1. Beim Kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens ist die Über­ga­be und Prü­fung des Fahr­zeug­briefs nur ei­ne Min­dest­an­for­de­rung für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb des Ei­gen­tums. Sind Um­stän­de vor­han­den, die ei­nen Ver­dacht des Käu­fers er­re­gen müs­sen, so ist der Käu­fer ver­pflich­tet, sich beim letz­ten im Fahr­zeug­brief ein­ge­tra­ge­nen Hal­ter des Fahr­zeugs über die Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se und die Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Ver­käu­fers zu ver­ge­wis­sern. Sol­che Um­stän­de lie­gen im­mer vor, wenn ein Ge­braucht­wa­gen auf der Stra­ße ver­kauft wird und der Ver­käu­fer nicht der letz­te im Fahr­zeug­brief ein­ge­tra­ge­ne Hal­ter ist.
  2. Der gu­te Glau­be an die Ver­fü­gungs­be­fug­nis ei­nes Kauf­manns (vgl. § 366 I HGB) kann auch dann ge­recht­fer­tigt sein, wenn ein gu­ter Glau­be an sein Ei­gen­tum durch gro­be Fahr­läs­sig­keit aus­ge­schlos­sen wä­re.

BGH, Ur­teil vom 05.02.1975 – VI­II ZR 151/73

Sach­ver­halt: Die H-GmbH, die 1971 mit dem Ge­schäfts­zweck der Ab­wick­lung von Um­schul­dungs­ver­trä­gen ge­grün­det wor­den war, kauf­te ab Au­gust 1971 ge­brauch­te Kraft­fahr­zeu­ge an, um sich flüs­si­ge Mit­tel zu ver­schaf­fen. Die Fahr­zeu­ge be­zahl­te sie mit un­ge­deck­ten Schecks und spä­ter nicht ein­ge­lös­ten Wech­seln und ver­kauf­te sie so­fort er­heb­lich un­ter dem Zeit­wert an Drit­te wei­ter. Die für die­se Ge­schäfts­prak­ti­ken bei der H-GmbH ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen sind un­ter an­de­rem we­gen Be­tru­ges ver­ur­teilt wor­den.

Am 13.09.1971 hat­te der Streit­hel­fer der Be­klag­ten, der Kauf­mann K, erst­mals ei­nen Ge­braucht­wa­gen zu ei­nem sehr nied­ri­gen Preis von der H-GmbH er­wor­ben. Er kauf­te bis zum Ein­grei­fen der Po­li­zei am 26.09.1971 ins­ge­samt zehn ge­brauch­te Fahr­zeu­ge auf die­se Wei­se.

Am 16.09.1971 ver­kauf­te der Klä­ger sei­nen Opel GT 1900 (Bau­jahr 1969) un­ter Ei­gen­tums­vor­be­halt an die H-GmbH zum Preis von 8.200 DM. Er er­hielt hier­für 2.000 DM in bar und über den Kauf­preis­rest von 6.200 DM ei­nen am 01.10.1971 fäl­li­gen Wech­sel, der nicht ein­ge­löst wur­de. Der Klä­ger über­gab der H-GmbH mit dem Fahr­zeug auch den Kraft­fahr­zeug­brief, weil die Käu­fe­rin ihn um kurz­fris­ti­ge Über­las­sung des Briefs zwecks Um­schrei­bung des Fahr­zeugs ge­be­ten hat­te. Der Wa­gen des Klä­gers kos­te­te da­mals neu ab Werk 11.000 DM und hat­te nach den im Ge­braucht­wa­gen­han­del ver­wen­de­ten Lis­ten ei­nen Zeit­wert von et­wa 7.500 DM.

Noch am glei­chen Tag, am 16.09.1971, ver­kauf­te die H-GmbH das Fahr­zeug für 5.100 DM ge­gen Bar­zah­lung an K. K, der den Wa­gen zu­sam­men mit an­de­ren von ihm zum Kauf an­ge­bo­te­nen Fahr­zeu­gen auf der Stra­ße vor sei­ner Woh­nung ab­ge­stellt hat­te, ver­kauf­te das Fahr­zeug am 22.09.1971 zum Preis von 6.800 DM ge­gen Bar­zah­lung an den Be­klag­ten zu 2 wei­ter. Im Fahr­zeug­brief war stets der Klä­ger als Hal­ter ein­ge­tra­gen. Erst in der Fol­ge­zeit wur­de der Fahr­zeug­brief auf den Be­klag­ten zu 1, den Va­ter des Be­klag­ten zu 2, als Hal­ter um­ge­schrie­ben.

Der Klä­ger hat von den bei­den Be­klag­ten als Ge­samt­schuld­ner die Her­aus­ga­be sei­nes Fahr­zeugs nebst dem Fahr­zeug­schein und vom Be­klag­ten zu 1 die Her­aus­ga­be des Fahr­zeug­briefs ver­langt. K ist nach Streit­ver­kün­dung durch die Be­klag­ten dem Rechts­streit auf de­ren Sei­te als Streit­hel­fer bei­ge­tre­ten.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Re­vi­si­on des Streit­hel­fers der Be­klag­ten (K), der die Ab­wei­sung der Kla­ge er­rei­chen woll­te, hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb des Streit­hel­fers der Be­klag­ten bei sei­nem Kauf des Kraft­wa­gens am 16.09.1971 von der H-GmbH ver­neint, weil K als Händ­ler an­ge­sichts des Kauf­prei­ses des auf ei­nen Drit­ten, näm­lich den Klä­ger, zu­ge­las­se­nen Wa­gens, der er­heb­lich un­ter dem im Ge­braucht­wa­gen­han­del lis­ten­mä­ßig er­fass­ten Zeit­wert lag, in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­blie­ben ist, dass das Fahr­zeug nicht der Ver­äu­ße­re­rin ge­hör­te (§ 932 II BGB).

a) Oh­ne Er­folg wen­det sich die Re­vi­si­on hier­ge­gen mit dem Hin­weis, der Kauf ei­nes ge­brauch­ten Kraft­wa­gens sei ein Ri­si­ko­ge­schäft, weil man­che wert­min­dern­den Um­stän­de nicht er­kenn­bar sei­en. Au­ßer­dem sei das Fahr­zeug des Klä­gers zwi­schen dem 16.09. und 22.09.1971 drei­mal ver­kauft wor­den, wor­aus sich be­reits er­heb­li­che Zwei­fel an dem wirk­li­chen Wert des Wa­gens er­gä­ben, den das Be­ru­fungs­ge­richt über­dies nicht fest­ge­stellt ha­be.

Aus dem Um­stand des mehr­fa­chen Ver­kaufs des Fahr­zeugs des Klä­gers in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge kann ab­wei­chend von der Mei­nung der Re­vi­si­on nichts über den Wert des Wa­gens her­ge­lei­tet wer­den; denn auf­sei­ten der H-GmbH war der so­for­ti­ge Wei­ter­ver­kauf des­we­gen ge­plant und not­wen­dig, um mög­lichst um­ge­hend Geld für den Wa­gen zu be­schaf­fen. Dass das Be­ru­fungs­ge­richt kei­ne Fest­stel­lung über den wirk­li­chen Wert des Fahr­zeugs des Klä­gers ge­trof­fen hat, ist nicht zu be­an­stan­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt konn­te sei­ne Sach­ver­halts­wür­di­gung, der Streit­hel­fer der Be­klag­ten ha­be die im Ver­kehr er­for­der­li­che Sorg­falt in be­son­ders gra­vie­ren­der Wei­se des­halb au­ßer Acht ge­las­sen, weil er die er­heb­li­che Dif­fe­renz zwi­schen dem lis­ten­mä­ßi­gen Zeit­wert des Wa­gens und dem Ver­kaufs­preis nicht zum An­lass wei­te­rer Auf­klä­rungs­ver­su­che ge­nom­men ha­be, schon un­ter Be­rück­sich­ti­gung des be­kann­ten da­ma­li­gen Neu­prei­ses sol­cher Fahr­zeu­ge tref­fen. Von kei­ner Sei­te ist ir­gend­ein Um­stand vor­ge­tra­gen wor­den, der An­lass für ei­ne er­heb­lich ge­rin­ge­re An­set­zung des Zeit­werts des Fahr­zeugs ge­ge­ben hät­te, als er der im Ge­braucht­wa­gen­han­del ge­führ­ten Lis­te da­mals ent­sprach.

b) In der Recht­spre­chung ist an­er­kannt, dass der Be­sitz des Kraft­fahr­zeugs samt dem Kraft­fahr­zeug­schein und dem Kraft­fahr­zeug­brief den Rechts­schein der Ver­fü­gungs­macht über ei­nen ge­brauch­ten Kraft­wa­gen gibt und dass das Un­ter­las­sen der Ein­sicht in den Kraft­fahr­zeug­brief in der Re­gel ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb beim Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens aus­schließt (Se­nat, Urt. v. 02.12.1958 – VI­II ZR 212/57, LM § 932 BGB Nr. 12 = WM 1959, 138; Urt. v. 27.01.1965 – VI­II ZR 62/63, NJW 1965, 687; Urt. v. 20.02.1967 – III ZR 134/65, BGHZ 47, 207 = NJW 1967, 1022 [1024]). Der Kraft­fahr­zeug­brief be­zweckt näm­lich nach dem Ge­setz die Si­che­rung des Ei­gen­tums oder an­de­rer Rech­te am Fahr­zeug (§ 25 IV 2 StV­ZO), wenn er auch kein Wert­pa­pier, ins­be­son­de­re kein Tra­di­ti­ons­pa­pier ist (Se­nat, Urt. v. 21.01.1970 – VI­II ZR 145/68, NJW 1970, 653 = WM 1970, 251). An­hand der Ein­tra­gun­gen im Kraft­fahr­zeug­brief ist die Mög­lich­keit ge­ge­ben, bei dem ein­ge­tra­ge­nen Be­rech­tig­ten die Über­eig­nungs­be­fug­nis des Fahr­zeug­be­sit­zers nach­zu­prü­fen, zu­mal ein Er­fah­rungs­satz be­steht, dass Händ­ler ge­brauch­te Kraft­fahr­zeu­ge häu­fig nicht zu Ei­gen­tum, son­dern nur kom­mis­si­ons­wei­se zum Ver­kauf er­hal­ten (Se­nat, Urt. v. 09.10.1963 – VI­II ZR 210/62, WM 1963, 1186 = BB 1963, 1278).

Wenn das Be­ru­fungs­ge­richt hier für den Streit­hel­fer der Be­klag­ten auf­grund des be­son­ders nied­ri­gen Kauf­prei­ses und des Um­stan­des, dass er be­reits drei Ta­ge vor dem An­kauf des hier strei­ti­gen Fahr­zeugs von der Ver­käu­fe­rin un­ter ähn­li­chen Um­stän­den ein Kraft­fahr­zeug ge­kauft hat­te, das Un­ter­las­sen ei­ner Nach­prü­fung bei dem im Brief als Hal­ter ein­ge­tra­ge­nen Klä­ger als gro­be Fahr­läs­sig­keit an­ge­se­hen und des­halb ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb aus­ge­schlos­sen hat, ist die­se auf tatrich­ter­li­chem Ge­biet lie­gen­de Wür­di­gung aus Rechts­grün­den nicht zu be­an­stan­den.

c) So­weit sich die Re­vi­si­on auf die Ent­schei­dung des OLG Saar­brü­cken (Urt. v. 06.09.1967 – 1 U 185/64, NJW 1968, 1936) be­ruft, dass sich beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs der Käu­fer stets auf den durch den Be­sitz des Kraft­fahr­zeug­briefs ge­schaf­fe­nen Rechts­schein ver­las­sen dür­fe, oh­ne grob fahr­läs­sig zu han­deln, kann dem nicht ge­folgt wer­den. Ge­ra­de zum Zwe­cke der Um­schrei­bung ei­nes Fahr­zeugs (§ 27 StV­ZO) wird es viel­fach not­wen­dig sein, dass der Ei­gen­tü­mer ei­nes un­ter Ei­gen­tums­vor­be­halt ver­kauf­ten Kraft­wa­gens den in sei­nem Be­sitz be­find­li­chen Kraft­fahr­zeug­brief aus der Hand gibt. Es geht nicht an, grund­sätz­lich den Schluss zu zie­hen, der Ei­gen­tü­mer ha­be da­mit zum Ent­ste­hen ei­ner Sach­la­ge bei­ge­tra­gen, die sein Ei­gen­tum nicht mehr oh­ne Wei­te­res er­kenn­bar wer­den las­se, und des­halb bei Vor­la­ge des Kraft­fahr­zeug­brie­fes den Ei­gen­tums­er­werb nach § 932 BGB stets ein­tre­ten zu las­sen. Dem Streit­hel­fer der Be­klag­ten, der sich nach der Fest­stel­lung des Be­ru­fungs­ge­richts zu den Kraft­fahr­zeug­händ­lern zählt, war es viel­mehr nach den sons­ti­gen Um­stän­den des Fal­les zu­zu­mu­ten, durch ei­ne Rück­fra­ge bei dem im Kraft­fahr­zeug­brief ein­ge­tra­ge­nen Klä­ger sich über die Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se und die Ver­fü­gungs­be­fug­nis der Ver­käu­fe­rin des Wa­gens zu ver­ge­wis­sern (RG, Urt. v. 28.11.1933 – VII 187/33, RGZ 143, 14 [18]). Wä­re das ge­sche­hen, so wä­re dem Streit­hel­fer der Be­klag­ten der Ei­gen­tums­vor­be­halt des Klä­gers ge­gen­über der H-GmbH nicht ver­bor­gen ge­blie­ben. Das vom Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stell­te grob fahr­läs­si­ge Ver­hal­ten des Streit­hel­fers der Be­klag­ten als Kfz-Händ­ler schließt sei­nen Ei­gen­tums­er­werb so­wohl nach § 932 BGB, als auch nach § 366 HGB in glei­cher Wei­se aus.

II. So­weit das Be­ru­fungs­ge­richt auch ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb des Be­klag­ten zu 2 ver­neint hat, ist ihm im Er­geb­nis bei­zu­tre­ten.

a) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat den Streit­hel­fer der Be­klag­ten ent­spre­chend sei­nem Vor­trag als Kraft­fahr­zeug­händ­ler an­ge­se­hen, der ein Grund­han­dels­ge­wer­be (§ 1 II Nr. 1 HGB) aus­übt. Es ist ei­ne ge­richts­be­kann­te Er­fah­rungs­tat­sa­che, dass Kraft­fahr­zeug­händ­ler ge­brauch­te Fahr­zeu­ge oft­mals nur kom­mis­si­ons­wei­se zum Ver­kauf er­hal­ten (vgl. Se­nat, Urt. v. 09.10.1963 – VI­II ZR 210/62, WM 1963, 1186 = BB 1963, 1278). Wer bei ei­nem Händ­ler im Rah­men von des­sen Ge­schäfts­be­trieb ei­ne Wa­re kauft, geht im Zwei­fel min­des­tens von des­sen Ver­fü­gungs­be­fug­nis über den von ihm zum Ver­kauf an­ge­bo­te­nen Ge­gen­stand aus, was die Be­klag­ten hier gel­tend ge­macht ha­ben (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 10.03.1959 – VI­II ZR 46/58, LM § 366 HGB Nr. 9 = WM 1959, 533 [534]; Urt. v. 28.09.1964 – VI­II ZR 13/63, WM 1964, 1193 [1194]; Urt. v. 27.01.1965 – VI­II ZR 62/63, NJW 1965, 687; Mor­mann, WM 1966, 2 [5]). Die Prü­fung, ob es in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit ei­nes Käu­fers am gu­ten Glau­ben beim Er­werb ei­ner be­weg­li­chen Sa­che ge­fehlt hat, kann bei An­wen­dung von § 932 BGB oder § 366 HGB zu ver­schie­de­nen Er­geb­nis­sen füh­ren; denn der gu­te Glau­be in die Ver­fü­gungs­be­fug­nis ei­nes Kauf­manns kann ge­recht­fer­tigt sein, selbst wenn ein gu­ter Glau­be an sein Ei­gen­tum durch gro­be Fahr­läs­sig­keit aus­ge­schlos­sen wä­re (Se­nat, Urt. v. 10.03.1959 – VI­II ZR 46/58, LM § 366 HGB Nr. 9 = WM 1959, 533 [534]). Da­her kann die Fra­ge ei­nes gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werbs nach § 932 BGB da­hin­ge­stellt blei­ben, wenn der gu­te Glau­be an die Ver­fü­gungs­be­fug­nis ei­nes Kauf­manns, der ei­ne be­weg­li­che Sa­che im Be­trieb sei­nes Han­dels­ge­wer­bes ver­äu­ßert hat, zu be­ja­hen ist.

b) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat, aus­ge­hend da­von, dass der Be­klag­te zu 2 den Kauf­mann K für den Ei­gen­tü­mer des Wa­gens ge­hal­ten hat, die Fra­ge ei­nes Ei­gen­tums­er­werbs in­fol­ge gu­ten Glau­bens des Be­klag­ten zu 2 an die Ver­fü­gungs­be­fug­nis Ks (§ 366 HGB) un­ter Hin­weis auf das Se­nats­ur­teil vom 23.05.1966 – VI­II ZR 60/64, LM § 932 BGB Nr. 21 = WM 1966, 678 = MDR 1966, 754, nicht ge­prüft. Es hat hier­bei die Trag­wei­te je­ner Ent­schei­dung ver­kannt. Die da­ma­li­ge Kla­ge rich­te­te sich ge­gen ei­nen Händ­ler, dem trotz Vor­la­ge des (ge­fälsch­ten) Kraft­fahr­zeug­briefs Zwei­fel an dem Ei­gen­tum des Ver­äu­ße­rers kom­men muss­ten, de­ren Über­ge­hen ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb so­wohl nach § 932 II BGB als auch nach § 366 HGB aus­schloss. Die Be­klag­ten sind kei­ne Händ­ler. Sie ha­ben sich im Be­ru­fungs­ver­fah­ren aus­drück­lich auf den gu­ten Glau­ben des Be­klag­ten zu 2 an die Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Streit­hel­fers be­ru­fen. Bei die­ser Sach­la­ge hat das Be­ru­fungs­ge­richt zu Un­recht die Prü­fung ei­nes Ei­gen­tums­er­werbs des Be­klag­ten zu 2 nach § 366 HGB un­ter­las­sen.

c) Es ist in der Recht­spre­chung an­er­kannt, dass ei­ne all­ge­mei­ne Nach­for­schungs­pflicht bei Drit­ten als Vor­aus­set­zung für ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb nicht be­steht (Se­nat, Urt. v. 22.06.1966 – VI­II ZR 141/64, NJW 1966, 1959 [1960]). Das Be­ru­fungs­ge­richt hat auch fest­ge­stellt, dass dem Be­klag­ten zu 2 we­gen des von ihm ge­for­der­ten und be­zahl­ten Kauf­prei­ses, der in kei­nem auf­fal­len­den Miss­ver­hält­nis zum Zeit­wert des Kraft­wa­gens stand, kei­ne Nach­for­schungs­pflicht er­wach­sen ist. Es hat in Über­ein­stim­mung mit dem Se­nats­ur­teil vom 23.05.1966 (VI­II ZR 60/64, LM § 932 BGB Nr. 21 = WM 1966, 678 = MDR 1966, 754) die Über­ga­be und Prü­fung des Kraft­fahr­zeug­briefs als Min­dest­an­for­de­rung für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb ge­wer­tet. Durch sie wird aber ei­ne ei­nen sol­chen Er­werb ver­hin­dern­de gro­be Fahr­läs­sig­keit dann nicht aus­ge­schlos­sen, wenn be­son­de­re Um­stän­de, die ei­nen Ver­dacht beim Käu­fer er­re­gen müs­sen, au­ßer Acht ge­las­sen wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat an­ge­nom­men, es be­ste­he un­ter al­len Um­stän­den dann ei­ne Er­kun­di­gungs­pflicht für den Käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs, wenn der Ver­äu­ße­rer nicht mit dem letz­ten im Kraft­fahr­zeug­brief ein­ge­tra­ge­nen Hal­ter iden­tisch ist. Ob dem stets bei­zu­tre­ten ist, wenn ein ge­brauch­tes Kraft­fahr­zeug von ei­nem Händ­ler im Rah­men von des­sen Ge­schäfts­be­trieb er­wor­ben wird und da­bei der Kraft­fahr­zeug­brief samt al­len sons­ti­gen Un­ter­la­gen dem Käu­fer über­ge­ben wer­den und sons­ti­ge Um­stän­de, die ei­nen Ver­dacht des Käu­fers her­vor­ru­fen müs­sen, nicht vor­lie­gen, er­scheint an­ge­sichts der häu­fi­gen kom­mis­si­ons­wei­sen Ein­schal­tung von Händ­lern beim Ge­braucht­wa­gen­ver­kauf nicht un­zwei­fel­haft, braucht aber hier nicht ab­schlie­ßend ent­schie­den zu wer­den; denn bei der Be­wer­tung der Um­stän­de, die für den Käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Kraft­wa­gens ei­ne Nach­for­schungs­pflicht be­grün­den, wenn er das Fahr­zeug von ei­nem Händ­ler kauft und in dem ihm vor­ge­leg­ten Kraft­fahr­zeug­brief ein an­de­rer als Hal­ter ein­ge­tra­gen ist, ist ein stren­ger Maß­stab an­zu­wen­den.

Das Be­ru­fungs­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass der Streit­hel­fer der Be­klag­ten das von ihm zum Ver­kauf an­ge­bo­te­ne Fahr­zeug auf der Stra­ße vor sei­nem Haus ab­ge­stellt hat­te. Die­ser Um­stand muss­te in Ver­bin­dung mit der Tat­sa­che, dass in dem Kraft­fahr­zeug­brief nicht der Ver­käu­fer, son­dern ein Drit­ter als Hal­ter des Fahr­zeugs ein­ge­tra­gen war, dem Be­klag­ten zu 2 An­lass zu ei­ner Nach­for­schung nach der Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Ver­käu­fers ge­ben. Dass er ei­ne sol­che Nach­for­schung un­ter­las­sen hat, ist ihm als gro­be Fahr­läs­sig­keit an­zu­las­ten, die sei­nen Ei­gen­tums­er­werb so­wohl nach § 366 HGB als auch nach § 932 BGB aus­schließt; denn auch dem Be­klag­ten zu 2 muss­te be­kannt sein, dass beim Ver­kauf von Ge­braucht­wa­gen, vor al­lem wenn er auf der Stra­ße vor­ge­nom­men wird, mit un­lau­te­ren Ma­chen­schaf­ten ge­rech­net wer­den muss. Hät­te der Be­klag­te zu 2 bei dem da­mals noch im Brief als Hal­ter des Fahr­zeugs ein­ge­tra­ge­nen Klä­ger nach­ge­fragt, dann wä­re ihm des­sen Ei­gen­tums­vor­be­halt und die feh­len­de Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Ver­käu­fers über das Fahr­zeug nicht ver­bor­gen ge­blie­ben. Bei die­ser Sach­la­ge ha­ben die Tat­sa­chen­in­stan­zen zu Recht der Ei­gen­tums­her­aus­ga­be­kla­ge statt­ge­ge­ben.

III. Da das vom Streit­hel­fer oh­ne Be­tei­li­gung der von ihm un­ter­stütz­ten Par­tei ein­ge­leg­te Rechts­mit­tel er­folg­los ge­blie­ben ist, hat er die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens nach § 97 ZPO zu tra­gen …

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