1. Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs be­grün­det der Be­sitz des­sel­ben al­lein nicht den für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb des Ei­gen­tums (§ 929 Satz 1, § 932 I 1, II BGB) er­for­der­li­chen Rechts­schein. Viel­mehr muss sich der Er­wer­ber, um sich nicht dem Vor­wurf der gro­ben Fahr­läs­sig­keit aus­zu­set­zen, min­des­tens die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen las­sen und an­hand der dor­ti­gen Ein­tra­gun­gen prü­fen, ob der Be­sit­zer des Fahr­zeugs zur Über­eig­nung des­sel­ben be­rech­tigt ist. Kommt der Er­wer­ber die­ser Ob­lie­gen­heit nach und feh­len be­son­de­re Um­stän­de, die sei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten, so tref­fen ihn kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten (im An­schluss u. a. an BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 13 f.)
  2. Dem­je­ni­gen, der von ei­ner Pri­vat­per­son ei­nen Ge­braucht­wa­gen er­wirbt, die nicht als Hal­ter in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) ein­ge­tra­gen ist, muss sich der – ei­ne Nach­for­schungs­pflicht aus­lö­sen­de – Ver­dacht auf­drän­gen, dass der Ver­äu­ße­rer auf un­red­li­che Wei­se in den Be­sitz des Fahr­zeugs ge­langt sein könn­te. Das gilt aber nicht, wenn der Ver­äu­ße­rer ein Kfz-Händ­ler ist, der das ge­brauch­te Fahr­zeug im Rah­men sei­nes Ge­schäfts­be­triebs ver­äu­ßert und dem Er­wer­ber die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) so­wie al­le sons­ti­gen Un­ter­la­gen über­gibt. Denn es nicht au­ßer­ge­wöhn­lich, dass ein Kfz-Händ­ler im Rah­men sei­nes Ge­schäfts­be­triebs ei­nen Ge­braucht­wa­gen ver­äu­ßert, oh­ne dass er zu­vor in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) als Hal­ter ein­ge­tra­gen wur­de (im An­schluss u. a. an BGH, Urt. v. 09.10.1991 – VI­II ZR 19/91, NJW 1992, 310).
  3. Der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens, dem ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­ge­legt wird, muss sich in­so­weit den Vor­wurf gro­ber Fahr­läs­sig­keit (§ 932 II BGB) nur ge­fal­len las­sen, wenn auf den ers­ten Blick Auf­fäl­lig­kei­ten zu er­ken­nen sind, die auf ei­ne Fäl­schung hin­deu­ten. Von dem Er­wer­ber kann hin­ge­gen nicht ver­langt wer­den, dass er das ihm vor­ge­leg­te Do­ku­ment um­fas­send und de­tail­liert un­ter­sucht, nach­dem er sich zu­vor das für ei­ne sol­che Un­ter­su­chung nö­ti­ge Fach­wis­sen an­ge­eig­net hat. Des­halb kön­nen dem Er­wer­ber – nicht of­fen­sicht­li­che – Fäl­schungs­merk­ma­le, de­ren Exis­tenz erst durch ei­ne Aus­kunft der Bun­des­dru­cke­rei oder ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nach­ge­wie­sen wer­den müss­te, nicht zum Nach­teil ge­rei­chen. Viel­mehr spricht es ge­gen ein grob fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten des Er­wer­bers, wenn selbst dem Mit­ar­bei­ter ei­ner Kfz-Zu­las­sungs­stel­le, der täg­lich – mehr­heit­lich ech­te – Zu­las­sungs­be­schei­ni­gun­gen in den Hän­den hält, nicht auf­ge­fal­len ist, dass ihm ein ge­fälsch­tes Do­ku­ment vor­lag.
  4. Ein be­son­ders nied­ri­ger Kauf­preis kann zwar grund­sätz­lich ein Um­stand sein, der den Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens miss­trau­isch ma­chen und zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­an­las­sen muss. Der Er­wer­ber muss sich aber nur dann gro­be Fahr­läs­sig­keit i. S. von § 932 II BGB vor­wer­fen las­sen, wenn das Miss­ver­hält­nis zwi­schen dem Wert des Fahr­zeugs und dem tat­säch­lich ver­lang­ten Kauf­preis ekla­tant ist (im An­schluss an OLG Braun­schweig, Urt. v. 01.09.2011 – 8 U 170/10, ju­ris Rn. 48). In­so­weit kann von dem Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens kei­ne um­fas­sen­de Markt­re­cher­che er­war­tet wer­den; viel­mehr kann ins­be­son­de­re ein (be­haup­te­ter) Un­fall­scha­den aus Sicht des Er­wer­bers ein plau­si­bler Grund für ei­nen auf­fal­lend nied­ri­gen Kauf­preis sein.
  5. Dass der Er­wer­ber ei­nes (von ei­nem Nicht­be­rech­tig­ten) er­wor­be­nen Ge­braucht­wa­gens nicht in gu­tem Glau­ben war, hat der­je­ni­ge zu be­wei­sen, der ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb des Ei­gen­tums be­strei­tet. Da­für muss er Tat­sa­chen dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen, aus de­nen sich er­gibt, dass dem Er­wer­ber be­kannt oder in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt war, dass das Fahr­zeug nicht dem Ver­äu­ße­rer ge­hör­te. Des­halb hat nicht der ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb Be­haup­ten­de zu be­wei­sen, dass er sich die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) hat vor­le­gen las­sen, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen, son­dern es ob­liegt dem Geg­ner zu be­wei­sen, dass die Vor­la­ge der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) un­ter­blie­ben ist. Wirft der Geg­ner des ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb Be­haup­ten­den die­sem ei­ne grob fahr­läs­si­ge Ver­let­zung von Nach­for­schungs­pflich­ten vor, so muss er so­wohl das Vor­lie­gen ei­nes ei­ne Nach­for­schungs­pflicht aus­lö­sen­den Um­stands als auch ei­nen qua­li­fi­zier­ten Sorg­falts­ver­stoß be­wei­sen.

OLG Braun­schweig, Be­schluss vom 02.01.2019 – 9 U 32/18

Sach­ver­halt: Die kla­gen­de G-GmbH, die ei­ne Wasch­stra­ße be­treibt, be­gehrt von der be­klag­ten V-Lea­sing GmbH die Her­aus­ga­be ei­ner Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief).

Das zu die­ser Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung ge­hö­ren­de Fahr­zeug stand ur­sprüng­lich im Ei­gen­tum der Be­klag­ten. Die­se über­ließ es auf der Grund­la­ge ei­nes im Ok­to­ber 2014 ge­schlos­se­nen Lea­sing­ver­trags der Fir­ma L aus D. (Lea­sing­neh­me­rin) und be­hielt das Ori­gi­nal der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II. Das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ge­lang­te so­dann in den Be­sitz der ein Au­to­haus be­trei­ben­den S (Streit­ver­kün­dungs­emp­fän­ge­rin), wo­bei zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist, wie die S Be­sit­ze­rin des Fahr­zeugs wur­de.

Je­den­falls ver­kauf­te S das Fahr­zeug mit Ver­trag vom 18.06.2015 für 13.000 € an die Klä­ge­rin, mit der sie be­reits zu­vor Ge­schäf­te ge­macht hat­te. Für die Klä­ge­rin han­del­te da­bei F. Er und die S wa­ren sich dar­über ei­nig, dass das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug auf die Klä­ge­rin über­ge­hen soll, und F nahm das Fahr­zeug für die Klä­ge­rin mit. Der Klä­ge­rin er­hielt auch – wann ge­nau, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig – ei­ne Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II für das Fahr­zeug. Da­bei han­delt es sich um ei­ne un­ter Ver­wen­dung ei­nes ech­ten Blan­ko­for­mu­lars her­ge­stell­te Fäl­schung; gleich­wohl wur­de das Fahr­zeug in der Fol­ge­zeit oh­ne Wei­te­res auf die Klä­ge­rin um­ge­schrie­ben.

En­de De­zem­ber 2015 wur­de das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug po­li­zei­lich be­schlag­nahmt, und die Po­li­zei teil­te dem (da­ma­li­gen) Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang mit, dass die Klä­ge­rin nur ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II be­sit­ze. Dar­auf­hin ver­lang­te die Klä­ge­rin mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 17.03.2016 von der Be­klag­ten die Her­aus­ga­be der im Be­sitz der Be­klag­ten be­find­li­chen ech­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II. Zur Be­grün­dung macht die Klä­ge­rin gel­tend, sie ha­be das Ei­gen­tum an dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug zu­min­dest gut­gläu­big von S er­wor­ben. Die Be­klag­te lehn­te ei­ne Her­aus­ga­be der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II mit Schrei­ben vom 30.03.2016 ab und for­der­te ih­rer­seits die Klä­ge­rin zur Her­aus­ga­be des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs auf.

Das Land­ge­richt hat der Klä­ge­rin den gel­tend ge­mach­ten Her­aus­ga­be­an­spruch ge­mäß § 985 BGB i. V. mit § 952 II BGB ana­log zu­er­kannt (LG Braun­schweig, Urt. v. 09.05.2018 – 4 O 1008/16). Es hat un­ter Ver­weis auf das Ur­teil des OLG Braun­schweig vom 01.09.2011 – 8 U 170/10, ju­ris – aus­ge­führt, dass Ei­gen­tü­mer ei­ner Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II der­je­ni­ge sei, dem das zu­ge­hö­ri­ge Fahr­zeug ge­hö­re, und dass die Klä­ge­rin von S je­den­falls gut­gläu­big das Ei­gen­tum an dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeug er­wor­ben ha­be (§ 929 Satz 1, § 932 I 1, II BGB).

Die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Be­klag­te ha­be nicht be­wie­sen, dass der Klä­ge­rin in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­we­sen sei, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug nicht der S ge­hör­te.

Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs tref­fe den Er­wer­ber kei­ne all­ge­mei­ne Nach­for­schungs­pflicht; er müs­se sich vom Ver­äu­ße­rer aber min­des­tens die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II bzw. den Fahr­zeug­brief vor­le­gen las­sen, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Die­se Min­dest­vor­aus­set­zun­gen ha­be die Klä­ge­rin er­füllt. Der in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­ten Klä­ge­rin sei durch die über­ein­stim­men­den An­ga­ben der ver­nom­me­nen Zeu­gen der Nach­weis ge­lun­gen, dass sich F die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II an­ge­se­hen und zu­min­dest die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mern ver­gli­chen ha­be. F sei als Zeu­ge zu ver­neh­men ge­we­sen, weil er vor der münd­li­chen Ver­hand­lung, am Mor­gen des 07.12.2016, wirk­sam als Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin ab­be­ru­fen wor­den sei.

Dass be­son­de­re Um­stän­de vor­ge­le­gen ha­ben, die den Ver­dacht des F hät­ten er­re­gen und ihn zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen hät­ten ver­an­las­sen müs­sen, ha­be die Be­klag­te, die in­so­weit die Dar­le­gungs- und Be­weis­last tra­ge, nicht be­wie­sen.

Die F vor­ge­leg­te – ge­fälsch­te – Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II sei nicht der­art auf­fäl­lig ge­we­sen, dass F hät­ten Be­den­ken kom­men müs­sen. Zwar er­gä­ben sich bei ge­naue­rer Be­trach­tung des ge­fläsch­ten Do­ku­ments Auf­fäl­lig­kei­ten, doch sei­en die­se in ei­ner Ge­samt­schau nicht der­art of­fen­sicht­lich, dass F hät­te Ver­dacht schöp­fen müs­sen. Der Ein­zel­rich­ter selbst ha­be die Auf­fäl­lig­kei­ten erst be­merkt, als der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Be­klag­ten sie in der münd­li­chen Ver­hand­lung er­läu­tert ha­be. Auch die Mit­ar­bei­ter der Kfz-Zu­las­sungs­stel­le B. hät­ten of­fen­sicht­lich nicht be­merkt, dass sie es mit ei­ner ge­fälsch­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II zu tun hat­ten, denn sie hät­ten auf dem ge­fälsch­ten Do­ku­ment die Klä­ge­rin als Hal­te­rin des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs ein­ge­tra­gen. Das al­les spre­che da­ge­gen, dass F hät­te ins Au­ge sprin­gen müs­sen, dass ihm ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II vor­lag.

Auch der Ver­kaufs­preis von 15.500 € ha­be die Klä­ge­rin nicht zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­an­las­sen müs­sen. Grund­sätz­lich kön­ne zwar ein güns­ti­ger Kauf­preis ein Um­stand sein, der den Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens miss­trau­isch ma­chen müs­se. Der Kauf­preis müs­se al­ler­dings aus Sicht des Er­wer­bers ekla­tant nied­rig sein (vgl. OLG Braun­schweig, Urt. v. 01.09.2011 – 8 U 170/10, ju­ris Rn. 48). Aus Sicht der Klä­ge­rin sei aber ein Kauf­preis von 15.500 € selbst dann nicht ekla­tant nied­rig ge­we­sen, wenn man den von der Be­klag­ten be­haup­te­ten Händ­ler­ver­kaufs­preis von 32.100 € zu­grun­de le­ge. Von ei­nem Käu­fer, der ein ge­brauch­tes Fahr­zeug er­wer­ben möch­te, kön­ne kei­ne um­fas­sen­de Markt­re­cher­che er­war­tet wer­den. Es kom­me hin­zu, dass – wie S be­haup­te – das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ei­nen Vor­scha­den ge­habt ha­be. Dem Käu­fer könn­te nicht ab­ver­langt wer­den, ge­nau zu er­mit­teln, wel­chen Ein­fluss ein sol­cher Scha­den auf den Kauf­preis ha­be. Der be­haup­te­te Scha­den sei so er­heb­lich ge­we­sen, dass die Vor­stel­lung nach­voll­zieh­bar er­schei­ne, dass das Fahr­zeug da­durch er­heb­lich in sei­nem Wert ge­min­dert sei. Der Käu­fer dür­fe auch sein ei­ge­nes Ver­hand­lungs­ge­schick als für ei­nen güns­ti­gen Kauf­preis ur­säch­lich an­se­hen. Schließ­lich sei zu be­rück­sich­ti­gen, dass S ein Au­to­haus be­trei­be, bei dem die Klä­ge­rin schon mehr­fach Fahr­zeu­ge ge­kauft ha­be.

Die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Be­klag­te ha­be auch nicht nach­ge­wie­sen, dass ihr das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug i. S. von § 935 I BGB ab­han­den­ge­kom­men sei; der von der Be­klag­ten in die­sem Zu­sam­men­hang be­nann­te Zeu­ge B sei nicht auf­zu­fin­den ge­we­sen.

Ge­gen die­ses Ur­teil hat die Be­klag­te Be­ru­fung ein­ge­legt. Sie macht gel­tend, dass die Klä­ge­rin beim Er­werb des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs schon nicht die von der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Min­dest­vor­aus­set­zun­gen ei­nes gut­gläu­bi­gen Er­werbs er­füllt ha­be.

Dies­be­züg­lich ha­be das Land­ge­richt F nicht als Zeu­gen ver­neh­men dür­fen. Denn in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt sei oh­ne je­den Nach­weis be­haup­tet wor­den, dass F am Mor­gen des­sel­ben Ta­ges, an dem die Be­weis­auf­nah­me statt­ge­fun­den hat, als Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin ab­be­ru­fen wor­den sei. Am Tag nach der Be­weis­auf­nah­me sei F dann er­neut zum Ge­schäfts­füh­rer be­stellt wor­den, wo­bei we­der die Ab­be­ru­fung noch die Neu­be­stel­lung im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den sei­en. Dies we­cke den Ver­dacht, dass so­wohl die Ab­be­ru­fung als auch die Neu­be­stel­lung gar nicht oder nur zum Schein er­folgt sei­en. Ge­he man da­von aus, dass die Ab­be­ru­fung statt­ge­fun­den ha­be, so sei die­se als rechts­miss­bräuch­lich an­zu­se­hen, weil ihr ein­zi­ger Zweck dar­in be­stan­den ha­be, F die Stel­lung ei­nes Zeu­gen zu ver­schaf­fen.

Die Be­weis­auf­nah­me ha­be er­ge­ben, dass der Kauf­ver­trag über das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ge­schlos­sen wor­den sei, oh­ne dass F zu­vor Ein­sicht in die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ge­nom­men ha­be. Dies sei erst er­folgt, als F das Fahr­zeug für die Klä­ge­rin in Be­sitz ge­nom­men ha­be, und selbst zu die­sem Zeit­punkt ha­be kei­ne aus­rei­chen­de Prü­fung der Be­schei­ni­gung statt­ge­fun­den.

Das Land­ge­richt ha­be zu Un­recht an­ge­nom­men, die Auf­fäl­lig­kei­ten in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II sei­en nicht so gra­vie­rend, dass sie die Klä­ge­rin zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen hät­ten ver­an­las­sen müs­sen. Wenn – wie hier – die Ein­tra­gung der Fahr­zeug­da­ten und des Erst­hal­ters das glei­che Schrift­bild auf­wie­sen, müs­se dies je­den red­li­chen Er­wer­ber zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­an­las­sen. Denn der Fahr­zeug­her­stel­ler als ori­gi­nä­rer Aus­stel­ler der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II neh­me nie­mals auch die Ein­tra­gung des Erst­hal­ters vor. Da F zeit­gleich ein Fahr­zeug in Zah­lung ge­ge­ben ha­be, hät­te er durch ei­nen Ver­gleich mit der zu die­sem Fahr­zeug ge­hö­ren­den Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II auch die – nach Auf­fas­sung der Be­klag­ten auf­fäl­li­gen – Ab­wei­chun­gen im Er­schei­nungs­bild des Bar­codes in dem ge­fälsch­ten Do­ku­ment er­ken­nen kön­nen. Auch hät­te F we­gen un­ter­schied­li­cher Schrift­bil­der be­mer­ken müs­sen, dass die Hal­ter- und die Be­hör­den­an­ga­ben nicht zur sel­ben Zeit vom sel­ben Be­hör­den­dru­cker in das For­mu­lar ge­druckt wor­den sei­en. Ent­spre­chen­des gel­te für das un­ter­schied­li­che Er­schei­nungs­bild der ein­mal vier­zei­li­gen und ein­mal fünf­zei­li­gen Be­hör­den­an­ga­be in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I und Teil II. Auch ha­be F nicht be­merkt, dass in den Fahr­zeug­pa­pie­ren der Farb­code nicht an­ge­ge­ben sei; auch dies hät­te An­lass für wei­te­re Nach­for­schun­gen ge­ben müs­sen.

F – so be­haup­tet die Be­klag­te – ha­be die­se Auf­fäl­lig­kei­ten nicht be­merkt, weil er die Fahr­zeug­pa­pie­re, ab­ge­se­hen von ei­nem Ver­gleich der an­ge­ge­be­nen Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mern, nicht nä­her ge­prüft ha­be. Schon die­ses Un­ter­las­sen be­grün­de den Vor­wurf der gro­ben Fahr­läs­sig­keit. Die Ar­gu­men­ta­ti­on des Land­ge­richts, dass auch die Mit­ar­bei­ter der Zu­las­sungs­stel­le B. die vor­ge­leg­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II nicht als Fäl­schung er­kannt hät­ten, lie­ge ne­ben der Sa­che, weil es für die Gut­gläu­big­keit al­lein auf die Er­kennt­nis­mög­lich­kei­ten des F an­kom­me.

Ab­ge­se­hen da­von, so meint die Be­klag­te, sei die Klä­ge­rin schon des­halb zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­pflich­tet ge­we­sen, weil nicht die Ver­käu­fe­rin, son­dern die Lea­sing­neh­me­rin L, al­so ei­ne drit­te Per­son, als Hal­te­rin des Fahr­zeugs in der (ge­fälsch­ten) Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ein­ge­tra­gen sei.

Schließ­lich ha­be das Land­ge­richt ih­ren – der Be­klag­ten – Vor­trag igno­riert, dass der Kauf­preis für das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ex­or­bi­tant nied­rig ge­we­sen sei und die Klä­ge­rin auch des­halb hät­te nach­for­schen müs­sen, wo­her das Fahr­zeug stam­me und wem es ge­hö­re. In­fol­ge­des­sen sei ver­fah­rens­feh­ler­haft kein Be­weis über die (Un-)An­ge­mes­sen­heit des Kauf­prei­ses er­ho­ben wor­den. Der Kauf­preis ha­be nicht ein­mal der Hälf­te des tat­säch­li­chen Markt­werts ent­spro­chen. Auf ei­nen Heck­scha­den kön­ne sich die Klä­ge­rin in­so­weit nicht be­ru­fen, weil ein sol­cher Scha­den nicht zu se­hen oder sonst fest­zu­stel­len ge­we­sen sei.

Der 9. Zi­vil­se­nat des OLG Braun­schweig hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er be­ab­sich­ti­ge, die Be­ru­fung der Be­klag­ten durch ein­stim­mi­gen Be­schluss ge­mäß § 522 II ZPO zu­rück­zu­wei­sen, weil sie of­fen­sicht­lich kei­ne Aus­sicht auf Er­folg ha­be.

Aus den Grün­den: II. Die Be­ru­fung ist zu­läs­sig. In der Sa­che ist sie je­doch un­be­grün­det.

Der Klä­ge­rin steht ein An­spruch auf Her­aus­ga­be der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ge­mäß § 985 BGB i. V. mit § 952 II BGB ana­log ge­gen die Be­klag­te als de­ren Be­sit­ze­rin zu. Der­je­ni­ge, der un­strei­tig im Be­sitz des Fahr­zeugs ist, kann die Her­aus­ga­be des Fahr­zeug­briefs be­an­spru­chen, wenn er – wie hier die Klä­ge­rin – Ei­gen­tü­mer des Fahr­zeugs ge­wor­den ist (vgl. BGH, Urt. v. 19.06.2007 – X ZR 5/07, ju­ris Rn. 7 m. w. Nachw.).

1. Un­strei­tig übt die Be­klag­te der­zeit die un­mit­tel­ba­re Sach­herr­schaft über die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II aus und ist da­mit un­mit­tel­ba­re Be­sit­ze­rin i. S. des § 854 I BGB.

2. Die Klä­ge­rin ist auch Ei­gen­tü­me­rin des Pkw. Für sie strei­tet die Ver­mu­tung des § 1006 I 1 BGB (da­zu a). Der Ge­gen­be­weis konn­te von der in­so­fern dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­ten Be­klag­ten nicht er­bracht wer­den (da­zu b). Es ist nicht be­wie­sen, dass die Klä­ge­rin bei Er­werb des Kfz bös­gläu­big war und da­mit ein gut­gläu­bi­ger Er­werb i. S. des § 932 I BGB nicht statt­ge­fun­den hat oder dass die Sa­che i. S. des § 935 I BGB ab­han­den­ge­kom­men ist.

a) Für die Klä­ge­rin strei­tet im Aus­gangs­punkt die Ei­gen­tums­ver­mu­tung des § 1006 I 1 BGB. Da­nach wird zu­guns­ten des Be­sit­zers ei­ner be­weg­li­chen Sa­che ver­mu­tet, dass er Ei­gen­tü­mer der Sa­che ist. Die Ei­gen­tums­ver­mu­tung des § 1006 I BGB be­steht al­ler­dings nur, wenn der Be­sit­zer Ei­gen­be­sit­zer (§ 872 BGB) ist und die Sa­che von An­fang an in Ei­gen­be­sitz ge­habt hat (BGH, Urt. v. 16.10.2003 – IX ZR 55/02, BGHZ 156, 310, 317 = NJW 2004, 217, 219; OLG Ko­blenz, Urt. v. 08.04.2004 – 5 U 1545/03, DZ­WIR 2005, 37, 38; Brehm/Ber­ger, Sa­chen­recht, 3. Aufl. [2014], § 7 Rn. 83). Nur dann kann näm­lich die dem § 1006 BGB zu­grun­de lie­gen­de An­nah­me zu­tref­fen, dass der Be­sit­zer­werb an­läss­lich ei­ner Ei­gen­tums­über­tra­gung er­folgt ist (Er­man/Eb­bing, BGB, 15. Aufl. [2017], § 1006 Rn. 10). Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen vor, wird der Ei­gen­tums­er­werb des Be­sit­zers an der Sa­che ver­mu­tet und dass er wäh­rend der ge­sam­ten Dau­er sei­nes Be­sit­zes Ei­gen­tü­mer ge­blie­ben ist (BGH, Urt. v. 30.01.2015 – V ZR 63/13, NJW 2015, 1678 Rn. 34 = NJ 2015, 340 [Kon­tusch/Traub]). Pro­zes­su­al muss der Be­sit­zer zum Nach­weis sei­nes Ei­gen­tums al­so grund­sätz­lich nur sei­nen ge­gen­wär­ti­gen oder frü­he­ren un­mit­tel­ba­ren oder (höchst­stu­fi­gen) mit­tel­ba­ren Be­sitz dar­le­gen und be­wei­sen, nicht aber die den Ei­gen­tums­er­werb be­grün­den­den Tat­sa­chen (BGH, Urt. v. 16.10.2003 – IX ZR 55/02, BGHZ 156, 310, 318 f. = NJW 2004, 217, 219; Urt. v. 04.02.2002 – II ZR 37/00, NJW 2002, 2101, 2102; OLG Bran­den­burg, Urt. v. 22.07.2014 – 6 U 53/13, ju­ris Rn. 278; OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 08.05.2014 – 4 U 393/11, NJW-RR 2014, 1241; Er­man/Eb­bing, a. a. O., § 1006 Rn. 17; ju­risPK-BGB/Hans, 8. Aufl. [2017], § 1006 Rn. 8; Stau­din­ger/Gurs­ky, BGB, Neu­be­arb. 2012, § 1006 Rn. 42).

Vor­lie­gend sind die­se Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­mu­tung des § 1006 I 1 BGB er­füllt. Die Klä­ge­rin hat den Trans­por­ter von der Streit­ver­kün­de­ten un­strei­tig für sich selbst er­wor­ben; der Zeu­ge F hat das Fahr­zeug nur in sei­ner Funk­ti­on als Or­gan/Be­sitz­die­ner der Klä­ge­rin in Be­sitz ge­nom­men. Die Klä­ge­rin war da­mit von An­fang an un­mit­tel­ba­re Ei­gen­be­sit­ze­rin (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 11.06.2015 – 5 U 9/15, ju­ris Rn. 17).

b) Die Be­klag­te als Ver­mu­tungs­geg­ne­rin kann die Ver­mu­tung ne­ben dem Fall des Ab­han­den­kom­mens da­durch wi­der­le­gen, dass der Be­sit­zer kei­nen Ei­gen­be­sitz oder trotz Ei­gen­be­sitz­be­grün­dung kein Ei­gen­tum er­wor­ben hat. (ju­risPK-BGB/Hans, a. a. O., § 1006 Rn. 9). Die Wi­der­le­gung der Ver­mu­tung setzt den vol­len Be­weis des Ge­gen­teils der Ver­mu­tungs­fol­ge vor­aus, al­so den Nach­weis, dass der Ver­mu­tungs­be­güns­tig­te ent­we­der beim Be­sit­zer­werb nicht auch Ei­gen­tü­mer ge­wor­den ist oder dass er sein Ei­gen­tum be­reits vor dem maß­geb­li­chen Ter­min wie­der ver­lo­ren hat (Stau­din­ger/Gurs­ky, a. a. O., § 1006 Rn. 43; Er­man/Eb­bing, a. a. O., § 1006 Rn. 17; vgl. auch BGH, Urt. v. 16.10.2003 – IX ZR 55/02, BGHZ 156, 310, 318 f. = NJW 2004, 217, 219).

Das ist der Be­klag­ten nicht ge­lun­gen, was das Land­ge­richt feh­ler­frei fest­ge­stellt hat:

aa) Dass der Ver­äu­ße­rer nicht Be­rech­tig­ter und der Er­wer­ber bös­gläu­big war, hat der­je­ni­ge zu be­wei­sen, der dem Er­wer­ber ge­gen­über sein Ei­gen­tum gel­tend macht (Pa­landt/Herr­ler, BGB, 78. Aufl. [2019], § 932 Rn. 15; Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 13. Aufl. [2017], Rn. 4764). Zum Bös­gläu­big­keits­nach­weis ge­hört der Nach­weis der­je­ni­gen Tat­sa­chen, aus de­nen sich die Kennt­nis oder grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis des Er­wer­bers er­gibt. Geht es um die Ver­let­zung der Nach­for­schungs­pflicht, muss der Geg­ner des den gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb Be­haup­ten­den des­sen pflicht­be­grün­den­de Um­stän­de und den qua­li­fi­zier­ten Sorg­falts­ver­stoß be­wei­sen (OLG Hamm, Urt. v. 08.07.2013 – 5 U 111/12, ju­ris Rn. 65 m. w. Nachw.; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4764).

Nach § 932 II BGB ist der Er­wer­ber nicht in gu­tem Glau­ben, wenn ihm be­kannt oder in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ist, dass die Sa­che nicht dem Ver­äu­ße­rer ge­hört. Un­ter gro­ber Fahr­läs­sig­keit wird im All­ge­mei­nen ein Han­deln ver­stan­den, bei dem die er­for­der­li­che Sorg­falt den ge­sam­ten Um­stän­den nach in un­ge­wöhn­lich gro­ßem Ma­ße ver­letzt wor­den ist und bei dem das­je­ni­ge un­be­ach­tet ge­blie­ben ist, was im ge­ge­be­nen Fall je­dem hät­te ein­leuch­ten müs­sen (BGH, Urt. v. 18.06.1980 – VI­II ZR 119/79, BGHZ 77, 274, 276 = ju­ris Rn. 22; Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 11). Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs be­grün­det der Be­sitz des­sel­ben al­lein nicht den für den Gut­glau­bens­er­werb nach § 932 BGB er­for­der­li­chen Rechts­schein. Viel­mehr ge­hört es re­gel­mä­ßig zu den Min­des­ter­for­der­nis­sen des gut­gläu­bi­gen Er­werbs ei­nes sol­chen Kraft­fahr­zeugs, dass sich der Er­wer­ber die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (§ 12 VI FZV) bzw. frü­her den Kraft­fahr­zeug­brief (§ 25 IV 2 StV­ZO a.F.) vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen (BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 13; Urt. v. 13.09.2006 – VI­II ZR 184/05, ju­ris Rn. 17; Urt. v. 13.05.1996 – II ZR 222/95, ju­ris Rn. 7 m. w. Nachw.). Denn es muss in der Re­gel Arg­wohn er­we­cken und zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen An­lass ge­ben, wenn der Ver­äu­ße­rer ent­we­der den Kraft­fahr­zeug­brief nicht vor­le­gen kann oder wenn sich aus die­sem ein vom Ver­äu­ße­rer per­so­nen­ver­schie­de­ner Hal­ter er­gibt (BGH, Urt. v. 13.04.1994 – II ZR 196/93, NJW 1994, 2022, 2023 = ju­ris Rn. 19). Der Sinn und Zweck der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II bzw. frü­her des Fahr­zeug­briefs be­steht in dem Schutz des Ei­gen­tü­mers oder sonst ding­lich am Kraft­fahr­zeug Be­rech­tig­ten (BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 14). Die­se Prü­fun­gen hat der Er­wer­ber je­den­falls vor­zu­neh­men, um sich nicht dem Vor­wurf gro­ber Fahr­läs­sig­keit aus­zu­set­zen. Kommt der Er­wer­ber die­ser Ob­lie­gen­heit nach und lie­gen auch kei­ne an­de­ren Ver­dachts­mo­men­te für ihn vor, tref­fen ihn kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten (BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 14).

So­weit die Be­klag­te in ih­rer Be­ru­fungs­be­grün­dung dar­auf ab­stellt, dass der Kauf­ver­trag oh­ne vor­he­ri­ge Ein­sicht­nah­me in die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung ab­ge­schlos­sen wor­den sei, ist dies un­er­heb­lich, weil die­se Ar­gu­men­ta­ti­on das Tren­nungs­prin­zip als Grund­satz des deut­schen Zi­vil­rechts nicht be­ach­tet. Das Ei­gen­tum an ei­ner be­weg­li­chen Sa­che wird ge­mäß § 929 Satz 1 BGB durch Ei­ni­gung über den Ei­gen­tums­über­gang und Über­ga­be der Sa­che über­tra­gen. Für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb i. S. des § 932 BGB kommt es mit­hin auf den Zeit­punkt des Ver­fü­gungs­ge­schäfts (die Über­ga­be) und nicht auf das da­von zu tren­nen­de Ver­pflich­tungs­ge­schäft (den Ab­schluss des Kauf­ver­trags) an.

(1) Den Be­weis, dass es der Zeu­ge F un­ter­las­sen hat, sich die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II an­zu­se­hen, hat die Be­klag­te nicht er­bracht. Viel­mehr ist das Land­ge­richt nach­voll­zieh­bar zu der Fest­stel­lung ge­langt, dass sich der Zeu­ge F die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II an­ge­se­hen hat. Die Zeu­gen F und Z ha­ben über­ein­stim­mend er­klärt, dass sich der Zeu­ge F den Fahr­zeug­brief des Fahr­zeugs an­ge­se­hen ha­be. Der Zeu­ge F selbst hat aus­ge­sagt, dass er sich die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung an­ge­se­hen ha­be, ihm da­bei aber nichts Un­ge­wöhn­li­ches auf­ge­fal­len sei. Nach der Aus­sa­ge des Zeu­gen Z hat der Zeu­ge F noch ge­sagt: „Oh, der kommt aus D., dann scheint ja al­les in Ord­nung zu sein.“ Ins­be­son­de­re die Aus­sa­ge des Zeu­gen Z spricht da­her da­für, dass sich der Zeu­ge F auch das Feld der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung an­ge­se­hen hat, in wel­ches der Vor­hal­ter ein­ge­tra­gen ist.

Zwar hat das Land­ge­richt – wie im Er­geb­nis auch die Par­tei­en selbst – dies­be­züg­lich die Be­weis­last falsch be­ur­teilt und die Klä­ge­rin da­für als be­weis­pflich­tig an­ge­se­hen, dass sich der Zeu­ge F die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung an­ge­se­hen hat. Hier­auf be­ruht aber die Ent­schei­dung des Land­ge­richts nicht (§ 513 I Fall 1 ZPO). Et­was an­de­res macht die Be­ru­fung in­so­weit auch nicht gel­tend.

Auch die Ver­neh­mung des F als Zeu­ge ist nicht zu be­an­stan­den und wirkt sich letzt­lich für die Er­folgs­aus­sicht der Be­ru­fung auch nicht aus.

So­weit sich die Be­klag­te auf den Stand­punkt stellt, dass die Ab­be­ru­fung als Ge­schäfts­füh­rer kurz vor der Ver­neh­mung als sit­ten­wid­rig an­zu­se­hen sei, ist dem nicht zu fol­gen. Für die Zeug­nis­fä­hig­keit ist die for­ma­le Stel­lung im Zeit­punkt der Ver­neh­mung ent­schei­dend. Es ist da­her zu­läs­sig, dass ein Ver­tre­tungs­or­gan durch Ab­be­ru­fung Zeu­ge wird (vgl. Zöl­ler/Gre­ger, ZPO, 32. Aufl. [2018], vor § 373 Rn. 5).

Die Ab­be­ru­fung des Ge­schäfts­füh­rers ei­ner GmbH rich­tet sich nach § 38 Gmb­HG. Sie ist, so­fern in der Sat­zung nicht et­was an­de­res ver­ein­bart wur­de, je­der­zeit, und zwar form­frei, mög­lich. Die Ab­be­ru­fung ist als­bald zum Han­dels­re­gis­ter an­zu­mel­den, doch ist dies kei­ne Vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit (Uwe H. Schnei­der/Sven H. Schnei­der, in: Scholz, Gmb­HG, 11. Aufl. [2014], § 38 Rn. 15a).

Dass die Ab­be­ru­fung am Mor­gen des 07.12.2016 und da­mit vor der Ver­neh­mung statt­fand, er­gibt sich be­reits aus der Ver­neh­mung des Zeu­gen F so­wie aus dem erst­in­stanz­lich nach­ge­reich­ten Ab­be­ru­fungs­be­schluss der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung, der auf den 07.12.2016 da­tiert ist. Ei­nen Ge­gen­be­weis hat die Be­klag­te auch schon in ers­ter In­stanz nicht an­ge­bo­ten.

Un­ge­ach­tet des­sen kommt es auf die Fra­ge der Ge­schäfts­füh­rer­stel­lung des F am 07.12.2016 nicht an. Da­her war man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit zu die­sem Zeit­punkt über die­se Fra­ge auch kein Be­weis mehr zu er­he­ben. Dies er­gibt sich be­reits dar­aus, dass – wie oben be­reits aus­ge­führt – nicht die Klä­ge­rin zu be­wei­sen hat­te, dass die Fahr­zeug­pa­pie­re ein­ge­se­hen wur­den, son­dern es der Be­klag­ten ob­lag zu be­wei­sen, dass ei­ne sol­che Ein­sicht­nah­me nicht statt­ge­fun­den hat.

(2) Aus dem Um­stand, dass die Streit­ver­kün­de­te nicht als Hal­ter in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ein­ge­tra­gen war, er­gab sich kei­ne wei­ter­ge­hen­de Nach­for­schungs­pflicht der Klä­ge­rin bzw. des Zeu­gen F.

Zwar muss dem­je­ni­gen, der von ei­ner Pri­vat­per­son ei­nen Ge­braucht­wa­gen er­wirbt, die nicht als Hal­ter im Fahr­zeug­brief aus­ge­wie­sen ist, sich der – ei­ne Nach­for­schungs­pflicht aus­lö­sen­de – Ver­dacht auf­drän­gen, dass der Ver­äu­ße­rer auf un­red­li­che Wei­se in den Be­sitz des Fahr­zeugs ge­langt sein kön­ne (BGH, Urt. v. 01.07.1987 – VI­II ZR 331/86, NJW-RR 1987, 1456, 1457). Das gilt aber nicht für sol­che Fäl­le, in de­nen – wie hier – ein ge­brauch­tes Fahr­zeug von ei­nem Händ­ler in des­sen Ge­schäfts­be­trieb er­wor­ben wird und da­bei der Kraft­fahr­zeug­brief bzw. die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II samt al­len sons­ti­gen Un­ter­la­gen über­ge­ben wird (vgl. BGH, Urt. v. 05.02.1975 – VI­II ZR 151/73, NJW 1975, 735, 736; Urt. v. 01.07.1987 – VI­II ZR 331/86, NJW-RR 1987, 1456, 1457; Urt. v. 09.10.1991 – VI­II ZR 19/91, NJW 1992, 310). Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs von ei­nem Kfz-Händ­ler reicht al­lein des­sen feh­len­de Ein­tra­gung im Kfz-Brief zur Be­grün­dung der Bös­gläu­big­keit nicht aus, weil es nicht un­ge­wöhn­lich ist, dass ein Au­to­händ­ler ein ge­brauch­tes Fahr­zeug oh­ne vor­he­ri­ge Um­schrei­bung ver­kauft (OLG Köln, Urt. v. 21.02.1996 – 6 U 167/94, ju­ris Rn. 12; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 11.02.2009 – I-11 U 24/08, ju­ris Rn. 12). Zum ei­nen bringt es dem Kfz-Händ­ler nichts, den Auf­wand sei­ner ei­ge­nen Ein­tra­gung als Hal­ter auf sich zu neh­men; zum an­de­ren ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass ein Fahr­zeug nach der Ver­kehrs­an­schau­ung um­so mehr an Wert ver­liert, je mehr Ei­gen­tü­mer in den Fahr­zeug­pa­pie­ren ein­ge­tra­gen sind (OLG Stutt­gart, Urt. v. 27.02.2013 – 3 U 140/12, ju­ris Rn. 2; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 11.02.2009 – I-11 U 24/08, ju­ris Rn. 12).

(3) Auch der Ver­kaufs­preis von 15.500 € hat­te kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten für die Klä­ge­rin bzw. den Zeu­gen F zur Fol­ge. Dies gilt un­ab­hän­gig da­von, ob der von der Be­klag­ten be­haup­te­te Markt­wert von 32.100 € brut­to zu­tref­fend ist. Grund­sätz­lich wird zwar die Preis­ge­stal­tung von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung als be­ach­tens­wer­tes Ver­dachts­mo­ment an­ge­se­hen (vgl. BGH, Urt. v. 30.10.1995 – II ZR 254/94, NJW 1996, 314 f.; Urt. v. 05.02.1975 – VI­II ZR 151/73, NJW 1975, 735 f.; Urt. v. 01.07.1987 – VI­II ZR 331/86, NJW-RR 1987, 1456, 1457 f.; Urt. v. 13.04.1994 – II ZR 196/93, NJW 1994, 2022, 2023 = ju­ris Rn. 19). Al­ler­dings muss das Miss­ver­hält­nis für den Klä­ger als Er­wer­ber ekla­tant sein (OLG Braun­schweig, Urt. v. 01.09.2011 – 8 U 170/10, ju­ris Rn. 48). Es muss für den Käu­fer er­kenn­bar sein, dass es sich um ei­nen deut­lich zu nied­ri­gen Ver­kaufs­preis han­delt, weil an­de­ren­falls nicht von gro­ber Fahr­läs­sig­keit ge­spro­chen wer­den kann. Maß­geb­lich ist da­mit, ob der Ver­kaufs­preis aus Sicht der Klä­ge­rin bzw. des für sie han­deln­den Zeu­gen F der­art nied­rig war, dass sich dar­aus Zwei­fel an der recht­mä­ßi­gen Be­sit­z­er­lan­gung der Streit­ver­kün­de­ten er­ge­ben muss­ten und des­halb aus ih­rer Sicht wei­te­re Nach­for­schun­gen an­ge­zeigt ge­we­sen wä­ren.

Das ist nicht fest­zu­stel­len. Zu­nächst ist – ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten – nicht schon auf­grund der Rechts­form der Klä­ge­rin oder ih­rer Tä­tig­keit als Wasch­an­la­gen­be­trei­be­rin von ei­ner be­son­de­ren Kennt­nis hin­sicht­lich der Markt­wer­te von Fahr­zeu­gen aus­zu­ge­hen. Es ist nicht er­sicht­lich, war­um ei­ne GmbH und auch ei­ne Wasch­an­la­gen­be­trei­be­rin be­son­de­re Er­fah­run­gen im Han­del mit ge­brauch­ten Fahr­zeu­gen ha­ben soll­ten, auf­grund de­rer sie ei­nen deut­lich zu nied­ri­gen Kauf­preis bes­ser er­ken­nen könn­te als ei­ne Pri­vat­per­son.

Dem Land­ge­richt ist auch dar­in zu­zu­stim­men, dass von dem Er­wer­ber ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs nicht zu­vor ei­ne um­fas­sen­de Markt­re­cher­che er­war­tet wer­den kann. Da­ge­gen wen­det sich die Be­klag­te in ih­rer Be­ru­fungs­be­grün­dung mit dem Ar­gu­ment, dass je­der­mann vor dem Kauf ei­nes Fahr­zeugs Er­kun­di­gun­gen ein­ho­le und Prei­se ver­glei­che. Ob dies von dem Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­fahr­zeugs zu er­war­ten ist, kann letzt­lich da­hin­ste­hen, weil der Zeu­ge F in sei­ner Ver­neh­mung am 07.12.2016 aus­ge­sagt hat, dass auch er im Vor­feld ver­gli­chen ha­be, was der­ar­ti­ge Fahr­zeu­ge kos­ten und da­bei – un­wi­der­legt – sei­ner­zeit ge­se­hen ha­be, dass es ähn­li­che Fahr­zeu­ge zum Preis von 20.000 € ge­be.

Zu be­ach­ten ist wei­ter­hin der kon­kre­te Zu­stand in dem sich das Fahr­zeug be­fand. Die Zeu­gen ha­ben aus­ge­sagt, dass über den schlech­ten Zu­stand der Rei­fen und ei­nen an­geb­lich aus­ge­bes­ser­ten Heck­scha­den ge­spro­chen wor­den ist. Dass von dem Heck­scha­den zum Über­ga­be­zeit­punkt ge­ge­be­nen­falls nichts (mehr) zu se­hen war, ist un­er­heb­lich. Auch re­pa­rier­te Un­fall­schä­den wir­ken sich wert­min­dernd aus. Der Zeu­ge Z hat zu­dem be­kun­det, dass der La­de­be­reich des Fahr­zeugs kom­plett leer, al­so oh­ne In­nen­aus­stat­tung ge­we­sen sei. Die­se Um­stän­de, ins­be­son­de­re ein be­haup­te­ter Un­fall­scha­den, kön­nen aus Sicht ei­nes Lai­en plau­si­ble Grün­de für ei­nen deut­lich nied­ri­ge­ren Preis dar­stel­len.

Dass ein – so­gar re­pa­rier­ter – Un­fall­scha­den an ei­nem Fahr­zeug zu ei­ner Wert­min­de­rung führt, ist nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung auch un­ter Lai­en weit­hin be­kannt, nicht aber, wie viel ein Fahr­zeug durch ei­nen Un­fall­scha­den kon­kret an Wert ver­liert. Im Er­geb­nis war es je­den­falls aus Sicht ei­nes Lai­en nicht voll­kom­men ab­we­gig, dass sich der Un­fall­scha­den, der üb­ri­ge Zu­stand des Fahr­zeugs, die gleich­zei­ti­ge In­zah­lung­nah­me des Pkw M. und die bis­he­ri­ge Ge­schäfts­be­zie­hung er­heb­lich auf den Preis aus­wir­ken. Da­mit ist nicht fest­zu­stel­len, dass der ver­ein­bar­te Kauf­preis von 15.500 € aus da­ma­li­ger Sicht der Klä­ge­rin ekla­tant zu nied­rig war.

(4) Auch die kon­kre­ten Merk­ma­le der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung wa­ren nicht ge­eig­net, ei­ne Bös­gläu­big­keit der Klä­ge­rin bzw. des Zeu­gen F zu be­grün­den. Dies ist bei ei­ner ge­fälsch­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung nur dann an­zu­neh­men, wenn sie als sol­che des­we­gen leicht durch­schau­bar ist (vgl. MünchKomm-BGB/Oechs­ler, 7. Aufl. [2017], § 932 Rn. 56). Dies war vor­lie­gend nicht der Fall.

Ver­tief­te Kennt­nis­se dar­über, wel­che Stel­le zu wel­cher Zeit wel­che Ein­tra­gun­gen in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung vor­nimmt, kön­nen von ei­nem Lai­en je­den­falls nicht er­war­tet wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund muss­te das iden­ti­sche Schrift­bild im obe­ren Teil der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II bei der Hal­ter­ein­tra­gung und im un­te­ren Teil bei den Fahr­zeug­da­ten bei dem Zeu­gen F kei­nen Ver­dacht er­re­gen. Das Glei­che gilt für die un­ter der Hal­ter­an­ga­be be­find­li­che Be­hör­den­an­ga­be. Es er­schließt sich au­ßer­dem nicht, war­um von ei­nem iden­ti­schen Schrift­bild zwin­gend auf den­sel­ben Dru­cker und da­mit auf ei­ne zeit­gleich vor­ge­nom­me­ne Ein­tra­gung ge­schlos­sen wer­den soll­te. Es ist durch­aus denk­bar und bei­spiels­wei­se im pri­va­ten Be­reich auch selbst­ver­ständ­lich, dass un­ter­schied­li­che Dru­cker mit der glei­chen Schrift­art dru­cken kön­nen.

Von dem Zeu­gen F war auch nicht zu er­war­ten, den Bar­code der ge­fälsch­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung mit dem­je­ni­gen aus der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung des in Zah­lung ge­ge­be­nen Pkw zu ver­glei­chen. Ein sol­ches Vor­ge­hen kann schon des­halb nicht zu den Min­dest­an­for­de­run­gen ei­nes Ge­braucht­wa­gen­käu­fers zäh­len, weil die­se Mög­lich­keit über­haupt nur dann be­steht, wenn zeit­gleich ein Fahr­zeug vom Händ­ler an­ge­kauft wird, was aber nicht im­mer der Fall ist. Dar­über hin­aus be­steht für den Er­wer­ber über­haupt nur dann ein An­lass, ein­zel­ne Ele­men­te der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung ei­ner ge­naue­ren Un­ter­su­chung zu un­ter­zie­hen, so­fern be­reits auf den ers­ten Blick Ver­dacht er­re­gen­de Auf­fäl­lig­kei­ten zu er­ken­nen sind. Oh­ne An­lass ist ein sol­cher Ver­gleich je­den­falls nicht vor­zu­neh­men.

Das Ent­spre­chen­de gilt für die Un­ter­schrif­ten der Be­hör­den­mit­ar­bei­ter. Vom Er­wer­ber, der beim Kauf ei­nes Ge­braucht­fahr­zeugs oh­ne­hin schon vie­le Din­ge zu be­ach­ten hat, kann zur Ver­mei­dung des Vor­wurfs gro­ber Fahr­läs­sig­keit nicht ver­langt wer­den, je­des ein­zel­ne Feld und je­den Schrift­zug der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung ge­nau­es­tens zu kon­trol­lie­ren und sich zu­dem das zu­vor für ei­ne sol­che um­fas­sen­de Kon­trol­le nö­ti­ge fach­li­che De­tail­wis­sen an­zu­eig­nen. Dies gilt ent­spre­chend für die Ein­tra­gung des Farb­codes.

Der Zeu­ge war auch nicht ge­hal­ten, die Be­hör­dens­tem­pel der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gun­gen Teil I und Teil II mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Selbst wenn er dies ge­tan hät­te, hät­te ihm als Lai­en da­bei nicht zwangs­läu­fig auf­fal­len müs­sen, dass es sich um ei­ne Fäl­schung han­delt, ob­wohl der Stem­pel un­ter den Hal­ter­an­ga­ben in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II eher nach „ein­ge­druckt“ als nach ei­nem Stem­pel aus­sieht. Ei­nem Lai­en muss aber nicht be­kannt sein, dass an die­ser Stel­le zwin­gend ein „ge­stem­pel­ter“ Stem­pel zu se­hen sein muss. Zu­dem weist auch der Stem­pel der Zu­las­sungs­be­hör­de in B. durch sei­ne Aus­rich­tung und sein kla­res, nicht ver­wisch­tes Schrift­bild ein ähn­lich „ge­druck­te“ Er­schei­nung auf.

So­weit die Be­klag­te ei­ne Aus­kunft bei der Bun­des­dru­cke­rei und die Ein­ho­lung ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens be­an­tragt hat, be­zie­hen sich die­se An­trä­ge auf die Fest­stel­lung der zeit­li­chen Ab­fol­ge der Ein­tra­gun­gen in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung, die al­len­falls da­zu ge­eig­net wä­re nach­zu­wei­sen, dass es sich bei der von der Streit­ver­kün­de­ten über­ge­be­nen Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II um ei­ne Fäl­schung han­delt. Dies ist je­doch zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig. Zu klä­ren war dem­ge­gen­über, ob dies für den Zeu­gen F of­fen­sicht­lich zu er­ken­nen war. Fäl­schungs­merk­ma­le, die erst durch Aus­kunft bei der Bun­des­dru­cke­rei oder durch Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nach­ge­wie­sen wer­den müs­sen, fal­len re­gel­mä­ßig nicht hier­un­ter. Das gilt auch für die üb­ri­gen Aus­füh­run­gen der Be­klag­ten, die da­zu die­nen dar­zu­le­gen, dass es sich bei der über­ge­be­nen Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II um ei­ne Fäl­schung han­delt.

Ent­ge­gen der An­sicht der Be­ru­fung bie­tet auch die Tat­sa­che, dass den Mit­ar­bei­tern der Zu­las­sungs­be­hör­de die Fäl­schung nicht auf­ge­fal­len ist, durch­aus ei­nen ge­eig­ne­ten An­halts­punkt da­für, ob dem Zeu­gen F grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis vor­zu­wer­fen ist. Dies ist nach dem oben Ge­sag­ten nur dann an­zu­neh­men, wenn das­je­ni­ge un­be­ach­tet ge­blie­ben ist, was je­dem hät­te ein­leuch­ten müs­sen. Der Um­stand, dass die Fäl­schung meh­re­ren Per­so­nen – auch dem Zeu­gen Z ist nichts auf­ge­fal­len – nicht als sol­che auf­ge­fal­len ist, spricht eher da­für als da­ge­gen, dass es sich nicht um et­was han­delt, „was je­dem hät­te ein­leuch­ten müs­sen“. Dies gilt um­so mehr bei den Be­hör­den­mit­ar­bei­tern, die täg­lich der­ar­ti­ge – und ins­be­son­de­re mehr­heit­lich ech­te – Do­ku­men­te in der Hand hal­ten.

So­fern die Be­klag­te be­strei­tet, dass die ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II auf Ori­gi­nal­pa­pier ge­druckt wur­de, hät­te es – wie aus­ge­führt – ihr ob­le­gen, dies zu be­wei­sen. Un­ab­hän­gig da­von ist die­ser Um­stand im Tat­be­stand des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils als un­strei­ti­ge Tat­sa­che fest­ge­hal­ten wor­den. Das ist zu­tref­fend. Auf das ein­fa­che Be­strei­ten der Be­klag­ten mit Nicht­wis­sen (Schrift­satz vom 09.08.2016, S. 12) hat die Klä­ge­rin wei­ter­ge­hend qua­li­fi­ziert er­wi­dert (Schrift­satz vom 04.10.2016, S. 6). Au­ßer­dem hat das Land­ge­richt nach Ein­sicht­nah­me in die Er­mitt­lungs­ak­ten den Hin­weis er­teilt (Hin­weis­be­schl. v. 23.01.2017, S. 3), dass nach de­ren In­halt der ver­wen­de­te Vor­druck als Ori­gi­nal­vor­druck in Bre­men ent­wen­det wor­den sei. Bei­dem ist die Be­klag­te ent­ge­gen § 138 II und III ZPO erst­in­stanz­lich auch nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten (vgl. Schrift­satz vom 20.02.2017, S. 9), so­dass sie sich schon des­halb dar­an fest­hal­ten las­sen muss. Der Tat­be­stand ent­fal­tet zu­dem ge­mäß § 314 ZPO Be­weis­kraft. Et­wai­ge Un­rich­tig­kei­ten sind im We­ge der Be­rich­ti­gung ge­mäß § 320 ZPO zu be­sei­ti­gen. Der Zweck des § 320 ZPO be­steht ge­ra­de dar­in, die zu­tref­fen­de Grund­la­ge für die Ent­schei­dung des Rechts­mit­tel­ge­richts zu ge­währ­leis­ten (BGH, Urt. v. 10.03.1983 – VII ZR 135/82, NJW 1983, 2030, 2032 = ju­ris Rn. 29; Zöl­ler/Fes­korn, ZPO, 32. Aufl. [2018], § 320 Rn. 12). Die Be­klag­te hat kei­ne Tat­be­stands­be­rich­ti­gung be­an­tragt. Sie kann nach Ab­lauf der zwei­wö­chi­gen An­trags­frist sich nicht mehr dar­auf be­ru­fen, dass der Tat­be­stand Un­rich­tig­kei­ten ent­hält.

So­weit die Be­klag­te rügt, dass kei­ne Ko­pie der Vor­der­sei­te der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I vor­ge­legt wor­den ist, ist das un­er­heb­lich. Wel­che Auf­fäl­lig­kei­ten oder Wi­der­sprü­che sich dar­aus er­ge­ben hät­ten, die zur An­nah­me ei­ner grob fahr­läs­si­gen Un­kennt­nis des Zeu­gen F hät­ten füh­ren kön­nen, ist we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich.

(5) Der Um­stand, dass ein Kfz-Händ­ler – wie hier die Streit­ver­kün­de­te – drei ähn­li­che jun­ge ge­brauch­te Fahr­zeu­ge zum Ver­kauf an­ge­bo­ten hat, kann ver­schie­de­ne un­ver­fäng­li­che Grün­de ha­ben und muss mit­hin bei ei­nem Kun­den ei­nes Ge­braucht­wa­gen­händ­lers oh­ne Wei­te­res kei­nen Ver­dacht auf­kom­men las­sen.

bb) Die Be­klag­te ver­moch­te auch nicht zu be­wei­sen, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug ab­han­den­ge­kom­men ist. Der da­zu von ihr be­nann­te Zeu­ge B war nicht auf­zu­fin­den (ana­log § 244 III 2 Fall 5 StPO; BGH, Urt. v. 17.02.1970 – III ZR 139/67, BGHZ 53, 245, 259 f. = ju­ris Rn. 228). Dar­auf hat das Land­ge­richt mit Hin­weis­be­schluss vom 23.01.2017 zu­tref­fend hin­ge­wie­sen. Das Land­ge­richt war nicht ge­hal­ten, ei­ne La­dung an der von der Be­klag­ten ge­nann­ten Adres­se zu ver­su­chen, zu der die Er­mitt­lungs­be­hör­den oh­ne Ge­win­nung wei­ter­füh­ren­der Er­kennt­nis­se be­reits fest­ge­stellt hat­ten, dass sich der Zeu­ge dort nicht auf­hält.

Der Zeu­ge brauch­te aber un­ab­hän­gig da­von schon des­halb nicht ge­la­den zu wer­den, weil die Be­klag­te be­reits kei­nen schlüs­si­gen Sach­vor­trag für ein Ab­han­den­kom­men ge­hal­ten hat. Die La­dung des Zeu­gen, wä­re des­sen Auf­ent­halt be­kannt, wä­re zur Ver­mei­dung un­zu­läs­si­ger Be­weis­aus­for­schung nicht zu­läs­sig ge­we­sen. Aus ih­rem Schrift­satz vom 20.02.2017 wird deut­lich, dass die Be­klag­te kei­ne An­halts­punk­te für ein Ab­han­den­kom­men hat und den Zeu­gen in­so­weit nur ver­nom­men wis­sen möch­te, um et­wai­ge An­halts­punk­te zu er­fah­ren. Nicht ein­mal in Ver­fah­ren mit Amts­er­mitt­lungs­grund­satz ist ei­ne Zeu­gen­ver­neh­mung zur Be­weis­aus­for­schung zu­läs­sig, auch un­ab­hän­gig da­von, war­um ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter über die Er­kennt­nis­se nicht ver­fügt, de­ren Ge­win­nung er sich aus der Ver­neh­mung des von ihm be­nann­ten Zeu­gen ver­spricht (vgl. BSG, Urt. v. 28.06.2018 – B 5 RS 7/17 R, ju­ris Rn. 37). Das gilt erst recht im vom Par­tei­bei­brin­gungs­grund­satz ge­präg­ten Zi­vil­pro­zess­ver­fah­ren (vgl. OLG Karls­ru­he, Urt. v. 16.05.2002 – 11 U 10/01, ju­ris Rn. 42).

Die Ei­gen­tums­ver­mu­tung des § 1006 I 1 BGB zu­guns­ten der Klä­ge­rin ist nach den da­mit feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts nicht wi­der­legt.

3. Die Be­klag­te hat ein – au­ßer­halb ih­res durch den gut­gläu­bi­gen Er­werb der Klä­ge­rin ver­lo­re­nen Ei­gen­tums – sons­ti­ges Recht zum Be­sitz (§ 986 BGB) nicht vor­ge­tra­gen. …

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