Loading [MathJax]/extensions/tex2jax.js

Navigation

Probleme beim Autokauf?

Kategorien

Archiv

Header (Autohaus)

Ar­chiv: 2017

Sach­män­gel­haf­tung beim Ver­kauf ei­nes hoch­prei­si­gen Dres­sur­pferds – Reit­leh­rer als Un­ter­neh­mer

  1. Auch bei ei­nem hoch­prei­si­gen Dres­sur­pferd be­grün­det das Vor­han­den­sein ei­nes „Rönt­gen­be­fun­des“, so­fern die Kauf­ver­trags­par­tei­en kei­ne an­ders­lau­ten­de Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben, für sich ge­nom­men grund­sätz­lich noch kei­nen Sach­man­gel nach § 434 I 2 BGB (Be­stä­ti­gung und Fort­füh­rung von Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 14 ff.; Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 27 ff.). Hier­bei kommt es nicht ent­schei­dend dar­auf an, wie häu­fig der­ar­ti­ge Rönt­gen­be­fun­de vor­kom­men (in­so­weit Klar­stel­lung zu Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 20).
  2. Der Ver­käu­fer ei­nes sol­chen Dres­sur­pfer­des hat – wie auch sonst beim Ver­kauf ei­nes Reit­pfer­des – oh­ne ei­ne an­ders­lau­ten­de Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung der Kauf­ver­trags­par­tei­en nur da­für ein­zu­ste­hen, dass das Tier bei Ge­fahr­über­gang nicht krank ist und sich auch nicht in ei­nem (eben­falls ver­trags­wid­ri­gen) Zu­stand be­fin­det, auf­grund des­sen be­reits die Si­cher­heit oder zu­min­dest ho­he Wahr­schein­lich­keit be­steht, dass es als­bald er­kran­ken wird und es des­halb oder aus sons­ti­gen Grün­den für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te bzw. ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung nicht mehr ein­setz­bar sein wird (Be­stä­ti­gung und Fort­füh­rung von Se­nat, Urt. v. 29.03.2006 – VI­II ZR 173/05, BGHZ 167, 40 Rn. 37; Se­nat, Urt. v. 07.02.2007 – VI­II ZR 266/06, NJW 2007, 1351 Rn. 20).
  3. Die Ver­äu­ße­rung ei­nes vom Ver­käu­fer – hier: ei­nem nicht im Be­reich des Pfer­de­han­dels tä­ti­gen selbst­stän­di­gen Reit­leh­rer und Pfer­de­aus­bil­der – aus­schließ­lich zu pri­va­ten Zwe­cken ge­nutz­ten Pfer­des ist re­gel­mä­ßig nicht als Un­ter­neh­mer­ge­schäft zu qua­li­fi­zie­ren (im An­schluss an Se­nat, Urt. v. 13.03.2013 – VI­II ZR 186/12, NJW 2013, 2107 Rn. 18; Urt. v. 27.09.2017 – VI­II ZR 271/16 [un­ter II 3 b]).

BGH, Ur­teil vom 18.10.2017 – VI­II ZR 32/16

Mehr le­sen »

Dar­le­gungs- und Be­weis­last für ei­nen Rück­tritt aus­schlie­ßen­de Ge­ring­fü­gig­keit ei­nes Man­gels

  1. Ei­nem Käu­fer ob­liegt es im Rah­men ei­nes Nach­bes­se­rungs­be­geh­rens nicht, die ge­naue Ur­sa­che des be­an­stan­de­ten Man­gels zu be­nen­nen. Viel­mehr ge­nügt es, wenn er die Man­gel­er­schei­nung lai­en­haft be­schreibt, al­so dar­legt, in wel­chen Sym­pto­men sich der Man­gel äu­ßert.
  2. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass ein Man­gel un­er­heb­lich i. S. des § 323 V 2 BGB ist und den Käu­fer des­halb nicht zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt, trägt nicht der Käu­fer, son­dern der Ver­käu­fer. Das er­gibt sich schon dar­aus, dass das Ge­setz den Aus­schluss des Rück­tritts­rechts bei ei­nem nur un­er­heb­li­chen Man­gel als Aus­nah­me for­mu­liert.
  3. Die Be­ur­tei­lung, ob ein Man­gel ge­ring­fü­gig i. S. des § 323 V 2 BGB ist, er­for­dert ei­ne um­fas­sen­de In­ter­es­sen­ab­wä­gung auf der Grund­la­ge der Um­stän­de des Ein­zel­falls. Im Rah­men die­ser In­ter­es­sen­ab­wä­gung ist von ei­ner Ge­ring­fü­gig­keit des Man­gels in der Re­gel nicht mehr aus­zu­ge­hen, wenn bei ei­nem be­heb­ba­ren Man­gel der zur Be­sei­ti­gung er­for­der­li­che Kos­ten­auf­wand ei­nen Be­trag von fünf Pro­zent des Kauf­prei­ses über­steigt. Das schließt es al­ler­dings nicht aus, dass un­ter be­son­de­ren Um­stän­de – et­wa ei­ner nur sehr ge­ring­fü­gi­gen Ge­brauchs­be­ein­träch­ti­gung – trotz ei­nes Man­gel­be­sei­ti­gungs­auf­wands von mehr als fünf Pro­zent des Kauf­prei­ses der Man­gel als un­er­heb­lich ein­zu­stu­fen ist. Um­ge­kehrt kann auf­grund be­son­de­rer Um­stän­de (z. B. be­son­de­re Schwie­rig­kei­ten oder Dau­er ei­ner er­for­der­li­chen Er­satz­teil­be­schaf­fung) ein er­heb­li­cher Man­gel zu be­ja­hen sein, ob­wohl der Man­gel­be­sei­ti­gungs­auf­wand un­ter der Fünf-Pro­zent-Gren­ze liegt.
  4. Ob ein Man­gel be­heb­bar ist, rich­tet sich nach den im Zeit­punkt des Rück­tritts vor­lie­gen­den Er­kennt­nis­sen. Des­halb kommt es bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Man­gel ge­ring­fü­gig i. S. des § 323 V 2 BGB ist, nicht ent­schei­dend auf die Be­heb­bar­keit an, wenn die Man­gel­ur­sa­che im Zeit­punkt des Rück­tritts noch un­ge­wiss ist, et­wa weil es dem Ver­käu­fer in meh­re­ren Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen nicht ge­lun­gen ist, die Man­gel­ur­sa­che zu fin­den und den Man­gel zu be­sei­ti­gen. In ei­nem sol­chen Fall ist viel­mehr auf die Ein­schrän­kung der Ge­brauchs­taug­lich­keit ab­zu­stel­len.
  5. Die An­nah­me ei­nes nur un­er­heb­li­chen Man­gels ver­bie­tet sich bei ei­ner schwer­wie­gen­den und in meh­re­ren Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen nicht be­ho­be­nen Ein­schrän­kung der Ver­kehrs­si­cher­heit.

BGH, Ur­teil vom 18.10.2017 – VI­II ZR 242/16

Mehr le­sen »

Kein Rück­tritt vom Kauf­ver­trag im VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Ge­braucht­wa­gens kann nicht wirk­sam vom Kauf­ver­trag zu­rück­tre­ten. Zwar ist ein Fahr­zeug, in dem – wie in vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen – ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung zum Ein­satz kommt, man­gel­haft. Ei­nem Rück­tritt des Käu­fers steht je­doch § 323 V 2 BGB ent­ge­gen, weil sich der Man­gel durch die In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates be­sei­ti­gen lässt und der Kos­ten- und Zeit­auf­wand da­für ge­ring ist.
  2. Ei­ne Nach­bes­se­rung durch In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates ist dem Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs zu­mut­bar, nach­dem das Kraft­fahrt-Bun­des­amt das Up­date frei­ge­ge­ben und be­stä­tigt hat, dass nach der In­stal­la­ti­on kei­ne un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tun­gen mehr vor­han­den sind und sich das Up­date nicht nach­tei­lig auf den Kraft­stoff­ver­brauch, die CO2-Emis­sio­nen, die Mo­tor­leis­tung oder die Ge­räu­sche­mis­sio­nen des Fahr­zeugs aus­wirkt.
  3. Dass die – am Kauf­ver­trag nicht be­tei­lig­te – Volks­wa­gen AG den Käu­fer mög­li­cher­wei­se arg­lis­tig ge­täuscht oder be­tro­gen hat, be­rech­tigt den Käu­fer nicht da­zu, „so­fort“ vom Kauf­ver­trag zu­rück­zu­tre­ten, oh­ne dem Ver­käu­fer Ge­le­gen­heit zur Nach­er­fül­lung zu ge­ben. Denn der Ver­käu­fer muss sich ein arg­lis­ti­ges oder be­trü­ge­ri­sches Ver­hal­ten der Volks­wa­gen AG nicht zu­rech­nen las­sen, zu­mal zu den ge­si­cher­ten Er­kennt­nis­sen des Kauf­rechts ge­hört, dass der Her­stel­ler ei­ner Kauf­sa­che nicht Ge­hil­fe (§ 278 BGB) des Ver­käu­fers bei der Er­fül­lung von Ver­käu­fer­pflich­ten ist.

LG Dort­mund, Ur­teil vom 11.10.2017 – 3 O 101/17

Mehr le­sen »

Gel­tend­ma­chung der Kos­ten ei­nes selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­rens im We­ge der Leis­tungs­kla­ge

Der An­trag­stel­ler ei­nes selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­rens kann die ihm hier­aus ent­stan­de­nen Kos­ten je­den­falls so­lan­ge im We­ge der Leis­tungs­kla­ge und ge­stützt auf sei­nen ma­te­ri­ell-recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch gel­tend ma­chen, wie ein Haupt­sa­che­ver­fah­ren i. S. des § 494a ZPO – und sei es auch nur in Ge­stalt ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge – nicht ge­führt wur­de oder ge­führt wird und auch ein An­trag nach § 494a I ZPO nicht ge­stellt ist.

BGH, Ur­teil vom 10.10.2017 – VI ZR 520/16

Mehr le­sen »

Fest­hal­ten an wirk­sam er­klär­tem Rück­tritt als treu­wid­ri­ges Ver­hal­ten – Be­weis­last­um­kehr nach § 476 BGB

  1. Ob sich der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens i. S. des § 242 BGB treu­wid­rig ver­hält, wenn er we­gen ei­nes Man­gels wirk­sam vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten ist und an die­sem Rück­tritt fest­hält, ob­wohl er den Man­gel nach­träg­lich be­sei­tigt hat, ist auf­grund ei­ner um­fas­sen­den Ab­wä­gung der In­ter­es­sen bei­der Kauf­ver­trags­par­tei­en zu be­ur­tei­len. Da­bei spie­len ins­be­son­de­re der Grund für die Man­gel­be­sei­ti­gung und de­ren Zeit­punkt ei­ne Rol­le.
  2. Ist der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens wirk­sam vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten, weil es dem Ver­käu­fer trotz meh­re­rer Nach­bes­se­rungs­ver­su­che nicht ge­lun­gen ist, das Ein­drin­gen von Was­ser in den Fahr­zeu­gin­nen­raum zu ver­hin­dern, so ist ein Fest­hal­ten des Käu­fers an dem Rück­tritt nicht treu­wid­rig, wenn der Man­gel nach­träg­lich un­be­ab­sich­tigt da­durch be­sei­tigt wird, dass we­gen ei­nes Stein­schlags die Front­schei­be aus­ge­tauscht wird.
  3. Die in § 476 BGB vor­ge­se­he­ne Be­weis­last­um­kehr greift zu­guns­ten des Käu­fers schon dann, wenn die­sem der Nach­weis ge­lingt, dass sich in­ner­halb von sechs Mo­na­ten ab Ge­fahr­über­gang ei­ne Man­gel­er­schei­nung ge­zeigt hat, die – un­ter­stellt, sie hät­te ih­re Ur­sa­che in ei­nem dem Ver­käu­fer zu­zu­rech­nen­den Um­stand – des­sen Haf­tung we­gen Ab­wei­chung von der ge­schul­de­ten Be­schaf­fen­heit be­grün­den wür­de. Da­ge­gen muss der Käu­fer we­der dar­le­gen und nach­wei­sen, auf wel­che Ur­sa­che die Man­gel­er­schei­nung zu­rück­zu­füh­ren ist, noch dass die­se Ur­sa­che in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ver­käu­fers fällt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15). Dar­über hin­aus kommt die in § 476 BGB ge­re­gel­te Ver­mu­tung dem Käu­fer auch da­hin zu­gu­te, dass der bin­nen sechs Mo­na­ten nach Ge­fahr­über­gang zu­ta­ge ge­tre­te­ne Man­gel zu­min­dest im An­satz schon bei Ge­fahr­über­gang vor­ge­le­gen hat (im An­schluss an BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 103/15).

OLG Schles­wig, Ur­teil vom 05.10.2017 – 7 U 88/16

Mehr le­sen »

Kein „so­for­ti­ger“ Rück­tritt vom Kfz-Kauf­ver­trag we­gen SIS-Ein­tra­gung (R)

  1. Die bei Ge­fahr­über­gang vor­han­de­ne und im Zeit­punkt der Rück­tritts­er­klä­rung fort­be­ste­hen­de Ein­tra­gung ei­nes Kraft­fahr­zeugs im Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tem (SIS) ist zwar ein er­heb­li­cher Rechts­man­gel, der den Käu­fer grund­sätz­lich zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 18.01.2017 – VI­II ZR 234/15, NJW 2017, 1666). Ein wirk­sa­mer Rück­tritt setzt in­des vor­aus, dass der Käu­fer dem Ver­käu­fer er­folg­los ei­ne Frist zur Be­sei­ti­gung die­ses Man­gels ge­setzt hat oder ei­ne Frist­set­zung aus­nahms­wei­se ent­behr­lich war.
  2. Die Ein­tra­gung ei­nes Kraft­fahr­zeugs im Schen­ge­ner In­for­ma­ti­ons­sys­tem (SIS) be­grün­det kei­nen An­scheins­be­weis da­für, dass das Fahr­zeug i. S. des § 935 I BGB ab­han­den­ge­kom­men und nicht et­wa un­ter­schla­gen oder be­trü­ge­risch er­langt wor­den ist.

OLG Karls­ru­he, Ur­teil vom 29.09.2017 – 4 U 80/17
(vor­an­ge­hend: LG Of­fen­burg, Ur­teil vom 05.04.2017 – 6 O 102/16)

Mehr le­sen »

Be­weis­füh­rung und freie Be­weis­wür­di­gung durch An­hö­rung der be­weis­be­las­te­ten Par­tei

  1. Dem Tatrich­ter ist es nach § 286 ZPO grund­sätz­lich er­laubt, al­lein auf­grund des Vor­trags der Par­tei­en und oh­ne Be­weis­er­he­bung fest­zu­stel­len, was für wahr und was für nicht wahr zu er­ach­ten ist (im An­schluss an BGH, Urt. v. 06.10.1981 – X ZR 57/80, BGHZ 82, 13 = NJW 1982, 940; Beschl. v. 29.10.1987 – III ZR 54/87, BGHR ZPO § 141 Wür­di­gung 1).
  2. Der Tatrich­ter kann im Rah­men der frei­en Wür­di­gung des Ver­hand­lungs­er­geb­nis­ses den Be­haup­tun­gen und An­ga­ben (vgl. § 141 ZPO) ei­ner Par­tei un­ter Um­stän­den auch dann glau­ben, wenn die­se ih­re Rich­tig­keit sonst nicht – auch nicht mit­tels Par­tei­ver­neh­mung, weil es an der er­for­der­li­chen An­fangs­wahr­schein­lich­keit fehlt – be­wei­sen kann (im An­schluss an BGH, Urt. v. 07.02.2006 – VI ZR 20/05, NJW-RR 2006, 672; Urt. v. 25.03.1992 – IV ZR 54/91, NJW-RR 1992, 920; Urt. v. 24.04.1991 – IV ZR 172/90, NJW-RR 1991, 983).
  3. Hat die ers­te In­stanz ih­re freie Über­zeu­gung nach § 286 ZPO auf ei­ne Par­tei­an­hö­rung ge­stützt, muss das Be­ru­fungs­ge­richt sich im Rah­men sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung mit dem Er­geb­nis die­ser Par­tei­an­hö­rung aus­ein­an­der­set­zen und die in­for­ma­to­ri­sche An­hö­rung nach § 141 ZPO ge­ge­be­nen­falls selbst durch­füh­ren.

BGH, Be­schluss vom 27.09.2017 – XII ZR 48/17

Mehr le­sen »

Kauf­recht­li­che Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che und An­sprü­che aus ei­ner Ga­ran­tie be­ru­hen nicht auf „dem­sel­ben Grund“ i. S. von § 213 BGB

Zwei An­sprü­che be­ru­hen auf „dem­sel­ben Grund“ i. S. von § 213 BGB, wenn sie aus dem­sel­ben, durch das An­spruchs­ziel ge­präg­ten Le­bens­sach­ver­halt ab­ge­lei­tet sind, der die Grund­la­ge für das Ent­ste­hen der bei­den An­sprü­che dar­stellt; der An­spruchs­grund muss „im Kern“ iden­tisch sein. Hier­an fehlt es im Ver­hält­nis zwi­schen kauf­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­chen ei­ner­seits und An­sprü­chen aus ei­ner da­ne­ben ab­ge­schlos­se­nen (Halt­bar­keits-)Ga­ran­tie an­de­rer­seits (Fort­füh­rung von Se­nat, Urt. v. 29.04.2015 – VI­II ZR 180/14, BGHZ 205, 151).

BGH, Ur­teil vom 27.09.2017 – VI­II ZR 99/16

Mehr le­sen »

Kein Rück­tritt vom Neu­wa­gen­kauf we­gen Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Der Man­gel, der ei­nem vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gen – mög­li­cher­wei­se – an­haf­tet, ist i. S. des § 323 V 2 BGB ge­ring­fü­gig und recht­fer­tigt des­halb kei­nen Rück­tritt des Käu­fers vom Kauf­ver­trag. Denn das Fahr­zeug kann mit ge­rin­gem Kos­ten- und Zeit­auf­wand tech­nisch so über­ar­bei­tet wer­den, dass dar­in kei­ne un­zu­läs­si­gen Ab­schalt­ein­rich­tun­gen i. S. von Art. 5 II, 3 Nr. 10 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 mehr zum Ein­satz kom­men. Die­se Über­ar­bei­tung durch die In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates und (hier) den Ein­bau ei­nes Strö­mungs­gleich­rich­ters wirkt sich auf das Fahr­zeug nicht ne­ga­tiv aus, ins­be­son­de­re nicht auf sei­nen Kraft­stoff­ver­brauch, sei­ne CO2-Emis­sio­nen oder die Mo­tor­leis­tung.
  2. Die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob die in der Lie­fe­rung ei­ner man­gel­haf­ten Kauf­sa­che lie­gen­de Pflicht­ver­let­zung des Ver­käu­fers i. S. von § 323 V 2 BGB un­er­heb­lich ist und des­halb ei­nen Rück­tritt des Käu­fers vom Kauf­ver­trag nicht recht­fer­tigt, er­for­dert ei­ne um­fas­sen­de In­ter­es­sen­ab­wa?gung auf der Grund­la­ge der Um­stän­de des Ein­zel­falls. Da­bei ist zu­guns­ten es Ver­käu­fers ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen – mög­li­cher­wei­se man­gel­haf­ten – Fahr­zeugs zu be­rück­sich­ti­gen, dass der Käu­fer das Fahr­zeug auch schon vor ei­ner tech­ni­schen Über­ar­bei­tung un­ein­ge­schränkt nut­zen kann. Ein nicht un­er­heb­li­cher Stel­len­wert muss au­ßer­dem dem Ge­sichts­punkt zu­kom­men, dass die vie­len vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge nur suk­zes­si­ve nach­ge­bes­sert wer­den kön­nen und ein Käu­fer des­halb mög­li­cher­wei­se län­ger dar­auf war­ten muss, dass sein Fahr­zeug über­ar­bei­tet wird.
  3. Der Käu­fer muss dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen, dass ein Man­gel, auf den er Rech­te stützt, bei Über­ga­be der Kauf­sa­che (§ 434 I 1 BGB i. V. mit § 446 Satz 1 BGB) vor­lag und trotz Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen des Ver­käu­fers wei­ter vor­han­den ist. Eben­so trägt der Käu­fer – und nicht der Ver­käu­fer – die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass ein Man­gel nicht ge­ring­fü­gig ist und des­halb ein Rück­tritt des Käu­fers nicht an § 323 V 2 BGB schei­tert.
  4. Ein Kfz-Ver­trags­händ­ler muss sich das Wis­sen des Fahr­zeug­her­stel­lers nicht zu­rech­nen las­sen, da der Her­stel­ler nicht Ge­hil­fe des Händ­lers bei der Er­fül­lung von des­sen Ver­käu­fer­pflich­ten ist. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen – mög­li­cher­wei­se man­gel­haf­ten – Fahr­zeugs kann des­halb nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, er ha­be dem – mit dem Fahr­zeug­her­stel­ler nicht iden­ti­schen – Ver­käu­fer kei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung ge­setzt, weil ihn der Fahr­zeug­her­stel­ler arg­lis­tig ge­täuscht ha­be.
  5. Ei­ne Frist von 14 Ta­gen zur Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Neu­wa­gens ist nicht an­ge­mes­sen i. S. von § 323 I BGB, son­dern un­an­ge­mes­sen kurz. Zwar wird durch das Set­zen ei­ner zu knapp be­mes­se­ne Frist in der Re­gel ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist in Lauf ge­setzt. Das gilt aber aus­nahms­wei­se dann nicht, wenn der Käu­fer die Frist nur zum Schein ge­setzt hat. Da­von kann aus­zu­ge­hen sein, wenn der Käu­fer ei­nes an­geb­lich man­gel­haf­ten Neu­wa­gens dem Ver­käu­fer ei­ne of­fen­sicht­lich viel zu kur­ze Frist zur Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Neu­fahr­zeugs (§§ 437 Nr. 1, 439 I Fall 2 BGB) setzt, um so – miss­bräuch­lich – die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen of­fen­bar von vorn­her­ein be­ab­sich­tig­ten Rück­tritt vom Kauf­ver­trag zu schaf­fen.

OLG Ko­blenz, Be­schluss vom 27.09.2017 – 2 U 4/17
(nach­fol­gend: OLG Ko­blenz, Be­schluss vom 09.10.2017 – 2 U 4/17)

Mehr le­sen »

Zu den An­for­de­run­gen an ein kauf­recht­li­ches Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen

  1. Ein Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen ei­nes Kfz-Käu­fers darf sich nicht auf ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Auf­for­de­rung zur Män­gel­be­sei­ti­gung be­schrän­ken. Es muss viel­mehr auch die Be­reit­schaft des Käu­fers er­ken­nen las­sen, dem Ver­käu­fer das Fahr­zeug am Er­fül­lungs­ort der Nach­er­fül­lung zur Ver­fü­gung zu stel­len, da­mit der Ver­käu­fer es un­ter­su­chen und be­ur­tei­len kann, ob er über­haupt zur Nach­bes­se­rung ver­pflich­tet ist. Dar­an fehlt es, wenn der Käu­fer den Ver­käu­fer le­dig­lich dar­auf hin­weist, dass er – der Ver­käu­fer – die zum Zwe­cke der Nach­er­fül­lung er­for­der­li­chen Auf­wen­dun­gen „wie Trans­port-, Ar­beits- und Ma­te­ri­al­kos­ten“ zu tra­gen ha­be.
  2. Für die Be­stim­mung des Er­fül­lungs­or­tes der Nach­er­fül­lung gilt man­gels ei­ner ei­gen­stän­di­gen kauf­recht­li­chen Re­ge­lung die all­ge­mei­ne Vor­schrift des § 269 I, II BGB. Da­nach ist der Er­fül­lungs­ort der Nach­er­fül­lung dort an­zu­sie­deln, wo der Ver­käu­fer bei Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges sei­nen Wohn- oder Ge­schäfts­sitz hat­te, falls sich aus den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en oder aus der Na­tur des Schuld­ver­hält­nis­ses nichts an­de­res er­gibt.
  3. In­dem ein Kfz-Ver­käu­fer auf ein Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen, das nicht die Be­reit­schaft des Käu­fers er­ken­nen lässt, dem Ver­käu­fer das Fahr­zeug am Er­fül­lungs­ort der Nach­er­fül­lung zur Ver­fü­gung zu stel­len, nicht re­agiert, ver­wei­gert er ei­ne Nach­er­fül­lung nicht i. S. von § 281 II 1 Fall 1 BGB oder § 323 II Nr. 1 BGB ernst­haft und end­gül­tig. Denn der Ver­käu­fer muss sich auf ein Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen des Käu­fers nicht ein­las­sen, be­vor die­ser ihm nicht Ge­le­gen­heit zu ei­ner Un­ter­su­chung des Fahr­zeugs ge­ge­ben hat.

AG Min­den, Ur­teil vom 27.09.2017 – 20 C 234/16

Mehr le­sen »