Zur Haf­tung ei­nes Ge­braucht­wa­gen­händ­lers, der im Kun­den­auf­trag ei­nen von ihm selbst mit ei­nem Er­satz­mo­tor ver­se­he­nen Ge­braucht­wa­gen ver­kauft und da­bei dem Käu­fer un­rich­ti­ge An­ga­ben über die Lauf­leis­tung die­ses – von ei­nem Drit­ten er­wor­be­nen – Mo­tors macht.

BGH, Ur­teil vom 17.03.1976 – VI­II ZR 208/74

Sach­ver­halt: Der Be­klag­te ist un­ter der Fir­ma „Au­to­haus M, Inh. Erich T“ als Kfz-Händ­ler tä­tig. En­de 1970 kauf­te der – im Re­vi­si­ons­rechts­zug als Streit­hel­fer des Klä­gers bei­ge­tre­te­ne – Flie­sen­le­ger L bei dem Be­klag­ten ei­nen Pkw und gab gleich­zei­tig sei­nen ge­brauch­ten Pkw BMW 1800 in Zah­lung. Zu die­sem Zweck be­auf­trag­te er am 23.12.1970 den Be­klag­ten in ei­nem for­mu­lar­mä­ßi­gen „Ver­mitt­lungs-Auf­trag für Kraft­fahr­zeug-Ver­kauf“, den BMW in sei­nem – des Streit­hel­fers – Na­men und auf sei­ne Rech­nung ge­gen ei­ne Pro­vi­si­on von 20 % des Ver­kaufs­er­lö­ses zu ei­nem Min­dest­ver­kaufs­preis von 2.500 DM zu ver­äu­ßern.

Nach­dem der Be­klag­te den Wa­gen über­nom­men und in der Fol­ge­zeit Mo­tor und Ge­trie­be durch ge­brauch­te Tei­le, die er sich von Drit­ten be­schaff­te, er­setzt hat­te, bot er den BMW im Fe­bru­ar und März 1971 wie­der­holt in Zei­tungs­an­non­cen wie folgt an: „BMW 1800, ATM, ATG, 64 … 2.800,–“.

Dem Klä­ger, der sich für den Wa­gen in­ter­es­sier­te, er­klär­te der Be­klag­te bei den münd­li­chen Ver­trags­ver­hand­lun­gen, der aus­ge­wech­sel­te Mo­tor, den er von ei­nem Be­kann­ten be­zo­gen ha­be, wei­se ei­ne Lauf­leis­tung von et­wa 40.000 km und das eben­falls aus­ge­wech­sel­te Ge­trie­be ei­ne sol­che von et­wa 20.000 km auf. Das kön­ne er dem Klä­ger „schrift­lich ge­ben“. Im Üb­ri­gen kom­me der Wa­gen noch zur ge­nau­en Un­ter­su­chung auf den Prüf­stand.

Am 15.03.1971 un­ter­schrieb der Klä­ger als Käu­fer ei­nen for­mu­lar­mä­ßi­gen „Kauf­ver­trag (für Ver­mitt­lungs-Ge­schäf­te)“, mit dem er den streit­ge­gen­ständ­li­chen BMW durch Ver­mitt­lung der Fir­ma des Be­klag­ten von dem Streit­hel­fer „ge­braucht, wie be­sich­tigt, und un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung“ zum Preis von 2.500 DM kauf­te. Für den Ver­käu­fer un­ter­zeich­ne­te ein An­ge­stell­ter des Be­klag­ten den Kauf­ver­trag als Ver­mitt­ler. Das Ver­trags­for­mu­lar ent­hielt un­ter an­de­rem den Ver­merk, dass ne­ben den schrift­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen kei­ne wei­te­ren Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen und kei­ne münd­li­chen Zu­sa­gen ge­macht wor­den sei­en. Der zur Ent­ge­gen­nah­me des Kauf­prei­ses er­mäch­tig­te Be­klag­te brach­te die­sen oh­ne Ab­zug der an sich ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­on dem Streit­hel­fer in vol­ler Hö­he gut.

Am 26.03.1971 er­klär­te der Klä­ger mit der Be­grün­dung, so­wohl der Aus­tausch­mo­tor als auch das Aus­tausch­ge­trie­be sei­en weit mehr als vom Be­klag­ten an­ge­ge­ben ge­lau­fen und der­art ver­schlis­sen, dass der Wa­gen aus­weis­lich ei­nes ein­ge­hol­ten Gut­ach­tens nur noch ei­nen Schrott­wert von cir­ca 700 DM ha­be, den Rück­tritt vom Ver­trag.

Im vor­lie­gen­den Rechts­streit ver­langt er von dem Be­klag­ten die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ein­schließ­lich Kre­dit­kos­ten in Hö­he von 2.762,60 DM so­wie die Er­stat­tung der Ver­si­che­rungs­prä­mie in Hö­he von 109,70 DM. Ins­ge­samt macht der Klä­ger mit­hin ei­nen Zah­lungs­an­spruch in Hö­he von 2.972,30 DM nebst Zin­sen gel­tend. Der Be­klag­te be­strei­tet ei­ne Rück­zah­lungs­pflicht, da er nicht Ver­käu­fer und im Üb­ri­gen je­de Haf­tung ab­be­dun­gen sei; schließ­lich tref­fe ihn – den Be­klag­ten – auch des­halb kein Ver­schul­den, weil er den An­ga­ben des ihm als zu­ver­läs­sig be­kann­ten Zu­lie­fe­ran­ten des Aus­tausch­mo­tors über des­sen Lauf­leis­tung ha­be ver­trau­en kön­nen und die An­ga­ben über das Ge­trie­be zu­tref­fend ge­we­sen sei­en.

Den schrott­rei­fen BMW, des­sen Rück­nah­me der Be­klag­te ver­wei­gert hat­te, hat wäh­rend des ers­ten Rechts­zu­ges ein Schrott­händ­ler von dem Klä­ger oh­ne Be­rech­nung der Ab­schlepp­kos­ten, aber auch oh­ne Zah­lung ei­nes Kauf­prei­ses über­nom­men.

Das Land­ge­richt hat – un­ter Be­rück­sich­ti­gung des dem Klä­ger un­ter­lau­fe­nen Re­chen­feh­lers von 100 DM – der Kla­ge in Hö­he von 2.872,30 DM nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Re­vi­sio­nen des Klä­gers und des Streit­hel­fers, die da­mit die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils er­streb­ten, hat­ten Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Ge­gen die Zu­läs­sig­keit der Re­vi­sio­nen – auch der des Streit­hel­fers – be­ste­hen kei­ne Be­den­ken. Der Streit­hel­fer ist gleich­zei­tig mit der – un­be­schränkt und da­mit auch für ihn zu­ge­las­se­nen – Re­vi­si­on rechts­wirk­sam dem Rechts­streit bei­ge­tre­ten (§ 66 II ZPO i. V. mit § 70 I 1 ZPO). Sein recht­li­ches In­ter­es­se (§ 66 I ZPO I i. V. mit § 70 I 2 Nr. 2 ZPO) er­gab sich aus der Streit­ver­kün­dung.

II. Die Re­vi­sio­nen ha­ben auch Er­folg.

Das Be­ru­fungs­ge­richt geht da­von aus, dass der Kauf­ver­trag über den Pkw nicht zwi­schen den Par­tei­en die­ses Rechts­streits, son­dern zwi­schen dem Klä­ger und dem Streit­hel­fer zu­stan­de ge­kom­men und der Be­klag­te da­bei le­dig­lich als Ver­tre­ter des Streit­hel­fers (Ver­mitt­ler) tä­tig ge­wor­den sei. Die­se Aus­le­gung ei­nes In­di­vi­du­al­ver­tra­ges ist nicht nur recht­lich mög­lich, son­dern zwin­gend. Die im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren vor­ge­tra­ge­ne An­sicht des Streit­hel­fers, der Be­klag­te müs­se sich des­we­gen als Ver­käu­fer des Pkw be­han­deln las­sen, weil er die hier um­strit­te­nen Fahr­zeug­tei­le – den Er­satz­mo­tor und das Er­satz­ge­trie­be – selbst be­schafft und ein­ge­baut ha­be, ist mit dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des klar und ver­ständ­lich ab­ge­fass­ten „Kauf­ver­trags (für Ver­mitt­lungs­ge­schäf­te)“ vom 15.03.1971 nicht zu ver­ein­ba­ren. Ob der Be­klag­te da­bei auch nach Ein­bau des Er­satz­mo­tors zu­nächst des­sen Ei­gen­tü­mer ge­blie­ben war (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 27.06.1973 – VI­II ZR 201/72, BGHZ 61, 80), ist an­ge­sichts sei­nes deut­lich zum Aus­druck ge­kom­me­nen Wil­lens, aus of­fen­sicht­lich in ers­ter Li­nie steu­er­li­chen Grün­den nicht als Ver­käu­fer des Kraft­wa­gens, son­dern le­dig­lich als Ver­mitt­ler und da­mit als Ver­tre­ter tä­tig zu wer­den, oh­ne Be­deu­tung.

III. Auch die Fest­stel­lung des Be­ru­fungs­ge­richts, der Be­klag­te haf­te – ob­wohl nur Ver­tre­ter – grund­sätz­lich un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss, weil er als „be­son­de­rer Ver­tre­ter“ das Ver­trau­en des Klä­gers ge­ra­de ihm ge­gen­über in An­spruch ge­nom­men ha­be, ist aus Rechts­grün­den nicht zu be­an­stan­den. Es ent­spricht seit Lan­gem ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung, dass in Aus­nah­me­fäl­len auch der Ver­tre­ter – und zwar ne­ben dem un­ter Um­stän­den ge­mäß § 278 BGB haf­ten­den Ver­tre­te­nen – selbst für ei­ne Ver­let­zung der Ver­pflich­tun­gen bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen ein­zu­ste­hen hat, und zwar dann, wenn ihm per­sön­lich als Sach­wal­ter ei­nes Ver­trags­part­ners vom Ver­trags­geg­ner be­son­de­res Ver­trau­en ent­ge­gen­ge­bracht wird oder er dem Ver­hand­lungs­ge­gen­stand be­son­ders na­he ge­stan­den, ins­be­son­de­re am Ver­trags­ab­schluss ein ei­ge­nes wirt­schaft­li­ches In­ter­es­se ge­habt hat (vgl. BGH, Urt. v. 05.04.1971 – VII ZR 163/69, BGHZ 56, 81 [83] m. w. Nachw.; Urt. v. 14.12.1972 – II ZR 82/70, WM 1973, 863 = NJW 1973, 1604). Das ist, wie der Se­nat in sei­ner – nach Er­lass des Be­ru­fungs­ur­teils er­gan­ge­nen – Ent­schei­dung vom 29.01.1975 (VI­II ZR 101/73, WM 1975, 309 = NJW 1975, 642) aus­ge­führt hat, ty­pi­scher­wei­se dann der Fall, wenn im Kraft­fahr­zeug­ge­wer­be ein Fach­händ­ler beim Ver­kauf von Ge­braucht­wa­gen als Ver­mitt­lungs- und Ab­schluss­ver­tre­ter ei­ne un­ein­ge­schränk­te Sach­wal­ter­stel­lung für den Ver­käu­fer ein­nimmt. In ei­nem sol­chen Fall – ins­be­son­de­re wenn der Käu­fer ei­nes Kraft­wa­gens sei­nen Ge­braucht­wa­gen un­ter An­rech­nung auf den Kauf­preis in Zah­lung ge­ben will und der Kraft­fahr­zeug­händ­ler die­sen von ihm aus­ge­stell­ten Wa­gen, wenn auch im Kun­den­auf­trag, zum Ver­kauf an­bie­tet – pflegt der Kauf­in­ter­es­sent sich nicht an den ihm zu­nächst un­be­kann­ten bis­he­ri­gen Ei­gen­tü­mer des Kraft­wa­gens, son­dern an den Fach­händ­ler zu wen­den und von ihm die er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen ein­zu­ho­len. Im vor­lie­gen­den Fall lag dies für den Klä­ger um­so nä­her, als der Be­klag­te die hier strei­ti­gen Er­satz­tei­le, wie er dem Klä­ger bei den münd­li­chen Ver­trags­ver­hand­lun­gen er­klärt hat­te, erst nach Über­nah­me des BMW selbst be­schafft, ein­ge­baut und über­prüft hat­te. Ei­ne et­wai­ge Nach­fra­ge bei dem Streit­hel­fer über Zu­stand und Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors und des Er­satz­ge­trie­bes wä­re für den Klä­ger da­her sinn­los ge­we­sen. An­de­rer­seits stellt das Be­ru­fungs­ge­richt zu Recht fest, dass auch der Be­klag­te ein star­kes ei­ge­nes wirt­schaft­li­ches In­ter­es­se am Ver­kauf des strei­ti­gen Pkw hat­te. Die­ses In­ter­es­se er­gibt sich al­ler­dings nicht, wie der Klä­ger in sei­ner Re­vi­si­ons­be­grün­dung aus­ge­führt hat, aus dem dem Be­klag­ten ver­trag­lich ein­ge­räum­ten Pro­vi­si­ons­an­spruch; denn der Be­klag­te hat – wie in den Tat­sa­chen­in­stan­zen un­strei­tig war – die­sen An­spruch nicht gel­tend ge­macht, son­dern den Er­lös von 2.500 DM in vol­ler Hö­he dem Streit­hel­fer auf des­sen Kauf­preis­schuld gut­ge­bracht. Das be­son­de­re In­ter­es­se des Be­klag­ten am Ver­kauf des BMW liegt je­doch be­reits in dem Um­stand, dass er den Pkw vom Streit­hel­fer in An­rech­nung auf den Preis des von die­sem ge­kauf­ten Wa­gens in Zah­lung ge­nom­men hat.

Der Be­klag­te haf­tet mit­hin dem Klä­ger grund­sätz­lich als so­ge­nann­ter „be­son­de­rer“ Ver­tre­ter auf Scha­dens­er­satz, so­fern ihn ein Ver­schul­den bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen trifft. Das wird auch von dem Be­klag­ten im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht mehr ernst­haft in Zwei­fel ge­zo­gen. Dass ein der­ar­ti­ger An­spruch aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss ge­gen­über dem Ver­käu­fer selbst, so­weit es sich um Pflicht­ver­let­zun­gen im Be­zug auf Ei­gen­schaf­ten der Kauf­sa­che han­delt, durch die be­son­de­ren und in­so­weit ab­schlie­ßen­den Be­stim­mun­gen über die kauf­recht­li­che Ge­währ­leis­tung aus­ge­schlos­sen wä­re (BGH, Urt. v. 16.03.1973 – V ZR 118/71, BGHZ 60, 319), steht der be­son­de­ren Haf­tung des Ver­tre­ters nicht ent­ge­gen, weil dem Klä­ger Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che, in de­nen der Er­satz­an­spruch aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss auf­ge­hen könn­te, ge­gen den le­dig­lich als Ver­tre­ter und nicht als Ver­käu­fer in An­spruch ge­nom­me­nen Be­klag­ten ge­ra­de nicht zu­ste­hen (vgl. Se­nat, Urt. v. 29.01.1975 – VI­II ZR 101/73, WM 1975, 309 = NJW 1975, 642 a. E.).

IV. Gleich­wohl haf­te der Be­klag­te – so meint das Be­ru­fungs­ge­richt – dem Klä­ger des­we­gen nicht auf Scha­dens­er­satz, weil ihm kein Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss zur Last ge­legt wer­den kön­ne; da der Er­satz­mo­tor kei­ne äu­ßer­li­chen Män­gel auf­ge­wie­sen ha­be und die ei­ge­ne Prü­fung der Lauf­leis­tung mit ei­ner für den Be­klag­ten un­zu­mut­ba­ren vor­he­ri­gen Teil­de­mon­ta­ge ver­bun­den ge­we­sen wä­re, ha­be er die An­ga­ben sei­nes Lie­fe­ran­ten, der sich bei frü­he­ren Lie­fe­run­gen von Er­satz­mo­to­ren als zu­ver­läs­sig er­wie­sen ha­be, auch hin­sicht­lich des hier strei­ti­gen Mo­tors un­ge­prüft über­neh­men und wei­ter­ge­ben kön­nen; mehr ha­be auch der Klä­ger der Er­klä­rung über die Lauf­leis­tung nicht ent­neh­men kön­nen, zu­mal ihm be­kannt ge­we­sen sei, dass der Be­klag­te sich den Mo­tor von drit­ter Sei­te be­schafft ha­be.

Die­se Aus­füh­run­gen des Be­ru­fungs­ge­richts hal­ten ei­ner recht­li­chen Nach­prü­fung nicht stand. Sie be­ru­hen auf ei­ner Ver­ken­nung der Sorg­falts­an­for­de­run­gen, die an ei­nen be­son­de­ren Ver­tre­ter als Sach­wal­ter zu stel­len sind.

1. Hät­te der Be­klag­te die Er­klä­rung über die Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors als Ver­käu­fer ab­ge­ge­ben, so wür­de er ge­mäß §§ 459 II, 463 BGB für die in ihr lie­gen­de Ei­gen­schafts­zu­si­che­rung auf Scha­dens­er­satz haf­ten, oh­ne dass es auf die Fra­ge des Ver­schul­dens an­kä­me. Da­von geht er­sicht­lich auch das Be­ru­fungs­ge­richt aus. Wie der Se­nat in sei­ner – eben­falls nach Ver­kün­dung des Be­ru­fungs­ur­teils er­gan­ge­nen – Ent­schei­dung vom 25.06.1975 (VI­II ZR 244/73, WM 1975, 895 = NJW 1975, 1693) aus­ge­führt hat, ent­spricht es der bei Ge­braucht­wa­gen­ge­schäf­ten ty­pi­scher­wei­se ge­ge­be­nen In­ter­es­sen­la­ge, in der Ki­lo­me­ter­an­ga­be durch den Ver­käu­fer die Zu­si­che­rung der bis­he­ri­gen Fahr­leis­tung – wenn auch mit dem Vor­be­halt der Ab­wei­chung in be­stimm­ten Gren­zen – zu se­hen. Der Käu­fer, der sich in der­ar­ti­gen Fäl­len auf die ihm selbst feh­len­de Sach­kun­de des Ver­käu­fers ver­lässt, darf da­von aus­ge­hen, dass die­ser mit sei­ner in Kennt­nis die­ses Um­stan­des ab­ge­ge­be­nen Er­klä­rung die ga­ran­tie­ähn­li­che Ein­stands­pflicht für ei­ne zu­ge­si­cher­te Ei­gen­schaft über­nimmt. Hin­sicht­lich der Lauf­leis­tung ei­nes in ei­nen Ge­braucht­wa­gen ein­ge­bau­ten Er­satz­mo­tors ist die Sach- und Rechts­la­ge nicht an­ders. Das gilt hier um­so mehr, als der Be­klag­te nach den rechts­irr­tums­frei­en Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts zu­sätz­lich er­klärt hat­te, er kön­ne dem Klä­ger die bis­he­ri­ge Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors auch „schrift­lich ge­ben“. So­weit der Be­klag­te nun­mehr meint, er ha­be da­mit le­dig­lich auf den in der Quit­tung sei­nes Vor­lie­fe­ran­ten vom 18.01.1971 ent­hal­te­nen Ver­merk: „40.000 ge­lau­fen“ hin­wei­sen, nicht aber ei­ne ei­ge­ne schrift­li­che Be­stä­ti­gung an­bie­ten wol­len, ver­kennt er, dass für die Aus­le­gung sei­ner Er­klä­rung als Ei­gen­schafts­zu­si­che­rung nicht in ers­ter Li­nie sein Wil­le maß­ge­bend ist, es viel­mehr ent­schei­dend dar­auf an­kommt, wie der Klä­ger die­se Äu­ße­rung nach Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te auf­fas­sen durf­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 05.07.1972 – VI­II ZR 74/71, BGHZ 59, 158, 160 f. m. w. Nachw.). Es kann aber kei­nem ernst­haf­ten Zwei­fel un­ter­lie­gen, dass der Klä­ger in der vor­ge­nann­ten Äu­ße­rung des Be­klag­ten die Be­reit­schaft zur ei­ge­nen schrift­li­chen Be­stä­ti­gung se­hen konn­te.

2. Nun ist der Be­klag­te zwar we­der selbst als Ver­käu­fer tä­tig ge­wor­den, noch rich­tet sich sei­ne Haf­tung nach den Be­stim­mun­gen über die kauf­recht­li­che Ver­jäh­rung (§§ 459 ff. BGB). Viel­mehr er­gibt sich sei­ne et­wai­ge Scha­dens­er­satz­pflicht als Sach­wal­ter und be­son­de­rer Ver­tre­ter aus der Ver­let­zung der Sorg­falts­pflicht bei Ver­trags­schluss, setzt al­so Ver­schul­den vor­aus. Gleich­wohl ist der Um­stand, dass es sich bei der vom Be­klag­ten ab­ge­ge­be­nen Er­klä­rung über die Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors in­halt­lich um ei­ne Ei­gen­schafts­zu­si­che­rung i. S. des § 459 II BGB han­delt, für das Maß der den Be­klag­ten tref­fen­den Sorg­falts­pflicht von ent­schei­den­der Be­deu­tung. Der Be­klag­te muss­te da­von aus­ge­hen, dass der Klä­ger die­ser Ei­gen­schafts­zu­si­che­rung und der in ihr ent­hal­te­nen Über­nah­me ei­ner ga­ran­tie­ähn­li­chen Ein­stands­pflicht des Ver­käu­fers ent­schei­den­de Be­deu­tung bei­maß und in die­sem Zu­sam­men­hang auch ihm als dem un­ein­ge­schränk­ten Sach­wal­ter des Ver­käu­fers und ei­nem Fach­mann sein be­son­de­res Ver­trau­en ent­ge­gen­brach­te; das lag um­so nä­her, als der Wa­gen bei Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges nicht fahr­be­reit war und dem oh­ne­hin nicht sach­kun­di­gen Klä­ger auch in­so­weit kei­ner­lei Über­prü­fungs­mög­lich­kei­ten of­fen­stan­den. Woll­te bei die­ser Sach­la­ge der Be­klag­te aus Grün­den der Ver­kaufs­för­de­rung über­haupt ei­ne ver­bind­li­che Er­klä­rung für den Ver­käu­fer über die Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors ab­ge­ben, so traf ihn in­so­weit dem Klä­ger als Kauf­in­ter­es­sen­ten ge­gen­über ei­ne be­son­de­re Sorg­falts­pflicht; dies um­so mehr, als er dem Be­klag­ten aus­drück­lich er­klärt hat­te, er kön­ne ihm die An­ga­ben über die Lauf­leis­tung „schrift­lich ge­ben“. Er wä­re da­her ge­hal­ten ge­we­sen, die Rich­tig­keit die­ser von ihm zu­ge­si­cher­ten Lauf­leis­tung selbst zu über­prü­fen oder, so­fern ihm dies mit zu­mut­ba­ren Mit­teln nicht mög­lich war, den Klä­ger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Zu­si­che­rung auf ei­ner nicht nach­ge­prüf­ten In­for­ma­ti­on ei­nes Drit­ten be­ruh­te. Bei sei­nem Ein­wand, der Klä­ger ha­be Letz­te­res für selbst­ver­ständ­lich hal­ten müs­sen, über­sieht der Be­klag­te, dass er als Fach­mann den Er­satz­mo­tor selbst ein­ge­baut hat­te und der Klä­ger schon aus die­sem Grund da­von aus­ge­hen konn­te, der Be­klag­te wer­de nicht oh­ne ei­ge­ne Prü­fung ei­ne der­ar­ti­ge Zu­si­che­rung ab­ge­ben.

Nur wenn der Be­klag­te die vor­ge­nann­te Sorg­falt hät­te wal­ten las­sen, wä­re der Klä­ger in die La­ge ver­setzt wor­den, den Um­fang des von ihm über­nom­me­nen, bei Ge­braucht­wa­gen mit Er­satz­mo­tor oh­ne­hin er­heb­li­chen Ri­si­kos sach­ge­recht ein­zu­schät­zen. In­wie­weit da­mit – wie das Be­ru­fungs­ge­richt meint – die An­for­de­run­gen an die Sorg­falts­pflicht des Sach­wal­ters über­spannt sein soll­ten, ist nicht er­sicht­lich zu­mal der Be­klag­te, wenn er sich sei­ner Sa­che nicht si­cher war, ei­ne der­ar­ti­ge Zu­si­che­rung nicht hät­te ab­zu­ge­ben brau­chen.

3. Kon­kre­te An­halts­punk­te da­für, dass der Klä­ger auch bei ei­nem Hin­weis, die An­ga­be über die Lauf­leis­tung des Er­satz­mo­tors stam­me von dem Vor­lie­fe­ran­ten und sei nicht nach­ge­prüft, gleich­wohl den Ver­trag ab­ge­schlos­sen hät­te, sind nicht er­sicht­lich. Das geht zu­las­ten des in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­gen Be­klag­ten (BGH, Urt. v. 05.07.1973 – VII ZR 12/73, BGHZ 61, 118, 122; Urt. v. 19.02.1975 – VI­II ZR 144/73, BGHZ 64, 46, 51).

4. Al­ler­dings wür­de der Be­klag­te für ein et­wai­ges Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss dann nicht haf­ten, wenn der von ihm ver­tre­te­ne Streit­hel­fer sich sei­ner­seits auf ei­nen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Haf­tungs­aus­schluss be­ru­fen könn­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 29.01.1975 – VI­II ZR 101/73, WM 1975, 309 = NJW 1975, 642). Das ist je­doch nicht der Fall. Der for­mu­lar­mä­ßi­ge Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss er­fasst, wie der Se­nat wie­der­holt ent­schie­den hat, die Haf­tung des Ver­käu­fers für das Feh­len ei­ner zu­ge­si­cher­ten Ei­gen­schaft ge­ra­de nicht (Se­nat, Urt. v. 29.05.1968 – VI­II ZR 77/66, BGHZ 50, 200, 206; Urt. v. 05.07.1972 – VI­II ZR 74/71, WM 1972, 969, in­so­weit in BGHZ 59, 158 nicht ab­ge­druckt). So­weit schließ­lich die Er­klä­rung des Be­klag­ten über die Lauf­leis­tung des Mo­tors nicht in der im Ver­trag vom 15.03.1971 vor­ge­schrie­be­nen Schrift­form ab­ge­ge­ben ist, kann sich der Be­klag­te auf die­sen Um­stand nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) schon des­we­gen nicht be­ru­fen, weil er selbst die Ein­hal­tung der Schrift­form aus­drück­lich an­ge­bo­ten hat­te (vgl. da­zu auch Se­nat, Urt. v. 25.06.1975 – VI­II ZR 244/73, WM 1975, 895 = NJW 1975, 1693).

V. Es kommt mit­hin ent­schei­dend dar­auf an, ob die An­ga­be des Be­klag­ten über den Er­satz­mo­tor ob­jek­tiv falsch war. Das aber war der Fall. Zwar hat das Be­ru­fungs­ge­richt bis­her zu­guns­ten des Klä­gers le­dig­lich un­ter­stellt, der Mo­tor sei we­sent­lich mehr als 40.000 km ge­lau­fen, oh­ne in­so­weit Fest­stel­lun­gen zu tref­fen. Dar­auf kommt es je­doch nicht ent­schei­dend an. Die Er­klä­rung des Be­klag­ten, der aus­ge­wech­sel­te Mo­tor sei et­wa 40.000 km ge­lau­fen, durf­te der Klä­ger nach Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te da­hin ver­ste­hen, dass der Mo­tor sich in ei­nem Er­hal­tungs­zu­stand be­fand, in dem sich Mo­to­ren mit ei­ner der­ar­ti­gen Lauf­leis­tung nor­ma­ler­wei­se be­fin­den, dass er mit­hin noch nicht ver­schlis­sen war. Die­se An­ga­be war je­doch falsch. Der Sach­ver­stän­di­ge S hat in sei­nen Gut­ach­ten vom 23.10. und 11.12.1972 aus­ge­führt, dass es sich um ei­nen aus­ge­tausch­ten Mo­tor mit zwei ver­schlis­se­nen Zy­lin­dern und da­mit um ei­nen Mo­tor mit ei­nem Ver­schleiß­grad han­de­le, wie er in der Re­gel erst bei ei­ner Lauf­leis­tung von über 100.000 km auf­tre­te; der Mo­tor sei prak­tisch als voll­stän­dig ver­schlis­sen an­zu­se­hen, al­so ver­braucht.

Da wei­te­re Fest­stel­lun­gen im Hin­blick dar­auf, dass der Wa­gen in­zwi­schen ver­schrot­tet ist, nicht mehr mög­lich sind, kann der Se­nat die an sich dem Tatrich­ter ob­lie­gen­den Fest­stel­lun­gen in­so­weit selbst tref­fen. Er schließt sich den sorg­fäl­tig be­grün­de­ten und über­zeu­gen­den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen, ge­gen die auch der Be­klag­te kei­ne ernst­haf­ten Ein­wen­dun­gen er­ho­ben hat, an.

VI. War mit­hin die Zu­si­che­rung des Be­klag­ten über den Er­hal­tungs­zu­stand des aus­ge­tausch­ten Mo­tors ob­jek­tiv un­rich­tig, so haf­tet er dem Klä­ger als be­son­de­rer Ver­tre­ter un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss auf den – im Re­vi­si­ons­rechts­zug hin­sicht­lich der Hö­he nicht mehr strei­ti­gen – Ver­trau­ens­scha­den, der dem Klä­ger durch den Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges ent­stan­den ist.

Auf die Re­vi­sio­nen des Klä­gers und des Streit­hel­fers war da­her das Ur­teil des Land­ge­richts wie­der­her­zu­stel­len. …

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