1. Auch wenn der Ver­käu­fer ei­nes Ge­braucht­wa­gens dem Käu­fer ga­ran­tiert, dass das Fahr­zeug in der Zeit, in der es sein Ei­gen­tum war, kei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten ha­be,  kann der Käu­fer nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­an­schau­ung re­gel­mä­ßig nur er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­nen Un­fall er­lit­ten hat, bei dem es zu mehr als Ba­ga­tell­schä­den ge­kom­men ist.
  2. Ein Ba­ga­tell­scha­den liegt vor, wenn ein recht­lich als Un­fall ein­zu­stu­fen­des Er­eig­nis so ge­ring­fü­gi­ge Fol­gen hat­te, dass der Kauf­ent­schluss des Er­wer­bers bei ver­nünf­ti­ger Be­trach­tungs­wei­se da­von nicht be­ein­flusst wer­den kann. Des­halb haf­tet selbst der Ver­käu­fer, der dem Käu­fer die Un­fall­frei­heit ei­nes Ge­braucht­wa­gens ga­ran­tiert, nicht für blo­ße Lack­schä­den – ins­be­son­de­re in Form von Krat­zern – und ganz ge­ring­fü­gi­ge klei­nen Beu­len, bei de­nen ver­nünf­ti­ger­wei­se nie­mand auf den Ge­dan­ken kommt, von ei­nem Un­fall­scha­den zu spre­chen.
  3. Von ei­nem Ba­ga­tell­scha­den kann in der Re­gel kei­ne Re­de mehr sein, wenn die Be­sei­ti­gung des Scha­dens ei­nen Kos­ten­auf­wand von 550 € oder mehr er­for­dert.

OLG Köln, Ur­teil 17.10.2006 – 24 U 185/05

Sach­ver­halt: Das LG Aa­chen hat ei­ne Kla­ge auf Zah­lung von 7.576,33 € nebst Zin­sen, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be ei­nes Pkw (Opel Vec­tra) ab­ge­wie­sen. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, der Klä­ger ha­be kei­nen An­spruch auf ei­ne Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges und auf Auf­wen­dungs­er­satz, weil er nicht hin­rei­chend dar­ge­legt ha­be, dass das Fahr­zeug vor der Über­ga­be ei­nen recht­lich re­le­van­ten, über ei­nen Ba­ga­tell­scha­den hin­aus­ge­hen­den Un­fall­scha­den er­lit­ten ha­be.

Die Be­ru­fung des Klä­gers, der un­ter an­de­rem gel­tend ge­macht hat, der Be­klag­te ha­be die Un­fall­frei­heit des Fahr­zeugs „ins Blaue hin­ein“ ver­si­chert, war er­folg­reich.

Aus den Grün­den: II. … Der Klä­ger kann vom Be­klag­ten we­gen des Vor­lie­gens von Un­fall­schä­den an dem er­wor­be­nen Pkw … die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags und die Er­stat­tung von Auf­wen­dun­gen für das Fahr­zeug un­ter An­rech­nung von Nut­zungs­ent­schä­di­gun­gen … ver­lan­gen.

Ein der­ar­ti­ger An­spruch grün­det sich al­ler­dings nicht dar­auf, dass der Be­klag­te den Klä­ger an­läss­lich sei­ner Zu­sa­ge der Un­fall­frei­heit nicht dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass der ver­kauf­te Pkw von di­ver­sen an­de­ren Per­so­nen ge­fah­ren wor­den ist, und der Be­klag­te selbst ge­ge­be­nen­falls kei­ne ei­ge­ne Kennt­nis über das Feh­len von Un­fall­schä­den be­saß.

Ei­ne Scha­dens­er­satz­pflicht des Be­klag­ten aus den §§ 280 I, 311 II Nr. 1 BGB we­gen Ver­let­zung ei­ner vor­ver­trag­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht kann dar­aus nicht ab­ge­lei­tet wer­den.

So­fern der Be­klag­te nun­mehr be­haup­tet, er ha­be das Fahr­zeug auch per­sön­lich ge­fah­ren, wi­der­spricht dies zwar sei­ner Er­klä­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 06.10.2005. Den­noch kann nicht oh­ne Wei­te­res an­ge­nom­men wer­den, dass der Be­klag­te die Un­fall­frei­heit des Fahr­zeugs trotz der für mög­lich ge­hal­te­nen Un­rich­tig­keit sei­ner dies­be­züg­li­chen An­ga­be ins Blaue hin­ein und da­mit arg­lis­tig be­haup­tet hat. Auch wenn an­de­re Per­so­nen den Pkw be­nutzt ha­ben, schließt dies nicht aus, dass sich der Be­klag­te bei den Fahr­zeug­füh­rern über das Aus­blei­ben von Un­fäl­len ver­ge­wis­sert hat. Eben­so we­nig ist an­ge­sichts der auf den ers­ten Blick nicht er­kenn­ba­ren Be­schä­di­gun­gen er­sicht­lich, dass der Be­klag­te mit dem Vor­lie­gen von Un­fall­schä­den ge­rech­net hat. Dann aber war die­ser im Hin­blick dar­auf, dass er das Feh­len von Un­fall­schä­den ga­ran­tiert und da­für ei­ne Ein­stands­pflicht über­nom­men hat, zu ei­nem ge­son­der­ten Hin­weis auf die Be­nut­zung des Fahr­zeugs durch an­de­re Per­so­nen nicht ver­pflich­tet.

Der Klä­ger hat ge­gen den Be­klag­ten in­des­sen aus den §§ 346 I, 437 Nr. 2323 I, 326 V BGB ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung von 6.892,77 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des ge­kauf­ten Pkw …

In­dem der Klä­ger mit Schrei­ben vom 18.05.2005 vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten ist, hat sich das Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen den Par­tei­en in ein Rück­ab­wick­lungs­schuld­ver­hält­nis um­ge­wan­delt.

Der Klä­ger war we­gen des Feh­lens der ver­trag­lich ga­ran­tier­ten Be­schaf­fen­heit der Un­fall­frei­heit des er­wor­be­nen Fahr­zeugs nach den §§ 437 Nr. 2323 I, 326 V BGB zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt. Ent­ge­gen dem Ver­spre­chen des Be­klag­ten im Kauf­ver­trag vom 14.04.2005 hat­te der Wa­gen vor sei­ner Über­ga­be an den Klä­ger in­fol­ge der Kol­li­si­on vom 29.10.2004 ei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten.

Der Be­klag­te hat nach § 443 I BGB ei­ne Ga­ran­tie für die Un­fall­frei­heit des an den Klä­ger ver­äu­ßer­ten Pkw … über­nom­men. Ei­ne Ga­ran­tie liegt vor, wenn der Ver­käu­fer die Ge­währ da­für über­nimmt, dass die ver­kauf­te Sa­che zur Zeit des Ge­fahr­über­gangs ei­ne be­stimm­te Be­schaf­fen­heit auf­weist, und sei­ne un­be­ding­te Be­reit­schaft zu er­ken­nen gibt, für de­ren Feh­len ein­ste­hen zu wol­len (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 10.02.2005 – 28 U 147/04, NJW-RR 2005, 1220 [1221]; Pa­landt/Putzo, BGB, 65. Aufl., § 443 Rn. 3). Nach dem Wort­laut … des Kauf­ver­trags hat der Be­klag­te in dem Ver­merk „der Ver­käu­fer ga­ran­tiert, dass das Kfz in der Zeit, in der es sein Ei­gen­tum war, kei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten hat“ zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass er für die Un­fall­frei­heit des ver­kauf­ten Pkw … – trotz des ge­ne­rel­len Haf­tungs­aus­schlus­ses (§ 444 BGB) – ge­währ­leis­tungs­recht­lich zu haf­ten be­reit war. Auch für die ein­ge­schränk­te Zeit sei­nes Ei­gen­tums am ver­äu­ßer­ten Fahr­zeug kann der Ver­käu­fer ei­ne Ga­ran­tie für die Un­fall­frei­heit über­neh­men (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 23.05.2000 – 28 U 213/99, OLGR 2000, 319, 319 f , Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 9. Aufl., Rn. 1390). Der Be­klag­te hat von sei­nem Ver­spre­chen, für das Feh­len von Un­fall­schä­den wäh­rend sei­ner Ei­gen­tums­zeit ein­zu­ste­hen, klei­ne Lack- und Blech­schä­den nicht aus­ge­nom­men. Die An­ga­be der­ar­ti­ger Vor­schä­den fand sich im Kauf­ver­trags­for­mu­lar un­ter der Über­schrift „Be­schä­di­gun­gen oder Un­fall­schä­den“. Zu­vor hat­te der Be­klag­te je­doch an­ge­kreuzt, dass der ver­kauf­te Wa­gen kei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten ha­be, und da­mit das Feh­len von Un­fall­be­schä­di­gun­gen jeg­li­cher Art ver­si­chert. Aus sei­ner nach § 133 BGB maß­geb­li­chen Sicht durf­te der Klä­ger die ver­trag­li­chen An­ga­ben des Be­klag­ten des­halb nach ih­rem Ge­samt­zu­sam­men­hang da­hin ver­ste­hen, dass die an­ge­ge­be­nen klei­nen Lack­schä­den und Beu­len nicht auf ei­nen Un­fall im en­ge­ren Sin­ne, son­dern auf an­der­wei­ti­ge Be­schä­di­gun­gen (et­wa Ha­gel- oder Van­da­lis­mus­schä­den; vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1390) zu­rück­zu­füh­ren sei­en.

Dem­nach hat der Be­klag­te dem Klä­ger un­ein­ge­schränkt ga­ran­tiert, dass der ge­brauch­te Pkw Opel Vec­tra un­ter sei­nem Ei­gen­tum kei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten ha­be. Tat­säch­lich war das Fahr­zeug je­doch am 29.10.2004 in ei­nen Un­fall ver­wi­ckelt, bei dem der Bru­der des Be­klag­ten auf ei­nen an­de­ren, vor ei­ner Licht­zei­chen­an­la­ge hal­ten­den Wa­gen auf­ge­fah­ren ist. Aus­weis­lich der Ver­kehrs­un­fal­l­an­zei­ge wies die vor­de­re Stoß­stan­ge des Pkw Opel Vec­tra da­nach leich­te Be­schä­di­gun­gen in Form von Krat­zern auf, für de­ren Be­sei­ti­gung die den Un­fall auf­neh­men­de Po­li­zei­be­am­tin ei­nen Kos­ten­auf­wand von 200 € ver­an­schlagt hat. Die­se Be­ein­träch­ti­gun­gen sind als Un­fall­scha­den zu be­wer­ten.

Wel­che Be­schä­di­gun­gen als Un­fall­scha­den zu qua­li­fi­zie­ren sind, ist nach dem na­tür­li­chen Sinn­ge­halt des Be­griffs und un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ver­trags­zwecks aus Sicht der Kauf­ver­trags­par­tei­en zu be­ur­tei­len. Auch bei Er­klä­run­gen zur Un­fall­frei­heit kann der Käu­fer nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­an­schau­ung re­gel­mä­ßig nur er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­ne über die Ba­ga­tell­gren­ze hin­aus­ge­hen­den Schä­den durch plötz­li­che Ein­wir­kun­gen er­lit­ten hat … Ein der­ar­ti­ger Ba­ga­tell­scha­den liegt vor, wenn das recht­lich als Un­fall ein­zu­stu­fen­de Er­eig­nis so ge­ring­fü­gi­ge Fol­gen hat­te, dass bei ver­nünf­ti­ger Be­trach­tungs­wei­se der Kauf­ent­schluss des Er­wer­bers da­von nicht be­ein­flusst wer­den kann (vgl. OLG Mün­chen, Urt. v. 20.06.2002 – 19 U 5820/01, DAR 2002, 454 [455]). Da­her kann die Haf­tung für das Feh­len ei­ner ga­ran­tier­ten Un­fall­frei­heit bei blo­ßen Lack­schä­den, ins­be­son­de­re in Form von Krat­zern, und ganz ge­ring­fü­gi­gen klei­nen Beu­len im Blech ent­fal­len, bei de­nen ver­nünf­ti­ger­wei­se nie­mand auf den Ge­dan­ken kommt, von ei­nem Un­fall­scha­den zu spre­chen (vgl. … OLG Köln, Urt. v. 11.06.1975 – 2 U 31/74, DAR 1975, 327; OLG Karls­ru­he, Urt. v. 27.03.2001 – 3A U 2/01, DAR 2002, 167 [168]; OLG Ko­blenz, Urt. v. 04.12.1997 – 5 U 656/97, VRS 96 [1999], 241 [242]). Die fi­nan­zi­el­le Gren­ze vom Ba­ga­tell­scha­den zur be­acht­li­chen Ver­mö­gens­ein­bu­ße wird von der Recht­spre­chung üb­li­cher­wei­se bei ma­xi­mal et­wa 550 € ge­zo­gen (vgl. OLG Karls­ru­he, Urt. v. 27.03.2001 – 3A U 2/01, DAR 2002, 167 [168]; OLG Ko­blenz, Urt. v. 04.12.1997 – 5 U 656/97, VRS 96 [1999], 241 [242]; OLG Hamm, Urt. v. 14.06.1994 – 28 U 245/93, NJW-RR 1995, 48 [49]; …).

Bei Pri­vat­käu­fern ist al­ler­dings wei­ter zu be­rück­sich­ti­gen, dass ihr Ver­ständ­nis nicht von dem wei­ten ju­ris­ti­schen Un­fall­be­griff jeg­li­cher plötz­li­chen Ein­wir­kung ge­prägt wird (vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 03.12.2004 – 14 U 33/04, ZfS 2005, 130). Viel­mehr ist aus de­ren Sicht dar­auf ab­zu­stel­len, ob der er­wor­be­ne Pkw le­dig­lich für sie völ­lig un­be­deu­ten­de und da­her ver­nach­läs­si­gens­wer­te Schä­den durch Kraft­ein­wir­kun­gen von drit­ter Sei­te – al­so durch Un­fäl­le im en­ge­ren Sin­ne – er­lit­ten hat (vgl. OLG Mün­chen, Urt. v. 20.06.2002 – 19 U 5820/01, DAR 2002, 454 [455]).

Auch in An­be­tracht der nach der Ver­kehrs­un­fal­l­an­zei­ge ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Be­schä­di­gun­gen in Form von Krat­zern an der Stoß­stan­ge und ei­nem ge­schätz­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten­auf­wand von et­wa 200 € ist da­nach un­ter Be­rück­sich­ti­gung der für den Be­klag­ten of­fen­kun­di­gen In­ter­es­sen des Klä­gers die Gren­ze von ei­ner recht­lich un­er­heb­li­chen Ba­ga­tell­be­ein­träch­ti­gung zu ei­nem ge­währ­leis­tungs­recht­lich re­le­van­ten Un­fall­scha­den über­schrit­ten. Die Kol­li­si­on am 29.10.2004 stell­te ei­nen aus Sicht des Klä­gers – als pri­va­ten Käu­fers – ty­pi­schen Ver­kehrs­un­fall dar, so­dass die Be­schä­di­gung der Stoß­stan­ge die her­kömm­li­chen Kri­te­ri­en ei­nes Un­fall­scha­dens er­füll­te. Es han­del­te sich dem­nach nicht (wie bei sonst aus dem Un­fall­scha­den­be­griff her­aus­fal­len­den Be­ein­träch­ti­gun­gen) um ei­ne bei mehr­jäh­ri­gem Ge­brauch häu­fig auf­tre­ten­de Be­schä­di­gung auf­grund all­täg­li­cher Un­acht­sam­keit (vgl. hier­zu OLG Mün­chen, Urt. v. 20.06.2002 – 19 U 5820/01, DAR 2002, 454 [455]). Viel­mehr war der – zur Un­fall­zeit erst et­wa drei Jah­re zu­ge­las­se­ne – Pkw in ei­nen Auf­fahr­un­fall ver­wi­ckelt, in­fol­ge des­sen das da­vor be­find­li­che Fahr­zeug auf ei­nen wei­te­ren Wa­gen auf­ge­scho­ben wor­den ist. Auf­grund je­nes Un­fall­her­gangs er­schien zu­min­dest aus der Sicht ei­nes po­ten­zi­el­len Pri­vat­käu­fers wie des Klä­gers nicht aus­ge­schlos­sen, dass an dem Pkw wei­te­re – auf den ers­ten Blick un­sicht­ba­re und die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Wa­gens nicht un­mit­tel­bar be­ein­träch­ti­gen­de – Be­schä­di­gun­gen auf­ge­tre­ten wa­ren. Der Klä­ger hat in­des, in­dem er sich die Un­fall­frei­heit des Pkw Opel Vec­tra hat ga­ran­tie­ren las­sen, auf das Feh­len von Un­fall­schä­den er­sicht­lich Wert ge­legt. Sinn und Zweck ei­ner Ver­käu­fer­ga­ran­tie ist je­doch ge­ra­de, dass ein pri­va­ter Käu­fer in der Re­gel nicht die Mög­lich­keit hat, so­fort bei Ver­trags­schluss um­fas­sen­de Un­ter­su­chun­gen und Rück­fra­gen da­hin ge­hend an­zu­stel­len, ob der zu ver­äu­ßern­de Wa­gen ei­nen Un­fall­scha­den er­lit­ten hat, und ge­ra­de we­gen die­ser Er­ken­nungs- und Auf­klä­rungs­schwie­rig­kei­ten ei­ne Zu­sa­ge der Un­fall­frei­heit bei ei­nem ge­brauch­ten Fahr­zeug ver­langt wird (vgl. OLG Köln, Urt. v. 11.06.1975 – 2 U 31/74, DAR 1975, 327). Dann aber er­war­tet der Käu­fer of­fen­kun­dig. dass von der Ga­ran­tie des Ver­käu­fers zu­min­dest sol­che vor­an­ge­gan­ge­nen Kol­li­sio­nen er­fasst wer­den, die mit der Ge­fahr wei­ter­ge­hen­der ver­bor­ge­ner Be­schä­di­gun­gen – wie dies bei ei­nem erst ein hal­bes Jahr zu­rück­lie­gen­den Auf­fahr­un­fall der Fall ist – ein­her­ge­hen.

Vor die­sem Hin­ter­grund stell­te der je­den­falls ei­ne Be­schä­di­gung der Stoß­stan­ge her­bei­füh­ren­de Un­fall vom 29.10.2004 – un­ab­hän­gig da­von, ob bei die­ser Ge­le­gen­heit auch der Front­stahl­trä­ger und der Kli­ma­kon­den­sa­tor in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wor­den sind – ei­nen die Haf­tung des Be­klag­ten aus­lö­sen­den Ga­ran­tie­fall ge­mäß Nr. 1.3 des Kauf­ver­trags dar.

Das dar­aus re­sul­tie­ren­de Recht des Klä­gers zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ist nicht we­gen der Un­er­heb­lich­keit je­ner Be­schaf­fen­heits­ab­wei­chung nach den §§ 323 V 2, 326 V, 437 Nr. 2 BGB aus­ge­schlos­sen.

Von dem Aus­nah­me­tat­be­stand der Un­er­heb­lich­keit ei­nes Man­gels ist aus­zu­ge­hen, wenn das In­ter­es­se des Gläu­bi­gers an ei­ner Rück­ab­wick­lung des Ver­trags ge­ring ist, wo­hin­ge­gen der Schuld­ner er­heb­lich be­las­tet wird (vgl. BGH, Urt. v. 24.03.2006 – V ZR 173/05). Dem­nach spielt ei­ne we­sent­li­che Rol­le, wel­che sach­li­che Be­deu­tung der Man­gel für den Käu­fer hat (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1442). Da ei­nem Käu­fer kei­ne Sa­che auf­ge­zwun­gen wer­den kann, die er im be­män­gel­ten Zu­stand nicht ha­ben woll­te, ist auch ein an sich nicht schwer­wie­gen­der Man­gel als er­heb­lich ein­zu­stu­fen, wenn die­ser nicht oder nur schwer be­heb­bar ist (vgl. MünchKomm-BGB/Wes­ter­mann, 4. Aufl., § 437 Rn. 11; Er­man/Gru­ne­wald, BGB, 11. Aufl., § 437 Rn. 7). Bei der Über­nah­me ei­ner Ver­käu­fer­ga­ran­tie liegt ei­ne er­heb­li­che Pflicht­ver­let­zung im Üb­ri­gen selbst dann vor, wenn der Wert oder die Taug­lich­keit des Fahr­zeugs nur un­we­sent­lich ge­min­dert ist (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1440). In­dem sich der Klä­ger das Feh­len von Un­fall­schä­den vom Be­klag­ten hat ga­ran­tie­ren las­sen, hat er zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass die – auch nach der Re­pa­ra­tur un­fall­be­ding­ter Be­schä­di­gun­gen nicht wie­der­her­zu­stel­len­de – Un­fall­frei­heit sei­nen Ent­schluss zur An­schaf­fung des Fahr­zeugs we­sent­lich be­ein­flusst hat. Dem­entspre­chend hat sich der Be­klag­te bei Ein­tritt des Ga­ran­tie­falls jeg­li­cher Art der Sach­män­gel­haf­tung un­ter­wor­fen. Dann aber kann die Be­schä­di­gung des Pkw … an­läss­lich des Auf­fahr­un­falls vom 29.10.2004, selbst wenn die­se nur die Stoß­stan­ge be­trof­fen ha­ben soll­te, nicht als un­er­heb­li­cher, die Rück­tritts­be­rech­ti­gung des Klä­gers aus­schlie­ßen­der Man­gel ge­wer­tet wer­den.

Der Klä­ger kann da­her, nach­dem er mit Schrei­ben vom 18.05.2005 vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten ist, ge­mäß den §§ 346 I, 348, 437 Nr. 2, 323 I, 326 V BGB die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Pkw … ver­lan­gen.

Ein vor­he­ri­ges Ver­lan­gen der frist­ge­rech­ten Nach­er­fül­lung (§§ 439 I, 323 I BGB) war nach § 326 V BGB ent­behr­lich. Dem Be­klag­ten war die Be­sei­ti­gung des Man­gels ge­mäß § 275 I BGB un­mög­lich, da ei­ne Be­he­bung der auf­ge­tre­te­nen Un­fall­schä­den den dem Pkw … an­haf­ten­den „Ma­kel“ des Un­fall­fahr­zeugs nicht be­sei­ti­gen konn­te (vgl. da­zu LG Saar­brü­cken, Urt. v. 29.07.2004 – 2 S 21/04, ZfS 2004, 562 [563]). Auch die Nach­lie­fe­rung ei­nes an­de­ren Pkw ist bei ei­nem durch die spe­zi­el­le Nut­zung in­di­vi­dua­li­sier­ten Ge­braucht­wa­gen je­den­falls dann un­mög­lich, wenn die­ser – wie vor­lie­gend – meh­re­re Jah­re alt ist und ei­ne nicht un­er­heb­li­che Lauf­leis­tung er­bracht hat (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 10.02.2005 – 28 U 147/04NJW-RR 2005, 1220 [1221]).

In­fol­ge sei­nes Rück­tritts vom Kauf­ver­trag ist dem Klä­ger nicht nur ein An­spruch auf Er­stat­tung des Kauf­prei­ses von 6.950 €, son­dern auch ein sol­cher auf Er­satz von Kos­ten für die An­schaf­fung von Som­mer­rei­fen, Fuß­mat­ten und ei­nes Aschen­be­chers, für die Um­mel­dung des Fahr­zeugs so­wie fur die Durch­füh­rung ei­ner In­spek­ti­on in ei­ner Ge­samt­hö­he von 626,33 € er­wach­sen.

So­weit der Klä­ger den Pkw … um­ge­mel­det und Fahr­zeug­zu­be­hör ge­kauft hat, hat der Be­klag­te ihm die dies­be­züg­lich an­ge­fal­le­nen Kos­ten nach § 284 BGB zu er­set­zen. § 284 BGB ist im Hin­blick auf § 325 BGB ne­ben der Ver­wen­dungs­er­satz­re­ge­lung des § 347 II BGB an­wend­bar (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2849]).

An­ge­sichts der über­nom­me­nen Ga­ran­tie für das Feh­len von Un­fall­schä­den hat der Be­klag­te dem Klä­ger nach § 276 I 1 Halb­satz 2 BGB un­ab­hän­gig von ei­nem Ver­schul­den Auf­wen­dun­gen zu er­set­zen, die der Klä­ger im Ver­trau­en auf den Er­halt des Pkw … ge­tä­tigt hat und die sich spä­ter als nutz­los her­aus­ge­stellt ha­ben. Dar­un­ter fal­len auch Aus­ga­ben des Käu­fers für die Um­mel­dung ei­nes ge­kauf­ten, sich spä­ter als man­gel­haft er­wei­sen­den Pkw so­wie für nach dem Er­werb an­ge­schaff­tes Fahr­zeug­zu­be­hör, wenn der Käu­fer die Kauf­sa­che we­gen ih­rer Man­gel­haf­tig­keit zu­rück­gibt und die­se da­her nicht mehr be­stim­mungs­ge­mäß nut­zen kann (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850 f.]).

Nach die­sen Kri­te­ri­en sind die Kos­ten für die durch­ge­führ­te, sich als lang­fris­tig nutz­los her­aus­stel­len­de In­spek­ti­on gleich­falls nach § 284 BGB er­stat­tungs­fä­hig. Da­ge­gen ver­mag der Be­klag­te nicht ein­zu­wen­den, er ha­be erst kurz vor der Über­ga­be des Pkw an den Klä­ger ei­ne um­fas­sen­de In­spek­ti­on durch­füh­ren las­sen. Dass die vom Klä­ger ver­an­lass­te Fahr­zeug­war­tung aus sei­ner Sicht über­flüs­sig war und er des­halb ent­spre­chend § 254 I BGB (vgl. Pa­landt/Hein­richs, BGB, 65. Aufl., § 284 Rn. 6) un­nö­ti­ge Kos­ten pro­du­ziert hat, ist nicht er­sicht­lich. Der Klä­ger hat in Ab­re­de ge­stellt, dass ihm der Be­klag­te Mit­tei­lung von der an­geb­li­chen In­spek­ti­on ge­macht hat. Auch ei­ne Ein­tra­gung in ein Ser­vice­heft, wel­chem der Klä­ger die vor­an­ge­gan­ge­ne Fahr­zeug­war­tung hät­te ent­neh­men kön­nen, ist un­ter­blie­ben.

So­weit in der Rech­nung vom 19.05.2005 über die In­spek­ti­on zu­gleich Auf­wen­dun­gen für die Be­gut­ach­tung des Fahr­zeugs auf et­wai­ge Un­fall­schä­den ent­hal­ten sind, sind auch die­se dem Klä­ger zu er­set­zen. Der­ar­ti­ge – auf­grund der ver­mu­te­ten Man­gel­haf­tig­keit ent­stan­de­ne – Kos­ten stel­len zwar kei­ne nutz­lo­sen Auf­wen­dun­gen im Ver­trau­en auf den Be­stand des Kauf­ver­trags dar (vgl. LG Bonn, Urt. v. 30.10.2003 – 10 O 27/03, NJW 2004, 74 [75]). Sie sind aber als sol­che der zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung nach der Vor­schrift des – ne­ben § 284 BGB an­wend­ba­ren – § 280 I BGB er­satz­fä­hig (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850]; OLG Ko­blenz, Urt. v 01.04.2004 – 5 U 1385/03, NJW 2004, 1670 [1671]). In­so­weit stellt der Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch nach § 284 BGB ei­ne Al­ter­na­ti­ve al­lein zum Scha­dens­er­satz­an­spruch statt der Leis­tung dar (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850]; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1530).

Der Klä­ger muss sich auf sei­nen dem­nach in Hö­he von ins­ge­samt 7.576,33 € ent­stan­de­nen Zah­lungs­an­spruch ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung für den zwi­schen­zeit­li­chen Ge­brauch des Pkw Opel Vec­tra an­spruchs­min­dernd an­rech­nen las­sen.

Der Be­klag­te hat sich dar­auf be­ru­fen, der Klä­ger müs­se für den Fahr­zeug­ein­satz Ent­schä­di­gung leis­ten, und da­mit hilfs­wei­se die Auf­rech­nung mit ei­nem An­spruch auf Ver­gü­tung der von die­sem ge­zo­ge­nen Ge­brauchs­vor­tei­le nach den §§ 346 I, II Nr. 1, 437 Nr. 2, 326 V  BGB er­klärt. Die­se Vor­tei­le be­lau­fen sich nach der im Rah­men des § 287 ZPO an­er­kann­ten Me­tho­de des li­nea­ren Wert­schwunds (vgl. BGH, Urt. v. 02.06.2004 – VI­II ZR 329/03, NJW 2004, 2299 [2301]; Urt. v. 17.05.1995 – VI­II ZR 70/94, NJW 1995, 2159 [2161]; Urt. v. 26.06.1991 – VI­II ZR 198/90, NJW 1991, 2484 [2485 f.]; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1455), aus­ge­hend von ei­nem Kauf­preis von 6.950 €, seit der Fahr­zeug­über­nah­me zu­rück­ge­leg­ter 18.050 km und ei­ner zu er­war­ten­den Rest­fahr­leis­tung von 200.000 km, auf ei­nen Be­trag von 627,24 €. Über den vom Klä­ger in An­rech­nung ge­brach­ten Be­trag von 321,44 € ist sein Zah­lungs­an­spruch da­her ge­mäß § 389 BGB in Hö­he wei­te­rer 305,80 € er­lo­schen.

So­weit sich der Be­klag­te dar­auf be­schränkt, die vom Klä­ger an­ge­ge­be­ne Ge­samt­fahr­leis­tung mit Nicht­wis­sen zu be­strei­ten, lässt er au­ßer Acht, dass er für die Hö­he der in An­rech­nung zu brin­gen­den Nut­zungs­ent­schä­di­gung dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig ist (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1459). An­ge­sichts des­sen ob­lag es ihm, sei­ne Be­haup­tung ei­ner – den vom Klä­ger zu­ge­stan­de­nen Ki­lo­me­ter­stand über­stei­gen­den – Ge­samt­fahr­leis­tung un­ter Be­weis zu stel­len; dies hat er trotz ent­spre­chen­den Hin­wei­ses des Se­nats nicht ge­tan.

Im Rah­men der an­zu­rech­nen­den Nut­zungs­vor­tei­le ist zu­dem zu be­rück­sich­ti­gen, dass dem Klä­ger sei­ne wei­te­ren Auf­wen­dun­gen auf den er­wor­be­nen Pkw eben­falls Im Rah­men der Fahr­zeug­nut­zung zu­gu­t­ege­kom­men sind. Der Be­klag­te hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15.08.2006 klar­ge­stellt, dass sich sei­ne Hilfs­auf­rech­nung mit ei­nem Nut­zungs­ent­schä­di­gungs­an­spruch auch auf die vom Klä­ger ge­tä­tig­ten Auf­wen­dun­gen er­streckt. Die vom Käu­fer ge­tä­tig­ten In­ves­ti­tio­nen in den er­wor­be­nen Pkw – sei es un­ter dem Ge­sichts­punkt. dass sie in An­be­tracht der ei­ge­nen Nut­zungs­zeit nicht völ­lig ver­geb­lich wa­ren, sei es un­ter dem As­pekt der Vor­teils­aus­glei­chung – sind als Ge­brauchs­vor­zü­ge an­spruchs­min­dernd zu be­rück­sich­ti­gen (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850 f.]; OLG Stutt­gart, Urt. v. 25.08.2004 – 3 U 78/04, ZGS 2004, 434 [436]). Dies be­trifft nicht nur das an­ge­schaff­te Zu­be­hör, son­dern auch die Kos­ten fur die Um­mel­dung des Wa­gens und des­sen In­spek­ti­on (mit Aus­nah­me der Auf­wen­dun­gen für die Be­gut­ach­tung der Un­fall­schä­den), von de­nen der Fahr­zeu­ger­wer­ber gleich­falls pro­fi­tiert hat (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850 f.]). Die ent­stan­de­nen Nut­zungs­vor­tei­le kön­nen da­bei gleich­falls nach der Me­tho­de des li­nea­ren Wert­schwunds er­mit­telt wer­den (vgl. BGH, Urt. v. 20.07.2005 – VI­II ZR 275/04, NJW 2005, 2848 [2850]). An­ge­sichts des­sen, dass die Um­mel­dung so­wie die An­schaf­fung von Fuß­mat­ten und Aschen­be­cher un­mit­tel­bar nach der Über­nah­me des Fahr­zeugs so­wie der Kauf der Som­mer­rei­fen und die In­spek­ti­on et­wa ei­nen hal­ben Mo­nat spä­ter er­folgt sind, las­sen sich die an­re­chen­ba­ren Ge­brauchs­vor­tei­le aus den Zu­satz­auf­wen­dun­gen des Klä­gers ge­mäß § 287 II ZPO auf ei­nen Ge­samt­be­trag von 56,32 € schät­zen.

Der dem­nach ver­blei­ben­de An­spruch des Klä­gers auf Zah­lung von 6.892,77 € hat sich in­fol­ge der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wei­ter er­klär­ten Hilfs­auf­rech­nung des Be­klag­ten mit ei­nem an­geb­li­chen Wert­er­satz­an­spruch aus § 346 I, II Nr. 3 BGB im Hin­blick auf die Ver­bie­gung des Stoß­fän­ger­trä­gers und des Kli­ma­kon­den­sa­tors des Pkw … nicht ge­mäß § 389 BGB wei­ter ver­min­dert. Dem Be­klag­ten steht ein sol­cher An­spruch man­gels Ver­schlech­te­rung des Fahr­zeugs wäh­rend der Be­sitz­zeit des Klä­gers nicht zu. Er hat nicht nach­ge­wie­sen, dass der Front­be­reich des Wa­gens erst nach des­sen Über­ga­be an den Klä­ger am 15.04.2006 be­schä­digt wor­den ist.

Der Zeu­ge W hat zwar be­kun­det, er ha­be auf Ver­an­las­sung des Be­klag­ten im Hin­blick auf den be­vor­ste­hen­den Ver­kauf ei­ne gro­ße In­spek­ti­on am Pkw durch­ge­führt, die auch die Über­prü­fung der Kli­ma­an­la­ge und des Fahr­zeugs von un­ten um­fasst ha­be. Da­bei ha­be er bis auf die ab­ge­fah­re­nen Rei­fen kei­ne Be­ein­träch­ti­gun­gen, ins­be­son­de­re we­der ei­ne ein­ge­schränk­te Funk­ti­ons­taug­lich­keit der Kli­ma­an­la­ge noch ei­ne Ver­bie­gung des – von un­ten sicht­ba­ren – Front­stahl­trä­gers fest­ge­stellt.

Auf Nach­fra­ge hat der Zeu­ge in­des­sen ein­ge­räumt, dass er an die be­schrie­be­nen Un­ter­su­chun­gen kei­ne kon­kre­te Er­in­ne­rung mehr ha­be, son­dern de­ren Durch­füh­rung aus dem re­gel­mä­ßi­gen Um­fang ei­ner gro­ßen In­spek­ti­on und sei­ner Über­zeu­gung, die da­bei ein­zu­hal­ten­de „Check­lis­te“ um­fas­send ab­ge­ar­bei­tet zu ha­ben, rück­schlie­ße.

Dem­entspre­chend ver­moch­te sich der Zeu­ge auch nicht mehr dar­an zu er­in­nern, ob der Pkw Opel Vec­tra bei sei­ner Be­sich­ti­gung klei­ne Lack­schä­den oder Beu­len – die der Be­klag­te im Kauf­ver­trag selbst an­ge­ge­ben hat – auf­wies. Die dar­um ein­ge­schränk­te Be­weis­kraft der Aus­sa­ge des Zeu­gen ist wei­ter da­durch ge­min­dert wor­den, dass die­ser kei­ne nä­he­ren An­ga­ben da­zu ma­chen konn­te, wann die In­spek­ti­on durch­ge­führt wor­den ist. Wel­cher Zeit­raum zwi­schen der von Ihm ge­schil­der­ten War­tung und der Über­ga­be des Fahr­zeugs an den Klä­ger am 15.04.2005 lag, ins­be­son­de­re, ob der Pkw un­mit­tel­bar im An­schluss dar­an aus­ge­lie­fert wor­den ist, lässt sich den Be­kun­dun­gen des Zeu­gen nicht ent­neh­men.

Blei­ben des­halb schon an­hand der Aus­sa­ge des Zeu­gen W Zwei­fel an der Un­ver­sehrt­heit des Fahr­zeugs zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs zu­rück, so wer­den die­se noch da­durch ver­stärkt, dass die Zeu­gin E be­kun­det hat, der am 15.04.2005 über­nom­me­ne Pkw ha­be, bis der Klä­ger wäh­rend ei­ner Fahrt bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren am 01.05.2005 die Funk­ti­ons­un­taug­lich­keit der Kli­ma­an­la­ge be­merkt ha­be, we­der wäh­rend der Be­nut­zung durch sie ei­nen Un­fall er­lit­ten, noch ha­be der Klä­ger – als ein­zi­ger wei­te­rer Fah­rer – von der Ver­wick­lung in ei­ne Kol­li­si­on be­rich­tet.

Er­gän­zend hat die Zeu­gin be­rich­tet, sie ha­be den Wa­gen, nach­dem der Klä­ger mit die­sem an den Werk­ta­gen von sei­ner Ar­beits­stel­le zu­rück­ge­kehrt sei, teil­wei­se selbst be­nutzt oder ihn je­den­falls an­ge­sichts des Par­kens vor dem Haus täg­lich wahr­ge­nom­men. Dann aber hät­ten der Ehe­frau des Klä­gers et­wai­ge mit dem Ein­drü­cken des Stoß­fän­ger­trä­gers und der da­mit ver­bun­de­nen Be­schä­di­gung des Kli­ma­kon­den­sa­tors ein­her­ge­hen­de Fahr­zeug­schä­den auf­fal­len müs­sen. Wie der – als Werk­statt­lei­ter fach­kun­di­ge – Zeu­ge W er­läu­tert hat, muss der Ver­bie­gung des Front­stahl­trä­gers ei­ne Be­schä­di­gung des vor­ge­la­ger­ten la­ckier­ten Stoß­fän­gers und des Kenn­zei­chen­schil­des vor­an­ge­gan­gen sein. Dass der Klä­ger in­ner­halb sei­ner täg­li­chen mehr­stün­di­gen Ab­we­sen­heit mit dem Pkw … ei­nen Un­fall er­lit­ten und zu des­sen Ver­schleie­rung vor sei­ner Rück­kehr den Stoß­fän­ger und das Kenn­zei­chen­schild noch am sel­ben Tag hat aus­tau­schen las­sen, er­scheint eher fern­lie­gend.

Der Aus­sa­ge der Zeu­gin E kann nicht des­halb jeg­li­che Be­weis­kraft ab­ge­spro­chen wer­den, weil sie ih­re An­ga­ben zur zeit­li­chen Ab­fol­ge … im Ver­lauf ih­rer Ver­neh­mung kor­ri­giert und re­la­ti­viert hat. Ihr auf Vor­halt er­folg­tes Ein­ge­ständ­nis, über die Ge­sche­hens­ab­läu­fe nicht im Ein­zel­nen in­for­miert zu sein, hat die Zeu­gin nach­voll­zieh­bar da­mit er­klärt, dass nicht sie, son­dern der Klä­ger sich um die Auf­klä­rung des De­fekts an der Kli­ma­an­la­ge ge­küm­mert ha­be.

An­ge­sichts des­sen gibt das Aus­sa­ge­ver­hal­ten der Zeu­gin, auch wenn sie als Ehe­frau des Klä­gers ein per­sön­li­ches In­ter­es­se am Aus­gang des Rechts­streits hat, kei­ne An­halts­punk­te da­für, dass die­se im Hin­blick auf das Feh­len sicht­ba­rer Un­fall­schä­den die Un­wahr­heit ge­sagt hat.

Un­ter die­sen Um­stan­den hat sich der Se­nat kei­ne hin­rei­chend si­che­re Über­zeu­gung dar­über bil­den kön­nen, dass Front­stahl­trä­ger und Kli­ma­kon­den­sa­tor des Pkw … erst wah­rend der Be­sitz­zeit des Klä­gers ver­bo­gen wor­den sind. Viel­mehr er­scheint es nach den Aus­sa­gen der Zeu­gen W und E nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Be­schä­di­gun­gen schon vor dem 15.04.2005 – sei es, dass sie vom Zeu­gen W un­be­merkt schon wäh­rend der In­spek­ti­on vor­la­gen, sei es in­fol­ge ih­res Ein­tritts erst nach der War­tung – vor­han­den wa­ren.

Der zu­ge­spro­che­ne Zins­an­spruch ist aus den §§ 288 I, 286 I BGB ge­recht­fer­tigt.

Der Be­klag­te be­fin­det sich nach Ab­lauf der ihm mit Schrei­ben vom 18.05.2005 ge­setz­ten Frist mit der ge­schul­de­ten Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, so­weit der An­spruch des Klä­gers nicht in­fol­ge der er­klär­ten Hilfs­auf­rech­nung rück­wir­kend er­lo­schen ist, seit dem 01.06.2005 ge­mäß § 286 I 1 BGB in Ver­zug. Dem­ge­gen­über Ist der Ver­zug des Be­klag­ten mit der Er­stat­tung der vom Klä­ger ge­tä­tig­ten Zu­satz­auf­wen­dun­gen über 626,33 € man­gels vor­he­ri­ger Mah­nung erst mit Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift ein­ge­tre­ten (§ 286 I 2 BGB).

Der Klä­ger hat im Hin­blick auf die nach den §§ 322 III, 274 II, 348 BGB, § 756 I ZPO er­leich­ter­ten Zwangs­voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, dass der Ver­zug des Be­klag­ten mit der Rück­nah­me des Pkw … fest­ge­stellt wird (§ 256 I ZPO). Sein dies­be­züg­li­ches Fest­stel­lungs­be­geh­ren ist auch sach­lich be­grün­det. Der Be­klag­te be­fin­det sich mit der Rück­nah­me des Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug (§ 293 BGB). Der Klä­ger hat ihn mit Schrei­ben vom 18.05.2005 ge­mäß § 295 Satz 1 BGB zur Er­stat­tung des Kauf­prei­ses bis zum 30.05.2005, Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs, auf­ge­for­dert. Die­sem be­rech­tig­ten An­sin­nen ist der Be­klag­te in der Fol­ge­zeit nicht nach­ge­kom­men …

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