1. Ein Käu­fer, der sich statt für ei­ne Er­satz­lie­fe­rung für ei­ne Nach­bes­se­rung ent­schie­den hat, ist an die­se Wahl ge­bun­den. Je­den­falls dann, wenn der Ver­käu­fer be­reits mit der Nach­bes­se­rung be­gon­nen hat, muss er ab­war­ten, ob die­se in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist Er­folg hat.
  2. Ein Fahr­zeug ist nicht schon dann ein „Mon­tags­au­to“, wenn ein­mal we­gen ei­nes Ge­räuschs beim Kupp­lungs­vor­gang ein Werk­statt­auf­ent­halt nö­tig wird und da­bei drei Män­gel an dem Fahr­zeug be­sei­tigt wer­den. Denn dies lässt nicht den Schluss zu, dass mit wei­te­ren Män­geln zu rech­nen sein und sich ei­ne Män­gel­frei­heit über ei­nen nen­nens­wer­ten Zeit­raum nicht er­rei­chen las­sen wird.
  3. Bei der Nach­bes­se­rung ver­wen­de­te Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­le sind als neu­wer­tig ein­zu­stu­fen. Er­wei­sen sich die­se neu­wer­ti­gen Aus­tausch­tei­le als tat­säch­li­chen Neu­tei­len tech­nisch völ­lig gleich­wer­tig, hat die Ver­wen­dung die­ser Tei­le kei­ne tech­ni­sche Wert­min­de­rung ei­nes Fahr­zeugs zur Fol­ge, so­dass mit fach­ge­rech­tem Ein­bau die­ser Tei­le Man­gel­frei­heit ein­tritt.

OLG Cel­le, Ur­teil vom 19.12.2012 – 7 U 103/12

Sach­ver­halt: Der Klä­ger er­warb von der Be­klag­ten Mit­te Mai 2009 ei­nen neu­en VW Golf. Er brach­te das Fahr­zeug, des­sen Kur­bel­wel­le be­reits bei Aus­lie­fe­rung an den Klä­ger de­fekt war, im Ja­nu­ar 2010 in die Werk­statt der Be­klag­ten, weil er ein Ge­räusch beim Los­las­sen des Kupp­lungs­pe­dals be­merkt hat­te. Die Be­klag­te tausch­te den Kupp­lungs­neh­mer­zy­lin­der und das Ge­trie­be aus und er­setz­te ei­nen Teil des Mo­tors. Als Er­satz­tei­le ver­wen­de­te sie kei­ne Neu-, son­den tech­nisch neu­wer­ti­ge Aus­tausch­tei­le des Fahr­zeug­her­stel­lers, die nach des­sen An­ga­ben Neu­tei­len in je­der Hin­sicht gleich­wer­tig sind.

Nach­dem ihm der Pkw zu­rück­ge­ge­ben wor­den war, er­klär­te der Klä­ger am 15.02.2010 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag mit der Be­grün­dung, er sei mit den Män­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten am Mo­tor nicht ein­ver­stan­den ge­we­sen.

Sei­ne Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … 1. Der Klä­ger kann die Be­klag­te nicht ge­mäß § 346 BGB auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags … in An­spruch neh­men. Denn man­gels ei­nes Rück­tritts­grun­des muss­te der von ihm er­klär­te Rück­tritt nach § 323 BGB wir­kungs­los blei­ben.

Ge­mäß § 323 I BGB ist der Gläu­bi­ger zum Rück­tritt be­rech­tigt, wenn der Schuld­ner ei­ne ihm ob­lie­gen­de fäl­li­ge Leis­tung nicht bzw. nicht ver­trags­ge­mäß er­bringt. Die­se Vor­aus­set­zung ist hier nicht ge­ge­ben. Denn der Man­gel am Mo­tor, der dem Neu­fahr­zeug bei sei­ner Aus­lie­fe­rung an­ge­haf­tet hat­te, ist durch die Be­klag­te im We­ge der Nach­er­fül­lung be­ho­ben wor­den.

So­weit der Klä­ger hier­zu ein­wen­det, dass sein Rück­tritt des­halb be­grün­det sei, weil er mit den Män­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten am Mo­tor nicht ein­ver­stan­den ge­we­sen sei und weil die Nach­bes­se­rung der Be­klag­ten als fehl­ge­schla­gen an­ge­se­hen wer­den müs­se, kann er hier­mit nicht ge­hört wer­den.

a) Als die Be­klag­te an­kün­dig­te, den Man­gel im Be­reich der Kur­bel­wel­len­la­ge­rung des Neu­fahr­zeugs durch Vor­nah­me ei­nes Tei­le­motor­wech­sels zu be­sei­ti­gen, war es dem Klä­ger ver­wehrt, mit sei­ner Rück­tritts­er­klä­rung zu den nach­ran­gi­gen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­chen über­zu­ge­hen, weil der Be­klag­ten noch das Recht auf Nach­bes­se­rung zu­kam.

Am 13.01.2010 hat­te der Klä­ger das Fahr­zeug, das ihm Mit­te Mai 2009 aus­ge­lie­fert wor­den war, in die Werk­statt der Be­klag­ten ge­bracht, nach­dem er ein kla­cken­des Ge­räusch beim Los­las­sen des Kupp­lungs­pe­dals be­merkt hat­te. Un­strei­tig ist, dass er hier­bei die Be­klag­te mit der Be­he­bung der Ge­räusch­ent­wick­lung be­auf­tragt hat­te. Dar­auf­hin wur­de sei­tens der Be­klag­ten, die ih­re Ar­bei­ten ge­gen­über dem Her­stel­ler ab­rech­ne­te, zu­nächst der Kupp­lungs­neh­mer­zy­lin­der für 154,91 € er­neu­ert, so­dann das Ge­trie­be für 2.430,46 € aus­ge­tauscht und schließ­lich Ar­bei­ten am Mo­tor für 2.231,04 € aus­ge­führt, wo­bei ein Teil des Mo­tors (Kur­bel­ge­häu­se mit Kur­bel­wel­le und Kol­ben) er­setzt wur­de. Nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen G lag ein De­fekt an der Kur­bel­wel­le vor, der das be­an­stan­de­te kla­cken­de Ge­räusch beim Kupp­lungs­vor­gang ver­ur­sacht hat­te. Noch im Ja­nu­ar 2010 wur­de das Fahr­zeug nach Durch­füh­rung der Mo­tor­ar­bei­ten an den Klä­ger zu­rück­ge­ge­ben.

Un­strei­tig ist zwar, dass ein Ver­tre­ter der Be­klag­ten am 18.01.2010 bei dem Sohn des Klä­gers an­ge­ru­fen und den Tei­le­aus­tausch des Mo­tors an­ge­kün­digt hat­te, wo­mit sich der Sohn des Klä­gers nicht ein­ver­stan­den er­klärt hat­te; er hat­te sich aus­drück­lich ge­gen die Vor­nah­me von Ar­bei­ten am Mo­tor aus­ge­spro­chen mit dem Hin­weis, dass das Fahr­zeug zu­rück­ge­ge­ben wer­den sol­le. Die­ses An­lie­gen ist un­strei­tig von der Be­klag­ten ge­gen­über dem Klä­ger und sei­nem Sohn zu­rück­ge­wie­sen wor­den, die dar­auf­hin den Tei­le­aus­tausch des Mo­tors vor­nahm. Dies nahm der Klä­ger zum An­lass, mit Schrei­ben vom 15.02.2010 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag zu er­klä­ren. Hier­zu war er in­des nicht be­rech­tigt.

Dem Käu­fer steht ge­mäß § 439 I BGB zwar das Recht zu, zwi­schen Män­gel­be­sei­ti­gung und Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che zu ent­schei­den.

Hat sich der Käu­fer für ei­ne Nach­bes­se­rung und nicht für Er­satz­lie­fe­rung ent­schie­den, ist er an die­se Wahl ge­bun­den; er muss ab­war­ten, ob die Nach­er­fül­lung in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist Er­folg hat oder nicht. Dies gilt je­den­falls dann, wenn der Ver­käu­fer be­reits mit der Nach­er­fül­lung be­gon­nen hat (Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 11. Aufl., Rn. 668 ff.). Vor­lie­gend hat­te die Be­klag­te, nach­dem der Klä­ger ihr den Wa­gen am 13.01.2010 mit der Auf­for­de­rung, die Ur­sa­che für das kla­cken­de Ge­räusch beim Kupp­lungs­vor­gang zu be­stim­men und zu be­sei­ti­gen, um­ge­hend Maß­nah­men er­grif­fen und da­bei nach­ein­an­der Ar­bei­ten an der Kupp­lung, am Schalt­ge­trie­be und am Mo­tor vor­ge­nom­men, wo­bei mit dem noch im Ja­nu­ar 2010 er­folg­ten Ein­bau des Tei­le­mo­tors der Man­gel be­ho­ben war. Da die Be­klag­te grund­sätz­lich nicht ge­hal­ten war, den Klä­ger vor Ab­schluss ih­rer Ar­bei­ten hier­über zu in­for­mie­ren, weil sie sich dies­be­züg­lich nicht mit dem Klä­ger ab­zu­stim­men hat­te, ist es recht­lich un­be­deu­tend, dass sich der Sohn des Klä­gers ge­gen­über der Be­klag­ten am 18.01.2010 aus­drück­lich ge­gen die Vor­nah­me des Aus­tau­sches des Tei­le­mo­tors aus­ge­spro­chen hat­te (was der Klä­ger nach­träg­lich be­stä­tigt hat). Die Be­klag­te war un­ein­ge­schränkt von dem Klä­ger be­auf­tragt wor­den, die Ur­sa­che des von dem Klä­ger ge­rüg­ten Ge­räu­sches, das, wie sich wäh­rend der Ar­bei­ten der Be­klag­ten her­aus­stell­te, auf ei­nen De­fekt des Tei­le­mo­tors zu­rück­ging, fest­zu­stel­len und zu be­sei­ti­gen, und hier­an muss­te sich der Klä­ger fest­hal­ten las­sen.

Der Klä­ger kann auch nichts dar­aus her­lei­ten, dass die Be­klag­te den man­gel­haf­ten Teil des Mo­tors (die Kur­bel­wel­le) nicht re­pa­riert hat, son­dern den be­trof­fe­nen Teil des Mo­tors gänz­lich aus­ge­tauscht hat. Denn die Wahl der Mit­tel und die Art und Wei­se der Nach­bes­se­rung ste­hen im Er­mes­sen des Ver­käu­fers. Er kann frei dar­über ent­schei­den, ob man­gel­haf­te Tei­le re­pa­riert oder durch Neu­tei­le er­setzt wer­den (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 671). Die Maß­nah­men der Nach­er­fül­lung müs­sen zwar in­ner­halb an­ge­mes­se­ner Frist und oh­ne er­heb­li­che Un­an­nehm­lich­kei­ten für den Käu­fer er­fol­gen. Ein un­mit­tel­ba­res Ein­wir­kungs- oder Mit­spra­che­recht des Käu­fers er­gibt sich hier­aus aber nicht (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 672). Dem Klä­ger, dem für die Dau­er der knapp drei­wö­chi­gen Re­pa­ra­tur sei­nes Pkw ein Leih­wa­gen zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den war, war es des­halb ver­wehrt, der Be­klag­ten in Be­zug auf ih­re Ar­bei­ten An­wei­sun­gen zu er­tei­len; er muss­te viel­mehr den Ab­schluss die­ser Ar­bei­ten ab­war­ten.

Et­was an­de­res gilt zwar dann, wenn die von dem Ver­käu­fer vor­ge­nom­me­nen Maß­nah­men der Nach­bes­se­rung für den Käu­fer un­zu­mut­bar ge­wor­den sind (§ 440 BGB). Ei­ne Un­zu­mut­bar­keit der Nach­bes­se­rung wird bei Neu­fahr­zeu­gen ins­be­son­de­re bei so­ge­nann­ten Mon­tags­au­tos an­ge­nom­men (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1014). Hier­auf will sich der Klä­ger mit sei­ner Be­ru­fung be­ru­fen, in­dem er ein­wen­det, dass vor dem Tei­le­aus­tausch des Mo­tors be­reits ein Kupp­lungs­teil so­wie das Schalt­ge­trie­be aus­ge­tauscht wor­den sei­en. Da­durch ist sein Wa­gen je­doch nicht zu ei­nem Mon­tags­au­to ge­wor­den.

Von ei­nem Mon­tags­au­to spricht man, wenn an dem Neu­fahr­zeug nach sei­ner Aus­lie­fe­rung stän­dig neue Män­gel auf­tre­ten, we­gen der sich der Wa­gen lau­fend in der Werk­statt be­fin­det. In ei­nem sol­chem Fall kann es für den Käu­fer, nach­dem be­reits ei­ne Viel­zahl von Män­geln be­sei­tigt sind, nicht mehr zu­mut­bar sein, we­gen ei­nes aber­mals auf­tre­ten­den Man­gels den Wa­gen wie­der­um in die Werk­statt zu brin­gen; er kann viel­mehr, oh­ne noch­mals Ge­le­gen­heit zur Nach­bes­se­rung zu ge­ben, vom Kauf­ver­trag zu­rück­zu­tre­ten, wenn der Schluss auf ei­ne Ge­samt­man­gel­haf­tig­keit kraft Feh­ler­an­fäl­lig­keit ge­zo­gen wer­den kann (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 983 ff.; fer­ner KG, Urt. v. 27.07.2009 – 12 U 35/08, NJW-RR 2010, 706; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 23.03.2011 – I-3 U 47/10, NJW-RR 2011, 1276). So ver­hält es sich vor­lie­gend aber nicht.

Der Klä­ger hat den Neu­wa­gen ein­ma­lig we­gen ei­nes Ge­räuschs beim Kupp­lungs­vor­gang in die Werk­statt ge­bracht, wel­ches auf ei­nen De­fekt am Mo­tor (Kur­bel­wel­le) zu­rück­zu­füh­ren war. Wenn die Be­klag­te bei Über­prü­fung des Wa­gens fest­ge­stellt ha­ben soll­te, wie der Klä­ger an­nimmt, dass (auch) die Kupp­lung und das Ge­trie­be feh­ler­haft und des­halb aus­zu­tau­schen wa­ren, kann dem Fahr­zeug den­noch kei­ne be­son­de­re Feh­ler­an­fäl­lig­keit zu­ge­wie­sen wer­den, die es recht­fer­ti­gen kann, noch vor der Be­sei­ti­gung des ge­rüg­ten Man­gels das Ein­ver­ständ­nis in die Be­he­bung die­ses Man­gels zu wi­der­ru­fen und zum Rück­tritt über­zu­ge­hen. Denn der ein­ma­li­ge Werk­statt­auf­ent­halt, auch wenn hier­bei an­geb­lich drei Män­gel be­sei­tigt wor­den sind, lässt ent­ge­gen der An­sicht des Klä­gers nicht den Schluss zu, dass mit wei­te­ren Män­geln zu rech­nen sein wird und des­halb ei­ne Män­gel­frei­heit über ei­nen nen­nens­wer­ten Zeit­raum nicht zu er­rei­chen sein wird. Viel­mehr hat es hier bei dem Grund­satz ver­blei­ben, dass dem Ver­käu­fer we­gen je­des ein­zel­nen Man­gels Ge­le­gen­heit ge­ge­ben wer­den muss nach­zu­er­fül­len, um die Se­kun­där­rech­te des Käu­fers ab­zu­weh­ren.

Da der Ein­wand des Klä­gers in Be­zug auf die Recht­spre­chung zu dem Mon­tags­au­to be­reits nach sei­nem Vor­trag nicht durch­grei­fen kann, kann vor­lie­gend da­hin­ste­hen, ob die Kupp­lung und das Ge­trie­be am Fahr­zeug tat­säch­lich de­fekt wa­ren, wie der Klä­ger be­haup­tet, oder ob die­se Bau­grup­pen le­dig­lich im Rah­men der Feh­ler­su­che zur Lo­ka­li­sie­rung des ge­rüg­ten Ge­räuschs nach Vor­ga­ben des Her­stel­lers aus­ge­tauscht wor­den sind, wie von der Be­klag­ten vor­ge­tra­gen wird (und wo­für auch das Gut­ach­ten spricht). In je­dem Fall hat ei­ne ein­heit­li­che Nach­bes­se­rung statt­ge­fun­den; es hat nicht, wie der Klä­ger erst­in­stanz­lich ein­ge­wandt hat, vor dem Aus­tausch des Mo­tors zwei fehl­ge­schla­ge­ne Nach­bes­se­rungs­ver­su­che ge­ge­ben, die zum Rück­tritt be­rech­ti­gen.

Erst­in­stanz­lich hat der Klä­ger noch vor­ge­bracht, dass in­zwi­schen wei­te­re Män­gel am Fahr­zeug auf­ge­tre­ten sei­en (wie sich lö­sen­de Tür­dich­tun­gen), was die Be­klag­te zu­gleich be­strit­ten hat. Nach­dem die Be­klag­te den Wa­gen dar­auf­hin un­ter­sucht hat­te, konn­te sie die von dem Klä­ger be­an­stan­de­ten wei­te­ren Män­gel nicht fest­stel­len. Dem ist der Klä­ger erst­in­stanz­lich ent­ge­gen­ge­tre­ten, kommt hier­auf in der Be­ru­fungs­in­stanz aber nicht mehr zu­rück, nach­dem das Land­ge­richt in sei­nem Ur­teil zu­tref­fend hier­zu aus­ge­führt hat, dass we­gen die­ser Män­gel die Nach­er­fül­lungs­pha­se nicht durch­lau­fen ist.

b) Ent­ge­gen der An­sicht des Klä­gers kann er sich nicht dar­auf be­ru­fen, dass sein Rück­tritts­be­geh­ren des­halb be­rech­tigt sei, weil die von der Be­klag­ten durch­ge­führ­te Nach­bes­se­rung als fehl­ge­schla­gen an­zu­se­hen sei, wo­bei es auf ei­ne Frist­set­zung zur Nach­bes­se­rung ge­mäß § 323 BGB nicht mehr an­kom­me, nach­dem die Be­kla­ge an dem Mo­tor kei­ne wei­te­ren Ar­bei­ten durch­füh­ren wol­le. Denn die Be­klag­te hat den vor­ge­le­ge­nen Man­gel am Fahr­zeug end­gül­tig und ab­schlie­ßend be­sei­tigt.

Es steht im Er­mes­sen des Ver­käu­fers, wie er die Nach­bes­se­rung vor­nimmt. Ent­schei­dend ist, dass die­se zum Er­folg, das heißt zur Män­gel­frei­heit der Kauf­sa­che führt. Hier­bei ist er­for­der­lich, dass die Maß­nah­me nach den Re­geln der Tech­nik und den Vor­ga­ben des Her­stel­ler­werks fach­ge­recht und voll­stän­dig durch­ge­führt wird. Ste­hen gleich­wer­ti­ge Va­ri­an­ten zur Ver­fü­gung, darf der Ver­käu­fer auf die kos­ten­güns­ti­ge zu­rück­grei­fen (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 698 f.).

Vor­ste­hend steht au­ßer Fra­ge, dass die Be­klag­te die Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten an dem Ge­trie­be und dem Mo­tor fach­ge­recht nach den Vor­ga­ben von VW durch­ge­führt hat. Sie hat als Er­satz­tei­le auch Ori­gi­nal-Er­satz­tei­le von VW ver­wandt, al­ler­dings kei­ne VW-Neu­tei­le im ei­gent­li­chen Sin­ne, son­dern VW-Aus­tausch­tei­le. Bei ei­nem Aus­tausch von Tei­len ei­nes Neu­fahr­zeugs kann zwar die ge­schul­de­te Be­schaf­fen­heit nur durch die Ver­wen­dung von Neu­tei­len und nicht von ge­brauch­ten Tei­len her­bei­ge­führt wer­den (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 700 ff.). Bei den hier ver­wand­ten Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­len han­delt es sich nach der Pro­dukt­be­schrei­bung des Her­stel­lers VW um tech­nisch neu­wer­ti­ge Tei­le, die den ent­spre­chen­den Neu­tei­len in nichts nach­ste­hen. Denn Alt­tei­le wer­den in­dus­tri­ell so auf­be­rei­tet, dass sie die glei­che Qua­li­tät und Si­cher­heit so­wie glei­che Le­bens­dau­er und Leis­tung wie Neu­tei­le ha­ben. Die Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­le kön­nen des­halb nicht als ge­brauch­te oder ge­ne­ral­über­hol­te Tei­le an­ge­se­hen wer­den, son­dern sind als neu­wer­ti­ge Tei­le ein­zu­stu­fen. Er­wei­sen sich nun die­se neu­wer­ti­gen Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­le im Ver­gleich zu den ei­gent­li­chen VW-Neu­tei­len als tech­nisch völ­lig gleich­wer­tig, hat die Ver­wen­dung die­ser Tei­le kei­ne tech­ni­sche Wert­min­de­rung des Fahr­zeugs zur Fol­ge, so­dass bei dem fach­ge­rech­ten Ein­bau die­ser Tei­le Man­gel­frei­heit ein­tritt (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 703; OLG Mün­chen, Urt. v. 13.08.2003 – 3 U 2888/03, NJW-RR 2003, 1562 [1564]). Dies gilt auch vor­lie­gend.

Denn bei sei­ner münd­li­chen An­hö­rung hat der Sach­ver­stän­di­ge vor dem Land­ge­richt hier­zu an­ge­ge­ben, dass der bei Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs vor­ge­le­ge­ne tech­ni­sche Man­gel an der Kur­bel­wel­le und dem Mit­tel­la­ger durch den Ein­bau der Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­le in tech­ni­scher Hin­sicht voll­stän­dig be­sei­tigt ist.

So­weit der Sach­ver­stän­di­ge den­noch die An­sicht ver­tritt, dass ein mer­kan­ti­ler Min­der­wert vor­lie­ge, den er zum Zeit­punkt No­vem­ber 2011 auf 1.000 € ge­schätzt hat, hat er dies nicht da­mit be­grün­det, dass Ori­gi­nal-VW-Aus­tausch­tei­le kei­ne Neu­tei­le im ei­gent­li­chen Sin­ne sind, son­dern da­mit, dass ein po­ten­zi­el­ler Käu­fer ei­nes re­la­tiv jun­gen Fahr­zeugs arg­wöh­nisch wird, dass an solch ei­nem Fahr­zeug ein Teil des Mo­tors aus­ge­tauscht wer­den muss­te (wo­bei die­ser Arg­wohn un­ab­hän­gig da­von ist, ob als Ori­gi­nal-Er­satz­teil ein Ori­gi­nal-Neu­teil oder ein neu­wer­ti­ges Ori­gi­nal-Aus­tausch­teil Ver­wen­dung ge­fun­den hat). Die Auf­fas­sung des Sach­ver­stän­di­gen be­ruht of­fen­bar auf der Recht­spre­chung zu den Un­fall­fahr­zeu­gen, die trotz fach­ge­rech­ter und voll­stän­di­ger Un­fall­in­stand­set­zung und oh­ne Zu­rück­blei­ben ei­nes tech­ni­schen Min­der­werts gleich­wohl sach­man­gel­haft blei­ben, weil die Un­fall­ei­gen­schaft als sol­che als Sach­man­gel an­ge­se­hen wird, die nicht be­heb­bar ist (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3146). Die­se Er­wä­gung ist aber auf ein nach­ge­bes­ser­tes Fahr­zeug nicht über­trag­bar.

Ist der am Fahr­zeug vor­han­den ge­we­se­ne Sach­man­gel im Rah­men der Nach­er­fül­lung fach­ge­recht und voll­stän­dig be­ho­ben wor­den, haf­tet, weil die Nach­bes­se­rung als sol­che kei­nen Sach­man­gel be­grün­den kann, dem nach­ge­bes­ser­ten Fahr­zeug kein mer­kan­ti­ler Min­der­wert an, der zu ei­ner Min­de­rung be­rech­tigt. Denn nach der Wer­tung des Ge­setz­ge­bers grei­fen die se­kun­dä­ren Ge­währ­leis­tungs­rech­te des Käu­fers erst ein, wenn die Nach­er­fül­lung er­folg­los ge­blie­ben ist (oder ent­behr­lich war). Dies gilt auch in dem Fall, in dem ein Neu­fahr­zeug auf­grund von Nach­bes­se­rungs­maß­nah­men nicht mehr über sei­ne Ori­gi­nal­tei­le ver­fügt, die­se viel­mehr durch tech­nisch gleich­wer­ti­ge Neu­tei­le bzw. neu­wer­ti­ge Ori­gi­nal­tei­le des Her­stel­lers er­setzt wor­den sind. Denn ist mit dem Tei­le­aus­tausch am Fahr­zeug der ge­rüg­te Man­gel fach­ge­recht und voll­stän­dig be­sei­tigt wor­den, die Nach­bes­se­rung in tech­ni­scher Hin­sicht er­folg­reich ver­lau­fen, ist kein Sach­man­gel mehr ge­ge­ben, der Ge­währ­leis­tungs­rech­te des Käu­fers aus­lö­sen kann …

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