1. Ei­ne vor­for­mu­lier­te Klau­sel, nach der es dem Ga­ran­ti­en­eh­mer bei ei­ner Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie pau­schal un­ter­sagt ist, das Fahr­zeug nach dem Ein­tritt ei­nes Scha­dens­falls oh­ne schrift­li­che Wei­sung des Ga­ran­tie­ge­bers (wei­ter) zu be­we­gen und den Fahr­zeug­zu­stand zu ver­än­dern, ist we­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­nach­tei­li­gung des Ga­ran­ti­en­eh­mers ge­mäß § 307 I 1 BGB un­wirk­sam. Denn es wä­re dem Ga­ran­ti­en­eh­mer oh­ne schrift­li­che Wei­sung des Ga­ran­ti­en­eh­mers nicht ein­mal mög­lich, sein be­schä­dig­tes Fahr­zeug in ei­ne Werk­statt zu brin­gen und dort fest­stel­len zu las­sen, ob über­haupt ein Ga­ran­tie­fall vor­liegt.
  2. Ei­ne vor­for­mu­lier­te Klau­sel, nach der An­sprü­che aus ei­ner ge­gen Ent­gelt ge­währ­ten Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie da­von ab­hän­gen, dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer al­le sechs Mo­na­te ei­nen Mo­toröl­wech­sel durch­führt und da­bei ein aus­schließ­lich beim Ga­ran­tie­ge­ber er­häl­ti­ches, vom Fahr­zeug­her­stel­ler nicht emp­foh­le­nes Mit­tel („Lon­gli­fe Ga­rant N5“) ver­wen­det, des­sen In­halts­stof­fe sich we­der aus dem Ga­ran­tie­ver­trag noch aus den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen er­ge­ben, wird ge­mäß § 305c I BGB schon nicht Be­stand­teil des Ga­ran­tie­ver­trags. Je­den­falls aber ist ei­ne sol­che Klau­sel we­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­nach­tei­li­gung des Ga­ran­ti­en­eh­mers ge­mäß § 307 I 1 BGB un­wirk­sam.
  3. Ei­ne vor­for­mu­lier­te Klau­sel, nach der An­sprü­che aus ei­ner ge­gen Ent­gelt ge­währ­ten Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie da­von ab­hän­gen, dass beim Fahr­zeug des Ga­ran­ti­en­eh­mers – deut­lich über die Her­stel­ler­vor­ga­ben hin­aus – al­le sechs Mo­na­te sämt­li­che von der der Ga­ran­tie um­fass­ten Bau­grup­pen auf Un­dich­tig­kei­ten und Schä­den über­prüft und der Kühl­was­ser­stand, der Ge­trie­be­öl­stand so­wie der Dif­fe­ren­zi­al­öl­stand kon­trol­liert wer­den, ist so un­ge­wöhn­lich, dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer da­mit oh­ne je­den Hin­weis im Ga­ran­tie­ver­trag selbst nicht zu rech­nen braucht. Die Klau­sel wird des­halb ge­mäß § 305c I BGB nicht Be­stand­teil des Gran­tie­ver­trags.
  4. Ein Ga­ran­tie­ge­ber, der gel­tend macht, er sei leis­tungs­frei, weil der Ga­ran­ti­en­eh­mer ge­gen die Ga­ran­tie­be­din­gun­gen ver­sto­ßen ha­be, muss ei­nen Ver­stoß des Ga­ran­ti­en­eh­mers ge­gen die Ga­ran­tie­be­din­gun­gen dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen. Es ist nicht Sa­che des Ga­ran­ti­en­eh­mers dar­zu­le­gen, dass er nicht ge­gen die Ga­ran­tie­be­din­gun­gen ver­so­ßen ha­be.

AG Han­no­ver, Ur­teil vom 06.10.2020 – 558 C 9324/19

Sach­ver­halt: Der Klä­ger nimmt die Be­klag­te aus ei­ner Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie in An­spruch.

Er er­warb am 12.07.2017 von ei­nem Kraft­fahr­zeug­händ­ler ei­nen ge­brauch­ten Opel Za­fi­ra und schloss am 13.07.2017 mit der Be­klag­ten ei­nen Ga­ran­tie­ver­trag be­züg­lich die­ses Fahr­zeugs. In der Ga­ran­tie­ver­ein­ba­rung heißt es:

„Für das nach­ste­hend be­zeich­ne­te Fahr­zeug wur­den dem Käu­fer/Ga­ran­ti­en­eh­mer aus An­lass sei­nes Fahr­zeu­ger­werbs Lon­gli­fe-Ga­rant-Ver­schleiß­pro­duk­te ver­kauft und aus­ge­hän­digt. Bei wei­te­rem Be­darf, ent­spre­chend den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen, wer­den die­se auf An­for­de­rung kos­ten­los zu­ge­sandt. Ga­ran­tie­be­ginn ist Ver­kaufs­da­tum.“

Nach § 5 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen der Be­klag­ten ist „Vor­aus­set­zung für jeg­li­che Ga­ran­tie­an­sprü­che“ un­ter an­de­rem, dass der Käu­fer als Ga­ran­ti­en­eh­mer „an sei­nem Fahr­zeug die Ga­ran­tie­be­hand­lun­gen und die vom Her­stel­ler vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen War­tungs- und In­spek­ti­ons­ar­bei­ten“ durch­füh­ren lässt (§ 5.2). Nach § 5.3 ist je­weils mit den vom Fahr­zeug­her­stel­ler vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen War­tungs- und In­spek­ti­ons­ar­bei­ten,

„spä­tes­tens je­doch je­weils 6 Mo­na­te nach der Erst- oder der zu­letzt da­vor fäl­lig ge­we­se­nen Ga­ran­tie­be­hand­lung (wo­bei ei­ne Ab­wei­chung nicht mehr als 7 Ta­ge be­tra­gen darf) … ein Mo­toröl­wech­sel durch­zu­füh­ren. Ei­ne Tu­be Lon­gli­fe Ga­rant N5 in das Mo­tor­öl fül­len. Al­le ga­ran­tie­ge­schütz­ten Bau­grup­pen sind auf Un­dich­tig­kei­ten und Schä­den zu über­prü­fen. Kühl­was­ser-, Ge­trie­be- und Dif­fe­ren­zi­al­öl­stän­de sind zu kon­trol­lie­ren und feh­len­de Flüs­sig­kei­ten so­wie Ad­di­ti­ve zu er­gän­zen.“

Nach ei­nem Scha­dens­fall be­ste­hen nach den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen wei­te­re Ob­lie­gen­hei­ten des Ga­ran­ti­en­eh­mers. Die­ser darf bei­spiels­wei­se das Fahr­zeug oh­ne schrift­li­che Wei­sung der Be­klag­ten nicht be­we­gen (§ 5.12) und auch nicht den Fahr­zeug­zu­stand ver­än­dern (§ 5.13).

Das Fahr­zeug des Klä­gers er­litt wäh­rend der Ga­ran­tie­zeit, im Ju­li 2018, ei­nen Scha­den am Kraft­stoff­sys­tem, der ei­ne Er­neue­rung des Kraft­stoff­be­häl­ters, der Kraft­stoff­pum­pe, der Ein­spritz­pum­pe und der Ein­spritz­dü­sen er­for­der­lich mach­te. Aus­weis­lich ei­nes vom Klä­ger ein­ge­hol­ten Kos­ten­vor­an­schlags vom 14.07.2018 be­lie­fen sich die Ma­te­ri­al­kos­ten auf 6.213,05 € und die Ar­beits­kos­ten auf 564,66 €.

Im Zeit­punkt des Scha­den­s­ein­tritts wies der Pkw ei­ne Lauf­leis­tung von 145.144 km auf. Bei die­ser Lauf­leis­tung hat die Be­klag­te ge­mäß § 6.1. der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen die Lohn­kos­ten (brut­to) voll­stän­dig und 40 % der Ma­te­ri­al­kos­ten (brut­to), höchs­tens aber 5.000 € zu er­set­zen.

Nach­dem die Be­klag­te ei­ne Kor­re­spon­denz mit der spä­te­ren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers aus Da­ten­schutz­grün­den ver­wei­gert hat­te, for­der­te die spä­te­re Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 07.12.2018 auf, dem Klä­ger die auf­ge­wen­de­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten bis zum 21.12.2018 zu er­stat­ten. Dem kam die Be­klag­te nicht nach.

Der Klä­ger hat zu­nächst be­an­tragt, die Be­klag­te zur Zah­lung von 2.474,50 € nebst Zin­sen so­wie zum Er­satz vor­ge­richt­lich ent­stan­de­ner Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von 334,75 € nebst Zin­sen zu ver­ur­tei­len. In­so­weit ist am 22.08.2019 an­trags­ge­mäß ein Ver­säum­nis­ur­teil ge­gen die Be­klag­te er­gan­gen, ge­gen das die Be­klag­te recht­zei­tig Ein­spruch ein­ge­legt hat.

Der Klä­ger hat dar­auf­hin be­an­tragt, das Ver­säum­nis­ur­teil mit der Maß­ga­be auf­recht­zu­er­hal­ten, dass die Be­klag­te zur Zah­lung von 2.036,90 € nebst Zin­sen und zum Er­satz der au­ßer­ge­richt­lich ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten ver­ur­teilt wird. Dem Zah­lungs­an­trag liegt zu­grun­de, dass der Klä­ger fol­gen­de Ma­te­ri­al­kos­ten auf­ge­wen­det hat:

Er­satz der Kraft­stoff­pum­pe 248,00 €
Er­satz des Si­che­rungs­rings der Kraft­stoff­pum­pe 7,25 €
Er­satz des Kraft­stoff­mess­ge­räts 168,00 €
Er­satz der Ein­spritz­pum­pe 1.236,00 €
Er­satz der Ein­spritz­dü­sen 2.142,00 €
Ma­te­ri­al­kos­ten net­to 3.801,25 €
19 % Um­satz­steu­er + 722,24 €
Ma­te­ri­al­kos­ten brut­to 4.523,49 €

Von die­sen Kos­ten – so hat der Klä­ger gel­tend ge­macht – ha­be die Be­klag­te 40 %, al­so 1.809,40 € brut­to, zu er­stat­ten. Dar­über hin­aus müs­se die Be­klag­te die Ar­beits­kos­ten für das Er­neu­ern der Ein­spritz­dü­sen (104 €) und der Hoch­druck­pum­pe (123,50 €) in vol­ler Hö­he er­stat­ten, ins­ge­samt al­so 227,50 €.

Die Be­klag­te hat ge­meint, dass der Klä­ger kei­nen Ga­ran­tie­an­spruch ha­be. Sie hat gel­tend ge­macht, die Ma­te­ri­al­kos­ten für den Si­che­rungs­ring der Kraft­stoff­pum­pe (7,25 €) und das Kraft­stoff­mess­ge­rät (168 €) sei­en oh­ne­hin nicht von der Ga­ran­tie um­fasst. Zum an­de­ren ha­be der Klä­ger di­ver­se Vor­aus­set­zun­gen, die sich aus den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen er­gä­ben, nicht er­füllt. Der Klä­ger ha­be es un­ter­las­sen, sämt­li­che Nach­wei­se über die nach Ga­ran­tie­be­ginn durch­ge­führ­ten War­tungs- und In­spek­ti­ons­ar­bei­ten bei ihr, der Be­klag­ten, ein­zu­rei­chen. Eben­so ha­be es der Klä­ger un­ter­las­sen, ei­nem Be­auf­trag­ten der Be­klag­ten die Un­ter­su­chung der be­schä­dig­ten Bau­tei­le zu er­mög­li­chen. Der Klä­ger ha­be auch nicht vor­ge­tra­gen, dass er sein Fahr­zeug nach dem Scha­dens­fall nicht be­wegt und den Zu­stand des Fahr­zeugs nicht ver­än­dert ha­be. Über­dies feh­le es an Vor­trag des Klä­gers zur Ver­wen­dung der in den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen ge­nann­ten, von ihr – der Be­klag­ten – ver­trie­be­nen Ad­di­ti­ve.

Der Ein­spruch der Be­klag­ten hat­te nur zum Teil Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Die zu­läs­si­ge Kla­ge ist größ­ten­teils be­grün­det.

1. Der Klä­ger hat aus dem mit der Be­klag­ten ab­ge­schlos­se­nen Ga­ran­tie­ver­trag ge­mäß § 443 I BGB ei­nen An­spruch auf Zah­lung von 1.953,48 €.

Die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten sind nach dem un­strei­ti­gen Par­tei­vor­trag Ver­trags­be­stand­teil ge­wor­den. Es kann da­her da­hin­ge­stellt blei­ben, dass die Un­ter­schrift des Klä­gers auf der Ga­ran­tie­ver­ein­ba­rung in dem ent­spre­chen­den Feld, in dem er den Er­halt der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen be­stä­ti­gen soll­te, fehlt.

Un­strei­tig ist wäh­rend der Ga­ran­tie­zeit ein De­fekt am Fahr­zeug des Klä­gers an der Kraft­stoff­an­la­ge auf­ge­tre­ten. Ge­mäß den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten sind die Kos­ten für die Kraft­stoff­pum­pe (248 €), die Ein­spritz­pum­pe (1.236 €) und die Ein­spritz­dü­sen (2.142 €), ins­ge­samt 3.626 € net­to zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er, in Hö­he von 40 % zu er­stat­ten. Dies er­gibt ei­nen Be­trag in Hö­he von 1.725,98 €. Zu­dem hat die Be­klag­te nach ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen die Ar­beits­kos­ten für das Er­neu­ern der Ein­spritz­dü­sen (104 €) und der Hoch­druck­pum­pe (123,50 €) in Hö­he von 227,50 € zu er­set­zen.

a) So­weit die Be­klag­te pau­schal rügt, der Klä­ger ha­be die Vor­ga­ben ge­mäß § 5.1 bis § 5.15 ih­rer All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen nicht be­ach­tet, wes­we­gen ein An­spruch des Klä­gers auf ei­ne Ga­ran­tie­leis­tung aus­ge­schlos­sen sei, folgt das Ge­richt dem nicht. Wenn sich die Be­klag­te auf ei­nen Ver­stoß des Klä­gers ge­gen ih­re All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen be­ruft, ob­liegt es der Be­klag­ten die­sen Ver­stoß dar­zu­le­gen und ge­ge­be­nen­falls zu be­wei­sen. Die­se Ob­lie­gen­heit er­füllt der Vor­trag der Be­klag­ten nicht.

Im Ein­zel­nen:

Die Be­klag­te meint, der Klä­ger ha­be kei­nen An­spruch aus dem ab­ge­schlos­se­nen Ga­ran­tie­ver­trag, weil er es un­ter­las­sen ha­be, ge­mäß § 5.8 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten ge­gen­über ei­nen Nach­weis über al­le ab Ga­ran­tie­be­ginn nach Werks­vor­ga­be durch­ge­führ­ten War­tungs- und In­spek­ti­ons­ar­bei­ten ein­zu­rei­chen.

Der Klä­ger führt in­so­weit aus, zum Zeit­punkt des Scha­den­s­ein­tritts, am 06.07.2018 – die Aus­le­sung des Feh­lers er­folg­te am 10.07.2018 – sei noch kei­ne wei­te­re In­spek­ti­on oder War­tung fäl­lig ge­we­sen. Aus­weis­lich des Kauf­ver­trags hat­te mit dem Ver­kauf des Fahr­zeugs ein Öl- und Fil­ter­wech­sel statt­ge­fun­den; die nächs­ten Un­ter­su­chun­gen wa­ren erst im Mai 2019 fäl­lig. Da der Klä­ger das Fahr­zeug von ei­nem ge­werb­li­chen Händ­ler ge­kauft hat­te, konn­te er auch da­von aus­ge­hen, dass die­ser das Fahr­zeug vor dem Ver­kauf fach­män­nisch über­prüft hat­te und kei­ne In­spek­ti­ons- bzw. War­tungs­ar­bei­ten mit dem Ver­kauf of­fen wa­ren (st. Rspr. des BGH1Nach der hier vom Amts­ge­richt nach­ge­wie­se­nen Recht­spre­chung des BGH trifft ei­nen Ge­braucht­wa­gen­händ­ler kei­ne ge­ne­rel­le, an­las­s­un­ab­hän­gi­ge Ob­lie­gen­heit, ein Fahr­zeug vor dem Ver­kauf um­fas­send zu un­ter­su­chen. Viel­mehr kann der Händ­ler zu ei­ner Über­prü­fung des Fahr­zeugs nur auf­grund be­son­de­rer Um­stän­de, die für ihn ei­nen kon­kre­ten Ver­dacht auf Män­gel be­grün­den, ge­hal­ten sein. Ab­ge­se­hen von die­sen Fäl­len ist der Händ­ler grund­sätz­lich nur zu ei­ner fach­män­ni­schen äu­ße­ren Be­sich­ti­gung („Sicht­prü­fung“) ver­pflich­tet.; vgl. Urt. v. 15.04.2015 – VI­II ZR 80/14, ju­ris Rn. 14; Urt. v. 19.06.2013 – VI­II ZR 183/12, NJW 2014, 211 Rn. 24; Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, BGHZ 168, 64 Rn. 15; Urt. v. 03.11.1982 – VI­II ZR 282/81, NJW 1983, 217 un­ter II 2 b; Urt. v. 21.01.1981 – VI­II ZR 10/80, WM 1981, 323 un­ter II 3 b aa; Urt. v. 11.06.1979 – VI­II ZR 224/78, BGHZ 74, 383, 388 f.; Urt. v. 16.03.1977 – VI­II ZR 283/75, NJW 1977, 1055 un­ter III 1 a; Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382, 386 f.).

Im Rah­men ih­rer se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last hät­te es der Be­klag­ten ob­le­gen dar­zu­le­gen, wel­che War­tungs­ar­bei­ten der Klä­ger un­ter­jäh­rig hät­te durch­füh­ren las­sen müs­sen.

Die Be­klag­te be­zieht sich wei­ter auf ei­nen Ver­stoß des Klä­gers ge­gen § 5.10 ih­rer All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen. Da­nach hät­te der Klä­ger ei­nem von der Be­klag­ten Be­auf­tra­gen je­der­zeit die Un­ter­su­chung der be­schä­dig­ten Bau­tei­le er­mög­li­chen müs­sen. Die Be­klag­te hat aber nicht dar­ge­legt, ob sie sich mit die­ser For­de­rung über­haupt an den Klä­ger ge­wandt ha­be. Selbst nach den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gen der Be­klag­ten hat nicht der Ga­ran­ti­en­eh­mer die Ver­pflich­tung, die be­schä­dig­ten Bau­tei­le der Be­klag­ten an­zu­bie­ten, son­dern der Ga­ran­ti­en­eh­mer muss ei­nem Be­auf­trag­ten der Be­klag­ten die vor­ge­nann­te Un­ter­su­chung ge­stat­ten. Dass die Be­klag­te ei­ne sol­che Un­ter­su­chung durch ei­nen Be­auf­trag­ten hat vor­neh­men wol­len, die der Klä­ger nicht ge­stat­tet hat, hat die Be­klag­te nicht be­haup­tet.

Glei­ches gilt für die Rechts­an­sicht der Be­klag­ten, sie sei leis­tungs­frei ge­wor­den, weil der Klä­ger nichts hin­sicht­lich ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen § 5.12 und § 5.13 ih­rer All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen vor­ge­tra­gen ha­be. Nicht der Klä­ger muss dar­le­gen, dass er nicht ge­gen die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten ver­sto­ßen hat, son­dern die Be­klag­te, die sich auf ei­nen Ver­stoß und ei­ne dar­aus re­sul­tie­ren­de Leis­tungs­frei­heit be­ru­fen möch­te, muss den Ver­stoß des Klä­gers dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen.

Selbst wenn aber die Be­klag­te ei­nen Ver­stoß des Klä­gers dies­be­züg­lich be­legt hät­te, könn­te sie dar­an nicht die Fol­ge der Leis­tungs­frei­heit knüp­fen. Denn die Klau­seln der Be­klag­ten, in de­nen sie oh­ne schrift­li­che Wei­sung jeg­li­che Ver­än­de­rung des Fahr­zeug­zu­stands und jeg­li­che Be­we­gung des Fahr­zeugs ver­bie­tet und dar­an die Fol­ge der Leis­tungs­frei­heit knüpft, ver­sto­ßen ge­gen § 307 I 1 BGB.

Ge­mäß § 307 I 1 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Dies ist ge­mäß § 307 II Nr. 2 BGB ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn durch die Be­stim­mung we­sent­li­che Rech­te oder Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­trags er­ge­ben, so ein­ge­schränkt wer­den, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks ge­fähr­det ist.

Die §§ 5.1 bis 5.15 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen un­ter­lie­gen auch sämt­lich der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB, weil sie an­ord­nen, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen der Ver­wen­der sei­ne Haupt­leis­tung über­haupt nicht zu er­brin­gen hat. Sie stel­len da­her ei­ne Ein­schrän­kung des ver­trag­lich ge­ge­be­nen Leis­tungs­ver­spre­chens dar. In­so­weit liegt kei­ne der In­halts­kon­trol­le ent­zo­ge­ne Leis­tungs­ab­re­de, son­dern ei­ne Ne­ben­ab­re­de da­zu vor (vgl. BGH, Urt. v. 17.10.2007 – VI­II ZR 251/06, ju­ris Rn. 12).

Ei­ne For­mu­lar­klau­sel ist nach der Recht­spre­chung des BGH un­an­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten des Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne von vorn­her­ein die In­ter­es­sen sei­nes Part­ners hin­rei­chend zu be­rück­sich­ti­gen (BGH, Urt. v. 17.10.2007 – VI­II ZR 251/06, ju­ris Rn. 15). So liegt der Fall hier.

Die vor­ge­nann­ten Be­stim­mun­gen der §§ 5.12 und 5.13 ver­bie­ten pau­schal im Scha­dens­fall je­de Be­we­gung des Fahr­zeugs und je­de Ver­än­de­rung des Fahr­zeug­zu­stands. Es wä­re dem Ga­ran­ti­en­eh­mer so­mit – oh­ne schrift­li­che Ge­neh­mi­gung – nicht mög­lich, sein Fahr­zeug in ei­ne Werk­statt zu brin­gen und dort fest­stel­len zu las­sen, ob über­haupt ein Ga­ran­tie­fall vor­liegt. Es wä­re dem Ga­ran­ti­en­eh­mer auch nicht mög­lich, ei­nen de­tail­lier­ten Kos­ten­vor­an­schlag ge­mäß § 5.9 ein­zu­rei­chen, der – nach den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten – aber die Vor­aus­set­zung für ei­nen Ga­ran­tie­an­spruch ist. Da­durch wird die Ver­fol­gung der An­sprü­che aus der Ga­ran­tie­ver­ein­ba­rung in un­zu­mut­ba­rer Wei­se er­schwert, oh­ne dass die Re­ge­lung er­for­der­lich wä­re, um be­rech­tig­te In­ter­es­sen der Be­klag­ten zu wah­ren. Denn dem In­ter­es­se der Be­klag­ten an der Prü­fung des ihr an­ge­zeig­ten Ga­ran­tie­falls und der er­for­der­li­chen Re­pa­ra­tur­kos­ten wird durch die Be­stim­mun­gen über die Un­ter­su­chung der be­schä­dig­ten Tei­le durch ei­nen Be­auf­trag­ten in § 5.10 und über die Vor­la­ge ei­nes de­tail­lier­ten Kos­ten­vor­an­schlags in § 5.9 hin­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen (vgl. LG Han­no­ver, Urt. v. 11.05.2011 – 6 S 87/10, ju­ris Rn. 32). Es be­darf für die Be­klag­te da­her kei­ner Re­ge­lung, die pau­schal je­de Be­we­gung und Fahr­zeug­ver­än­de­rung ver­bie­tet. Die­se Re­ge­lung er­schwert al­lein dem Ga­ran­ti­en­eh­mer die Wahr­neh­mung sei­ner ver­trag­li­chen Rech­te, oh­ne dass sie für die Be­klag­te ei­nen wei­te­ren in­halt­li­chen – auf den Scha­den be­zo­ge­nen – Er­kennt­nis­ge­winn brin­gen.

Die Be­klag­te kann sich nicht mit Er­folg dar­auf be­ru­fen, ge­mäß § 5.3 ih­rer All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen von ih­rer Ent­schä­di­gungs­pflicht be­freit zu sein. Die­se Re­ge­lung, die dem Ga­ran­ti­en­eh­mer den halb­jähr­li­chen Aus­tausch des Mo­toröls ver­bun­den mit dem Ein­fül­len ei­nes nicht im Han­del er­hält­li­chen und nicht vom Her­stel­ler des Fahr­zeugs emp­foh­le­nen Mit­tels auf­er­le­gen, des­sen In­halts­stof­fe sich nicht aus dem Ver­trag und auch nicht aus den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen er­ge­ben, stellt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ga­ran­ti­en­eh­mers ge­mäß § 307 I 1 BGB dar. Die Re­ge­lung ist über­dies über­ra­schend ge­mäß § 305c I BGB.

Es stellt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ga­ran­ti­en­eh­mers ge­mäß § 307 I 1 BGB dar, wenn die Ga­ran­tie­leis­tung an die Ver­wen­dung von un­be­kann­ten und nur über die Be­klag­te er­hält­li­che Mit­tel ge­kop­pelt ist. Denn die Be­klag­te hät­te es in der Hand, ob der Ga­ran­ti­en­eh­mer die von ihr ge­setz­ten Fris­ten (Ver­wen­dung der Mit­tel al­le sechs Mo­na­te, ei­ne Ab­wei­chung darf nur sie­ben Ta­ge be­tra­gen) über­haupt ein­hal­ten kann. Ver­sen­det die Be­klag­te ih­re Mit­tel ver­zö­gert, kann der Ga­ran­ti­en­eh­mer die vor­ge­nann­te Frist ge­mäß § 5.3 nicht mehr ein­hal­ten und die Be­klag­te ist – nach ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen – leis­tungs­frei, wenn nicht der Ga­ran­ti­en­eh­mer den Nach­weis ei­ner feh­len­den Ur­säch­lich­keit er­bringt.

Die Re­ge­lung ist ge­mäß § 305c I BGB über­dies über­ra­schend, weil ein Ga­ran­ti­en­eh­mer, der ei­ne Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie ab­schließt, nicht da­mit rech­nen muss, dass die­se Ga­ran­tie dar­an ge­knüpft ist, dass er nicht vom Her­stel­ler emp­foh­le­ne Mit­tel ver­wen­den muss, de­ren In­halts­stof­fe sich we­der aus dem Ver­trag noch aus den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen er­ken­nen las­sen. Die­se Be­din­gung, die die Haupt­leis­tungs­pflicht ein­schränkt, lässt sich auch nicht aus dem Ver­trag selbst er­ken­nen. Aus der Ver­trags­ur­kun­de selbst er­gibt sich le­dig­lich, dass es sich um ei­ne Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie han­delt. Dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer un­be­kann­te Zu­sät­ze ver­wen­den muss, er­gibt sich nicht aus dem Ver­trag.

Über­ra­schend ist wei­ter, dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer über die stren­gen Her­stel­ler­vor­ga­ben hin­aus ver­pflich­tet ist, al­le sechs (!) Mo­na­te ei­nen Mo­toröl­wech­sel durch­zu­füh­ren und – eben­falls über die all­ge­mein be­kann­ten Her­stel­ler­vor­ga­ben hin­aus – al­le sechs Mo­na­te sämt­li­che Kühl­was­ser-, Ge­trie­be- und Dif­fe­ren­ti­al­öl­be­stän­de über­prü­fen las­sen und auch in­so­weit die von der Be­klag­ten ver­trie­be­nen un­be­kann­ten Mit­tel hin­zu­fü­gen muss.

Dass die An­sprü­che aus ei­ner Ge­braucht­wa­gen­ga­ran­tie von der Ver­wen­dung von un­be­kann­ten, nicht frei ver­käuf­li­chen Mit­teln, die nur über die Be­klag­te er­hält­lich sind, und zu­dem von wei­te­ren Ob­lie­gen­hei­ten ab­hän­gen, die deut­lich über die je­wei­li­gen Her­stel­ler­vor­ga­ben hin­aus­ge­hen, ist so un­ge­wöhn­lich, dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer mit die­sen Vor­ga­ben oh­ne je­den Hin­weis im Ver­trag selbst nicht zu rech­nen braucht.

b) Nach den in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen in § 2.6 auf­ge­zähl­ten Be­stand­tei­len der Kraft­stoff­an­la­ge hat der Klä­ger ei­nen An­spruch auf Zah­lung von 40 % der Kos­ten der Kraft­stoff­pum­pe (248 €), der Ein­spritz­pum­pe (1.236 €) und der Ein­spritz­dü­sen (2.142 €), ins­ge­samt 3.626 € net­to zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er. Dies er­gibt ei­nen Be­trag in Hö­he von 1.725,98 €. Zu­dem hat die Be­klag­te nach ih­ren All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen die Ar­beits­kos­ten für das Er­neu­ern der Ein­spritz­dü­sen (104 €) und der Hoch­druck­pum­pe (123,50 €) in Hö­he von 227,50 € zu er­set­zen. Ins­ge­samt hat der Klä­ger ei­nen An­spruch auf Zah­lung von 1953,48 €.

Kei­nen An­spruch hat der Klä­ger auf Zah­lung des Si­che­rungs­rings der Kraft­stoff­pum­pe (7,25 €) und des Kraft­stoff­mess­ge­räts (168 €), die nicht zu de­nen der Ga­ran­tie un­ter­lie­gen­den Bau­tei­len ge­hö­ren.

2. Der Klä­ger hat kei­nen An­spruch ge­mäß §§ 280 I, II, 286 BGB auf Zah­lung der gel­tend ge­mach­ten au­ßer­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­ge­büh­ren. Nach sei­nem Vor­trag hat erst sei­ne Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 7.12.2018 auf­ge­for­dert, die er­for­der­li­chen Re­pa­ra­tur­kos­ten im Rah­men des Ga­ran­tie­ver­trags zu er­stat­ten. Da­mit war das vor­ge­nann­te Schrei­ben erst ver­zugs­be­grün­dend. …

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