1. Ei­ne i. S. des § 434 I 2 Nr. 1 BGB nach dem Kauf­ver­trag vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung der Kauf­sa­che kann auch de­ren Wei­ter­ver­äu­ße­rung durch den Käu­fer sein.
  2. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nes Fahr­zeug, bei dem die Schad­stoff­emis­sio­nen (nur) op­ti­miert wer­den, so­bald sich das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand be­fin­det, eig­net sich we­der zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung, noch weist es ei­ne Be­schaf­fen­heit auf, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann. Es ist des­halb i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft.
  3. Mit Blick dar­auf, dass der Ver­käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs für ei­ne Nach­bes­se­rung auf die Un­ter­stüt­zung der Fahr­zeug­her­stel­le­rin an­ge­wie­sen ist und es we­gen der Viel­zahl be­trof­fe­ner Fahr­zeu­ge ei­ner Ko­or­di­nie­rung der Nach­bes­se­rungs­maß­nah­men be­darf, mag ei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung von ei­nem Mo­nat un­an­ge­mes­sen kurz sein. Durch das Set­zen ei­ner zu kur­zen Frist wird je­doch ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist in Gang ge­setzt, die kein hal­bes Jahr oder gar län­ger be­trägt.
  4. Lie­fert der Ver­käu­fer dem Käu­fer ei­ne man­gel­haf­te Sa­che, ist die Er­heb­lich­keit der dar­in lie­gen­den Pflicht­ver­let­zung nicht nur dann in­di­ziert, wenn der Man­gel dar­in be­steht, dass der Kauf­sa­che ei­ne ver­ein­bar­te Be­schaf­fen­heit fehlt (vgl. BGH, Urt. v. 06.02.2013 – VI­II ZR 374/11, NJW 2013, 1365 Rn. 16). Viel­mehr ist die Pflicht­ver­let­zung des Ver­käu­fers in der Re­gel auch dann nicht i. S. des § 323 V 2 BGB un­er­heb­lich, wenn sich die Kauf­sa­che nicht für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung eig­net.
  5. Ob die Pflicht­ver­let­zung des Ver­käu­fers, der dem Käu­fer ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nes Fahr­zeug ge­lie­fert hat, i. S. des § 323 V 2 BGB un­er­heb­lich ist, darf nicht mit Blick auf die Kos­ten und den Auf­wand für die Nach­bes­se­rung ei­nes ein­zel­nen Fahr­zeugs be­stimmt wer­den.

LG Bonn, Ur­teil vom 07.10.2016 – 15 O 41/16

Sach­ver­halt: Der Be­klag­te schloss im Ju­ni 2014 mit der Volks­wa­gen Lea­sing GmbH ei­nen von der Klä­ge­rin ver­mit­tel­ten Lea­sing­ver­trag über ein VW Golf VI Ca­brio­let. Im drit­ten Quar­tal 2015 ent­schloss er sich, über die Mer­ce­des-Benz-Nie­der­las­sung in N. ein an­de­res Fahr­zeug zu lea­sen und das Ca­brio­let dort – wie es dem Be­klag­ten an­ge­bo­ten wor­den war – zum da­ma­li­gen Markt­preis von 27.050 € in Zah­lung zu ge­ben.

Vor die­sem Hin­ter­grund kam der Be­klag­te mit der Klä­ge­rin über­ein, dass er – der Be­klag­te – das Ca­brio­let kau­fen wer­de, um es an­schlie­ßend in Zah­lung ge­ben und so ei­nen Fahr­zeug­wech­sel vor­neh­men zu kön­nen. Die Klä­ge­rin er­warb des­halb von der Volks­wa­gen Lea­sing GmbH das Ei­gen­tum an dem Ca­brio­let und ver­kauf­te das Fahr­zeug an­schlie­ßend mit Ver­trag vom 04.09.2015 zum Preis von 26.982,55 € brut­to an den Be­klag­ten.

In der zwei­ten Sep­tem­ber­hälf­te des Jah­res 2015 er­lang­te der Be­klag­te Kennt­nis da­von, dass das Ca­brio­let mit ei­nem vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Mo­tor des Typs EA189 aus­ge­stat­tet ist. In dem Fahr­zeug kommt ei­ne Soft­ware zum Ein­satz, die er­kennt, ob sich das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand be­fin­det, und in die­sem Fall den Aus­stoß von Stick­oxi­den (NOX) der­ge­stalt ver­rin­gert, dass die ein­schlä­gi­gen Grenz­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den. Die Mer­ce­des-Benz-Nie­der­las­sung in N. teil­te dem Be­klag­ten An­fang Ok­to­ber 2015 mit, dass sie an­ge­sichts die­ses Man­gels das Ca­brio­let nicht zum ur­sprüng­lich ver­ein­bar­ten Preis, son­dern nur noch zu ei­nem Preis von 20.500 € in Zah­lung neh­men kön­ne.

Der Be­klag­te for­der­te die Klä­ge­rin dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 22.10.2015 un­ter Frist­set­zung bis zum 20.11.2015 zur Män­gel­be­seit­l­gung auf und er­klär­te zu­dem am 29.10.2015, dass er hin­sicht­lich des Kauf­prei­ses ein Zu­rück­be­hal­tungs­recht aus­übe. Die Klä­ge­rin for­der­te ih­rer­seits vom Be­klag­ten am 30.​11.​20.​15 die Zah­lung des Kauf­prei­ses. Sie führ­te aus, dass ei­ne Um­set­zung der er­for­der­li­chen tech­ni­schen Maß­nah­men zur Be­he­bung der Pro­ble­ma­tik zwar vor­be­rei­tet wer­de, sich aber zu die­sem Zeit­punkt noch in der Er­ar­bei­tung be­fin­de. Mit Schrei­ben vom 10.12.2015 er­klär­te der Be­klag­te den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag und ver­wei­ger­te die Zah­lung des Kauf­prei­ses.

Die Klä­ge­rin ist der An­sicht, dass dem Be­klag­ten kein Rück­tritts­recht zu­ste­he und er des­halb den Kauf­preis zu zah­len ha­be. Das Ca­brio­let sei schon nicht man­gel­haft, da es trotz der Soft­ware, die den Stick­oxid­aus­stoß op­ti­mie­re, tech­nisch si­cher und un­ein­ge­schränkt fahr­be­reit sei. Ins­be­son­de­re ver­fü­ge es über al­le er­for­der­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen; von ei­nem Zu­las­sungs­ent­zug sei bis zu ei­ner Über­ar­bei­tung des Fahr­zeugs durch die Her­stel­le­rin nicht aus­zu­ge­hen. Ein er­höh­ter NOX-Aus­stoß sei in Er­man­ge­lung ge­setz­li­cher Re­ge­lun­gen über Emis­si­ons­gren­zen im re­gu­lä­ren Fahr­be­trieb ir­re­le­vant. Dar­über hin­aus sei – was zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig ist – ein Soft­ware­up­date für das Fahr­zeug seit dem 30.08.2016 frei­ge­ge­ben. Das Auf­spie­len die­ses Up­dates ist al­ler­dings aus Sicht der Klä­ge­rin kei­ne Nach­bes­se­rung, son­dern le­dig­lich Aus­fluss der un­ter­neh­mens­po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung der Fahr­zeug­her­stel­le­rin.

Soll­te das Ca­bio­let gleich­wohl man­gel­haft sein – so meint die Klä­ge­rin wei­ter –, dann sei der ihm an­haf­ten­de Man­gel je­den­falls nicht er­heb­lich . Zur voll­stän­di­gen Man­gel­be­sei­ti­gung sei näm­lich le­dig­lich das be­sag­te Soft­ware­up­date er­for­der­lich, des­sen Im­ple­men­tie­rung mit ei­nem Kos­ten­auf­wand von deut­lich we­ni­ger als 100 € und ei­nem Zeit­auf­wand von le­dig­lich ei­ner hal­ben Stun­de ver­bun­den sei. Ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den Kraft­stoff­ver­brauch, die CO2-Emis­sio­nen und die Mo­tor­leis­tung ha­be das Up­date nicht; ein Wert­ver­lust des Fahr­zugs sei aus­ge­schlos­sen.

Schließ­lich steht die Klä­ge­rin auf dem Stand­punkt, dass der Be­klag­te ihr ei­ne un­an­ge­mes­sen kur­ze Frist zur Nach­er­fül­lung ge­setzt ha­be. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist ha­be zu be­rück­sich­ti­gen, dass die zur Ab­hil­fe not­wen­di­gen tech­ni­schen Maß­nah­men nur nach ent­spre­chen­der In­struk­ti­on durch die – eng mit dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt ko­ope­rie­ren­den – Fahr­zeug­her­stel­le­rin vor­ge­nom­men wer­den könn­ten und des­halb an­ge­sichts der Grö­ßen­ord­nung der zu er­war­ten­den Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gen ei­ne Ge­samt­ko­or­di­na­ti­on und ein ab­ge­stimm­ter Zeit­plan nö­tig sei­en.

Die auf Zah­lung von 26.982,55 € nebst Zin­sen ge­rich­te­te Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: Die … Kla­ge ist un­be­grün­det. Der Kauf­preis­an­spruch der Klä­ge­rin ge­mäß § 433 II BGB ist in­fol­ge des Rück­tritts des Be­klag­ten vom Kauf­ver­trag er­lo­schen.

I. Die Par­tei­en ha­ben sich mit Ver­trag vom 04.09.2015 über den Kauf des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kfz zu ei­nem Brut­to­kauf­preis von 26.982,55 € ge­ei­nigt.

II. Der Be­klag­te hat durch sei­ne Rück­tritts­er­klä­rung vom 10.12.2015 die­ses Ver­trags­ver­hält­nis in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis ge­mäß §§ 346 ff. BGB ge­wan­delt. Der Be­klag­te üb­te hier­durch sein Rück­tritts­recht ge­mäß §§ 437 Nr. 2 Fall 1, 434, 323 BGB aus.

III. Ein den Rück­tritt be­grün­den­der Sach­man­gel liegt zum ei­nen in dem Ver­stoß ge­gen die Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung, nach wel­cher dem Be­klag­ten ei­ne kurz­fris­ti­ge Wei­ter­ver­äu­ße­rung des Kfz hät­te mög­lich sein sol­len, und zum an­de­ren in der Aus­stat­tung des Kfz mit der im so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal ge­nutz­ten Soft­ware.

1. Ein Sach­man­gel des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kfz liegt be­reits auf­grund der nicht vor­han­de­nen Eig­nung für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung i. S. des § 434 I 2 Nr. 1 BGB vor. Die­ser von den Par­tei­en vor­aus­ge­setz­te Zweck kann auch in ei­nem Wei­ter­ver­kauf der Sa­che zu se­hen sein (Be­ckOK-BGB/Faust, 40. Edi­ti­on [2014], § 434 Rn. 51).

Hin­ter­grund des Kauf­ver­trags­schlus­ses zwi­schen den Par­tei­en war die ge­gen­über der Klä­ge­rin ge­äu­ßer­te Ab­sicht des Be­klag­ten, dass er ei­nen Fahr­zeug­wech­sel an­stre­be und den Lea­sing­ver­trag hier­zu durch Kauf des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kfz be­en­den wol­le. Zu die­sem Zweck war bei­den Par­tei­en je­den­falls kon­klu­dent be­wusst, dass der Kauf des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs nicht da­zu dien­te, dass der Be­klag­te das Kfz als sol­ches zur Fort­be­we­gung im Stra­ßen­ver­kehr nut­zen wer­de, son­dern da­zu, es gleich­sam als Mit­tels­mann kurz­fris­tig wei­ter­ver­äu­ßern zu kön­nen.

Die­ser ge­plan­ten Wei­ter­ver­äu­ße­rung stand die Aus­stat­tung des Kfz mit der im so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal ge­nutz­ten Soft­ware ent­ge­gen. Weil das Fahr­zeug erst am 30.08.2016 ei­nem Soft­ware­up­date hät­te un­ter­zo­gen wer­den kön­nen, um auch lang­fris­tig den Auf­la­gen des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes zu ge­nü­gen und nicht dem Ri­si­ko des Ver­lusts der all­ge­mei­nen Be­triebs­er­laub­nis aus­ge­setzt zu wer­den, wies es zu die­sem Zeit­punkt ei­nen Man­gel auf, auf­grund des­sen sich die Wei­ter­ver­äu­ße­rung je­den­falls zu dem von den Par­tei­en be­stimm­ten Markt­preis er­schwer­te.

2. Der die Wei­ter­ver­äu­ße­rung hin­dern­de Man­gel – auf­grund des­sen Vor­lie­gens al­lei­ne schon ein den Rück­tritt recht­fer­ti­gen­der Man­gel be­steht – ist in der Aus­stat­tung des Kfz mit der im so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal ge­nutz­ten Soft­ware zu er­ken­nen. Ein mit der ge­nann­ten Soft­ware aus­ge­stat­te­tes Kfz, das zwar zum Zeit­punkt des Kaufs und bis zu ei­ner für ei­nen spä­ter Zeit­punkt an­ge­setz­ten Nach­er­fül­lung über al­le er­for­der­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen ver­fügt und von ei­nem Zu­las­sungs­ent­zug bis zu ei­ner Über­ar­bei­tung durch den Her­stel­ler nicht be­droht ist, ge­nügt den­noch nicht der nach ob­jek­ti­ven Maß­stä­ben zu be­stim­men­den Eig­nung zur ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung und weist nicht ei­ne Be­schaf­fen­heit auf, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB). Ein Soft­ware­pro­blem, das zu ei­ner für den Käu­fer letzt­lich nicht fa­kul­ta­ti­ven Rück­ruf­ak­ti­on führt, weil sie dem Er­halt der Zu­las­sungs­fä­hig­keit des Kfz dient, be­grün­det die Man­gel­haf­tig­keit des Kfz. Von ei­nem Man­gel in die­sem Sin­ne muss aus­ge­gan­gen wer­den, so­weit nicht ge­si­chert ist, dass die all­ge­mei­ne Be­triebs­er­laub­nis des Kfz nicht auch oh­ne die Im­ple­men­tie­rung des vor­zu­neh­men­den Soft­ware­up­dates im Rah­men des vom Her­stel­ler vor­ge­se­he­nen Nach­er­fül­lungs­plans er­hal­ten bleibt (vgl. LG Fran­ken­thal, Urt. v. 12.05.2016 – 8 O 208/15, BeckRS 2016, 08996).

3. Dar­über hin­aus liegt … al­lein auf­grund der Tat­sa­che, dass die ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen und im tech­ni­schen Da­ten­blatt des Kfz auf­ge­nom­me­nen Ab­gas­wer­te nicht ein­ge­hal­ten wer­den , weil ei­ne Soft­ware im Kfz in­stal­liert wor­den ist, die über den NOX-Aus­stoß un­ter rea­len Be­din­gun­gen täuscht, ein Man­gel i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB vor (vgl. LG Müns­ter, Urt. v. 14.03.2016 – 011 O 341/15, BeckRS 2016, 06090; LG Bo­chum, Urt. v. 16.03.2016 – I?2 O 425/15, BeckRS 2016, 05964; LG Mün­chen I, Urt. v. 14.04.2016 – 23 O 23033/15, BeckRS 2016, 10952; LG Dort­mund, Urt. v. 12.05.2016 – 25 O 6/16, BeckRS 2016, 12836; LG Pa­der­born, Urt. v. 09.06.2016 – 3 O 23/16, BeckRS 2016, 13271).

4. Vor die­sem Hin­ter­grund kann da­hin­ste­hen, ob auch al­lein auf­grund des be­klag­ten­seits ge­äu­ßer­ten Ver­dachts, dass das be­ab­sich­tig­te Soft­ware­up­date ent­we­der nicht er­folg­reich sein oder zu Fol­ge­män­geln füh­ren wer­de, ein Man­gel zu er­bli­cken ist (so al­ler­dings LG Kre­feld, Urt. v. 14.09.2016 – 2 O 72/16, BeckRS 2016, 16674).

IV. Der Be­klag­te hat der Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 22.10.2015 un­ter Frist­set­zung bis zum 20.11.2015 er­folg­los ei­ne ge­mäß § 323 I BGB an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung be­stimmt. So­weit die Par­tei­en kei­ne Ab­spra­che über die Dau­er der Frist zur Nach­er­fül­lung ge­trof­fen ha­ben, be­ur­teilt sich die Be­mes­sung der An­ge­mes­sen­heit der Frist nach ob­jek­ti­ven Maß­stä­ben. Das Ge­richt hat sich bei de­ren Be­stim­mung von den Ge­ge­ben­hei­ten des Ein­zel­falls und ins­be­son­de­re den er­kenn­ba­ren Par­tei­in­ter­es­sen lei­ten zu las­sen. Ei­ne ab­so­lu­te Ober­gren­ze der an­ge­mes­se­nen Dau­er dürf­te all­ge­mein kaum be­stimm­bar sein. Klau­sel­recht­li­che Wer­tun­gen, nach de­nen et­wa im Rah­men von § 308 BGB Nach­bes­se­rungs­fris­ten von mehr als sechs Wo­chen oder mehr als zwei Mo­na­ten als Ver­stoß ge­gen ei­ne grund­sätz­li­che ge­setz­ge­be­ri­sche Wer­tung an­zu­se­hen sei­en (vgl. LG Mün­chen I, Urt. v. 14.04.2016 – 23 O 23033/15, BeckRS 2016, 10952), dürf­ten für die Be­wer­tung der An­ge­mes­sen­heit von Fris­ten im Rah­men von Se­kun­där­an­spru­chen, die im kon­kre­ten Fall kei­ner Re­ge­lung durch All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen un­ter­lie­gen, au­ßen vor blei­ben.

1. Ist die kauf­ver­trag­li­che Leis­tung für den Be­klag­ten durch die pünkt­li­che Leis­tung der Klä­ge­rin auf­grund ei­ner be­son­de­ren Dring­lich­keit im Hin­blick auf die Wei­ter­ver­wer­tung der Kauf­sa­che ge­kenn­zeich­net, kann die­ses In­ter­es­se hö­her zu be­wer­ten sein als das In­ter­es­se der Klä­ge­rin an der nach­träg­li­chen Er­brin­gung der man­gel­frei­en Leis­tung. Dies kann im Ein­zel­fall ei­ne kür­ze­re Nach­er­fül­lungs­frist recht­fer­ti­gen .(vgl. MünchKomm-BGB/Ernst, 7. Aufl. [2016], § 323 Rn. 72). Nichts­des­to­trotz ist auf­sei­ten der Klä­ge­rin zu be­ach­ten und ihr für die Be­stim­mung der An­ge­mes­sen­heit der Frist zu­zu­ge­ste­hen, dass sie nicht in der La­ge ist, das avi­sier­te Soft­ware­up­date selbst durch­zu­füh­ren, und in­so­fern auf ei­ne Leis­tung des Her­stel­lers an­ge­wie­sen ist, die ih­rer­seits in An­be­tracht der er­heb­li­chen An­zahl der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge ei­nen er­heb­li­chen lo­gis­ti­schen Auf­wand er­for­dert (vgl. LG Müns­ter, Urt. v. 14.03.2016 – 011 O 341/15, BeckRS 2016, 06090).

2. So­weit sich die Par­tei­en dar­auf ge­ei­nigt ha­ben, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Kfz le­dig­lich zum Wei­ter­ver­kauf durch den Be­klag­ten er­wor­ben wird, mag zwar die zu­nächst ge­setz­te Frist von un­ge­fähr ei­nem Mo­nat durch den Be­klag­ten in An­be­tracht des er­heb­li­chen hin­ter der Nach­er­fül­lung ste­hen­den Ver­wal­tungs­auf­wands des Her­stel­lers so­mit zu kurz be­mes­sen sein. Ei­ne der­art zu kurz be­mes­se­ne Frist setzt al­ler­dings ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist in Gang (BGH, Urt. v. 12.08.2009 – VI­II ZR 254/08, NJW 2009, 3153 Rn. 11 m. w. Nachw.). Vor dem Hin­ter­grund, dass für den Be­klag­ten je­den­falls bis zur Er­brin­gung der Nach­er­fül­lung La­ger- und In­stand­hal­tungs­kos­ten für ein Kfz an­fal­len, das er nach der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dung im Stra­ßen­ver­kehr nicht nut­zen woll­te, dürf­te ei­ne Frist, die ein hal­bes Jahr [wohl: nicht] über­steigt, je­den­falls an­ge­mes­sen sein (so i. E. auch LG Mün­chen I, Urt. v. 14.04.2016 – 23 O 23033/15, BeckRS 2016, 10952). Zu­dem ist zu be­ach­ten, dass der Klä­ger ge­ra­de auch auf­grund des zu­nächst nicht kon­kre­ti­sier­ten Nach­er­fül­lungs­ter­mins über ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Zeit­raum in sei­ner Dis­po­si­ti­on hin­sicht­lich des Kfz be­ein­träch­tigt war.

V. Der zum Rück­tritt be­rech­ti­gen­de Man­gel ist zu­dem nicht un­er­heb­lich i. S. des § 323 V 2 BGB. Auch die Be­stim­mung der Er­heb­lich­keit des Man­gels hängt von ei­ner um­fas­sen­den In­ter­es­sen­ab­wä­gung auf Grund­la­ge der Um­stän­de des Ein­zel­falls ab, wo­bei ins­be­son­de­re der für die Man­gel­be­sei­ti­gung er­for­der­li­che Auf­wand· zu be­rück­sich­ti­gen ist (vgl. MünchKomm-BGB/Ernst, a. a. O., § 323 Rn. 248 ff.).

1. Der Fra­ge, ob ei­ne voll­stän­di­ge Man­gel­be­sei­ti­gung mit dem von der Klä­ge­rin be­haup­te­ten fi­nan­zi­el­len Auf­wand von we­ni­ger als 100 € und dem zeit­li­chen Ein­satz von ei­ner hal­ben Stun­de tat­säch­lich zu be­werk­stel­li­gen ist, muss­te das Ge­richt im Rah­men der Be­ur­tei­lung der Er­heb­lich­keit des Man­gels nicht nach­ge­hen (so al­ler­dings LG Müns­ter, Urt. v. 14.03.2016 – 011 O 341/15, BeckRS 2016, 06090; LG Bo­chum, Urt. v. 16.03.2016 – I?2 O 425/15, BeckRS 2016, 05964LG Dort­mund, Urt. v. 12.05.2016 – 25 O 6/16, BeckRS 2016, 12836).

2. Ei­ne der­ar­ti­ge Er­heb­lich­keit wird im Fall ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung ge­mäß § 434 I 1 BGB hin­sicht­lich der Kauf­sa­che in­di­ziert (BGH, Urt. v. 06.02.2013 – VI­II ZR 374/11, NJW 2013, 1365 Rn. 16). Die­se Über­le­gung hat in glei­chem Ma­ße für die ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­te Ver­wen­dung ge­mäß § 434 I 2 Nr. 1 BGB Platz zu grei­fen, die vor­lie­gend – wie ge­se­hen – in der kurz­fris­ti­gen Wei­ter­ver­kaufs­mög­lich­keit zum Markt­wert zu se­hen ist. Denn so­bald die Par­tei­en die Ver­wen­dung der Kauf­sa­che für ei­nen be­stimm­ten Zweck in dem Mä­ße her­vor­he­ben, dass sie bei Feh­len der vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dungs­mög­lich­keit als sach­man­gel­be­haf­tet gilt, er­gibt re­gel­mä­ßig be­reits die Par­tei­ab­re­de, dass die man­geln­de Ver­wen­dungs­eig­nung auch ei­nen er­heb­li­chen Sach­man­gel kon­sti­tu­iert. Um­stän­de, auf­grund de­rer trotz der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Ver­wen­dung die man­geln­de Eig­nung zum Wei­ter­ver­kauf nicht als er­heb­li­cher Man­gel zu be­wer­ten ist, sind we­der dar­ge­legt noch sonst dem Ge­richt er­sicht­lich.

3. Dar­über hin­aus zeigt sich die Er­heb­lich­keit des Man­gels auch durch den er­heb­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand sei­tens des Her­stel­lers im Vor­feld der – le­dig­lich klä­ger­seits be­haup­te­ten – kur­zen und kos­ten­güns­ti­gen Nach­er­fül­lung. Wie das LG Mün­chen I (Urt. v. 14.04.2016 – 23 O 23033/15, BeckRS 2016, 10952) zu Recht an­merkt, darf der Auf­wand der Man­gel­be­sei­ti­gung nicht durch ei­ne iso­lier­te Be­trach­tung der ei­gent­li­chen Nach­er­fül­lungs­hand­lung be­stimmt wer­den, wenn ihr ein er­heb­li­cher Vor­be­rei­tungs­sauf­wand in Form lo­gis­ti­scher Tä­tig­keit und be­hörd­li­cher Ko­ope­ra­ti­on vor­aus­geht …

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