1. Zu den An­for­de­run­gen an die sub­stan­zi­ier­te Dar­le­gung, dass ein – nicht von ei­nem sei­tens des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes an­ge­ord­ne­ten Rück­ruf be­trof­fe­nes – Kraft­fahr­zeug (hier: ein Mer­ce­des-Benz Vi­to mit ei­nem OM 651-Mo­tor) man­gel­haft ist, weil dar­in min­des­tens ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. von Art. 3 Nr. 10, 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 in­stal­liert sei.
  2. Wird bei ei­nem – hier mit ei­nem OM 651-Mo­tor aus­ge­stat­te­ten – Die­sel­fahr­zeug die Ab­gas­rück­füh­rung un­ter an­de­rem in Ab­hän­gig­keit von der Au­ßen­tem­pe­ra­tur ge­steu­ert („The­ro­mo­fens­ter“), dann ist in dem Fahr­zeug ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. von Art. 3 Nr. 10, 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 in­stal­liert. Dies hat zur Fol­ge, dass sich das Fahr­zeug nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB eig­net, weil die Ge­fahr ei­ner Be­triebs­be­schrän­kung oder -un­ter­sa­gung durch die für die Zu­las­sung zum Stra­ßen­ver­kehr zu­stän­di­ge Be­hör­de (§ 5 I FZV) be­steht und so­mit bei Ge­fahr­über­gang der wei­te­re (un­ge­stör­te) Be­trieb des Fahr­zeugs im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nicht ge­währ­leis­tet ist (vgl. BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 21 ff.).
  3. Dass ein von der Daim­ler AG in den Ver­kehr ge­brach­tes und ver­äu­ßer­tes Fahr­zeug – hier: ein Mer­ce­des-Benz Vi­to mit ei­nem OM 651-Mo­tor – über ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. von Art. 3 Nr. 10, 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 in Ge­stalt ei­ner un­ter an­de­rem tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Ab­gas­rück­füh­rung („Ther­mo­fens­ter“) ver­fügt, be­grün­det für sich ge­nom­men nicht oh­ne Wei­te­res den Vor­wurf, die Dai­mer AG ha­be den Käu­fer des Fahr­zeugs durch Ver­schwei­gen ei­nes Man­gels arg­lis­tig ge­täuscht (§ 123 I Fall 1, § 438 III 1 BGB) oder ihm gar in ei­ner ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­sto­ßen­den Wei­se vor­sätz­lich Scha­den zu­ge­fügt (§ 826 BGB).

LG Stutt­gart, Ur­teil vom 25.07.2019 – 30 O 34/19

Sach­ver­halt: Der Klä­ger be­gehrt die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kfz-Kauf­ver­trags.

Er kauf­te mit Ver­trag vom 29.03.2016 von der Be­klag­ten ei­nen von die­ser her­ge­stell­ten Neu­wa­gen (Mer­ce­des-Benz Vi­to) zum Preis von 45.815 €. Die­ses Fahr­zeug, das dem Klä­ger spä­tes­tens am 04.08.2016 über­ge­ben wur­de, ist mit ei­nem OM 651-Die­sel­mo­tor (Eu­ro 6) aus­ge­stat­tet. Zur Sen­kung der Stick­oxid(NOX)-Emis­sio­nen fin­det bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ei­ne Ab­gas­rück­füh­rung statt, das heißt, dass ein Teil des Ab­ga­ses in den An­sau­g­raum zu­rück­ge­führt wird und er­neut an der Ver­bren­nung teil­nimmt. Dar­über hin­aus kommt es bei dem Mer­ce­des-Benz Vi­to zu ei­ner se­lek­ti­ven ka­ta­ly­ti­schen Re­duk­ti­on (SCR), bei der NOX-Emis­sio­nen da­durch re­du­ziert wer­den, dass dem Ab­gas ei­ne wäss­ri­ge Harn­stoff­lö­sung (Ad­Blue®) bei­ge­mischt wird. Durch die so­dann aus­ge­lös­te che­mi­sche Re­ak­ti­on wer­den Stick­oxi­de im We­sent­li­chen zu Stick­stoff (N2) und Was­ser (H2O) ab­ge­baut.

Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt hat 2018 für ver­schie­de­ne von der Be­klag­ten her­ge­stell­te Fahr­zeu­ge we­gen ver­meint­lich un­zu­läs­si­ger Ab­schalt­ein­rich­tun­gen Rück­ru­fe an­ge­ord­net. Da­von be­trof­fen wa­ren nicht al­le mit ei­nem OM 622-, OM 626-, OM 624- oder OM 651-Die­sel­mo­tor (Eu­ro 6b) aus­ge­stat­te­ten Fahr­zeu­ge, son­dern nur be­stimm­te Bau­rei­hen. Das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ist nicht von ei­nem sol­chen Rück­ruf be­trof­fen.

Der Klä­ger be­haup­tet, in sei­nem Mer­ce­des-Benz Vi­to kä­men meh­re­re un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tun­gen zum Ein­satz. Zum ei­nen er­ken­ne das Fahr­zeug, ob es sich auf ei­nem tech­ni­schen Prüf­stand be­fin­de, und nur in ei­ner sol­chen Test­si­tua­ti­on kom­me es zu ei­ner Op­ti­mie­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes. So er­fol­ge et­wa die Re­ge­ne­ra­ti­on des SCR-Ka­ta­ly­sa­tors, der für ei­ne ef­fi­zi­en­te Ab­gas­rei­ni­gung er­for­der­lich sei, bei­na­he aus­schließ­lich in den ers­ten 20–25 Mi­nu­ten des Fahr­zeug­be­triebs, al­so in der Zeit, die üb­li­cher­wei­se für das Durch­fah­ren des Neu­en Eu­ro­päi­schen Fahr­zy­klus (NEFZ) be­nö­tigt wer­de. Zum an­de­ren sei die Mo­tor­steue­rung so op­ti­miert, dass bei Vor­lie­gen der NEFZ-Be­din­gun­gen (z. B. Tem­pe­ra­tur, Um­ge­bungs­druck, Dau­er) die emit­tier­ten Schad­stof­fe auf ein Mi­ni­mum re­du­ziert wür­den. Un­ter Be­din­gun­gen, die beim Re­al­be­trieb des Fahr­zeugs deut­lich häu­fi­ger vor­kä­men, emit­tie­re das Fahr­zeug er­heb­lich mehr Schad­stof­fe. Ins­be­son­de­re ver­fü­ge das Fahr­zeug über ein so­ge­nann­tes Ther­mo­fens­ter: Ei­ne voll­stän­di­ge Ab­gas­rei­ni­gung er­fol­ge nur bei Au­ßen­tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen zwi­schen 20 und 30 °C, wie sie beim Durch­fah­ren des Neu­en Eu­ro­päi­schen Fahr­zy­klus herr­schen müss­ten. Sei die Au­ßen­tem­pe­ra­tur nied­ri­ger, wer­de die Ab­gas­rei­ni­gung ver­rin­gert und ir­gend­wann so­gar ganz ab­ge­schal­tet.

Der Klä­ger ist da­von über­zeugt, dass zwi­schen­zeit­lich fest­ste­he, dass sämt­li­che zwi­schen 2006 und 2018 ver­kauf­ten Die­sel­fahr­zeu­ge die ein­schlä­gi­gen Eu­ro-5- bzw. Eu­ro-6-Emis­si­ons­grenz­wer­te beim re­gu­lä­ren Be­trieb im Stra­ßen­ver­kehr und auch dann nicht ein­hiel­ten, wenn sie auf ei­nem Prüf­stand ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­vier­ten, oh­ne dass da­bei ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung zum Ein­satz komme.​Verschie­de­ne Un­ter­su­chun­gen – so be­haup­tet der Klä­ger – be­leg­ten, dass die Be­klag­te il­le­ga­le Ab­schalt­ein­rich­tun­gen ver­wen­de. Es lie­ge auf der Hand, dass auch die Ver­ant­wort­li­chen der Be­klag­ten da­von ge­wusst und dies zu­min­dest ge­bil­ligt hät­ten, wenn sie nicht so­gar di­rekt den ent­spre­chen­den Auf­trag er­teilt hät­ten.

Er, der Klä­ger, sei von der Be­klag­ten dar­über ge­täuscht wor­den, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug die ein­schlä­gi­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te nur ein­hal­te, weil min­des­tens ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung am Werk sei. Hät­te er von der un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung Kennt­nis ge­habt, hät­te er das Fahr­zeug nicht er­wor­ben.

Un­ter dem 28.01.2019 er­klär­te der Klä­ger vor die­sem Hin­ter­grund ge­gen­über der Be­klag­ten die An­fech­tung we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung so­wie den Rück­tritt von dem mit der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Kfz-Kauf­ver­trag.

Die Be­klag­te hat die Ein­re­de der Ver­jäh­rung er­ho­ben. Sie be­haup­tet, das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug hal­te die ein­schlä­gi­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te ein. Die von dem Klä­ger an­ge­führ­ten Mess­er­geb­nis­se be­zö­gen sich auf Prüf­be­din­gun­gen, die von den ge­setz­lich nor­mier­ten Be­din­gun­gen ab­wi­chen und nicht den streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug­typ be­trä­fen. Das Fahr­zeug des Klä­gers sei nicht mit ei­ner Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware aus­ge­stat­tet, die be­wir­ke, dass die Ab­ga­se le­dig­lich für ei­ne ge­wis­se Dau­er oder Dis­tanz ge­rei­nigt wür­den, oder die le­dig­lich mit Blick auf das Typ­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ei­ne Schad­stoff­ar­mut vor­täu­sche, in­dem sie – wie of­fen­bar bei Die­sel­mo­to­ren der Volks­wa­gen AG – ei­ne Test­si­tua­ti­on er­ken­ne und dann die Ab­gas­rei­ni­gung in­ten­si­vie­re. Die tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung ha­be nichts mit ei­ner Ab­schalt­ein­rich­tung zu tun und hän­ge ins­be­son­de­re nicht da­von ab, dass ei­ne Test­si­tua­ti­on auf ei­nem Prüf­stand er­kannt wer­de. Bei re­la­tiv nied­ri­gen Au­ßen­tem­pe­ra­tu­ren sei die Ab­gas­rück­füh­rungs­ra­te be­trieb­spunkt­ab­hän­gig ge­rin­ger als bei hö­he­ren Tem­pe­ra­tu­ren, um das Ri­si­ko ei­ner Ver­sot­tung zu sen­ken. Dies sei zum Schutz des Mo­tors vor dau­er­haf­ten Schä­den bis hin zum to­ta­len Aus­fall not­wen­dig. Die Au­ßen­tem­pe­ra­tur sei nur ei­ner von vie­len Fak­to­ren, die bei der Steue­rung der Ab­gas­sys­te­me ei­ne Rol­le spie­len könn­ten. Da­bei sei die tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung bei kal­ter Um­ge­bungs­tem­pe­ra­tur In­dus­trie­stan­dard, um den be­schrie­be­nen Ge­fah­ren zu be­geg­nen. Sie, die Be­klag­te, ha­be in Typ­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren re­gel­mä­ßig An­ga­ben zur tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung ge­macht, oh­ne dass die Be­hör­de Ver­an­las­sung ge­se­hen hät­te, des­we­gen die Typ­ge­neh­mi­gung zu ver­wei­gern.

Die Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: Die Kla­ge ist un­be­grün­det, denn dem Klä­ger steht ein An­spruch auf ei­ne ir­gend­wie ge­ar­te­te Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags über das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug aus kei­nem recht­li­chen Grund zu. Zwar ver­füg­te das Fahr­zeug bei Ge­fahr­über­gang über ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung in Form ei­ner tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung. In­so­weit denk­ba­re ge­währ­leis­tungs­recht­li­che An­sprü­che nach den §§ 434 ff. BGB sind aber be­reits ver­jährt. Das blo­ße Vor­han­den­sein die­ses Sach­man­gels recht­fer­tigt we­der die An­nah­me, die Be­klag­te ha­be die­sen arg­lis­tig ver­schwie­gen, noch be­grün­det es ei­ne de­lik­ti­sche Haf­tung der Be­klag­ten nach § 823 II BGB oder gar § 826 BGB.

I. 1. Dem Klä­ger steht ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags nach § 437 Nr. 2 Fall 1, §§ 434 I, 323 I, 346, 348 BGB nicht zu. Der am 28.01.2019 er­klär­te Rück­tritt ist ge­mäß § 438 IV 1, § 218 I 1 BGB un­wirk­sam, weil der hier­auf be­zo­ge­ne Nach­er­fül­lungs­an­spruch zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­jährt war und sich die Be­klag­te auf Ver­jäh­rung be­ru­fen hat.

a) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten war das Fahr­zeug al­ler­dings bei Ge­fahr­über­gang (§ 446 Satz 1 BGB) man­gel­haft i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB. Bei der – un­strei­tig vor­han­de­nen – tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung han­delt es sich um ei­ne nach den ein­schlä­gi­gen uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung, auf­grund de­rer der wei­te­re (un­ge­stör­te) Be­trieb des Fahr­zeugs im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nicht hin­rei­chend ge­währ­leis­tet war und ist.

aa) Ab­ge­se­hen von die­ser tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung – wel­che die Be­klag­te im Grund­satz ein­ge­räumt hat – er­folgt das ge­sam­te wei­te­re Vor­brin­gen des Klä­gers zu im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ver­meint­lich vor­han­de­nen Ab­schalt­ein­rich­tun­gen, Prüf­stan­der­ken­nun­gen und sons­ti­ger „Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware“ al­ler­dings voll­stän­dig ins Blaue hin­ein und ist mit­hin nicht be­rück­sich­ti­gungs­fä­hig.

(1) Zwar ist ein Sach­vor­trag zur Be­grün­dung ei­nes An­spruchs be­reits dann schlüs­sig und er­heb­lich, wenn die Par­tei Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit ei­nem Rechts­satz ge­eig­net und er­for­der­lich sind, das gel­tend ge­mach­te Recht als in der Per­son der Par­tei ent­stan­den er­schei­nen zu las­sen. Da­bei ist die An­ga­be nä­he­rer Ein­zel­hei­ten nicht er­for­der­lich, so­weit die­se für die Rechts­fol­gen nicht von Be­deu­tung sind. Das Ge­richt muss nur in die La­ge ver­setzt wer­den, auf­grund des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei zu ent­schei­den, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für das Be­ste­hen des gel­tend ge­mach­ten Rechts vor­lie­gen. Sind die­se An­for­de­run­gen er­füllt, ist es Sa­che des Ge­richts, in die Be­weis­auf­nah­me ein­zu­tre­ten und da­bei ge­ge­be­nen­falls die be­nann­ten Zeu­gen oder die zu ver­neh­men­de Par­tei nach wei­te­ren Ein­zel­hei­ten zu be­fra­gen oder ei­nem Sach­ver­stän­di­gen die be­weis­er­heb­li­chen Streit­fra­gen zu un­ter­brei­ten (vgl. nur BGH, Urt. v. 29.02.2012 – VI­II ZR 155/11, NJW 2012, 1647 Rn. 16; Urt. v. 23.01.2015 – V ZR 107/13, ju­ris Rn. 18; Urt. v. 07.06.2018 – III ZR 210/17, WM 2018, 1252 Rn. 4; je­weils m. w. Nachw.).

Da­bei ist es für die Schlüs­sig­keit und Er­heb­lich­keit ei­nes Sach­vor­trags un­er­heb­lich, wie wahr­schein­lich die Dar­stel­lung ist und ob sie auf ei­ge­nem Wis­sen oder auf ei­ner Schluss­fol­ge­rung aus In­di­zi­en be­ruht (vgl. et­wa BGH, Urt. v. 24.02.2016 – VI­II ZR 38/15, NJW 2016, 2645 Rn. 52). Ei­ne Par­tei ist grund­sätz­lich nicht ge­hin­dert, Tat­sa­chen zu be­haup­ten, über die sie kei­ne ge­nau­en Kennt­nis­se hat, die sie aber nach La­ge der Din­ge für wahr­schein­lich hält. Et­was an­de­res gilt aber dann, wenn die be­haup­te­te Tat­sa­che so un­ge­nau be­zeich­net ist, dass ih­re Er­heb­lich­keit nicht be­ur­teilt wer­den kann, oder wenn sie oh­ne greif­ba­re An­halts­punk­te für das Vor­lie­gen ei­nes be­stimm­ten Sach­ver­halts will­kür­lich „aufs Ge­ra­te­wohl“ oder „ins Blaue hin­ein“ auf­ge­stellt wor­den ist, mit­hin aus der Luft ge­grif­fen ist und sich des­halb als Rechts­miss­brauch dar­stellt. Bei der An­nah­me von Will­kür in die­sem Sin­ne ist al­ler­dings Zu­rück­hal­tung ge­bo­ten. In der Re­gel wird sie nur bei Feh­len jeg­li­cher An­halts­punk­te vor­lie­gen (vgl. nur BGH, Urt. v. 08.05.2012 – XI ZR 262/10, BGHZ 193, 159 Rn. 40; Urt. v. 24.06.2014 – VI ZR 560/13, WM 2014, 1470 Rn. 36; Urt. v. 26.04.2018 – VII ZR 139/17, WM 2018, 1332 Rn. 34; je­weils m. w. Nachw.).

(2) Letz­te­res ist vor­lie­gend al­ler­dings der Fall. Die Aus­füh­run­gen des Klä­gers las­sen je­den greif­ba­ren An­halts­punkt da­für ver­mis­sen, dass sich die – mit vie­len Wor­ten be­schrie­be­nen – – Ab­schalt­ein­rich­tun­gen auch im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug be­fin­den könn­ten.

a) Das Fahr­zeug ist – was sich aus den klä­ge­ri­schen Aus­füh­run­gen zu­nächst nicht mit der hin­rei­chen­den Klar­heit er­schließt – un­strei­tig nicht von ei­nem der vom Kraft­fahrt-Bun­des­amt ge­gen­über der Be­klag­ten er­gan­ge­nen Rück­ruf­be­schei­de be­trof­fen. In Fäl­len, mit de­nen ent­spre­chen­de Män­gel un­mit­tel­bar von ei­nem sol­chen Rück­ruf be­trof­fe­ner Fahr­zeu­ge gel­tend ge­macht wer­den, be­ab­sich­tigt das Ge­richt – wie es vor­aus­sicht­lich in ent­spre­chen­den Ur­tei­len dem­nächst nä­her aus­füh­ren wird – von ei­ner tat­säch­li­chen Ver­mu­tung (vgl. hier­zu et­wa BGH, Urt. v. 06.10.2016 – I ZR 154/15, NJW 2017, 1961 Rn. 15 – Aft­er­li­fe) für das Vor­han­den­sein ei­ner (man­gel­be­grün­den­den) Ab­schalt­ein­rich­tung aus­zu­ge­hen. Ein sol­cher Sach­ver­halt ist vor­lie­gend in­des nicht ge­ge­ben.

(b) Al­lein der sehr um­fang­rei­che und tech­nisch in Tei­len durch­aus de­tail­lier­te Vor­trag ver­mag nichts dar­an zu än­dern, dass auch ein sol­ches Vor­brin­gen nur dann er­heb­lich ist, wenn es in Be­zug zum kon­kre­ten Streit­ge­gen­stand er­folgt. Dies ist nicht der Fall. Im Ge­gen­teil lässt der Klä­ger in wei­ten Tei­len of­fen er­ken­nen, dass er sei­ne Er­kennt­nis­se aus der Pres­se­be­richt­er­stat­tung zu – wenn über­haupt – an­de­ren Die­sel­fahr­zeu­gen be­zo­gen hat. Dies ist aber nicht aus­rei­chend. Der not­wen­di­ge Kon­nex zum streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug er­gibt sich nicht al­lein dar­aus, dass die­ses über ei­nen Die­sel­mo­tor ver­fügt oder dass die­ses von der Be­klag­ten her­ge­stellt wur­de.

(c) Auch der Um­stand, dass sich Mo­to­ren des Typs OM 651, wel­che die Be­klag­te be­reits seit über zehn Jah­ren her­stellt und ver­baut, in ei­ni­gen der vom Rück­ruf des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes im Jahr 2018 be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen be­fan­den, stellt für sich ge­nom­men kei­nen An­halts­punkt da­für dar, dass sich im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug – wel­ches eben­falls über ei­nen Mo­tor die­ses Typs ver­fügt – eben­falls ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung be­fin­den könn­te. Wei­te­re An­halts­punk­te dies­be­züg­lich ver­mag der Klä­ger nicht auf­zu­zei­gen. An­ders als beim Die­sel­mo­tor EA189 der Volks­wa­gen AG, bei dem auf­grund des ent­spre­chen­den Be­scheids des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes und den Ein­las­sun­gen der Volks­wa­gen AG hier­zu mög­li­cher­wei­se an­ge­nom­men wer­den könn­te, dass al­le Mo­to­ren die­ses Typs über ei­ne Prüf­stan­der­ken­nung und Ab­schalt­ein­rich­tung ver­fü­gen, gibt es hier­auf vor­lie­gend kei­ne sach­li­chen Hin­wei­se oder trag­fä­hi­gen Vor­trag des Klä­gers. Dass die­ser in wei­ten Tei­len sei­ner Schrift­sät­ze Er­kennt­nis­se im Zu­sam­men­hang mit der so­ge­nann­ten Ab­gas­af­fä­re beim VW-Kon­zern un­ver­än­dert auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt über­tra­gen möch­te, ver­mag wie­der­um ei­nen auf den kon­kre­ten Sach­ver­halt be­zo­ge­nen Vor­trag nicht zu er­set­zen.

(d) Will­kür­lich „aufs Ge­ra­te­wohl“ er­folgt auch die Be­haup­tung des Klä­gers, sämt­li­che zwi­schen 2006 und 2018 ver­kauf­ten Die­sel­fahr­zeu­ge der Be­klag­ten hiel­ten die Grenz­wer­te nach Eu­ro 5 bzw. Eu­ro 6 nicht ein. So­weit er sich da­für auf Be­rich­te der Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on „Volks­wa­gen“, Mes­sun­gen der Deut­schen Um­welt­hil­fe so­wie Un­ter­su­chun­gen des Bun­des­um­welt­am­tes be­zieht, zeigt er an kei­ner Stel­le auf, in­wie­weit der von ihm er­wor­be­ne Fahr­zeug­typ über­haupt Ge­gen­stand die­ser ge­we­sen sei. Über­dies be­haup­tet auch der Klä­ger nicht, dass die im Rah­men des Test­ver­fah­rens NEFZ zu­grun­de ge­leg­ten Be­din­gun­gen (un­ter an­de­rem auf kli­ma­ti­sier­ten Ab­gas-Rol­len­prüf­stän­den) de­nen des rea­len Be­triebs – wel­cher dies im Ein­zel­nen auch sein mag – ent­spre­chen (auf die nun­mehr zu­grun­de zu le­gen­den RDE-Be­din­gun­gen kam es für die Typ­ge­neh­mi­gung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs noch nicht an). Mit­hin ge­ben die vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­nen Ab­gas­wer­te – zu­mal sie an­de­re Fahr­zeug­ty­pen be­tref­fen – kei­ne hin­rei­chen­den An­halts­punk­te für das Vor­lie­gen der be­haup­te­ten Ab­schalt­ein­rich­tun­gen und Prüf­stan­der­ken­nun­gen.

(e) So­weit der Klä­ger das Vor­han­den­sein von Ab­schalt­ein­rich­tun­gen aus ei­nem von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­nen Up­date im Rah­men ei­ner „frei­wil­li­gen Kun­den­maß­nah­me“ ab­lei­ten möch­te – wo­bei sei­nen Aus­füh­run­gen be­reits nicht zu ent­neh­men ist, ob auch für das streit­be­fan­ge­ne Fahr­zeug ein sol­ches an­ge­bo­ten wur­de – han­delt es sich eben­falls um ei­ne aus der Luft ge­grif­fe­ne Ver­mu­tung. Die Be­haup­tung, die Be­klag­te ha­be in­so­weit nur ei­ner zwin­gen­den An­ord­nung des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes zu­vor­kom­men wol­len, er­scheint man­gels nä­he­rer Be­grün­dung eben­falls als blo­ße Spe­ku­la­ti­on (vgl. zum Gan­zen et­wa auch OLG Ko­blenz, Urt. v. 18.06.2019 – 3 U 416/19, ju­ris Rn. 34).

bb) Et­was an­de­res gilt in­des hin­sicht­lich der tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung. Denn in­so­weit ist es je­den­falls nach dem Vor­trag der Be­klag­ten un­strei­tig, dass die Steue­rung des Ab­gas­sys­tems in Ab­hän­gig­keit von der Au­ßen­tem­pe­ra­tur er­folgt. Hier­bei han­delt es sich um ei­ne Ab­schalt­vor­rich­tung, die nach Art. 5 II 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20.06.2007 über die Typ­ge­neh­mi­gung von Kraft­fahr­zeu­gen hin­sicht­lich der Emis­sio­nen von leich­ten Per­so­nen­kraft­wa­gen und Nutz­fahr­zeu­gen (Eu­ro 5 und Eu­ro 6) und über den Zu­gang zu Re­pa­ra­tur- und War­tungs­in­for­ma­tio­nen für Fahr­zeu­ge (ABl. 2007 L 171, 1) un­zu­läs­sig ist und auf­grund de­rer das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug bei Ge­fahr­über­gang sich nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­ne­te (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB).

(1) Wie der BGH in sei­nem Hin­weis­be­schluss vom 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 11 – her­aus­ge­ar­bei­tet hat, sieht die Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 die Ver­wen­dung von Ab­schalt­ein­rich­tun­gen, die die Wir­kung von Emis­si­ons­kon­troll­sys­te­men ver­rin­gern, strikt als un­zu­läs­sig an (Art. 5 II 1), so­fern nicht die aus­drück­lich nor­mier­ten Aus­nah­me­tat­be­stän­de (Art. 5 II 2) grei­fen (vgl. auch Deut­scher Bun­des­tag [Wis­sen­schaft­li­che Diens­te], Ab­schalt­ein­rich­tun­gen in Per­so­nen­kraft­wa­gen. Zur Reich­wei­te des Ver­bots nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007, WD 7 – 3000 – 031/16, S. 12). Da­bei ist ei­ne „Ab­schalt­ein­rich­tung“ ge­mäß Art. 3 Nr. 10 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 de­fi­niert als je­des

„Kon­struk­ti­ons­teil, das die Tem­pe­ra­tur, die Fahr­zeug­ge­schwin­dig­keit, die Mo­tor­dreh­zahl (UpM), den ein­ge­leg­ten Ge­trie­be­gang, den Un­ter­druck im Ein­lass­krüm­mer oder sons­ti­ge Pa­ra­me­ter er­mit­telt, um die Funk­ti­on ei­nes be­lie­bi­gen Teils des Emis­si­ons­kon­troll­sys­tems zu ak­ti­vie­ren, zu ver­än­dern, zu ver­zö­gern oder zu de­ak­ti­vie­ren, wo­durch die Wirk­sam­keit des Emis­si­ons­kon­troll­sys­tems un­ter Be­din­gun­gen, die bei nor­ma­lem Fahr­zeug­be­trieb ver­nünf­ti­ger­wei­se zu er­war­ten sind, ver­rin­gert wird“.

Aus­ge­hend von die­ser weit­ge­fass­ten Be­stim­mung (so aus­drück­lich BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 12) han­delt es sich auch bei der tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung um ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007. Dies gilt be­reits oh­ne Be­rück­sich­ti­gung des – in­so­weit wie­der­um ins Blaue hin­ein er­folg­ten – Vor­brin­gens des Klä­gers in­so­weit. Denn die Be­klag­te hat ein­ge­räumt, dass im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug der Um­fang der Ab­gas­rück­füh­rung und der Ab­gas­rei­ni­gung in Ab­hän­gig­keit (un­ter an­de­rem) von der Au­ßen­tem­pe­ra­tur ge­steu­ert wird, mit­hin nach Er­mitt­lung der Tem­pe­ra­tur die Funk­ti­on des Emis­si­ons­kon­troll­sys­tems ver­än­dert wird und da­durch des­sen Wirk­sam­keit (auch) bei nor­ma­lem Fahr­zeug­be­trieb ver­rin­gert wird.

Auch sind die er­for­der­li­chen en­gen Vor­aus­set­zun­gen (so wie­der­um aus­drück­lich BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 13), un­ter de­nen Art. 5 II 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 in be­stimm­ten Fäl­len die Ver­wen­dung von Ab­schalt­ein­rich­tun­gen ge­stat­tet, vor­lie­gend nicht ge­ge­ben. Die Be­klag­te kann sich na­ment­lich nicht auf die Aus­nah­me des § 5 II 2 lit. a der Ver­ord­nung be­ru­fen, nach wel­cher die Ver­wen­dung von Ab­schalt­ein­rich­tun­gen aus­nahms­wei­se zu­läs­sig ist, wenn „die Ein­rich­tung not­wen­dig ist, um den Mo­tor vor Be­schä­di­gung oder Un­fall zu schüt­zen und um den si­che­ren Be­trieb des Fahr­zeugs zu ge­währ­leis­ten“. Denn an­ge­sichts des vom Ver­ord­nungs­ge­setz­ge­ber of­fen­kun­dig be­wusst weit ge­fass­ten Ver­bots von Ab­schalt­ein­rich­tun­gen, wel­ches fol­ge­rich­tig mit eng ge­hal­te­nen Aus­nah­me­tat­be­stän­den aus­ge­stat­tet wor­den ist, lässt sich be­reits dem Ver­ord­nungs­text un­mit­tel­bar ent­neh­men, dass den Her­stel­lern mit die­ser Aus­nah­me le­dig­lich ge­stat­tet wer­den soll, auf punk­tu­ell ein­tre­ten­de – nicht dem Nor­mal­ver­lauf ent­spre­chen­de – Er­eig­nis­se (wie et­wa auf den aus­drück­lich er­wähn­ten Un­fall) zu re­agie­ren, da in die­sem Fall aus­nahms­wei­se die mit der Ver­ord­nung ver­folg­ten Re­ge­lungs­zie­le zu­rück­zu­tre­ten ha­ben. Hier­un­ter fällt aber von vorn­her­ein nicht ei­ne sol­che Kon­struk­ti­on von Fahr­zeug und Emis­si­ons­kon­troll­sys­tem, bei der die Ab­schalt­ein­rich­tung so in­te­griert ist, dass sie – wenn auch nur in be­stimm­ten Tem­pe­ra­tur­be­rei­chen – fes­ter Be­stand­teil der­sel­ben ist und da­mit zu­min­dest teil­wei­se zum Nor­mal­be­trieb ge­hört (vgl. auch Deut­scher Bun­des­tag [Wis­sen­schaft­li­che Diens­te], a. a. O., S. 13 ff. und S. 16 f.). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der von der Be­klag­ten kon­stru­ier­te Mo­tor auf­grund von Ver­sot­tungs­ge­fah­ren und an­de­rem oh­ne ei­ne sol­che Ab­schalt­ein­rich­tung mög­li­cher­wei­se nicht im Dau­er­be­trieb funk­ti­ons­fä­hig ist oder ob die Ver­wen­dung ei­ner sol­chen tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung „In­dus­trie­stan­dard“ war oder ist. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat die Typ­ge­neh­mi­gung von Neu­wa­gen mit der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 an be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft, und da­bei aus­weis­lich der Er­wä­gungs­grün­de in Kauf ge­nom­men bzw. mög­li­cher­wei­se so­gar be­ab­sich­tigt, dass die­se mit (ge­wich­ti­gen) Ver­än­de­run­gen an den bis­he­ri­gen Mo­tor­kon­struk­tio­nen ein­her­ge­hen könn­ten.

(2) In­fol­ge der nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 un­zu­läs­si­ger­wei­se im Fahr­zeug des Klä­gers in­stal­lier­ten Ab­schalt­ein­rich­tung war der wei­te­re (un­ge­stör­te) Be­trieb des Fahr­zeugs des Klä­gers im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr be­reits bei Ge­fahr­über­gang nicht ge­währ­leis­tet und eig­ne­te sich das Fahr­zeug so­mit nicht zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung i. S. von § 434 I 2 Nr 2 BGB.

Denn nach § 5 I FZV kann die zu­stän­di­ge Zu­las­sungs­be­hör­de in Fäl­len, in de­nen sich ein Fahr­zeug als nicht vor­schrifts­mä­ßig nach der Fahr­zeug-Zu­las­sungs­ver­ord­nung er­weist, dem Ei­gen­tü­mer oder Hal­ter ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Be­sei­ti­gung der Män­gel set­zen oder den Be­trieb des Fahr­zeugs auf öf­fent­li­chen Stra­ßen be­schrän­ken oder un­ter­sa­gen. Als „nicht vor­schrifts­mä­ßig“ kom­men da­bei ins­be­son­de­re auch sol­che Fahr­zeu­ge in Be­tracht, die mit ei­ner nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung ver­se­hen sind (vgl. aus­führ­lich BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 17 ff. m. w. Nachw.). Da­bei hat der BGH her­vor­ge­ho­ben, dass die­se la­ten­te Ge­fahr ei­ner Be­triebs­un­ter­sa­gung nicht erst bei ei­ner be­reits er­folg­ten Um­rüs­tungs­an­ord­nung der zu­stän­di­gen Typ­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de, son­dern auch be­reits in den Fäl­len be­steht, in de­nen die zu­stän­di­ge EG-Typ­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de ei­ne ent­spre­chen­de Maß­nah­me ge­gen­über dem Her­stel­ler noch nicht ge­for­dert bzw. noch nicht ihr Ein­ver­ständ­nis mit ei­nem sol­chen Vor­ge­hen er­klärt hat. Denn auch dann liegt im An­satz be­reits ein Sach­ver­halt („Man­gel­an­la­ge“/Grund­man­gel) vor, der – ge­ge­be­nen­falls in Ver­bin­dung mit wei­te­ren Um­stän­den (vor al­lem Ent­schei­dung/Äu­ße­rung der zu­stän­di­gen Typ­ge­neh­mi­gungs­be­hör­de) – da­zu füh­ren kann, dass die deut­sche Zu­las­sungs­be­hör­de ei­ne Be­triebs­un­ter­sa­gung oder -be­schrän­kung nach § 5 I FZV vor­nimmt, weil das Fahr­zeug we­gen der ge­gen Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 ver­sto­ßen­den Ab­schalt­ein­rich­tung nicht dem ge­neh­mig­ten Typ (§ 3 I 2 FZV) ent­spricht (s. zum Gan­zen BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 20).

Die­se la­tent be­ste­hen­de Ge­fahr ei­ner Be­triebs­un­ter­sa­gung oder -be­schrän­kung durch die Zu­las­sungs­be­hör­de hat aus kauf­recht­li­cher Sicht zur Fol­ge, dass bei den be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen die Eig­nung für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB fehlt. Ei­ne ent­spre­chen­de Eig­nung ist ei­ner Kauf­sa­che nicht erst dann ab­zu­spre­chen, wenn ih­re Taug­lich­keit ganz auf­ge­ho­ben ist, son­dern be­reits dann, wenn ih­re Eig­nung her­ab­ge­setzt ist (vgl. BGH, Urt. v. 26.04.2017 – VI­II ZR 80/16, NJW 2017, 1624 Rn. 18 m. w. Nachw.; Urt. v. 26.10.2016 – VI­II ZR 240/15, NJW 2017, 153 Rn. 15 f.).

Auch der Käu­fer ei­nes mit ei­ner tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung aus­ge­stat­te­ten Kraft­fahr­zeugs muss – auch wenn das Kraft­fahrt-Bun­des­amt bis­lang (je­den­falls so­weit er­kenn­bar) der­ar­ti­ge Vor­keh­run­gen noch nicht zum An­lass ge­nom­men zu ha­ben scheint, Her­stel­ler zu ei­nem Rück­ruf be­trof­fe­ner Fahr­zeu­ge auf­zu­for­dern – je­der­zeit da­mit rech­nen, es auf­grund be­hörd­li­cher An­ord­nung nicht mehr im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nut­zen zu dür­fen. Dies gilt un­ab­hän­gig da­von, ob die im je­wei­li­gen Ein­zel­fall zu­stän­di­ge Zu­las­sungs­be­hör­de be­reits ei­ne ent­spre­chen­de Be­triebs­un­ter­sa­gung nach § 5 I FZV aus­ge­spro­chen hat oder ei­ne sol­che – wie auch vor­lie­gend – bis­lang un­ter­blie­ben ist (s. BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 22). Denn die den Käu­fer an der ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung hin­dern­de Be­schaf­fen­heit liegt nicht erst in der be­hörd­lich ver­füg­ten Un­ter­sa­gung des Be­triebs, son­dern be­reits in der durch die un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung her­vor­ge­ru­fe­nen Mög­lich­keit ei­nes ent­spre­chen­den be­hörd­li­chen Ein­grei­fens (vgl. BGH, Urt. v. 18.01.2017 – VI­II ZR 234/15, NJW 2017, 1666 Rn. 21 f., 28; Urt. v. 11.12.1991 – V ZR 204/91, NJW-RR 1993, 396 un­ter II 2; je­weils zum Rechts­man­gel).

Da sich das Fahr­zeug des Klä­gers so­mit seit Ge­fahr­über­gang we­gen (la­tent) dro­hen­der Be­triebs­un­ter­sa­gung nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­ne­te, war es un­ab­hän­gig da­von man­gel­haft i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB, ob es die üb­li­che Be­schaf­fen­heit auf­wies, die – was die Be­klag­te mit ih­rem Ver­weis auf den gän­gi­gen „In­dus­trie­stan­dard“ mög­li­cher­wei­se ein­zu­wen­den ver­sucht – bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach Art der Sa­che er­war­ten konn­te. Denn die in der ge­nann­ten Vor­schrift ge­nann­ten Merk­ma­le der Sa­che (Ver­wen­dungs­eig­nung und üb­li­che Be­schaf­fen­heit) müs­sen ku­mu­la­tiv vor­lie­gen, da­mit die Sa­che frei von Sach­män­geln ist (BGH, Urt. v. 30.11.2012 – V ZR 25/12, NJW 2013, 1671 Rn. 13 m. w. Nachw.). Da­von ab­ge­se­hen fehl­te dem Fahr­zeug auch die üb­li­che Be­schaf­fen­heit, die der Klä­ger aus ob­jek­ti­ver Sicht er­war­ten durf­te. Wenn die Kauf­sa­che – wie hier – nicht zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung ge­eig­net ist, weist sie auch nicht die üb­li­che Be­schaf­fen­heit auf (Stau­din­ger/Ma­tu­sche-Beck­mann, BGB, Neu­be­arb. 2014, § 434 Rn. 89). Dies gilt auch im Fal­le ei­ner un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung. Denn der Käu­fer ei­nes Fahr­zeugs kann un­ab­hän­gig da­von, wie weit ver­brei­tet ei­ne sol­che Vor­rich­tung ist, be­rech­tig­ter­wei­se er­war­ten, dass das Fahr­zeug ent­we­der zu Recht zu­ge­las­sen oder zu­las­sungs­fä­hig ist (vgl. BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133 Rn. 23 m. w. Nachw.).

b) Trotz­dem das Fahr­zeug mit­hin in­fol­ge der ver­bau­ten tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung man­gel­haft war, ist der vom Klä­ger er­klär­te Rück­tritt ge­mäß § 438 IV 1, § 218 I 1 BGB un­wirk­sam, weil der hier­auf be­zo­ge­ne Nach­er­fül­lungs­an­spruch zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­jährt war und sich die Be­klag­te auf Ver­jäh­rung be­ru­fen hat.

aa) Der Nach­er­fül­lungs­an­spruch des Klä­gers ver­jähr­te nach § 438 I Nr. 3, II BGB in zwei Jah­ren ab Ab­lie­fe­rung der Sa­che. Dem Klä­ger wur­de das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug spä­tes­tens am 04.08.2016 über­ge­ben, so­dass der Nach­er­fül­lungs­an­spruch mit Ab­lauf des 04.08.2018 ver­jährt war. Da die Be­klag­te sich auf Ver­jäh­rung be­ru­fen hat, war der erst nach Ver­jäh­rungs­ein­tritt er­klär­te Rück­tritt mit­hin ge­mäß § 218 I 1 BGB un­wirk­sam.

bb) Zwar ver­jäh­ren die An­sprü­che ab­wei­chend von § 438 I Nr. 3, II BGB in der re­gel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist, wenn der Ver­käu­fer den be­tref­fen­den Man­gel arg­lis­tig ver­schwie­gen hat (§ 438 III 1 BGB). Ein sol­ches Ver­hal­ten der Be­klag­ten ist aber be­tref­fend die im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ver­bau­te tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung nicht fest­stell­bar.

(1) Arg­list setzt nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH zu­min­dest Even­tual­vor­satz vor­aus; leicht­fer­ti­ge oder grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis ge­nügt da­ge­gen nicht. Ein arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen ist da­nach nur ge­ge­ben, wenn der Ver­käu­fer den Man­gel kennt oder ihn zu­min­dest für mög­lich hält und zu­gleich weiß oder doch da­mit rech­net und bil­li­gend in Kauf nimmt, dass der Käu­fer den Man­gel nicht kennt und bei Of­fen­ba­rung den Ver­trag nicht oder nicht mit dem ver­ein­bar­ten In­halt ge­schlos­sen hät­te. Da­ge­gen ge­nügt es nicht, wenn sich dem Ver­käu­fer das Vor­lie­gen auf­klä­rungs­pflich­ti­ger Tat­sa­chen hät­te auf­drän­gen müs­sen, weil dann die Arg­list vom Vor­satz ab­ge­kop­pelt und der Sa­che nach durch leicht­fer­ti­ge oder grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis er­setzt wür­de. Da­bei hat der BGH auch be­reits ent­schie­den, dass selbst ein be­wuss­tes Sich­ver­schlie­ßen nicht den An­for­de­run­gen ge­nügt, die an die Arg­list zu stel­len sind (vgl. zum Gan­zen BGH, Urt. v. 22.04.2016 – V ZR 23/15, NJW 2017, 150 Rn. 21; Urt. v. 12.04.2013 – V ZR 266/11, NJW 2013, 2182 Rn. 12 ff.; Urt. v. 07.03.2003 – V ZR 437/01, NJW-RR 2003, 989, 990). Er­for­der­lich ist die Kennt­nis der den Man­gel be­grün­den­den Um­stän­de zu­min­dest in der Form des Even­tual­vor­sat­zes. Die­se Kennt­nis muss fest­ge­stellt wer­den; sie kann nicht durch wer­ten­de Über­le­gun­gen er­setzt wer­den. Liegt ei­ne sol­che Kennt­nis vor, ist es al­ler­dings un­er­heb­lich, ob der Käu­fer dar­aus den Schluss auf ei­nen Man­gel im Rechts­sin­ne (§ 434 I BGB) zieht (vgl. BGH, Urt. v. 22.04.2016 – V ZR 23/15, NJW 2017, 150 Rn. 21; Urt. v. 12.04.2013 – V ZR 266/11, NJW 2013, 2182 Rn. 14).

(2) Ge­mes­sen dar­an hat die Be­klag­te dem Klä­ger ge­gen­über den im Fahr­zeug be­reits bei Ge­fahr­über­gang vor­han­de­nen Sach­man­gel nicht arg­lis­tig ver­schwie­gen.

Zwar wird oh­ne Wei­te­res da­von aus­zu­ge­hen sein, dass die Be­klag­te um die den Man­gel be­grün­den­den Um­stän­de in­so­weit wuss­te, als es um das Vor­lie­gen der im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ver­bau­ten tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung geht. Al­lein das Vor­lie­gen ei­ner un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. von Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007/EG als sol­ches ist je­doch – wie der BGH aus­drück­lich aus­ge­führt hat (Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, NJW 2019, 1133) – nicht aus­rei­chend für das Vor­lie­gen ei­nes Sach­man­gels i. S. von § 434 I BGB. Hin­zu­tre­ten muss viel­mehr der wei­te­re Um­stand, dass auf­grund des­sen der wei­te­re (un­ge­stör­te) Be­trieb des Fahr­zeugs des Klä­gers im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr nicht ge­währ­leis­tet ist und sich das Fahr­zeug so­mit nicht zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB eig­net. Auch hier­auf muss sich mit­hin die – vom Klä­ger dar­zu­le­gen­de – Kennt­nis der Be­klag­ten (zu­min­dest in Form des Even­tual­vor­sat­zes) be­zo­gen ha­ben, um zur An­nah­me ei­nes arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens ei­nes auf­klä­rungs­be­dürf­ti­gen Sach­man­gels ge­lan­gen zu kön­nen. Hier­von ist auf Grund­la­ge des fest­stell­ba­ren Sach­ver­halts vor­lie­gend je­doch nicht aus­zu­ge­hen.

Die Be­klag­te hat – letzt­lich un­wi­der­spro­chen – er­klärt, dass die tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung bei kal­ter Um­ge­bungs­tem­pe­ra­tur „In­dus­trie­stan­dard“ sei, um den be­schrie­be­nen Ge­fah­ren zu be­geg­nen. Auch ha­be sie in den EG-Typ­ge­neh­mi­gungs­un­ter­la­gen der Sys­tem­ge­neh­mi­gung Ab­gas re­gel­mä­ßig An­ga­ben zur tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung ge­macht, oh­ne dass das Kraft­fahrt-Bun­des­amt Ver­an­las­sung ge­se­hen ha­be, des­we­gen die Typ­ge­neh­mi­gung zu ver­wei­gern. Wie be­reits er­läu­tert, lässt zwar kei­ner der vor­ge­nann­ten Um­stän­de das Vor­lie­gen ei­nes Sach­man­gels ent­fal­len. Al­ler­dings sind sie für die sub­jek­ti­ve Sei­te des Ver­hal­tens der Be­klag­ten von we­sent­li­cher Be­deu­tung. Denn aus­ge­hend hier­von kann – je­den­falls oh­ne ge­gen­tei­li­ge An­halts­punk­te – nicht zu­las­ten der Be­klag­ten an­ge­nom­men wer­den, dass sie bil­li­gend in Kauf ge­nom­men ha­be, den Käu­fern von mit tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­run­gen ver­se­he­nen Fahr­zeu­gen kön­ne aus die­sem Grund ei­ne Be­triebs­un­ter­sa­gung dro­hen.

Das Vor­brin­gen des Klä­gers ent­hält dem­ge­gen­über kei­ne be­last­ba­ren An­halts­punk­te für ein arg­lis­ti­ges Ver­hal­ten der Be­klag­ten. Er be­schränkt sich viel­mehr auch in­so­weit auf pau­scha­le und nicht be­leg­te Be­haup­tun­gen, wo­nach die Be­klag­te be­wusst un­rich­ti­ge An­ga­ben zu den Schad­stoff­emis­sio­nen des streit­ge­gen­ständ­li­chen Mo­tors ge­macht ha­be, um das Ge­schäft mit „um­welt­freund­li­chen“ Fahr­zeu­gen zu för­dern. Ge­ra­de weil § 438 III 1 BGB bei Ein­grei­fen ei­ne deut­li­che Haf­tungs­ver­schär­fung des Ver­käu­fers zur Fol­ge hat, ist den ma­te­ri­ell-recht­li­chen wie zi­vil­pro­zes­sua­len Dar­le­gungs- und Be­weis­last­re­geln aber be­son­de­re Be­ach­tung zu schen­ken. Fol­ge­rich­tig hebt auch der BGH im­mer wie­der her­vor, dass die die Arg­list des Ver­käu­fers be­grün­den­den Um­stän­de der Käu­fer be­wei­sen und nicht der Ver­käu­fer sie aus­räu­men muss (et­wa BGH, Urt. v. 07.03.2003 – V ZR 437/01, NJW-RR 2003, 989, 990 m. w. Nachw.). Dies ist dem Klä­ger vor­lie­gend aber nicht ge­lun­gen.

2. Hier­an an­knüp­fend steht dem Klä­ger auch der auf Er­stat­tung des für den Er­werb des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs ge­zahl­ten Kauf­prei­ses, Zug um Zug ge­gen die Rück­über­eig­nung die­ses Fahr­zeugs, ge­rich­te­te Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 823 II BGB i. V. mit § 263 StGB nicht zu. Es fehlt (un­ter an­de­rem) be­reits an hin­rei­chen­dem Vor­brin­gen zu ei­ner be­wuss­ten Täu­schung der Be­klag­ten ge­gen­über dem Klä­ger und zu ei­nem zu­min­dest be­ding­ten Vor­satz hin­sicht­lich der Rechts­wid­rig­keit ei­ner hier­aus re­sul­tie­ren­den Be­rei­che­rung. Auch in­so­weit ist es aus den so­eben aus­ge­führ­ten Grün­den nicht aus­rei­chend, dass die Be­klag­te wuss­te, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug mit ei­ner tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung ver­se­hen war und es sich da­bei um ei­ne nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung han­del­te.

3. Eben­so we­nig er­gibt sich ein ent­spre­chen­der de­lik­ti­scher Er­satz­an­spruch aus § 823 II BGB i. V. mit den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007/EG, der Richt­li­nie 2007/46/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 05.09.2007 zur Schaf­fung ei­nes Rah­mens für die Ge­neh­mi­gung von Kraft­fahr­zeu­gen und Kraft­fahr­zeug­an­hän­gern so­wie von Sys­te­men, Bau­tei­len und selbst­stän­di­gen tech­ni­schen Ein­hei­ten für die­se Fahr­zeu­ge (ABl. 2007 L 263, 1; Rah­men­richt­li­nie) oder den Be­stim­mun­gen der die­se Richt­li­nie in na­tio­na­les Recht um­set­zen­den EG-Fahr­zeug­ge­neh­mi­gungs­ver­ord­nung vom 03.02.2011 (BGBl. 2011 I, 126), na­ment­lich de­ren § 6 I und § 27 I. Denn al­len den ge­nann­ten Vor­schrif­ten fehlt be­reits der Schutz­ge­setz­cha­rak­ter, der not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung der Ver­mö­gens­scha­dens­haf­tung nach § 823 II BGB ist.

a) Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH ist ein Schutz­ge­setz i. S. § 823 II BGB nur ei­ne sol­che Rechts­norm, die nach Zweck und In­halt zu­min­dest auch da­zu die­nen soll, den Ein­zel­nen oder ein­zel­ne Per­so­nen­krei­se ge­gen die Ver­let­zung ei­nes be­stimm­ten Rechts­guts zu schüt­zen. Da­für kommt es nicht auf die Wir­kung, son­dern auf In­halt und Zweck des Ge­set­zes so­wie dar­auf an, ob der Ge­setz­ge­ber bei Er­lass des Ge­set­zes ge­ra­de ei­nen Rechts­schutz, wie er we­gen der be­haup­te­ten Ver­let­zung in An­spruch ge­nom­men wird, zu­guns­ten von Ein­zel­per­so­nen oder be­stimm­ten Per­so­nen­krei­sen ge­wollt oder doch mit ge­wollt hat. Es ge­nügt, dass die Norm auch das in­fra­ge ste­hen­de In­ter­es­se des Ein­zel­nen schüt­zen soll, mag sie auch in ers­ter Li­nie das In­ter­es­se der All­ge­mein­heit im Au­ge ha­ben. An­de­rer­seits soll – was der BGH stets be­tont – der An­wen­dungs­be­reich von Schutz­ge­set­zen nicht aus­ufern. Des­halb reicht es ge­ra­de nicht aus, dass der In­di­vi­du­al­schutz durch Be­fol­gung der Norm als ihr Re­flex ob­jek­tiv er­reicht wer­den kann; er muss viel­mehr im Auf­ga­ben­be­reich der Norm lie­gen (s. zum Gan­zen et­wa BGH, Urt. v. 14.05.2013 – VI ZR 255/11, BGHZ 197, 225 Rn. 7; Urt. v. 13.03.2018 – VI ZR 143/17, BGHZ 218, 96 Rn. 27; je­weils m. w. Nachw.). Die Schaf­fung ei­nes in­di­vi­du­el­len Scha­dens­er­satz­an­spruchs muss da­bei nach Auf­fas­sung des BGH sinn­voll und im Lich­te des haf­tungs­recht­li­chen Ge­samt­sys­tems trag­bar er­schei­nen, wo­bei in um­fas­sen­der Wür­di­gung des ge­sam­ten Re­ge­lungs­zu­sam­men­hangs, in den die Norm ge­stellt ist, ge­prüft wer­den muss, ob es in der Ten­denz des Ge­setz­ge­bers lie­gen konn­te, an die Ver­let­zung des ge­schütz­ten In­ter­es­ses die de­lik­ti­sche Ein­stands­pflicht des da­ge­gen Ver­sto­ßen­den mit al­len da­mit ge­ge­be­nen­falls zu­guns­ten des Ge­schä­dig­ten ge­ge­be­nen Be­wei­ser­leich­te­run­gen zu knüp­fen (vgl. nur BGH, Urt. v. 22.06.2010 – VI ZR 212/09, BGHZ 186, 58 Rn. 26, 29; Urt. v. 13.12.2011 – XI ZR 51/10, BGHZ 192, 90 Rn. 21).

b) Auf ei­nen sol­chen In­di­vi­du­al­schutz sind die ge­nann­ten Vor­schrif­ten in­des nicht aus­ge­rich­tet.

Die Rah­men­richt­li­nie 2007/46/EG be­zweckt aus­weis­lich der ihr vor­an­ge­stell­ten Er­wä­gungs­grün­de au­ßer der Klar­stel­lung des gel­ten­den Re­gel­werks die voll­stän­di­ge Har­mo­ni­sie­rung der Zu­las­sungs­vor­schrif­ten für ho­he Ver­kehrs­si­cher­heit, all­ge­mein ho­hen Ge­sund­heits- und Um­welt­schutz, ra­tio­nel­le En­er­gie­nut­zung und wirk­sa­men Schutz ge­gen un­be­fug­te Be­nut­zung in der Eu­ro­päi­sche Uni­on.

In den Er­wä­gungs­grün­den der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 wer­den als Ziel un­ter an­de­rem ein ho­hes Um­welt­schutz­ni­veau, die Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät so­wie An­re­gung von In­no­va­ti­on, Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät, Sen­kung der Ge­sund­heits­kos­ten und Ge­winn zu­sätz­li­cher Le­bens­jah­re ge­nannt.

Der Schutz des ein­zel­nen EU-Bür­gers und sei­nes Ver­mö­gens vor Ver­stö­ßen des Kraft­fahr­zeug­her­stel­lers ge­gen die Vor­ga­ben die­ser uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten liegt da­bei ge­ra­de nicht im ei­gent­lich Auf­ga­ben­be­reich der­sel­ben, auch wenn durch die Be­fol­gung der Nor­men teil­wei­se auch In­di­vi­du­al­schutz als Re­flex ent­ste­hen mag (zum Gan­zen aus­führ­lich OLG Braun­schweig, Urt. v. 19.02.2019 – 7 U 134/17, ju­ris Rn. 137 ff.; Urt. v. 13.06.2019 – 7 U 289/18, ju­ris Rn. 123). Eben die­se Ab­gren­zung ist aber ent­schei­dend, um – wie der BGH be­tont – den An­wen­dungs­be­reich von Schutz­ge­set­zen und da­mit den de­lik­ti­schen Ver­mö­gens­schutz nicht aus­ufern zu las­sen und ei­ne vom (eu­ro­päi­schen) Ge­setz­ge­ber ge­ra­de nicht vor­ge­se­he­ne Haf­tung für in die­sem Zu­sam­men­hang ent­ste­hen­de Ver­mö­gens­schä­den zu schaf­fen. Bei der Be­stim­mung der Reich­wei­te der de­lik­ti­schen Haf­tung für Ver­mö­gens­schä­den nach den §§ 823 ff. BGB ist es des­halb von be­son­de­rer Wich­tig­keit, das Ver­hält­nis zu den für den be­trof­fe­nen Be­reich pri­mär ge­schaf­fe­nen Re­ge­lun­gen zu be­ach­ten, um die ge­setz­ge­be­ri­schen Wer­tun­gen nicht auf die­sem We­ge „aus­zu­he­beln“ (vgl. hier­zu ins­be­son­de­re auch noch nach­fol­gend zur Haf­tung nach § 826 BGB).

Dem­entspre­chend kommt auch den Be­stim­mun­gen in § 6 I und § 27 EG-FGV ein Schutz­ge­setz­cha­rak­ter i. S. von § 823 II BGB nicht zu, da sie auf den Re­ge­lun­gen der vor­ge­nann­ten uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten auf­bau­en bzw. die­se um­set­zen.

4. Auch ein Scha­dens­er­satz­an­spruch nach § 826 BGB steht dem Klä­ger nicht zu. Es ist nicht er­sicht­lich, dass die Be­klag­te die­sem durch das In­ver­kehr­brin­gen ei­nes Fahr­zeugs mit ei­ner tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung oder sonst „in ei­ner ge­gen die Sit­ten ver­sto­ßen­den Wei­se vor­sätz­lich Scha­den zu­ge­fügt“ ha­ben könn­te.

a) Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH ist ein Ver­hal­ten (nur) dann sit­ten­wid­rig, wenn es nach sei­nem Ge­samt­cha­rak­ter, der durch um­fas­sen­de Wür­di­gung von In­halt, Be­weg­grund und Zweck zu er­mit­teln ist, ge­gen das An­stands­ge­fühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den ver­stößt. Da­für ge­nügt es im All­ge­mei­nen nicht, dass der Han­deln­de ei­ne Pflicht ver­letzt und ei­nen Ver­mö­gens­scha­den her­vor­ruft. Viel­mehr muss ei­ne be­son­de­re Ver­werf­lich­keit sei­nes Ver­hal­tens hin­zu­tre­ten, die sich aus dem ver­folg­ten Ziel, den ein­ge­setz­ten Mit­teln, der zu­ta­ge ge­tre­te­nen Ge­sin­nung oder den ein­ge­tre­te­nen Fol­gen er­ge­ben kann. Ein Un­ter­las­sen ver­letzt die gu­ten Sit­ten nur dann, wenn das ge­for­der­te Tun ei­nem sitt­li­chen Ge­bot ent­spricht. Hier­für reicht die Nicht­er­fül­lung ei­ner all­ge­mei­nen Rechts­pflicht oder ei­ner ver­trag­li­chen Pflicht nicht aus. Auch hier müs­sen be­son­de­re Um­stän­de hin­zu­tre­ten, die das schä­di­gen­de Ver­hal­ten nach den Maß­stä­ben der all­ge­mei­nen Ge­schäfts­mo­ral und des als „an­stän­dig“ Gel­ten­den ver­werf­lich ma­chen (vgl. zum Gan­zen BGH, Urt. v. 28.06.2016 – VI ZR 526/15, NJW 2017, 250 Rn. 16; Urt. v. 07.05.2019 – VI ZR 512/17, NJW 2019, 2164 Rn. 8; je­weils mit zahl­rei­chen w. Nachw.).

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für An­sprü­che, die im Zu­sam­men­hang mit dem so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal gel­tend ge­macht wer­den. Der BGH be­tont mit gu­tem Grund in be­son­de­rem Ma­ße das Ver­hält­nis zwi­schen der ver­trag­li­chen und der de­lik­ti­schen Haf­tung. Denn ei­ne un­be­schränk­te und vor­schnell be­jah­te De­likt­shaf­tung für Ver­mö­gens­schä­den birgt die Ge­fahr, die Ri­si­ko­zu­wei­sun­gen des je­weils ein­schlä­gi­gen Ver­trags­rechts zu un­ter­lau­fen (zu­tref­fend hier­zu MünchKomm-BGB/Wag­ner, 7. Aufl., § 826 Rn. 16 f.; vgl. auch be­reits LG Ell­wan­gen, Urt. v. 10.06.2016 – 5 O 385/15, ju­ris Rn. 24). Al­lein die Ver­let­zung ver­trag­li­cher Leis­tungs­pflich­ten stellt des­halb grund­sätz­lich kei­ne sit­ten­wid­ri­ge Schä­di­gung dar, selbst wenn sie im Ein­zel­fall vor­sätz­lich er­fol­gen soll­te (vgl. OLG Ko­blenz, Urt. v. 18.06.2019 – 3 U 416/19, ju­ris Rn. 37; an­ders aber wohl OLG Ko­blenz, Urt. v. 12.06.2019 – 5 U 1318/18, ju­ris Rn. 21). Über­dies ist zu be­den­ken, dass es sich – wie ge­zeigt – bei den Vor­schrif­ten der Richt­li­nie 2007/46/EG, der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 und der EG-Fahr­zeug­ge­neh­mi­gungs­ver­ord­nung ge­ra­de nicht um Schutz­ge­set­ze i. S. von § 823 II BGB han­delt. Ei­ne vor­schnell – al­so oh­ne das Vor­lie­gen be­son­de­rer Um­stän­de im Sin­ne der Recht­spre­chung des BGH – be­jah­te Haf­tung nach § 826 BGB lie­fe aber Ge­fahr, den be­tref­fen­den Nor­men letzt­lich eben doch die Wir­kung von in­di­vi­du­al­schüt­zen­den Nor­men i. S. von § 823 II BGB zu­kom­men zu las­sen (in die­sem Sin­ne wohl auch OLG Mün­chen, Beschl. v. 09.05.2019 – 32 U 1304/19, ju­ris Rn. 9).

b) Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen kommt vor­lie­gend ein Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klä­gers nach § 826 BGB nicht in Be­tracht.

Wie aus­ge­führt, han­delt es sich bei der im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug ver­bau­ten tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­gen Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung um ei­ne nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007/EG un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung und im Zu­sam­men­hang mit der dar­aus re­sul­tie­ren­den Ge­fahr der Be­triebs­un­ter­sa­gung au­ßer­dem um ei­nen Sach­man­gel nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB, für den der Ge­setz­ge­ber die ge­währ­leis­tungs­recht­li­che Haf­tung nach den §§ 434 ff. BGB vor­ge­se­hen hat.

Die Man­gel­haf­tig­keit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs al­lein recht­fer­tigt aus den ge­nann­ten Grün­den aber nicht die An­nah­me ei­ner sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung (vgl. auch OLG Köln, Beschl. v. 04.07.2019 – 3 U 148/18, ju­ris Rn. 6). Hier­für müss­ten nach der Recht­spre­chung des BGH viel­mehr wei­te­re, be­son­de­re Um­stän­de im Ver­hal­ten der Be­klag­ten hin­zu­tre­ten, die es aus­nahms­wei­se recht­fer­ti­gen, die vom Ge­setz­ge­ber im Rah­men des Ge­währ­leis­tungs­rechts vor­ge­nom­me­ne Ri­si­ko­zu­wei­sung zu­guns­ten des Klä­gers zu über­schrei­ben. Sol­che Um­stän­de sind vor­lie­gend je­doch nicht er­kenn­bar.

Viel­mehr hat die Be­klag­te – wie be­reits aus­ge­führt – un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, die tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung wer­den in Die­sel­mo­to­ren in­dus­trie­weit als Stan­dard ein­ge­setzt, um un­ter an­de­rem ei­ne „Ver­sot­tung“ der Mo­to­ren zu ver­hin­dern. Dies lässt zwar, wie mehr­fach er­läu­tert, das Vor­lie­gen ei­nes Sach­man­gels i. S. von § 434 I BGB nicht ent­fal­len. Aber es spricht deut­lich da­ge­gen, dass die Be­klag­te mit dem In­ver­kehr­brin­gen des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs in ver­werf­li­cher Wei­se ge­gen Maß­stä­ben der all­ge­mei­nen Ge­schäfts­mo­ral und des als „an­stän­dig“ Gel­ten­den ver­sto­ßen ha­ben könn­te.

Auf der an­de­ren Sei­te be­schränkt sich der – für das Vor­lie­gen der be­son­de­ren An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nach § 826 BGB voll­stän­dig dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­ge – Klä­ger in sei­nen dies­be­züg­li­chen Aus­füh­run­gen zum Vor­lie­gen ei­ner sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung (ein­mal mehr) auf all­ge­mei­ne Spe­ku­la­tio­nen und Mut­ma­ßun­gen, die oh­ne er­kenn­ba­ren Be­zug auf die im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug kon­kret ver­bau­te tem­pe­ra­tur­ab­hän­gi­ge Steue­rung der Ab­gas­rück­füh­rung er­fol­gen. So ha­be die Be­klag­te auf­grund ih­res „Ge­winn­stre­bens um je­den Preis“ und „zur Um­ge­hung tech­ni­scher Pro­ble­me bei der Ent­wick­lung ei­ner recht­lich und tech­nisch ein­wand­frei­en, aber teu­re­ren Lö­sung“ ge­han­delt, da­bei „in gro­ßem Um­fang und mit er­heb­li­chem tech­ni­schen Auf­wand zen­tra­le Zu­las­sungs­vor­schrif­ten aus­ge­he­belt“, sei „be­wusst ver­schlei­ernd und durch ei­nen of­fen­sicht­lich nur be­grenzt ein­be­zo­ge­nen Per­so­nen­kreis vor­ge­gan­gen“ und ha­be „zu­gleich ein Sys­tem zur plan­mä­ßi­gen Ver­schleie­rung ih­res Vor­ge­hens ge­gen­über den Auf­sichts­be­hör­den ei­ner­seits so­wie nach­fol­gend nach dem In­ver­kehr­brin­gen der Fahr­zeu­ge ge­gen­über den Ver­brau­chern an­de­rer­seits ge­schaf­fen“. Da­bei be­zie­hen sich wei­te Tei­le der klä­ge­ri­schen Aus­füh­run­gen of­fen­bar auf ei­ne (ver­meint­lich) von der Volks­wa­gen AG in Die­sel­mo­to­ren ein­ge­setz­te Prüf­stan­der­ken­nung, ob­schon es für das Vor­lie­gen ei­ner sol­chen im streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug An­halt­punk­te nicht gibt. Auch der wie­der­hol­te Ver­weis des Klä­gers auf Ent­schei­dun­gen der 23. Zi­vil­kam­mer des LG Stutt­gart (et­wa Urt. v. 17.01.2019 – 23 O 172/18, ju­ris; ab­leh­nend mit in wei­ten Tei­len be­rech­tig­ter Kri­tik Wes­sel, DAR 2019, 277, und nun auch OLG Köln, Beschl. v. 04.07.2019 – 3 U 148/18, ju­ris Rn. 6 f.), in de­nen be­tref­fend an­de­re von der Be­klag­ten her­ge­stell­te Fahr­zeu­ge ei­ne Haf­tung nach § 826 BGB be­jaht wur­de, ver­mag nicht ei­nen ei­ge­nen, zum kon­kre­ten Sach­ver­halt ge­hal­te­nen Vor­trag zu er­set­zen. Über­dies ver­fängt die Be­zug­nah­me auch be­reits des­halb nicht, weil die dort ent­schei­den­de Kam­mer aus­weis­lich der Ent­schei­dungs­grün­de im kon­kre­ten Fall of­fen­bar zahl­rei­che Fest­stel­lun­gen zu den Be­weg­grün­den und der plan­mä­ßi­gen Vor­ge­hens­wei­se der Be­klag­ten zu tref­fen ver­moch­te, die dem Ge­richt vor­lie­gend man­gels sub­stan­zi­ier­tem oder gar un­strei­ti­gem Vor­trag nicht an­satz­wei­se mög­lich sind.

Nach al­le­dem kommt ei­ne Haf­tung der Be­klag­ten nach § 826 BGB vor­lie­gend nicht in Be­tracht. Al­lein ein im Zu­sam­men­hang mit dem so­ge­nann­ten Die­selskan­dal mög­li­cher­wei­se emp­fun­de­nes Be­dürf­nis, Käu­fern von Die­sel­fahr­zeu­gen ei­nen mög­lichst weit­rei­chen­den und oh­ne be­son­de­re Schwie­rig­kei­ten gel­tend zu ma­chen­den Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Her­stel­ler ent­spre­chen­der Fahr­zeu­ge ge­ben zu wol­len, kann es nicht recht­fer­ti­gen, die vom BGH aus gu­tem Grund auf­ge­stell­ten ho­hen Vor­aus­set­zun­gen für die An­nah­me ei­ner de­lik­ti­schen Haf­tung und ins­be­son­de­re ei­ner Haf­tung nach § 826 BGB bei der Ver­let­zung ver­trag­li­cher Ver­pflich­tun­gen zu sus­pen­die­ren.

5. Nach­dem ei­ne Haf­tung nach § 823 II BGB oder § 826 BGB aus ge­nann­ten Grün­den aus­schei­det, steht dem Klä­ger auch der gel­tend ge­mach­te An­spruch nach § 831 BGB nicht zu, da hier­für der Ver­rich­tungs­ge­hil­fe den ob­jek­ti­ven Tat­be­stand ei­ner un­er­laub­ten Hand­lung rechts­wid­rig er­füllt ha­ben müss­te (vgl. et­wa OLG Stutt­gart, Urt. v. 21.06.2011 – 12 U 26/11, ju­ris Rn. 58).

6. Schließ­lich be­steht auch der vom Klä­ger gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags nach § 812 I 1 Fall 1, § 123 I Fall 1 BGB nicht, da ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung durch die Be­klag­te aus be­reits ge­nann­ten Grün­den nicht an­ge­nom­men wer­den kann. …

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