Nach ei­nem Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ist Er­fül­lungs­ort für sämt­li­che Rück­ge­währan­sprü­che – al­so auch für den An­spruch des Käu­fers auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses – ein­heit­lich der Ort, an dem sich die Kauf­sa­che zur Zeit des Rück­tritts ver­trags­ge­mäß be­fin­det.

OLG Schles­wig, Ur­teil vom 04.09.2012 – 3 U 99/11

Sach­ver­halt: Der Klä­ger macht An­sprü­che nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag über ei­nen Ge­braucht­wa­gen gel­tend.

Im März 2011 er­warb der in P. wohn­haf­te Klä­ger von der Be­klag­ten, die in B. ei­nen ge­werb­li­chen Au­to­han­del be­treibt, ei­nen Pkw VW Tou­ran zu ei­nem Ge­samt­kauf­preis von 20.890 €. Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 29.06.2011 er­klär­te der Klä­ger den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Er hat be­haup­tet, das Fahr­zeug wei­se ei­nen mas­si­ven nicht be­heb­ba­ren Un­fall­scha­den auf. Mit sei­ner Kla­ge hat der Klä­ger Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ab­züg­lich ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung von 400 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs, Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs und vor­ge­richt­li­che An­walts­kos­ten ver­langt.

Die Be­klag­te hat die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Kiel ge­rügt und be­haup­tet, das Fahr­zeug sei als Un­fall­wa­gen ver­kauft wor­den; der Un­fall­scha­den sei kei­nes­wegs „mas­siv“.

Das LG Kiel hat die Kla­ge man­gels ört­li­cher Zu­stän­dig­keit als un­zu­läs­sig ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, der Klä­ger kön­ne sich nicht auf den be­son­de­ren Ge­richts­stand des Er­fül­lungs­or­tes (§ 29 ZPO) be­ru­fen, denn die strei­ti­ge Ver­pflich­tung der Be­klag­ten – Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses – sei nicht im Be­zirk des LG Kiel, son­dern am Ort der ge­werb­li­chen Nie­der­las­sung der Be­klag­ten zu er­fül­len. Ein ab­wei­chen­der Ort für die Leis­tung der Be­klag­ten er­ge­be sich we­der aus ei­ner aus­drück­li­chen oder kon­klu­den­ten Be­stim­mung noch aus den Um­stän­den des Falls, ins­be­son­de­re der Na­tur des Schuld­ver­hält­nis­ses (§ 269 BGB). Die herr­schen­de Mei­nung, nach der im Fal­le des Rück­tritts vom Kauf­ver­trag Er­fül­lungs­ort der Rück­zah­lungs­pflicht i. S. des § 29 ZPO der Ort sei, wo sich der Kauf­ge­gen­stand ver­trags­ge­mäß be­fin­de, sei un­zu­tref­fend. Re­gel­mä­ßig sei bei ge­gen­sei­ti­gen Ver­trä­gen der Leis­tungs­ort für die Ver­pflich­tung je­des Ver­trags­part­ners ge­son­dert zu be­stim­men. Für den Nor­mal­fall ei­ner Zug-um-Zug-Ver­pflich­tung sei dies all­ge­mein an­er­kannt. Es gä­be kei­nen Grund, die Zah­lungs­ver­pflich­tung an­ders zu be­han­deln, wenn sie die Rechts­fol­ge ei­nes Rück­tritts von ei­nem Kauf­ver­trag sei. Das Ar­gu­ment der herr­schen­den Mei­nung, die Be­son­der­heit lie­ge dar­in, dass Leis­tun­gen im Rah­men ei­ner Rück­ab­wick­lung des Ver­trags zu­rück­zu­ge­wäh­ren sei­en, über­zeu­ge nicht, weil kon­se­quen­ter­wei­se dann auch im Fal­le ei­ner An­fech­tung und be­rei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung ein ein­heit­li­cher Leis­tungs­ort an­ge­nom­men wer­den müs­se, was – so­weit er­sicht­lich – aber nie­mand ver­tre­te. Auch bei ei­nem Rück­tritt vor Lie­fe­rung der Kauf­sa­che wer­de als Er­fül­lungs­ort für den Rück­zah­lungs­an­spruch der Sitz des Ver­käu­fers an­ge­nom­men (OLG Ol­den­burg, Urt. v. 14.11.1975 – 6 U 74/75). Dies gel­te un­um­strit­ten auch, wenn der Kauf­preis ganz oder teil­wei­se in Form ei­ner Min­de­rung zu­rück­ver­langt wer­de. Aus dem Ur­teil des BGH vom 09.03.1983 – VI­II ZR 11/82 – lie­ße sich eben­falls kein ein­heit­li­cher Ge­richts­stand des Er­fül­lungs­or­tes für al­le Rück­ge­währan­sprü­che her­lei­ten, da es in die­ser Ent­schei­dung le­dig­lich um den Er­fül­lungs­ort für die Ver­pflich­tung zur Rück­nah­me der Kauf­sa­che, nicht aber um die Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ge­he. Der BGH for­de­re für die An­nah­me ei­nes ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­or­tes be­son­de­re Um­stän­de (BGH, Beschl. v. 11.11.2003 – X ARZ 91/03). Im vor­lie­gen­den Fall sei­en die­se nicht ge­ge­ben, da die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung nicht von ei­ner Be­schaf­fen­heit sei, die es als sach­ge­recht und im mut­maß­li­chen Wil­len der Par­tei­en lie­gend er­schei­nen las­se, dass die Zah­lungs­pflicht am Wohn­sitz des Klä­gers er­füllt wer­den müs­se.

Die Be­ru­fung des Klä­gers hat­te Er­folg; die Sa­che wur­de ge­mäß § 538 II 1 Nr. 3 ZPO an das LG Kiel zu­rück­ver­wie­sen.

Aus den Grün­den: II. … Das LG Kiel ist ört­lich zu­stän­dig. Der Klä­ger kann sich ge­mäß §§ 29, 35 ZPO mit Er­folg auf den be­son­de­ren Ge­richts­stand des Er­fül­lungs­orts be­ru­fen.

Nach § 29 I ZPO be­steht für Strei­tig­kei­ten aus ei­nem Ver­trags­ver­hält­nis ein be­son­de­rer Ge­richts­stand an dem Ort, an dem die strei­ti­ge Ver­trags­pflicht zu er­fül­len ist. Bei ge­gen­sei­ti­gen Ver­trä­gen ist der Er­fül­lungs­ort für die Ver­bind­lich­kei­ten bei­der Ver­trags­tei­le grund­sätz­lich ein­zeln und ge­son­dert zu be­stim­men; nur aus­nahms­wei­se kann ein ein­heit­li­cher Ge­richts­stand an­ge­nom­men wer­den (vgl. Tho­mas/Putzo, ZPO, 33. Aufl. [2012], § 29 Rn. 5; Zöl­ler/Voll­kom­mer, ZPO, 27. Aufl. [2009], § 29 Rn. 24). Die strei­ti­ge Ver­trags­pflicht ist hier der Kauf­preis­rück­zah­lungs­an­spruch ge­mäß § 346 I, § 326 V, §§ 437 Nr. 2, 440 BGB.

Für die Fra­ge der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit kommt es nicht dar­auf an, ob der Klä­ger die zum Rück­tritt be­rech­ti­gen­den Tat­sa­chen be­wei­sen kann. Tat­sa­chen, die so­wohl für die Zu­läs­sig­keit als auch für die Be­grün­det­heit ei­ner Kla­ge not­wen­di­ger­wei­se er­heb­lich sind (sog. dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen) wer­den erst bei Prü­fung der Be­grün­det­heit fest­ge­stellt; für die Zu­läs­sig­keit ge­nügt dann die schlüs­si­ge Be­haup­tung durch den Klä­ger (BGH, Urt. v. 25.11.1993 – IX ZR 32/93, BGHZ 124, 241 = NJW 1994, 1413 m. w. Nachw.).

Der Er­fül­lungs­ort für den Kauf­preis­rück­zah­lungs­an­spruch be­stimmt sich man­gels ge­setz­li­cher Son­der­re­ge­lung nach § 269 BGB. Ge­mäß Ab­satz 1 die­ser Vor­schrift kann sich der Er­fül­lungs­ort aus den Um­stän­den, ins­be­son­de­re aus der Na­tur des Schuld­ver­hält­nis­ses, er­ge­ben, wenn ei­ne Ver­ein­ba­rung über den Er­fül­lungs­ort nicht ge­trof­fen wur­de. Ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung gibt es nicht. Auch ei­ne kon­klu­den­te Ver­ein­ba­rung ist nicht er­sicht­lich. Die Um­stän­de er­ge­ben je­doch, dass Er­fül­lungs­ort für den Kauf­preis­rück­zah­lungs­an­spruch der Ort ist, an dem sich die Kauf­sa­che bei Zu­gang der Rück­tritts­er­klä­rung ver­trags­ge­mäß be­fun­den hat. Dies ist der Wohn­sitz des Klä­gers in P., der im Be­zirk des LG Kiel liegt.

Der Se­nat folgt da­mit der herr­schen­den Mei­nung. Da­nach ist ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort für sämt­li­che Rück­ge­währan­sprü­che nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag – al­so auch für den An­spruch des Käu­fers auf Er­stat­tung des Kauf­prei­ses – der Ort, an dem sich die Kauf­sa­che zur Zeit des Rück­tritts ver­trags­ge­mäß be­fin­det (Zöl­ler/Voll­kom­mer, ZPO, 29. Aufl. [2012], § 29 Rn. 25 [„Kauf­ver­trag“, „Rück­gän­gig­ma­chung“]; Tho­mas/Putzo, a. a. O., § 29 Rn. 6, 11; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 71. Aufl. [2012], § 269 Rn. 16; ju­risPK-BGB/Ker­wer, 5. Auf. [2010], § 269 Rn. 21; OLG Saar­brü­cken, Beschl. v. 06.01.2005 – 5 W 306/04, NJW 2005, 906; Ba­yO­bLG, Beschl. v. 09.01.2004 – 1Z AR 140/03, MDR 2004, 646; LG Stral­sund, Beschl. v. 13.10.2011 – 6 O 211/11, DAR 2011, 260; OLG Bam­berg, Urt. v. 18.08.2010 – 8 U 51/10, ZGS 2011, 140). Dies soll je­den­falls dann gel­ten, wenn – wie im vor­lie­gen­den Fall – die bei­der­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten voll­zo­gen wor­den sind. Die herr­schen­de Mei­nung stützt sich da­bei viel­fach auf die zum al­ten Schuld­recht er­gan­ge­ne „Dach­zie­ge­l­ent­schei­dung“ des BGH vom 09.03.1983 (VI­II ZR 11/82, BGHZ 87, 104 = NJW 1983, 1479). Als we­sent­li­ches Ar­gu­ment wird an­ge­führt, dass der Käu­fer im Rah­men des Rück­ab­wick­lungs­schuld­ver­hält­nis­ses nur zur Rück­ge­währ ver­pflich­tet sei, al­so den Ver­käu­fer le­dig­lich in die La­ge ver­set­zen müs­se, über die Wa­re zu ver­fü­gen. Ei­ne Be­güns­ti­gung des Käu­fers bei der Rück­ab­wick­lung sei ge­recht­fer­tigt, weil der Ver­käu­fer durch die Lie­fe­rung ei­ner man­gel­haf­ten Sa­che den Rück­tritts­grund her­bei­ge­führt ha­be.

Die­ser An­sicht ist in jüngs­ter Zeit wie­der ver­ein­zelt ent­ge­gen­ge­tre­ten wor­den (Stö­ber, NJW 2006, 2661; LG Stral­sund, Beschl. v. 13.10.2011 – 6 O 211/11; nun­mehr LG Kiel, Urt. v. 07.12.2011 – 2 O 150/11; zu frü­he­ren Ge­gen­stim­men vgl. LG Kre­feld, Beschl. v. 27.07.1977 – 2 O 262/77, MDR 1977, 1018 m. w. Nachw.). Die herr­schen­de Mei­nung sei nicht mit den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des § 29 ZPO und § 269 BGB ver­ein­bar. Das BGH-Ur­teil vom 09.03.1983 lie­ße sich auch nicht da­hin ge­hend ver­ste­hen, dass sich der BGH der herr­schen­den Mei­nung an­ge­schlos­sen ha­be, da in der Ent­schei­dung nicht über die Fra­ge des Er­fül­lungs­orts des Rück­zah­lungs­an­spruchs bzw. des Ge­richts­stands bei Rück­zah­lungs­kla­gen ent­schie­den wor­den sei. In dem Be­schluss des BGH vom 11.11.2003 (X ARZ 91/03) ha­be der BGH klar­ge­stellt, dass ein ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort nur bei Vor­lie­gen be­son­de­rer Um­stän­de i. S. des § 269 I BGB an­ge­nom­men wer­den kön­ne. Das Vor­lie­gen sol­cher Um­stän­de ha­be der BGH für den an­walt­li­chen Ho­no­raran­spruch ver­neint. Sol­che be­son­de­ren Um­stän­de lä­gen auch beim Kauf­preis­rück­zah­lungs­an­spruch nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag nicht vor. Die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung sei als rei­ne Geld­schuld nicht orts­ge­bun­den. Auch aus der Na­tur der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung als Zug-um-Zug-Ver­pflich­tung kön­ne nicht ge­ne­rell ein ein­heit­li­cher Ge­richts­stand ab­ge­lei­tet wer­den. Ei­ne even­tu­el­le Schutz­be­dürf­tig­keit des Käu­fers kön­ne nicht in der von der herr­schen­den Mei­nung vor­ge­schla­ge­nen Wei­se be­rück­sich­tigt wer­den, da es für ei­ne Ver­le­gung des Ge­richts­stands an ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge feh­le. Die Ver­le­gung des Ge­richts­stands lie­fe letzt­lich auf ei­ne Stra­fe für den Ver­käu­fer hin­aus. Die herr­schen­de Mei­nung sei zu­dem in­kon­se­quent, da ein ein­heit­li­cher Ge­richts­stand für ver­gleich­ba­re Fäl­le (z. B. Min­de­rung, be­rei­che­rungs­recht­li­che Rück­ab­wick­lung bei Sit­ten­wid­rig­keit oder [Arg­list-]An­fech­tung) auch nicht an­er­kannt wer­de.

Das Ur­teil des BGH vom 09.03.1983 – VI­II ZR 11/82 – be­stä­tigt nach An­sicht des Se­nats in­des die herr­schen­de Mei­nung. Es be­schäf­tigt sich mit der Fra­ge, ob der Ver­käu­fer man­gel­haf­ter Dach­zie­gel nach er­klär­ter Wand­lung ver­pflich­tet ist, be­reits pro­vi­so­risch auf dem Dach ver­leg­te Dach­zie­gel ab­zu­de­cken, oder ob er sich dar­auf be­schrän­ken darf, die be­reit­ge­stell­ten Dach­zie­gel vom Erd­bo­den des Käu­fer­grund­stück ab­zu­ho­len. Der BGH be­jaht ei­ne Pflicht zum Ab­de­cken der Zie­gel. Zur Be­grün­dung führt er aus:

„Dass die Be­klag­te ih­re Rück­nah­me­ver­pflich­tung durch Ab­de­cken der Zie­gel zu er­fül­len hat­te, er­gibt sich aus Fol­gen­dem: Nach herr­schen­der Mei­nung ist ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort für den Wan­de­lungs­voll­zug der so­ge­nann­te Aus­tauschort, das heißt der­je­ni­ge Ort, an dem sich die Sa­che zur Zeit der Wan­de­lung ver­trags­ge­mäß be­fin­det (vgl. z. B. Se­nat, Urt. v. 20.11.1961 – VI­II ZR 167/60, MDR 1962, 399 [400]; RGZ 50, 270 [272]; 55, 105 [112 f.]; 57, 12 [15]; …). Denn der Käu­fer schul­det nach § 346 Satz 1 BGB nur das Zu­rück­ge­wäh­ren der Leis­tung und hat so­mit den Ver­käu­fer nur in die La­ge zu ver­set­zen, über die Wa­re zu ver­fü­gen … Es ist dem Be­ru­fungs­ge­richt zwar zu­zu­ge­ben, daß sich hier­aus ein Ri­si­ko für den Ver­käu­fer er­gibt. Der Käu­fer kann die Sa­che ent­spre­chend dem mit dem Ver­trags­schluß ver­folg­ten Zweck an ei­nen ent­fern­ten Ort ge­schafft ha­ben. Die­se Ri­si­ko­ver­tei­lung ist aber ge­recht­fer­tigt, weil der vom Ver­käu­fer zu ver­tre­ten­de Man­gel der Kauf­sa­che zur Wan­de­lung ge­führt hat (vgl. RGZ 55, 105 [110 f.]; …). Ge­ra­de das an­er­ken­nens­wer­te und vom Ge­setz, wie be­reits dar­ge­legt, auch an­er­kann­te In­ter­es­se des Käu­fers, mög­lichst weit­ge­hend so ge­stellt zu wer­den, als ha­be er sich auf den Ver­trag nicht ein­ge­las­sen, recht­fer­tigt es, ihn von den Kos­ten des Rück­trans­por­tes zu ent­las­ten. Zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­langt im vor­lie­gen­den Fal­le die Auf­fas­sung, die den Er­fül­lungs­ort stets bei dem Emp­fän­ger der ver­kauf­ten Sa­che sieht … Selbst wenn man von ei­nem für die Käu­fer- und die Ver­käu­fer­ver­pflich­tun­gen un­ter­schied­li­chen Er­fül­lungs­ort aus­ge­hen woll­te (so z. B. OLG Ol­den­burg, NJW 1976, 1044; LG Kre­feld, MDR 1977, 1018 f.; …), wä­re dies für die Rück­ga­be- bzw. Rück­nah­me­ver­pflich­tung den­noch der Ort, an dem sich die Wa­re ver­trags­ge­mäß be­fin­det …“

Zwar war Ge­gen­stand des Ur­teils die Ver­pflich­tung zur Rück­nah­me der Kauf­sa­che und nicht die Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, so­dass es auf den Mei­nungs­streit im Er­geb­nis nicht an­kam. Der BGH ar­gu­men­tiert je­doch er­sicht­lich auf Li­nie der herr­schen­den Mei­nung und nimmt aus­drück­lich auf sei­ne ei­ge­ne frü­he­re Ent­schei­dung (BGH, Urt. v. 20.11.1961 – VI­II ZR 167/60, MDR 1962, 399 [400]) Be­zug, in der er von ei­nem ein­heit­li­chen Ge­richts­stand auch für die Kauf­preis­rück­zah­lungs­kla­ge aus­ge­gan­gen war. Hin­sicht­lich der Ge­gen­an­sicht stellt er als Hilfs­er­wä­gung („selbst wenn“) le­dig­lich fest, dass auch die­se im zu­grun­de lie­gen­den Fall „zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis“ ge­führt hät­te.

Die Ent­schei­dung lässt sich auch auf das neue Schuld­recht über­tra­gen (so auch Stö­ber, NJW 2006, 2661 [2662] m. w. Nachw.). Bei Wand­lung und ge­setz­li­chem Rück­tritt han­delt es sich im We­sent­li­chen um das glei­che Rechts­in­sti­tut.

Der An­nah­me ei­nes ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­or­tes für die An­sprü­che nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag am ver­trags­mä­ßi­gen Be­le­gen­heits­ort steht auch nicht der BGH-Be­schluss vom 11.11.2003 (X ARZ 91/03, BGHZ 157, 20 = NJW 2004, 54) ent­ge­gen, mit dem der BGH – ent­ge­gen frü­he­rer Recht­spre­chung – für an­walt­li­che Ho­no­rar­for­de­run­gen ei­nen Ge­richt­stand am Kanz­lei­sitz ver­neint hat. Dem Be­schluss las­sen sich viel­mehr Maß­stä­be für die An­wen­dung der §§ 29 ZPO, 269 BGB ent­neh­men, nach de­nen ein ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort für An­sprü­che aus Rück­tritt vom Kauf­ver­trag am Ort der ver­trags­ge­mä­ßen Be­le­gen­heit der Sa­che in der Re­gel an­ge­nom­men wer­den kann.

Nach je­ner Ent­schei­dung ist für die Fra­ge, ob sich nach § 269 BGB ein an­de­rer Er­fül­lungs­ort aus den Um­stän­den er­ge­be, auf den mut­maß­li­chen Wil­len der Par­tei­en ab­zu­stel­len. Die­ser kön­ne sich aus der Be­schaf­fen­heit der strei­ti­gen Leis­tung oder aus der Na­tur des Schuld­ver­hält­nis­ses er­ge­ben. Lie­ßen sich Be­son­der­hei­ten des kon­kre­ten Schuld­ver­hält­nis­ses nicht fest­stel­len, so sei auch ei­ne Be­wer­tung an­hand der ty­pi­schen Art des Schuld­ver­hält­nis­ses, das die strei­ti­ge Ver­pflich­tung be­grün­det hat, zu­läs­sig.

Für die an­walt­li­che Ho­no­rar­for­de­rung hat der BGH fest­ge­stellt, dass sich aus der Be­schaf­fen­heit der strei­ti­gen Leis­tung ein be­son­de­rer Leis­tungs­ort nicht er­ge­be, da es sich le­dig­lich um ei­ne Geld­for­de­rung han­de­le (vgl. § 270 IV BGB). Auch aus dem Schuld­ver­hält­nis der Par­tei­en kön­ne nicht be­reits des­halb ein ein­heit­li­cher Leis­tungs­ort ab­ge­lei­tet wer­den, weil es ei­ner­seits auf Zah­lung, an­de­rer­seits auf ei­ne ver­trag­scha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung ge­rich­tet sei. Die Leh­re vom Schwer­punkt des Ver­trags sei auf den Er­fül­lungs­ort nicht an­wend­bar, da sie prak­tisch für je­den Ver­trags­typ zu ei­nem ein­heit­li­chen Leis­tungs­ort füh­re, was mit der Re­ge­lung des § 269 I BGB un­ver­ein­bar sei.

Die­se Er­wä­gun­gen tref­fen auch auf die vor­lie­gen­de Kauf­preis­rück­ge­währ­schuld zu. Es han­delt sich um ei­ne rei­ne Geld­for­de­rung. Auch der Um­stand, dass es sich bei dem rück­ab­zu­wi­ckeln­den Kauf­ver­trag um ein ty­pi­sches Aus­tausch­schuld­ver­hält­nis „Wa­re ge­gen Geld“ han­delt, ge­nügt für die An­nah­me ei­nes ein­heit­li­chen Leis­tungs­orts nicht. Eben­so we­nig ge­nügt das Vor­lie­gen ei­ner Zug um Zug zu er­fül­len­den Leis­tungs­pflicht, denn dies ist ge­ra­de ein Cha­rak­te­ris­ti­kum ge­gen­sei­ti­ger Ver­trä­ge.

Nach dem BGH-Be­schluss kann ein be­son­de­rer Er­fül­lungs­ort aber an­ge­nom­men wer­den, wenn „wei­te­re Um­stän­de“ fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Sol­che Um­stän­de be­stün­den et­wa bei ei­nem La­den­ge­schäft des täg­li­chen Le­bens, bei dem üb­li­cher­wei­se die bei­der­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten so­gleich an Ort und Stel­le er­le­digt wer­den, oder re­gel­mä­ßig bei Bau­werks­ver­trä­gen, weil auch der Be­stel­ler am Ort des Bau­werks mit der Ab­nah­me ei­ner sei­ner Haupt­pflich­ten er­fül­len müs­se und es in­ter­es­sen­ge­recht sei, ei­ne ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung dort zu füh­ren, wo auf­grund der räum­li­chen Nä­he zum Bau­werk ei­ne Be­weis­auf­nah­me (z. B. über das Auf­maß oder be­haup­te­te Män­gel) re­gel­mä­ßig we­sent­li­cher ein­fa­cher und kos­ten­güns­ti­ger er­fol­gen kön­ne. Für die an­walt­li­che Ho­no­rar­for­de­rung lä­gen der­ar­ti­ge „wei­te­re Um­stän­de“ aber nicht vor.

Die vom BGH her­aus­ge­ar­bei­te­ten Grund­sät­ze er­mög­li­chen ei­ner­seits ei­ne an der ty­pi­schen In­ter­es­sen­la­ge der Par­tei­en ori­en­tier­te Be­trach­tung und tra­gen so prak­ti­schen Er­for­der­nis­sen und der Rechts­si­cher­heit Rech­nung. Sie ste­hen an­de­rer­seits im Ein­klang mit der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, die un­ter­schied­li­che Er­fül­lungs­or­te für die syn­al­lag­ma­ti­schen Leis­tungs­pflich­ten als Re­gel und ei­nen ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­ort als Aus­nah­me vor­sieht.

Nach die­sen Maß­stä­ben las­sen sich für den Kauf­preis­rück­ge­währan­spruch – im Ge­gen­satz zur an­walt­li­chen Ho­no­rar­for­de­rung – „wei­te­re Um­stän­de“ be­ja­hen, nach de­nen es sach­ge­recht und der In­ter­es­sen­la­ge der Par­tei­en ent­spre­chend er­scheint, ei­nen ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­ort an­zu­neh­men.

Zu­nächst ist fest­zu­stel­len, dass der Au­to­kauf bzw. sei­ne Rück­ab­wick­lung kein La­den­ge­schäft des täg­li­chen Le­bens dar­stellt. Denn in der Re­gel wer­den die bei­der­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten nicht so­gleich an Ort und Stel­le er­füllt. Re­gel­mä­ßig ge­hen dem Ver­trags­schluss Be­sich­ti­gun­gen oder Pro­be­fahr­ten vor­aus, häu­fig müs­sen Fi­nan­zie­rungs­zu­sa­gen ein­ge­holt wer­den. Über­ga­be des Fahr­zeugs und Be­zah­lung fal­len oft räum­lich und zeit­lich aus­ein­an­der. Auch nach Be­deu­tung und Um­fang ist der Au­to­kauf nicht mit ei­nem La­den­ge­schäft des täg­li­chen Le­bens ver­gleich­bar. Auch lässt sich der Au­to­kauf von der In­ter­es­sen­la­ge nicht mit ei­nem Bau­werks­ver­trag ver­glei­chen. Zwar ist die Orts­ge­bun­den­heit beim Au­to­kauf stär­ker aus­ge­prägt als beim An­walts­ver­trag, da es ei­nen zen­tra­len – wenn auch mo­bi­len – Ver­trags­ge­gen­stand gibt. We­gen der mit dem Trans­port ver­bun­de­nen Kos­ten be­steht ein stär­ke­res Be­dürf­nis nach ei­ner in der Re­gel kos­ten­güns­ti­ge­ren Be­weis­auf­nah­me am Ort der ver­trag­scha­rak­te­ris­ti­schen Leis­tung (= Be­le­gen­heits­ort der Kauf­sa­che) als beim An­walts­ver­trag. Al­ler­dings kennt das Kauf­recht – im Ge­gen­satz zum Werk­ver­trags­recht – ei­ne Ab­nah­me­ver­pflich­tung des Käu­fers nicht. Zu­dem ist der Ver­trags­ge­gen­stand beim Au­to­kauf be­weg­lich. Da­her ist zu Recht an­er­kannt, dass Er­fül­lungs­ort für den pri­mä­ren Kauf­preis­an­spruch und da­mit Ge­richts­stand für die Kauf­preis­kla­ge grund­sätz­lich der Wohn­sitz des Käu­fers ist (vgl. Zöl­ler/Voll­kom­mer, a. a. O., § 29 Rn. 25 [„Kauf­ver­trag“]).

Die Be­son­der­heit liegt hier al­ler­dings dar­in, dass – im Ge­gen­satz zur an­walt­li­chen Ho­no­rar­for­de­rung und auch zur Kauf­preis­for­de­rung – kein Pri­mär­an­spruch in Re­de steht, son­dern ein Rück­ge­währan­spruch nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag nach den Vor­schrif­ten der § 346 I, § 326 V, § 437 Nr. 2, § 440 BGB. Der Rück­tritt wan­delt den Ver­trag in ein so­ge­nann­tes Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis um. Die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen der §§ 346 ff. BGB über die Rück­ab­wick­lung des Ver­trags im Fal­le be­reits er­brach­ter Leis­tun­gen zie­len auf die Her­stel­lung ei­nes Zu­stands ab, der im We­sent­li­chen am ne­ga­ti­ven In­ter­es­se der Ver­trags­par­tei­en aus­ge­rich­tet ist (BGH, Urt. v. 28.11.2007 – VI­II ZR 16/07). Im Fal­le des Rück­tritts vom Kauf­ver­trag durch den Käu­fer we­gen ei­nes Sach­man­gels ist da­bei zu be­rück­sich­ti­gen, dass der Rück­tritts­grund aus dem Ri­si­ko­be­reich des Ver­käu­fers her­rührt. Denn er hat ei­ne man­gel­haf­te Sa­che ge­lie­fert und die Nach­er­fül­lung nicht in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist er­bracht. Da­bei ist un­er­heb­lich, ob der Ver­käu­fer dies i. S. des § 276 BGB zu ver­tre­ten hat, denn das Rück­tritts­recht ist vom Ge­setz­ge­ber grund­sätz­lich ver­schul­dens­un­ab­hän­gig aus­ge­stal­tet wor­den. Der Käu­fer muss im Rah­men der Rück­ab­wick­lung nach den §§ 346 ff. BGB mög­lichst so ge­stellt wer­den, als ob er den Ver­trag nicht ge­schlos­sen hät­te (vgl. BGH, Urt. v. 09.03.1983 – VI­II ZR 11/82). Dem mut­maß­li­chen Wil­len der Par­tei­en ent­spricht es da­her, den Ort der ver­trags­mä­ßi­gen Be­le­gen­heit der Kauf­sa­che als ein­heit­li­chen Leis­tungs­ort nicht nur für die Rück­nah­me­ver­pflich­tung, son­dern auch für den Kauf­preis­rück­ge­währan­spruch an­zu­se­hen.

Ei­ne un­bil­li­ge Här­te für den Ver­käu­fer ent­steht da­durch nicht. Er muss nicht – wie die Be­klag­te meint – das Ri­si­ko tra­gen, an ei­nem un­er­war­te­ten weit ent­fern­ten Ort ver­klagt zu wer­den, an dem sich das Fahr­zeug ge­ra­de zu­fäl­lig be­fin­det. Denn nicht je­der Stand­ort, son­dern nur der ver­trags­mä­ßi­ge Be­le­gen­heits­ort be­grün­det ei­nen Er­fül­lungs­ort. Dies wird bei ei­ner Kauf­sa­che, die zur Fort­be­we­gung be­stimmt ist, re­gel­mä­ßig der Ort sein, an dem sie nach dem Ver­trag ge­wöhn­lich ab­ge­stellt wird. Dies wird in der Re­gel – so­weit nach dem Ver­trag kei­ne be­son­de­re Ver­wen­dung vor­aus­ge­setzt wor­den ist – der Wohn- oder Be­triebs­sitz des Käu­fers sein.

Die auf den ers­ten Blick un­bil­lig er­schei­nen­de Tat­sa­che, dass ein für den Klä­ger güns­ti­ger Er­fül­lungs­ort und Ge­richts­stand auch dann be­grün­det wird, wenn sich im Nach­hin­ein her­aus­stellt, dass ein Rück­tritts­grund gar nicht be­stand, ist nur die Kon­se­quenz aus der für den Zi­vil­pro­zess gel­ten­den – oben be­reits er­wähn­ten – Leh­re von den so­ge­nann­ten dop­pel­re­le­van­ten Tat­sa­chen.

Für ei­nen ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­ort be­steht im Fal­le der Rück­tritts­ab­wick­lung auch ein prak­ti­sches Be­dürf­nis. Ge­ra­de wenn sich an­kün­digt, dass län­ge­re Zeit über das Vor­lie­gen des Rück­tritts­grunds ge­strit­ten wird, er­scheint es dem mut­maß­li­chen Wil­len der Par­tei­en eher zu ent­spre­chen, dass der Rechts­streit am Be­le­gen­heits­ort aus­ge­tra­gen wird, wo ei­ne Be­weis­auf­nah­me in der Re­gel kos­ten­güns­ti­ger mög­lich ist. Beim Au­to­kauf wird dies be­son­ders deut­lich, wenn das Fahr­zeug man­gel­be­dingt nicht fahr­be­reit ist. In die­sem Fall fal­len für den Trans­port er­heb­li­che Kos­ten an. Aber auch wenn das Fahr­zeug fahr­be­reit ist und wei­ter ge­nutzt wer­den kann, ent­spricht es der In­ter­es­sen­la­ge der Par­tei­en, dass die Be­weis­auf­nah­me am ver­trags­mä­ßi­gen Be­le­gen­heits­ort statt­fin­det. Der wirt­schaft­lich den­ken­de Käu­fer, der in der Re­gel auf die Nut­zung ei­nes Fahr­zeugs an­ge­wie­sen ist, wird näm­lich re­gel­mä­ßig kein neu­es Fahr­zeug er­wer­ben, so­lan­ge er nicht sei­nen Rück­ab­wick­lungs­an­spruch ge­gen den Ver­käu­fer durch­ge­setzt hat. In die­sem Fall sind für den Käu­fer we­ni­ger Ein­bu­ßen hin­sicht­lich der Fahr­zeug­nut­zung zu er­war­ten, wenn die Be­weis­auf­nah­me am Be­le­gen­heits­ort statt­fin­det. Dar­an hat auch der Ver­käu­fer ein In­ter­es­se, da er bei Ver­schul­den bzw. aus Ver­zug für den Nut­zungs­aus­fall­scha­den haf­tet (vgl. BGH, Urt. v. 28.11.2007 – VI­II ZR 16/07).

Hin­zu kommt ein Wei­te­res: Im Fal­le des Rück­tritts des Käu­fers we­gen ei­nes Man­gels hat die­ser re­gel­mä­ßig ne­ben dem In­ter­es­se an der Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ein In­ter­es­se an der Rück­nah­me der man­gel­haf­ten Kauf­sa­che. Dies gilt auch beim Au­to­kauf, denn das man­gel­haf­te Kfz muss ir­gend­wo ab­ge­stellt wer­den. Häu­fig wird da­her die Kla­ge auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses mit der Kla­ge auf Rück­nah­me der Kauf­sa­che ver­bun­den. Auf die Rück­nah­me der Kauf­sa­che hat der Klä­ger bei Vor­lie­gen ei­nes Rück­tritts­grun­des ei­nen An­spruch. Die­ser An­spruch ist auch un­strei­tig am Ort der ver­trags­ge­mä­ßen Be­le­gen­heit der Sa­che zu er­fül­len. Es lie­fe der Pro­zess­öko­no­mie zu­wi­der, wenn der Käu­fer die­se An­sprü­che nicht ge­mäß § 260 ZPO in ei­ner Kla­ge am Be­le­gen­heits­ort der Kauf­sa­che ver­bin­den könn­te.

Der An­nah­me ei­nes ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­orts am Be­le­gen­heits­ort steht auch nicht das Ur­teil des BGH vom 13.04.2011 – VI­II ZR 220/10, NJW 2011, 2278 – ent­ge­gen, mit dem der BGH ei­nen Er­fül­lungs­ort am Ort der ver­trags­ge­mä­ßen Be­le­gen­heit der Sa­che für den kauf­recht­li­chen Nach­er­fül­lungs­an­spruch ge­mäß §§ 437 Nr. 1, 439 BGB ver­neint hat. Nach­er­fül­lung und Rück­tritt sind von ih­rer dog­ma­ti­schen Struk­tur so ver­schie­den, dass die zu­grun­de ge­leg­ten Er­wä­gun­gen nicht über­trag­bar sind. Der Nach­er­fül­lungs­an­spruch ist ein mo­di­fi­zier­ter Er­fül­lungs­an­spruch, der nach Ge­fahr­über­gang an die Stel­le der Ver­pflich­tung nach § 433 I BGB tritt, dem Käu­fer ei­ne sach- und rechts­man­gel­freie Sa­che zu über­ge­ben und ihm Ei­gen­tum an der Sa­che zu ver­schaf­fen. Die wei­te­ren Ge­währ­leis­tungs­rech­te (Scha­dens­er­satz, Rück­tritt, Min­de­rung) sind grund­sätz­lich von ei­ner Frist­set­zung ab­hän­gig. Dem Ver­käu­fer wird so­mit ein Recht zur zwei­ten An­die­nung ein­ge­räumt. Mit wirk­sa­mem Rück­tritt ist das Nach­er­fül­lungs­recht aber ge­schei­tert. Die Rück­tritts­er­klä­rung führt dann – wie oben dar­ge­stellt – zu ei­ner grund­le­gen­den Um­ge­stal­tung des Schuld­ver­hält­nis­ses. Auf die­sen Un­ter­schied hat der BGH in sei­ner Ent­schei­dung aus­drück­lich hin­ge­wie­sen:

„Schließ­lich las­sen sich die zum Er­fül­lungs­ort der Rück­ge­währan­sprü­che nach er­folg­tem Rück­tritt ge­mäß §§ 437 Nr. 2, 440, 346 BGB, der viel­fach an dem Ort an­ge­sie­delt wird, an dem sich die Sa­che ver­trags­ge­mäß be­fin­det (vgl. Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 269 Rn. 16; MünchKomm-BGB/Krü­ger, a. a. O., § 269 Rn. 41; zum al­ten Schuld­recht auch Se­nat, Urt. v. 09.03.1983 – VI­II ZR 11/82, BGHZ 87, 104 [109]), ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze nicht auf die Nach­er­fül­lung nach § 439 BGB über­tra­gen … Das Rück­tritts­recht und das Nach­er­fül­lungs­recht sind in ih­rem dog­ma­ti­schen Aus­gangs­punkt und ih­ren Rechts­fol­gen so ver­schie­den, dass es an ei­ner Ver­gleich­bar­keit der bei­den Rech­te fehlt. Wäh­rend Nach­bes­se­rung und Er­satz­lie­fe­rung der Her­bei­füh­rung des Leis­tungs­er­folgs im Rah­men des fort­be­ste­hen­den Ver­trags die­nen, geht es beim Rück­tritt um die Rück­ab­wick­lung des Ver­trags (vgl. et­wa Rein­king, NJW 2008, 3606 [3609]; Ska­mel, ZGS 2006, 227 [229 f.]).“

Nach An­sicht des Se­nats hat der BGH mit die­ser Ent­schei­dung die herr­schen­de Mei­nung er­neut be­stä­tigt (da­ge­gen LG Stral­sund, Beschl. v. 13.10.2011 – 6 O 211/11). Er spricht näm­lich von den „zum Er­fül­lungs­ort der Rück­ge­währan­sprü­che (Plu­ral, Anm. d. Se­nats) … ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen“ und ver­weist da­bei auf sein ei­ge­nes Ur­teil vom 09.03.1983. Der BGH hät­te die Fra­ge auch of­fen­las­sen kön­nen, wenn er Zwei­fel an der herr­schen­den Mei­nung ge­habt hät­te. Dies hat er aber ge­ra­de nicht ge­tan. Viel­mehr hat er die Un­ter­schie­de zwi­schen Nach­er­fül­lungs- und Rück­tritts­recht her­aus­ge­stellt.

Vor dem Hin­ter­grund des dog­ma­ti­schen Aus­gangs­punk­tes des Rück­tritts­rechts ist es auch nicht in­kon­se­quent, ei­nen ein­heit­li­chen Ge­richts­stand im Rah­men der be­rei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung oder im Fal­le ei­ner Min­de­rung nicht an­zu­neh­men. Bei ei­nem Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis nach den §§ 346 ff. BGB han­delt es sich – wie oben dar­ge­legt – um das um­ge­stal­te­te ur­sprüng­li­che Ver­trags­ver­hält­nis (Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., vor § 346 Rn. 6). Hier­in un­ter­schei­det sich die Rück­tritts­ab­wick­lung von der be­rei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung nach den §§ 812 ff. BGB, et­wa we­gen Sit­ten­wid­rig­keit des Ver­tra­ges oder nach An­fech­tung ei­ner Ver­trags­er­klä­rung. In je­nen Fäl­len be­steht von An­fang an kein wirk­sa­mer Ver­trag bzw. der Ver­trag ist mit ex-tunc-Wir­kung be­sei­tigt (§ 142 I BGB); es ent­steht le­dig­lich ein ge­setz­li­ches Rück­ab­wick­lungs­schuld­ver­hält­nis (Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., vor § 311 Rn. 5). Durch die Min­de­rung wird – bei Fort­be­stand des Ver­tra­ges – der Kauf­preis her­ab­ge­setzt (vgl. Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 71. Aufl. [2012], § 441 Rn. 3, 4). Im Un­ter­schied zum Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis nach §§ 346 ff. BGB fin­det je­doch kei­ne grund­le­gen­de Um­ge­stal­tung des Ver­tra­ges statt. An­spruchs­grund­la­ge für die Er­stat­tung des über­zahl­ten Kauf­prei­ses ist § 441 IV 1 BGB. Der par­ti­el­le Ver­weis in § 441 IV 2 BGB auf die „ent­spre­chen­de“ An­wen­dung der Rück­tritts­vor­schrif­ten des § 346 I BGB und § 347 I BGB be­zieht sich nur auf den Um­fang und In­halt des Er­stat­tungs­an­spruchs nach § 441 IV 2 BGB; her­aus­zu­ge­ben sind da­nach Geld und Nut­zun­gen (vgl. Pa­landt/Wei­den­kaff, a. a. O., § 441 Rn. 21).

Der Se­nat konn­te das Ur­teil auf­he­ben und an das Ge­richt des ers­ten Rechts­zugs zu­rück­ver­wei­sen. Dies folgt aus § 538 II 1 Nr. 3 ZPO. Nach die­ser Vor­schrift darf das Be­ru­fungs­ge­richt die Sa­che, so­weit ih­re wei­te­re Ver­hand­lung er­for­der­lich ist, un­ter Auf­he­bung des Ur­teils und des Ver­fah­rens an das Ge­richt des ers­ten Rechts­zu­ges zu­rück­ver­wei­sen, wenn durch das an­ge­foch­te­ne Ur­teil nur über die Zu­läs­sig­keit der Kla­ge ent­schie­den ist und ei­ne Par­tei die Zu­rück­ver­wei­sung be­an­tragt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind er­füllt. Bei dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil han­delt es sich um ein Pro­zes­s­ur­teil, durch das nur über die Zu­läs­sig­keit der Kla­ge ent­schie­den ist. Ei­ne wei­te­re Ver­hand­lung der Sa­che ist er­for­der­lich, da über die Be­haup­tung des Klä­gers, das Fahr­zeug wei­se ei­nen mas­si­ven nicht be­heb­ba­ren Un­fall­scha­den auf (§§ 434 I, 323 V 2, 326 V BGB), und über die Be­haup­tung der Be­klag­ten, das Fahr­zeug sei als Un­fall­wa­gen ver­kauft wor­den (§§ 434 I, 442 I 1 BGB), Be­weis er­ho­ben wer­den muss. Der Klä­ger hat die Zu­rück­ver­wei­sung be­an­tragt. Da ei­ne Be­weis­auf­nah­me in ers­ter In­stanz noch nicht statt­ge­fun­den hat und vor­aus­sicht­lich von ei­ni­gem Um­fang ist, hat sich der Se­nat für ei­ne Zu­rück­ver­wei­sung ent­schie­den.

Ei­ne Nie­der­schla­gung der Kos­ten für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren nach § 21 GKG konn­te nicht er­fol­gen, da ei­ne un­rich­ti­ge Sach­be­hand­lung durch das Land­ge­richt nicht vor­liegt. Ei­ne un­rich­ti­ge Sach­be­hand­lung im Sin­ne die­ser Vor­schrift liegt nur dann vor, wenn ein of­fen­sicht­li­cher und schwe­rer Feh­ler in der ge­richt­li­chen Sach­be­ar­bei­tung vor­liegt (vgl. Mey­er, Ge­richts­kos­ten der strei­ti­gen Ge­richts­bar­kei­ten und des Fa­mi­li­en­ver­fah­rens, 12. Aufl. [2010], § 21 Rn. 2). Dies ist nicht schon dann an­zu­neh­men, wenn das Ge­richt ei­ner Min­der­mei­nung folgt, die vom über­ge­ord­ne­ten Ge­richt er­kenn­bar nicht ge­teilt wird; viel­mehr ver­langt § 21 GKG die Ver­tre­tung ei­ner völ­lig un­halt­ba­ren, ei­nen of­fen­sicht­li­chen Ge­set­zes­ver­stoß ent­hal­te­nen Rechts­an­sicht (vgl. Mey­er, a. a. O., § 21 Rn. 6). Dies ist hier nicht an­zu­neh­men. Das Land­ge­richt hat rich­ti­ger­wei­se fest­ge­stellt, dass es sich um ei­ne Streit­fra­ge han­delt und sich ar­gu­men­ta­tiv mit ihr aus­ein­an­der­ge­setzt.

Die Re­vi­si­on war nicht zu­zu­las­sen, da die Re­vi­si­on ge­mäß § 545 II ZPO nicht dar­auf ge­stützt wer­den kann, dass das Ge­richt des ers­ten Rechts­zugs sei­ne Zu­stän­dig­keit zu Un­recht ver­neint hat. Dies gilt über den Wort­laut der Vor­schrift hin­aus auch für die Be­ur­tei­lung der Zu­stän­dig­keit durch das Be­ru­fungs­ge­richt (BGH, Beschl. v. 26.06.2003 – III ZR 91/03, NJW 2003, 2917; Zöl­ler/Heß­ler, ZPO, 27. Aufl. [2009], § 545 Rn. 15).

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