­statt ge­ge­ben. Die Werk­stät­ten hät­ten ihn auf ei­ne Ta­cho­ma­ni­pu­la­ti­on nicht auf­merk­sam ge­macht; er selbst ha­be die be­haup­te­te Ta­cho­ma­ni­pu­la­ti­on als Ge­braucht­wa­gen­händ­ler nicht fest­stel­len kön­nen. Im Üb­ri­gen sei die Ge­währ­leis­tung aus­ge­schlos­sen und ei­ne be­stimm­te Lauf­leis­tung nicht ver­ein­bart wor­den. Auf das vom Klä­ger, der – was der Klä­ger be­strei­tet – selbst Au­to­händ­ler sei, vor­ge­leg­te mobile.​de-In­se­rat und die dort an­ge­ge­be­ne Lauf­leis­tung sei we­der bei den Ver­kaufs­ge­sprä­chen noch im Kauf­ver­trag Be­zug ge­nom­men wor­den. Die Lauf­leis­tung ha­be bei den Ver­kaufs­ge­sprä­chen kei­ne Rol­le ge­spielt; wich­tig sei der Ben­zin­ver­brauch ge­we­sen.

Das Land­ge­richt hat das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such durch Be­schluss vom 31.08.2012 ab­ge­lehnt. Es hat un­ter an­de­rem aus­ge­führt, die be­ab­sich­tig­te Rechts­ver­tei­di­gung bie­te kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Er­folg (§ 114 ZPO). Ent­ge­gen der Dar­le­gung des Be­klag­ten sei im Kauf­ver­trag vom 05.11.2011 ein kom­plet­ter Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nicht er­kenn­bar. Das Fahr­zeug lei­de auch un­ter ei­nem gra­vie­ren­den Man­gel. Aus­weis­lich der vom Klä­ger vor­ge­leg­ten „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ sei der Ta­chostand mehr­fach zu­rück­ge­stellt wor­den. Der Be­klag­te sei dem bis­lang nicht sub­stan­zi­iert, et­wa durch Vor­la­ge ei­ner ak­tu­el­len Be­schei­ni­gung des Her­stel­lers, ent­ge­gen­ge­tre­ten. Die Lauf­leis­tung sei aber Ver­trags­be­stand­teil, da die­se in der dem Kauf­ver­trag zu­grun­de lie­gen­den Ver­kaufs­an­zei­ge aus­drück­lich auf­ge­führt sei; ei­ner aus­drück­li­chen Auf­nah­me in den Kauf­ver­trag ha­be es da­her nicht mehr be­durft. Die Lauf­leis­tung sei – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten – wert­bil­dend; auch bei ei­nem 3-Li­ter-Au­to leuch­te es näm­lich oh­ne Wei­te­res ein, dass es ei­nen Un­ter­schied ma­che, ob die Lauf­leis­tung bei 137.000 km oder bei et­wa 300.000 km liegt.

Der so­for­ti­gen Be­schwer­de des Be­klag­ten hat das Land­ge­richt nicht ab­ge­hol­fen. Das OLG Düs­sel­dorf hat sie als un­be­grün­det zu­rück­ge­wie­sen.

Aus den Grün­den: II. … Das Land­ge­richt hat dem Be­klag­ten nach ge­gen­wär­ti­gem Stand im Er­geb­nis zu Recht die Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe man­gels hin­rei­chen­der Er­folgs­aus­sicht der be­ab­sich­tig­ten Rechts­ver­tei­di­gung ver­wei­gert (§ 114 Satz 1 ZPO). Das Be­schwer­de­vor­brin­gen gibt zu ei­ner ab­wei­chen­den recht­li­chen Be­ur­tei­lung kei­nen An­lass.

1. Oh­ne Er­folgs­aus­sicht ver­tei­digt sich der Be­klag­te ge­gen den auf Rück­tritt ge­grün­de­ten An­spruch des Klä­gers auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 5.000 €, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des VW Lu­po, aus §§ 346 I, 348, 434 I 2 Nr. 2, 437 Nr. 2 Fall 1 BGB, § 326 V BGB, § 323 BGB.

a) Die Rück­tritts­vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Ins­be­son­de­re ist das Fahr­zeug man­gel­haft, da die durch den Ta­chostand von 137.800 km zum Ver­trags­in­halt ge­wor­de­ne Fahr­leis­tung bei Wei­tem von der tat­säch­li­chen Fahr­leis­tung ne­ga­tiv ab­weicht.

aa) Zeigt der Ki­lo­me­ter­zäh­ler ei­nes als Ge­braucht­wa­gen ver­kauf­ten Fahr­zeugs ei­nen ge­gen­über der wirk­li­chen Fahr­leis­tung deut­lich re­du­zier­ten Stand – wo­von hier mit dem Land­ge­richt aus­zu­ge­hen ist –, so liegt ein Sach­man­gel ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB vor, wenn der Käu­fer un­ter den kon­kre­ten Um­stän­den be­rech­tig­ter­wei­se von der Rich­tig­keit des an­ge­zeig­ten Ki­lo­me­ter­stands im Sin­ne der Ge­samt­fahr­leis­tung aus­ge­hen durf­te (OLG Köln, Urt. v. 13.03.2007 – 22 U 170/06, BeckRS 2008, 02906). Ein Ge­braucht­wa­gen­käu­fer kann re­gel­mä­ßig zu­nächst da­von aus­ge­hen, dass ei­ne oh­ne Ein­schrän­kung ge­mach­te Ki­lo­me­ter­an­ga­be sich auf die für ihn maß­geb­li­che Ge­samt­fahr­leis­tung be­zieht (BGH, Urt. v. 25.06.1975 – VI­II ZR 244/73, NJW 1975, 1693 [1694]; OLG Köln, Urt. v. 13.03.2007 – 22 U 170/06, BeckRS 2008, 02906; OLG Ros­tock, Urt. v. 11.07.2007 – 6 U 2/07, NJW 2007, 3290).

bb) Dies vor­aus­ge­schickt mag da­hin­ste­hen, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne „In­ter­net­of­fer­te“ ein An­ge­bot im Recht­sin­ne (an ei­nen un­be­kann­ten Per­so­nen­kreis) dar­stel­len kann, oder es sich le­dig­lich um ei­ne in­vi­ta­tio ad of­fe­ren­dum han­delt. Hier hat je­den­falls der Klä­ger ein sol­ches An­ge­bot nicht an­ge­nom­men, son­dern sei­ner­seits ein neu­es An­ge­bot zu hin­sicht­lich der Lauf­leis­tung glei­chen Be­din­gun­gen, aber zu ei­nem ver­än­der­ten Kauf­preis (5.000 € statt 5.990 €) ge­macht, das der Be­klag­te oh­ne Ein­schrän­kun­gen in Be­zug auf die von ihm ur­sprüng­lich an­ge­ge­be­ne Lauf­leis­tung zu ma­chen, an­ge­nom­men hat. Wer als Händ­ler in ei­ner In­ter­net­an­zei­ge die Lauf­leis­tung oh­ne ein­schrän­ken­den Zu­satz mit „137.800 km“ an­gibt, muss sich dar­an fest­hal­ten las­sen, auch wenn die­se Zahl im spä­te­ren Kauf­ver­trag nicht mehr auf­taucht; die ur­sprüng­li­che An­ga­be ist kon­klu­dent In­halt des Ver­tra­ges ge­wor­den (LG Ell­wan­gen, Urt. v. 13.06.2008 – 5 O 60/08, zit. bei Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 11. Aufl. [2012], Rn. 2793).

b) aa) Be­reits bei An­nah­me ei­ner blo­ßen Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung in Be­zug auf die durch den Ki­lo­me­ter­stand aus­ge­wie­se­ne Fahr­leis­tung ist das Fahr­zeug man­gel­be­haf­tet, weil der Ist­zu­stand der Kauf­sa­che vom Soll­zu­stand ab­weicht. Der Klä­ger hat näm­lich durch Vor­la­ge der „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ dar­ge­legt, dass das Fahr­zeug er­heb­lich mehr (et­wa 270.000 km) ge­lau­fen ist, als der Ki­lo­me­ter­stand auf dem Ta­cho aus­sag­te.

So­weit der Be­klag­te mit Nicht­wis­sen be­strei­tet, dass die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs in der vom Klä­ger be­schrie­be­nen Wei­se ma­ni­pu­liert wor­den sei, dass die „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ von Volks­wa­gen stam­me, sich auf das in Re­de ste­hen­de Fahr­zeug be­zie­he und die Ki­lo­me­ter­stän­de zu­tref­fend wie­der­ge­be, er­scheint dies der­zeit un­sub­stan­zi­iert und ist da­mit un­er­heb­lich. Ob die „Re­pa­ra­ti­ons­his­to­rik“ von Volks­wa­gen stammt, ist nicht von Be­lang; dass sie sich auf das ver­kauf­te Fahr­zeug be­zieht, er­gibt ein Ver­gleich der dort an­ge­ge­be­nen Fahr­zeu­gi­d­ent­num­mer mit der auf dem Kauf­ver­trag; die in den Rech­nun­gen vom 21.09.2011 und vom 30.09.2011 aus­ge­führ­ten Re­pa­ra­tu­ren sind dort mit Da­tum und Ki­lo­me­ter­stän­den (137.907 bzw. 137.981) tech­nisch auf­ge­zeich­net. Dem ist der Be­klag­te nicht hin­rei­chend ent­ge­gen­ge­tre­ten.

bb) So­weit der Kauf­ver­trag ei­nen Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ent­hält, gilt die­ser – zur Ver­mei­dung wi­der­sprüch­li­chen Ver­hal­tens (§ 242 BGB) – je­den­falls nicht für die an­ge­ge­be­ne Lauf­leis­tung (da­zu BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 2007, 1346 [1348]; Braun­schmidt/Ves­per, JuS 2011, 393). Ei­ne dies­be­züg­li­che Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung fällt we­der un­ter den Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss für nicht un­ter­such­te Un­fall­spu­ren bzw. an­de­re Män­gel noch un­ter den all­ge­mei­nen Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss („Die Ge­währ­leis­tung be­trägt: Kei­ne“).

2. Eben­falls nicht Er­folg ver­spre­chend ist die Rechts­ver­tei­di­gung des Be­klag­ten ge­gen den An­spruch auf Er­satz der Re­pa­ra­tur­kos­ten von 1.835 €, die der Klä­ger nach Rück­tritt als Rück­ge­währ­schuld­ner in Be­zug auf das Kraft­fahr­zeug un­ter dem As­pekt not­wen­di­ger Ver­wen­dun­gen aus § 347 II 1 BGB gel­tend ma­chen kann.

Ver­wen­dun­gen sind not­wen­dig, wenn sie zur Er­hal­tung oder ord­nungs­ge­mä­ßen Be­wirt­schaf­tung der Sa­che er­for­der­lich sind (MünchKomm-BGB/Gai­er, 6. Aufl. [2012], § 347 Rn. 19). Ein in­tak­tes Ge­trie­be ist für das ver­kehrs­si­che­re Be­we­gen des Fahr­zeugs im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr un­er­läss­lich, der dies­be­züg­li­che Re­pa­ra­tur­auf­wand, man­gels ge­gen­tei­li­ger An­halts­punk­te, im Rechts­sin­ne not­wen­dig.

3. Ge­gen die In­an­spruch­nah­me auf 575 € an Über­füh­rungs­kos­ten nach Dä­ne­mark kann sich der Be­klag­te aus­sichts­reich nur ver­tei­di­gen, wenn er die Fahr­leis­tung des VW Lu­po we­der schuld­haft un­rich­tig an­ge­ge­ben noch ga­ran­tiert hat.

a) Da­für, dass der Be­klag­te um die fal­sche Dar­stel­lung der Fahr­leis­tung durch den Ta­chostand wuss­te, be­steht kein An­halt.

b) Frag­lich kann dem­nach nur sein, ob aus ob­jek­ti­vier­ter Sicht des Klä­gers da­von aus­zu­ge­hen ist, dass der Be­klag­te im Sin­ne ei­ner Ga­ran­tie für den Ki­lo­me­ter­stand ein­ste­hen woll­te. Dies ist zu be­ja­hen.

aa) In der Ki­lo­me­ter­an­ga­be kann ei­ne Be­schaf­fen­heits­ga­ran­tie i. S. des § 444 Fall 2 BGB durch den Be­klag­ten als Ge­braucht­wa­gen­händ­ler lie­gen. Die Über­nah­me ei­ner Ga­ran­tie setzt – wie frü­her die Zu­si­che­rung ei­ner Ei­gen­schaft – vor­aus, dass der Ver­käu­fer in ver­trags­mä­ßig bin­den­der Wei­se die Ge­währ für das Vor­han­den­sein der ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit der Kauf­sa­che über­nimmt und da­mit sei­ne Be­reit­schaft zu er­ken­nen gibt, für al­le Fol­gen des Feh­lens die­ser Be­schaf­fen­heit ein­zu­ste­hen (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 1346 [1348]).

Die Fra­ge, ob die An­ga­be der Lauf­leis­tung le­dig­lich als Be­schaf­fen­heits­an­ga­be (§ 434 I 1 BGB) oder aber als Be­schaf­fen­heits­ga­ran­tie (§ 444 Fall 2 BGB) zu wer­ten ist, ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung der beim Ab­schluss ei­nes Kauf­ver­trags über ein Ge­braucht­fahr­zeug ty­pi­scher­wei­se ge­ge­be­nen In­ter­es­sen­la­ge zu be­ant­wor­ten (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 1346 [1348]). Han­delt es sich bei dem Ver­käu­fer um ei­nen Ge­brauch­wa­gen­händ­ler, so ist die In­ter­es­sen­la­ge ty­pi­scher­wei­se da­durch ge­kenn­zeich­net, dass der Käu­fer sich auf be­son­de­re, ihm in al­ler Re­gel feh­len­de Er­fah­rung und Sach­kun­de des Händ­lers ver­lässt. Er darf da­her dar­auf ver­trau­en, dass der Händ­ler für Er­klä­run­gen zur Be­schaf­fen­heit des Fahr­zeugs, die er in Kennt­nis die­ses Um­stands ab­gibt, die Rich­tig­keits­ge­währ über­nimmt (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 1346 [1348]). Der BGH hat des­halb zum bis 31.12.2001 gel­ten­den Kauf­recht ent­schie­den, der Kauf­in­ter­es­sent kön­ne und dür­fe den An­ga­ben des Ge­brauch­wa­gen­händ­lers über die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs be­son­de­res Ver­trau­en ent­ge­gen­brin­gen und da­von aus­ge­hen, der Händ­ler wol­le sich für die Ki­lo­me­ter­an­ga­be „stark ma­chen“, mit­hin zu­si­chern – in heu­ti­ger Ter­mi­no­lo­gie: ga­ran­tie­ren – dass die bis­he­ri­ge Lauf­leis­tung nicht we­sent­lich hö­her lie­ge als die an­ge­ge­be­ne; wol­le der Händ­ler für die von ihm an­ge­ge­be­ne Lauf­leis­tung nicht ein­ste­hen, so müs­se er dies ge­gen­über dem Käu­fer hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck brin­gen, in­dem er et­wa dar­auf hin­wei­se, dass er die Lauf­leis­tung nicht über­prüft ha­be (so BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 1346 [1348]). Ob an der Be­ur­tei­lung nach neu­em Recht fest­zu­hal­ten ist, hat der BGH aus­drück­lich of­fen­ge­las­sen (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, NJW 1346 [1348]).

Nach OLG Ros­tock (Urt. v. 11.07.2007 – 6 U 2/07, NJW 2007, 3290) kann in ei­ner beim Ge­braucht­wa­gen­kauf oh­ne Ein­schrän­kung oder Zu­sät­ze ab­ge­ge­be­nen Er­klä­rung des ge­werb­li­chen Ge­braucht­wa­gen­händ­lers zu ei­ner be­stimm­ten Ki­lo­me­ter­lauf­leis­tung des Fahr­zeugs die Über­nah­me ei­ner Be­schaf­fen­heits­ga­ran­tie lie­gen.

bb) Ob in Fäl­len wie dem vor­ge­nann­ten Fall stets von der Über­nah­me ei­ner Be­schaf­fen­heits­ga­ran­tie aus­zu­ge­hen ist, mag letzt­lich of­fen­blei­ben. Vor­lie­gend er­gibt ei­ne vor­zu­neh­men­de Wür­di­gung der Ge­samt­um­stän­de (vgl. da­zu Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 2594 f.) je­den­falls, dass dies der Fall ist.

Dass der be­klag­te Ver­käu­fer als Ge­braucht­wa­gen­händ­ler aus ob­jek­ti­vier­ter Sicht des Klä­gers un­ein­ge­schränkt für die Ki­lo­me­ter­leis­tung ein­ste­hen woll­te, er­gibt sich nicht zu­letzt aus des­sen durch die – ein­schrän­kungs­lo­se – An­ga­be des Stands do­ku­men­tier­tes In­ter­es­se an der Er­zie­lung ei­nes ent­spre­chen­den Kauf­prei­ses (vgl. Braun­schmidt/Ves­per, JuS 2011, 393 [396]). Hier kommt hin­zu, dass es sich um ei­nen In­ter­net­kauf han­delt, bei dem der Klä­ger als Käu­fer dem Be­klag­ten für die­sen er­kenn­bar nicht nur des­halb ein ge­stei­ger­tes Ver­trau­en ent­ge­gen­brach­te, weil er ge­werbs­mä­ßig mit Kraft­fahr­zeu­gen han­del­te und der Klä­ger da­her an­neh­men durf­te, dass der Be­klag­te ei­ne ent­spre­chen­de Er­fah­rung auf die­sem Ge­biet be­saß, son­dern ihm auch be­son­ders ver­trau­en muss­te, weil das Fahr­zeug be­reits zwei Hal­ter hat­te und für ihn, den Klä­ger, nicht die Mög­lich­keit be­stand, das Kfz da­hin zu un­ter­su­chen bzw. un­ter­su­chen zu las­sen, ob der Er­hal­tungs­zu­stand mit der an­ge­ge­be­nen Lauf­leis­tung in Ein­klang zu brin­gen war. An­de­rer­seits ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­klag­te als Ge­braucht­wa­gen­händ­ler um das all­ge­mei­ne Ri­si­ko ei­ner hö­he­ren Fahr­leis­tung als auf dem Ta­cho aus­ge­wie­sen wuss­te, eben­so um das be­son­de­re Ri­si­ko mit Blick auf die nicht be­kann­te Fahr­zeug­his­to­rie. Schließ­lich hat­te der Be­klag­te es in der Hand, mit mi­ni­ma­lem Auf­wand für ei­ne Klar­stel­lung zu sor­gen, in­dem er näm­lich der An­ga­be des Ta­chostan­des die Be­deu­tung ei­ner blo­ßen Wis­sens­er­klä­rung da­durch ver­lieh, dass er sie mit ei­nem klä­ren­den Zu­satz (lt. An­ga­ben des Vor­be­sit­zers, ab­ge­le­se­ner Ta­chostand etc.) ver­sah.

Der An­nah­me ei­ner ga­ran­tier­ten Be­schaf­fen­heit steht der Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nicht ent­ge­gen (§ 444 Fall 2 BGB).

4. So­weit der Klä­ger vor­ge­richt­li­che Rechts­an­walts­kos­ten (661,16 €) be­an­sprucht, sind die­se zwar nicht ver­zugs­be­dingt ent­stan­den (dem Schrei­ben vom 12.03.2012 – Auf­for­de­rung zur Su­che ei­ner Lö­sung – folg­te be­reits am 26.03.2012 die an­walt­li­che Rück­tritts­er­klä­rung mit nach­fol­gen­der Frist­set­zung), so­dass an sich die Er­folgs­aus­sicht der Rechts­ver­tei­di­gung des Be­klag­ten ge­gen die­sen An­spruch nicht von vorn­her­ein zu ver­nei­nen ist. Gleich­wohl ist dem Be­klag­ten auch in­so­weit Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach dem ge­gen­wär­ti­gen Stand nicht zu be­wil­li­gen, denn die dar­ge­stell­ten wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Be­kla­gen er­schei­nen nicht plau­si­bel …

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