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Tag: gut­gläu­bi­ger Er­werb

Bös­gläu­bi­ger „Er­werb“ ei­nes Wohn­mo­bils – Vor­la­ge ei­ner ge­fälsch­ten Voll­machts­ur­kun­de

Es ge­hört re­gel­mä­ßig zu den Min­des­ter­for­der­nis­sen für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs nach §§ 929, 935 BGB, dass sich der Er­wer­ber die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Wird dem Er­wer­ber ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II vor­ge­legt, so tref­fen ihn, so­fern er die Fäl­schung nicht er­ken­nen muss­te und für ihn auch kei­ne an­de­ren Ver­dachts­mo­men­te vor­la­gen, kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten (im An­schluss an BGH, Urt. v. 23.09.2022 – V ZR 148/21, ju­ris Rn. 16). Nichts an­de­res kann für die Vor­la­ge ei­ner ge­fälsch­te Voll­machts­ur­kun­de gel­ten; al­ler­dings schützt § 932 BGB nicht den gu­ten Glau­ben an die Ver­tre­tungs­macht des Ver­äu­ße­rers.

LG It­ze­hoe, Ur­teil vom 13.06.2024 – 6 O 7/24

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Scha­dens­er­satz we­gen Ver­äu­ße­rung ei­nes frem­den Ge­braucht­wa­gens an ei­nen Gut­gläu­bi­gen

Der Be­sit­zer ei­nes Kraft­fahr­zeugs war beim Er­werb des Be­sit­zes dann nicht in gu­tem Glau­ben i. S. von § 990 I 1 BGB, wenn ihm be­kannt oder in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt war, dass er ge­gen­über dem Ei­gen­tü­mer nicht zum Be­sitz be­rech­tigt ist. Grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis er­for­dert da­bei, dass der Be­sit­zer die im Ver­kehr er­for­der­li­che Sorg­falt in be­son­ders ho­hem Ma­ße ver­letzt und das­je­ni­ge un­be­ach­tet ge­las­sen hat, was sich im ge­ge­be­nen Fall je­dem hät­te auf­drän­gen müs­sen (vgl. BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, ju­ris Rn. 11 [zu § 932 II BGB]). Für ihn muss­te al­so auch bei nur durch­schnitt­li­chem Merk- und Er­kennt­nis­ver­mö­gen oh­ne be­son­ders ho­he Auf­merk­sam­keit und be­son­ders gründ­li­che Über­le­gung das Feh­len ei­nes Be­sitz­rechts zu er­ken­nen ge­we­sen sein. In­so­weit ist ein ob­jek­ti­ver Maß­stab an­zu­le­gen, doch kön­nen in­di­vi­du­el­le Kennt­nis­se, Er­fah­run­gen und Fä­hig­kei­ten des Be­sit­zer­wer­bers zu ei­ner Ver­schär­fung der An­for­de­run­gen an die ge­bo­te­ne Sorg­falt füh­ren.

LG Hal­le, Ur­teil vom 12.12.2023 – 4 O 92/23

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Kein gut­gläu­bi­ger Er­werb des Ei­gen­tums an ei­nem Lam­bor­ghi­ni

  1. Es ge­hört re­gel­mä­ßig zu den Min­des­ter­for­der­nis­sen für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs, dass sich der Er­wer­ber die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (frü­her: Kraft­fahr­zeug­brief) vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Kommt der Er­wer­ber die­ser Ob­lie­gen­heit nach und wird ihm ei­ne ge­fälsch­te Be­schei­ni­gung vor­ge­legt, tref­fen ihn, so­fern er die Fäl­schung nicht er­ken­nen muss­te und für ihn auch kei­ne an­de­ren Ver­dachts­mo­men­te vor­la­gen, kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten (im An­schluss an BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 13 f.; eben­so BGH, Urt. v. 23.09.2022 – V ZR 148/21, ju­ris Rn. 16).
  2. Der Ver­kauf ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs „auf der Stra­ße“ ge­bie­tet für den Käu­fer be­son­de­re Vor­sicht, weil er – für den Käu­fer er­kenn­bar – er­fah­rungs­ge­mäß das Ri­si­ko der Ent­de­ckung ei­nes ge­stoh­le­nen Fahr­zeugs min­dert. Ein Stra­ßen­ver­kauf führt aber als sol­cher noch nicht zu wei­ter­ge­hen­den Nach­for­schungs­pflich­ten des Käu­fers, wenn er sich für ihn als nicht wei­ter auf­fäl­lig dar­stellt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 15 m. w. Nachw.).
  3. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für den feh­len­den gu­ten Glau­ben des Er­wer­bers trägt der­je­ni­ge, der den Ei­gen­tums­er­werb be­strei­tet. Der Ge­setz­ge­ber hat die feh­len­de Gut­gläu­big­keit im Ver­kehrs­in­ter­es­se be­wusst als Aus­schlie­ßungs­grund aus­ge­stal­tet. Des­halb muss der­je­ni­ge, der sich auf ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb be­ruft, die Er­werbs­vor­aus­set­zun­gen des § 929 BGB be­wei­sen, nicht aber sei­ne Gut­gläu­big­keit (im An­schluss an BGH, Urt. v. 23.09.2022 – V ZR 148/21, ju­ris Rn. 14).

OLG Ol­den­burg, Ur­teil vom 27.03.2023 – 9 U 52/22

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(Kein) Ab­han­den­kom­men ei­nes für ei­ne Pro­be­fahrt über­las­se­nen Kfz

  1. Ein Kraft­fahr­zeug kommt dem Ei­gen­tü­mer nicht i. S. von § 935 I 1 BGB ab­han­den, wenn er es ei­nem ver­meint­li­chen Kauf­in­ter­es­sen­ten für ei­ne ein­stün­di­ge un­be­glei­te­te Pro­be­fahrt auf öf­fent­li­chen Stra­ßen über­lässt und das Fahr­zeug nicht durch ei­ner Be­glei­tung ver­gleich­ba­re tech­ni­sche Vor­keh­run­gen ge­si­chert ist (im An­schluss an BGH, Urt. v. 18.09.2020 – V ZR 8/19, ju­ris Rn. 10).
  2. Die durch die Im­ple­men­tie­rung von SIM-Kar­ten er­öff­ne­te Mög­lich­keit, das Fahr­zeug zu or­ten, ist je­den­falls dann kei­ne ei­ner Be­glei­tung ver­gleich­ba­re tech­ni­sche Vor­rich­tung zur Si­che­rung des Fahr­zeugs, wenn nicht der Fahr­zeug­ei­gen­tü­mer selbst das Fahr­zeug or­ten kann, son­dern dies nur der Po­li­zei im Zu­sam­men­wir­ken mit dem Fahr­zeug­her­stel­ler mög­lich ist.
  3. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass der Er­wer­ber ei­nes Kraft­fahr­zeugs nicht in gu­tem Glau­ben (§ 935 II BGB) war, trifft den­je­ni­gen, der sich dar­auf be­ruft. Al­ler­dings hat der Er­wer­ber re­gel­mä­ßig ei­ne so­ge­nann­te se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last hin­sicht­lich der Vor­la­ge und Prü­fung der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief): Er muss vor­tra­gen, wann, wo und durch wen ihm die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II vor­ge­legt wur­de und dass er sie über­prüft hat. Es ist dann Sa­che des Geg­ners zu be­wei­sen, dass die­se An­ga­ben nicht zu­tref­fen.

OLG Cel­le, Ur­teil vom 12.10.2022 – 7 U 974/21

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Gut­gläu­bi­ger Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs

Be­ruft sich der Er­wer­ber ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs auf den gut­gläu­bi­gen Er­werb, trägt der­je­ni­ge, der den gu­ten Glau­ben in Ab­re­de stellt, die Be­weis­last da­für, dass der Er­wer­ber sich die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II zur Prü­fung der Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers nicht hat vor­le­gen las­sen. Den Er­wer­ber trifft al­ler­dings re­gel­mä­ßig ei­ne se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last hin­sicht­lich der Vor­la­ge und Prü­fung der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II.

BGH, Ur­teil vom 23.09.2022 – V ZR 148/21
(vor­an­ge­hend: OLG Stutt­gart, Ur­teil vom 21.07.2021 – 9 U 90/21)

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Dar­le­gungs- und Be­weis­last beim gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes Kraft­fahr­zeugs – Vor­la­ge der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II

  1. Der Er­wer­ber ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs ist al­len­falls dann gut­gläu­big, wenn er sich we­nigs­tens die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Denn kann der Ver­äu­ße­rer ei­nes Ge­braucht­wa­gens die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II nicht vor­le­gen, ist je­den­falls ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en dar­auf, dass er Ei­gen­tü­mer des Fahr­zeugs oder sonst be­rech­tigt sei, dar­über zu ver­fü­gen, nicht ge­recht­fer­tigt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 13.04.1994 – II ZR 196/93, NJW 1994, 2022, 2023; Urt. v. 13.05.1996 – II ZR 222/95, NJW 1996, 2226, 2227). Das gilt auch, wenn ein ge­brauch­tes Fahr­zeug von ei­nem Kraft­fahr­zeug­händ­ler im Rah­men sei­nes Ge­schäfts­be­triebs ver­äu­ßert wird. In ei­nem sol­chen Fall ist der Er­wer­ber aber wohl nicht schon des­halb bös­gläu­big (§ 932 II BGB), weil der Händ­ler nicht als Hal­ter des Fahr­zeugs in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ein­ge­tra­gen ist (vgl. BGH, Urt. v. 01.07.1987 – VI­II ZR 331/86, NJW-RR 1987, 1456, 1457).
  2. Dem Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens kommt die Ver­mu­tung, dass er Ei­gen­tü­mer des Fahr­zeugs sei (§ 1006 I 1 BGB), schon dann zu­gu­te, wenn er sei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­sitz an dem Fahr­zeug nach­weist und die Rechts­be­haup­tung auf­stellt, des­sen Ei­gen­tü­mer zu sein. Der Er­wer­ber ist grund­sätz­lich nicht ver­pflich­tet dar­zu­le­gen, wie er den Ei­gen­be­sitz und das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug kon­kret er­langt hat. Ihn kann al­len­falls ei­ne se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last tref­fen, wenn sich der frag­li­che Ei­gen­tums­wech­sel in sei­ner Sphä­re ab­ge­spielt hat.
  3. Der­je­ni­ge, der ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb be­strei­tet, trägt die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass der Er­wer­ber bös­gläu­big war. Des­halb muss nicht der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen, dass er sich vom Ver­äu­ße­rer die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II hat vor­le­gen las­sen, son­dern der­je­ni­ge, der ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb in Ab­re­de stellt, muss dar­le­gen und im Be­strei­tens­fall be­wei­sen, dass die Vor­la­ge der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II un­ter­blie­ben ist (im An­schluss an OLG Braun­schweig, Beschl. v. 02.01.2019 – 9 U 32/18, BeckRS 2019, 814 Rn. 40 f.; a. A. KG, Beschl. v. 22.05.2014 – 8 U 114/13, ju­ris Rn. 18). Der Er­wer­ber hat in­so­weit al­len­falls ei­ne se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last.
  4. Ob­wohl der Ver­äu­ße­rer ei­nes Ge­braucht­wa­gens im Be­sitz des Fahr­zeugs und der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ist, kann der Er­wer­ber bös­gläu­big (§ 932 II BGB) sein, näm­lich dann, wenn be­son­de­re Um­stän­de sei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten und er die­se un­be­ach­tet lässt (im An­schluss an BGH, Urt. v. 23.05.1966 – VI­II ZR 60/64, WM 1966, 678 = ju­ris Rn. 10). Für sol­che Um­stän­de trägt der­je­ni­ge die Dar­le­gungs- und Be­weis­last, der ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb des Fahr­zeugs in Ab­re­de stellt. Sie lie­gen je­den­falls beim Er­werb ei­nes Ge­braucht­wa­gens von ei­nem Kraft­fahr­zeug­händ­ler nicht per se des­halb vor, weil dem Er­wer­ber ei­ne (hier: ge­fälsch­te) Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II zwar vor­ge­legt, aber nicht aus­ge­hän­digt wird.

OLG Stutt­gart, Ur­teil vom 21.07.2021 – 9 U 90/21
(nach­fol­gend: BGH, Ur­teil vom 23.09.2022 – V ZR 148/21)

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(Kein) gut­gläu­bi­ger Er­werb ei­nes Kraft­fahr­zeugs nach nie­der­län­di­schem Recht

Der Er­wer­ber ei­nes Kraft­fahr­zeugs ist nach nie­der­län­di­schem Recht nicht in gu­tem Glau­ben, wenn er sich zwar die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen lässt, aber zahl­rei­che be­son­de­re Um­stän­de, die sei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten (u. a. Hö­he des Kauf­prei­ses, Über­ga­be nur ei­nes Fahr­zeug­schlüs­sels), un­be­ach­tet lässt.

OLG Ham­burg, Ur­teil vom 15.01.2021 – 8 U 129/19
(vor­an­ge­hend: LG Ham­burg, Ur­teil vom 19.09.2019 – 326 O 156/18)

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Auf­tre­ten des Ver­äu­ße­rers ei­nes Ge­braucht­wa­gens un­ter dem aus den Fahr­zeug­pa­pie­ren er­sicht­li­chen Na­men

  1. Dass der Ver­äu­ße­rer ei­nes Ge­braucht­wa­gens un­ter dem aus den Fahr­zeug­pa­pie­ren er­sicht­li­chen Na­men auf­tritt, recht­fer­tigt für sich ge­nom­men nicht die An­nah­me, der Kauf­ver­trag sei mit dem Na­mens­trä­ger zu­stan­de ge­kom­men (im An­schluss an BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 9).
  2. Der Um­stand, dass der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens in der Re­gel bös­gläu­big i. S. von § 932 II BGB ist, wenn er nicht ein­mal in die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) Ein­sicht nimmt, gibt für die Fra­ge, mit wem der Kauf­ver­trag über das Fahr­zeug zu­stan­de ge­kom­men ist, nichts her. Denn dass der Na­me des Ver­äu­ße­rers mit dem in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II an­ge­ge­be­nen Na­men über­ein­stimmt, ist zwar mit Blick auf ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb re­le­vant, aber nicht ent­schei­dend für den Rechts­ge­schäfts­ver­kehr, wenn es dar­um geht, wer mit wem kon­tra­hiert.

OLG Frank­furt a. M., Be­schluss vom 26.11.2020 – 26 U 64/20

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Un­ter­schla­gung ei­nes Kraft­fahr­zeugs wäh­rend Pro­be­fahrt durch ver­meint­li­chen Kauf­in­ter­es­sen­ten

  1. Ein Kauf­in­ter­es­sent, der ei­ne Pro­be­fahrt mit ei­nem Kraft­fahr­zeug un­ter­nimmt, ist nicht Be­sitz­die­ner des Ver­käu­fers.
  2. Die Über­las­sung ei­nes Kraft­fahr­zeugs durch den Ver­käu­fer zu ei­ner un­be­glei­te­ten und auch nicht an­der­wei­tig über­wach­ten Pro­be­fahrt ei­nes Kauf­in­ter­es­sen­ten auf öf­fent­li­chen Stra­ßen für ei­ne ge­wis­se Dau­er (hier: ei­ne Stun­de) ist kei­ne Be­sitz­lo­cke­rung, son­dern führt zu ei­nem frei­wil­li­gen Be­sitz­ver­lust.
  3. Wird das Fahr­zeug in ei­nem sol­chen Fall nicht zu­rück­ge­ge­ben, liegt da­her kein Ab­han­den­kom­men i. S. des § 935 BGB vor.

BGH, Ur­teil vom 18.09.2020 – V ZR 8/19
(vor­an­ge­hend: OLG Frank­furt a. M., Ur­teil vom 17.12.2018 – 15 U 84/18)

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Gut­gläu­bi­ger Er­werb trotz feh­len­dem zwei­ten Fahr­zeug­schlüs­sel

  1. Um dem Vor­wurf der gro­ben Fahr­läs­sig­keit (§ 932 II BGB) zu ent­ge­hen, muss sich der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens zwar min­des­tens die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen las­sen und mit ih­rer Hil­fe die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers prü­fen. Wird dem Er­wer­ber ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II vor­ge­legt, steht das in­des sei­nem gu­ten Glau­ben dann nicht ent­ge­gen, wenn die Fäl­schung nicht auf den ers­ten Blick als sol­che zu er­ken­nen ist, et­wa weil zu ih­rer Her­stel­lung ech­te Blan­ko­for­mu­la­re ver­wen­det wur­den und da­her das ge­fälsch­te Do­ku­ment op­tisch und hap­tisch ei­nem ech­ten ent­spricht. Ein­zel­ne Schreib­feh­ler in der ge­fälsch­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (hier: „stadt B.“, „weis“) än­dern dar­an nichts (vgl. OLG Braun­schweig, Urt. v. 01.09.2011 – 8 U 170/10, BeckRS 2012, 6482).
  2. Je­den­falls ei­nem orts­frem­den Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens muss nicht oh­ne Wei­ters auf­fal­len, dass in den ihm vor­ge­leg­ten Fahr­zeug­pa­pie­ren das Wap­pen der Zu­las­sungs­be­hör­de und de­ren Be­zeich­nung nicht zu­sam­men­pas­sen. Das gilt um­so mehr, wenn der Er­wer­ber sei­ne Auf­merk­sam­keit in ers­ter Li­nie den An­ga­ben zum Hal­ter des Fahr­zeugs und der ein­ge­tra­ge­nen Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer wid­met.
  3. Dass er nur ei­nen Fahr­zeug­schlüs­sel er­hält, ist muss den Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens dann nicht miss­trau­isch ma­chen, wenn der Ver­äu­ße­rer vor­gibt, über ei­nen zwei­ten Schlüs­sel zu ver­fü­gen und die­sen dem Er­wer­ber nach­zu­lie­fern. An­ders kann es lie­gen, wenn der Ver­äu­ße­rer an­gibt, er ha­be kei­nen zwei­ten Fahr­zeug­schlüs­sel.
  4. Wer ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb des Ei­gen­tums (hier: nach § 929 Satz 1, § 932 I 1, II BGB) be­strei­tet, hat die tat­säch­li­chen Um­stän­de dar­zu­le­gen und ge­ge­be­nen­falls zu be­wei­sen, die die Bös­gläu­big­keit des Er­wer­bers be­grün­den. Der Be­strei­ten­de darf sich des­halb hin­sicht­lich des Er­werbs­vor­gangs nicht ge­mäß § 138 IV ZPO mit Nicht­wis­sen er­klä­ren.

LG Bonn, Ur­teil vom 30.08.2019 – 10 O 448/18
(nach­fol­gend: OLG Köln, Be­schluss vom 07.04.2020 – 16 U 233/19)

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