Der Käu­fer ei­nes (ge­brauch­ten) Wohn­mo­bils ist zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt, wenn die Kli­ma­an­la­ge des Fahr­zeugs man­gel­haft ist und die Re­pa­ra­tur­kos­ten (hier: 1.801,68 €) mehr als fünf Pro­zent des Kauf­prei­ses be­tra­gen. Da­bei ist auch zu be­rück­sich­ti­gen, dass ei­ne funk­tio­nie­ren­de Kli­ma­an­la­ge – ins­be­son­de­re in den Som­mer­mo­na­ten – für die Nut­zungs­mög­lich­keit und den Nut­zungs­kom­fort ei­nes Wohn­mo­bils von ei­ner über ih­ren rein wirt­schaft­lich be­trach­te­ten Wert hin­aus­ge­hen­den Be­deu­tung ist.

OLG Bran­den­burg, Ur­teil vom 23.09.2005 – 4 U 45/05

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin ver­langt von der Be­klag­ten we­gen ei­ner man­gel­haf­ten Kli­ma­an­la­ge die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ein ge­brauch­tes Wohn­mo­bil.

Das LG Pots­dam (Urt. v. 03.02.2005 – 2 O 430/03) hat der Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben; ins­be­son­de­re hat es die Be­klag­te zur Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs, ver­ur­teilt. Zur Be­grün­dung hat das Land­ge­richt im We­sent­li­chen aus­ge­führt, die Klä­ge­rin sei zum – durch die Kla­ge­er­he­bung schlüs­sig er­klär­ten – Rück­tritt von dem am 08.11.2002 ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag be­rech­tigt, weil die Kli­ma­an­la­ge be­reits bei der Über­ga­be des Wohn­mo­bils de­fekt ge­we­sen sei. Ei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung ha­be sie der Be­klag­ten nicht set­zen müs­sen, nach­dem die Be­klag­te ei­ne Nach­er­fül­lung am 05.09.2003 ver­wei­gert ha­be. Die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Be­klag­te ha­be im Üb­ri­gen nicht be­wei­sen kön­nen, dass bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen am 08.11.2002 ein Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ver­ein­bart wor­den sei. Das Rück­tritts­recht der Klä­ge­rin sei schließ­lich auch nicht we­gen Kennt­nis des Man­gels bei Ver­trags­schluss (§ 442 I 1 BGB) aus­ge­schlos­sen; das hier­zu strei­ti­ge Vor­brin­gen der Be­klag­ten vom 20.12.2004 sei ge­mäß §§ 296 I, 275 I ZPO als ver­spä­tet zu­rück­zu­wei­sen.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … Die Klä­ge­rin ist ge­mäß §§ 437 Nr. 2, 434 I, 440 Satz 1, 323 BGB zu dem mit der Kla­ge­schrift vom 29.09.2003 er­klär­ten Rück­tritt von dem am 08.11.2002 ab­ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag be­rech­tigt.

a) Die Man­gel­haf­tig­keit des [Wohn­mo­bils] i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB (Be­schaf­fen­heits­man­gel) zum Zeit­punkt der Über­ga­be am 08.11.2002 ist zwi­schen den Par­tei­en in­zwi­schen un­strei­tig. Die Be­klag­te hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20.12.2004 un­ter Vor­la­ge ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­pro­to­kolls vom 16.10.2002 ein­ge­räumt, dass die Kli­ma­an­la­ge de­fekt war und ihr die­ser Man­gel des Fahr­zeugs auch be­kannt war.

b) Das Land­ge­richt ist im Er­geb­nis zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der Man­gel an der Kli­ma­an­la­ge des Fahr­zeugs ei­ne mehr als nur un­er­heb­li­che Pflicht­ver­let­zung i. S. des § 323 V 2 BGB ist.

aa) Für tech­ni­sche Män­gel ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs kommt es bei der Be­wer­tung der Er­heb­lich­keit ei­nes Man­gels maß­geb­lich dar­auf an, mit wel­chem Kos­ten­auf­wand sich der Man­gel vor­aus­sicht­lich be­sei­ti­gen lässt (vgl. hier­zu Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 8. Aufl. [2003], Rn. 1385 f. m. w. Nachw.). Über­dies ist im Be­reich des Kfz-Han­dels für Be­schaf­fen­heits­män­gel an­er­kannt, dass Män­gel un­er­heb­lich sein kön­nen, wenn sie in­ner­halb kur­zer Zeit von selbst ver­schwin­den oder oh­ne be­son­de­ren Auf­wand vom Käu­fer selbst be­ho­ben wer­den kön­nen (vgl. Pa­landt/Putzo, BGB, § 437 Rn. 23 m. w. Nachw.). In der Recht­spre­chung zum Ge­braucht­wa­gen­han­del wird ver­tre­ten, dass bei ei­nem Kos­ten­auf­wand der Män­gel­be­sei­ti­gung von bis zu fünf Pro­zent des Kauf­prei­ses ein Rück­tritts­recht we­gen feh­len­der Er­heb­lich­keit nicht be­ste­he (so LG Kiel, Urt. v. 03.11.2004 – 12 O 90/04, MDR 2005, 384; auch OLG Düs­sel­dorf, Beschl. v. 27.02.2004 – I-3 W 21/04, NJW-RR 2004, 1060).

bb) Im vor­lie­gen­den Fall kann die Rich­tig­keit der auf­ge­zeig­ten pro­zen­tua­len Grenz­zie­hung zwi­schen ei­nem er­heb­li­chen und ei­nem un­er­heb­li­chen Man­gel für den Be­reich des Ge­braucht­fahr­zeug­han­dels da­hin­ste­hen, da auf­grund der nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Um­stän­de je­den­falls von ei­nem er­heb­li­chen Man­gel des Fahr­zeugs aus­zu­ge­hen ist.

(1) Das Ver­hält­nis zwi­schen dem un­strei­ti­gen Re­pa­ra­tur­auf­wand für die Kli­ma­an­la­ge (1.801,68 €) und dem Kauf­preis des Fahr­zeugs liegt – un­ab­hän­gig da­von, ob als Be­zugs­grö­ße der ur­sprüng­lich ver­ein­bar­te Kauf­preis von 32.000 € oder der ge­min­der­te Kauf­preis in Hö­he von 29.700 € an­ge­setzt wird – in je­dem Fall über 5,5 % des Kauf­prei­ses und über­steigt da­mit schon deut­lich ei­nen pro­zen­tu­al er­mit­tel­ten Ba­ga­tell­be­reich. So­weit er­sicht­lich geht die Recht­spre­chung – in den ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dun­gen – über­ein­stim­mend da­von aus, dass ei­ne Pflicht­ver­let­zung im Ba­ga­tell­be­reich über­haupt nur bei ei­nem Män­gel­be­sei­ti­gungs­auf­wand von we­ni­ger als fünf Pro­zent des Kauf­prei­ses in Be­tracht kom­men kann.

(2) Auch die ab­so­lu­ten Kos­ten für die Re­pa­ra­tur sind mit ei­ner Hö­he von 1.801,68 € mehr als nur un­er­heb­lich. Nach den An­ga­ben im DAT-Vee­dol-Re­port 2002 la­gen die durch­schnitt­li­chen Re­pa­ra­tur­auf­wen­dun­gen in­ner­halb der ers­ten sechs Mo­na­te bei dem Kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens bei ei­nem Kfz-Händ­ler im Jahr 2001 bei 105 DM (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1386). Die­sen Durch­schnitts­wert über­steigt der sie­ben Mo­na­te nach Ver­trags­schluss ent­deck­te Man­gel … bei Wei­tem.

(3) Bei der für die Be­stim­mung der Er­heb­lich­keit der Pflicht­ver­let­zung vor­zu­neh­men­den um­fas­sen­den Be­wer­tung und In­ter­es­sen­ab­wä­gung ist auch zu be­rück­sich­ti­gen, dass aus der Sicht des Fahr­zeug­nut­zers ei­ne funk­ti­ons­tüch­ti­ge Kli­ma­an­la­ge für die Nut­zungs­mög­lich­keit und den Nut­zungs­kom­fort ei­nes Wohn­mo­bils, ins­be­son­de­re in den Som­mer­mo­na­ten, von ei­ner über den rein wirt­schaft­lich be­trach­te­ten Wert der Kli­ma­an­la­ge hin­aus­ge­hen­den Be­deu­tung ist.

(4) Schließ­lich ist auch die Be­son­der­heit der be­reits zu­vor auf­ge­tre­te­nen und durch den ge­richt­li­chen Ver­gleich in dem vor­an­ge­gan­ge­nen Rechts­streit vor dem LG Pots­dam – 2 O 134/03 – er­le­dig­ten Män­gel des Fahr­zeugs zu be­ach­ten. Bei ei­ner Ge­samt­be­trach­tung al­ler in­ner­halb des ers­ten Ver­trags­jah­res 2002/2003 auf­ge­tre­te­nen Män­gel, die ganz über­wie­gend be­reits bei der Über­ga­be des Fahr­zeugs vor­la­gen und nicht auf Ver­schleiß be­ru­hen, be­steht bei dem Wohn­mo­bil ei­ne Män­gel­häu­fung, die bei ei­nem im Jahr 1999 erst­mals zu­ge­las­se­nen Ge­braucht­fahr­zeug mit ei­ner da­ma­li­gen Ge­samt­fahr­leis­tung von we­ni­ger als 50.000 km als be­son­ders un­ge­wöhn­lich zu be­zeich­nen ist.

c) Der im Ge­setz vor­ge­se­he­ne grund­sätz­li­che Vor­rang der Nach­er­fül­lung (Re­pa­ra­tur) ge­gen­über dem Rück­tritt (§ 437 Nr. 1 BGB) be­steht ge­mäß § 440 Satz 1 BGB nicht mehr, nach­dem die Be­klag­te – un­strei­tig – am 05.09.2003 den Man­gel an der Kli­ma­an­la­ge be­strit­ten und die Nach­er­fül­lung ver­wei­gert hat.

d) Die Klä­ge­rin ist auf­grund der de­fek­ten Kli­ma­an­la­ge zum Rück­tritt be­rech­tigt, da sie die­sen Man­gel bei Ver­trags­schluss nicht kann­te. Der Be­klag­ten ist im Er­geb­nis der von dem Se­nat durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me nicht der Nach­weis ge­lun­gen, dass das Recht der Klä­ge­rin auf Ge­währ­leis­tung für den Man­gel we­gen Vor­kennt­nis ge­mäß § 442 I 1 BGB aus­ge­schlos­sen ist.

aa) Der Se­nat ist im vor­lie­gen­den Fall da­zu be­rech­tigt ge­we­sen, im Be­ru­fungs­ver­fah­ren neue Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen hin­sicht­lich die­ses Vor­brin­gens der Be­klag­ten zu tref­fen, da er ge­mäß § 529 I Nr. 1 ZPO nicht an die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts ge­bun­den ist.

Die Be­klag­te greift mit der Be­ru­fung zu Recht die Fest­stel­lung des Land­ge­richts an, das Vor­brin­gen aus der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20.12.2004 nebst dem zu­ge­hö­ri­gen Schrift­satz vom 10.01.2005 zu der Vor­kennt­nis des Ge­schäfts­füh­rers der Klä­ge­rin sei we­gen Ver­spä­tung nicht zu­zu­las­sen. Die von dem Land­ge­richt auf §§ 296 I, 275 I ZPO ge­stütz­te Zu­rück­wei­sung des Be­klag­ten­vor­brin­gens ist nicht feh­ler­frei er­folgt. An­ge­sichts der auch im An­walt­s­pro­zess er­for­der­li­chen Be­leh­rung der Be­klag­ten nach § 277 II ZPO, die sich aus der Ak­ten­la­ge nicht er­gibt, durf­te ei­ne Zu­rück­wei­sung we­gen der un­ter­blie­be­nen Be­leh­rung nicht auf § 296 I ZPO ge­stützt wer­den (vgl. BVerfG, Beschl. v. 09.02.1982 – 1 BvR 1379/80, BVerfGE 60, 1 = NJW 1982, 1453 [1454] m. w. Nachw.; auch OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 21.07.1978 – 14 U 67/78 , NJW 1978, 2203). Auf ei­nen an­de­ren Zu­rück­wei­sungs­grund hat das Land­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung nicht ge­stützt. Auf­grund der ein­deu­ti­gen Vor­ga­ben durch den BGH (vgl. zu­letzt: Urt. v. 04.05.2005 – XII ZR 23/03), de­nen der 4. Zi­vil­se­nat in­so­weit in stän­di­ger Recht­spre­chung folgt, darf das Be­ru­fungs­ge­richt die feh­ler­haf­te erst­in­stanz­li­che Be­grün­dung der Ver­spä­tung nicht durch ei­ne an­de­re – feh­ler­freie – er­set­zen. So­mit kann es da­hin­ste­hen, ob das si­cher­lich nach­läs­si­ge pro­zes­sua­le Ver­hal­ten der Be­klag­ten tat­säch­lich ge­gen ih­re Pro­zess­för­de­rungs­pflicht ge­mäß § 282 I ZPO – die­se Norm er­wähnt auch das Land­ge­richt – ver­sto­ßen hat. Die Zu­rück­wei­sung des ver­spä­te­ten Vor­brin­gens der Be­klag­ten ist nicht – auch nicht hilfs­wei­se – mit dem dann ein­schlä­gi­gen § 296 II ZPO be­grün­det wor­den.

bb) Nach der Ver­neh­mung der Zeu­gen S und K blei­ben für den Se­nat Zwei­fel, ob bei den Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen am 08.11.2002 das Pro­to­koll des Sach­ver­stän­di­gen vom 16.10.2002 tat­säch­lich um­fas­send zum Ge­sprächs­in­halt ge­macht wor­den ist, so­dass dem Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin, Herrn F, bei Ver­trags­schluss die Man­gel­haf­tig­keit der Kli­ma­an­la­ge be­kannt ge­we­sen ist.

Der von der Be­klag­ten be­nann­te Zeu­ge S hat nicht be­stä­tigt, dass das Pro­to­koll des Sach­ver­stän­di­gen vom 16.10.2002 dem Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin bei den Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen ge­zeigt wor­den ist. Viel­mehr hat der Zeu­ge nach­voll­zieh­bar er­klärt, dass er selbst­ver­ständ­lich dem Kun­den wäh­rend der Ver­hand­lun­gen kei­nen voll­stän­di­gen Ein­blick in die zu je­dem Fahr­zeug vor­han­de­ne Au­to­ak­te ge­währt. So­weit der Zeu­ge S be­kun­det hat, er sei in dem Ver­kaufs­ge­spräch je­doch mit dem Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin die Män­gel­lis­te in­halt­lich durch­ge­gan­gen, spre­chen die von den Par­tei­en über­ein­stim­mend vor­ge­tra­ge­nen Um­stän­de der mehr­stün­di­gen Kauf­ver­trags­ver­hand­lun­gen da­für, dass auch die­se Er­in­ne­rung des Zeu­gen – trotz des er­heb­li­chen Zeit­ab­laufs – im We­sent­li­chen zu­tref­fend sein wird. Im­mer­hin ist es dem Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin ge­lun­gen, den Kauf­preis des Fahr­zeugs un­ter­halb des in­zwi­schen mit 34.000 € zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Ein­kaufs­prei­ses … zu drü­cken. Ein der­art gu­tes Ver­hand­lungs­er­geb­nis bei ei­nem Ver­trags­schluss mit ei­nem rou­ti­nier­ten Au­to­mo­bil­ver­käu­fer – um ei­nen sol­chen dürf­te es sich bei dem Zeu­gen S han­deln – spricht deut­lich da­für, dass un­ter an­de­rem auch durch das Auf­zei­gen di­ver­ser Män­gel die Preis­vor­stel­lun­gen der Ver­käu­fer­sei­te ab­ge­senkt wer­den konn­ten. Hin­sicht­lich des kon­kre­ten Man­gels der Kli­ma­an­la­ge – und nur auf die­sen kommt es für den Aus­gang des Be­ru­fungs­ver­fah­rens an – ver­blei­ben je­doch Zwei­fel, ob auch die­ser Man­gel tat­säch­lich in dem Ge­spräch er­wähnt wor­den ist. Der Zeu­ge S hat zwar be­kun­det, er sei sich si­cher, dass mit dem Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin auch über die de­fek­te Kli­ma­an­la­ge ge­spro­chen wor­den sei. Sei­ne jet­zi­ge Er­in­ne­rung steht je­doch in ei­nem von ihm nicht nach­voll­zieh­bar er­klär­ten Wi­der­spruch zu der Aus­sa­ge vor dem Land­ge­richt, wo er zwar – nach Män­geln be­fragt – ei­ni­ge Män­gel auf­ge­zählt, je­doch die Kli­ma­an­la­ge nicht er­wähnt hat­te. Sei­ne Er­klä­rung im Ter­min am 09.09.2005, er sei vor dem Land­ge­richt nicht nach der Kli­ma­an­la­ge ge­fragt wor­den, über­zeugt … nicht. Auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung des für den Zeu­gen S si­cher sehr sel­te­nen Ver­kaufs ei­nes Wohn­mo­bils ist es für die Über­zeu­gungs­kraft sei­ner zwei­ten Aus­sa­ge in die­sem Zu­sam­men­hang durch­aus nach­tei­lig, dass sich sei­ne Er­in­ne­rung an das Ver­kaufs­ge­spräch aus dem No­vem­ber 2002 of­fen­bar mit zu­neh­men­dem Zeit­ab­lauf ver­bes­sert ha­ben muss. Ei­ne der­art un­ge­wöhn­li­che Ent­wick­lung des Er­in­ne­rungs­ver­mö­gens birgt die Ge­fahr, dass die ei­gent­li­che „ech­te“ Er­in­ne­rung zu­neh­mend von an­de­ren Um­stän­den und Er­in­ne­run­gen über­la­gert wird und hier­durch – oh­ne dass dies dem Zeu­gen be­wusst ist – ins­be­son­de­re die De­tails des da­ma­li­gen Ver­kaufs­ge­sprächs nicht mehr mit der er­for­der­li­chen Schär­fe von den Ein­zel­hei­ten der seit­dem in ei­ner gro­ßen Viel­zahl von Fäl­len ge­führ­ten wei­te­ren Ver­kaufs­ge­sprä­che ge­trennt wer­den kön­nen.

Zu­dem ste­hen die An­ga­ben des Zeu­gen S auch im Wi­der­spruch zu den Be­kun­dun­gen der Zeu­gin K, die auch auf in­ten­si­ven Vor­halt da­bei blieb, dass bei den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen über die Kli­ma­an­la­ge gar nicht ge­spro­chen wor­den sei. Wenn auch die Glaub­haf­tig­keit der Aus­sa­ge der Zeu­gin K kei­nes­falls stär­ker ein­ge­schätzt wer­den kann als die des Zeu­gen S, litt die Über­zeu­gungs­kraft ih­rer An­ga­ben deut­lich dar­un­ter, dass ihr Er­in­ne­rungs­ver­mö­gen an die von dem Ge­schäfts­füh­rer F, ih­rem Le­bens­ge­fähr­ten, zum Drü­cken des Prei­ses ver­wen­de­ten Ar­gu­men­te gar nicht mehr vor­han­den war, sie je­doch ge­ra­de über die nicht be­spro­che­nen Män­gel noch ge­nau Be­scheid wis­sen woll­te. Trotz der Schwä­che der Aus­sa­ge der Zeu­gin K ge­nügt dem Se­nat je­doch auf­grund der er­ör­ter­ten Be­den­ken die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ver­tief­te und er­gänz­te Aus­sa­ge des Zeu­gen S nicht als Grund­la­ge für die er­for­der­li­che si­che­re Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit ei­nes aus­drück­li­chen Hin­wei­ses auf den De­fekt der Kli­ma­an­la­ge. Die da­mit ver­blei­ben­de Un­klar­heit geht zu­las­ten der in­so­weit be­weis­be­las­te­ten Be­klag­ten.

e) An­ge­sichts die­ses Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me kann für die Ent­schei­dung des Rechts­streits da­hin­ste­hen, ob zwi­schen den Par­tei­en ein wirk­sa­mer Ge­währ­leis­tungs­au­schlus­ses ver­ein­bart wor­den ist. Je­den­falls hin­sicht­lich der Man­gel­haf­tig­keit der Kli­ma­an­la­ge kann sich die Be­klag­te ge­mäß § 444 BGB auf ei­nen sol­chen Aus­schluss nicht be­ru­fen, weil sie die Klä­ge­rin bei Ver­trags­schluss über das Vor­lie­gen die­ses Man­gels arg­lis­tig ge­täuscht hat.

aa) Durch das Ver­schwei­gen ei­nes Sach­man­gels trotz Kennt­nis – hier: De­fekt der Kli­ma­an­la­ge – ist der ob­jek­ti­ve Tat­be­stand ei­ner arg­lis­ti­gen Täu­schung un­mit­tel­bar er­füllt wor­den (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1615).

bb) Mit dem un­ter­blie­be­nen Hin­weis auf die un­strei­tig der Ver­käu­fer­sei­te be­kann­te Man­gel­haf­tig­keit der Kli­ma­an­la­ge ist auch die Er­fül­lung des sub­jek­ti­ven Tat­be­stan­des ei­nes arg­lis­ti­gen Täu­schens durch Ver­schwei­gen zu be­ja­hen.

Da bei ei­nem Au­to­kauf im No­vem­ber ei­nes Jah­res die Funk­ti­ons­tüch­tig­keit ei­ner Kli­ma­an­la­ge re­gel­mä­ßig nicht durch ei­ne Pro­be­fahrt fest­ge­stellt wer­den kann – in­so­weit stimm­ten auch die Aus­sa­gen der bei­den Zeu­gen über­ein –, ist oh­ne Wei­te­res von ei­ner feh­len­den Mög­lich­keit zur Man­gel­fest­stel­lung auf Klä­ger­sei­te aus­zu­ge­hen. Dem Ver­käu­fer der Be­klag­ten, dem Zeu­gen S, muss auch be­wusst ge­we­sen sein, dass die Mit­tei­lung der Funk­ti­ons­un­tüch­tig­keit der Kli­ma­an­la­ge da­zu ge­führt hät­te, dass der Kauf­ver­trag von der Klä­ge­rin dann nicht zu dem spä­ter ver­ein­bar­ten Preis ab­ge­schlos­sen wor­den wä­re. Viel­mehr war ihm an­ge­sichts des im Zu­ge der Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen von der Klä­ge­rin er­reich­ten er­heb­li­chen Preis­nach­las­ses, den der Ge­schäfts­füh­rer F für die Klä­ge­rin – ent­ge­gen der hier­zu un­glaub­haf­ten Er­in­ne­rung der Zeu­gin K – zu­min­dest auch we­gen der Of­fen­ba­rung ei­ni­ger Män­gel aus­ge­han­delt ha­ben wird, klar, dass je­der wei­ter of­fen­bar­te Man­gel An­lass für ei­nen wei­te­ren Preis­nach­lass der Ver­käu­fer­sei­te hät­te sein müs­sen. Für ei­ne sol­che Vor­stel­lung des Ver­käu­fers spricht zwar kein An­scheins­be­weis, aber ei­ne tat­säch­li­che Ver­mu­tung (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1625 m. w. Nachw.). Die­ses Wis­sen der Ver­käu­fer­sei­te in­di­ziert zi­vil­recht­lich das Wil­lens­mo­ment des be­ding­ten Vor­sat­zes ei­ner Täu­schung (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1626 m. w. Nachw.).

cc) Auch im Rah­men des § 444 BGB trägt die Ver­käu­fe­rin die Be­weis­last da­für, dass sie den ihr be­kann­ten kon­kre­ten Man­gel tat­säch­lich of­fen­bart hat (vgl. hier­zu Pa­landt/Putzo, a. a. O., § 444 Rn. 4; auch BGH, Urt. v. 26.10.1988 – VI­II ZR 230/87, NJW-RR 1989, 211; Urt. v, 07.12.1994 – VI­II ZR 213/93, NZV 1995, 222). So­mit er­gibt sich auch bei der Be­ja­hung ei­nes wirk­sa­men Ge­währ­leis­tungs­aus­schlus­ses im Hin­blick auf § 444 BGB die glei­che Be­weis­fra­ge und die glei­che Be­weis­last wie bei der Fra­ge der Man­gel­kennt­nis. Da­her kann zu der feh­len­den Of­fen­ba­rung des Man­gels an der Kli­ma­an­la­ge un­ein­ge­schränkt auf das oben dar­ge­stell­te Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ver­wie­sen wer­den.

f) Die wei­te­ren Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts sind mit der Be­ru­fung nicht an­ge­grif­fen wor­den und da­her von dem Se­nat ge­mäß §§ 513 I, 529 I Nr. 1 ZPO nicht zu über­prü­fen. Im Üb­ri­gen be­ste­hen auch kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne Un­rich­tig­keit der Fest­stel­lun­gen zum An­nah­me­ver­zug und den Ver­wen­dungs­er­satz­an­sprü­chen …

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