1. Be­auf­tragt der Fahr­zeug­ei­gen­tü­mer ei­nen ge­werb­li­chen Au­to­händ­ler ge­gen er­folgs­ab­hän­gi­ges Ent­gelt (Pro­vi­si­on) da­mit, sein Fahr­zeug auf des­sen Fir­men­ge­län­de an­zu­bie­ten und im Na­men und für Rech­nung des Auf­trag­ge­bers zu ver­kau­fen (Ver­mitt­lungs­ver­trag), so ist das da­mit ver­bun­de­ne Ver­trags­ver­hält­nis re­gel­mä­ßig als ent­gelt­li­che Ge­schäfts­be­sor­gung mit Dienst­ver­trag­scha­rak­ter ein­zu­ord­nen.
  2. Zur Fra­ge der Un­wirk­sam­keit der in ei­nen sol­chen Ver­trag auf­ge­nom­me­nen Klau­sel über ei­ne „Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le“ nach § 307 I und II BGB.

BGH, Ur­teil vom 13.01.2011 – III ZR 78/10 

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ist Ei­gen­tü­mer ei­nes Pkw Opel Za­fi­ra und ver­langt von der Be­klag­ten, die ei­nen Au­to­han­del be­treibt und der er die­ses Fahr­zeug zur Ver­mitt­lung des Ver­kaufs über­ge­ben hat­te, die Her­aus­ga­be sei­nes Au­tos. Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob der Be­klag­ten ei­ne Ge­gen­for­de­rung auf Zah­lung ei­ner Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le in Hö­he von wö­chent­lich 40 € zu­züg­lich Um­satz­steu­er zu­steht.

Am 15.08.2008 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­ten „Ver­mitt­lungs­ver­trag“, der un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen ent­hält:

„1.) Der Händ­ler wird er­mäch­tigt und be­auf­tragt, im Na­men und auf die Rech­nung des Auf­trag­ge­bers das die­sem ge­hö­ren­de nach­fol­gend be­schrie­be­ne Fahr­zeug un­ter Aus­schluss jeg­li­cher Ge­währ­leis­tung des Händ­lers zu ver­kau­fen und zu über­eig­nen.
2.) … Ab­mel­den: Ja. Ge­bühr: 20 € …
1. Der Ver­kaufs­preis wird vom Auf­trag­ge­ber auf 12.300 € (brut­to) wie be­spro­chen fest­ge­setzt …
2. …
3. Bei er­folg­rei­cher Ver­mitt­lung er­hält der Auf­trag­neh­mer 10 % des Ver­kaufs­prei­ses … als Pro­vi­si­on. Als Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le wer­den pro Wo­che 40,00 € zzgl. MwSt. be­rech­net, die vom Ver­kaufs­preis in Ab­zug ge­bracht wer­den. Die Pro­vi­si­on wird auf den un­ter Punkt 1 ge­nann­ten Be­trag auf­ge­schla­gen. Die­se Wer­be- und Platz­mie­te­pau­scha­le ist auch dann zu be­zah­len, wenn es nicht zur Ver­mitt­lung des Fahr­zeu­ges kommt …
11. Bei Ab­ho­lung des Fahr­zeugs sind die an­ge­fal­le­nen Kos­ten in bar zu ent­rich­ten …“

Das Fahr­zeug des Klä­gers konn­te nicht ver­kauft wer­den und be­fin­det sich wei­ter­hin auf dem Ver­kaufs­ge­län­de der Be­klag­ten. Mit Schrei­ben vom 27.04.2009 und 04.05.2009 ver­lang­te der Klä­ger die Her­aus­ga­be des Au­tos. Hier­zu er­klär­te sich die Be­klag­te nur ge­gen Zah­lung der nach Maß­ga­be der Num­mer 2.3 des Ver­mitt­lungs­ver­trags er­rech­ne­ten Pau­scha­le be­reit. Un­ter dem 22.07.2009 er­teil­te die Be­klag­te dem Klä­ger ei­ne Rech­nung über ei­ne Sum­me von 2.352,40 €; hier­von ent­fal­len 20 € auf Ab­mel­de­ge­büh­ren und 2.332,40 € auf „Platz­mie­te und Wer­bungs­kos­ten“ für 49 Wo­chen.

Der Klä­ger hat ge­meint, die ver­trag­li­che Be­stim­mung über die Zah­lung ei­ner wö­chent­li­chen Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le von 40 € sei ge­mäß §§ 305c, 307 ff. BGB un­wirk­sam. Die Be­klag­te hat die­se Re­ge­lung hin­ge­gen für wirk­sam ge­hal­ten und sich we­gen ih­rer Ge­gen­for­de­rung von 2.352,40 € auf ein Zu­rück­be­hal­tungs­recht be­ru­fen. Das Land­ge­richt hat die Be­klag­te un­ein­ge­schränkt zur Her­aus­ga­be des Pkw ver­ur­teilt. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt zu­rück­ge­wie­sen. Mit ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Be­geh­ren, le­dig­lich Zug um Zug ge­gen Zah­lung von 2.352,40 € zur Her­aus­ga­be ver­ur­teilt zu wer­den, wei­ter. Das Rechts­mit­tel hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: [7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt (DAR 2010, 468) hat zur Be­grün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus­ge­führt:

[8]    Die Be­klag­te kön­ne sich ge­gen­über dem nach §§ 667, 675 BGB und § 985 BGB be­grün­de­ten Her­aus­ga­be­an­spruch des Klä­gers nicht mit Er­folg auf ein Zu­rück­be­hal­tungs­recht be­ru­fen, da ihr kein An­spruch auf Zah­lung der ver­lang­ten Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le zu­ste­he. Bei der Re­ge­lung in Num­mer 2.3 des Ver­mitt­lungs­ver­trags han­de­le es sich um ei­ne Ne­ben­preis­ab­re­de, die der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB zu­gäng­lich sei. Die Haupt­leis­tungs­pflicht der Be­klag­ten be­ste­he in der Ver­mitt­lung des Ver­kaufs des ihr über­ge­be­nen Fahr­zeugs, und im Ge­gen­zu­ge schul­de der Kun­de die ver­ein­bar­te – er­folgs­ab­hän­gi­ge – Pro­vi­si­on. Die Be­wer­bung und Vor­füh­rung so­wie die Be­reit­stel­lung, Si­che­rung und Pfle­ge des Pkw auf dem Ge­län­de der Be­klag­ten dien­ten nicht un­mit­tel­bar dem In­ter­es­se des Kun­den, son­dern in ers­ter Li­nie dem ei­ge­nen In­ter­es­se der Be­klag­ten, ei­nen Ver­kauf zu ver­mit­teln, hier­für die ver­ab­re­de­te Pro­vi­si­on zu er­lan­gen und sich ge­gen et­wai­ge Er­satz­an­sprü­che des Kun­den zu si­chern. Dem­entspre­chend wür­den die­se Leis­tun­gen üb­li­cher­wei­se nicht ge­son­dert be­rech­net, son­dern mit der ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­on ab­ge­gol­ten. Die hier­von ab­wei­chen­de Re­ge­lung stel­le ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Kun­den nach § 307 I und II Nr. 2 BGB dar. Bei län­ge­rer Stand­dau­er kön­ne die auf­ge­lau­fe­ne Sum­me der Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le den Be­trag der ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­on über­stei­gen, so­dass die Be­klag­te an ei­ner als­bal­di­gen er­folg­rei­chen Ver­kaufs­ver­mitt­lung wirt­schaft­lich kein In­ter­es­se ha­be und hier­durch der ei­gent­li­che Ver­trags­zweck ge­fähr­det wer­de. Ob die Klau­sel dar­über hin­aus auch als über­ra­schend i. S. von § 305c BGB an­zu­se­hen sei, kön­ne da­hin­ste­hen. So­weit die Be­klag­te 20 € für die Ab­mel­de­ge­büh­ren ver­lan­ge, sei ih­re Ge­gen­for­de­rung be­rech­tigt, doch kön­ne die Be­klag­te aus Grün­den der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit we­gen ei­ner solch ge­rin­gen For­de­rung die Her­aus­ga­be des Au­tos nicht ver­wei­gern.

[9]    II. Die­se Be­ur­tei­lung hält der recht­li­chen Nach­prü­fung stand.

[10]   1. Zu­tref­fend und von der Re­vi­si­on auch nicht an­ge­grif­fen hat das Be­ru­fungs­ge­richt den Her­aus­ga­be­an­spruch des Klä­gers so­wohl aus § 985 BGB als auch aus §§ 667, 675 I BGB her­ge­lei­tet.

[11]   Be­auf­tragt – wie hier – der Fahr­zeug­ei­gen­tü­mer ei­nen ge­werb­li­chen Au­to­händ­ler ge­gen Ent­gelt (Pro­vi­si­on) da­mit, sein Fahr­zeug auf des­sen Fir­men­ge­län­de an­zu­bie­ten und im Na­men und für Rech­nung des Auf­trag­ge­bers zu ver­kau­fen (Ver­mitt­lungs­ver­trag), so ist das da­mit ver­bun­de­ne Ver­trags­ver­hält­nis re­gel­mä­ßig als ent­gelt­li­che Ge­schäfts­be­sor­gung mit Dienst­ver­trag­scha­rak­ter ein­zu­ord­nen (s. BGH, Urt. v. 24.11.1980 – VI­II ZR 339/79, NJW 1981, 388 [389]; Urt. v. 14.07.1982 – VI­II ZR 161/81, BGHZ 85, 11 [13]; Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 10. Aufl., Rn. 1234; für den iso­lier­ten Ver­mitt­lungs­auf­trag wohl a. A. OLG Stutt­gart, NJW-RR 1988, 891 [892]), wo­bei ei­ne Nä­he so­wohl zum Mak­ler­dienst­ver­trag als auch zum Kom­mis­si­ons­ge­schäft nicht von der Hand zu wei­sen ist. Vom Mak­ler­dienst­ver­trag un­ter­schei­det sich der Ver­mitt­lungs­ver­trag in­des ins­be­son­de­re durch Art und Reich­wei­te der dem be­auf­trag­ten Au­to­händ­ler ob­lie­gen­den Pflich­ten; die­ser ist ne­ben ei­nem Tä­tig­wer­den im Sin­ne ei­nes ak­ti­ven Be­mü­hens um den er­folg­rei­chen Ver­kauf des Fahr­zeugs (ver­gleich­bar dem Mak­ler­dienst­ver­trag) auch ge­hal­ten, das Au­to auf sei­nem Fir­men­ge­län­de für In­ter­es­sen­ten be­reit­zu­stel­len und vor­zu­füh­ren, es si­cher auf­zu­be­wah­ren und zu pfle­gen (s. da­zu et­wa OLG Hamm, NJW-RR 1999, 777; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1237, 1240 m. w. Nachw.) und ge­ge­be­nen­falls auch zu ver­si­chern (s. da­zu BGH, Urt. v. 08.01.1986 – VI­II ZR 8/85, NJW 1986, 1099 f.; OLG Cel­le, NZV 1992, 404; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1240 m. w. Nachw.; ab­wei­chend OLG Hamm, NJW-RR 1999, 777 f.). Vom Kom­mis­si­ons­ge­schäft (§§ 383 ff. HGB) un­ter­schei­det sich der Ver­mitt­lungs­auf­trag vor al­lem dar­in, dass der Ver­kauf im Na­men und für Rech­nung des Auf­trag­ge­bers er­folgt und der Be­auf­trag­te hier­bei nicht – als mit­tel­ba­rer Stell­ver­tre­ter – im ei­ge­nen Na­men han­delt (s. et­wa OLG Hamm, NJW-RR 1999, 777).

[12]   Maß­geb­lich ab­zu­stel­len ist mit­hin in ers­ter Li­nie auf die in § 675 I BGB in Be­zug ge­nom­me­nen Vor­schrif­ten des Auf­trags­rechts (§§ 662 ff. BGB) so­wie auf die Re­ge­lun­gen des Dienst­ver­trags­rechts (§§ 611 ff. BGB).

[13]   2. Oh­ne Rechts­feh­ler hat das Be­ru­fungs­ge­richt ein Zu­rück­be­hal­tungs­recht der Be­klag­ten we­gen der von ihr gel­tend ge­mach­ten Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le ver­neint. Die dies­be­züg­li­che for­mu­lar­ver­trag­li­che Be­stim­mung in Num­mer 2.3 des Ver­mitt­lungs­ver­trags ist ge­mäß § 307 I und II BGB un­wirk­sam, so­dass der Be­klag­ten kein hier­auf ge­stütz­ter Zah­lungs­an­spruch zu­steht.

[14]   a) Nach zu­tref­fen­der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts un­ter­liegt die­se Klau­sel der In­halts­kon­trol­le ge­mäß §§ 307 bis 309 BGB

[19]   … Bei die­ser Be­stim­mung han­delt es sich um ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Ne­ben­ab­re­de über ein zu­sätz­li­ches Ent­gelt oh­ne ech­te Ge­gen­leis­tung des Ver­wen­ders. Hier­durch will sich die Be­klag­te ei­ne Tä­tig­keit ver­gü­ten las­sen, die sie nach Maß­ga­be der Ge­samt­heit der we­sent­li­chen Rech­te und Pflich­ten, die sich aus der Na­tur und dem Zweck des Ver­mitt­lungs­ver­trags er­ge­ben, vor­nehm­lich im ei­ge­nen In­ter­es­se ent­fal­tet.

[20]   Als ver­trag­li­che Haupt­leis­tungs­pflich­ten ste­hen sich ei­ner­seits die Pflicht des be­auf­trag­ten Au­to­händ­lers, sach­ge­rech­te Be­mü­hun­gen zum auf­trags­ge­mä­ßen Ver­kauf des ihm über­las­se­nen Fahr­zeugs zu ent­fal­ten, und an­de­rer­seits die Pflicht des Auf­trag­ge­bers (Fahr­zeug­ei­gen­tü­mers) zur Zah­lung ei­ner er­folgs­ab­hän­gi­gen Pro­vi­si­on ge­gen­über. Mit der Pro­vi­si­ons­zah­lung, de­ren Hö­he sich am er­ziel­ten Ver­kaufs­preis ori­en­tiert, ist nach den re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts aus dem Blick­win­kel der Ver­kehrser­war­tung – in­so­fern nicht we­sent­lich an­ders als beim Mak­ler(dienst-)ver­trag – das vom Auf­trag­ge­ber ge­schul­de­te Ent­gelt voll­stän­dig er­bracht und die Leis­tung des Be­auf­trag­ten ins­ge­samt ab­ge­gol­ten. Hier­nach zählt der Auf­wand, der für die Er­folg ver­spre­chen­de Prä­sen­ta­ti­on des Fahr­zeugs auf dem Fir­men­ge­län­de des Be­auf­trag­ten an­fällt, zu des­sen Ge­mein­kos­ten, die nicht selbst­stän­dig er­stat­tungs­fä­hig und üb­li­cher­wei­se bei der Pro­vi­si­on mit ein­ge­rech­net sind (s. auch LG Mün­chen I, DAR 1998, 394 [395]; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1261). Da die Pau­scha­le nach den For­mu­l­ar­be­din­gun­gen der Be­klag­ten auch im Er­folgs­fal­le zu ent­rich­ten ist, kann dies da­zu füh­ren, dass ei­ne nach der Rechts­na­tur des Ver­trags­ver­hält­nis­ses be­reits voll­stän­dig ab­ge­gol­te­ne Leis­tung im Ge­wan­de ei­ner „Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le“ noch­mals („dop­pelt“) zu be­zah­len ist.

[21]   Hin­zu kommt Fol­gen­des: Un­ge­ach­tet des Um­stands, dass der be­auf­trag­te Au­to­händ­ler ver­trag­lich ver­pflich­tet ist, sich um den Ver­kauf des Fahr­zeugs zu be­mü­hen, so ist es doch im We­sent­li­chen sei­ne Sa­che, dar­über zu be­fin­den, wel­chen Auf­wand er für die Be­reit­stel­lung und Be­wer­bung des Fahr­zeugs auf sei­nem Fir­men­ge­län­de im Ein­zel­nen er­brin­gen will. Die­sen Auf­wand be­treibt er nach der ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten In­ter­es­sen­la­ge vor­nehm­lich im ei­ge­nen In­ter­es­se an als­bal­di­ger Er­zie­lung ei­ner mög­lichst ho­hen Pro­vi­si­on; er wä­re da­her nach dem Zweck des Ver­mitt­lungs­ver­trags und den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen von ihm selbst und nicht von sei­nem Auf­trag­ge­ber zu tra­gen.

[22]   Schließ­lich er­gibt sich aus dem dis­po­si­ti­ven Ge­set­zes­recht für die Be­klag­te kein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ent­gelts, wie es ihr durch die Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le ver­schafft wer­den soll. Der ver­trag­lich fest­ge­leg­te Dienst­lohn (§§ 611, 612 i. V. mit § 675 I BGB) be­steht, wie oben dar­ge­legt, aus­schließ­lich in der ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­on. § 670 BGB (i. V. mit § 675 I BGB) ge­währt kei­nen An­spruch auf (zu­sätz­li­che) Ver­gü­tung für ei­ne Tä­tig­keit, son­dern auf Er­satz von frei­wil­li­gen Ver­mö­gens­op­fern, die der Be­auf­trag­te für sei­nen Auf­trag­ge­ber auf sich nimmt (s. da­zu et­wa Se­nat, Urt. v. 18.04.2002 – III ZR 199/01, NJW 2002, 2386 [2387] …). Kon­kre­te Auf­wen­dun­gen für Wer­be­mit­tel und die Be­reit­stel­lung des Stand­plat­zes ste­hen hier aber nicht in Re­de.

[23]   b) Die Klau­sel ist ge­mäß § 307 I und II BGB un­wirk­sam, weil sie den Kun­den ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

[24]   Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Kun­den i. S. von § 307 BGB ist ge­ge­ben, wenn der Ver­wen­der durch ei­ne ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne von vorn­her­ein auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu be­rück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu­zu­ge­ste­hen (st. Rspr.; s. et­wa Se­nat, Urt. v. 17.01.2008 – III ZR 74/07, BGHZ 175, 102 [107]; Urt. v. 12.02.2009 – III ZR 179/08, NJW 2009, 1334 [1337]; Urt. v. 17.09.2009 – III ZR 207/08, NJW 2010, 57 [58]; Urt. v. 18.03.2010 – III ZR 254/09, NJW 2010, 3222 [3224]; Urt. v. 23.09.2010 – III ZR 21/10, NJW 2010, 3568 [3569]).

[25]   So liegt es auch hier.

[26]   aa) Wie aus­ge­führt, ver­schafft sich die Be­klag­te mit der Re­ge­lung über die Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le für ei­ne Tä­tig­keit, die sie (als Ver­wen­der) ent­spre­chend der Na­tur des Ver­mitt­lungs­ver­trags vor­nehm­lich im ei­ge­nen (Pro­vi­si­ons-)In­ter­es­se ent­fal­tet, in ei­ner der Na­tur des Ver­trags­ver­hält­nis­ses wi­der­spre­chen­den Wei­se ei­ne zu­sätz­li­che Ver­gü­tung. Dem Kun­den wird die­ses Zu­satz­ent­gelt ab­ver­langt, oh­ne dass er da­für ei­ne Ge­gen­leis­tung oder sonst ei­nen nen­nens­wer­ten Vor­teil er­hält. Nach der Ei­gen­art des Ver­mitt­lungs­ver­trags ist die Be­wer­bung und Be­reit­stel­lung des Fahr­zeugs auf dem Fir­men­ge­län­de des Händ­lers mit den von ihm ge­schul­de­ten Ver­kaufs­be­mü­hun­gen un­trenn­bar ver­bun­den; bei­des wird nach der Ver­kehrser­war­tung durch die ver­spro­che­ne Pro­vi­si­on ab­ge­gol­ten. Die auch im Fal­le der er­folg­rei­chen Ver­mitt­lung ne­ben der Pro­vi­si­on zu ent­rich­ten­de und da­her ins­ge­samt als zu­sätz­li­ches Ent­gelt zu wer­ten­de „Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le“ ist hier­nach mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung un­ver­ein­bar und da­her ge­mäß § 307 II Nr. 1 BGB un­wirk­sam.

[27]   bb) Des Wei­te­ren spre­chen für ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Kun­den noch fol­gen­de Er­wä­gun­gen:

[28]   Ty­pi­scher­wei­se kann der Kun­de die ak­tu­el­le Markt­la­ge, die Er­folgs­aus­sich­ten der Ver­kaufs­be­mü­hun­gen und das Ri­si­ko län­ge­rer Stand­zei­ten weit we­ni­ger gut ein­schät­zen als der von ihm be­auf­trag­te Au­to­händ­ler, dem die Prä­sen­ta­ti­on des Fahr­zeugs über­las­sen wird und der die Ver­kaufs­an­stren­gun­gen in sei­nen Hän­den hält. Der Händ­ler hat in al­ler Re­gel weit mehr Über­blick und Ein­fluss auf die Ver­kaufs­chan­cen und -ri­si­ken als sein Auf­trag­ge­ber. Die­ser ver­traut auf die Ver­kaufs­er­fah­rung und -kom­pe­tenz des Händ­lers und rech­net von vorn­her­ein nicht mit län­ge­ren Stand­zei­ten. Soll für Stand­zei­ten ei­ne pe­ri­odi­sche Pau­scha­le nicht ge­rin­gen Um­fangs und zu­dem noch oh­ne je­de zeit­li­che Be­gren­zung ge­schul­det sein, so liegt dar­in für den Kun­den ein Ri­si­ko, das er im All­ge­mei­nen nicht zu­ver­läs­sig ein­schät­zen kann.

[29]   Dem lässt sich nicht ent­ge­gen­hal­ten, dass es dem Kun­den frei­ste­he, den Auf­trag nach ei­ner ge­wis­sen Stand­zeit von sich aus zu be­en­den, und dass der Händ­ler in­fol­ge der ihm ent­ste­hen­den Kos­ten ein blei­ben­des In­ter­es­se dar­an ha­be, das Fahr­zeug so schnell wie mög­lich zu ver­äu­ßern. Der Kun­de ver­traut ty­pi­scher­wei­se auf die Er­fah­rung und Kom­pe­tenz des Händ­lers und geht da­von aus, dass die­ser ihm mit­tei­len wer­de, wenn und so­bald er kei­ne (wei­te­ren) Chan­cen für ei­nen Ver­kauf des Fahr­zeugs zu dem an­ge­streb­ten Preis sieht. So­lan­ge dies nicht der Fall ist, hofft der Kun­de auf ei­ne bal­di­ge Ver­äu­ße­rung. Ei­ne Be­en­di­gung des Ver­mitt­lungs­ver­trags wird er üb­li­cher­wei­se erst dann er­wä­gen, wenn be­reits ei­ne län­ge­re Stand­zeit ver­stri­chen ist, und mit­hin schon grö­ße­re Ver­bind­lich­kei­ten aus der ver­lang­ten Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le an­ge­fal­len sind. Dem­ge­gen­über ent­steht dem Händ­ler für die Be­wer­bung des Fahr­zeugs und die In­an­spruch­nah­me ei­nes Stell­plat­zes auf sei­nem Fir­men­ge­län­de im Ver­gleich zum Ge­samt­um­fang sei­ner Wer­be­maß­nah­men und Stell­plät­ze zu­meist kein für sein Ge­schäft ins Ge­wicht fal­len­der Auf­wand. Bei der Her­ein­nah­me ei­nes Fahr­zeugs zur Ver­kaufs­ver­mitt­lung ach­tet der Händ­ler zu­dem ty­pi­scher­wei­se dar­auf, ob und dass er sein Ge­samt­an­ge­bot hier­durch at­trak­tiv(er) ge­stal­ten und hier­aus für sein Ge­schäft wei­te­re Vor­tei­le zie­hen kann. Er er­bringt hier­nach ins­ge­samt kein „Op­fer“ für den Auf­trag­ge­ber, wel­ches bei der ge­bo­te­nen In­ter­es­sen­ab­wä­gung zu sei­nen Guns­ten zu be­rück­sich­ti­gen wä­re. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on geht es nach dem Ver­mitt­lungs­ver­trag – je­den­falls im Kern – nicht um die (für sich ge­nom­men ge­ge­be­nen­falls ver­gü­tungs­fä­hi­ge) „Auf­be­wah­rung“ des Fahr­zeugs, son­dern um des­sen als­bal­di­ge auf­trags­ge­mä­ße Ver­äu­ße­rung.

[30]   cc) Nach dem Ge­sag­ten kann da­hin­ste­hen, ob, wie das Be­ru­fungs­ge­richt ge­meint hat, die be­an­stan­de­te Ver­gü­tungs­klau­sel we­gen Ge­fähr­dung des Ver­trags­zwecks un­wirk­sam ist (§ 307 II Nr. 2 BGB). Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­trags­zweck­ge­fähr­dung lä­ge … dann na­he, wenn es für den Be­auf­trag­ten wirt­schaft­lich ren­ta­bel sein könn­te, ein zur Ver­mitt­lung her­ein­ge­nom­me­nes Fahr­zeug län­ge­re Zeit nicht zu ver­äu­ßern, um ein mög­lichst ho­hes „Stand­geld“ zu ver­ein­nah­men. Die­se Si­tua­ti­on könn­te vor al­lem dann ein­tre­ten, wenn die­se be­son­de­re Form der Ver­gü­tung nur im Miss­er­folgs­fal­le an­fie­le: In die­sem Fal­le könn­te es für ei­nen Au­to­händ­ler wirt­schaft­lich sinn­voll sein, zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt die Ver­kaufs­be­mü­hun­gen ein­zu­stel­len und sich mit dem an­ge­fal­le­nen „Stand­geld“ zu be­gnü­gen (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 1236). In Fäl­len, in de­nen – wie hier die for­mu­lar­mä­ßig ver­ein­bar­te Wer­be­mit­tel- und Platz­miet­pau­scha­le – das „Stand­geld“ auch im Er­folgs­fal­le zu­sätz­lich zur Pro­vi­si­on an­fällt, ist die­se Ge­fahr al­ler­dings deut­lich ge­rin­ger. Frei­lich er­scheint auch bei die­ser Kon­stel­la­ti­on ei­ne Ver­trags­zweck­ge­fähr­dung nicht aus­ge­schlos­sen, wenn – was im un­ters­ten Ge­braucht­wa­gen­preis­seg­ment durch­aus mög­lich er­scheint – die Hö­he der Un­ter­stell­kos­ten den Wert des Pkw selbst er­rei­chen kann (vgl. da­zu AG Lü­beck, DAR 1982, 72).

[31]   c) Er­gibt sich die Un­wirk­sam­keit der Klau­sel ge­mäß den vor­ge­nann­ten Er­wä­gun­gen aus § 307 I und II BGB, so be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob ei­ne Nich­tig­keit der Ver­trags­be­stim­mung dar­über hin­aus auch ge­mäß § 305c I BGB (über­ra­schen­de Klau­sel; s. da­zu LG Mün­chen I, DAR 1998, 394 [395]; AG Lü­beck, DAR 1982, 72; Rein­king/Eg­gert a. a. O., Rn. 1236) oder we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot (un­ter dem As­pekt der Ver­schleie­rung der Ent­gelt­be­las­tung des Kun­den, § 307 I BGB; s. da­zu et­wa Se­nat, Urt. v. 24.11.1988 – III ZR 188/87, BGHZ 106, 42 [49]; BGH, Urt. v. 14.10.1997 – XI ZR 167/96, BGHZ 137, 27 [33]; Urt. v. 12.06.2001 – XI ZR 274/00, BGHZ 148, 74 [79] m. w. Nachw.) zu be­ja­hen wä­re.

[32]   3. Die Wür­di­gung des Be­ru­fungs­ge­richts, der – be­grün­de­te – An­spruch der Be­klag­ten auf Zah­lung bzw. Er­stat­tung der Ab­mel­de­ge­bühr von 20 € be­rech­ti­ge die Be­klag­te nicht zur Gel­tend­ma­chung ei­nes Zu­rück­be­hal­tungs­rechts, wird von der Re­vi­si­on nicht an­ge­grif­fen.

PDF er­stel­len