1. Es spricht zwar viel da­für, dass ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Ge­braucht­wa­gen, des­sen Stick­oxid(NOX)-Emis­sio­nen soft­ware­ge­steu­ert – nur – re­du­ziert wer­den, so­bald das Fahr­zeug ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert, i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft ist. Al­ler­dings hat der Käu­fer ei­nes sol­chen Fahr­zeugs die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass der (an­ge­nom­me­ne) Man­gel durch die – hier be­reits er­folg­te – In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates nicht voll­stän­dig und nach­hal­tig be­sei­tigt wird.
  2. Va­ge Be­fürch­tun­gen des Käu­fers ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs und die blo­ße Mög­lich­keit, dass das Fahr­zeug auch nach der In­stal­la­ti­on des Soft­ware­up­dates noch man­gel­haft ist oder das Up­date zu neu­en Män­geln (z. B. ei­nem er­höh­ten Kraft­stoff­ver­brauch) führt, rei­chen zur Be­grün­dung ei­ner Kauf­preis­min­de­rung nicht aus. Das gilt erst recht, wenn der Käu­fer das Soft­ware­up­date be­reits hat in­stal­liert las­sen; in die­sem Fall muss er zur Be­grün­dung ei­nes Min­de­rungs­rechts ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen des Up­dates (z. B. auf den Kraft­stoff­ver­brauch, die Mo­tor­leis­tung oder die Schad­stoff­emis­sio­nen) kon­kret dar­le­gen.
  3. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Die­sel­fahr­zeugs kann ei­ne Min­de­rung des Kauf­prei­ses nicht er­folg­reich mit dem all­ge­mei­nen Hin­weis dar­auf be­grün­den, dass sei­nem Fahr­zeug – ge­ge­be­nen­falls trotz der In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates – der zu ei­nem mer­kan­ti­len Min­der­wert füh­ren­de Ma­kel an­haf­te, vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen (ge­we­sen) zu sein. Er muss viel­mehr kon­kret auf­zei­gen, dass sein Fahr­zeug ge­ra­de we­gen des VW-Ab­gas­skan­dals und nicht et­wa le­dig­lich des­halb an Wert ver­lo­ren hat, weil an­ge­sichts dro­hen­der Fahr­ver­bo­te in den In­nen­städ­ten die Prei­se für Die­sel­fahr­zeu­ge all­ge­mein ge­fal­len sind.

OLG Dres­den, Ur­teil vom 01.03.2018 – 10 U 1561/17

Sach­ver­halt: Der Klä­ger er­warb von der Be­klag­ten mit Kauf­ver­trag vom 18.06.2013 ei­nen ge­brauch­ten Ško­da Oc­ta­via Scout 2.0 TDI.

Die­ses mit ei­nem EA189-Die­sel­mo­tor aus­ge­stat­te­te und vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ne Fahr­zeug war mit ei­ner Soft­ware ver­se­hen, die er­kann­te, ob das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert. In die­sem Fall ak­ti­vier­te die Soft­ware ei­nen be­stimm­ten Be­triebs­mo­dus („Mo­dus 1“), in dem die Ab­gas­rück­füh­rungs­ra­te hö­her und des­halb der Stick­oxid(NOX)-Aus­stoß ge­rin­ger war als im nor­ma­len Fahr­be­trieb im „Mo­dus 0“.

Am 11.10.2016 wur­de das Fahr­zeug des Klä­gers durch ei­nen Ško­da-Ver­trags­händ­ler ei­nem Soft­ware­up­date un­ter­zo­gen.

Der Klä­ger meint, er sei be­rech­tigt, den Kauf­preis um 5.500 € zu min­dern. Er hat in ers­ter In­stanz be­haup­tet, die In­stal­la­ti­on des Soft­ware­up­dates ha­be nicht zu ei­ner voll­stän­di­gen Nach­bes­se­rung sei­nes Fahr­zeugs ge­führt. Es sei nicht aus­ge­schlos­sen, dass mit dem Up­date Nach­tei­le wie et­wa ein hö­he­rer Kraft­stoff­ver­brauch, hö­he­re Schad­stoff­emis­sio­nen, ein Leis­tungs­ver­lust oder er­höh­ter Ver­schleiß ver­bun­den sei­en. Au­ßer­dem sei sein – des Klä­gers – Fahr­zeug al­lein des­halb, weil es vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen (ge­we­sen) sei, mit ei­nem Ma­kel be­haf­tet, so­dass ein mer­kan­ti­ler Min­der­wert ver­blei­be.

Das LG Zwi­ckau hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.10.2017 die Sa­che aus­gie­big er­ör­tert und dem Klä­ger durch Hin­wei­se und Nach­fra­gen Ge­le­gen­heit zur Er­gän­zung sei­nes Sach­vor­trags ge­ge­ben. Der Klä­ger hat über­wie­gend auf sei­ne schrift­li­chen Aus­füh­run­gen ver­wie­sen und kei­ne wei­te­ren Er­klä­run­gen ab­ge­ge­ben.

Mit Ur­teil vom 16.10.2017 hat das Land­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, dem Klä­ger ste­he kein An­spruch auf Min­de­rung des Kauf­prei­ses ge­mäß § 441 I 1 BGB zu. Zwar sei das Fahr­zeug des Klä­gers ur­sprüng­lich man­gel­haft ge­we­sen, weil es mit ei­ner Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware aus­ge­stat­tet ge­we­sen sei. Durch die In­stal­la­ti­on des Soft­ware­up­dates sei die Pflicht zur der Be­klag­ten zur Nach­er­fül­lung aber er­füllt. Auf­grund des­sen be­ste­he für den Klä­ger nicht mehr die Ge­fahr, dass we­gen ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen die Vor­schrif­ten der Eu­ro-5-Ab­gas­norm die EG-Typ­ge­neh­mi­gung ent­zo­gen wer­de. Das Vor­brin­gen des Klä­gers, ne­ga­ti­ve Fol­gen des Up­dates (Kraft­stoff­mehr­ver­brauch, Leis­tungs­ver­lust etc.) sei­en nicht aus­zu­schlie­ßen, stel­le ei­ne un­sub­stan­zi­ier­te Mut­ma­ßung dar. In­so­weit ha­be sich der an­walt­lich ver­tre­te­ne Klä­ger trotz ent­spre­chen­der Hin­wei­se nicht wei­ter po­si­tio­niert. Auch die Be­sorg­nis des Klä­gers, dass trotz des Soft­ware­up­dates ein mer­kan­ti­ler Min­der­wert ver­blei­be, sei durch kei­ner­lei Tat­sa­chen ge­stützt. Die Recht­spre­chung zum mer­kan­ti­len Min­der­wert bei Un­fall­fahr­zeu­gen sei auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­trag­bar. Der dar­le­gungs­be­las­te­te Klä­ger sei dem sub­stan­zi­ier­ten und durch Un­ter­la­gen un­ter­mau­er­ten Be­klag­ten­vor­trag, dass auf dem Markt kein Min­der­wert der vom so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge zu ver­zeich­nen sei, nicht hin­rei­chend ent­ge­gen­ge­tre­ten.

Ge­gen das Ur­teil des Land­ge­richts hat der Klä­ger Be­ru­fung ein­ge­legt, weil das Land­ge­richt die Kla­ge sei­ner An­sicht nach zu Un­recht ab­ge­wie­sen hat. Das Soft­ware­up­date, so macht der Klä­ger gel­tend, sei zur voll­stän­di­gen Be­sei­ti­gung des sei­nem Fahr­zeug an­haf­ten­den Man­gels nicht ge­eig­net; dies ha­be er – der Klä­ger – be­reits erst­in­stanz­lich un­ter Sach­ver­stän­di­gen­be­weis ge­stellt. Un­ab­hän­gig da­von, ob nach dem Soft­ware­up­date tech­ni­sche Nach­tei­le zu ver­zeich­nen sei­en, sei das Fahr­zeug be­reits des­halb mit ei­nem Ma­kel be­haf­tet, weil es vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fen (ge­we­sen) sei. We­gen die­ses Ma­kels sei der Wert des Fahr­zeugs in den Au­gen der Markt­teil­neh­mer ge­min­dert, so­dass ei­ne nach § 287 ZPO zu schät­zen­de Min­de­rung des Kauf­prei­ses um 20 % an­ge­mes­sen sei. Er – der Klä­ger – ha­be das Up­date im Üb­ri­gen nicht frei­wil­lig in­stal­lie­ren las­sen; viel­mehr sei die In­stal­la­ti­on nur des­halb er­folgt, weil er den Ent­zug der grü­nen Um­welt­pla­ket­te be­fürch­tet ha­be. Die in­so­weit be­weis­be­las­te­te Be­klag­te ha­be nicht be­wie­sen, dass die In­stal­la­ti­on des Up­dates zu ei­ner voll­stän­di­gen Man­gel­be­sei­ti­gung ge­führt ha­be.

Die Be­ru­fung hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: B. … Dem Klä­ger steht kein An­spruch auf Zah­lung von 5.500 € ge­gen den Be­klag­ten zu.

I. Der Klä­ger hält an dem Kauf­ver­trag fest, den die Par­tei­en am 18.06.2013 über den Pkw … ab­ge­schlos­sen ha­ben, und be­gehrt Min­de­rung des Kauf­prei­ses von 26.770 € um 20 %. Dem Fahr­zeug haf­tet je­doch kein Man­gel an, der die­se Min­de­rung ge­mäß §§ 434 I 2 Nr. 2, 437 Nr. 2 Fall 2, 441 BGB und da­mit ei­nen An­spruch des Klä­gers auf teil­wei­se Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses recht­fer­ti­gen könn­te.

1 Es kann da­hin­ste­hen, ob das Fahr­zeug bei der Über­ga­be an den Klä­ger des­halb man­gel­haft war, weil es mit ei­ner Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­ware aus­ge­stat­tet war, die un­ter Prüf­be­din­gun­gen die An­zei­ge ge­rin­ge­rer Ab­gas­wer­te als im Fahr­be­trieb be­wirk­te.

1.1 Es spricht zwar viel da­für, dies als Man­gel nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB an­zu­se­hen, da die­se Ma­ni­pu­la­ti­on ei­ne Ab­wei­chung von der üb­li­chen Be­schaf­fen­heit dar­stellt. Un­ab­hän­gig da­von, ob für die Ein­hal­tung von Ab­gas­wer­ten le­dig­lich die un­ter Prüf­be­din­gun­gen und nicht die un­ter Fahr­be­din­gun­gen er­ziel­ten Wer­te maß­geb­lich sind, darf ein durch­schnitt­li­cher Käu­fer da­mit rech­nen, dass die­se Wer­te zu­min­dest in ei­ner ge­wis­sen Kor­re­la­ti­on zu­ein­an­der ste­hen und aus den bei Prüf­be­din­gun­gen ge­mes­se­nen Ab­gas- und Ver­brauchs­wer­ten auch Aus­sa­gen über den rea­len Fahr­be­trieb und den Ver­gleich mit an­de­ren Fahr­zeu­gen er­mög­licht wer­den. Aus ob­jek­ti­ver Sicht ist zu er­war­ten, dass die ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Ab­gas­wer­te nicht nur des­halb ein­ge­hal­ten und ent­spre­chend at­tes­tiert wer­den, weil ei­ne Soft­ware in­stal­liert ist, die da­für sorgt, dass der Prüf­stand­lauf er­kannt und ins­be­son­de­re der Stick­oxid­aus­stoß re­du­ziert wird (OLG Mün­chen, Beschl. v. 23.03.2017 – 3 U 4316/16; OLG Köln, Beschl. v. 20.12.2017 – 18 U 112/17, ju­ris Rn. 40; LG Ha­gen (West­fa­len), Urt. v. 16.06.2017 – 8 O 218/16, ju­ris Rn. 175; LG Dres­den, Urt. v. 08.11.2017 – 7 O 1047/16, ju­ris Rn. 38; Oechs­ler, NJW 2017, 2865 ff. m. w. Nachw. [un­ter dem Ge­sichts­punkt der Täu­schung]; Witt, NJW 2017, 3681 [3682] m. w. Nachw.).

1.2 Der al­lein durch die­se Ma­ni­pu­la­ti­on be­grün­de­te Man­gel wur­de aber durch das am 11.10.2016 vom Au­to­haus Z-GmbH in X. durch­ge­führ­te Soft­ware­up­date be­sei­tigt.

Es han­delt sich um ein vom Her­stel­ler zur Ver­fü­gung ge­stell­tes Up­date, das die Be­klag­te in glei­cher Wei­se vor­ge­nom­men hät­te. Der Klä­ger be­haup­tet nicht, dass da­nach noch die Soft­ware den Prüf­stand­lauf er­kennt und den Stick­oxid­aus­stoß im Prüf­mo­dus im Ver­gleich zu dem im nor­ma­len Fahr­be­trieb deut­lich re­du­ziert. Eben­so we­nig be­haup­tet er, dass nach dem Auf­spie­len des Soft­ware­up­dates noch die Ge­fahr be­ste­he, dem Fahr­zeug könn­te auf­grund ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen die Vor­schrif­ten der Eu­ro-5-Norm die EG Typ­ge­neh­mi­gung ent­zo­gen wer­den.

2 Oh­ne Er­folg be­haup­tet der Klä­ger, dass das Auf­spie­len des Soft­ware­up­dates nicht ge­eig­net sei, den Man­gel voll­stän­dig zu be­sei­ti­gen. Sei­ne all­ge­mei­ne Be­haup­tung, das Soft­ware­up­date kön­ne nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen ha­ben, zum Bei­spiel hin­sicht­lich der Ab­gas­wer­te, des Kraft­stoff­ver­brauchs, der Leis­tung oder der Le­bens­dau­er des Fahr­zeugs, ist nicht hin­rei­chend sub­stan­zi­iert.

2.1 Der Klä­ger ist für das Vor­lie­gen des Man­gels dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig.

Auch wenn der 8. Zi­vil­se­nat des OLG Mün­chen in der vom Klä­ger vor­ge­leg­ten Ver­fü­gung vom 20.06.2017 – 8 U 1710/17 – von ei­ner Be­weis­last der Volks­wa­gen AG aus­ge­gan­gen ist, ist nach der Recht­spre­chung des BGH – der sich der Se­nat an­schließt – der Käu­fer be­weis­be­las­tet da­für, dass ein Man­gel bei Über­ga­be der Kauf­sa­che vor­lag und die­ser trotz Nach­bes­se­rungs­ver­su­chen des Ver­käu­fers wei­ter vor­han­den ist. Die aus § 363 BGB fol­gen­de Be­weis­last­ver­tei­lung gilt glei­cher­ma­ßen, wenn der Käu­fer die Kauf­sa­che nach ei­ner er­folg­lo­sen Nach­bes­se­rung wie­der ent­ge­gen­ge­nom­men hat. In die­sem Fall muss der Käu­fer das Fort­be­ste­hen des Man­gels, mit­hin die Er­folg­lo­sig­keit des Nach­bes­se­rungs­ver­suchs be­wei­sen (BGH, Urt. v. 09.03.2011 – VI­II ZR 266/09, NJW 2011, 1664 Rn. 11; OLG Ko­blenz, Beschl. v. 27.09.2017 – 2 U 4/17, ju­ris Rn. 26).

Der Klä­ger hat die nä­he­ren Um­stän­de, die den 8. Zi­vil­se­nat des OLG Mün­chen zur An­nah­me die­ser Be­weis­last­ver­tei­lung ver­an­lasst ha­ben, nicht dar­ge­legt. Im Üb­ri­gen han­delt es sich da­bei je­den­falls nicht um die all­ge­mei­ne Recht­spre­chung des OLG Mün­chen, wie das Ur­teil des 21. Zi­vil­se­na­tes des OLG Mün­chen vom 03.07.2017 zeigt (OLG Mün­chen, Urt. v. 03.07.2017 – 21 U 4818/16, NJW-RR 2017, 1238 = ju­ris Rn. 25).

2.2 Wie das LG Zwi­ckau auf Sei­te 7 f. des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils zu­tref­fend aus­ge­führt hat, ist der Klä­ger sei­ner Dar­le­gungs­last trotz er­teil­ter Hin­wei­se und ein­ge­hen­der Er­ör­te­rung der Pro­ble­ma­tik nicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men.

2.2.1 Es ist be­reits nicht er­sicht­lich, wel­cher Ver­gleichs­maß­stab für die Be­ur­tei­lung her­an­zu­zie­hen ist, ob Ab­gas- oder Kraft­stoff­ver­brauchs­wer­te er­höht sind bzw. die Leis­tung oder die zu er­war­ten­de Le­bens­dau­er des Fahr­zeugs ver­rin­gert ist.

Die üb­li­cher­wei­se zu er­war­ten­de Le­bens­dau­er wird bei Pkw in der Re­gel re­la­tiv grob ge­schätzt und dürf­te bei ei­ner Ge­samt­fahr­stre­cke von 200.000 bis 300.000 km lie­gen (s. die Recht­spre­chungs­nach­wei­se zu Die­sel­fahr­zeu­gen bei Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 13. Aufl., Rn. 3574). Leich­te Ver­än­de­run­gen stel­len an­ge­sichts die­ser – gro­ßen – Span­ne kei­nen Man­gel dar. Ei­ne kon­kre­te Ver­kür­zung der zu er­war­ten­den Le­bens­dau­er hat der Klä­ger nicht dar­ge­legt.

Eben­so we­nig hat er ei­ne Ver­ein­ba­rung über be­stimm­te Ab­gas-, Ver­brauchs- und/oder Leis­tungs­wer­te dar­ge­tan be­zie­hungs­wei­se, wel­che Wer­te von ei­nem Käu­fer ei­nes Ško­da Oc­ta­via Scout 2.0 TDI üb­li­cher­wei­se er­war­tet wer­den kön­nen.

2.2.2 Un­ab­hän­gig von der feh­len­den Dar­le­gung der Soll-Be­schaf­fen­heit des Fahr­zeugs hat der Klä­ger auch kei­ne si­gni­fi­kan­ten ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Soft­ware­up­dates vor­ge­tra­gen. Er hät­te den sub­stan­zi­ier­ten Vor­trag der Be­klag­ten, dass durch das Soft­ware­up­date die Ab­gas­grenz­wer­te so­wie die Kraft­stoff­ver­brauchs-, Mo­tor­leis­tungs- und Ge­räu­sche­mis­si­ons­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den bzw. un­ver­än­dert blei­ben, wie die bri­ti­sche Ve­hi­cle Cer­ti­fi­ca­ti­on Agen­cy (VCA) be­schei­nigt hat, sub­stan­zi­iert wi­der­le­gen müs­sen. Auf die zu­tref­fen­den Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts in dem an­ge­grif­fe­nen Ur­teil wird ver­wie­sen.

Va­ge Be­fürch­tun­gen des Käu­fers und die hy­po­the­ti­sche Mög­lich­keit, dass auch nach der Nach­bes­se­rung Män­gel ver­blei­ben oder neue Män­gel ent­ste­hen, sind nicht aus­rei­chend (OLG Mün­chen, Urt. v. 03.07.2017 – 21 U 4818/16; LG Dres­den, Urt. v. 08.11.2017 – 7 O 1047/16, ju­ris Rn. 51, un­ter Ver­weis auf Ver­öf­fent­li­chun­gen des ADAC, die nach durch­ge­führ­ten Tests zei­gen, dass das Up­date wirk­sam ist und na­ment­lich die Stick­oxid­emis­sio­nen auf ge­set­zes­kon­for­me Wer­te zu­rück­ge­hen, wäh­rend Ver­brauch und Mo­tor­leis­tung durch die Um­rüs­tung kaum be­ein­träch­tigt wer­den; LG Braun­schweig, Urt. v. 14.07.2017 – 11 O 3826/16, ju­ris Rn. 28; al­le m. w. Nachw.).

Der Klä­ger hat kei­ne kon­kre­ten An­knüp­fungs­tat­sa­chen dar­ge­legt, aus de­nen sich ei­ne tech­ni­sche Ab­wei­chung des Fahr­zeugs von der Soll-Be­schaf­fen­heit er­ge­ben wür­de. Hier­bei ist ins­be­son­de­re zu be­rück­sich­ti­gen, dass die zi­tier­ten Ur­tei­le über­wie­gend Fäl­le be­tref­fen, in de­nen die Nach­bes­se­rung durch das Soft­ware­up­date noch nicht vor­ge­nom­men wur­de, so­dass über de­ren mög­li­che Fol­gen nur Mut­ma­ßun­gen an­ge­stellt wer­den konn­ten. Im vor­lie­gen­den Fall hin­ge­gen ist das Soft­ware­up­date be­reits auf­ge­spielt, so­dass der Klä­ger die Aus­wir­kun­gen auf sein Fahr­zeug hät­te be­ob­ach­ten und kon­kret dar­le­gen kön­nen und müs­sen. Er hat je­doch nicht ein­mal be­haup­tet, dass an sei­nem Fahr­zeug im Ver­gleich zu den üb­li­cher­wei­se zu er­war­ten­den Wer­ten ein er­höh­ter Kraft­stoff­ver­brauch, ei­ne ver­rin­ger­te Leis­tung oder ein er­höh­ter Ab­gas­aus­stoß zu ver­zeich­nen wä­re, ob­wohl die­se Wer­te an sei­nem Fahr­zeug pro­blem­los hät­ten er­fasst wer­den kön­nen.

Auch zur Le­bens­dau­er des Pkw fehlt jeg­li­cher kon­kre­ter Vor­trag. Es ist be­reits nicht er­sicht­lich, ob der Klä­ger ei­ne ver­rin­ger­te Le­bens­dau­er des ge­sam­ten Fahr­zeugs oder ein­zel­ner Tei­le be­haup­ten möch­te.

3 Oh­ne Er­folg be­ruft sich der Klä­ger dar­auf, das Fahr­zeug sei – un­ab­hän­gig da­von, ob nach dem Soft­ware­up­date in tech­ni­scher Hin­sicht Nach­tei­le zu ver­zeich­nen sind – je­den­falls des­halb man­gel­haft, weil es von dem Ab­gas­skan­dal be­trof­fen und des­halb mit ei­nem Ma­kel be­haf­tet sei, der zu ei­nem mer­kan­ti­len Min­der­wert füh­re. Der da­für an­ge­bo­te­ne Sach­ver­stän­di­gen­be­weis ist nicht ein­zu­ho­len. Der Sach­vor­trag des Klä­gers ist be­reits nicht aus­rei­chend.

3.1 Der Klä­ger ist für das Vor­lie­gen des Man­gels dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig (zur Be­weis­last vgl. oben B I 2.1). In­dem er be­haup­tet, al­lein auf­grund der Tat­sa­che, dass das Fahr­zeug von dem so­ge­nann­ten Ab­gas­skan­dal be­trof­fen sei, sei bei des­sen Ver­kauf auf dem Markt nur noch ein ge­rin­ge­rer Preis zu er­zie­len, macht er ei­nen an­fäng­li­chen Man­gel gel­tend, des­sen Be­sei­ti­gung un­mög­lich ist. Die­sen Man­gel hat er dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen.

3.2 Mit ei­nem so­ge­nann­ten Mon­tags­au­to ist das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug nicht zu ver­glei­chen. Da­bei han­delt sich um ein Fahr­zeug, das auf­grund sei­ner auf her­stel­lungs­be­ding­ten Qua­li­täts­män­geln – na­ment­lich schlech­ter Ver­ar­bei­tung – be­ru­hen­den Feh­ler­an­fäl­lig­keit ins­ge­samt män­gel­be­haf­tet ist und das auch zu­künf­tig nicht über län­ge­re Zeit frei von her­stel­lungs­be­ding­ten Män­geln sein wird (BGH, Urt. v. 23.01.2013 – VI­II ZR 140/12, NJW 2013, 1523 Rn. 26; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 984 m. w. Nachw.). Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Das Fahr­zeug ist nicht ins­ge­samt mit Qua­li­täts­män­geln be­haf­tet. Es gab „le­dig­lich“ ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on, die in­zwi­schen be­sei­tigt ist.

3.3 Zwar kann grund­sätz­lich ein auf­grund ei­nes zu­nächst vor­han­de­nen, aber aus tech­ni­scher Sicht be­reits be­sei­tig­ten Feh­lers be­ste­hen­der Min­der­wert ei­nen Man­gel der Kauf­sa­che dar­stel­len. Für Un­fall­fahr­zeu­ge ist dies an­er­kannt. Trotz ein­wand­frei­er In­stand­set­zung kann ei­ne Vor­schä­di­gung ei­ne Ab­wei­chung von der ge­schul­de­ten Be­schaf­fen­heit be­deu­ten (BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 20).

Dies ist aber nicht oh­ne Wei­te­res auf den vor­lie­gen­den Fall über­trag­bar. Bei Un­fall­fahr­zeu­gen spricht ei­ne auf­grund von Er­fah­rungs­wer­ten be­kann­te Wahr­schein­lich­keit da­für, dass trotz In­stand­set­zung ver­bor­ge­ne Schä­den vor­han­den sein kön­nen, die erst spä­ter zu­ta­ge tre­ten. Dies führt da­zu, dass ge­rin­ge­re Prei­se für der­ar­ti­ge Fahr­zeu­ge ge­zahlt wer­den. Ent­spre­chen­de Er­fah­rungs­wer­te sind für das Soft­ware­up­date nach Ma­ni­pu­la­ti­on der Ab­gas­mes­sung nicht ge­ge­ben. Im Ge­gen­teil, in­dem der Klä­ger den Min­der­wert un­ab­hän­gig von ver­blei­ben­den tech­ni­schen Män­geln gel­tend macht, legt er selbst sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on kei­ne der­ar­ti­gen Ri­si­ken zu­grun­de.

In der bis­lang hier­zu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung ist um­strit­ten, ob ein sol­cher Min­der­wert und des­sen Ver­ur­sa­chung durch die Soft­ware­ma­ni­pu­la­ti­on an­zu­neh­men ist und wel­ches Maß an Sub­stan­zi­ie­rung für den Vor­trag des Käu­fers im Pro­zess zu ver­lan­gen ist.

(1) Teil­wei­se wird in der Recht­spre­chung der Land­ge­rich­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der all­ge­mei­ne Vor­trag zu ei­ner Wert­min­de­rung rei­che aus. Auf­grund der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on sei ein Wei­ter­ver­kauf der von dem Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge nur un­ter In­kauf­nah­me ei­nes nicht un­er­heb­li­chen Preis­nach­las­ses mög­lich, auch bei et­wai­ger Durch­füh­rung des Soft­ware­up­dates (LG Nürn­berg-Fürth, Urt. v. 23.10.2017 – 9 O 8283/16, ju­ris Rn. 39; LG Ha­gen (West­fa­len), Urt. v. 16.06.2017 – 8 O 218/16, ju­ris Rn. 186 f.; LG Kemp­ten, Urt. v. 29.03.2017 – 13 O 808/16, ju­ris Rn. 78 ff.). Die Reich­wei­te des Ab­gas­skan­dals und die hier­aus re­sul­tie­ren­de all­ge­mei­ne ne­ga­ti­ve Stim­mung, be­zo­gen auf die un­ter Ver­wen­dung ei­ner ma­ni­pu­la­ti­ven Soft­ware pro­du­zier­ten Fahr­zeu­ge, sei hin­läng­lich all­ge­mein be­kannt. Dies wir­ke sich spür­bar ne­ga­tiv auf den er­ziel­ba­ren Preis aus (LG Kemp­ten, Urt. v. 29.03.2017 – 13 O 808/16, ju­ris Rn. 89). Ei­ne Viel­zahl von Käu­fern ha­be die Ab­sicht, sich vor­zei­tig von ih­rem Fahr­zeug zu tren­nen, auch wenn die­ses zu­sätz­li­che An­ge­bot der­zeit noch nicht auf dem Markt sei und die Käu­fer zu­nächst den Aus­gang ih­rer Pro­zes­se ab­war­te­ten (LG Ha­gen (West­fa­len), Urt. v. 16.06.2017 – 8 O 218/16, ju­ris Rn. 186). Das Ri­si­ko ei­nes ver­blei­ben­den mer­kan­ti­len Min­der­werts sei aus­rei­chend. Der so­ge­nann­te Ab­gas­skan­dal sei Ge­gen­stand brei­ter öf­fent­li­cher Wahr­neh­mung und Dis­kus­si­on, so­dass nicht ab­seh­bar sei, ob und in wel­chem Um­fang er sich ne­ga­tiv auf die er­ziel­ba­ren Prei­se aus­wir­ken wer­de (LG Mün­chen I, Urt. v. 14.04.2016 – 23 O 23033/15, DAR 2016, 389 = ju­ris Rn. 46).

(2) Nach der Ge­gen­an­sicht ist ei­ne le­dig­lich all­ge­mei­ne Be­haup­tung zum mer­kan­ti­len Min­der­wert nicht aus­rei­chend. Der Kläu­fer ha­be je­den­falls für die Ver­ur­sa­chung des Preis­rück­gangs kon­kre­te An­knüp­fungs­tat­sa­chen vor­zu­tra­gen. An­dern­falls wür­de die Ein­ho­lung ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens im Zi­vil­pro­zess ei­nen nicht zu­läs­si­gen Aus­for­schungs­be­weis be­deu­ten (LG Braun­schweig, Urt. v. 15.11.2017 – 3 O 719/17, ju­ris Rn. 34 ff.). Aus der Me­di­en­be­richt­er­stat­tung sei be­kannt, dass erst seit Be­ginn des Jah­res 2017 ein fühl­ba­rer Rück­gang der Prei­se für Ge­braucht­fahr­zeu­ge mit ei­nem Die­sel­mo­tor der Eu­ro-5-Norm fest­zu­stel­len sei, wo­bei sich der Rück­gang aber ge­ra­de nicht spe­zi­fisch auf die vom Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Die­sel­fahr­zeu­ge der VW-Fahr­zeug­flot­te be­schrän­ke, son­dern die Die­sel­fahr­zeu­ge al­ler Fahr­zeug­her­stel­ler glei­cher­ma­ßen be­tref­fe. Pkw-Käu­fer sei­en ver­un­si­chert, weil sie auf­grund von Fahr­ver­bo­ten der Groß­städ­te be­fürch­ten müss­ten, be­stimm­te In­nen­städ­te nicht mehr be­fah­ren zu dür­fen. Dies zie­he ei­nen star­ken Rück­gang des An­teils von Die­sel­fahr­zeu­gen am Ge­samt­ver­kauf von Neu­fahr­zeu­gen und sin­ken­de Prei­se nach sich. Die Ver­un­si­che­rung der Käu­fer von Die­sel­fahr­zeu­gen sei aber nicht Fol­ge des VW-Ab­gas­skan­dals. Auf­grund des­sen sei die Kau­sa­li­tät zu ver­nei­nen (LG Dres­den, Urt. v. 08.11.2017 – 7 O 1047/16, ju­ris Rn. 52).

(3) Die zweit­ge­nann­te Auf­fas­sung über­zeugt. Der Se­nat ver­kennt nicht, dass die Prei­se für Die­sel­fahr­zeu­ge tat­säch­lich ge­fal­len sein mö­gen. Der Ver­weis auf ei­ne all­ge­mei­ne ne­ga­ti­ve Stim­mung er­setzt im Zi­vil­pro­zess je­doch nicht den kon­kre­ten Vor­trag zur Kau­sa­li­tät.

Der Klä­ger hät­te zu­min­dest kon­kre­te An­knüp­fungs­tat­sa­chen für ei­ne Ver­ur­sa­chung durch die streit­ge­gen­ständ­li­che Ma­ni­pu­la­ti­on vor­tra­gen müs­sen. Dem ist er nicht nach­ge­kom­men. So hat er nicht dar­ge­legt und be­haup­tet, dass spe­zi­ell der Wert der Fahr­zeu­ge der Mar­ken Volks­wa­gen und Ško­da seit Be­kannt­wer­den des Ab­gas­skan­dals im Jahr 2015 we­sent­lich stär­ker ge­sun­ken sei als der von Die­sel­fahr­zeu­gen an­de­rer Her­stel­ler. So­weit er sich auf den all­ge­mei­nen Preis­ver­fall von Die­sel­fahr­zeu­gen al­ler Mar­ken stützt, hat er nicht hin­rei­chend dar­ge­legt, dass die­ser auf die Ma­ni­pu­la­tio­nen von Volks­wa­gen bzw. Ško­da zu­rück­zu­füh­ren ist.

Wenn die Me­di­en­be­richt­er­stat­tung ei­ne Ver­un­si­che­rung der Pkw-Ei­gen­tü­mer und -Käu­fer we­gen dro­hen­der Fahr­ver­bo­te für Die­sel­fahr­zeu­ge her­aus­stellt, ist dies nicht Fol­ge des VW-Ab­gas­skan­dals. Zwar mag das Be­kannt­wer­den der Ma­ni­pu­la­tio­nen von VW auch ei­nen An­stoß zu die­ser Dis­kus­si­on ge­ge­ben ha­ben. Die Ver­un­si­che­rung auf dem Markt ist je­doch ins­be­son­de­re durch die Be­fürch­tung ver­ur­sacht, von Fahr­ver­bo­ten in den In­nen­städ­ten be­trof­fen und da­durch in der Nut­zung des ei­ge­nen Fahr­zeugs ein­ge­schränkt zu sein. Die­se Be­den­ken be­ru­hen je­doch nicht auf der Ma­ni­pu­la­ti­on der Fahr­zeug­her­stel­ler, son­dern auf der Ver­pflich­tung der Städ­te, die eu­ro­pa­recht­lich vor­ge­ge­be­ne Gren­ze der Fein­staub­be­las­tung ein­zu­hal­ten, wo­zu sie auf­grund ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Ur­tei­le ge­zwun­gen sind (vgl. nun­mehr zur grund­sätz­li­chen Recht­mä­ßig­keit von Fahr­ver­bo­ten BVerwG, Urt. v. 27.02.2018 – 7 C 26/16). Von den dro­hen­den Fahr­ver­bo­ten sind auf­grund ih­res ho­hen Stick­oxid­aus­sto­ßes ins­be­son­de­re Die­sel­fahr­zeu­ge be­trof­fen (LG Dres­den, Urt. v. 08.11.2017 – 7 O 1047/16, ju­ris Rn. 52).

Nä­he­re An­knüp­fungs­tat­sa­chen da­für, war­um den­noch für ei­nen Preis­ver­fall bei Die­sel­fahr­zeu­gen vor al­lem die Soft­ware­ma­ni­pu­la­ti­on des Her­stel­lers Ško­da aus­schlag­ge­bend sein soll, hat der Klä­ger nicht dar­ge­legt.

II. Ein An­spruch des Klä­gers er­gibt sich auch nicht un­ter scha­dens­er­satz­recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten ge­mäß §§ 280 I, III, 281 BGB, § 823 I oder II BGB oder § 826 BGB. Die kauf­recht­li­che Min­de­rung schließt Scha­dens­er­satz­an­sprü­che auf­grund der­sel­ben Ver­mö­gens­ein­bu­ße aus (BGH, Urt. v. 27.05.2011 – V ZR 122/10, ju­ris Rn. 16; Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 77. Aufl., § 441 Rn. 8). Auf die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Fra­ge, ob sich die Be­klag­te Kennt­nis­se des Fahr­zeug­her­stel­lers von der Soft­ware­ma­ni­pu­la­ti­on zu­rech­nen las­sen muss, kommt es auf­grund des­sen nicht an.

III. Auch aus § 812 I 1 Fall 1 BGB er­gibt sich kein An­spruch. Die Zah­lung des Klä­gers er­folg­te auf­grund des Kauf­ver­trags vom 18.06.2013. Er hat den Kauf­ver­trag nicht an­ge­foch­ten.

IV. Man­gels Haupt­for­de­rung be­steht kein An­spruch auf Zah­lung von Zin­sen oder vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten (§§ 280 I, II, 286 BGB).

C. … Der Se­nat lässt die Re­vi­si­on ge­mäß § 543 II Nr. 1 ZPO auf­grund der grund­sätz­li­chen Be­deu­tung der Sa­che zu. Die­se ist ge­ge­ben, wenn ei­ne klä­rungs­be­dürf­ti­ge Fra­ge zu ent­schei­den ist, de­ren Auf­tre­ten in ei­ner un­be­stimm­ten Viel­zahl von Fäl­len zu er­war­ten ist und die des­halb das abs­trak­te In­ter­es­se der All­ge­mein­heit an ei­ner ein­heit­li­chen Ent­wick­lung und Hand­ha­bung des Rechts be­rührt (BGH, Beschl. v. 27.03.2003 – V ZR 291/02, NJW 2003, 1943 = ju­ris Rn. 5 m. w. Nachw.). Dies ist vor­lie­gend auf­grund der Viel­zahl von ähn­lich ge­la­ger­ten Fäl­len im Rah­men des VW-Ab­gas­skan­dals der Fall, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Fra­ge, in­wie­weit der Käu­fer sei­nen Vor­trag zu den Aus­wir­kun­gen der – durch das Up­date be­sei­tig­ten – Soft­ware­ma­ni­pu­la­ti­on auf den Markt­wert des Fahr­zeu­ges sub­stan­zi­ie­ren muss. …

Hin­weis: Die ge­nann­te Ver­fü­gung des OLG Mün­chen vom 20.06.2017 – 8 U 1710/17 – lau­tet:

„Der Se­nat ist der­zeit nicht da­von über­zeugt, dass das an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date ei­ne aus­rei­chen­de Nach­er­fül­lung dar­stellt. Man­gels ei­ge­ner aus­rei­chen­der Sach­kun­de ist der Se­nat ge­neigt, ge­mäß §§ 144 I 1, 525 ZPO die An­fer­ti­gung ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu fol­gen­den Fra­gen ein­zu­ho­len:

  • Er­folgt durch das von der Volks­wa­gen AG an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date ei­ne aus­rei­chen­de Re­du­zie­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes, ins­be­son­de­re des Aus­sto­ßes von Stick­oxi­den?
  • Hat das von der Volks­wa­gen AG an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date ei­ne Min­de­rung der Mo­tor­leis­tung und/oder ei­ne Er­hö­hung des Kraft­stoff­ver­brauchs und/oder ei­ne Er­hö­hung des Mo­tor­ver­schlei­ßes zur Fol­ge?
  • Wie steht es mit dem Wie­der­ver­kaufs­wert der Fahr­zeu­ge des VW-Kon­zerns mit Mo­to­ren, an de­nen ein Soft­ware­up­date durch­ge­führt wer­den soll? Gibt es be­reits Er­fah­run­gen zu Wie­der­ver­kaufs­wer­ten von Fahr­zeu­gen aus dem VW-Kon­zern, an de­nen be­reits das Soft­ware­up­date durch­ge­führt wor­den ist? Falls ja, wie hat sich das Soft­ware­up­date auf den Wie­der­ver­kaufs­preis aus­ge­wirkt?

Der Kfz-Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Ing. (FH) R … hat auf te­le­fo­ni­sche An­fra­ge des Se­nats er­klärt, dass er zu­min­dest zu den Fra­gen ein Gut­ach­ten er­stat­ten kann, ob das von der Volks­wa­gen AG an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date aus tech­ni­scher Sicht ei­ne aus­rei­chen­de Re­du­zie­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes be­wir­ken kann und ob da­mit ei­ne Re­du­zie­rung der Mo­tor­leis­tung, ei­ne Er­hö­hung des Kraft­stoff­ver­brauchs und ei­ne Er­hö­hung des Mo­tor­ver­schlei­ßes ver­bun­den ist. Nach sei­nen An­ga­ben hat er die Mög­lich­keit, ge­eig­ne­te La­bo­re bzw. Prüf­stän­de zu nut­zen. Die Kos­ten ei­nes Gut­ach­tens be­lau­fen sich nach sei­nen An­ga­ben vor­sich­tig ge­schätzt auf 40.000 €.

Der Se­nat sieht der­zeit die Be­klag­ten­sei­te als be­weis­pflich­tig für die Be­haup­tung an, dass das von der Volks­wa­gen AG an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date ei­ne aus­rei­chen­de Nach­er­fül­lung dar­stellt We­gen der ho­hen Gut­ach­ten­kos­ten stellt sich die Fra­ge, ob man für al­le beim 8. Zi­vil­se­nat des OLG Mün­chen rechts­hän­gi­gen Be­ru­fungs­ver­fah­ren ein Gut­ach­ten an­fer­tigt und die Kos­ten auf­teilt, die letzt­lich die Sei­te zu tra­gen hat, die im Be­ru­fungs­ver­fah­ren un­ter­liegt.“

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