Ein Ge­braucht­wa­gen­händ­ler ist in der Re­gel nicht ver­pflich­tet, ein von ihm an­ge­kauf­tes Fahr­zeug vor dem Wei­ter­ver­kauf zu un­ter­su­chen. Es ist des­halb re­gel­mä­ßig nicht rechts­miss­bräuch­lich, wenn sich ein Händ­ler, der ei­nen Man­gel we­der kann­te noch für mög­lich hielt, auf ei­nen mit dem Käu­fer ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss be­ruft, ob­wohl er das man­gel­haf­te Fahr­zeug vor dem Ver­kauf we­der un­ter­sucht noch den Käu­fer dar­über auf­ge­klärt hat, dass ei­ne Un­ter­su­chung des Fahr­zeugs un­ter­blie­ben ist.

BGH, Ur­teil vom 16.03.1977 – VI­II ZR 283/75

Sach­ver­halt: Der Klä­ger kauf­te von dem Be­klag­ten, der ei­nen um­fang­rei­chen Ge­braucht­wa­gen­han­del be­trieb, am 13.11.1972 ei­nen ge­brauch­ten BMW 2800 für 12.400 DM. Er zahl­te 1.100 DM bar und gab für 5.500 DM ei­nen Fi­at 125S in Zah­lung. Den rest­li­chen Kauf­preis fi­nan­zier­te der Klä­ger, in­dem er bei ei­ner Fi­nan­zie­rungs­bank ein Dar­le­hen auf­nahm, das mit 7.164 DM als Dar­le­hens­net­to­be­trag an den Be­klag­ten aus­ge­zahlt wur­de.

Der BMW 2800 war am 22.01.1970 erst­ma­lig zu­ge­las­sen wor­den und hat­te seit­dem 56.000 km zu­rück­ge­legt. Der Be­klag­te hat­te ihn von B, ei­nem Kfz-Händ­ler mit Ge­braucht­wa­gen­groß­han­del in M./West­fa­len, gleich­zei­tig mit neun an­de­ren Fahr­zeu­gen zu ei­nem Pau­schal­preis er­wor­ben.

Der vom Klä­ger un­ter­zeich­ne­te Auf­trag ent­hält auf der Vor­der­sei­te un­ter an­de­rem die vor­ge­druck­te Klau­sel „ge­braucht wie be­sich­tigt un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung“.

Nach­dem der Klä­ger den Pkw am 17.11.1972 über­nom­men und ei­ne Ab­nah­me­be­stä­ti­gung er­teilt hat­te, ließ er ihm am 22.11.1972 durch ei­nen Sach­ver­stän­di­gen prü­fen. Die­ser kam zum Er­geb­nis, das Fahr­zeug müs­se in min­des­tens zwei Un­fäl­le ver­wi­ckelt ge­we­sen sein, wie sich vor al­lem aus Richt­spu­ren am vor­de­ren rech­ten Rah­men­längs­trä­ger, aus An­zei­chen für ei­ne Ganz­la­ckie­rung, aus er­setz­ten Ka­ros­se­rie­tei­len und aus nicht la­ckier­ten, nur grun­dier­ten Stel­len an der in­ne­ren Sei­te des Front­blechs und links vor­ne an der In­nen­sei­te der Mo­tor­hau­be er­ge­be. Die Len­kung las­se sich nur schwer be­tä­ti­gen; der Wa­gen zie­he stark nach rechts und sei nicht ver­kehrs­si­cher.

Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 28.11.1972 hat der Klä­ger den Kauf­ver­trag we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung über die Un­fall­schä­den an­ge­foch­ten und Rück­zah­lung sei­ner An­zah­lung und Rück­ga­be des Fi­at 125S ver­langt. So­dann hat er, da der Be­klag­te die­ses Fahr­zeug be­reits wei­ter­ver­kauft hat­te, Kla­ge auf Zah­lung von 6.600 DM nebst Zin­sen Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des BMW 2800 er­ho­ben und da­bei auch gel­tend ge­macht, der Be­klag­te ha­be in den Blan­ko-Fi­nan­zie­rungs­an­trag 1.364 DM zu viel ein­ge­setzt.

Die Teil­for­de­rung von 1.364 DM hat das Land­ge­richt dem Klä­ger nach ei­nem so­for­ti­gen An­er­kennt­nis des Be­klag­ten mit Teil­ur­teil zu­ge­spro­chen; die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge hat es im Schlus­s­ur­teil ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung des Klä­gers hat das Ober­lan­des­ge­richt den Be­klag­ten zur Zah­lung wei­te­rer 5.236 DM nebst Zin­sen Zug um Zug ge­gen Her­aus­ga­be des BMW 2800 ver­ur­teilt. Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten, mit der er die Wie­der­her­stel­lung des land­ge­richt­li­chen Schlus­s­ur­teils er­streb­te, hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt geht da­von aus, dass die von dem Sach­ver­stän­di­gen G fest­ge­stell­ten, die Ver­kehrs­si­cher­heit des ver­kauf­ten BMW-Pkw auf­he­ben­den Män­gel zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig sind, dass aber die­se Män­gel dem Be­klag­ten bei Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges mit dem Klä­ger nicht be­kannt wa­ren. Nach den An­for­de­run­gen red­li­chen Ge­schäfts­ver­kehrs sei – so meint das Be­ru­fungs­ge­richt wei­ter – der Be­klag­te je­doch, ob­wohl nur Zwi­schen­händ­ler, ver­pflich­tet ge­we­sen, den ge­brauch­ten Pkw auf Män­gel oder Un­fall­spu­ren zu über­prü­fen und oh­ne ei­ne sol­che Un­ter­su­chung den Klä­ger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er den Wa­gen als un­fall­frei an­ge­kauft und nicht selbst über­prüft ha­be. Die Nicht­er­fül­lung die­ser Ver­pflich­tung sei arg­lis­tig, so­dass nach § 476 BGB der Aus­schluss der Ge­währ­leis­tungs­haf­tung un­wirk­sam sei; der Be­klag­te müs­se nach §§ 467, 346, 347, 989 BGB die er­hal­te­ne An­zah­lung und den mit 5.500 DM an­zu­rech­nen­den Wert des von ihm wei­ter­ver­kauf­ten Pkw Fi­at 125S an den Klä­ger zu­rück­zah­len. Ob dem Klä­ger auch An­sprü­che aus An­fech­tung des Kauf­ver­tra­ges we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung (§ 123 BGB), aus po­si­ti­ver Ver­trags­ver­let­zung we­gen Nicht­er­fül­lung ei­ner Ne­ben­pflicht, aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss oder aus un­er­laub­ter Hand­lung (§§ 823, 826 BGB) zu­stün­den, kön­ne da­hin­ge­stellt blei­ben.

II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der recht­li­chen Nach­prü­fung nicht in al­len Punk­ten stand.

1. Nach An­sicht der Re­vi­si­on hat das Be­ru­fungs­ge­richt den Be­griff der po­si­ti­ven Ver­trags­ver­let­zung ver­kannt; die Ver­let­zung vor­ver­trag­li­cher Hin­weis­pflich­ten oder Auf­klä­rungs­pflich­ten kön­ne al­len­falls als Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss ge­wer­tet wer­den; be­zie­he sie sich auf Ei­gen­schaf­ten der ver­kauf­ten Sa­che – was auch für den Hin­weis auf ei­ne nicht vor­ge­nom­me­ne Über­prü­fung ei­nes Ge­braucht­wa­gens zu­tref­fe –, be­ste­he ein An­spruch des Ver­trags­part­ners nur nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten über die Sach­män­gel­haf­tung (§§ 459 ff. BGB).

Ge­gen­über der Be­grün­dung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils geht die­se Rü­ge ins Lee­re. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zwar zu­nächst aus­ge­führt, der Be­klag­te ha­be durch Nicht­über­prü­fung des Pkw und durch den un­ter­las­se­nen Hin­weis dar­auf ei­ne po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung ge­gen­über je­dem po­ten­zi­el­len Käu­fer be­gan­gen, min­des­tens aber ei­ne Ne­ben­pflicht aus dem spä­te­ren Kauf­ver­trag mit dem Klä­ger ver­letzt. Im Er­geb­nis ist das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf die­se Er­wä­gun­gen aber nicht ge­stützt. Das Be­ru­fungs­ge­richt lässt die­se Fra­ge aus­drück­lich of­fen, weil das Ver­hal­ten des Be­klag­ten mög­li­cher­wei­se nicht als po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung, son­dern als Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss an­zu­se­hen, ei­ne Haf­tung in­so­weit aber durch die Ge­währ­leis­tungs­be­stim­mun­gen der §§ 459 ff. BGB aus­ge­schlos­sen sei.

2. Mit Recht wen­det sich die Re­vi­si­on aber ge­gen die An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts, der Be­klag­te ha­be da­durch, dass er den Klä­ger nicht auf die un­ter­blie­be­ne Über­prü­fung des Pkw hin­ge­wie­sen ha­be, ei­nen Man­gel der Kauf­sa­che arg­lis­tig ver­schwie­gen, so­dass der ver­ein­bar­te Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nach § 476 BGB un­wirk­sam sei.

a) Die von dem Sach­ver­stän­di­gen G fest­ge­stell­te Nei­gung des Fahr­zeugs, stark nach rechts zu zie­hen, und die Schwer­gän­gig­keit der Len­kung min­dern un­strei­tig die Ge­brauchs­taug­lich­keit des Wa­gens er­heb­lich, wenn sie sie nicht so­gar auf­he­ben. In­so­fern kann der Be­klag­te nach § 459 I BGB mög­li­cher­wei­se für ei­nen Feh­ler der Kauf­sa­che haf­ten.

Da­ne­ben kommt – wie das Be­ru­fungs­ge­richt mit Recht an­nimmt – ei­ne Haf­tung für Un­fall­frei­heit als zu­ge­si­cher­te Ei­gen­schaft (§ 459 II BGB) nicht in Be­tracht. Da in­so­weit ei­ne aus­drück­li­che Er­klä­rung fehlt, müss­te der Be­klag­te die Zu­si­che­rung still­schwei­gend ab­ge­ge­ben ha­ben. Die be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen hier­für (BGH, Urt. v. 05.07.1972 – VI­II ZR 74/71, BGHZ 59, 158 [160 f.]) lie­gen je­doch nicht schon dann vor, wenn ein Ge­braucht­wa­gen­händ­ler ei­nen Kauf­preis for­dert, der für ei­nen un­fall­frei­en Wa­gen an­ge­mes­sen wä­re.

Auf die wei­te­re Fra­ge, ob nach Nr. 7 der Ver­trags­be­din­gun­gen nur schrift­li­che oder schrift­lich be­stä­tig­te Zu­si­che­run­gen wirk­sam wä­ren, kommt es da­nach nicht an.

b) Die Ge­währ­leis­tung für Feh­ler der Kauf­sa­che ha­ben die Par­tei­en im schrift­li­chen Ver­trag in zu­läs­si­ger Wei­se aus­ge­schlos­sen (st. Rspr. des Se­nats, vgl. Urt. v. 08.10.1969 – VI­II ZR 20/68, LM BGB § 138 (Bb) Nr. 26 = NJW 1970, 29 = WM 1969, 1391 m. w. Nachw.). Die Klau­sel „wie be­sich­tigt un­ter Aus­schluss je­der Ge­währ­leis­tung“ ent­hält – wie das Be­ru­fungs­ge­richt mit Recht an­nimmt und der Klä­ger in der Re­vi­si­ons­in­stanz nicht mehr be­zwei­felt – ei­ne un­miss­ver­ständ­li­che Er­klä­rung über den Haf­tungs­aus­schluss für al­le Män­gel. In den durch § 476 BGB ge­zo­ge­nen Gren­zen war der Be­klag­te da­mit grund­sätz­lich von der Sach­män­gel­haf­tung frei­ge­stellt; ins­be­son­de­re soll­te das Wan­de­lungs­recht des Klä­gers für Feh­ler aus­ge­schlos­sen sein.

c) Das Be­ru­fungs­ge­richt hält die vom Klä­ger er­klär­te Wan­de­lung den­noch für be­grün­det, weil sich die un­ter­las­se­ne Mit­tei­lung dar­über, dass der Be­klag­te das Fahr­zeug nicht selbst über­prüft ha­be, als „Arg­list i. S. des § 476 BGB“ dar­stel­le. Die­se An­sicht ist je­doch nicht halt­bar.

Nach § 476 BGB ist ein ver­ein­bar­ter Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nur dann nich­tig, wenn der Ver­käu­fer ei­nen Man­gel arg­lis­tig ver­schwie­gen hat. Arg­list er­for­dert – wie in Recht­spre­chung und Schrift­tum all­ge­mein an­er­kannt ist – eben­so wie im Fal­le der An­fech­tung we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung (§ 123 BGB) Vor­satz, wo­bei al­ler­dings be­ding­ter Vor­satz ge­nügt, nicht aber – selbst gro­be – Fahr­läs­sig­keit (BGH, Urt. v. 21.11.1952 – V ZR 158/51, LM BGB § 463 Nr. 1; Se­nat, Urt. v. 28.04.1971 – VI­II ZR 258/69, LM BGB § 123 Nr. 42 = NJW 1971, 1795 = WM 1971, 749; Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382 ff.). Wer ei­nen Feh­ler arg­lis­tig ver­schweigt, muss ihn da­nach min­des­tens für mög­lich hal­ten. Dies war bei dem Be­klag­ten nicht der Fall. Nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts muss für die Re­vi­si­ons­in­stanz da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass er we­der die Män­gel und An­zei­chen für frü­he­re Un­fäl­le des Wa­gens kann­te noch mit der Mög­lich­keit sol­cher Män­gel rech­ne­te.

Der Se­nat hat al­ler­dings in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen (Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382 [388] mit Hin­weis auf Se­nat, Urt. v. 02.02.1966 – VI­II ZR 284/63; Urt. v. 10.07.1968 – VI­II ZR 167/66) arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen ei­nes Man­gels be­jaht, wenn ein Ver­käu­fer auf Fra­gen des Käu­fers oh­ne tat­säch­li­che An­halts­punk­te („ins Blaue hin­ein“) un­rich­ti­ge An­ga­ben über Män­gel­frei­heit macht. Er ist da­bei da­von aus­ge­gan­gen, dass ein sol­cher Ver­käu­fer – an­ders als der Be­klag­te im vor­lie­gen­den Fall – we­nigs­tens mit der Mög­lich­keit von Män­geln rech­net und den­noch die für den Kauf­ent­schluss des Käu­fers of­fen­sicht­lich be­deut­sa­me Fra­ge un­rich­tig be­ant­wor­tet. Die­se Vor­aus­set­zun­gen la­gen je­doch hier er­sicht­lich nicht vor. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann das an­ge­foch­te­ne Ur­teil da­her kei­nen Be­stand ha­ben.

III. Das Be­ru­fungs­ur­teil kann auch nicht aus an­de­ren Grün­den (§ 563 ZPO) auf­recht­er­hal­ten wer­den.

1. Ein Wan­de­lungs­recht des Klä­gers (§§ 459 I, 462 BGB) kä­me al­len­falls noch in Be­tracht, wenn der Be­klag­te mit der Be­ru­fung auf den Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ge­gen den das ge­sam­te Rechts­sys­tem be­herr­schen­den Grund­satz von Treu und Glau­ben ver­sto­ßen wür­de. Ein sol­cher Ein­wand un­zu­läs­si­ger Rechts­aus­übung wä­re – wie in der Recht­spre­chung an­er­kannt ist – dem Klä­ger nicht et­wa schon des­halb nach § 476 BGB ver­wehrt, weil der Be­klag­te kei­nen Feh­ler arg­lis­tig ver­schwie­gen hat (Se­nat, Urt. v. 28.04.1971 – VI­II ZR 258/69, LM BGB § 123 Nr. 42 = NJW 1971, 1795 = WM 1971, 749 un­ter Hin­weis auf BGH, Urt. v. 29.10.1956 – II ZR 79/55, BGHZ 22, 90 [99], und Urt. v. 05.04.1962 – VII ZR 183/60, BGHZ 37, 94 [99], so­wie m. w. Nachw). Vor­aus­set­zung wä­re aber, dass der Be­klag­te, da er die Män­gel des Fahr­zeugs nicht kann­te, nach Treu und Glau­ben ver­pflich­tet ge­we­sen wä­re, ent­we­der den Wa­gen zu un­ter­su­chen und das Er­geb­nis dem Klä­ger mit­zu­tei­len oder – wie das Be­ru­fungs­ge­richt an­nimmt – den Klä­ger über die Un­ter­las­sung ei­ge­ner Über­prü­fung auf­zu­klä­ren.

a) Ei­ne Un­ter­su­chungs­pflicht des Be­klag­ten kann bei den be­son­de­ren Um­stän­den des Fal­les nicht an­ge­nom­men wer­den. Ein Zwi­schen­händ­ler ist in der Re­gel zur Un­ter­su­chung der von ihm an­ge­kauf­ten und wei­ter­ver­kauf­ten Wa­ren ge­gen­über sei­nem Ab­neh­mer nicht ver­pflich­tet (Se­nat, Urt. v. 25.09.1968 – VI­II ZR 108/66, NJW 1968, 2238 = LM BGB § 276 (Hb) Nr. 13 m. w. Nachw.). Aus­nah­men kön­nen sich zwar aus be­son­de­ren Um­stän­den er­ge­ben (Se­nat, Urt. v. 25.09.1968 – VI­II ZR 108/66, NJW 1968, 2238 = LM BGB § 276 (Hb) Nr. 13); die Vor­aus­set­zun­gen da­für lie­gen aber nicht vor.

aa) Aus § 377 HGB ist, wie die Re­vi­si­on mit Recht meint, ei­ne Un­ter­su­chungs­pflicht ge­gen­über dem Ab­neh­mer nicht her­zu­lei­ten. Die­se Be­stim­mung re­gelt nur die Fol­gen un­ter­las­se­ner Un­ter­su­chung der Wa­re im Ver­hält­nis des Käu­fers – hier des Be­klag­ten als Zwi­schen­händ­lers – zu sei­nem Lie­fe­ran­ten. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat er­sicht­lich auch kei­ne Un­ter­su­chungs­pflicht des Be­klag­ten auf § 377 HGB stüt­zen wol­len, son­dern nur den Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ge­gen­über dem Klä­ger für be­denk­lich ge­hal­ten, weil der Be­klag­te da­mit im Er­geb­nis das Ri­si­ko aus ei­ner et­wa un­ter­las­se­nen Prü­fung der von ihm an­ge­kauf­ten Fahr­zeu­ge auf sei­ne Käu­fer ab­wäl­zen kann.

bb) Ei­ne Ver­pflich­tung zur Be­ra­tung des Klä­gers, die eben­falls ei­ne Un­ter­su­chungs­pflicht be­grün­den könn­te, hat der Be­klag­te un­strei­tig je­den­falls nicht aus­drück­lich über­nom­men. Sie wird auch nicht al­lein durch den Ab­schluss ei­nes Kauf­ver­tra­ges zwi­schen ei­nem Händ­ler und ei­nem Nicht­kauf­mann als Käu­fer be­grün­det, son­dern wür­de den Wil­len und das Be­wusst­sein bei­der Par­tei­en vor­aus­set­zen, dass der Klä­ger sei­nen Kauf­ent­schluss von der fach­kun­di­gen Auf­klä­rung über den Kauf­ge­gen­stand, sei­ne Ver­wend­bar­keit oder ähn­li­che Um­stän­de ab­hän­gig ma­chen woll­te (Se­nat, Urt. v. 25.03.1958 – VI­II ZR 48/57, LM BGB § 459 I Nr. 5; Urt. v. 31.01.1962 – VI­II ZR 120/60, NJW 1962, 1196 = LM BGB § 276 (H) Nr. 5, Urt. v. 28.04.1971 – VI­II ZR 258/69, NJW 1971, 1795 = LM BGB § 123 Nr. 42 = WM 1971, 749). Für ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung fehlt es an je­der Fest­stel­lung; der Klä­ger hat sie auch nicht be­haup­tet.

cc) Ei­nen Han­dels­brauch, der die Un­ter­su­chung ge­brauch­ter Kraft­fahr­zeu­ge durch den an­bie­ten­den Händ­ler zum Ge­gen­stand hät­te, hat das Be­ru­fungs­ge­richt nicht fest­stel­len kön­nen. Un­ter­stellt man, dass sich aus der Aus­kunft der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer nach Be­fra­gung von nur 28 Händ­lern über­haupt ein Han­dels­brauch er­ge­ben könn­te, so zei­gen die Ant­wor­ten auf die Fra­ge nach der Un­ter­su­chung von Fahr­zeu­gen ein ganz un­ein­heit­li­ches Bild. Mit Recht hat das Be­ru­fungs­ge­richt dar­aus kei­nen Han­dels­brauch her­ge­lei­tet.

dd) Das­sel­be gilt für ei­ne all­ge­mei­ne Ver­kehrs­auf­fas­sung als Grund­la­ge für ei­ne Un­ter­su­chungs­pflicht des Be­klag­ten. We­der hat das Be­ru­fungs­ge­richt kon­kre­te An­halts­punk­te für ei­ne Ver­kehrs­auf­fas­sung fest­ge­stellt, noch hat der Be­klag­te sol­che An­halts­punk­te be­haup­tet.

ee) Die Un­ter­su­chungs­pflicht ist schließ­lich auch kei­ne zwangs­läu­fi­ge Fol­ge der den Ver­käu­fer von Ge­braucht­wa­gen tref­fen­den Of­fen­ba­rungs­pflicht für ihm be­kann­te Män­gel. Die­se Auf­klä­rungs­pflicht je­den­falls über nicht ganz un­be­deu­ten­de Un­fäl­le oder über Schä­den, die für den Käu­fer im Rah­men sei­ner Er­kennt­nis­mög­lich­kei­ten nicht of­fen­sicht­lich sind (Se­nat, Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382 ff.; Urt. v. 30.10.1956 – VI­II ZR 77/56, in­so­weit in BGHZ 22, 123 und in NJW 1957, 20 nicht ab­ge­druckt; Urt. v. 21.10.1964 – VI­II ZR 151/63, LM BGB § 463 Nr. 1 = NJW 1965, 35), geht über die all­ge­mei­nen Pflich­ten ei­nes Ver­käu­fers, der grund­sätz­lich Un­güns­ti­ges über die Kauf­sa­che un­ge­fragt nicht mit­zu­tei­len braucht (Se­nat, Urt. v. 28.04.1971 – VI­II ZR 258/69, LM BGB § 123 Nr. 42 = NJW 1971, 1795 = WM 1971, 749), hin­aus. Ih­re Be­rech­ti­gung fin­det die­se Er­wei­te­rung in der ty­pi­schen In­ter­es­sen­ver­tei­lung und Ri­si­ko­ver­tei­lung im Ge­braucht­wa­gen­han­del. Er­fah­rungs­ge­mäß hat ein er­heb­li­cher Teil der an­ge­bo­te­nen Fahr­zeu­ge Un­fäl­le er­lit­ten, die nach der In­stand­set­zung selbst für ei­nen Fach­mann schwer er­kenn­bar sind, an­de­rer­seits den Ver­kehrs­wert des Wa­gens selbst dann min­dern, wenn nicht si­cher ist, ob noch Schä­den ver­blie­ben sind oder in Zu­kunft wie­der auf­tre­ten wer­den. Das Ri­si­ko des Kauf­ent­schlus­ses ist für den über den Un­fall nicht un­ter­rich­te­ten Käu­fer we­sent­lich schwie­ri­ger zu be­ur­tei­len als für den Ver­käu­fer. Des­halb recht­fer­tigt es sich, nach Treu und Glau­ben von dem Ver­käu­fer Auf­klä­rung des Käu­fers zu ver­lan­gen, wenn er die Män­gel oder frü­he­ren Un­fäl­le kennt oder nach den Um­stän­den des Fal­les für mög­lich hält.

Die Gren­ze des Zu­mut­ba­ren wür­de aber über­schrit­ten, wenn der Ver­käu­fer, der von Un­fäl­len oder Män­geln nichts weiß und sie auch nicht für mög­lich hält, ge­zwun­gen wür­de, in je­dem Fal­le den Ge­braucht­wa­gen zu un­ter­su­chen. Prak­ti­schen Sinn hät­te die­se Ver­pflich­tung nur, wenn aus ih­rer Nicht­er­fül­lung oder Schlechter­fül­lung auch Fol­ge­run­gen für die Ver­käufer­haf­tung ge­zo­gen wür­den, wenn al­so der Ver­käu­fer trotz zu­läs­si­gen Ge­währ­leis­tungs­aus­schlus­ses zum Bei­spiel für Män­gel ein­ste­hen müss­te, die er fahr­läs­sig nicht er­kannt hat.

Je­den­falls dann, wenn der Käu­fer nicht ein­mal nach dem Zu­stand des Wa­gens fragt und auch – wie hier der Klä­ger – kei­ne Pro­be­fahrt un­ter­nimmt, wür­de das Ri­si­ko zu ein­sei­tig auf den Ver­käu­fer ver­la­gert. Auch er ist weit­ge­hend auf die An­ga­ben sei­nes Lie­fe­ran­ten an­ge­wie­sen; die Gren­ze für die Er­kenn­bar­keit von Män­geln ist flie­ßend und im Nach­hin­ein oft kaum zu be­ur­tei­len, so­dass für den Ver­käu­fer in all­zu vie­len Fäl­len die Ge­fahr der Haf­tung be­stün­de.

An­de­rer­seits wird der Käu­fer durch die Ver­nei­nung ei­ner mit Haf­tungs­fol­gen be­wehr­ten Un­ter­su­chungs­pflicht des Ver­käu­fers nicht un­zu­mut­bar be­nach­tei­ligt. Ist er sich über den Zu­stand des Wa­gens nicht klar, kann er ihn selbst prü­fen, prü­fen las­sen oder aber den Ver­käu­fer nach Un­fäl­len und Schä­den fra­gen. Selbst wenn ein Käu­fer kei­ne Er­fah­rung mit Ge­braucht­wa­gen hat, kann von ihm er­war­tet wer­den, dass er nicht nur die Mög­lich­keit nor­ma­ler Ab­nut­zung in Er­wä­gung zieht, son­dern auch die von frü­he­ren Un­fäl­len.

Fragt er aber den Ver­käu­fer, so ist die­ser nach den zur Of­fen­ba­rungs­pflicht ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen (vgl. z. B. Se­nat, Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382 ff.) zur wahr­heits­ge­mä­ßen Be­ant­wor­tung ver­pflich­tet. Ver­schweigt er ei­nen Man­gel, den er kennt oder für mög­lich hält, oder macht er ins Blaue hin­ein un­rich­ti­ge An­ga­ben, so kann er sich auf ei­nen ver­ein­bar­ten Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss nicht be­ru­fen (Se­nat, Urt. v. 21.01.1975 – VI­II ZR 101/73, BGHZ 63, 382 [388]). Da­mit ist der Käu­fer hin­rei­chend ge­schützt.

b) Die­se Er­wä­gun­gen zur Un­ter­su­chungs­pflicht des Ver­käu­fers gel­ten im Er­geb­nis in glei­cher Wei­se für die vom Be­ru­fungs­ge­richt an­ge­nom­me­ne Ver­pflich­tung des Ver­käu­fers dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er den Wa­gen nicht un­ter­sucht ha­be. Ob­wohl er zu ei­ge­ner Prü­fung nicht ver­pflich­tet wä­re (vgl. oben III 1 a), müss­te er beim An­ge­bot je­des Wa­gens im Ver­trags­text mit­tei­len, dass er vom Zu­stand der Kauf­sa­che nichts wis­se.

Es mag schon zwei­fel­haft sein, ob ei­ne sol­che Er­klä­rung ei­nen Käu­fer, der die Mög­lich­keit von Un­fall­schä­den nicht selbst er­wo­gen hat, auf die­ses Ri­si­ko auf­merk­sam ma­chen wür­de. Die For­de­rung nach ei­ner sol­chen Er­klä­rung geht je­den­falls über die nach Treu und Glau­ben den Ver­käu­fer zu stel­len­den An­for­de­run­gen hin­aus, wenn an­de­rer­seits der Käu­fer sich nicht ein­mal nach dem Zu­stand des Wa­gens er­kun­di­gen müss­te.

c) Da so­mit der ver­ein­bar­te Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss wirk­sam ist, kommt es nicht auf die wei­te­re Fra­ge an, ob der Klä­ger die Spu­ren frü­he­rer Un­fäl­le grob fahr­läs­sig nicht er­kannt hat und schon des­halb ei­ne Ge­währ­leis­tung nach § 460 Satz 2 BGB aus­ge­schlos­sen wä­re.

2. Die vom Be­ru­fungs­ge­richt da­hin­ge­stellt ge­las­se­nen wei­te­ren Haf­tungs­grün­de füh­ren eben­falls zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis.

a) Für An­sprü­che des Klä­gers aus der An­fech­tung we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung (§ 123 BGB) oder aus un­er­laub­ter Hand­lung (§§ 823 II, 826 BGB) wä­re eben­so wie für arg­lis­ti­ges Ver­schwei­gen von Män­geln min­des­tens be­ding­ter Vor­satz er­for­der­lich, der nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts nicht vor­liegt (vgl oben II 2).

b) Ob die man­geln­de Un­ter­su­chung des Wa­gens durch den Ver­käu­fer und die un­ter­blie­be­ne Mit­tei­lung dar­über ei­ne Ver­let­zung von Ne­ben­pflich­ten oder vor­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen sein und grund­sätz­lich An­sprü­che aus po­si­ti­ver Ver­trags­ver­let­zung oder aber aus Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss be­grün­den könn­te, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Denn ei­ne Ver­pflich­tung des Be­klag­ten zur Un­ter­su­chung oder Mit­tei­lung be­stand im vor­lie­gen­den Fal­le nicht (vgl. oben III 1).

IV. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil muss­te da­her auf­ge­ho­ben und das kla­ge­ab­wei­sen­de Schlus­s­ur­teil des Land­ge­richts wie­der­her­ge­stellt wer­den.

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