Ein ge­werb­li­cher Ge­braucht­wa­gen­ver­käu­fer muss ei­nen (po­ten­zi­el­len) Käu­fer dar­über auf­klä­ren, dass ein Fahr­zeug beim Vor­ei­gen­tü­mer aus­schließ­lich als Miet­wa­gen ge­nutzt wur­de. Für ei­nen durch­schnitt­li­chen Pri­vat­kun­den ist dies ein aty­pi­schen Fak­tor, der in der Re­gel zu ei­nem mer­kan­ti­len Min­der­wert und da­mit üb­li­cher­wei­se zu ei­nem Ab­schlag auf den „Nor­mal­preis“ des Fahr­zeugs führt.

OLG Stutt­gart, Ur­teil vom 31.07.2008 – 19 U 54/08

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin macht ge­gen die Be­klag­te An­sprü­che gel­tend, nach­dem sie ei­nen mit der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag über ei­nen Ge­braucht­wa­gen we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung an­ge­foch­ten und hilfs­wei­se den Rück­tritt von die­sem Ver­trag er­klärt hat. Das Land­ge­richt hat ih­re Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, dass die Vor­be­nut­zung ei­nes Pkw als Miet­wa­gen kei­nen Sach­man­gel dar­stel­le und die Be­klag­te die Klä­ge­rin auch nicht dar­über ha­be auf­klä­ren müs­sen, dass das von ihr er­wor­be­ne Fahr­zeug als Miet­wa­gen ge­nutzt wor­den sei. Zu­min­dest sei­en An­sprü­che aber des­halb aus­ge­schlos­sen, weil der Klä­ge­rin die Miet­wa­gen­ei­gen­schaft, die die Be­klag­te nicht arg­lis­tig ver­schwie­gen ha­be, nur in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­blie­ben sei. Die Be­ru­fung hat­te weit­ge­hend Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … 1. Der Klä­ge­rin steht aus Arg­listan­fech­tung ge­mäß §§ 123 I, 124, 143 I, II, 142 I, 812 I 1 Fall 1, 818, 816 BGB, die zu ei­nem Aus­schluss der ver­trag­li­chen Sach­män­gel­an­sprü­che führt (vgl. Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 9. Aufl., Rn. 1714 i. V. mit Rn. 1535), ein An­spruch in Hö­he von 24.834,08 € nebst Zin­sen zu­züg­lich der Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs (§§ 256 I, 756 ZPO) zu.

a) Für die Be­klag­te be­stand ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht über die Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen.

Die aus­schließ­li­che Vor­be­nut­zung ei­nes Pkw als Miet­fahr­zeug beim Vor­ei­gen­tü­mer stellt beim Kauf aus „ers­ter Hand“ für ei­nen durch­schnitt­li­chen Pri­vat­kun­den, auf den ab­zu­stel­len ist, (im­mer noch) ei­ne aty­pi­sche Vor­be­nut­zung dar und ist ein die Wert­bil­dung ne­ga­tiv be­ein­flus­sen­der Fak­tor, der in der Re­gel ei­nen mer­kan­ti­len Min­der­wert des Fahr­zeugs aus­löst und üb­li­cher­wei­se zu ei­nem Ab­schlag auf den „Nor­mal­preis“ des Fahr­zeugs führt. Die­se Um­stän­de be­grün­den vor­lie­gend die Auf­klä­rungs­pflicht des ge­werb­li­chen Ge­braucht­wa­gen­ver­käu­fers.

Die Rechts­auf­fas­sung des Se­nats steht nicht im Wi­der­spruch zu den Ent­schei­dun­gen des OLG Köln vom 29.05.1996 (13 U 161/95, NZV 1997, 312) und des OLG Düs­sel­dorf vom 26.07.2000 (I-22 U 27/00, OLGR 2001, 19), wo ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht ver­neint wor­den ist, da den Ent­schei­dun­gen an­ders ge­la­ger­te Sach­ver­hal­te zu­grun­de ge­le­gen ha­ben, näm­lich dass die ver­kauf­ten Fahr­zeu­ge zwei Vor­ei­gen­tü­mer hat­ten, und dass nur der kür­ze­re Teil des Zu­las­sungs­zeit­raums auf die Nut­zung als Miet­wa­gen ent­fal­len ist. So­weit in der Li­te­ra­tur (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1261 ff. un­ter Be­zug­nah­me auf Ot­ting, ZGS 2004, 12) die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Nut­zung ei­nes Fahr­zeugs beim Er­stei­gen­tü­mer als Miet­wa­gen stel­le heu­te kei­ne aty­pi­sche Vor­be­nut­zung mehr dar, folgt dem der Se­nat nicht. Das Markt­ge­sche­hen kann nicht al­lein durch sta­tis­ti­sche Be­trach­tungs­wei­sen er­fasst wer­den, son­dern wird maß­geb­lich durch die Käu­fer­sei­te, de­ren Kennt­nis­se und de­ren Wert­vor­stel­lun­gen, ge­prägt.

b) Der Se­nat ist auch da­von über­zeugt, dass die Be­klag­te die Klä­ge­rin im Rah­men der Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen nicht über die Nut­zung als Miet­wa­gen beim „Vor­be­sit­zer“ auf­ge­klärt hat. Der Zeu­ge G hat aus­ge­sagt, dass bei den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen der Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, der Zeu­ge H, auf ei­ne Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen nicht hin­ge­wie­sen ha­be, son­dern die Nach­fra­ge nach dem Grund für die re­la­tiv ho­he Lauf­leis­tung des Pkw mit Erst­zu­las­sung 2006 und ei­nem Vor­be­sit­zer mit den of­fen­bar vie­len Lang­stre­cken­fahr­ten des Vor­be­sit­zers er­klärt ha­be. Es liegt na­he, dass ein Kauf­in­ter­es­sent die auf­fäl­lig ho­he Lauf­leis­tung des Pkw (35.658 km in­ner­halb von cir­ca 7,5 Mo­na­ten, d. h. über 4.700 km pro Mo­nat) hin­ter­fragt, und dass ei­ne Aus­kunft, der Pkw sei bis­lang als Miet­fahr­zeug be­nutzt wor­den, vom Kauf­in­ter­es­sen­ten nicht als un­wich­ti­ges De­tail ein­ge­ord­net wird, son­dern von ihm zu­min­dest als For­de­rung für ei­ne Preis­her­ab­set­zung ge­nom­men wird. Schon von da­her über­zeugt den Se­nat die Aus­sa­ge des Zeu­gen H, die Klä­ge­rin und ihr Le­bens­ge­fähr­te hät­ten auf die Mit­tei­lung bei den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen, dass die Vor­be­sit­ze­rin ein Miet­wa­gen­ser­vice ge­we­sen sei, kei­ne Re­ak­ti­on ge­zeigt, nicht.

Hin­zu kommt, dass die Klä­ge­rin bei den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen auch nach den An­ga­ben des Zeu­gen H nicht über den Zeit­punkt der nächs­ten Haupt­un­ter­su­chung auf­ge­klärt wor­den ist. Der Zeu­ge G hat des­halb an­ge­ge­ben, von ei­ner Frist von 36 Mo­na­ten für die ers­te Haupt­un­ter­su­chung (vgl. An­la­ge VI­II zu § 29 StV­ZO Nr. 2.​1.​2.​1.1) aus­ge­gan­gen zu sein. Dies wird da­durch be­stä­tigt, dass die Klä­ge­rin mit dem Fahr­zeug mo­na­te­lang, das heißt von Ju­ni 2007 bis 19.09.2007, oh­ne „TÜV-Zu­las­sung“ ge­fah­ren ist . Wä­re auf die Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen hin­ge­wie­sen wor­den, so hät­te es na­he­ge­le­gen, auch auf die recht­li­chen Fol­gen, wie die Frist für die Haupt­un­ter­su­chung nach zwölf Mo­na­ten (An­la­ge VI­II zu § 29 StV­ZO Nr. 2.2), hin­zu­wei­sen; an­de­rer­seits konn­te bei ei­nem Ver­schwei­gen die­ses Um­stands bei den Kauf­ver­hand­lun­gen auch die aty­pi­sche Vor­be­nut­zung ver­heim­licht wer­den.

Der un­ter­las­se­nen Auf­klä­rung steht zur Über­zeu­gung des Se­nats auch nicht der Ver­merk auf der von der Klä­ge­rin un­ter­schrie­be­nen schrift­li­chen Be­stel­lung vom 03.01.2007, von der der Klä­ge­rin so­gleich ei­ne Mehr­fer­ti­gung aus­ge­hän­digt wor­den war (un­strei­tig), so­wie der Ver­merk auf der von der Klä­ge­rin nach­träg­lich un­ter­schrie­be­nen Be­stel­lung, da­tie­rend auf den 05.01.2007, die von der Be­klag­ten aus­ge­stellt wor­den war, da sie in der ers­ten Be­stel­lung nur den End­preis, nicht aber den Net­to­preis und die Um­satz­steu­er aus­ge­wie­sen hat­te, und die je­weils lau­ten „Das Fahr­zeug wur­de It. Vor­be­sit­zer als En­t­er­pri­se ge­nutzt“, ent­ge­gen. Nach den An­ga­ben des Zeu­gen H sind ihm die ein­schließ­lich der Ver­mer­ke be­reits aus­ge­füll­ten Be­stell­for­mu­la­re von ei­nem an­de­ren Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten je­weils über­ge­ben wor­den. Sie do­ku­men­tie­ren be­reits von da­her nicht den In­halt der Ver­hand­lun­gen und ei­ne da­bei er­folg­te Auf­klä­rung. Auch aus dem Wort­laut der Ver­mer­ke selbst her­aus er­gibt sich auf­grund ih­rer Un­ver­ständ­lich­keit kein ent­spre­chen­der Hin­weis. In­so­weit hät­te für die Klä­ge­rin le­dig­lich An­lass be­ste­hen kön­nen nach­zu­fra­gen, was die­se un­ver­ständ­li­chen Ver­mer­ke in­halt­lich ei­gent­lich be­deu­ten sol­len. Je­doch er­gibt sich aus der Aus­sa­ge der Zeu­gin L, die bei der Un­ter­zeich­nung der Be­stel­lung vom 03.01.2007 mit an­we­send ge­we­sen ist, nicht hin­rei­chend si­cher, dass die Klä­ge­rin die­ses De­tail, das ge­gen­über dem vor­ge­druck­ten Ver­trags­text nicht be­son­ders her­vor­ge­ho­ben ist, beim Durch­le­sen vor ih­rer Un­ter­schrift tat­säch­lich wahr­ge­nom­men hat.

c) Die Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht be­ruht auch auf ei­nem arg­lis­ti­gen Ver­hal­ten des Mit­ar­bei­ters der Be­klag­ten, des Zeu­gen H, das der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen ist, da der Zeu­ge H von der Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen Kennt­nis hat­te und es zu­min­dest für mög­lich hielt, dass die­ser nicht of­fen­bar­te Um­stand für die Wil­lens­bil­dung der Klä­ge­rin von Be­deu­tung sein kann, und sie bei Auf­klä­rung den Ver­trag nicht oder nur zu an­de­ren Be­din­gun­gen ab­ge­schlos­sen hät­te (Hein­richs/El­len­ber­ger, in: Pa­landt, BGB, 67. Aufl., § 123 Rn. 11).

d) Die Täu­schung ist auch für die Wil­lens­er­klä­rung der Klä­ge­rin ur­säch­lich ge­wor­den, nach­dem sie schlüs­sig dar­ge­legt hat, dass sie ein Fahr­zeug, das vom Vor­ei­gen­tü­mer als Miet­wa­gen ein­ge­setzt wor­den ist, nicht er­wor­ben hät­te.

e) Die An­fech­tung ist form- und frist­ge­recht er­klärt wor­den (§§ 124, 143 I, II BGB).

f) Hin­ge­gen er­gibt sich aus der – be­strit­te­nen – Be­haup­tung der Klä­ge­rin, der Pkw sei laut dem am Fahr­zeug an­ge­brach­ten Aus­zeich­nungs­schild als Halb- bzw. Drei­vier­tel-Jah­res­wa­gen an­ge­bo­ten wor­den, wo­bei be­reits der Be­griff des Jah­res­wa­gens ei­ne Nut­zung als Miet­wa­gen aus­schlie­ßen wür­de (vgl. da­zu BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 180/05, NJW 2006, 2694), kein An­fech­tungs­recht, nach­dem der Zeu­ge G ei­ne sol­che Aus­schil­de­rung nicht be­stä­tigt hat.

g) Rechts­fol­ge der Arg­listan­fech­tung ist die Rück­ab­wick­lung ge­mäß §§ 812 ff. BGB.

aa) Die Klä­ge­rin hat An­spruch auf Rück­zah­lung des ge­leis­te­ten Geld­be­trags in Hö­he von 12.100 € ge­mäß §§ 812 I 1 Fall 1, 818 II BGB.

bb) Die bei­den für zu­sam­men 10.800 € in Zah­lung ge­nom­me­nen Alt­wa­gen der Klä­ge­rin kann die Be­klag­te nicht mehr her­aus­ge­ben, da die Fahr­zeu­ge von ihr wei­ter­ver­kauft wor­den sind. Nach § 818 II BGB schul­det die Be­klag­te da­mit Wert­er­satz. Maß­ge­bend ist der ob­jek­ti­ve Ver­kehrs­wert, nicht der bei der Ver­äu­ße­rung er­ziel­te Ge­winn (Pa­landt/Sprau, BGB, 67. Aufl., § 818 Rn. 18; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1718). Man­gels an­der­wei­ti­gem Sach­vor­trag der Par­tei­en ist der Ver­kehrs­wert mit 10.800 € an­zu­set­zen.

cc) Al­ler­dings hat die Be­klag­te – un­strei­tig – die bei­den in Zah­lung ge­nom­me­nen Fahr­zeu­ge je­weils mit Ge­winn wei­ter­ver­äu­ßert, den Pkw VW Golf zum Preis von 9.990 € und den Pkw Mi­tsu­bi­shi Colt zum Preis von 6.690 €, ins­ge­samt al­so 16.680 € er­löst. Der Ver­kaufs­er­lös, al­so auch der Ge­winn von 5.880 €, un­ter­fällt zwar nicht der Her­aus­ga­be­pflicht des § 818 I Halb­satz 2 BGB, da in­so­weit § 818 II BGB ei­ne Son­der­re­ge­lung ent­hält (BGH, Urt. v. 10.02.2004 – X ZR 117/02, NJW 2004, 1314; Pa­landt/Sprau, a. a. O., § 818 Rn. 14; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1718); er kann je­doch nach § 816 BGB her­aus­ver­langt wer­den (Pa­landt/Sprau, a. a. O., § 816 Rn. 23 f.; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1718), nach­dem bei der An­fech­tung nach § 123 BGB von ei­ner Ge­samt­nich­tig­keit des an­ge­foch­te­nen Ge­schäfts un­ter Ein­schluss der ding­li­chen Sei­te aus­zu­ge­hen ist (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1718 i. V. mit Rn. 1714).

dd) Die Klä­ge­rin ist im Ge­gen­zug zur Her­aus­ga­be der ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen ver­pflich­tet, die sie sich, wie sich auch aus ih­rer An­trag­stel­lung er­gibt, in Ab­zug brin­gen las­sen will, de­ren Hö­he sie aber der Schät­zung des Se­nats un­ter­stellt (§ 287 ZPO). Bei ei­nem Kauf­preis von 22.900 € und ei­ner zu er­war­ten­den Rest­lauf­leis­tung im Zeit­punkt der Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs von ge­schätz­ten wei­te­ren 214.342 km er­gibt sich ei­ne Nut­zungs­ver­gü­tung von (auf­ge­run­det) 11 Cent/km (vgl. da­zu Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1454 ff.). Bei ge­fah­re­nen Ki­lo­me­tern von 35.872 er­gibt sich ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung von 3.945,92 €.

ee) Aus den vor­ste­hend auf­ge­führ­ten Po­si­tio­nen aa bis dd er­gibt sich da­mit ein Sal­do von 24.834,08 €.

h) Der Klä­ge­rin ste­hen Zin­sen in Hö­he von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 27.09.2007 zu (§§ 286, 288 I BGB). Dass ge­mäß §§ 346, 348 BGB die Rück­ge­währ des Kauf­prei­ses nur Zug um Zug ge­gen Rück­ge­währ des ver­kauf­ten Fahr­zeugs zu er­fol­gen hat, steht dem nicht ent­ge­gen. Die Be­klag­te ist da­durch in Schuld­ner­ver­zug ge­ra­ten, dass die Klä­ge­rin ihr das Fahr­zeug in An­nah­me­ver­zug be­grün­den­der Wei­se an­ge­bo­ten hat. Ein wört­li­ches An­ge­bot der Rück­ga­be des Fahr­zeugs war auf­grund der Wei­ge­rung der Be­klag­ten, das Fahr­zeug ent­ge­gen­zu­neh­men, aus­rei­chend (§ 295 Satz 1 Fall 1 BGB).

i) Die Klä­ge­rin hat auch ein recht­li­ches In­ter­es­se an der Fest­stel­lung (§ 256 I ZPO), dass sich die Be­klag­te in An­nah­me­ver­zug be­fin­det (§ 756 ZPO).

j) Die zeit­wei­se Si­che­rungs­über­eig­nung des Fahr­zeugs an die Volks­wa­gen Bank GmbH zur Si­che­rung von de­ren Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch steht den schuld­recht­li­chen An­sprü­chen der Klä­ge­rin nicht ent­ge­gen. Im Üb­ri­gen ist nach Zah­lung der letz­ten Dar­le­hens­ra­te in Hö­he von 5.000 € durch die Klä­ge­rin am 21.01.2008 ei­ne Rück­über­eig­nung un­ter Aus­hän­di­gung des Fahr­zeug­briefs er­folgt.

k) Auch be­steht als Scha­dens­er­satz ne­ben der Leis­tung (§§ 437 Nr. 3, 325, 280 I BGB (vgl. da­zu BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06, BGHZ 170, 86, 98) grund­sätz­lich ein An­spruch auf Er­stat­tung der An­walts­kos­ten.

Wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat durch den Klä­ger­ver­tre­ter zu­ge­stan­den, hat die Rechts­schutz­ver­si­che­rung der Klä­ge­rin auf­grund der Auf­for­de­rungs­schrei­ben vom 19.10.2007 und 26.10.2007 ei­ne Zah­lung von 1.196,43 € auf die Ver­fah­rens­ge­bühr gem. § 13 RVG, Nr. 3100 VV RVG ge­leis­tet, so­dass nach § 67 VVG der Scha­dens­er­satz­an­spruch in­so­weit auf die Rechts­schutz­ver­si­che­rung über­ge­gan­gen ist. Al­ler­dings macht die Klä­ge­rin kla­ge­wei­se die Ge­schäfts­ge­bühr nach §§ 13, 14 RVG, Nr. 2300 VV RVG in Hö­he von 1,3 gel­tend. Da­mit wird die Ver­fah­rens­ge­bühr, da es sich um den­sel­ben Ge­gen­stand han­delt und die vor­ge­richt­li­che Ge­schäfts­ge­bühr selbst un­an­ge­tas­tet bleibt, um die Hälf­te ver­min­dert (BGH, Urt. v. 07.03.2007 – VI­II ZR 86/06, MDR 2007, 984). So­weit die Ge­schäfts­ge­bühr die Ver­fah­rens­ge­bühr ver­rin­gert hat, ist die Ver­si­che­rungs­leis­tung nun­mehr auf sie an­zu­rech­nen, mit der Fol­ge ei­nes ent­spre­chen­den For­de­rungs­über­gangs. Ei­ne an­de­re Rechts­aus­le­gung hät­te zur Fol­ge, dass der Klä­ge­rin drei Ge­büh­ren zu­flie­ßen wür­den. Da­mit be­steht le­dig­lich noch ein An­spruch in Hö­he des hälf­ti­gen Be­trags der vor­ge­richt­li­chen Ge­schäfts­ge­bühr zu­züg­lich der gel­tend ge­mach­ten Pro­zess­zin­sen.

2. Der Klä­ge­rin stün­den, falls (vor­ran­gi­ge) An­sprü­che we­gen Arg­listan­fech­tung aus­schei­den soll­ten, zu­min­dest Rück­ge­währan­sprü­che in­fol­ge des Rück­tritts vom Kauf­ver­trag mit Er­set­zungs­be­fug­nis (vgl. da­zu Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 67. Aufl., § 364 Rn. 3; Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 67. Aufl., § 480 Rn. 6) nach § 434 I 2 Nr. 2, § 437 Nr. 2 Fall 1, § 326 V, § 323, §§ 346 ff. BGB zu.

a) Da es hin­sicht­lich der aty­pi­schen Vor­be­nut­zung an ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung (§ 434 I 1 BGB) fehlt und die in Re­de ste­hen­de Soll­be­schaf­fen­heit sich auch nicht aus der nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dung (§ 434 I 2 Nr. 1 BGB) er­gibt, ist das Fahr­zeug nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB frei von Sach­män­geln, wenn es sich für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­net und ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­weist, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann (vgl. BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53). Wel­che Be­schaf­fen­heit üb­lich ist, hängt von den Um­stän­den des Ein­zel­falls ab. Beim Kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens mit ei­nem Al­ter von we­ni­ger als ei­nem Jahr aus „ers­ter Hand“ kann der Käu­fer er­war­ten, dass kei­ne aty­pi­sche Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs vor­ge­le­gen hat, das Fahr­zeug al­so nicht zu­vor als Miet­wa­gen be­nutzt wor­den ist. Auf die Aus­füh­run­gen un­ter 1 a wird Be­zug ge­nom­men.

b) Da der Ge­braucht­wa­gen bei Ge­fahr­über­gang ei­nen Sach­man­gel auf­ge­wie­sen hat, konn­te die Klä­ge­rin ge­mäß § 437 Nr. 2 Fall 1, § 326 V, § 323 BGB vom Ver­trag zu­rück­tre­ten. Ei­ner vor­an­ge­hen­den Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung durch Nach­bes­se­rung be­durf­te es nicht, weil der Man­gel nicht be­heb­bar ist (§ 326 V BGB). Durch Nach­bes­se­rung lässt sich der Cha­rak­ter des Fahr­zeugs als frü­he­res Miet­fahr­zeug nicht kor­ri­gie­ren. Ei­ne Er­satz­lie­fe­rung ist bei dem hier vor­lie­gen­den Ge­braucht­wa­gen­kauf un­mög­lich (vgl. BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64, 71; Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53). Die in der Lie­fe­rung des man­gel­haf­ten Fahr­zeugs lie­gen­de Pflicht­ver­let­zung ist nicht un­er­heb­lich, so­dass dem Rück­tritt auch nicht § 323 V 2 BGB ent­ge­gen­steht (vgl. BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53).

c) Spe­zi­el­le, die­se ge­setz­li­chen Re­geln ab­än­dern­de Be­stim­mun­gen sind in den von der Be­klag­ten ver­wen­de­ten „Ver­kaufs­be­din­gun­gen für ge­brauch­te Fahr­zeu­ge und An­hän­ger“ nicht ent­hal­ten.

d) Ein Aus­schluss der Sach­män­gel­an­sprü­che in­fol­ge grob fahr­läs­si­ger Un­kennt­nis liegt nicht vor (§ 442 I 2 BGB). Auf die Aus­füh­run­gen un­ter 1 b und 1 c wird Be­zug ge­nom­men. Im Üb­ri­gen sind ei­ne ho­he Lauf­leis­tung und ei­ne kur­ze Zu­las­sungs­zeit beim Vor­be­sit­zer auch nicht be­reits „selbst­er­klä­rend“ für ei­ne Vor­be­nut­zung des Fahr­zeugs als Miet­wa­gen (a. A. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1264).

e) Rechts­fol­ge des Rück­tritts ist ei­ne Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags.

aa) Die Klä­ge­rin hat An­spruch auf Wert­er­satz in Hö­he des be­zahl­ten Kauf­prei­ses von 12.100 € ge­mäß § 346 I BGB (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1451 i. V. mit Rn. 438).

bb) Der An­spruch auf Wert­er­satz für die in Zah­lung ge­ge­be­nen, aber zwi­schen­zeit­lich von der Be­klag­ten wei­ter­ver­äu­ßer­ten bei­den Fahr­zeu­ge der Klä­ge­rin er­gibt sich aus § 346 II BGB. Der Wert­er­satz rich­tet sich nach der ver­trag­li­chen Be­wer­tung der Alt­fahr­zeu­ge (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 658 i. V. mit Rn. 665). Nach dem über­ein­stim­men­den Par­tei­vor­trag in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 14.02.2008 wa­ren dies 10.800 €.

cc) Die Klä­ge­rin hat ge­mäß § 346 II 1 Nr. 2 und 3 BGB auch An­spruch auf das stell­ver­tre­ten­de com­mo­dum nach § 285 BGB. Durch den An­spruch auf das Sur­ro­gat nach § 285 BGB wird ihr nicht nur der Zu­griff auf Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ge­gen Drit­te er­mög­licht, viel­mehr kann sie auch das durch Rechts­ge­schäf­te er­lang­te Ent­gelt ver­lan­gen (BGH, Urt. v. 11.10.1979 – VII ZR 285/78, BGHZ 75, 203, 205). Da­her steht ihr der durch den Wei­ter­ver­kauf der Fahr­zeu­ge durch die Be­klag­te er­ziel­te Ver­kaufs­er­lös in Hö­he von 5.880 € zu (MünchKomm-BGB/Gai­er, 5. Aufl., § 346 Rn. 47).

dd) An­de­rer­seits be­steht ei­ne Ver­pflich­tung zur Her­aus­ga­be der Ge­brauchs­vor­tei­le ge­mäß § 346 I BGB. Die­se er­rech­nen sich auf 3.945,92 € (vgl. Nr. 1 g dd).

ee) Nach den vor­ste­hen­den Po­si­tio­nen wür­de sich auch im Fal­le des Rück­tritts ein An­spruch der Klä­ge­rin in Hö­he von 24.834,08 € er­ge­ben.

f) Im Üb­ri­gen wird auf die Aus­füh­run­gen un­ter 1 h bis k, da sich in­so­weit kei­ne Un­ter­schie­de zur Arg­listan­fech­tung er­ge­ben, Be­zug ge­nom­men. …

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