1. An­ga­ben, die ein Kfz-Ver­käu­fer vor Ab­schluss des Kauf­ver­trags in ei­nem In­ter­net­in­se­rat macht (hier: „kom­plett ROST­FREI!!!“), füh­ren in der Re­gel auch dann zu ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung i. S. des § 434 I 1 BGB, wenn sie in ei­nem spä­ter ge­schlos­se­nen schrift­li­chen Kauf­ver­trag nicht mehr ent­hal­ten sind.
  2. Es kann dem Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens nicht als Sorg­falts­ver­stoß an­ge­las­tet wer­den, wenn er sich auf die An­ga­ben des Ver­käu­fers zum Fahr­zeug ver­lässt und des­halb kei­ne ei­ge­nen Nach­for­schun­gen an­stellt (im An­schluss an OLG Karls­ru­he, Urt. v. 14.01.2014 – 9 U 233/12). Es ist schon des­halb nicht grob fahr­läs­sig i. S. von § 442 I 2 BGB, wenn der Käu­fer da­von ab­sieht, den Un­ter­bo­den ei­nes als „kom­plett rost­frei“ an­ge­prie­se­nen Fahr­zeugs auf Rost zu un­ter­su­chen.
  3. Wen­det der Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens Kos­ten für die Be­sei­ti­gung von Män­geln auf, für die der Ver­käu­fer we­gen ei­nes (in­so­weit wirk­sam) ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schlus­ses nicht haf­tet, so kann er die­se Kos­ten vom Ver­käu­fer ge­stützt auf § 437 Nr. 3, § 284 BGB als ver­geb­li­che Auf­wen­dun­gen er­setzt ver­lan­gen, wenn er das Fahr­zeug dem Ver­käu­fer spä­ter we­gen ei­nes an­de­ren Man­gels, auf den sich der Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nicht er­streckt, zu­rück­gibt.
  4. Ver­si­che­rungs­prä­mi­en für ei­ne Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung sind eben­so wie die Kraft­fahr­zeug­steu­er not­wen­di­ge Ver­wen­dun­gen i. S. von § 347 II 1 BGB (im An­schluss an OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 14.01.2009 – 17 U 223/08, MDR 2009, 497 [Lea­sing­ver­trag]).

OLG Bran­den­burg, Ur­teil vom 27.11.2018 – 3 U 15/18

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen ge­brauch­ten Pkw.

Der Be­klag­te bot im Ju­li 2015 im In­ter­net ei­nen ge­brauch­ten, am 01.04.1973 erst­zu­ge­las­se­nen Mer­ce­des-Benz 450 SL (192 PS) zum Preis von 20.000 € zum Kauf an. In dem In­ter­net­in­se­rat hieß es un­ter an­de­rem:

„Fahr­zeug ist jetzt kom­plett ROST­FREI!!!
Kein Un­fall!!! ROST­FREI!!! SEHR GE­RIN­GE Lauf­leis­tung!!“

Nach­dem der Klä­ger auf das In­se­rat auf­merk­sam ge­wor­den war, un­ter­nahm er ei­ne Pro­be­fahrt mit dem Fahr­zeug. An­schlie­ßend – am 29.06.2015 – er­warb er den Pkw für 19.400 €.

Die Par­tei­en schlos­sen ei­nen schrift­li­chen Kauf­ver­trag, in dem es un­ter an­de­rem heißt:

„II. Ge­währ­leis­tung

Das Fahr­zeug wird wie be­sich­tigt un­ter Aus­schluss der Sach­män­gel­haf­tung ver­kauft, so­weit nicht un­ter Zif­fer III. ei­ne be­stimm­te Zu­si­che­rung er­folgt.

[…]

III. Zu­si­che­run­gen des Ver­käu­fers

Der Ver­käu­fer si­chert Fol­gen­des zu: […] Das Fahr­zeug hat­te, seit es im Ei­gen­tum des Ver­käu­fers war, kei­nen Un­fall­scha­den. Das Fahr­zeug hat kei­ne sons­ti­gen Be­schä­di­gun­gen.“

Hand­schrift­lich wur­de un­ter „VI­II. Son­der­ver­ein­ba­run­gen“ ein­ge­tra­gen: „kei­ne Ga­ran­tie, kei­ne Ge­währ­leis­tung“.

Un­mit­tel­bar nach Ab­schluss des Kauf­ver­trags wur­de das Fahr­zeug auf den Klä­ger zu­ge­las­sen; die Zu­las­sungs­kos­ten be­tru­gen 80,30 €. Dar­über hin­aus ließ der Klä­ger für ins­ge­samt 1.493,65 € di­ver­se Re­pa­ra­tu­ren (de­fek­te Tür­schlös­ser, de­fek­te Uhr, de­fek­te Hei­zung, ge­bro­che­ne Mit­tel­kon­so­le) durch­füh­ren.

Nach­dem der Klä­ger in ei­ner Werk­statt auf er­heb­li­che Rost­stel­len an der Fahr­zeug­un­ter­sei­te hin­ge­wie­sen wor­den war, ließ er sich dies­be­züg­lich am 11.09.2015 ei­nen Kos­ten­vor­an­schlag er­stel­len. Da­nach ist die Be­sei­ti­gung der Rost­schä­den mit ei­nem Kos­ten­auf­wand von über 20.000 € brut­to ver­bun­den.

Am 21.09.2015 ver­lang­te der Klä­ger von dem Be­klag­ten die Be­sei­ti­gung der Rost­schä­den; dies lehn­te der Be­klag­te ab. Der Klä­ger for­der­te den Klä­ger dar­auf­hin mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 25.09.2015 er­neut auf, das Fahr­zeug zu re­pa­rie­ren, und setz­te ihm hier­für ei­ne Frist bis zum 02.10.2015. Die­ser Auf­for­de­rung kam der Be­klag­te nicht nach.

Der Klä­ger be­auf­trag­te am 19.10.2015 den Sach­ver­stän­di­gen S mit der Be­gut­ach­tung des Pkw. S stell­te di­ver­se tech­ni­sche Män­gel und Rost­schä­den fest und schätz­te, dass die Re­pa­ra­tur­kos­ten den Kauf­preis über­stie­gen. Für die Er­stel­lung des Gut­ach­tens zahl­te der Klä­ger 1.302,69 €.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 10.11.2015 er­klär­te der Klä­ger ge­gen­über dem Be­klag­ten den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag und bot dem Be­klag­ten die Rück­ga­be des Pw an.

Im wei­te­ren Ver­lauf wand­te der Klä­ger 118,63 € für ei­ne am 08.08.2016 er­wor­be­ne Au­to­bat­te­rie auf. Für die Zeit vom 25.11.2015 bis zum 09.10.2016 zahl­te er Kfz-Steu­er und Ver­si­che­rungs­prä­mi­en in Hö­he von ins­ge­samt 437,03 €. Nach­dem der Klä­ger das Fahr­zeug am 10.10.2016 ab­ge­mel­det hat­te, mie­te er ab dem 01.12.2016 ei­ne Ga­ra­ge für das Fahr­zeug an, für die er mo­nat­lich 130 € zahlt.

Der Klä­ger hat gel­tend ge­macht, der Pkw sei be­reits bei der Über­ga­be stark von Rost be­fal­len ge­we­sen, so­dass er – der Klä­ger – zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt ge­we­sen sei.

Mit Ur­teil vom 01.02.2018 hat das Land­ge­richt den Be­klag­ten zur Zah­lung von 20.782,99 € nebst Zin­sen, Zug um Zug ge­gen Rück­ge­währ des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs, ver­ur­teilt. Au­ßer­dem hat es – an­trags­ge­mäß – den Be­klag­ten zum Er­satz der Ga­ra­gen­mie­te ver­ur­teilt und den An­nah­me­ver­zug des Be­klag­ten fest­ge­stellt Schließ­lich hat das Land­ge­richt ent­schie­den, dass der Be­klag­te dem Klä­ger vor­ge­richt­li­che Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von (nur) 1.171,67 € er­set­zen müs­se. Im Üb­ri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Zur Be­grün­dung hat das Land­ge­richt aus­ge­führt, der Klä­ger sei we­gen des Feh­lens ei­ner ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt ge­we­sen. Die Par­tei­en hät­ten im Sin­ne des § 434 I 1 BGB ver­ein­bart, dass der Klä­ger ein rost­frei­es Fahr­zeug er­hal­te; wie sich aus dem im selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­ren ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten er­ge­be, sei der Pkw je­doch nicht rost­frei. Auf den im Kauf­ver­trag ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss kön­ne sich der Be­klag­te nicht be­ru­fen, da die­ser nicht für das Feh­len ei­ner ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit gel­te. Dem Rück­tritt des Klä­gers ste­he auch § 442 I BGB nicht ent­ge­gen.

Der Klä­ger ha­be auch ei­nen An­spruch auf Er­satz der Kos­ten, die er – zum Zwe­cke der Nach­er­fül­lung – für das Pri­vat­gut­ach­ten auf­ge­wandt ha­be (§ 439 II BGB). Ge­mäß § 437 Nr. 3, § 284 BGB kön­ne der Klä­ger au­ßer­dem die Zu­las­sungs­kos­ten er­setzt ver­lan­gen, wäh­rend der An­spruch auf Er­satz der Ga­ra­gen­mie­te aus § 304 BGB fol­ge. Der Be­klag­te be­fin­de sich näm­lich seit dem 25.11.2015 in An­nah­me­ver­zug. Die vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten sei­en un­ter Ver­zugs­ge­sichts­punk­ten er­satz­fä­hig; der Klä­ger kön­ne je­doch nur den Er­satz ei­ner 1,3-fa­chen, nicht ei­ner 1,5-fa­chen Ge­schäfts­ge­bühr ver­lan­gen.

Ein An­spruch des Klä­gers auf Er­satz der Re­pa­ra­tur­kos­ten be­ste­he nicht, da in­so­weit die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen ge­währ­leis­tungs­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch schon man­gels ei­nes Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gens des Klä­gers nicht er­füllt sei­en. Hin­sicht­lich der Kfz-Steu­er und der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en ha­be der Klä­ger des­halb kei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch, weil er ge­gen sei­ne Scha­dens­min­de­rungs­pflicht ver­sto­ßen ha­be. Der Klä­ger hät­te das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug be­reits im No­vem­ber 2015 we­gen des­sen Ver­kehrs­un­si­cher­heit still­le­gen müs­sen.

Die Kos­ten für die Au­to­bat­te­rie sei­en we­der Ver­wen­dun­gen i. S. des § 347 II BGB noch ver­geb­li­che Auf­wen­dun­gen i. S. des § 284 BGB.

Ge­gen die­ses Ur­teil ha­ben bei­de Par­tei­en Be­ru­fung ein­ge­legt.

Der Klä­ger wen­det sich ge­gen die Teil­ab­wei­sung der Kla­ge. Er ist der Auf­fas­sung, die Re­pa­ra­tur­kos­ten in Hö­he von 1.493,65 € sei­en als frus­trier­te Auf­wen­dun­gen ge­mäß § 437 Nr. 3, § 284 BGB er­satz­fä­hig, und er ha­be auch ei­nen An­spruch auf Er­satz der Kfz-Steu­er und der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en. In­so­weit ha­be er nicht ge­gen sei­ne Scha­den­min­de­rungs­pflicht ver­sto­ßen. Denn hät­te er den Pkw be­reits frü­her als ge­sche­hen ab­ge­mel­det, wä­re die – viel hö­he­re – Mie­te für die Ga­ra­ge in Hö­he von 130 € mo­nat­lich be­reits ab No­vem­ber 2015 an­ge­fal­len. Die Kos­ten für die Au­to­bat­te­rie sei­en not­wen­di­ge Ver­wen­dun­gen i. S. von § 347 II 1 BGB. Die An­walts­kos­ten müs­se ihm der Be­klag­te in vol­ler Hö­he er­set­zen, weil Um­fang und Schwie­rig­keit der An­ge­le­gen­heit oh­ne Wei­te­res ei­ne 1,5-fa­che Ge­schäfts­ge­bühr recht­fer­tig­ten.

Der Be­klag­te ist wei­ter­hin der Auf­fas­sung, die Par­tei­en hät­ten kei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen. Er – der Be­klag­te – ha­be nicht rechts­ver­bind­lich zu­ge­si­chert, dass das Fahr­zeug kom­plett rost­frei sei. Die An­ga­ben in dem In­ter­net­in­se­rat reich­ten für ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nicht aus; die Par­tei­en hät­ten viel­mehr im schrift­li­chen Kauf­ver­trag ver­ein­ba­ren müs­sen, dass der Pkw rost­frei sei. Ei­nem Rück­tritt des Klä­gers ste­he im Üb­ri­gen ent­ge­gen, dass ihm die Män­gel, auf die er den Rück­tritt ge­stützt ha­be, in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­blie­ben sei­en (§ 442 I 2 BGB); denn der Klä­ger hät­te die­se Män­gel bei der Be­sich­ti­gung des Fahr­zeugs er­ken­nen kön­nen. Er – der Be­klag­te – ha­be dem Klä­ger mehr­mals an­ge­bo­ten, sich den Un­ter­bo­den des Fahr­zeugs an­zu­se­hen. Hät­te der Klä­ger dies ge­tan, hät­te er die be­gin­nen­de Kor­ro­si­on er­kannt.

Vor die­sem Hin­ter­grund ha­be der Klä­ger auch kei­ne An­sprü­che auf Scha­dens- oder Auf­wen­dungs­er­satz.

Die Be­ru­fung des Klä­gers hat­te über­wie­gend Er­folg; die Be­ru­fung des Be­klag­ten blieb er­folg­los.

Aus den Grün­den: II. … Im Ein­zel­nen gilt fol­gen­des:

1. Der Klä­ger hat An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 19.400 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw aus §§ 346 I, 437 Nr. 2 Fall 1, § 323 I BGB.

Zu­tref­fend führt das Land­ge­richt aus, dass dem ver­kauf­ten Pkw die ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit fehl­te, weil der Pkw ent­ge­gen den An­ga­ben in der An­zei­ge auf der Ver­kaufs­platt­form „…“ nicht kom­plett rost­frei war, son­dern – wie der Sach­ver­stän­di­ge im selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­ren aus­ge­führt hat – sich in al­len Be­rei­chen des Fahr­zeu­ge Kor­ro­si­on be­fand und we­der ei­ne ver­nünf­ti­ge Ent­ros­tung noch Maß­nah­men zum dau­er­haf­ten Kor­ro­si­ons­schutz er­folgt sind.

2. Mit dem Land­ge­richt ist an­zu­neh­men, dass die Par­tei­en ei­ne da­hin ge­hen­de Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben. Der Be­klag­te hat mit dem dop­pel­ten Hin­weis auf die voll­stän­di­ge Rost­frei­heit des Fahr­zeugs in sei­nem An­ge­bot auf der Ver­kaufs­platt­form „…“ zur Be­schrei­bung des Fahr­zeugs ei­ne ver­bind­li­che Wil­lens­er­klä­rung zur Be­schaf­fen­heit des an­ge­bo­te­nen Pkw ab­ge­ge­ben, auch wenn die­se Er­klä­rung im schrift­li­chen Kauf­ver­trag nicht ent­hal­ten ist.

a) Ob durch ei­ne An­ge­bots­be­schrei­bung ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung (§ 434 I 1 BGB) ge­trof­fen wur­de, er­for­dert nach der Recht­spre­chung des BGH ei­ne um­fas­sen­de Wür­di­gung der ab­ge­ge­be­nen Wil­lens­er­klä­run­gen un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Um­stän­de des Ein­zel­falls (BGH, Urt. v. 28.03.2012 – VI­II ZR 244/10 Rn. 25). Nicht er­for­der­lich ist, dass be­stimm­te Be­schaf­fen­heits­an­for­de­run­gen aus­drück­lich fest­ge­legt wer­den. Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung kann sich viel­mehr auch aus den Um­stän­den des Ver­trags­schlus­ses wie et­wa dem Kon­text der da­bei ge­führ­ten Ge­sprä­che oder den bei die­ser Ge­le­gen­heit ab­ge­ge­be­nen Be­schrei­bun­gen er­ge­ben. Der Ge­setz­ge­ber ist da­von aus­ge­gan­gen, dass in Fäl­len, in de­nen der Ver­käu­fer bei Ver­trags­schluss die Ei­gen­schaf­ten der ver­kauf­ten Sa­che in ei­ner be­stimm­ten Wei­se be­schreibt und der Käu­fer vor die­sem Hin­ter­grund sei­ne Kauf­ent­schei­dung trifft, die Er­klä­run­gen des Ver­käu­fers oh­ne Wei­te­res zum In­halt des Ver­trags und da­mit zum In­halt ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung wer­den (BGH, Urt. v. 19.12.2012 – VI­II ZR 96/12 Rn. 16, un­ter Hin­weis auf BT-Drs. 14/6040, S. 212). Dem­entspre­chend ist in der Re­gel auch in Fäl­len, in de­nen im An­schluss an ein An­ge­bot auf ei­ner In­ter­net­platt­form wie „…“ ein schrift­li­cher Kauf­ver­trag ge­schlos­sen wird, für die­sen Kauf­ver­trag die­ses An­ge­bot auch dann maß­geb­lich, wenn kei­ne aus­drück­li­che Er­wäh­nung im Kauf­ver­trag mehr er­folgt, weil die Par­tei­en in der Re­gel von der Ver­bind­lich­keit des An­ge­bots aus­ge­hen. In der Recht­spre­chung ist da­her an­er­kannt, dass das An­ge­bot auf „…“ in der Re­gel auch oh­ne aus­drück­li­che Er­wäh­nung im an­schlie­ßen­den schrift­li­chen Kauf­ver­trag den Cha­rak­ter ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ha­ben kann (OLG Karls­ru­he, Urt. v. 14.01.2014 – 9 U 233/12; OLG Ko­blenz, Beschl. v. 25.01.2011 – 2 U 590/10).

b) So liegt es bei der er­for­der­li­chen Be­rück­sich­ti­gung der Ge­samt­um­stän­de des Fal­les auch hier.

In der An­zei­ge er­folg­te in Groß­buch­sta­ben und mit Aus­ru­fe­zei­chen ver­se­hen ein zwei­fa­cher Hin­weis auf die voll­stän­di­ge Rost­frei­heit des Fahr­zeugs. Das In­ter­net­an­ge­bot ist da­mit aus Sicht des Emp­fän­gers ein­deu­tig so zu ver­ste­hen, dass bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw et­wa vor­han­den ge­we­se­ne Rost­stel­len vor dem Ver­kauf voll­stän­dig be­sei­tigt wor­den sind und die­ses zum Zeit­punkt des Ver­kaufs voll­stän­dig rost­frei war.

c) Das Fahr­zeug wies nicht die an­ge­prie­se­ne Be­schaf­fen­heit auf. Nach den un­an­ge­grif­fe­nen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen be­fin­det sich in al­len Be­rei­chen des Fahr­zeugs ei­ne durch ei­ne neue La­ckie­rung über­deck­te Kor­ro­si­on. We­der ist ei­ne ver­nünf­ti­ge Ent­ros­tung er­folgt noch Maß­nah­men zum dau­er­haf­ten Kor­ro­si­ons­schutz.

d) Der Aus­schluss der Ge­währ­leis­tung im Kauf­ver­trag steht den Wir­kun­gen der Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nicht ent­ge­gen. Ein Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss in ei­nem Ge­braucht­wa­gen­kauf­ver­trag ist nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung des BGH ge­ne­rell da­hin ge­hend zu ver­ste­hen, dass die­ser sol­che Ei­gen­schaf­ten des Fahr­zeugs nicht be­trifft, die Ge­gen­stand ei­ner gleich­zei­ti­gen Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung sind (BGH, Urt. v. 29.11.2006 – VI­II ZR 92/06 Rn. 30 f.; Urt. v. 19.12.2012 – VI­II ZR 117/12 Rn. 15).

e) Der Rück­tritt ist auch nicht ge­mäß § 442 I BGB aus­ge­schlos­sen. Dies wä­re nur dann an­zu­neh­men, wenn der Klä­ger den Man­gel bei Ver­trags­schluss ge­kannt hät­te oder er ihm in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­blie­ben wä­re. Dies war je­doch nicht der Fall.

Selbst wenn der Be­klag­te dem Klä­ger die Ge­le­gen­heit ge­ge­ben ha­ben soll­te, den Un­ter­bo­den des Fahr­zeugs an­zu­se­hen, war es nicht grob fahr­läs­sig vom Klä­ger, die­ses An­ge­bot nicht wahr­zu­neh­men. Grob fahr­läs­sig han­delt ein Käu­fer nur dann, wenn er das Min­dest­maß an Auf­merk­sam­keit und In­for­ma­ti­on in be­son­ders schwe­rem Maß ver­nach­läs­sigt hat. Zu ei­ner be­son­de­ren Un­ter­su­chung des Kauf­ge­gen­stan­des ist der Käu­fer al­ler­dings nicht ver­pflich­tet. Im Üb­ri­gen ge­hört es zum We­sen ei­ner Be­schaf­fen­heits­an­ga­be des Ver­käu­fers, dass der Käu­fer auf die­se An­ga­be, hier die Rost­frei­heit des Fahr­zeugs, ver­trau­en darf. Es war da­mit kei­nes­falls grob fahr­läs­sig, dass er auf die­se An­ga­be oh­ne ei­ge­ne Über­prü­fung ver­traut hat (OLG Karls­ru­he, Urt. v. 14.01.2014 – 9 U 233/12; Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 77. Aufl., § 442 Rn. 11 f.).

Dar­über hin­aus hat das Land­ge­richt zu­tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, dass der Klä­ger das Aus­maß der vom Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­ten Kor­ro­si­on gar nicht hät­te er­ken­nen kön­nen.

f) Der Klä­ger hat den Be­klag­ten auch ver­geb­lich zur Man­gel­be­sei­ti­gung auf­ge­for­dert und vor Er­klä­rung des Rück­tritts die zur Nach­bes­se­rung ge­setz­te Frist ab­ge­war­tet.

g) Auf­grund des wirk­sa­men Rück­tritts hat der Klä­ger ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 19.400 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw. Da der Klä­ger das Fahr­zeug ab­ge­se­hen von we­ni­gen Fahr­ten zur Werk­statt nicht ge­nutzt hat, war die­ser An­spruch auch nicht um et­wai­ge Nut­zungs­er­satz­an­sprü­che des Be­klag­ten zu kür­zen. In­so­weit wird auf die nicht an­ge­grif­fe­nen, zu­tref­fen­den Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts Be­zug ge­nom­men.

3. Der Klä­ger hat eben­falls An­spruch auf die Er­stat­tung der Kos­ten für das ein­ge­hol­te Pri­vat­gut­ach­ten in Hö­he von 1.302,69 € aus § 439 II BGB, auf Auf­wen­dungs­er­satz aus § 284 BGB für die Kos­ten der An­mel­dung in Hö­he von 80,30 € so­wie der Kos­ten für die Ga­ra­gen­mie­te in Hö­he von mo­nat­lich 130 €. Auch in­so­weit wird auf die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts Be­zug ge­nom­men, die von der Be­ru­fung des Be­klag­ten nicht an­ge­grif­fen wer­den.

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist da­mit ins­ge­samt un­be­grün­det.

4. Dar­über hin­aus hat der Klä­ger – in­so­weit hat die Be­ru­fung des Klä­gers Er­folg – über den erst­in­stanz­lich aus­ge­ur­teil­ten Be­trag hin­aus An­spruch auch auf die gel­tend ge­mach­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten in Hö­he von 1.493,65 €.

Die­ser er­gibt sich aus § 284 BGB. Es han­delt sich bei die­sen Kos­ten eben­so wie bei den Kos­ten der An­mel­dung um er­satz­fä­hi­ge so­ge­nann­te frus­trier­te Auf­wen­dun­gen. Der Käu­fer ei­ner man­gel­haf­ten Sa­che hat auch dann ge­mäß § 284 BGB An­spruch auf Er­satz ver­geb­li­cher Auf­wen­dun­gen, wenn er we­gen des Man­gels vom Kauf­ver­trag zu­rück­tritt. Der An­spruch ist nicht ge­mäß § 347 II BGB auf den Er­satz not­wen­di­ger Ver­wen­dun­gen oder sol­cher Auf­wen­dun­gen be­schränkt, durch die der Ver­käu­fer be­rei­chert wird. Er kann ne­ben dem Rück­tritt ver­langt wer­den (BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, BGHZ 163, 381 = VersR 2005, 1541).

Vor­aus­set­zung für ei­nen An­spruch aus § 284 BGB ist das Be­ste­hen ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spruchs, das heißt, al­le Vor­aus­set­zun­gen der §§ 281 ff. BGB müs­sen er­füllt sein. Dies ist, wie das Land­ge­richt im Hin­blick auf die Kos­ten der An­mel­dung zu­tref­fend aus­ge­führt hat, vor­lie­gend der Fall, da der Be­klag­te durch die man­gel­haf­te Lie­fe­rung sei­ne Leis­tungs­pflicht nicht er­füllt hat und der Klä­ger ihm ver­geb­lich ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­bes­se­rung ge­setzt hat­te.

Es han­delt sich, dar­in weicht der Se­nat von der Auf­fas­sung des Land­ge­richts ab, bei den Re­pa­ra­tur­kos­ten auch um frus­trier­te Auf­wen­dun­gen i. S. von § 284 BGB. Auf­wen­dun­gen in die­sem Sin­ne sind frei­wil­li­ge Ver­mö­gens­op­fer, die vom Gläu­bi­ger im Ver­trau­en auf den Er­halt der Leis­tung er­bracht wor­den sind. Ge­nau dar­um han­delt es sich hier. Der Klä­ger hat die Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten an dem Fahr­zeug vor­ge­nom­men, da er da­von aus­ging, das Fahr­zeug vom Be­klag­ten mit der ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit er­hal­ten zu ha­ben. An­ders als das Land­ge­richt meint, kann er auch nicht im Hin­blick auf die­se Re­pa­ra­tur­kos­ten (iso­liert) auf Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che ver­wie­sen wer­den und kön­nen die­se nicht mit dem Ar­gu­ment ab­ge­lehnt wer­den, der Klä­ger ha­be vom Be­klag­ten kei­ne Nach­bes­se­rung ver­langt, denn dem Klä­ger stan­den im Hin­blick auf die­se Män­gel kei­ne Ge­währ­leis­tungs­rech­te zu. Die Par­tei­en hat­ten ei­nen Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ver­ein­bart, den der Be­klag­te wirk­sam hät­te ein­wen­den kön­nen, da die­ser, wie dar­ge­legt, nur im Hin­blick auf die ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit nicht greift.

5. Der Klä­ger hat auch An­spruch auf die Kos­ten für Steu­ern und Ver­si­che­run­gen in Hö­he von wei­te­ren 437,03 €. Die­ser An­spruch be­grün­det sich al­ler­dings nicht aus § 284 BGB, da der Klä­ger die­se Kos­ten nach der Rück­tritts­er­klä­rung auf­ge­wen­det hat, er die­se al­so nicht (mehr) im Ver­trau­en auf den Er­halt der Leis­tung er­bracht hat. Sie er­ge­ben sich aber aus § 347 II 1 BGB. Not­wen­dig i. S. des § 347 II 1 BGB ist, wie bei § 994 BGB auch, ei­ne Ver­wen­dung, wenn sie zur Er­hal­tung und ord­nungs­ge­mä­ßen Be­wirt­schaf­tung der Sa­che nach ob­jek­ti­vem Maß­stab zur Zeit der Vor­nah­me er­for­der­lich ist. Hier­zu ge­hö­ren auch öf­fent­lich-recht­li­che Pflicht­ver­si­che­run­gen, et­wa die Kraft­fahr­zeug-Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Zwar trifft die­se den Kraft­fahr­zeug­hal­ter nicht we­gen sei­nes Ei­gen­tums am Fahr­zeug, son­dern auf­grund des­sen Ent­schei­dung, das Fahr­zeug im Stra­ßen­ver­kehr zu nut­zen. Das ist aber bei Kraft­fahr­zeu­gen der – schon ob­jek­tiv – be­stim­mungs­ge­mä­ße Ge­brauch und da­mit der Nut­zen aus dem Ei­gen­tum (OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 14.01.2009 – 17 U 223/08, MDR 2009, 497; Stau­din­ger/Kai­ser, BGB, Neu­be­arb. 2012, § 347 Rn. 39). So­lan­ge das Fahr­zeug nicht ab­ge­mel­det war, wo­zu sei­tens des Klä­gers kei­ne Ver­pflich­tung be­stand, war er ver­pflich­tet, das Fahr­zeug zu ver­si­chern und die Kfz-Steu­er zu ent­rich­ten.

6. Glei­ches gilt auch für die Kos­ten der Au­to­bat­te­rie in Hö­he von 118,63 €, die der Klä­ger eben­falls er­setzt ver­lan­gen kann. Die Aus­stat­tung ei­nes Fahr­zeugs mit ei­ner funk­ti­ons­fä­hi­gen Bat­te­rie war ob­jek­tiv zur Er­hal­tung sei­ner Funk­ti­ons- und Fahr­fä­hig­keit er­for­der­lich. Zu die­sem Zeit­punkt war das Fahr­zeug auch noch nicht ab­ge­mel­det.

Der Be­klag­te ist da­mit zur Zah­lung von ins­ge­samt 22.832,30 € ver­pflich­tet.

7. Kei­nen Er­folg hat die Be­ru­fung des Klä­gers, so­weit sie sich ge­gen die teil­wei­se Ab­wei­sung der gel­tend ge­mach­ten au­ßer­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­ge­büh­ren wen­det.

Er­stat­tungs­fä­hig sind als Ver­zugs­scha­den die (tat­säch­lich) an­ge­fal­le­nen Kos­ten, im Re­gel­fall al­ler­dings nur bis zur Hö­he der ge­setz­li­chen Ge­büh­ren. Für die au­ßer­ge­richt­li­che Re­gu­lie­rung er­hält der An­walt Ge­büh­ren nach §§ 34 f. RVG, Nr. 2100 f. VV RVG, ins­be­son­de­re die Ge­schäfts­ge­bühr nach Nr. 2300 VV RVG mit ei­nem Ge­büh­ren­rah­men von 0,5 bis 2,5 der vol­len Ge­bühr, in­ner­halb des­sen er nach § 14 RVG den Ge­büh­ren­satz un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Um­stän­de des Ein­zel­falls nach bil­li­gem Er­mes­sen zu be­stim­men hat. Die Be­stim­mung des An­walts ist ge­richt­lich un­ein­ge­schränkt über­prüf­bar, wo­bei die der frü­he­ren Mit­tel­ge­bühr ent­spre­chen­de so­ge­nann­te Schwel­len­ge­bühr von 1,3 meist der Re­gel­ge­bühr ent­spricht, die nur bei (sel­te­ner) über­durch­schnitt­li­cher Tä­tig­keit über­schrit­ten wer­den darf. Ei­ne sol­che über­durch­schnitt­li­che Tä­tig­keit liegt hier nicht vor. Es han­delt sich um ei­nen Sach­ver­halt aus dem Kauf­ver­trags­recht, der die bei ei­nem Rück­tritt von ei­nem Pkw-Kauf­ver­trag ty­pi­scher­wei­se auf­tre­ten­den Rechts­fra­gen auf­wirft und der auch in tat­säch­li­cher Hin­sicht kei­ne über­mä­ßig ho­hen Schwie­rig­kei­ten auf­weist. …

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