Der (hier: pri­va­te) Ver­käu­fer ei­nes Kraft­fahr­zeugs muss den Käu­fer nur dann un­ge­fragt dar­über auf­klä­ren, dass es sich um ei­nen „Re­import“ han­delt, wenn sich die­ser Um­stand auf­grund des Miss­trau­ens, das po­ten­zi­el­le Käu­fer ei­nem re­impor­tier­ten Fahr­zeug mög­li­cher­wei­se ent­ge­gen­brin­gen, tat­säch­lich min­dernd auf den Ver­kehrs­wert des Fahr­zeugs aus­wirkt. Da­von kann mitt­ler­wei­le nicht mehr ge­ne­rell, son­dern nur noch im Ein­zel­fall aus­ge­gan­gen wer­den (im An­schluss an OLG Je­na, Urt. v. 23.10.2008 – 1 U 118/08, ju­ris Rn. 20 ff.).

OLG Zwei­brü­cken, Be­schluss vom 30.11.2020 – 8 U 85/17
(vor­an­ge­hend: LG Fran­ken­thal, Ur­teil vom 12.09.2017 – 7 O 171/17; nach­fol­gend: OLG Zwei­brü­cken, Be­schluss vom 26.01.2021 – 8 U 85/17)

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin be­gehrt von dem Be­klag­ten die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kfz-Kauf­ver­trags, nach­dem sie ih­re auf den Ab­schluss die­ses Ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung an­ge­foch­ten hat.

Sie er­warb von dem Be­klag­ten auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Kauf­ver­trags vom 24.06.2016 für 22.250 € ei­nen ge­brauch­ten, am 28.05.1999 erst­zu­ge­las­se­nen Por­sche 996 Ca­brio­let. Die­ses Fahr­zeug hat­te der Be­klag­te als Un­fall­wa­gen zum Kauf an­ge­bo­ten.

In dem ADAC-Ver­trags­for­mu­lar, das die Par­tei­en ver­wen­de­ten, heißt es un­ter an­de­rem:

„Das Kraft­fahr­zeug wird un­ter Aus­schluss der Sach­män­gel­haf­tung ver­kauft. Die­ser Aus­schluss gilt nicht für Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus Sach­män­gel­haf­tung, die auf ei­ner grob fahr­läs­si­gen oder vor­sätz­li­chen Ver­let­zung von Pflich­ten des Ver­käu­fers oder sei­nes Er­fül­lungs­ge­hil­fen be­ru­hen, so­wie bei der Ver­let­zung von Le­ben, Kör­per und Ge­sund­heit.
Ggf. noch be­ste­hen­de An­sprü­che ge­gen­über Drit­ten aus Sach­män­gel­haf­tung wer­den an den Käu­fer ab­ge­tre­ten.“

Un­ter der Über­schrift „I. An­ga­ben des Ver­käu­fers“ ist un­ter Zif­fer 2 ver­merkt, der Ver­käu­fer er­klä­re, dass das Kfz in der Zeit, in der es sein Ei­gen­tum war,

„le­dig­lich fol­gen­de Be­schä­di­gun­gen oder Un­fall­schä­den […] er­lit­ten hat: Stoß­stan­ge vor­ne la­ckiert, An­zei­ge Kli­ma de­fekt, Na­vi de­fekt, Licht vor­ne fällt manch­mal aus“.

Un­ter Zif­fer 3 heißt es in dem Ver­trags­for­mu­lar, der Ver­käu­fer er­klä­re be­zo­gen auf die üb­ri­ge Zeit, dass das Fahr­zeug – so­weit ihm be­kannt – „nicht un­fall­frei“ sei, son­dern ei­nen „Vor­scha­den/​Un­fall­scha­den, De­tails un­be­kannt“ auf­wei­se (3.1) und die Ge­samt­fahr­leis­tung „laut Ta­cho“ 139.091 km be­tra­ge (3.2).

Der Be­klag­te hat­te das Ca­brio­let sei­ner­seits von V zum Preis von 20.000 € mit ei­ner Lauf­leis­tung von 131.000 km er­wor­ben. Der schrift­li­che Kauf­ver­trag wur­de am 18.01.2013 ge­schlos­sen. In der Ru­brik „Er­lit­te­ne Be­schä­di­gun­gen und Un­fall­schä­den“ ist ein­ge­tra­gen: „Um­la­ckiert auf weiss, Un­fall­scha­den un­be­kannt was und wie hoch“.

Kurz nach­dem das Fahr­zeug der Klä­ge­rin über­ge­ben wor­den war, ließ die­se es von ei­nem Kfz-Sach­ver­stän­di­gen be­gut­ach­ten. Die­ser kam in sei­nem Gut­ach­ten vom 16.08.2016 zu dem Er­geb­nis, dass der Pkw vie­le op­ti­sche Män­gel auf­wei­se und die vor­han­de­nen Spalt­ma­ße und Alt­schä­den auf meh­re­re Un­fall­er­eig­nis­se hin­deu­te­ten. Ge­stützt dar­auf focht die Klä­ge­rin ih­re auf den Ab­schluss des Kauf­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 22.08.2016 we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung an. Der Be­klag­te wur­de auf­ge­for­dert, der Klä­ge­rin bis zum 02.09.2016 den Kauf­preis zu er­stat­ten und ihr die auf­ge­wen­de­ten Sach­ver­stän­di­gen- und Rechts­an­walts­kos­ten zu er­set­zen. Die­se For­de­rung wies der Be­klag­te mit An­walts­schrei­ben vom 06.09.2016 zu­rück.

Die Klä­ge­rin hat den Be­klag­ten erst­in­stanz­lich auf Zah­lung von 22.726 € nebst Zin­sen so­wie auf Er­satz vor­ge­richt­lich an­ge­fal­le­ner Rechts­an­walts­kos­ten (1.242,84 €), Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des Por­sche 996 Ca­brio­let, in An­spruch ge­nom­men und be­an­tragt, den An­nah­me­ver­zug des Be­klag­ten fest­zu­stel­len. Sie hat gel­tend ge­macht, sie ha­be den streit­ge­gen­ständ­li­chen Kauf­ver­trag wirk­sam we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung an­ge­foch­ten, so­dass der Be­klag­te ihr den Kauf­preis er­stat­ten müs­se. Der Be­klag­te ha­be sie, die Klä­ge­rin, arg­lis­tig über den Um­fang der Un­fall­schä­den ge­täuscht. Er ha­be sie le­dig­lich über ei­nen ge­ring­fü­gi­gen Scha­den im Be­reich der Bei­fah­rer­sei­te zwi­schen Tür und Kot­flü­gel in­for­miert. Tat­säch­lich sei­en je­doch wei­te­re Un­fall­schä­den vor­han­den, die nicht sach­ge­mäß be­sei­tigt wor­den sei­en und die ihr der Be­klag­te nicht of­fen­bart ha­be. Auch ha­be ihr der Be­klag­te nicht of­fen­bart, dass das Fahr­zeug Öl ver­lie­re. Des Wei­te­ren sei die Schlüs­sel­num­mer im Fahr­zeug­schein „gen­ullt“, was dar­auf schlie­ßen las­se, dass der Por­sche 996 Ca­brio­let ein Im­port­fahr­zeug sei. Auch über die­sen Um­stand ha­be der Be­klag­te sie nicht auf­ge­klärt; hät­te er dies ge­tan, hät­te sie den Pkw nicht er­wor­ben. Au­ßer­dem sei da­von aus­zu­ge­hen, dass der Ki­lo­me­ter­zäh­ler des Fahr­zeugs ma­ni­pu­liert wor­den sei. Denn in ei­nem Re­pa­ra­tur­nach­weis vom 05.04.2016 sei ein Ki­lo­me­ter­stand von 130.000 an­ge­ge­ben, wäh­rend sich aus ei­nem Fahr­zeugstamm­blatt für den 05.04.2016 ein Ki­lo­me­ter­stand von 115.321 er­ge­be. Auf den ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss kön­ne sich der Be­klag­te vor die­sem Hin­ter­grund nicht mit Er­folg be­ru­fen.

Der Be­klag­te ist der Kla­ge mit der Be­haup­tung ent­ge­gen­ge­tre­ten, er ha­be die Klä­ge­rin um­fas­send über den Zu­stand des Fahr­zeugs in­for­miert. Dass der Pkw nicht un­fall­frei ge­we­sen sei, er­ge­be sich zwei­fels­frei aus dem Kauf­ver­trag. Zum Um­fang der Un­fall­schä­den, die das Ca­brio­let vor sei­ner – des Be­klag­ten – Be­sitz­zeit er­lit­ten ha­be, ha­be er nichts sa­gen kön­nen, da er in­so­weit kei­ne De­tails ken­ne. Auf (be­haup­te­te) op­ti­sche Män­gel – so hat der Be­klag­te gel­tend ge­macht – kön­ne die Klä­ge­rin ei­ne Arg­listan­fech­tung nicht mit Er­folg stüt­zen, da ihr sol­che Män­gel be­reits bei der Be­sich­ti­gung des Fahr­zeugs hät­ten auf­fal­len müs­sen. Im Üb­ri­gen ent­hal­te der Kauf­ver­trag ei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis auf Nachla­ckie­run­gen. Er, der Be­klag­te, ha­be die Klä­ge­rin au­ßer­dem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Fahr­zeug vor sei­ner Be­sitz­zeit wohl im Aus­land ge­we­sen sei. Un­ge­ach­tet des­sen sei nicht er­sicht­lich, wes­halb ei­nem re­impor­tier­ten Fahr­zeug ein Min­der­wert an­haf­ten soll­te. Das Ca­brio­let ha­be wäh­rend sei­ner – des Be­klag­ten – Be­sitz­zeit kein Öl ver­lo­ren, so­dass er die Klä­ge­rin hier­über auch nicht ha­be auf­klä­ren müs­sen. In­so­weit ge­he de­ren An­fech­tung da­her ins Lee­re. Schließ­lich schul­de ihm die Klä­ge­rin, soll­te ih­re An­fech­tung wirk­sam sein, ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die mit dem Ca­brio­let ge­fah­re­nen Ki­lo­me­ter.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge nach per­sön­li­cher An­hö­rung der Par­tei­en und Ver­neh­mung von Zeu­gen ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, dass die von der Klä­ge­rin er­klär­te An­fech­tung un­wirk­sam sei und die Klä­ge­rin da­her kei­nen An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des mit dem Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trags ha­be. Der Klä­ge­rin sei der Nach­weis, dass der Be­klag­te sie bei Ab­schluss die­ses Ver­trags arg­lis­tig ge­täuscht ha­be, nicht ge­lun­gen. Auf das Vor­lie­gen von Un­fall­schä­den kön­ne sie ei­ne An­fech­tung nicht mit Er­folg stüt­zen, weil das Fahr­zeug als Un­fall­wa­gen zum Kauf an­ge­bo­ten wor­den sei und auch aus dem Kauf­ver­trag un­miss­ver­ständ­lich her­vor­ge­he, dass das Fahr­zeug ein Un­fall­wa­gen sei. Dass der Be­klag­te die (be­haup­te­ten) Un­fall­schä­den ver­harm­lost ha­be, las­se sich nicht fest­stel­len. Es ge­be kei­ne An­halts­punk­te da­für, dass er die von der Klä­ge­rin be­haup­te­ten Un­fall­schä­den ge­kannt ha­be; die Klä­ge­rin ha­be auch nicht dar­ge­tan, dass das Ca­brio­let in der Be­sitz­zeit des Be­klag­ten ei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten ha­be. Op­ti­sche Män­gel könn­ten ei­ne An­fech­tung des Kauf­ver­trags nicht recht­fer­ti­gen. Die Klä­ge­rin ha­be nicht nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, wes­halb dem Be­klag­ten sol­che Män­gel, die ihr selbst of­fen­sicht­lich ver­bor­gen ge­blie­ben sei­en, hät­ten auf­fal­len müs­sen. Auch auf ei­nen be­haup­te­ten Öl­ver­lust kön­ne ei­ne An­fech­tung nicht mit Er­folg ge­stützt wer­den. Denn die Klä­ge­rin ha­be nicht be­wie­sen, dass der Pkw schon in der Be­sitz­zeit des Be­klag­ten Öl ver­lo­ren ha­be. Dass – wie die Klä­ge­rin be­haup­te – der Be­klag­te der Klä­ge­rin ver­schwie­gen ha­be, dass das Fahr­zeug ein „Re­import“ sei, recht­fer­ti­ge ei­ne An­fech­tung eben­falls nicht. In­so­weit kön­ne da­hin­ste­hen, ob den Be­klag­ten ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht ge­trof­fen ha­be und ob er – wie er be­haup­te – die­se durch ei­nen ent­spre­chen­den Hin­weis er­füllt ha­be. Denn je­den­falls ha­be die Klä­ge­rin nicht be­wie­sen, dass sie im Ver­kaufs­ge­spräch mit dem Be­klag­ten den Kauf ei­nes re­impor­tier­ten Fahr­zeugs ex­pli­zit aus­ge­schlos­sen ha­be. Schließ­lich sei die von der Klä­ge­rin er­klär­te An­fech­tung auch nicht mit Blick auf ei­ne (ver­meint­li­che) „Ta­cho­ma­ni­pu­la­ti­on“ wirk­sam. Die Klä­ge­rin ha­be we­der be­haup­tet, dass der Be­klag­te selbst ei­ne sol­che Ma­ni­pu­la­ti­on vor­ge­nom­men ha­be, noch, dass er Kennt­nis von ei­ner sol­chen Ma­ni­pu­la­ti­on ge­habt ha­be.

Mit ih­rer da­ge­gen ge­rich­te­ten Be­ru­fung hat die Be­klag­te gel­tend ge­macht, das Land­ge­richt ha­be ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung durch den Be­klag­ten zu Un­recht ver­neint. Der schrift­li­che Kauf­ver­trag ent­hal­te zwar den Hin­weis, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw nicht un­fall­frei sei, der Be­klag­te ha­be aber auf ih­re aus­drück­li­che Nach­fra­ge le­dig­lich ei­nen Fahr­zeug­scha­den vor­ne rechts im Be­reich des Kot­flü­gels und im Be­reich der Bei­fah­rer­tür er­wähnt. Über wei­te­re Schä­den sei sie nicht auf­ge­klärt wor­den. Es sei au­ßer­dem da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­klag­te Kennt­nis von wei­te­ren Schä­den ge­habt ha­be. Denn der Vor­be­sit­zer ha­be ihn beim An­kauf des Fahr­zeugs dar­über in­for­miert, dass die­ses kom­plett neu la­ckiert wor­den sei. Dar­aus sei der un­aus­weich­li­che Schluss zie­hen, dass das Fahr­zeug wei­te­re Un­fall­schä­den auf­ge­wie­sen ha­be. Das Land­ge­richt – so hat die Klä­ge­rin wei­ter gel­tend ge­macht – ha­be auch die auf op­ti­sche Män­gel ge­stütz­te An­fech­tung zu Un­recht für un­wirk­sam ge­hal­ten. Die­se op­ti­schen Män­gel ha­be sie, die Klä­ge­rin, als tech­ni­scher Laie bei der Be­sich­ti­gung des Pkw nicht er­ken­nen kön­nen; dem Be­klag­ten hät­ten sie da­ge­gen auf­fal­len müs­sen, und er hät­te dar­auf hin­wei­sen müs­sen. Schließ­lich sei das Erst­ge­richt rechts­feh­ler­haft zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass sie – die Klä­ge­rin – den Kauf­ver­trag auch nicht des­halb ha­be an­fech­ten dür­fen, weil der Be­klag­te sie nicht dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass der Por­sche 996 Ca­brio­let ein „Re­import“ sei. Das Land­ge­richt ha­be ver­kannt, dass die Re­impor­t­ei­gen­schaft ei­nes Fahr­zeugs ein wich­ti­ger wert­bil­den­der Fak­tor sei, der ge­ra­de bei ei­nem pri­va­ten Ge­braucht­wa­gen­kauf ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spie­le. Der Be­klag­te hät­te sie des­halb auf den Um­stand, dass der Pkw re­impor­tie­ret wor­den sei, hin­wei­sen müs­sen, zu­mal er da­von auf­grund des mit dem Vor­be­sit­zer ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trags Kennt­nis ge­habt ha­be. Ei­ne ent­spre­chen­de Auf­klä­rung sei in­des nicht er­folgt.

Der Be­klag­te ist der Be­ru­fung ent­ge­gen­ge­tre­ten. Ei­nen be­rei­che­rungs­recht­li­chen An­spruch in­fol­ge ei­ner Arg­listan­fech­tung ha­be die Klä­ge­rin nicht, weil es be­reits an ei­ner arg­lis­ti­gen Täu­schung der Klä­ge­rin feh­le. Er, der Be­klag­te, ha­be der Klä­ge­rin sein ge­sam­tes Wis­sen be­züg­lich des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs wei­ter­ge­ge­ben, das er sei­ner­zeit ge­habt ha­be. Ins­be­son­de­re ha­be er aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er zum ge­nau­en Um­fang der Un­fall­schä­den nichts sa­gen kön­ne; dies er­ge­be sich auch aus dem schrift­li­chen Kauf­ver­trag. Es wä­re da­her an der Klä­ge­rin ge­we­sen, den Por­sche 996 Ca­brio­let vor dem Kauf zu un­ter­su­chen. Dass die Klä­ge­rin dies un­ter­las­sen ha­be, kön­ne ihm, dem Be­klag­ten, nicht zum Nach­teil ge­rei­chen. Im Üb­ri­gen er­ge­be sich dar­aus, dass der Pkw ei­ne Neu­la­ckie­rung er­hal­ten ha­be, kein Man­gel­ver­dacht. Schließ­lich müs­se der pri­va­te Ver­käu­fer ei­nes Fahr­zeugs nicht of­fen­ba­ren, dass die­ses ein „Re­import“ sei, weil die­ser Um­stand bei ei­nem Pri­vat­kauf – und erst recht bei ei­nem Fahr­zeug schon 1999 erst­zu­ge­las­se­nen Pkw – kei­ne Rol­le spie­le.

Der 8. Zi­vil­se­nat des OLG Zwei­brü­cken hat die Par­tei­en dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er be­ab­sich­ti­ge, die Be­ru­fung der Klä­ge­rin durch ein­stim­mi­gen Be­schluss nach § 522 II ZPO zu­rück­zu­wei­sen.

Aus den Grün­den: [D]as Rechts­mit­tel hat of­fen­sicht­lich kei­ne Auf­sicht auf Er­folg (§ 522 II 1 Nr. 1 ZPO). Der Rechts­sa­che kommt auch we­der grund­sätz­li­che Be­deu­tung zu, noch er­for­dert die Fort­bil­dung des Rechts oder die Si­che­rung ei­ner ein­heit­li­chen Recht­spre­chung ei­ne Ent­schei­dung des Be­ru­fungs­ge­richts (§ 522 II 1 Nr. 2, Nr. 3 ZPO). Auch ist die Durch­füh­rung ei­ner münd­li­chen Ver­hand­lung nicht ge­bo­ten.

Das erst­in­stanz­li­che Ur­teil vom 12.09.2017 ist nicht zu be­an­stan­den. Das Erst­ge­richt hat die auf ei­nen be­rei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lungs­an­spruch ge­mäß § 812 I 1 Fall 1, § 123 I Fall 1, § 142 I BGB ge­rich­te­te Kla­ge der Klä­ge­rin zu Recht ab­ge­wie­sen. Der in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­ten Klä­ge­rin ist der Nach­weis da­für, dass der Ab­schluss des Kauf­ver­trags über das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug auf ei­ner arg­lis­ti­gen Täu­schung des Be­klag­ten be­ruht, nicht ge­lun­gen.

Ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung setzt in ob­jek­ti­ver Hin­sicht ei­ne Täu­schung zum Zwe­cke der Er­re­gung oder Auf­recht­er­hal­tung ei­nes Irr­tums vor­aus. Das Ver­schwei­gen von Tat­sa­chen stellt nur dann ei­ne Täu­schung dar, wenn hin­sicht­lich der ver­schwie­ge­nen Tat­sa­chen ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht be­stand. Ent­schei­dend ist, ob der an­de­re Teil nach Treu und Glau­ben un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­an­schau­ung red­li­cher­wei­se Auf­klä­rung er­war­ten durf­te (vgl. BGH, Urt. v. 23.05.2002 – VII ZR 219/01, NJW 2002, 2776). In­so­weit gilt, dass be­son­ders wich­ti­ge Um­stän­de, das heißt Um­stän­de, die für die Wil­lens­bil­dung des an­de­ren Teils of­fen­sicht­lich von aus­schlag­ge­ben­der Be­deu­tung sind, un­ge­fragt of­fen­bart wer­den müs­sen. Der Ver­käu­fer darf da­her we­sent­li­che Män­gel der Kauf­sa­che nicht ver­schwei­gen (vgl. BGH, Urt. v. 08.12.1989 – V ZR 246/87, BGHZ 109, 327, 332 f. = NJW 1990, 975, 976).

In sub­jek­ti­ver Hin­sicht setzt ei­ne Arg­lis­t­haf­tung we­gen der Täu­schung durch Ver­schwei­gen of­fen­ba­rungs­pflich­ti­ger Män­gel vor­aus, dass dem Ver­käu­fer Feh­ler be­kannt wa­ren oder er sie zu­min­dest für mög­lich hielt und er bil­li­gend in Kauf nahm, dass dem Käu­fer die­se Feh­ler nicht be­kannt wa­ren und er bei de­ren Of­fen­le­gung den Kauf­ver­trag nicht oder nicht mit dem ver­ein­bar­ten In­halt ge­schlos­sen hät­te. Das Tat­be­stands­merk­mal der Arg­list er­fasst da­mit nicht nur ein Ver­hal­ten des Ver­käu­fers, das von be­trü­ge­ri­scher Ab­sicht ge­tra­gen ist, son­dern auch sol­che Ver­hal­tens­wei­sen, die auf be­ding­ten Vor­satz im Sin­ne ei­nes „Für­mög­lich­hal­tens“ und „ln­k­auf­neh­mens“ re­du­ziert sind und mit de­nen kein mo­ra­li­sches Un­wert­ur­teil ver­bun­den sein muss (BGH, Urt. v. 12.04.2002 – V ZR 302/00, ju­ris Rn. 9 m. w. Nachw.).

Ge­mes­sen an die­sen Grund­sät­zen ver­mö­gen die von der Klä­ge­rin be­haup­te­ten Män­gel ei­ne An­fech­tung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw-Kauf­ver­trags we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung nicht zu recht­fer­ti­gen. Hier­zu im Ein­zel­nen:

1. So­weit die Klä­ge­rin ih­re An­fech­tung auf ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung über die Un­fall­wa­gen­ei­gen­schaft des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs stützt, hat das Land­ge­richt ei­ne sol­che zu Recht ver­neint. Zwar hat der Ver­käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs, dem ein Man­gel oder ein frü­he­rer Un­fall be­kannt ist, die­sen Um­stand nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGH dem Käu­fer
grund­sätz­lich auch un­ge­fragt mit­zu­tei­len, wenn er sich nicht dem Vor­wurf arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens aus­set­zen will (vgl. hier­zu Pa­landt/​El­len­ber­ger, BGB, 78. Aufl. [2019], § 123 Rn. 7 m. zahl­rei­chen w. Nachw.). Von ei­ner Ver­let­zung die­ser Auf­klä­rungs­pflicht kann hier je­doch nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass das Fahr­zeug als Un­fall­wa­gen in­se­riert war und zu­dem im Kauf­ver­trag aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass es sich nicht um ein un­fall­frei­es Fahr­zeug han­delt, son­dern es viel­mehr ei­nen Vor­scha­den/​Un­fall­scha­den auf­weist, des­sen De­tails dem Be­klag­ten aber un­be­kannt sind. Auch hat die Klä­ge­rin im Rah­men ih­rer An­hö­rung ge­gen­über dem Land­ge­richt ein­ge­räumt, dass
be­klag­ten­seits ein Un­fall­scha­den ex­pli­zit er­wähnt wur­de.

2. Die Be­ru­fung der Klä­ge­rin ver­mag auch nicht mit Er­folg auf­zu­zei­gen, dass die Un­fall­schä­den des Fahr­zeugs vom Be­klag­ten wis­sent­lich ba­ga­tel­li­siert wor­den sind. Zwar er­streckt sich die
Of­fen­ba­rungs­pflicht beim Au­to­kauf nicht nur auf ei­nen Un­fall­scha­den selbst, son­dern auch auf den Um­fang des Scha­dens (Pa­landt/​El­len­ber­ger, a. a. O., § 123 Rn. 7 m. w. Nachw.). In­so­weit ist es der Klä­ge­rin je­doch nicht ge­lun­gen nach­zu­wei­sen, dass der Be­klag­te den Um­fang des Scha­dens wis­sent­lich ver­harm­lost hat. Das Land­ge­richt hat sich in die­sem Zu­sam­men­hang aus­führ­lich mit der Aus­sa­ge des Zeu­gen Z und den An­ga­ben des Be­klag­ten aus­ein­an­der­ge­setzt und die­se ei­ner um­fas­sen­den Wür­di­gung un­ter­zo­gen. Das Erst­ge­richt kam hier­bei zu dem Er­geb­nis, dass der Be­klag­te die Klä­ge­rin und de­ren Ehe­mann im Rah­men des Be­sich­ti­gungs­ter­mins auf ein vor­han­de­nes Spalt­maß und da­mit auf ei­nen mög­li­chen (wei­te­ren) Un­fall­scha­den hin­ge­wie­sen hat. Hier­an ist das Be­ru­fungs­ge­richt ge­bun­den. Es lie­gen hier auch kei­ne kon­kre­ten An­halts­punk­te vor, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit der erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen be­grün­den; ins­be­son­de­re wer­den sol­che auch mit der Be­ru­fung nicht schlüs­sig auf­ge­zeigt.

Un­ge­ach­tet des­sen spricht auch der In­halt des Kauf­ver­trags ein­deu­tig da­für, dass nicht nur über ei­nen Un­fall­scha­den wäh­rend der Be­sitz­zeit des Be­klag­ten auf­ge­klärt wur­de, son­dern auch über wei­te­re Schä­den. Der Ver­trag ent­hält ex­pli­zit den Hin­weis „Vor­scha­den/​Un­fall­scha­den – De­tails un­be­kannt“. Nach dem ob­jek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zont kann die­ser Hin­weis nur so ver­stan­den wer­den, dass es (min­des­tens) ei­nen wei­te­ren Scha­den ge­ge­ben ha­ben muss, der nicht im Zu­sam­men­hang mit den Be­schä­di­gun­gen an der Stoß­stan­ge steht.

3. Des Wei­te­ren ist auch we­der er­kenn­bar noch von der Klä­ge­rin dar­ge­tan, dass der Be­klag­te Kennt­nis von wei­te­ren Un­fall­schä­den hat­te und hier­über wis­sent­lich nicht auf­ge­klärt hat. So­weit die Klä­ge­rin meint, aus der durch­ge­führ­ten Nachla­ckie­rung er­ge­be sich ein hin­rei­chen­der An­halts­punkt da­für, dass der Be­klag­te Kennt­nis von wei­te­ren Un­fall­schä­den ge­habt ha­ben muss, kann dem der Se­nat nicht fol­gen. Dass ein Ge­braucht­wa­gen im Al­ter von über 15 Jah­ren nicht mehr über den Ori­gi­nal­lack ver­fügt, ist nicht un­ge­wöhn­lich und recht­fer­tigt für sich al­lein nicht die An­nah­me ei­ner Ver­trags­wid­rig­keit, schon gar nicht in Form ei­ner arg­lis­ti­gen Täu­schung (vgl. hier­zu OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 30.06.2009 – 14 U 204/07, ju­ris Rn. 25). An­lass für ei­ne Neu- oder Nachla­ckie­rung kann näm­lich bei­spiels­wei­se auch ein Ha­gel­scha­den, ein Lack­krat­zer oder auch ein un­an­sehn­lich ge­wor­de­ner Ori­gi­nal­lack ge­we­sen sein.

4. Ent­ge­gen der An­sicht der Klä­ge­rin recht­fer­tigt auch der be­haup­te­te un­ter­las­se­ne Hin­weis auf die Re­impor­t­ei­gen­schaft des Fahr­zeugs kei­ne An­fech­tung des Kauf­ver­trags. Zwar hat der
Ver­käu­fer den Käu­fer auch un­ge­fragt auf we­sent­li­che Tat­sa­chen hin­zu­wei­sen, die für den Käu­fer von er­heb­li­cher Be­deu­tung sind. Ins­be­son­de­re ist der Käu­fer über Um­stän­de zu in­for­mie­ren, die zu ei­ner Wert­min­de­rung des Fahr­zeugs füh­ren be­zie­hungs­wei­se ge­führt ha­ben. Dass das von der Klä­ge­rin er­wor­be­ne Fahr­zeug an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die­ses re­impor­tiert wur­de, im Wert ge­min­dert war, kann je­doch nicht fest­ge­stellt wer­den.

Der Be­ru­fung ist zwar ein­zu­räu­men, dass nach der frü­he­ren Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­rich­te der Re­import ei­nes Ge­braucht­wa­gens ei­nen of­fen­ba­rungs­pflich­ti­gen Um­stand dar­stell­te, weil für Im­port­fahr­zeu­ge ein deut­lich nied­ri­ge­res Preis­ge­fü­ge herrsch­te und da­mit die Erst­zu­las­sung in Deutsch­land grund­sätz­lich ei­nen er­heb­li­chen preis­bil­den­den Fak­tor dar­stell­te. Dies re­sul­tier­te dar­aus, dass ein po­ten­zi­el­ler Er­wer­ber we­gen der im Fahr­zeug­brief do­ku­men­tier­ten Im­por­t­ei­gen­schaft ge­gen ein sol­ches Fahr­zeug grund­sätz­lich miss­trau­isch war und sich die­ses Miss­trau­en im Markt­wert nie­der­schlug. Al­ler­dings ist be­reits seit 2002 ei­ne Än­de­rung des Markt­ver­hal­tens be­züg­lich der „Im­port­fahr­zeu­ge“ fest­zu­stel­len, da im­mer mehr Händ­ler Fahr­zeu­ge im Aus­land be­zie­hen, so­dass nicht mehr da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass sich die Re­impor­t­ei­gen­schaft ge­ne­rell min­dernd auf den Ver­kehrs­wert aus­wirkt (vgl. OLG Je­na, Urt. v. 23.10.2008 – 1 U 118/08, ju­ris Rn. 20 ff.; s. schon OLG Hamm, Urt. v. 13.05.2003 – 28 U 150/02, ju­ris Rn. 9 ff.). Viel­mehr stellt dies in­zwi­schen ei­ne im Ein­zel­fall zu ent­schei­den­de Tat­sa­chen­fra­ge dar (vgl. OLG Je­na, Urt. v. 23.10.2008 – 1 U 118/08, ju­ris Rn. 24 ff.). Von dem Be­ste­hen ei­ner Auf­klä­rungs­pflicht kann da­her nur dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn das re­impor­tier­te Fahr­zeug auf­grund des ge­heg­ten Miss­trau­ens der po­ten­zi­el­len Käu­fer tat­säch­lich ei­nen ge­rin­ge­ren Wert hat als der von den Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bar­te Kauf­preis.

Zu An­halts­punk­ten für ei­ne kon­kre­te Aus­wir­kung auf den Ver­kehrs­wert bei dem Fahr­zeug­typ des hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeu­ges fehlt in­des jeg­li­cher Vor­trag der Klä­ge­rin. Un­ge­ach­tet des­sen er­scheint es fern­lie­gend, dass der Re­import im vor­lie­gen­den Fall noch ei­nen we­sent­li­chen Ein­fluss auf den Markt­wert hat, be­rück­sich­tigt man hier­bei ins­be­son­de­re die Tat­sa­che, dass die Erst­zu­las­sung des Fahr­zeugs be­reits im Jahr 1999 er­folgt ist.

5. Auch auf op­ti­sche Män­gel lässt sich ei­ne An­fech­tung des Kauf­ver­trags nicht mit Er­folg stüt­zen. Die Be­ru­fung der Klä­ge­rin zeigt nicht schlüs­sig auf, war­um ihr op­ti­sche Män­gel ver­bor­gen
ge­blie­ben sind, dem Be­klag­ten aber hät­ten auf­fal­len müs­sen. Der Hin­weis dar­auf, dass die Klä­ge­rin tech­ni­scher Laie sei, über­zeugt nicht. Un­ge­ach­tet des­sen, dass nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­tan ist, um wel­che op­ti­schen Män­gel es sich im Ein­zel­nen han­delt, kann auch der Be­klag­te die Be­zeich­nung tech­ni­scher Laie für sich in An­spruch neh­men; je­den­falls ist klä­ger­seits nicht auf­ge­zeigt, wor­aus sie ei­ne et­wai­ge Sach­kun­de des Be­klag­ten her­lei­tet.

6. So­weit das Land­ge­richt schließ­lich ei­ne An­fech­tung der Klä­ge­rin we­gen be­haup­te­ten Öl­ver­lusts und ei­ner Ta­cho­ma­ni­pu­la­ti­on ver­neint hat, wer­den die­se Fest­stel­lun­gen von der Be­ru­fung der Klä­ge­rin nicht an­ge­grif­fen, so­dass die­se ei­ner Über­prü­fung durch das Be­ru­fungs­ge­richt ent­zo­gen sind. …

Hin­weis: Die Klä­ge­rin hat zu dem Hin­weis­be­schluss le­dig­lich der­ge­stalt Stel­lung ge­nom­men, dass sie un­ter dem 22.01.2021 „auf die bis­he­ri­gen Aus­füh­run­gen Be­zug ge­nom­men“ hat. Ih­re Be­ru­fung hat der 8.​Zivilse­nat des OLG Zwei­brü­cken dar­auf­hin mit Be­schluss vom 26.01.2021 – 8 U 85/17 – zu­rück­ge­wie­sen und zur Be­grün­dung (aus­schließ­lich) auf sei­nen Hin­weis­be­schluss vom 30.11.2020 Be­zug ge­nom­men.

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