1. Der Ver­käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens muss ei­nen (Un­fall-)Scha­den, der ihm be­kannt ist oder mit des­sen Vor­han­den­sein er rech­net, grund­sätz­lich un­ge­fragt of­fen­ba­ren, wenn er sich nicht dem Vor­wurf arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens aus­set­zen will. Das gilt nur dann nicht, wenn Scha­den so ge­ring­fü­gig ist, dass er bei ver­nünf­ti­ger Be­trach­tungs­wei­se den Kauf­ent­schluss des Käu­fers nicht be­ein­flus­sen kann.
  2. Fragt der (po­ten­zi­el­le) Käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens ex­pli­zit da­nach, ob das Fahr­zeug in ei­nen Un­fall ver­wi­ckelt war, muss der Ver­käu­fer, um den Vor­wurf der Arg­list zu ver­mei­den, auch sol­che Schä­den an­ge­ben, bei de­nen es sich aus sei­ner Sicht nur um „Blech­schä­den“ ge­han­delt hat. Denn es kann kei­nes­falls dem Er­mes­sen des aus­drück­lich um Auf­klä­rung ge­be­te­nen Ver­käu­fers über­las­sen blei­ben, den er­lit­te­nen Scha­den für un­er­heb­lich, für den Käu­fer nicht we­sent­lich und des­halb nicht der Mit­tei­lung wert zu er­ach­ten. Der Ver­käu­fer hat das vol­le Aus­maß des Un­fall­scha­dens und der zur In­stand­set­zung er­for­der­li­chen Ar­bei­ten mit­zu­tei­len; ins­be­son­de­re darf er den Un­fall und den Um­fang des Scha­dens nicht ba­ga­tel­li­sie­ren.
  3. Die Jah­res­frist des § 124 I BGB be­ginnt erst, wenn der Ge­täusch­te die arg­lis­ti­ge Täu­schung als sol­che er­kennt, und nicht schon dann, wenn er über Er­kennt­nis­se ver­fügt, aus de­nen sich An­halts­punk­te für die wah­re Sach­la­ge er­ge­ben. Auch ein blo­ßer Ver­dacht, ge­täuscht wor­den zu sein, ge­nügt nicht.

OLG Braun­schweig, Ur­teil vom 06.11.2014 – 8 U 163/13

Sach­ver­halt: Der Klä­ger, ein Kfz-Sach­ver­stän­di­ger, nimmt die Be­klag­te auf Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen ge­brauch­ten Au­di A4 Avant in An­spruch.

Das Land­ge­richt hat die im We­sent­li­chen auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Pkw, ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, dass der Klä­ger kei­ne ei­ge­nen kauf­ver­trag­li­chen An­sprü­che ge­gen die Be­klag­te ha­be, weil de­ren Ver­trags­part­ner nicht er, son­dern die L-GmbH, ei­ne Lea­sing­ge­sell­schaft, ge­wor­den sei. An den Klä­ger ab­ge­tre­te­ne kauf­ver­trag­li­che An­sprü­che der L-GmbH sei­en ver­jährt, weil zwi­schen der L-GmbH und der Be­klag­ten – al­so zwi­schen Voll­kauf­leu­ten – ei­ne Ge­währ­leis­tungs­frist von le­dig­lich ei­nem Jahr wirk­sam ver­ein­bart wor­den sei. Die­se Frist sei bei Ein­gang der Kla­ge, im Ja­nu­ar 2009, längst ab­ge­lau­fen ge­we­sen.

Der Klä­ger kön­ne auch kei­ne ab­ge­tre­te­nen An­sprü­che aus ei­ner An­fech­tung des Kauf­ver­trags we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung her­lei­ten. Er ha­be nicht be­wie­sen, dass er arg­lis­tig ge­täuscht wor­den sei. Viel­mehr fol­ge aus ei­nem an die Be­klag­te ge­rich­te­ten Schrei­ben des Klä­gers vom 21.04.2007 und den Be­kun­dun­gen sei­ner Ehe­frau, dass dem Klä­ger wäh­rend der Ver­trags­ver­hand­lun­gen er­klärt wor­den sei, dass der Kot­flü­gel und die Stoß­fän­ger des Lea­sing­fahr­zeugs er­setzt wor­den sei­en.

Es kön­ne auch nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Ver­käu­fer der Be­klag­ten, der Zeu­ge M, die ihm be­kann­ten Män­gel ver­schwie­gen oder ba­ga­tel­li­siert ha­be. Aus der Be­schrei­bung des Fahr­zeugs im In­ter­net ge­he her­vor, dass der „Stoß­fän­ger vorn“ und der „Kot­flü­gel“ er­neu­ert wor­den sei­en. Dar­über sei nach den Be­kun­dun­gen der Ehe­frau des Klä­gers auch wäh­rend der Fahr­zeug­be­sich­ti­gung ge­spro­chen wor­den. In der Emp­fangs­be­stä­ti­gung vom 26.04.2006 sei­en wei­te­re Schä­den auf­ge­führt wor­den, und zwar „vorn und hin­ten am Fahr­zeug, am Kot­flü­gel und an der Tür“, die ins­ge­samt mit Re­pa­ra­tur­kos­ten von 2.004 € be­wer­tet wor­den sei­en.

M ha­be auch kei­ne An­ga­ben „ins Blaue hin­ein“ ge­macht, son­dern dem Klä­ger den Scha­den so er­läu­tert, wie er in der Auf­trags­be­stä­ti­gung der AU­DI AG be­schrie­ben wor­den sei. Die Re­pa­ra­tur­kos­ten ha­be M un­ge­prüft aus der Rech­nung der AU­DI AG über­nom­men. Er sei in­so­weit der Auf­fas­sung ge­we­sen, dass der Be­trag von 2.004 € aus­ge­reicht ha­be, um die in der Re­pa­ra­tur­his­to­rie auf­ge­führ­ten Schä­den des Fahr­zeugs zu be­he­ben. Zwar hät­ten sich die Re­pa­ra­tur­kos­ten nach dem Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.- Ing. K tat­säch­lich auf ins­ge­samt 3.739 € brut­to be­lau­fen. M ha­be sich je­doch nicht auf­drän­gen müs­sen, dass der von der AU­DI AG er­mit­tel­te Be­trag viel zu nied­rig sei.

Ab­ge­se­hen da­von sei die An­fech­tungs­frist von ei­nem Jahr nicht ge­wahrt. Für den Be­ginn die­ser Frist sei nicht er­for­der­lich, dass der Ge­täusch­te je­de Ein­zel­heit der kon­kre­ten Täu­schung durch­schaut ha­be. Aus­rei­chend sei, dass er nach sei­nem Ge­samt­ein­druck er­kannt ha­be, dass er arg­lis­tig ge­täuscht und durch die­se Täu­schung zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­er­klä­rung ver­an­lasst wor­den sei. Spä­tes­tens seit Er­he­bung sei­ner Män­gel­rü­ge vom 21.04.2007 ha­be der Klä­ger auf­grund von In­for­ma­tio­nen der L-GmbH oder der Rech­nung der Be­klag­ten an die Lea­sing­ge­sell­schaft Kennt­nis da­von ge­habt, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw mög­li­cher­wei­se ei­nen er­heb­li­chen Un­fall er­lit­ten ha­be. Dies zei­ge die For­mu­lie­rung „im Rah­men der Of­fen­ba­rungs­ver­pflich­tung ha­ben Sie mir den Un­fall­scha­den an­ders be­schrie­ben“ in der Rü­ge vom 21.04.2007. Ei­ner wei­ter­ge­hen­den Kennt­nis des Klä­gers, ins­be­son­de­re von der vor­ge­leg­ten Re­pa­ra­tur­his­to­rie, ha­be es für den Be­ginn der An­fech­tungs­frist am 21.04.2007 nicht be­durft. Die am 18.11.2008 er­klär­te An­fech­tung sei da­her ver­spä­tet.

Ein An­spruch aus un­er­laub­ter Hand­lung schei­te­re dar­an, dass sich kei­ne vor­sätz­li­che Täu­schung des Zeu­gen M fest­stel­len las­se. Die­ser ha­be die Re­pa­ra­tur­kos­ten nicht selbst er­mit­telt, son­dern aus der Rech­nung der AU­DI AG über­nom­men, wo­bei ihm der Be­trag plau­si­bel er­schie­nen sei.

Die ge­gen die­ses Ur­teil ge­rich­te­te Be­ru­fung des Klä­gers hat­te über­wie­gend, die Hilfs­wi­der­kla­ge der Be­klag­ten teil­wei­se Er­folg.

Aus den Grün­den: B. … I. Die Be­ru­fung des Klä­gers ist zu­läs­sig. Ihr steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger nur be­an­tragt hat, das land­ge­richt­li­che Ur­teil „ab­zu­än­dern und der Kla­ge statt­zu­ge­ben“.

Nach § 520 III 2 Nr. 1 ZPO muss dem Be­ru­fungs­an­trag zu ent­neh­men sein, in­wie­weit das Ur­teil an­ge­foch­ten wird und wel­che Ab­än­de­run­gen be­an­tragt wer­den (vgl. BGH, Beschl. v. 13.05.1998 – VI­II ZB 9/98, NJW-RR 1999, 211). In­so­weit ist es aber nicht not­wen­dig, dass die Er­klä­rung des Be­ru­fungs­füh­rers in ei­nem förm­li­chen, vom üb­ri­gen In­halt der Be­grün­dung ab­ge­setz­ten, be­stimmt ge­fass­ten An­trag nie­der­ge­legt wer­den muss. Aus­rei­chend ist es, dass der in­ner­halb der hier­für vor­ge­schrie­be­nen Frist ein­ge­reich­te Schrift­satz des Be­ru­fungs­klä­gers sei­nem In­halt nach ein­deu­tig er­ken­nen lässt, in wel­chem Um­fang das Ur­teil an­ge­foch­ten wird (BGH, Beschl. v. 13.05.1998 – VI­II ZB 9/98, NJW-RR 1999, 211). Der Be­ru­fungs­klä­ger hat zwar in der Be­ru­fung nicht aus­drück­lich er­klärt, wel­che Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten er er­strebt. Er hat aber durch sei­nen An­trag, der „Kla­ge statt­zu­ge­ben“, hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass er sein erst­in­stanz­li­ches Be­geh­ren, wie es im Tat­be­stand des land­ge­richt­li­chen Ur­teils nie­der­ge­legt ist, in vol­lem Um­fang wei­ter­ver­folgt.

II. Die Be­ru­fung des Klä­gers hat über­wie­gend Er­folg.

1. Der Klä­ger hat auf­grund arg­lis­ti­ger Täu­schung (§§ 123 I Fall 1, 142 I BGB) aus ab­ge­tre­te­nem Recht (§ 398 BGB) ei­nen Be­rei­che­rungs­an­spruch (§ 812 I 1 Fall 1 BGB) auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 34.100 € nebst Zin­sen … Zug um Zug ge­gen Her­aus­ga­be des Pkw Au­di A4 Avant.

a) In die­sem Zu­sam­men­hang kann da­hin­ste­hen, ob dem Klä­ger auch ab­ge­tre­te­ne Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che zu­ste­hen, weil ein auf ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung ge­grün­de­ter An­spruch nicht durch et­wai­ge Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che ver­drängt wird (vgl. BGH, Urt. v. 06.08.2008 – XII ZR 67/06, NJW 2009, 1266 Rn. 39).

b) Der Ab­schluss des Kauf­ver­trags zwi­schen der L-GmbH und der Be­klag­ten über das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug be­ruht auf ei­ner arg­lis­ti­gen Täu­schung des Lea­sing­neh­mers, das heißt des Klä­gers, durch den Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten M.

aa) Ei­ne arg­lis­ti­ge Täu­schung kann durch ak­ti­ves Tun oder durch Un­ter­las­sen er­fol­gen. Arg­lis­tig „ver­schweigt“, wer sich be­wusst ist, dass ein be­stimm­ter Um­stand für die Ent­schlie­ßung sei­nes Ver­trags­part­ners er­heb­lich ist, er nach Treu und Glau­ben die­sen Um­stand mit­zu­tei­len ver­pflich­tet ist und ihn nicht of­fen­bart (vgl. BGH, Urt. v. 25.10.2007 – VII ZR 205/06, NJW-RR 2008, 258 Rn. 20). Wird der Ver­käu­fer nach Un­fäl­len und sons­ti­gen Män­gel aus­drück­lich ge­fragt, so muss die Ant­wort rich­tig und voll­stän­dig sein (vgl. BGH, Urt. v. 27.03.2009 – V ZR 30/08, NJW 2009, 2120 Rn. 25). Er­for­der­lich ist wei­ter, dass der Ver­käu­fer be­wusst die Fol­gen ei­ner ver­trags­wid­ri­gen Aus­füh­rung in Kauf nimmt. Arg­list er­for­dert aber kei­ne Schä­di­gungs­ab­sicht und kei­nen Vor­teil (vgl. BGH, Urt. v. 25.10.2007 – VII ZR 205/06, NJW-RR 2008, 258 Rn. 20).

bb) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind er­füllt.

(1) Aus­gangs­punkt ist, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug beim Ver­kauf nicht un­fall­frei ge­we­sen ist.

Nach dem ge­richt­li­chen Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.- Ing. K ist von zwei Un­fall­schä­den aus­zu­ge­hen. Un­ter Zu­grun­de­le­gung der un­strei­ti­gen Re­pa­ra­tur­his­to­rie (An­hang zum Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.- Ing. S) spre­chen das Rich­ten der Auf­nah­me des Kot­flü­gels so­wie das La­ckie­ren der Stoß­stan­ge, der Kot­flü­gel, der Tür und der Park­sen­so­ren ein­deu­tig für ei­nen Un­fall­scha­den. Eben­so las­sen die Er­neue­rung des Quer­trä­gers (der An­hän­ger­kupp­lung), der hin­te­ren Stoß­stan­ge samt Spoi­ler und das Rich­ten der Heck­klap­pe so­wie das La­ckie­ren der Stoß­stan­ge und der Heck­klap­pe (so­gar zwei­mal la­ckiert) ein­deu­tig auf ei­nen Heck­scha­den schlie­ßen. Die­se Fest­stel­lun­gen hat die Be­klag­te nicht an­ge­grif­fen.

(2) Ge­gen­stand der Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen ist auch die Un­fall­frei­heit des Fahr­zeugs ge­we­sen.

Der Klä­ger hat den Ver­käu­fer M nach der Un­fall­frei­heit des Fahr­zeu­ges ge­fragt. Nach der Aus­sa­ge der Ehe­frau des Klä­gers ist über die Fra­ge der Un­fall­schä­den ge­spro­chen wor­den. Dies wird be­stä­tigt durch die Rech­nung der Be­klag­ten vom 27.04.2006 an die L-GmbH, die auf ei­nen re­pa­rier­ten Scha­den ver­weist und die­sen wie folgt be­schreibt: „HECK/FRONT/SEI­TE RE. ER­NEU­ERT“ … Dem steht auch nicht die Aus­sa­ge des Ver­käu­fers M ent­ge­gen. Die­ser hat be­stä­tigt, dass über Schä­den am Fahr­zeug bei den Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen ge­spro­chen wor­den ist. Er hat al­ler­dings den Grund für die Re­pa­ra­tur des Fahr­zeugs nicht in ei­nem Un­fall, son­dern als Fol­ge von „Schön­heits­män­geln“ ge­se­hen.

(3) Über die vor­ge­nann­ten Un­fall­schä­den hät­te der Ver­käu­fer M auf­klä­ren müs­sen.

In dem Fall, dass – wie hier – der Käu­fer fragt, ob der Ge­braucht­wa­gen in ei­nen Un­fall ver­wi­ckelt war, ist der Ver­käu­fer oder des­sen Ver­tre­ter ver­pflich­tet, Be­schä­di­gun­gen des Fahr­zeugs auch dann mit­zu­tei­len, wenn es sich nach sei­ner Auf­fas­sung le­dig­lich um et­wai­ge „Blech­schä­den“ oh­ne wei­te­re nach­tei­li­ge Fol­gen han­delt. Denn es kann kei­nes­falls dem Er­mes­sen des aus­drück­lich um Auf­klä­rung ge­be­te­nen Ver­käu­fers oder sei­nes Ver­tre­ters über­las­sen blei­ben, den er­lit­te­nen Scha­den für un­er­heb­lich, für den Käu­fer nicht we­sent­lich und des­halb nicht der Mit­tei­lung für wert zu er­ach­ten. Der Ver­käu­fer muss viel­mehr, um den Vor­wurf der Arg­list zu ver­mei­den, durch die Mit­tei­lung des­sen, was ihm be­kannt ge­ge­ben wur­de, dem Käu­fer den Ent­schluss über­las­sen, ob er den Wa­gen über­haupt bzw. zu die­sem Preis er­wer­ben will (vgl. BGH, Urt. v. 29.06.1977 – VI­II ZR 43/76, NJW 1977, 1914 [1915]). Der Ver­käu­fer hat das vol­le Aus­maß des Un­fall­scha­dens und die zur In­stand­set­zung er­for­der­li­chen Ar­bei­ten mit­zu­tei­len (OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 13.06.2000 – 4 U 733/99 – 241, OLGR 2000, 525; OLG Hamm, Urt. v. 21.06.1994 – 19 U 39/94, DAR 1994, 401; OLG Karls­ru­he, Urt. v. 07.11.1991 – 9 U 143/90, MDR 1992, 645). Er darf ins­be­son­de­re den Un­fall und den Um­fang des Scha­dens nicht ba­ga­tel­li­sie­ren (BGH, Urt. v. 03.12.1986 – VI­II ZR 345/85, WM 1987, 137; OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 13.06.2000 – 4 U 733/99 – 241, OLGR 2000, 525).

Im Üb­ri­gen hät­te der Ver­käu­fer M auch oh­ne Nach­fra­ge von sich aus auf die feh­len­de Un­fall­frei­heit hin­wei­sen müs­sen. Da­nach muss der Ver­käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens ei­nen Scha­den oder Un­fall, der ihm be­kannt ist oder mit des­sen Vor­han­den­sein er rech­net, grund­sätz­lich auch un­ge­fragt dem Käu­fer mit­tei­len, wenn er sich nicht dem Vor­wurf arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens aus­set­zen will, es sei denn, der Scha­den oder Un­fall war so ge­ring­fü­gig, dass er bei ver­nünf­ti­ger Be­trach­tungs­wei­se den Kauf­ent­schluss nicht be­ein­flus­sen kann (vgl. BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 20).

Die Gren­ze für nicht mit­tei­lungs­pflich­ti­ge „Ba­ga­tell­schä­den“ ist bei Per­so­nen­kraft­wa­gen sehr eng zu zie­hen. Als „Ba­ga­tell­schä­den“ hat der BGH bei Per­so­nen­kraft­wa­gen nur ganz ge­ring­fü­gi­ge, äu­ße­re (Lack-)Schä­den an­er­kannt, nicht da­ge­gen an­de­re (Blech-)Schä­den, auch wenn sie kei­ne wei­ter­ge­hen­den Fol­gen hat­ten und der Re­pa­ra­tur­auf­wand nur ge­ring war (vgl. BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 20). Ob das Fahr­zeug nach dem Un­fall fach­ge­recht re­pa­riert wor­den ist, ist nicht von Be­deu­tung (vgl. BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 20). Auch beim Kauf ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs kann der Käu­fer, wenn kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de vor­lie­gen, er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­nen Un­fall er­lit­ten hat, bei dem es zu mehr als ei­nem „Ba­ga­tell­schä­den“ ge­kom­men ist.

Bei Re­pa­ra­tur­kos­ten in Hö­he von cir­ca 2.000 € und ei­ner von der AU­DI
AG
in ih­rer Rech­nung vom 17.03.2006 ge­währ­ten mer­kan­ti­len Wert­min­de­rung in Hö­he von 150 € kann nicht von ei­nem blo­ßen „Ba­ga­tell­scha­den“ aus­ge­gan­gen wer­den. Der Ver­käu­fer M hät­te da­her schon von sich aus un­ge­fragt auf die Un­fall­schä­den hin­wei­sen müs­sen.

(4) Der Ver­käu­fer M hat den Klä­ger aber nicht hin­rei­chend über die Vor­schä­den auf­ge­klärt.

Der Zeu­ge M hat den Klä­ger ent­spre­chend der Emp­fangs­be­stä­ti­gung nur über Re­pa­ra­tu­ren am Kot­flü­gel, Stoß­fän­ger und an der Tür in­for­miert. Dies ist aber schon des­halb nicht aus­rei­chend, weil er nicht das vol­le Aus­maß der Schä­den of­fen­bart hat. So hat er über die Be­sei­ti­gung von wei­te­ren Schä­den, näm­lich das Rich­ten der Auf­hän­gung des Kot­flü­gels und der Heck­klap­pe so­wie die Er­neue­rung des Quer­trä­gers, nicht in­for­miert. Die­se Ar­bei­ten er­ge­ben sich aus dem In­halt der un­strei­ti­gen Re­pa­ra­tur­his­to­rie. Dar­über hin­aus hat er die In­ten­si­tät der Schä­den ver­harm­lost, in­dem er die Re­pa­ra­tu­ren trotz Hin­wei­ses auf die Kos­ten von 2.004 € zur Be­sei­ti­gung der Schä­den nicht in Zu­sam­men­hang mit ei­nem Un­fall er­klärt, son­dern als blo­ße „Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren“ be­zeich­net hat. Gleich­zei­tig hat er da­mit für den Er­klä­rungs­emp­fän­ger aus­ge­schlos­sen, dass das Fahr­zeug zu­vor ei­nen mas­si­ven Un­fall er­lit­ten hat. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­ben die Ehe­frau des Klä­gers so­wie der Klä­ger selbst über­ein­stim­mend be­kun­det, dass der Ver­käu­fer nur über blo­ße „Auf­be­rei­tungs­ar­bei­ten“ auf­ge­klärt hat. Dies deckt sich auch mit dem Be­griff der „Schön­heits­re­pa­ra­tur“, den der Zeu­ge M ver­wen­det hat. Tat­säch­lich ha­ben aber die er­for­der­li­chen Re­pa­ra­tur­kos­ten bei 3.739,31 € und da­mit er­heb­lich über den zu­ge­stan­de­nen Re­pa­ra­tur­kos­ten von 2.004 € ge­le­gen. Hin­zu­zu­rech­nen sind so­gar die in der sach­ver­stän­dig be­rech­ne­ten Sum­me noch nicht ent­hal­te­nen Kos­ten für das Nachla­ckie­ren der Mo­tor­hau­be. Der Zeu­ge M mag zwar den Be­griff „Un­fall­scha­den“ bei der Be­schrei­bung des Fahr­zeugs ver­wandt ha­ben. Er hat aber gleich­zei­tig die­se An­ga­be durch den Hin­weis auf ei­ne blo­ße „Schön­heits­re­pa­ra­tur“ wie­der ein­ge­schränkt.

(5) Die un­ter­las­se­ne Auf­klä­rung hat auch beim Klä­ger den Irr­tum er­weckt, dass kei­ne wei­te­ren als die ein­ge­räum­ten und re­pa­rier­ten Schä­den vor­han­den sind. Ein Irr­tum ist die fal­sche Vor­stel­lung von der Wirk­lich­keit. Der Klä­ger ist un­ter Zu­grun­de­le­gung der An­ga­ben des Zeu­gen M da­von aus­ge­gan­gen, dass das Fahr­zeug letzt­lich nur aus „kos­me­ti­schen“ Grün­den re­pa­riert wor­den ist, es sich mit­hin le­dig­lich um die Re­pa­ra­tur von blo­ßen op­ti­schen Schä­den ge­han­delt hat. Tat­säch­lich hat aber ein mas­si­ver Vor­scha­den be­stan­den, der auf zwei Un­fäl­len be­ruht.

Es ist auch nichts da­für er­sicht­lich, dass der Klä­ger trotz sei­ner Fach­kennt­nis­se als Kfz-Sach­ver­stän­di­ger die feh­len­de Un­fall­frei­heit und den Um­fang der Be­schä­di­gun­gen be­reits beim Kauf des Fahr­zeu­ges er­kannt hat.

(6) Die kon­kre­te Wil­lens­er­klä­rung, näm­lich die am 27.04.2006 vor­ge­nom­me­ne Be­stel­lung des Fahr­zeu­ges durch die L-GmbH, ist auf­grund des Irr­tums des Klä­gers ab­ge­ge­ben wor­den. Zwar hat hier nicht der Ge­täusch­te selbst die Wil­lens­er­klä­rung ab­ge­ge­ben. Die L-GmbH hat aber das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug von der Be­klag­ten ge­ra­de des­halb er­wor­ben, weil sich der Klä­ger den Au­di A4 Avant aus­ge­sucht hat und die­sen von der L-GmbH lea­sen woll­te. Da­her ist die Täu­schung auch kau­sal für den ab­ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag ge­wor­den.

(7) Der Zeu­ge M hat auch arg­lis­tig i. S. des § 123 I Fall 1 BGB ge­han­delt.

(aa) Dies setzt un­ter an­de­rem vor­aus, dass der Er­klä­ren­de die Un­rich­tig­keit der Tat­sa­chen­be­haup­tung kennt oder zu­min­dest für mög­lich hält (vgl. BGH, Urt. v. 13.06.2007 – VI­II ZR 236/06, NJW 2007, 3057 Rn. 29). Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des BGH han­delt ein Ver­käu­fer be­reits dann arg­lis­tig, wenn er zu Fra­gen, de­ren Be­ant­wor­tung er­kenn­bar maß­geb­li­che Be­deu­tung für den Kauf­ent­schluss sei­nes Kon­tra­hen­ten hat, oh­ne tat­säch­li­che Grund­la­gen „ins Blaue hin­ein“ un­rich­ti­ge An­ga­ben macht, al­so „oh­ne hin­rei­chen­de Er­kennt­nis­grund­la­ge“ den Ver­trags­part­ner in­for­miert (vgl. BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, NJW 2006, 2839 Rn. 13).

Der Zeu­ge M hat­te vor dem Ver­kauf un­strei­tig Kennt­nis von der Re­pa­ra­tur­his­to­rie. Er hat den Klä­ger hier­über aber nicht in­for­miert, son­dern nur die Kos­ten der Rech­nung der AU­DI AG für die Re­pa­ra­tur „wei­ter­ge­ge­ben“ und gleich­zei­tig da­mit den Scha­den ver­harm­lost. Er hat oh­ne aus­rei­chen­de Er­kennt­nis­grund­la­ge den Klä­ger be­schwich­tigt und le­dig­lich über op­ti­sche Schä­den und Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren ge­spro­chen. Je­nes er­gibt sich aus der Rech­nung der AU­DI AG aber nicht. Viel­mehr lässt die­se of­fen, ob die re­pa­rier­ten Schä­den auf ei­nem Un­fall be­ruht ha­ben. Der Zeu­ge M hat im Ver­kaufs­ge­spräch auch nicht klar­ge­stellt, wor­auf sei­ne Vor­stel­lung, dass nur op­ti­sche Schä­den vor­lä­gen, be­ruht. In sei­ner Ver­neh­mung vor dem Land­ge­richt hat er di­ver­se Grün­de für die ver­schie­de­nen Schä­den auf­ge­zeigt, oh­ne al­ler­dings ge­prüft zu ha­ben, ob sei­ne je­wei­li­ge An­nah­me der Scha­den­sur­sa­che über­haupt be­grün­det ist. Viel­mehr hat er oh­ne Er­kennt­nis­grund­la­ge die Be­sei­ti­gung der Män­gel als Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren be­zeich­net.

(bb) Der Ver­käu­fer hat auch ge­wusst oder da­mit ge­rech­net, dass die ver­schwie­ge­ne Tat­sa­che dem Käu­fer un­be­kannt ist oder nicht be­kannt sein könn­te (vgl. Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 12. Aufl., Rn. 4277). Die Be­klag­te, die in­so­fern (se­kun­där) dar­le­gungs­be­las­tet ist (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4277), hat nicht dar­ge­tan, dass der Klä­ger oder die L-GmbH den ge­sam­ten Um­fang des Scha­dens bei Ver­trags­schluss ge­kannt hat.

(cc) Der Ver­käu­fer M hat zu­min­dest bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, dass der Klä­ger/die L-GmbH bei wahr­heits­ge­mä­ßer Er­klä­rung den Ver­trag nicht oder nicht mit dem ver­ein­bar­ten In­halt ge­schlos­sen hät­te (vgl. Pa­landt/El­len­ber­ger, BGB, 73. Aufl., § 123 Rn. 11). Dies folgt schon dar­aus, dass nach der Le­bens­er­fah­rung da­von aus­zu­ge­hen ist, dass der Käu­fer bei Kennt­nis des wah­ren Um­fangs der Schä­den den Ver­trag nicht oder nicht zu dem ver­ein­bar­ten Kauf­preis ge­schlos­sen hät­te (vgl. OLG Bran­den­burg, Urt. v. 23.09.2005 – 4 U 45/05, ju­ris).

(dd) Die­ses Wis­sen der Ver­käu­fer­sei­te in­di­ziert zi­vil­recht­lich das Wil­lens­mo­ment des be­ding­ten Vor­sat­zes ei­ner Täu­schung (vgl. OLG Bran­den­burg, Urt. v. 23.09.2005 – 4 U 45/05, ju­ris; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4279 m. w. Nachw.).

(8) Schließ­lich ist hin­sicht­lich des Vor­lie­gens des ob­jek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­be­stan­des der Arg­list zu­las­ten der Be­klag­ten auf die Per­son ih­res Mit­ar­bei­ters M ab­zu­stel­len. Die­ser ist nicht Drit­ter i. S. des § 123 II 1 BGB, son­dern Ver­hand­lungs­füh­rer und Er­fül­lungs­ge­hil­fe der Be­klag­ten ge­we­sen (vgl. Pa­landt/El­len­ber­ger, a. a. O., § 123 Rn. 13).

c) Die L-GmbH hat ih­re Be­stel­lung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs und da­mit ihr An­ge­bot zum Ab­schluss ei­nes Kauf­ver­trags am 18.11.2008 ge­gen­über der Be­klag­ten als ih­rem Ver­trags­part­ner an­ge­foch­ten (§ 143 I, II BGB). Hier­zu hat sie den Klä­ger in zu­läs­si­ger Wei­se aus­drück­lich durch ihr Schrei­ben vom 18.11.2008 er­mäch­tigt.

d) Die Arg­listan­fech­tung ist nicht ver­spä­tet, son­dern in­ner­halb der Jah­res­frist (§ 124 I BGB) er­klärt wor­den. Die Frist, die im Fal­le der arg­lis­ti­gen Täu­schung mit dem Zeit­punkt be­ginnt, in dem der An­fech­tungs­be­rech­tig­te die Täu­schung ent­deckt hat, ist zum Zeit­punkt der An­fech­tungs­er­klä­rung am 18.11.2008 noch nicht ab­ge­lau­fen ge­we­sen, ob­wohl die Be­stel­lung des Fahr­zeugs be­reits am 27.04.2006 er­folgt war.

aa) Für den Ab­lauf der An­fech­tungs­frist ist auf die Kennt­nis des ge­täusch­ten Klä­gers ab­zu­stel­len. Des­sen Kennt­nis muss sich die L-GmbH nach § 166 BGB ana­log zu­rech­nen las­sen.

bb) Die Jah­res­frist des § 124 I BGB be­ginnt mit der Ent­de­ckung der Täu­schung durch den An­fech­tungs­be­rech­tig­ten/Ge­täusch­ten zu lau­fen, al­so mit der Ent­de­ckung des Irr­tums und des Um­stands, dass die­ser durch ei­ne Täu­schung zu ei­ner Wil­lens­er­klä­rung ver­an­lasst wor­den ist. Nicht aus­rei­chend ist ein blo­ßes Ken­nen­müs­sen; auch ein blo­ßer Ver­dacht, ge­täuscht wor­den zu sein, ge­nügt nicht (vgl. BGH, Beschl. v. 21.09.2011 – IV ZR 38/09, NJW 2012, 296 Rn. 46). Der Lauf der An­fech­tungs­frist des § 124 I BGB be­ginnt erst, wenn der Ge­täusch­te die arg­lis­ti­ge Täu­schung als sol­che er­kennt, und nicht be­reits dann, wenn er über Er­kennt­nis­se ver­fügt, aus de­nen sich An­halts­punk­te für die wah­re Sach­la­ge er­ge­ben. Denn die Kennt­nis des Er­klä­ren­den muss sich nach § 124 II 1 BGB nicht nur auf die ob­jek­ti­ve Un­wahr­heit der An­ga­ben, son­dern auch auf die sub­jek­ti­ve Arg­list des an­de­ren Teils be­zie­hen (BGH, Beschl v. 18.01.2012 – IV ZR 15/11, ju­ris Rn. 11). Da­bei trägt der An­fech­tungs­geg­ner die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die Kennt­nis des An­fech­tungs­be­rech­tig­ten von der arg­lis­ti­gen Täu­schung (vgl. BGH, Urt. v. 01.03.1992 – VI­II ZR 291/90, NJW 1992, 2346 [2347 f.]).

cc) Die Be­klag­te hat nicht nach­wei­sen kön­nen, dass der Klä­ger spä­tes­tens seit sei­nem Schrei­ben vom 21.04.2007 Kennt­nis von der Rech­nung der Be­klag­ten an die L-GmbH vom 27.04.2006 und da­mit vom Aus­maß des Vor­scha­dens hat­te. Auf die­ser Rech­nung steht der Ver­merk  „HECK/FRONT/SEI­TE RE. ER­NEU­ERT“. Es kann in die­sem Zu­sam­men­hang da­hin­ste­hen, ob der Klä­ger ent­spre­chend der Be­zug­zei­le sei­nes Schrei­bens vom 21.04.2007 zu die­sem Zeit­punkt Kennt­nis von der Rech­nung der L-GmbH an die Be­klag­te vom 27.04.2006 hat­te. Die et­wai­ge Kennt­nis des Klä­gers von die­ser Rech­nung ist un­be­acht­lich, weil sie kei­ne In­for­ma­ti­on ent­hält, die über die in der Emp­fangs­be­stä­ti­gung ent­hal­te­ne hin­aus­geht. Der In­halt je­ner Be­schei­ni­gung reicht zur Auf­klä­rung über den Um­fang der Vor­schä­den aber nicht aus, zu­mal der Ver­käu­fer M durch sei­ne Hin­wei­se in den Ver­hand­lun­gen die Schä­den ver­harm­lost hat. So­weit man auf den wei­te­ren Satz („im Rah­men der Of­fen­ba­rungs­ver­pflich­tung ha­ben sie mir den Un­fall­scha­den an­ders be­schrie­ben“) im Schrei­ben des Klä­gers ab­stellt, ist die­ser nicht iso­liert zu be­trach­ten. Der Klä­ger will mit sei­nem Schrei­ben von der Be­klag­ten kei­ne Be­stä­ti­gung sei­ner be­reits ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, son­dern viel­mehr ge­naue­re An­ga­ben zum Un­fall bzw. zum Re­pa­ra­tur­um­fang. Das Land­ge­richt hat des­halb auch nur fest­stel­len kön­nen, dass der Klä­ger zu die­sem Zeit­punkt ge­wusst ha­be, dass das Fahr­zeug „mög­li­cher­wei­se“ ei­nen er­heb­li­che­ren Un­fall ge­habt ha­be. Die­se For­mu­lie­rung be­legt, dass der Klä­ger nur den Ver­dacht hat­te, von der Be­klag­ten über den Um­fang des Vor­scha­dens nicht aus­rei­chend in­for­miert wor­den zu sein. Das reicht für die für den Frist­be­ginn er­for­der­li­che Kennt­nis der arg­lis­ti­gen Täu­schung nicht aus. So­weit der Klä­ger als Fach­mann in der La­ge ge­we­sen ist, den Um­fang des Un­falls selbst zu er­mit­teln, kommt es hier­auf nicht an. Die Be­klag­te hat nicht vor­ge­tra­gen, dass der Klä­ger das Fahr­zeug auch tat­säch­lich un­ter­sucht hat und die Vor­schä­den auch hät­te fest­stel­len müs­sen.

dd) Die er­for­der­li­che Kennt­nis des Klä­gers hat erst mit dem Zu­gang des Gut­ach­tens des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S im selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­ren ein­ge­setzt. Die­ses Gut­ach­ten, das die Re­pa­ra­tur­his­to­rie ent­hält, ist aber erst am 10.06.2008 er­stat­tet wor­den, so­dass die am 18.11.2008 er­klär­te An­fech­tung in­ner­halb der Jah­res­frist er­folgt ist.

e) Da das an­ge­foch­te­ne Rechts­ge­schäft nich­tig ist (§ 142 I BGB), hat die L-GmbH ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 34.100 €, Zug um Zug ge­gen Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs, nach §§ 812 I 1 Fall 1, 818 II BGB. Die­sen An­spruch hat die L-GmbH … an den Klä­ger ab­ge­tre­ten.

f) Da die Be­klag­te arg­lis­tig ge­han­delt hat, ist der Geld­be­trag ab Emp­fang nach §§ 819 I, 818 IV, 291, 288 I 2 BGB (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4525) … zu ver­zin­sen.

2. Der Klä­ger hat, aus den obi­gen Grün­den fol­gend, ei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung, dass sich die Be­klag­te mit der an­ge­bo­te­nen Rück­nah­me des Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug (§ 293 BGB) be­fin­det.

3. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Be­ru­fungs­an­trä­ge hat die Be­ru­fung nur teil­wei­se Er­folg.

Dem Klä­ger ste­hen aus ei­ge­nem Recht Scha­dens­er­satz­an­sprü­che in Hö­he von 8.245,59 € zu.

Die Be­klag­te haf­tet dem Klä­ger auf Scha­dens­er­satz we­gen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss (§§ 280 I, 241 II, 311 II und III BGB). Die je­weils aus­ge­spro­che­ne Ver­zin­sung be­stimmt sich nach der je­weils ein­ge­tre­te­nen Rechts­hän­gig­keit der An­sprü­che (§§ 291, 288 I BGB).

a) Die An­wen­dung der vor­ge­nann­ten Re­ge­lun­gen ist trotz An­fech­tung des Ver­tra­ges nicht aus­ge­schlos­sen (vgl. BGH, Urt. v. 24.10.1996 – IX ZR 4/96, NJW 1997, 254).

b) Die Haf­tung der Be­klag­ten ge­gen­über dem Klä­ger, der nicht selbst Par­tei des Kauf­ver­tra­ges ist, er­gibt sich dar­aus, dass zwi­schen die­sem und dem Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten, dem Zeu­gen M, zu­nächst über den Kauf des Fahr­zeugs ver­han­delt wor­den ist und schließ­lich die L-GmbH das Fahr­zeug im In­ter­es­se des Klä­gers er­wor­ben und die­sem als Lea­sing­neh­mer zur Ver­fü­gung ge­stellt hat.

c) Die­se durch die Auf­nah­me von Ver­trags­ver­hand­lun­gen be­ste­hen­den vor­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs-, Of­fen­ba­rungs- und Hin­weis­pflich­ten, hat der Zeu­ge M durch die arg­lis­ti­ge Täu­schung – wie oben aus­ge­führt – ver­letzt. In­so­weit be­grün­det die arg­lis­ti­ge Täu­schung zu­gleich ei­ne Haf­tung we­gen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss (vgl. BGH, Urt. v. 18.09.2001 – X ZR 107/00, NJW-RR 2002, 308 [309]). Für die­se Täu­schung ih­res Er­fül­lungs­ge­hil­fen hat die Be­klag­te auch ein­zu­ste­hen. Die hier vor­lie­gen­den An­sprü­che we­gen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss sind trotz des grund­sätz­li­chen Vor­rangs der Ge­währ­leis­tungs­vor­schrif­ten schon des­halb nicht aus­ge­schlos­sen, weil der Ver­käu­fer arg­lis­tig über die Be­schaf­fen­heit der Sa­che ge­täuscht hat (vgl. BGH, Urt. v. 27.03.2009 – V ZR 30/08, BGHZ 180, 205 Rn. 24).

d) Die An­sprü­che des Klä­gers sind auch nicht we­gen Frist­ab­laufs nach § 124 I BGB aus­ge­schlos­sen. Auf An­sprü­che we­gen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss fin­det die Jah­res­frist des § 124 I BGB kei­ne An­wen­dung (vgl. BGH, Urt. v. 17.01.2008 – III ZR 224/06, NJW-RR 2008, 564 Rn. 11).

e) Die An­sprü­che sind auch nicht ver­jährt. Die Ver­jäh­rung rich­tet sich nach der Re­gel­ver­jäh­rung der §§ 195, 199 BGB (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4613). Die­se hat frü­hes­tens mit Kennt­nis der den An­spruch be­grün­den­den Um­stän­de (§ 199 I Nr. 2 BGB) be­gon­nen, al­so mit der Kennt­nis des Klä­gers von dem Gut­ach­tens des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S im selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­ren. Die­ses Gut­ach­ten, das die Re­pa­ra­tur­his­to­rie ent­hält, ist aber erst am 10.06.2008 er­stat­tet wor­den, so­dass die Ver­jäh­rungs­frist zum 31.12.2008 be­gon­nen hat. So­weit der Klä­ger im lau­fen­den Ver­fah­ren sei­ne Kla­ge mehr­fach er­wei­tert hat, hat er sei­ne An­sprü­che noch in der ab dem 31.12.2008 lau­fen­den Frist von drei Jah­ren gel­tend ge­macht bzw. sind die­se in­ner­halb der drei­jäh­ri­gen Frist seit Ent­ste­hen der For­de­rung gel­tend ge­macht wor­den.

f) Hat – wie hier – die Be­klag­te auf­grund ei­ner vor­ver­trag­li­chen Pflicht­ver­let­zung die Un­wirk­sam­keit des Ver­trags zu ver­tre­ten, weil der Kauf­ver­trag we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung an­ge­foch­ten wor­den ist, so ist der Klä­ger so zu stel­len, wie er oh­ne die Pflicht­ver­let­zung ge­stan­den hät­te. Grund­sätz­lich ist da­von aus­zu­ge­hen, dass oh­ne die Pflicht­ver­let­zung der Ver­trag nicht zu­stan­de ge­kom­men wä­re. Der Klä­ger kann den Er­satz sei­ner Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen (ju­risPK-BGB/Alp­mann, 7. Aufl. [2014], § 280 Rn. 157). Er kann im Rah­men des zu er­set­zen­den Ver­trau­ens­scha­dens auch Er­satz sei­ner nutz­lo­sen Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen (vgl. Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 73. Aufl., § 311 Rn. 55). Hier­zu zäh­len al­le Auf­wen­dun­gen, die er im Hin­blick auf die Wirk­sam­keit des Kauf­ver­trags und die fort­be­ste­hen­de Nutz­bar­keit des Fahr­zeugs ge­macht hat (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3817). Im Rah­men des Scha­dens­er­sat­zes aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss ist es nicht er­for­der­lich, dass dem Schuld­ner die Mög­lich­keit er­öff­net wird, die ent­spre­chen­den Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten selbst aus­zu­füh­ren. Eben­so ist der Klä­ger im Rah­men sei­ner Scha­dens­min­de­rungs­pflicht (§ 254 BGB) nicht ver­pflich­tet, die je­weils ab­ge­rech­ne­ten Ar­bei­ten selbst zu er­brin­gen.

Hin­sicht­lich der gel­tend ge­mach­ten Auf­wen­dun­gen so­wie der wei­te­ren Schä­den gilt:

(1) Die mit Schrift­satz vom 03.06 2009 gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che in Hö­he von 1.181,56 € sind nur in Hö­he von 302,56 € be­grün­det.

Der Klä­ger hat ei­nen An­spruch auf Er­stat­tung der Kos­ten für die Ab­ho­lung und die An­mel­dung des neu­en so­wie die Ab­mel­dung des al­ten Fahr­zeugs (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3821). Die Kos­ten sind durch ent­spre­chen­de An­la­gen be­legt und nach­voll­zieh­bar. Dies be­trifft die Miet­wa­gen­kos­ten in Hö­he von 94,28 € so­wie die Ben­zin­kos­ten in Hö­he von 109,68 €. Der Er­stat­tungs­pflicht steht nicht ent­ge­gen, dass die Kos­ten für die Be­sich­ti­gung und die Ab­ho­lung des Fahr­zeugs zu­sam­men­fal­len, zu­mal die In­au­gen­schein­nah­me des Pkw auf der In­ter­net­an­zei­ge vom 24.04.2006 be­ruht, die ih­rer­seits auch kei­ne hin­rei­chen­de Auf­klä­rung über die Vor­schä­den be­inhal­tet. Die Ver­pfle­gungs­kos­ten (zwei Eis) sind nicht durch die Pflicht­ver­let­zung ver­ur­sacht wor­den, son­dern be­ru­hen auf dem ei­ge­nen Ent­schluss des Klä­gers und sind da­her nicht aus­zu­glei­chen. Die Kos­ten für die Über­füh­rungs­kenn­zei­chen in Hö­he von 10,20 € und für das An- und Ab­mel­den des Fahr­zeugs in Hö­he von 53,40 € so­wie wei­te­rer 35 € ge­hö­ren eben­falls zu den zu er­stat­ten­den Auf­wen­dun­gen.

Der Klä­ger hat al­ler­dings kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ver­dienst­aus­falls. So fehlt es be­reits an der Dar­le­gung ei­nes kon­kre­ten Scha­dens in Form ei­nes Ge­win­n­ent­gangs (vgl. Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 252 Rn. 14). Der Ver­weis auf üb­li­che Stun­den­sät­ze reicht hier­für nicht aus.

(2) Die mit Schrift­satz vom 08.01.2010 gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che in Hö­he von 1.122,18 € sind nur in Hö­he von 1.041,85 € be­grün­det.

Der Klä­ger hat ei­nen An­spruch auf Zah­lung sol­cher Ver­mö­gens­auf­wen­dun­gen, die zur Er­hal­tung, Wie­der­her­stel­lung oder Ver­bes­se­rung des Fahr­zeugs die­nen (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4534). Hier­zu zäh­len die Kos­ten für die In­spek­ti­on in Hö­he von 243,63 €, die Ab­gas­un­ter­su­chung in Hö­he von 40 € und die Haupt­un­ter­su­chung in Hö­he von 49,50 €. Der Klä­ger hat den An­fall die­ser Ar­bei­ten durch die ent­spre­chen­den Rech­nun­gen be­legt.

Die Kos­ten für das Mo­tor­öl in Hö­he von 80,33 € sind nicht zu er­stat­ten, weil es sich in­so­weit nicht um Auf­wen­dun­gen auf die Sa­che han­delt. Viel­mehr fal­len die­se Kos­ten eben­so wie Ben­zin bei der Nut­zung je­des an­de­ren Fahr­zeugs oh­ne­hin an. Da­her liegt kein Scha­den vor.

Zu den zu er­stat­ten­den Auf­wen­dun­gen zäh­len auch die Re­pa­ra­tur­kos­ten für den An­las­ser in Hö­he von 506,51 €, für den Brems­licht­schal­ter in Hö­he von 47,90 € und für die Bat­te­rie in Hö­he von 154,31 €. An­halts­punk­te da­für, dass die gel­tend ge­mach­ten Po­si­tio­nen nicht not­wen­dig ge­we­sen sind, sind nicht er­sicht­lich. Der Klä­ger ist auch nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, die Ar­bei­ten durch an­de­re Werk­stät­ten preis­güns­ti­ger er­brin­gen zu las­sen. Im Üb­ri­gen hat die Be­klag­te nicht an­satz­wei­se vor­ge­tra­gen, dass die gel­tend ge­mach­ten Kos­ten über­höht sei­en.

(3) Der Klä­ger hat fer­ner ge­mäß den Schrift­sät­zen vom 16.02.2010 und 09.03.2010 ei­nen An­spruch auf die nach­ge­wie­se­nen Re­pa­ra­tur­kos­ten in Hö­he von 571,42 € und 85,44 €. An­halts­punk­te da­für, dass die­se Re­pa­ra­tu­ren nicht not­wen­dig ge­we­sen sind, be­ste­hen an­ge­sichts der Be­stä­ti­gung der Re­pa­ra­tur­werk­statt X-GmbH vom 05.10.2010 nicht.

(4) Die mit Schrift­satz vom 05.11.2010 gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­che in Hö­he von 1.954,91 € sind in vol­lem Um­fang be­grün­det.

Der An­fall der not­wen­di­gen Re­pa­ra­tur­kos­ten be­züg­lich der Brems­klöt­ze in Hö­he von 235,50 € ist durch die Rech­nung vom 26.10.2010 be­legt. An­halts­punk­te da­für, dass die­se Ar­bei­ten nicht er­for­der­lich ge­we­sen sind, sind nicht er­kenn­bar.

Zu den not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen ge­hö­ren auch die je­weils neu an­ge­schaff­ten Rei­fen (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3550). Da das Fahr­zeug aus­weis­lich der Rech­nung der Be­klag­ten an die L-GmbH mit ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von cir­ca 56.600 ver­kauft so­wie dem Klä­ger über­ge­ben wor­den ist und das Fahr­zeug aus­weis­lich der vor­ge­leg­ten Rech­nung vom 25.10.2010 ei­ne Lauf­leis­tung von 146.874 km auf­ge­wie­sen hat, ist es nach­voll­zieh­bar, dass der Klä­ger im Zeit­raum seit der Über­ga­be des Fahr­zeugs zu­nächst die nicht vor­han­de­nen Win­ter­rei­fen (Rech­nung vom 04.11.2006 über 670,48 €) hat mon­tie­ren las­sen und bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 83.200 die ab­ge­fah­re­nen Som­mer­rei­fen er­setzt hat (Rech­nung vom 26.10.2007 über 433,80 €). Dem Klä­ger ist auch nicht zu­zu­mu­ten, die Rei­fen selbst zu mon­tie­ren, so­dass die Kos­ten der Mon­ta­ge und Ent­sor­gung der Alt­rei­fen auch zu er­stat­ten sind (Rech­nung vom 26.10.2007 über 75,11 €). Schließ­lich sind die Som­mer­rei­fen im Ok­to­ber 2010 bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von ca. 146.000 (vgl. Rech­nung vom 26.10.2010) nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung wie­der ab­ge­fah­ren ge­we­sen, so­dass auch die wei­te­ren 540,02 € (Rech­nung vom 18.10.2010) zu er­stat­ten sind.

(5) Der Klä­ger hat ent­spre­chend dem Schrift­satz vom 15.04.2011 wei­ter ei­nen An­spruch auf Aus­gleich der Re­pa­ra­tur­kos­ten hin­sicht­lich der Ein­spritz­dü­se in Hö­he von ins­ge­samt 1.493,45 €. An­halts­punk­te da­für, dass die Re­pa­ra­tur nicht not­wen­dig ge­we­sen ist, sind an­ge­sichts des Um­stands, dass … der Her­stel­ler die Ma­te­ri­al­kos­ten … über­nom­men hat, nicht er­sicht­lich.

(6) Von den mit Schrift­satz vom 10.10.2013 gel­tend ge­mach­ten For­de­run­gen in Hö­he von 4.154,84 € ist le­dig­lich ein Be­trag in Hö­he von 2.795,56 € be­grün­det.

Zu den zu er­set­zen­den Auf­wen­dun­gen ge­hö­ren, wie oben be­reits aus­ge­führt, auch die Kos­ten für neue Rei­fen. Dies be­trifft die Kos­ten für die Win­ter­rei­fen in Hö­he von 495,99 € (Rech­nung vom 06.12.2011). Da zu die­sem Zeit­punkt die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs zwi­schen 146.000 km und 157.087 km ge­le­gen hat … und die vor­han­de­nen Win­ter­rei­fen be­reits im No­vem­ber 2006 bei ei­ner Lauf­leis­tung zwi­schen 56.600 km (Zeit­punkt der Über­ga­be des Fahr­zeugs) und 83.200 km (Rech­nung vom 26.10.2007) an­ge­schafft wor­den sind, ist es not­wen­dig ge­we­sen, die­se zu er­set­zen.

Glei­ches gilt für die Kos­ten der An­schaf­fung von Som­mer­rei­fen im Sep­tem­ber 2013 (Pos. 1 aus der Rech­nung vom 23.02.2013). Zu die­sem Zeit­punkt muss die Fahr­leis­tung über 184.559 km (Rech­nung vom 30.07.2013) ge­le­gen ha­ben, nach­dem die vor­an­ge­gan­ge­nen Som­mer­rei­fen – wie oben aus­ge­führt – bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von cir­ca 146.000 be­reits er­neu­ert wor­den wa­ren. Schließ­lich sind die Rei­fen im Sep­tem­ber 2013 cir­ca drei Jah­re alt ge­we­sen, so­dass die Not­wen­dig­keit der Er­neue­rung der Rei­fen nach­voll­zieh­bar ist. Die mit der glei­chen Rech­nung gel­tend ge­mach­ten Kos­ten für die Er­neue­rung des Luft­mas­sen­mes­sers sind eben­falls als not­wen­di­ge Ver­wen­dun­gen zu er­stat­ten. Es sind in­so­fern kei­ne Grün­de da­für er­sicht­lich, dass die Re­pa­ra­tur nicht not­wen­dig ge­we­sen ist.

Die Kos­ten für die In­stand­set­zung der Park­sen­so­ren in Hö­he von 169,22 € (Rech­nung vom 06.12.2011) sind nicht zu er­stat­ten. Der Klä­ger hat die­se Ar­bei­ten in Zu­sam­men­hang mit ei­ner nicht sach­ge­rech­ten Be­sei­ti­gung ei­nes Un­fall­scha­dens aus der Zeit vor dem Er­werb des Fahr­zeugs be­grün­det, oh­ne aber den De­fekt der Park­sen­so­ren auch nur an­satz­wei­se nä­her zu be­schrei­ben.

Die Kos­ten für die Er­neue­rung des Ket­ten­span­ners in Hö­he von 438,07 € (Rech­nung vom 18.06.2012) sind da­ge­gen zu er­set­zen. Es sind … kei­ne Grün­de da­für er­sicht­lich, dass es sich bei die­sem Ver­schleiß­teil nicht um ei­ne not­wen­di­ge Re­pa­ra­tur han­delt, da des­sen Er­satz nicht vom in­di­vi­du­el­len Fahr­ver­hal­ten des Klä­gers ab­hängt, zu­mal die AU­DI AG – wie sich aus der vor­ge­leg­ten Rech­nung er­gibt – ei­nen Teil der Kos­ten aus Ku­lanz ge­tra­gen hat, wo­zu kei­ne Ver­an­las­sung be­stan­den hät­te, wenn die Ar­bei­ten nicht not­wen­dig ge­we­sen wä­ren.

Die Kos­ten der In­spek­ti­on (Rech­nung vom 18.06.2012) sind – wie be­reits oben aus­ge­führt – not­wen­di­ge Kos­ten und da­her … zu er­set­zen, so­dass sich ein Be­trag von 1.039,70 € er­gibt.

Die Kos­ten der Haupt­un­ter­su­chung in Hö­he von 85,30 € (Rech­nung vom 06.03.2012) sind als not­wen­di­ge Ver­wen­dun­gen zu er­set­zen.

Der Klä­ger hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung des Mo­toröls in Hö­he des gel­tend ge­mach­ten Be­tra­ges von 80,30 € (Rech­nung vom 22.06.2012). Die Kos­ten für den Öl­wech­sel ein­schließ­lich des Öls sind be­reits in der In­spek­ti­ons­pau­scha­le ent­hal­ten (Pos. 1 der Rech­nung vom 18.06.2012).

Der Klä­ger hat wei­ter kei­nen An­spruch auf Zah­lung der Re­pa­ra­tur­kos­ten in Hö­he von 1.067,19 € (Rech­nung vom 30.07.2013). In­so­weit steht nicht fest, dass die be­haup­te­ten Kor­ro­si­ons­schä­den nicht auf dem üb­li­chen Ge­brauch des Fahr­zeu­ges be­ru­hen. Eben­so ist nicht vor­ge­tra­gen wor­den, dass die Be­sei­ti­gung der Schä­den not­wen­dig war. Der Klä­ger hat in­so­weit kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten.

III. Für den Fall des Er­folgs der Be­ru­fung hat die Be­klag­te in zwei­ter In­stanz ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag ge­stellt (§ 256 I ZPO). Die­ser hat teil­wei­se Er­folg.

1. Ein Hilfs­an­trag kann auch für den Fall des Er­folgs ei­nes Haupt­an­trags ge­stellt wer­den (un­ech­ter Hilfs­an­trag; Zöl­ler/Gre­ger, ZPO, 29. Aufl., § 260 Rn. 4). Die Be­din­gung ist ein­ge­tre­ten, weil die Be­ru­fung des Klä­gers über­wie­gend Er­folg hat.

Die Hilfs­wi­der­kla­ge kann auch noch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren er­ho­ben wer­den. Sie ist nach § 533 ZPO zu­läs­sig, weil sie sach­dien­lich ist und auf Tat­sa­chen ge­stützt wird, die das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ent­schei­dung und Ver­hand­lung oh­ne­hin zu­grun­de zu le­gen hat.

Der Fest­stel­lungs­an­trag der Be­klag­ten ist zu­läs­sig (§ 256 I ZPO). Es ist un­schäd­lich, dass die Par­tei ei­nen Scha­den, der sich bei Er­he­bung des An­trags noch in der Fort­ent­wick­lung be­fand, schon teil­wei­se be­zif­fern könn­te. Dies gilt je­den­falls dann, wenn der An­spruch sei­ner Na­tur nach sinn­vol­ler­wei­se erst nach Ab­schluss sei­ner Ent­wick­lung be­zif­fert wer­den kann (BGH, Urt. v. 30.03.1983 – VI­II ZR 3/82, NJW 1984, 1552 [1554]). Dies ist der Fall, weil sich die Hö­he der Nut­zungs­ent­schä­di­gung nach dem Zeit­punkt der Rück­ga­be des Fahr­zeugs rich­tet und da­her zum Zeit­punkt des Er­las­ses der ge­richt­li­chen Ent­schei­dung noch nicht fest­steht.

2. Der Klä­ger hat im Rah­men des Vor­teils­aus­gleichs bei Rück­ga­be des Fahr­zeugs die von ihm ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben. So­weit in der Recht­spre­chung (vgl. BGH, Urt. v. 11.02.2009 – VI­II ZR 176/06) ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung ver­neint wird, be­zieht sich dies auf kauf­recht­li­che An­sprü­che beim Neu­wa­gen­kauf ei­nes Ver­brau­chers. Ein sol­cher Fall liegt hier nicht vor, weil es sich um den Er­werb ei­nes Ge­braucht­wa­gens han­delt. Im Üb­ri­gen ist die vor­ge­nann­te Recht­spre­chung bei Rück­ab­wick­lung ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs über­holt (vgl. BGH, Urt. v. 16.09.2009 – VI­II ZR 243/08, NJW 2010, 148). Ent­ge­gen der An­sicht des Klä­gers ist die Dau­er des Rechts­streits nicht re­le­vant für die Fra­ge der Hö­he der Ent­schä­di­gung.

Die be­gehr­te Fest­stel­lung hat al­ler­dings nur teil­wei­se Er­folg, weil dem Be­klag­ten nur ein An­spruch in Hö­he von 0,33 % des Kauf­prei­ses pro ge­fah­re­nen 1.000 Ki­lo­me­tern zu­steht. Die Be­rech­nung er­folgt li­ne­ar nach der For­mel (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3564):

\text{Ge­brauchs­vor­teil} = {\frac{\text{Brut­to­kauf­preis}\times\text{ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter}}{\text{vor­aus­sicht­li­che Rest­lauf­leis­tung}}}.

Bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw Au­di A4 ist nach dem Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.- Ing. K von ei­ner Ge­samt­lauf­leis­tung von 300.000 km aus­zu­ge­hen. Das führt zu ei­ner Nut­zungs­ver­gü­tung von 0,33 % pro ge­fah­re­nen 1.000 Ki­lo­me­tern …

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