1. Ha­ben die Par­tei­en ei­nes Kfz-Kauf­ver­trags i. S. von § 434 I 1 BGB ver­ein­bart, dass der Käu­fer ei­nen „Werks­wa­gen“ er­hält, dann schul­det der Ver­käu­fer grund­sätz­lich die Lie­fe­rung ei­nes Fahr­zeugs, das ent­we­der des­sen Her­stel­ler (hier: die Adam Opel AG) selbst zu be­trieb­li­chen Zwe­cken ge­nutzt hat oder das ein Mit­ar­bei­ter des Her­stel­lers ver­güns­tigt von die­sem er­wor­ben, ei­ne ge­wis­se Zeit ge­nutzt und so­dann auf dem frei­en Markt ver­kauft hat. Der Käu­fer muss re­gel­mä­ßig selbst dann nicht da­von aus­ge­hen, dass er ein Fahr­zeug er­hält, das ge­werb­lich als Miet­wa­gen ge­nutzt wur­de, wenn der Her­stel­ler in­tern auch Fahr­zeu­ge, die er ei­nem ge­werb­li­chen Au­to­ver­mie­ter über­lässt, als Werks­wa­gen be­zeich­net.
  2. Zwar ist bei ei­nem Ge­braucht­wa­gen­kauf ei­ne Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB) nicht von vorn­her­ein we­gen Un­mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen (§ 275 I BGB). Viel­mehr ist ei­ne Er­satz­lie­fe­rung mög­lich, wenn das man­gel­haf­te Fahr­zeug nach der Vor­stel­lung der Ver­trags­par­tei­en durch ein gleich­ar­ti­ges und gleich­wer­ti­ges man­gel­frei­es Fahr­zeug er­setzt wer­den kann. Dies ist je­doch in der Re­gel zu ver­nei­nen, wenn sich der Käu­fer erst auf­grund ei­ner Be­sich­ti­gung und Pro­be­fahrt zum Kauf des man­gel­haf­ten Fahr­zeugs ent­schlos­sen hat (im An­schluss an BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 18 ff.).
  3. Ei­ne (an­wal­ti­che) Auf­for­de­rung zur „Nach­bes­se­rung“ kann dann, wenn ei­ne Be­sei­ti­gung des Man­gels (§ 439 I Fall 1 BGB) i. S. von § 275 I BGB un­mög­lich ist, da­hin aus­zu­le­gen sein, dass der Käu­fer tat­säch­lich ei­ne Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB) – hier: die Lie­fe­rung ei­nes nicht als Miet­wa­gen ge­nutz­ten Ge­braucht­wa­gens – be­gehrt.

OLG Ko­blenz, Ur­teil vom 25.07.2019 – 6 U 80/19

Sach­ver­halt: Die Klä­ger neh­men den Be­klag­ten, der ge­werb­lich mit Kraft­fahr­zeu­gen han­delt, auf Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen Opel Vi­va­ro B Com­bi 1.6 (CD­TI) in An­spruch.

Die­ses Fahr­zeug war im Jahr 2016 auf die A-Au­to­ver­mie­tung GmbH & Co. KG zu­ge­las­sen, die es ge­werb­lich als Miet­wa­gen nutz­te. An­schlie­ßend er­warb der Be­klag­te das Fahr­zeug, um es wei­ter­zu­ve­r­äu­ßern. Die Klä­ger wa­ren an ei­nem Kauf des Pkw in­ter­es­siert und mach­ten im Bei­sein des Sohns des Be­klag­ten S ei­ne Pro­be­fahrt. Nach die­ser Pro­be­fahrt fand in den Ge­schäfts­räu­men des Be­klag­ten ein Ver­kaufs­ge­spräch statt, an dem ne­ben S auch der Be­klag­te selbst teil­nahm. Was vor, bei und nach der Pro­be­fahrt be­spro­chen wur­de, steht zwi­schen den Par­tei­en teil­wei­se im Streit. Je­den­falls kauf­ten die Klä­ger, die in­so­weit als Ver­brau­cher han­del­ten, den Opel Vi­va­ro B von dem Be­klag­ten zum Preis von 22.000 €.

In dem auf den 08.04.2017 da­tier­ten schrift­li­chen Kauf­ver­trag fin­den sich un­ter der Über­schrift „An­ga­ben des Ver­käu­fers:“ zwei Spal­ten, die mit „1. Der Ver­käu­fer si­chert zu:“ bzw. mit „2. Der Ver­käu­fer er­klärt:“ über­schrie­ben sind. In der Spal­te mit der Über­schrift „2. Der Ver­käu­fer er­klärt:“ heißt es un­ter an­de­rem:

„2.2. dass das Kfz, so­weit ihm be­kannt,
  ☐ nicht ge­werb­lich ge­nutzt wur­de
  ☒ ge­werb­lich ge­nutzt wur­de (z. B. als Ta­xi, Miet­wa­gen, Fahr­schul­wa­gen)“

An­ge­kreuzt ist die zwei­te Al­ter­na­ti­ve; un­mit­tel­bar dar­un­ter be­fin­det sich in ei­ner Leer­zei­le der hand­schrift­li­che Zu­satz: „Werks­wa­gen der Adam Opel AG“.

Nach Ab­schluss des Kauf­ver­trags ließ der Be­klag­te den Klä­gern un­ter an­de­rem die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) zu­kom­men. Zu ei­ner Über­ga­be des Opel Vi­va­ro B an die Klä­ger kam es in der Fol­ge nicht.

Un­ter dem 03.05.2017 lie­ßen die Klä­ger dem Be­klag­ten durch ih­re spä­te­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten mit­tei­len, dass ih­nen kauf­ver­trag­li­che Ge­währ­leis­tungs­rech­te zu­stün­den, weil das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug nicht als Werks­wa­gen der Adam Opel AG, son­dern als Miet­wa­gen ge­nutzt wor­den sei. In dem An­walts­schrei­ben heißt es:

„Wir ha­ben Sie in­so­fern auf­zu­for­dern, dies­be­züg­lich Nach­bes­se­rung zu be­trei­ben und das Fahr­zeug in ei­nen ver­trags­ge­rech­ten Zu­stand zu ver­set­zen. Hier­für bie­ten wir das Fahr­zeug aus­drück­lich an, da­mit ei­ne ent­spre­chen­de Nach­bes­se­rung dar­ge­stellt wer­den kann. Hier­für set­zen wir ei­ne Frist bis zum 15.05.2017.“

In dem Schrei­ben er­klär­ten die Klä­ger au­ßer­dem ih­re Be­reit­schaft, am Kauf­ver­trag fest­zu­hal­ten, falls der Be­klag­te be­reit wä­re, ih­nen zur Ab­gel­tung des Man­gels vier Leicht­me­tall­fel­gen kos­ten­frei zu über­las­sen. Zu ei­ner Ei­ni­gung zwi­schen den Par­tei­en kam es im wei­te­ren Ver­lauf nicht.

Die Klä­ger er­ho­ben des­halb schließ­lich Kla­ge und er­klär­ten in der Kla­ge­schrift vom 22.07.2017 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Mit Schrift­satz vom 04.10.2017 er­klär­ten sie au­ßer­dem die An­fech­tung des Kauf­ver­trags we­gen Irr­tums.

Die Klä­ger ha­ben erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, sie hät­ten den Be­griff „Werks­wa­gen“ so ver­stan­den, dass es sich bei dem Opel Vi­va­ro B um ein Fahr­zeug han­de­le, das auf die Her­stel­le­rin (Adam Opel AG) zu­ge­las­sen und von ei­nem Werks­mit­ar­bei­ter ge­fah­ren wor­den sei. Die­ses Ver­ständ­nis – so ha­ben die Klä­ger gel­tend ge­macht – ste­he in Ein­klang mit dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch, was zahl­rei­che In­ter­net­por­ta­le, in de­nen der Be­griff „Werks­wa­gen“ er­läu­tert wer­de, be­leg­ten. Tat­säch­lich sei das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug aber kein Werks­wa­gen in dem vor­ge­nann­ten Sin­ne ge­we­sen, son­dern – un­strei­tig – ein Miet­wa­gen. Da­von hät­ten sie, die Klä­ger, erst durch Er­halt der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) er­fah­ren, weil dort ei­ne be­kann­te Au­to­ver­mie­te­rin als Hal­te­rin ein­ge­tra­gen sei. Der Be­klag­te ha­be sie dar­über, dass der Opel Vi­va­ro B als Miet­wa­gen ge­nutzt wur­de, nicht auf­ge­klärt. Auch die An­ga­ben im Kauf­ver­trag hät­ten sie nicht so ver­stan­den, dass es sich bei dem Fahr­zeug um ei­nen ehe­ma­li­gen Miet­wa­gen han­de­le.

Der Be­klag­te hat in ers­ter In­stanz be­haup­tet, dass die Adam Opel AG drei ver­schie­de­ne Ar­ten von Werks­wa­gen an­bie­te: sol­che, die aus der Ver­mie­tung (Lea­sing) an Mit­ar­bei­ter stamm­ten („MA“), sol­che, die die Fahr­zeug­her­stel­le­rin selbst als Ge­schäfts­wa­gen ge­nutzt ha­be („AO“), und schließ­lich sol­che, die – wie das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug – der in­ter­na­tio­na­len Au­to­ver­mie­tung zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den sei­en („IAV“). Dar­über sei­en die Klä­ger vor Ort voll­um­fäng­lich auf­ge­klärt wor­den; na­ment­lich sei ih­nen ge­sagt wor­den, dass der Opel Vi­va­ro B ein IAV-Werks­wa­gen sei und was das be­deu­te. Auch die Dar­stel­lung im Kauf­ver­trag – so hat der Be­klag­te gel­tend ge­macht – ge­be die be­schrie­be­ne Sach­la­ge wie­der; der Ver­trag be­inhal­te den ein­deu­ti­gen Hin­weis, dass ei­ne Vor­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen in Be­tracht kom­me. Un­ge­ach­tet des­sen un­ter­schie­den sich MA- und IAV-Werks­wa­gen nicht. Bei­de Ar­ten von Werks­wa­gen er­wer­be er, der Be­klag­te, un­mit­tel­bar von der Adam Opel AG, die die Fahr­zeu­ge vor dem Wei­ter­ver­kauf voll­um­fäng­lich über­prü­fe. Dies zeich­ne ei­nen Werks­wa­gen ge­ra­de be­son­ders aus. Bei­de Ar­ten von Werks­wa­gen wür­den zu­dem von ei­nem nicht über­schau­ba­ren Per­so­nen­kreis ge­fah­ren; ins­be­son­de­re wür­den MA-Werks­wa­gen auch ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern und ehe­ma­li­gen Prak­ti­kan­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt. Der Be­klag­te hat ge­meint, dass die Vor­nut­zung ei­nes Fahr­zeugs als Miet­wa­gen oh­ne­hin kein Sach­man­gel sei, da für den Wert ei­nes Ge­braucht­wa­gens al­lein des­sen Lauf­leis­tung maß­geb­lich sei.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, dass ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags dar­an schei­te­re, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug nicht man­gel­haft sei. Die Klä­ger hät­ten nicht nach­wei­sen kön­nen, dass das von ih­nen be­haup­te­te Ver­ständ­nis des Be­griffs „Werks­wa­gen“ zwi­schen den Par­tei­en ge­nau so ver­ein­bart wor­den sei. Nach Durch­füh­rung der Be­weis­auf­nah­me sei das Ge­richt im Ge­gen­teil da­von über­zeugt, dass der Be­klag­te die Klä­ger aus­rei­chend über die drei Ar­ten von Werks­wa­gen so­wie die Nut­zung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs als Miet­wa­gen in­for­miert ha­be. Aus die­sem Grund sei auch die An­fech­tung we­gen Irr­tums nicht wirk­sam.

Die Be­ru­fung der Klä­ger, die da­mit wei­ter­hin die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags er­rei­chen woll­ten, hat­te Er­folg.

Ei­ne von dem Be­klag­ten für die­sen Fall – hilfs­wei­se – er­klärt Auf­rech­nung mit (be­haup­te­ten) Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen in Hö­he von ins­ge­samt 8.000 € blieb wir­kungs­los. Zur Be­grün­dung der gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che hat­te der Be­klag­te be­haup­tet, dass er be­dingt durch die lan­ge Stand­zeit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs, das nach Ab­schluss des hier in­ter­es­sie­ren­den Kauf­ver­trags nicht mehr be­wegt wur­de, er­heb­li­che In­ves­ti­tio­nen tä­ti­gen müs­se, um den Pkw wie­der zum Lau­fen zu brin­gen. So müss­ten die Rei­fen, die Bat­te­rie, die Brems­an­la­ge und Fahr­zeug­flüs­sig­kei­ten (Öl, Kühl­mit­tel etc.) er­neu­ert wer­den, was Kos­ten von 6.000 € ver­ur­sa­che. Über­dies müss­ten die in der Zwi­schen­zeit fäl­lig ge­wor­de­nen In­spek­tio­nen nach­ge­holt wer­den, was ei­nen wei­te­ren Kos­ten­auf­wand in Hö­he von von cir­ca 2.000 € er­for­de­re.

Aus den Grün­den: II. … A. Die An­fech­tung des land­ge­richt­li­chen Ur­teils ist klä­ger­seits un­be­schränkt er­klärt wor­den; sie um­fasst na­ment­lich auch den vom Land­ge­richt ab­ge­wie­se­nen Kla­ge­an­trag zu 2 (Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs). Dass der Kla­ge­an­trag zu 2 in den im Be­ru­fungs­be­grün­dungs­schrift­satz an­ge­kün­dig­ten Be­ru­fungs­an­trä­gen nicht ex­pli­zit ge­nannt ist (vgl. dort S. 1 f.), steht dem nicht ent­ge­gen. Was be­an­tragt wird, kann sich auch oh­ne förm­li­chen An­trag aus der Be­ru­fungs­be­grün­dungs­schrift er­ge­ben, wenn je­den­falls in der Sa­che klar ist, in wel­chem Um­fang und mit wel­chem Ziel das Ur­teil an­ge­foch­ten wer­den soll (vgl. BGH, Beschl. v. 13.11.1991 – VI­II ZB 33/91, ju­ris Rn. 2; Zöl­ler/Heß­ler, ZPO, 32. Aufl., § 520 Rn. 28, m. w. Nachw.). So liegt der Fall hier. Nach dem In­halt ih­rer Be­ru­fungs­be­grün­dung wen­den die Klä­ger sich ge­gen die Ab­wei­sung ih­rer Kla­ge ins­ge­samt. In der Be­ru­fungs­be­grün­dung ist aus­drück­lich aus­ge­führt, das Ur­teil wer­de in vol­lem Um­fang der Über­prü­fung durch das Be­ru­fungs­ge­richt ge­stellt (dort S. 2); das erst­in­stanz­li­che Ur­teil sei auf­zu­he­ben und der Kla­ge statt­zu­ge­ben (dort S. 5). Es stellt da­her er­kenn­bar ein Ver­se­hen dar, dass die Klä­ger den Kla­ge­an­trag zu 2 in der Be­ru­fungs­be­grün­dungs­schrift nicht aus­drück­lich mit an­ge­führt ha­ben.

B. 1. In der Sa­che steht den Klä­gern ge­gen­über dem Be­klag­ten nach wirk­sam er­klär­tem Rück­tritt vom Kauf­ver­trag (§ 437 Nr. 2 Fall 1, § 434 I 1, § 433 I BGB) ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung (§§ 323, 346, 348 BGB) des­sel­ben zu; der Be­klag­te schul­det na­ment­lich die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 22.000 € Zug um Zug ge­gen Rück­über­eig­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kraft­fahr­zeugs.

Die Par­tei­en schlos­sen über das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ei­nen Kauf­ver­trag ab (§ 433 BGB). Den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ha­ben die Klä­ger in der Kla­ge­schrift wirk­sam er­klärt (§ 349 BGB).

Das Fahr­zeug ist man­gel­be­haf­tet (da­zu a). Der Man­gel ist auch nicht un­er­heb­lich (da­zu b). Dem Er­for­der­nis ei­ner Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung ist Ge­nü­ge ge­tan (da­zu c). Ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung, Wert- oder Scha­dens­er­satz schul­den die Klä­ger nicht (da­zu d).

a) Das ver­kauf­te Fahr­zeug ist sach­man­gel­haft, weil es nicht die zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit als Werks­wa­gen auf­weist (§ 434 I 1 BGB).

aa) Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung setzt ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung vor­aus, dass der Ver­käu­fer in ver­trags­ge­mäß bin­den­der Wei­se die Ge­währ für das Vor­han­den­sein ei­ner Ei­gen­schaft der Kauf­sa­che über­nimmt und da­mit sei­ne Be­reit­schaft zu er­ken­nen gibt, für al­le Fol­gen des Feh­lens die­ser Ei­gen­schaft ein­zu­ste­hen. An das Vor­lie­gen ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung sind stren­ge An­for­de­run­gen zu stel­len; un­ter Gel­tung des neu­en Schuld­rechts kommt sie nicht mehr im Zwei­fel, son­dern nur in ein­deu­ti­gen Fäl­len in Be­tracht (BGH, Urt. v. 20.03.2019 – VI­II ZR 213/18, ju­ris Rn. 22 m. w. Nachw.).

Die Par­tei­en ha­ben im vor­lie­gen­den Fall als Be­schaf­fen­heit schrift­lich aus­be­dun­gen, dass es sich bei dem ver­kauf­ten Fahr­zeug um ei­nen Werks­wa­gen han­delt. Im Kauf­ver­trags­for­mu­lar fin­det sich in­so­weit der hand­schrift­li­che Ein­trag Werks­wa­gen der Adam Opel AG“. Zwar ist die Er­klä­rung über die Vor­nut­zung des Fahr­zeu­ges nicht in der for­mu­lar­mä­ßi­gen lin­ken Spal­te „Der Ver­käu­fer si­chert zu:“ auf­ge­nom­men, son­dern in der rech­ten Spal­te „Der Ver­käu­fer er­klärt:“, und dort mit der for­mu­lar­mä­ßi­gen Ein­schrän­kung „so­weit ihm be­kannt“. Dar­aus ist je­doch nicht zu schlie­ßen, dass le­dig­lich ei­ne Wis­sens­er­klä­rung oh­ne Bin­dungs­wil­len hin­sicht­lich ei­ner Ver­ein­ba­rung über die Be­schaf­fen­heit des Kauf­ge­gen­stands vor­liegt (vgl. da­zu BGH, Urt. v. 29.06.2016 – VI­II ZR 191/15, ju­ris Rn. 33 f.). Ei­ne (kon­klu­den­te) Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung liegt je­den­falls des­halb vor, weil die Par­tei­en bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen un­strei­tig über die vor­he­ri­ge Nut­zung bzw. den vor­he­ri­gen Be­sit­zer des Fahr­zeugs (Adam Opel AG) ge­spro­chen ha­ben, wo­bei strei­tig ist, wel­chen In­halt die Ge­sprä­che hat­ten. Un­strei­tig hat der Be­klag­te hier­bei kei­ne dis­tan­zie­ren­de An­ga­be da­hin ge­macht, dass er in­so­weit le­dig­lich frem­des Wis­sen wei­ter­ge­be. Viel­mehr hat der Be­klag­te er­kenn­bar ei­ne Er­klä­rung nach ei­ge­nem In­for­ma­ti­ons­stand ab­ge­ge­ben, die hand­schrift­lich in den Kauf­ver­trag auf­ge­nom­men wor­den ist. Es han­delt sich um ei­ne In­di­vi­dua­la­b­re­de, die dem for­mu­lar­ver­trag­li­chen Er­klä­rungs­in­halt vor­geht (§ 305b BGB) und nach den Ge­samt­um­stän­den als Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung zu wer­ten ist.

Die Fra­ge, was un­ter dem Be­griff ei­nes Werks­wa­gens zu ver­ste­hen ist, be­ur­teilt sich nach Treu und Glau­ben un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te, das heißt nach der im Ver­kehr der be­tei­lig­ten Krei­se herr­schen­den Übung (§§ 133, 157 BGB; vgl. Pa­landt/El­len­ber­ger, BGB, 78. Aufl., § 133 Rn. 21). Da­nach han­delt es sich bei ei­nem Werks­wa­gen um das Fahr­zeug ei­nes Au­to­mo­bil­her­stel­lers, das ent­we­der im Werk zu be­trieb­li­chen Zwe­cken ge­nutzt oder von ei­nem Mit­ar­bei­ter ver­güns­tigt ge­kauft, ei­ne ge­wis­se Zeit ge­nutzt und dann auf dem frei­en Markt wie­der ver­kauft wird. Dies ist all­ge­mein­kun­dig (vgl. bspw. die Er­läu­te­rung auf www.​meinauto.​de/​lp-vw-werkswagen und www.​meinauto.​de/​lp-bmw-werkswagen) und geht fer­ner aus den klä­ger­seits zur Ak­te ge­reich­ten In­ter­net­aus­dru­cken an­schau­lich her­vor.

Den In­halt des Kauf­ver­trags­for­mu­lars muss­ten die Klä­ger nicht da­hin ver­ste­hen (§ 133, 157 BGB), dass es sich bei dem ver­kauf­ten Werks­wa­gen um ein ge­werb­lich ge­nutz­tes Miet­fahr­zeug han­del­te. Zwar ist in dem For­mu­lar an der für ei­ne vor­an­ge­hen­de ge­werb­li­che Nut­zung vor­ge­se­he­nen Stel­le ein Kreuz ge­setzt. Im Kon­text mit dem un­mit­tel­bar dar­un­ter in­di­vi­du­ell hin­zu­ge­setz­ten hand­schrift­li­chen Ein­trag „Werks­wa­gen der Adam Opel AG“ ha­ben die Klä­ger die maß­geb­li­chen Zei­len des For­mu­lars je­doch da­hin ver­ste­hen dür­fen, dass sie ei­nen Werks­wa­gen im Sin­ne der vor­an­ste­hen­den De­fi­ni­ti­on und kei­nen Miet­wa­gen kauf­ten. Dass der Be­klag­te und die Adam Opel AG in­tern den Be­griff des Werks­wa­gens an­ders de­fi­nie­ren und ver­ste­hen, ist für die Aus­le­gung nach dem ob­jek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zont nicht maß­geb­lich.

Der so­mit mit dem vor­ste­hen­den In­halt ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit als Werks­wa­gen ent­spricht das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug nicht, da es nicht von Mit­ar­bei­tern der Adam Opel AG ge­nutzt wur­de, son­dern oh­ne jeg­li­chen Be­zug zu der Adam Opel AG als Miet­wa­gen (In­ter­na­tio­na­le Au­to­ver­mie­tung).

bb) Dass die Par­tei­en über­ein­stim­mend (§ 133 BGB) und ab­wei­chend vom ob­jek­ti­ven In­halt des Kauf­ver­trags­for­mu­lars von ei­nem an­de­ren Ver­ständ­nis des Be­griffs des Werks­wa­gens aus­ge­gan­gen wä­ren, ist nicht be­wie­sen. Be­weis­be­las­tet hier­für ist der Be­klag­te, weil er ein ihm güns­ti­ges Aus­le­gungs­er­geb­nis auf Um­stän­de au­ßer­halb der Ur­kun­de stützt (vgl. BGH, Urt. v. 23.02.1956 – II ZR 207/54, BGHZ 20, 109 = ju­ris Rn. 14; Urt. v. 05.02.1999 – V ZR 353/97, ju­ris Rn. 8), näm­lich die vor­geb­li­che per­sön­li­che Auf­klä­rung der Klä­ger im Rah­men der vor Ort ge­führ­ten Ver­kaufs­ge­sprä­che.

Den ihm ob­lie­gen­den Be­weis hat der Be­klag­te nicht zu füh­ren ver­mocht. Der Se­nat ist nach An­hö­rung der Par­tei­en und Ver­neh­mung des Zeu­gen S nicht da­von über­zeugt (§ 286 I 1 ZPO), dass die Klä­ger vom Be­klag­ten über ei­ne Nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen und ein Ver­ständ­nis des Be­griffs des Werks­wa­gens (auch) in die­sem Sin­ne in­for­miert wur­den.

Der Se­nat hat den Zeu­gen S er­neut ver­nom­men, weil kon­kre­te An­halts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen be­grün­det ha­ben und des­halb ei­ne er­neu­te Fest­stel­lung ge­bo­ten ge­we­sen ist (§ 529 I Nr. 1 ZPO). Un­ab­hän­gig da­von sind (un­ter­stellt) auch un­ter Ver­stoß ge­gen § 529 ZPO er­ho­be­ne Tat­sa­chen be­rück­sich­ti­gungs­fä­hig (BGH, Beschl. v. 22.01.2004 – V ZR 187/03, ju­ris Rn. 11).

In der Sa­che hat der Zeu­ge S den Be­klag­ten­vor­trag be­stä­tigt. Er hat aus­ge­sagt, sich an den Fahr­zeug­ver­kauf und auch an die Klä­ger er­in­nern zu kön­nen. Er selbst ha­be den Klä­gern vor Ab­schluss des Kauf­ver­trags mehr­mals ge­sagt, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Wa­gen in der in­ter­na­tio­na­len Au­to­ver­mie­tung ge­nutzt wor­den sei. Sei­ne An­ga­ben stim­men – was die in An­we­sen­heit des Be­klag­ten ge­führ­ten Tei­le des Ver­kaufs­ge­sprächs be­trifft – im We­sent­li­chen auch mit der Schil­de­rung des Be­klag­ten im Rah­men sei­ner form­lo­sen An­hö­rung über­ein. Der Be­klag­te hat ins­be­son­de­re be­kun­det, der Zeu­ge S ha­be den Klä­gern ge­gen­über ge­sagt, dass es sich um ein Ver­miet­fahr­zeug ge­han­delt ha­be; im Prin­zip, so der Be­klag­te wei­ter, sei das aber auch noch ein­mal von ihm selbst er­klärt wor­den.

Die Aus­sa­ge des Zeu­gen S und die An­ga­ben des Be­klag­ten ver­mö­gen ei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung des Se­nats in der Ge­samt­schau nicht zu be­grün­den. Bei­de Klä­ger ha­ben im Rah­men ih­rer form­lo­sen An­hö­rung vor dem Se­nat den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halt ab­wei­chend vom Zeu­gen S und den An­ga­ben des Be­klag­ten ge­schil­dert und über­ein­stim­mend und glaub­haft an­ge­ge­ben, ih­nen sei nicht ge­sagt wor­den, dass es sich bei dem Fahr­zeug um ein Ver­miet­fahr­zeug han­de­le. Es steht da­mit Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge, oh­ne dass der Se­nat an­hand wei­te­rer ob­jek­ti­ver In­di­zi­en zu­rei­chend si­cher be­ur­tei­len könn­te, dass al­lein der Zeu­ge S so­wie der Be­klag­te die Wahr­heit ge­sagt hät­ten. Im Ge­gen­teil wird die An­nah­me, dass die Klä­ger nach dem En­de der Ver­kaufs­ge­sprä­che nicht da­von aus­gin­gen, ei­nen Miet­wa­gen zu kau­fen, maß­geb­lich da­durch ge­stützt, dass sie den ge­kauf­ten Wa­gen nach Er­halt der Fahr­zeug­pa­pie­re, aus de­nen sich die vor­he­ri­ge Nut­zung als Miet­wa­gen er­gab, vor Ort be­lie­ßen. Dies deu­tet in­di­zi­ell dar­auf hin, dass das Fahr­zeug nicht dem Ver­ein­bar­ten ent­sprach und ih­re Schil­de­rung zum In­halt der Ver­kaufs­ge­sprä­che zu­trifft. Auf der Grund­la­ge des Be­klag­ten­vor­trags lässt sich das Ver­hal­ten der Klä­ger nach Ab­schluss des Kauf­ver­trags dem­ge­gen­über nur un­zu­rei­chend er­klä­ren; ins­be­son­de­re ist ein Mo­tiv für ih­re frü­he Kaufreue we­der plau­si­bel dar­ge­legt noch sonst er­sicht­lich. Dem ent­spricht, dass die Klä­ger in ih­rem An­walts­schrei­ben vom 03.05.2017 al­lein die Ei­gen­schaft als Miet­fahr­zeug ge­rügt ha­ben.

Der Se­nat kann nicht aus­schlie­ßen, dass der Zeu­ge S oder der Be­klag­te die Ei­gen­schaft des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen mög­li­cher­wei­se in ei­ner Art und Wei­se er­wähnt oder an­ge­deu­tet ha­ben, die den Klä­gern die vor­he­ri­ge Nut­zung als Miet­wa­gen nicht hin­rei­chend ver­deut­licht hat. In die­se Rich­tung deu­tet die Er­klä­rung des Be­klag­ten: „Wir sa­gen stets, dass das Fahr­zeug von der Opel AG kommt.“ Dass der Be­klag­te sinn­ge­mäß ei­ne Er­klä­rung mit die­sem In­halt ab­ge­ge­ben hat, hat die Klä­ge­rin be­stä­tigt. Die­se Er­klä­rung war zwar zu­tref­fend, wenn das Fahr­zeug als Rück­läu­fer aus dem Miet­wa­gen­ge­schäft noch­mals von der Adam Opel AG ge­prüft wor­den ist. Sie war für sich ge­nom­men aber nicht aus­rei­chend, um den Käu­fern ei­ne zu­tref­fen­de Vor­stel­lung da­von zu ver­mit­teln, dass das Fahr­zeug – ent­ge­gen der Be­zeich­nung als „Werks­wa­gen“ – zu­vor im in­ter­na­tio­na­len Ver­mie­tungs­ge­schäft ge­nutzt wor­den war.

Dass ei­ne sol­che un­miss­ver­ständ­li­che Auf­klä­rung als Grund­la­ge ei­nes über­ein­stim­men­den Ver­ständ­nis­ses er­folgt ist, hat der Be­klag­te nicht be­wie­sen. Sei­ne An­ga­ben und die Be­kun­dun­gen sei­nes Sohns als Zeu­ge wa­ren je­den­falls nicht glaub­haf­ter als die Dar­stel­lung der Klä­ger.

Die er­neu­te Ver­neh­mung auch der Zeu­gin Z ist nicht ver­an­lasst ge­we­sen, da die Zeu­gin bei den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ge­sprä­chen vor, bei und nach der Pro­be­fahrt un­strei­tig und nach ei­ge­ner Aus­sa­ge nicht ge­gen­wär­tig war und sie zu ei­ner Auf­klä­rung ge­ra­de der Klä­ger kei­ne er­gie­bi­gen An­ga­ben ge­macht hat.

b) Der von den Klä­gern er­klär­te Rück­tritt ist nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil der Sach­man­gel un­er­heb­lich wä­re (§ 323 V 2 BGB). Die Ver­äu­ße­rung ei­nes Fahr­zeugs als Werks­wa­gen, das kein sol­cher ist und noch da­zu als Miet­wa­gen ge­nutzt wur­de (vgl. da­zu LG Bonn, Urt. v. 20.11.2012 – 18 O 169/12, ju­ris Rn. 32), be­grün­det ei­nen nicht be­heb­ba­ren Sach­man­gel von ei­ni­gem Ge­wicht. Ei­ne Er­heb­lich­keit des Man­gels ist un­ge­ach­tet des­sen durch den fest­ge­stell­ten Ver­stoß ge­gen die Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung (§ 434 I 1 BGB) in­di­ziert (BGH, Urt. v. 06.02.2013 – VI­II ZR 374/11, ju­ris Rn. 16).

c) aa) Ei­ne Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung (§§ 439 I, 323 I BGB) war ent­behr­lich, weil ei­ne Nach­er­fül­lung un­mög­lich ist (§sect; 275 I BGB).

aaa) Ei­ne Nach­er­fül­lung durch Be­sei­ti­gung des Man­gels (§ 439 I Fall 1 BGB) kommt nicht in Be­tracht, weil sich der Cha­rak­ter des Fahr­zeugs als Nicht-Werks­wa­gen nicht durch Nach­bes­se­rung kor­ri­gie­ren lässt (vgl. BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 17 [Un­fall­wa­gen]).

bbb) Auch die an­de­re Art der Nach­er­fül­lung, die Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB), kommt im hier ge­ge­be­nen Ein­zel­fall nicht in Be­tracht.

Zwar schei­det die Lie­fe­rung ei­nes an­de­ren – funk­tio­nell und ver­trags­mä­ßig gleich­wer­ti­gen – Werks­wa­gens nicht schon des­halb aus, weil es sich um ei­nen Stück­kauf han­delt (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 17; vgl. auch BGH, Beschl. v. 08.01.2019 – VI­II ZR 225/17, ju­ris Rn. 29 be­tref­fend Neu­fahr­zeu­ge). Ob ei­ne Er­satz­lie­fe­rung in Be­tracht kommt, ist viel­mehr auch hier nach dem durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den Wil­len der Ver­trags­par­tei­en bei Ver­trags­schluss zu be­ur­tei­len. Mög­lich ist die Er­satz­lie­fe­rung nach der Vor­stel­lung der Par­tei­en dann, wenn die Kauf­sa­che im Fal­le ih­rer Man­gel­haf­tig­keit durch ei­ne gleich­ar­ti­ge und gleich­wer­ti­ge er­setzt wer­den kann (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 23). Die­se Sicht­wei­se liegt beim Ge­braucht­wa­gen­kauf und all­ge­mein beim Kauf ge­brauch­ter Sa­chen al­ler­dings nicht na­he. An­ge­sichts der viel­fäl­ti­gen Un­ter­schie­de im Ab­nut­zungs­grad ge­brauch­ter Sa­chen – auch glei­chen Typs – ist Zu­rück­hal­tung bei der An­nah­me ge­bo­ten, dass beim Kauf ei­ner ge­brauch­ten Sa­che auch die Lie­fe­rung ei­ner an­de­ren Sa­che dem Par­tei­wil­len ent­spricht (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 24).

Im vor­lie­gen­den Fall kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Kauf­sa­che nach dem Wil­len der Be­tei­lig­ten im We­ge der Er­satz­lie­fe­rung und da­mit oh­ne Er­for­der­nis der Bil­li­gung des Aus­tausch­fahr­zeugs durch die Käu­fer aus­tausch­bar war. Die Klä­ger ent­schie­den sich für das ge­brauch­te Fahr­zeug – für den Be­klag­ten er­kenn­bar – erst auf­grund des nach Be­sich­ti­gung und Durch­füh­rung ei­ner Pro­be­fahrt ge­won­ne­nen per­sön­li­chen Ein­drucks von dem Fahr­zeug (vgl. hier­zu BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 23). Der Klä­ger zu 2 hat au­ßer­dem er­klärt, dass die Klä­ge­rin zu 1 und er ein ih­nen (hy­po­the­tisch) vom Be­klag­ten an­ge­bo­te­nes gleich­wer­ti­ges Fahr­zeug (wie­der­um) erst hät­ten an­schau­en und Pro­be fah­ren müs­sen; in­so­weit hät­te dann ei­ne neue Si­tua­ti­on be­stan­den. Auch dies spricht da­für, dass die Kauf­sa­che nach dem Wil­len der Par­tei­en nicht oh­ne Wei­te­res aus­tausch­bar war, son­dern der Kauf ei­nes gleich­wer­ti­gen Fahr­zeugs im Ge­gen­teil ei­nen neu­en Wil­lens­bil­dungs­pro­zess und ei­nen neu­en Ver­trags­ab­schluss er­for­der­te (§§ 145 ff. BGB).

bb) Un­ge­ach­tet des­sen for­der­ten die Klä­ger den Be­klag­ten mit Schrei­ben ih­res Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vom 03.05.2017 i. S. der §§ 439 I, 323 I BGB wirk­sam und er­geb­nis­los un­ter Frist­set­zung zu ei­ner Nach­er­fül­lung auf. Zwar wird in dem Schrei­ben der Be­griff der „Nach­bes­se­rung“ ver­wen­det. Der Be­klag­te muss­te die­se For­mu­lie­rung in­des im Sin­ne ei­nes all­ge­mei­nen Nach­er­fül­lungs­be­geh­rens be­grei­fen (§§ 133, 157 BGB), da ei­ne Nach­er­fül­lung durch Be­sei­ti­gung des Man­gels in tat­säch­li­cher Hin­sicht er­kenn­bar aus­schei­den muss­te (vgl. oben II B 1 c aa aaa). Das Auf­for­de­rungs­schrei­ben der Klä­ger macht hin­rei­chend deut­lich, dass sie ein Fahr­zeug oh­ne vor­he­ri­ge Nut­zung als Miet­wa­gen be­geh­ren und sie von dem Be­klag­ten Ab­hil­fe ver­lan­gen.

d) aa) Wert­er­satz für ge­zo­ge­ne Nut­zun­gen (§ 346 II 1 Nr. 1 BGB i. V. mit § 346 I BGB) müs­sen die Klä­ger sich nicht an­rech­nen las­sen, weil der Wa­gen nach Ab­schluss des Kauf­ver­trags nicht be­wegt und kei­ne Nut­zun­gen ge­zo­gen wur­den.

bb) Auch die be­klag­ten­seits er­klär­te Auf­rech­nung mit Ge­gen­an­sprü­chen we­gen (an­geb­lich) er­for­der­li­cher Re­pa­ra­tur- und War­tungs­kos­ten in Hö­he von ins­ge­samt 8.000 € (§ 388 I 1, §§ 387 ff. BGB) führt nicht zu ei­nem (teil­wei­sen) Er­lö­schen des klä­ge­ri­schen An­spruchs auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses (vgl. § 389 BGB). Ge­gen­an­sprü­che des Be­klag­ten kom­men be­reits aus Rechts­grün­den nicht in Be­tracht.

Ein An­spruch auf Wert­er­satz we­gen ei­ner Ver­schlech­te­rung der her­aus­zu­ge­ben­den Sa­che (§ 346 II 1 Nr. 3 BGB) schei­det im Fal­le der Aus­übung ei­nes ge­setz­li­chen Rück­tritts­rechts nach § 346 III 1 Nr. 3 BGB grund­sätz­lich aus (Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 78. Aufl., § 346 Rn. 13). Zwar ist die Vor­schrift nach ei­ner Auf­fas­sung re­strik­tiv da­hin aus­zu­le­gen, dass sie nicht ein­greift, wenn der Rück­tritts­geg­ner – hier der Be­klag­te – für den Rück­tritts­grund nicht ver­ant­wort­lich ist (MünchKomm-BGB/Gai­er, 8. Aufl., § 346 Rn. 63). Ei­ne sol­che Fall­kon­stel­la­ti­on ist hier je­doch nicht ge­ge­ben, da die Klä­ger den Rück­tritt auf­grund ei­nes Sach­man­gels er­klär­ten und sich da­mit auf ei­nen Rück­tritts­grund aus dem Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Be­klag­ten be­ru­fen.

Für ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch fehlt es eben­falls an ei­ner An­spruchs­grund­la­ge. Es stellt ins­be­son­de­re kei­ne Pflicht­ver­let­zung der Klä­ger dar (vgl. §§ 346 IV i. V. mit §§ 346 I, 280 I BGB), dass sie das Fahr­zeug vor Ort beim Be­klag­ten be­lie­ßen.

Be­rei­che­rungs­recht­li­che An­sprü­che (§ 346 III 2 i.V.m. §§ 812 ff. BGB) schei­den schließ­lich be­reits des­halb er­kenn­bar aus, weil die Klä­ger durch den streit­ge­gen­ständ­li­chen Vor­gang nicht be­rei­chert wur­den (vgl. § 818 BGB).

e) Pro­zess­zin­sen schul­det der Be­klag­te ver­zugs­un­ab­hän­gig nach §§ 291, 288 I 2 BGB.

2. Der An­trag auf Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs (Kla­ge­an­trag zu 2) ist zu­läs­sig. Die Klä­ger ha­ben ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se (§ 256 I ZPO) an der be­gehr­ten Fest­stel­lung. Die Voll­stre­ckung we­gen der Zug um Zug gel­tend ge­mach­ten Rück­zah­lung des ge­leis­te­ten Kauf­prei­ses wird hier­durch er­leich­tert, weil der nach den §§ 756, 765 ZPO er­for­der­li­che Nach­weis des An­nah­me­ver­zugs be­reits im Er­kennt­nis­ver­fah­ren er­bracht wer­den kann (BGH, Urt. v. 31.05.2000 – XII ZR 41/98, ju­ris Rn. 23 f.).

Der Fest­stel­lungs­an­trag ist auch be­grün­det. Spä­tes­tens mit Kla­ge­er­he­bung ha­ben die Klä­ger dem Be­klag­ten das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug wört­lich an­ge­bo­ten (§ 295 BGB). Die­ses wört­li­che An­ge­bot ge­nügt, um ei­nen An­nah­me­ver­zug nach § 293 BGB zu be­grün­den, wenn und so­weit der an­de­re Teil – wie hier der Be­klag­te auf­grund sei­nes Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags – die ihm ob­lie­gen­de Leis­tung ver­wei­gert (§ 298 BGB; vgl. BGH, Urt. v. 15.11.1996 – V ZR 292/95, ju­ris Rn. 9 f.).

3. Frei­stel­lung von au­ßer­ge­richt­lich an­ge­fal­le­nen An­walts­kos­ten (vgl. An­walts­schrei­ben der Klä­ger vom 03.05.2017) schul­det der Be­klag­te dem Grun­de nach un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner po­si­ti­ven Ver­trags­pflicht­ver­let­zung (§ 280 I BGB), weil er hin­sicht­lich des Vor­lie­gens des fest­ge­stell­ten Sach­man­gels ei­nen Ver­schul­dens­vor­wurf nicht aus­zu­räu­men ver­mocht hat (vgl. § 28 I 2 BGB). Zu den er­satz­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen des Ge­schä­dig­ten (§§ 249 ff. BGB) zäh­len auch die durch die Pflicht­ver­let­zung er­for­der­lich ge­wor­de­nen vor­pro­zes­sua­len Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten, so­weit die­se aus der Sicht des Ge­schä­dig­ten zur Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te er­for­der­lich und zweck­mä­ßig wa­ren (BGH, Urt. v. 16.07.2015 – IX ZR 197/14, ju­ris Rn. 55 m. w. Nachw.). Dies ist im vor­lie­gen­den, nicht ein­fach ge­la­ger­ten Fall in Be­zug auf die Be­auf­tra­gung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger an­zu­neh­men, weil sich der ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach­ver­halt vom Nor­mal­fall ei­ner Sach­män­gel­haf­tung im Be­reich des Ge­braucht­wa­gen­han­dels mit Blick auf die vor­an­ste­hend er­ör­ter­ten Aus­le­gungs­fra­gen deut­lich ab­hebt. …

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