1. Die recht­mä­ßi­ge Be­schlag­nah­me ei­nes Kraft­fahr­zeugs in ei­nem straf­recht­li­chen Er­mitt­lungs­ver­fah­ren be­grün­det je­den­falls dann ei­nen Rechts­man­gel, der den Käu­fer zum Rück­tritt vom Kauf­ver­trag be­rech­tigt, wenn sie nicht oder nicht mehr der Be­weis­si­che­rung dient, son­dern das Fahr­zeug dem (ver­meint­lich) wah­ren Ei­gen­tü­mer her­aus­ge­ge­ben wer­den soll und der Sach­ver­halt, auf­grund des­sen die Be­schlag­nah­me er­folg­te, be­reits bei Ge­fahr­über­gang be­stand.
  2. Ma­ni­pu­la­tio­nen an der ein­ge­schla­ge­nen oder ein­ge­präg­ten Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer kön­nen ei­nen Sach­man­gel i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB be­grün­den.
  3. Nach ei­nem Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ist ein Käu­fer zwar – über die in § 346 II 1 BGB auf­ge­zähl­ten Fäl­le hin­aus – grund­sätz­lich zum Wert­er­satz ver­pflich­tet, wenn ihm die Rück­ga­be der Kauf­sa­che fak­tisch oder recht­lich un­mög­lich ist. Das gilt aber nicht, wenn die Un­mög­lich­keit der Rück­ge­währ ge­ra­de auf dem das Rück­tritts­recht be­grün­den­den Rechts- oder Sach­man­gel be­ruht.

OLG Hamm, Ur­teil vom 09.04.2015 – 28 U 207/13

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt von der Be­klag­ten die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen ge­brauch­ten To­yo­ta Land Crui­ser, weil die­ses Fahr­zeug ge­stoh­len wor­den sein soll.

Er be­haup­tet, das am 20.04.2007 erst­zu­ge­las­se­ne Fahr­zeug ha­be zu­nächst im Ei­gen­tum ei­ner spa­ni­schen Au­to­ver­mie­te­rin ge­stan­den und sei am 31.07.2008 in Gan­dia, Spa­ni­en, ge­stoh­len wor­den. An­schlie­ßend sei die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ver­än­dert und das Fahr­zeug nach Po­len ver­bracht wor­den.

Nach Dar­stel­lung der Streit­hel­fe­rin der Be­klag­ten ist der Land Crui­ser in den Be­sitz ih­res in Po­len le­ben­den Bru­ders ge­langt. Die­ser sei am 01.02.2009 ver­stor­ben und von sei­nen El­tern be­erbt wor­den. Da­bei – so meint die Streit­hel­fe­rin – sei auch das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug auf die El­tern über­ge­gan­gen. Die Streit­hel­fe­rin will das Fahr­zeug am 05.01.2010 für 36.000 € von ih­ren El­tern ge­kauft und dann nach Deutsch­land ver­bracht ha­ben.

Am 04.04.2011 ver­kauf­te die Streit­hel­fe­rin den Land Crui­ser zum Preis von 29.750 € an die Be­klag­te, die ge­werb­lich mit Kraft­fahr­zeu­gen han­delt. Die Be­klag­te nutz­te das Fahr­zeug zu­nächst selbst und bot es dann zum Kauf an, wor­auf­hin der in Weiß­russ­land le­ben­de Klä­ger auf den Land Crui­ser auf­merk­sam wur­de. Er reis­te nach Deutsch­land, um das Fahr­zeug zu be­sich­ti­gen, und kauf­te es am 30.05.2011 für 27.000 € net­to. Nach Zah­lung des Kauf­prei­ses über­führ­te der Klä­ger das Fahr­zeug nach Weiß­russ­land.

Der Klä­ger be­haup­tet, er ha­be den Land Crui­ser zwar be­an­stan­dungs­frei nach Weiß­russ­land über­füh­ren kön­nen. Als er dann aber am 29.07.2011 die Gren­ze von Weiß­russ­land nach Po­len ha­be über­que­ren wol­len, sei ei­nem pol­ni­schen Zoll­be­am­ten auf­ge­fal­len, dass die beim Öff­nen der Fah­rer­tür sicht­ba­re Ko­die­rung mit den Fahr­zeug­da­ten nicht ge­stanzt, son­dern ko­piert und auf­ge­klebt wor­den sei. Des­halb sei der Wa­gen be­schlag­nahmt und ge­gen ihn, den Klä­ger, ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den. Die­ses sei zwar ein­ge­stellt wor­den, nach­dem er den pol­ni­schen Be­hör­den den Kauf­ver­trag vom 30.05.2011 vor­ge­legt ha­be. Al­ler­dings ha­be die zu­stän­di­ge Staats­an­walt­schaft be­schlos­sen, dass der Land Crui­ser be­schlag­nahmt blei­be und an die spa­ni­sche Au­to­ver­mie­te­rin als Ei­gen­tü­me­rin zu­rück­zu­ge­ben sei.

Der Klä­ger wand­te sich dar­auf­hin te­le­fo­nisch und mit Schrei­ben vom 16.11.2011 an die Be­klag­te, um die­se über den Sach­ver­halt zu in­for­mie­ren und Scha­dens­er­satz in Hö­he von ins­ge­samt 38.468 € zu for­dern. Weil die Be­klag­te die­ser For­de­rung nicht nach­kam, ließ der Klä­ger sie durch An­walts­schrei­ben vom 02.02.2012 auf­for­dern, ihm ein ty­penglei­ches Fahr­zeug zu ver­schaf­fen. Nach­dem ei­ne Re­ak­ti­on der Be­klag­ten aus­ge­blie­ben war, ließ der Klä­ger durch An­walts­schrei­ben vom 28.02.2012 sei­nen Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klä­ren und die Be­klag­te auf­for­dern, an ihn ins­ge­samt 34.919,10 € zu zah­len.

Kla­ge­wei­se hat der Klä­ger – je­weils nebst Zin­sen – die Zah­lung von 31.319,10 € so­wie die Er­stat­tung vor­ge­richt­lich an­ge­fal­le­ner Rechts­an­walts­kos­ten (1.099 €) ver­langt.

Das Land­ge­richt hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Klä­ger – je­weils nebst Zin­sen – 29.457,81 € so­wie vor­ge­richt­li­che Rechts­an­walts­kos­ten in Hö­he von 1.005,40 € zu zah­len. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, der Klä­ger sei zu Recht vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten, weil die Be­klag­te ihm nicht das Ei­gen­tum an dem ver­kauf­ten Fahr­zeug ver­schafft ha­be. Die Be­klag­te sei we­der Ei­gen­tü­me­rin des To­yo­ta Land Crui­ser noch sonst zu des­sen Ver­äu­ße­rung be­rech­tigt ge­we­sen. Auf­grund der Aus­sa­ge der als Zeu­gin ver­nom­me­nen pol­ni­schen Staats­an­wäl­tin N sei viel­mehr an­zu­neh­men, dass das Fahr­zeug in Spa­ni­en ge­stoh­len wor­den sei. Es sei auch nichts da­für er­sicht­lich, dass die Streit­hel­fe­rin den Land Crui­ser gut­gläu­big er­wor­ben ha­be.

Die Be­klag­te müs­se dem Klä­ger des­halb den Kauf­preis von 27.000 € er­stat­ten, oh­ne dass der Klä­ger im Ge­gen­zug zur Rück­ga­be des Fahr­zeugs ver­pflich­tet sei. Die Rück­ga­be sei ihm näm­lich we­gen der Be­schlag­nah­me un­mög­lich. Der Klä­ger schul­de auch kei­nen Wert­er­satz, weil der Scha­den bei der Be­klag­ten gleich­falls ein­ge­tre­ten wä­re (§ 346 III 1 Nr. 2 BGB). Dem Klä­ger ste­he fer­ner ein An­spruch auf Er­satz fol­gen­der Auf­wen­dun­gen zu:

Rei­se­kos­ten N. – C. 155,55 €
Über­nach­tungs­kos­ten 75,00 €
Kos­ten für De­vi­sen­er­werb 50,00 €
An­mel­dung/Zu­las­sung in Deutsch­land zur Über­füh­rung 175,00 €
Kraft­stoff für die Über­füh­rung 150,00 €
Ein­fuhr­zoll 1.799,20 €
In­spek­ti­ons­kos­ten 73,61 €
Ver­si­che­rungs­kos­ten für den To­yo­ta Land Crui­ser 30,00 €

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … Das Land­ge­richt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass der Klä­ger von der Be­klag­ten die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses für den To­yo­ta Land Crui­ser und die Er­stat­tung ge­tä­tig­ter Auf­wen­dun­gen in zu­er­kann­ter Hö­he ver­lan­gen kann.

1. Der zwi­schen den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Kauf­ver­trag fällt grund­sätz­lich un­ter die Re­ge­lun­gen des in­ter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts, weil die Ver­trags­par­tei­en ih­ren Wohn­sitz bzw. ih­re Nie­der­las­sung in un­ter­schied­li­chen Staa­ten (Deutsch­land und Weiß­russ­land) ha­ben.

In Er­man­ge­lung ei­ner von den Par­tei­en ge­trof­fe­nen Rechts­wahl ist der ab­ge­schlos­se­ne Ver­trag ge­mäß Art. 4 Ia Rom-I-VO nach deut­schen Recht zu be­ur­tei­len, weil die Be­klag­te als Ver­käu­fe­rin hier ih­re Nie­der­las­sung hat.

Zum deut­schen Pri­vat­recht zäh­len auch die Re­ge­lun­gen des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Na­tio­nen über Ver­trä­ge über den in­ter­na­tio­na­len Wa­ren­kauf (CISG). Die­ses Über­ein­kom­men ist prin­zi­pi­ell auf den streit­ge­gen­ständ­li­chen Kauf­ver­trag an­wend­bar, weil so­wohl Deutsch­land als auch Weiß­russ­land (Belarus) die­sem Über­ein­kom­men bei­ge­tre­ten sind. Im Streit­fall greift al­ler­dings der Aus­schluss­tat­be­stand des Art. 2a CISG, nach dem das Über­ein­kom­men kei­ne An­wen­dung fin­det, wenn Wa­re ge­kauft wird, die für den per­sön­li­chen Ge­brauch be­stimmt ist, es sei denn, dass der Ver­käu­fer vor Ver­trags­schluss we­der wuss­te noch wis­sen muss­te, dass die Wa­re für ei­nen sol­chen Ge­brauch ge­kauft wur­de. Auf ent­spre­chen­de An­fra­ge des Se­nats ha­ben die Par­tei­en über­ein­stim­mend vor­ge­tra­gen, dass die­ser Aus­schluss­tat­be­stand er­füllt und dem­entspre­chend kein UN-Kauf­recht an­zu­wen­den sei. Der Klä­ger trägt da­zu vor, den To­yo­ta Land Crui­ser aus­schließ­lich für den per­sön­li­chen Ge­brauch er­wor­ben zu ha­ben. Um­ge­kehrt be­strei­tet die Be­klag­te mit Nicht­wis­sen, dass der Er­werb sei­tens des Klä­gers für be­ruf­li­che/ge­schäft­li­che Zwe­cke statt­ge­fun­den ha­be.

2. Im Rah­men des dem­nach an­zu­wen­den­den deut­schen Rechts kann ein Rück­zah­lungs­an­spruch des Klä­gers al­ler­dings nicht oh­ne Wei­te­res auf den vom Land­ge­richt an­ge­nom­me­nen Grund ge­stützt wer­den, die Be­klag­te ha­be dem Klä­ger kein Ei­gen­tum an dem be­haup­te­ter­ma­ßen ge­stoh­le­nen To­yo­ta ver­schafft und da­mit ih­re Haupt­leis­tungs­pflicht aus dem Kauf­ver­trag nicht er­füllt (§§ 433 I 1, 323 I, 346 BGB). Denn selbst wenn man es für ge­ge­ben er­ach­tet, dass das Fahr­zeug im Jah­re 2008 in Spa­ni­en ge­stoh­len wur­de, hät­te dem von der Be­klag­ten über­nom­me­nen Ein­wand der Streit­hel­fe­rin nach­ge­gan­gen wer­den müs­sen, der To­yo­ta sei zu­vor in Po­len von ih­rem Bru­der an ih­re El­tern ver­erbt wor­den und ei­ne sol­che Ge­samt­rechts­nach­fol­ge er­lau­be im pol­ni­schen Recht den gut­gläu­bi­gen und las­ten­frei­en Er­werb auch ge­stoh­le­ner Sa­chen. Auf die Klä­rung die­ser tat­säch­li­chen und recht­li­chen Um­stän­de kam es aber letzt­lich nicht an.

3. Denn der Klä­ger kann die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 27.000 € schon des­halb ver­lan­gen, weil für den von ihm am 28.02.2012 er­klär­ten Rück­tritt ein ge­setz­li­cher Rück­tritts­grund im Sin­ne ei­nes Rechts- und Sach­man­gels vor­lag (§ 437 Nr. 2 Fall 1 BGB i. V. mit §§ 433 I 2, 434, 435, 323, 440346 BGB).

a) Das ver­kauf­te Fahr­zeug wies ei­nen Rechts­man­gel i. S. des § 435 BGB auf, weil es der Be­schlag­nah­me der pol­ni­schen Er­mitt­lungs­be­hör­den un­ter­lag.

Es ist im Grund­satz an­er­kannt, dass die öf­fent­lich-recht­li­che Be­las­tung der Kauf­sa­che durch ei­ne Be­schlag­nah­mean­ord­nung ei­nen Rechts­man­gel aus­ma­chen kann (RGZ 96, 77 [80]; BGH, Urt. v. 05.12.1990 – VI­II ZR 75/90, NJW 1991, 915; Stau­din­ger/Ma­tu­sche-Beck­mann, BGB, Neu­be­arb. 2013, § 435 Rn. 32; MünchKomm-BGB/H. P. Wes­ter­mann, 6. Aufl. [2012], § 435 Rn. 10; Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 74. Aufl. [2015], § 435 Rn. 12; Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 12. Aufl. [2014], Rn. 4655). Da­bei wird im Ein­zel­nen ver­langt, dass die Be­schlag­nah­me tat­säch­lich aus­ge­übt wird, zu Recht er­folgt ist und den Ver­fall oder die Ein­zie­hung der Sa­che zur Fol­ge ha­ben kann (BGH, Urt. v. 18.02.2004 – VI­II ZR 78/03, NJW 2004, 1802). In Ab­gren­zung da­zu wird bis­wei­len ei­ne Ein­schrän­kung da­hin ge­hend vor­ge­nom­men, dass ei­ne le­dig­lich vor­über­ge­hen­de, zu Be­weis­zwe­cken er­folg­te Be­schlag­nah­me i. S. des § 94 StPO kei­nen der Kauf­sa­che an­haf­ten­den Rechts­man­gel aus­ma­chen soll, zu­mal ei­ne sol­che Be­ein­träch­ti­gung un­ter das all­ge­mei­ne Le­bens­ri­si­ko fal­le (OLG Köln, Urt. v. 25.07.2001 – 11 U 201/00; OLG Stutt­gart, Urt. v. 19.02.2003 – 3 U 135/02; LG Bonn, Urt. v. 23.11.1976 – 2 O 87/76, NJW 1977, 1822; Pa­landt/Wei­den­kaff, a. a. O., § 435 Rn. 13; of­fen­las­send BGH, Urt. v. 18.02.2004 – VI­II ZR 78/03, NJW 2004, 1802; Se­nat, Urt. v. 20.01.2011 – 28 U 139/10, und Urt. v. 29.03.2012 – 28 U 150/11).

Im Streit­fall ver­hielt es sich nach den vom Klä­ger vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen der pol­ni­schen Er­mitt­lungs­be­hör­den so, dass im Zu­ge des Grenz­über­tritts von Weiß­russ­land nach Po­len ei­ne po­li­zei­li­che Si­cher­stel­lung des Fahr­zeugs er­folgt ist, weil die pol­ni­schen Be­hör­den ei­nen Dieb­stahls­ver­dacht für ge­ge­ben er­ach­te­ten. Dies zog ei­ne vor­über­ge­hen­de Be­schlag­nah­me des Fahr­zeugs zu Be­weis­zwe­cken nach sich, die in­halt­lich der Re­ge­lung des § 94 StPO ent­sprach und von der – wie dar­ge­stellt – strei­tig ist, ob sie ei­nen Rechts­man­gel aus­macht.

Auf die Klä­rung die­ser of­fe­nen Rechts­fra­ge kommt es im Streit­fall nicht an, denn in der Fol­ge­zeit trat ei­ne Ver­fes­ti­gung der Be­schlag­nah­me ein, die zum Vor­lie­gen ei­nes – dau­er­haf­ten – Rechts­man­gels führ­te:

Vom Ver­fah­rens­ab­lauf ver­hielt es sich nach den vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen so, dass zu­nächst der sei­ner­zeit er­mit­teln­de pol­ni­sche Po­li­zei­be­am­te Stabs­feld­we­bel T am 18.10.2011 den Be­schluss fass­te, die Er­mitt­lun­gen ge­gen den Klä­ger ein­zu­stel­len. Er ging da­von aus, dass die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des To­yo­ta Land Crui­ser nach dem im Jah­re 2008 in Spa­ni­en statt­ge­fun­de­nen Dieb­stahl ver­än­dert wor­den sei. Dem Klä­ger sei al­ler­dings ei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner straf­ba­ren Hand­lung nicht nach­zu­wei­sen, nach­dem er den Kauf­ver­trag vom 30.05.2011 vor­ge­legt ha­be. Im wei­te­ren Fort­gang nahm dann die zu­stän­di­ge Staats­an­wäl­tin die­sen Ein­stel­lungs­be­schluss zum An­lass, am 07.11.2011 ei­nen auf den Art. 230 und Art. 323 § 1 der pol­ni­schen Straf­pro­zess­ord­nung be­ru­hen­den Be­schluss über die Her­aus­ga­be der si­cher­ge­stell­ten Ge­gen­stän­de zu fas­sen. Die­ser Be­schluss sah vor, dass der Klä­ger zwar die Fahr­zeug­pa­pie­re und das Num­mern­schild zu­rück­er­hal­ten soll­te; der To­yo­ta Land Crui­ser soll­te hin­ge­gen an die … Fahr­zeug­ei­gen­tü­me­rin her­aus­ge­ge­ben wer­den.

Die wei­ter fort­be­ste­hen­de Be­schlag­nah­me dien­te al­so ab dem 07.11.2011 ei­ner­seits nicht mehr ei­ner Be­weis­si­che­rung. Sie soll­te aber an­de­rer­seits auch nicht i. S. des § 111b I StPO der Vor­be­rei­tung ei­ner Ein­zie­hung oder des Ver­falls die­nen. Die Kon­stel­la­ti­on ver­hielt sich viel­mehr so, dass Ein­zie­hung bzw. Ver­fall nicht in Be­tracht ka­men, weil aus Sicht der Staats­an­wäl­tin die Ei­gen­tü­me­rin des Fahr­zeugs … fest­stand.

In die­ser Si­tua­ti­on war nach den im Be­schluss vom 07.11.2011 an­ge­führ­ten Re­ge­lun­gen in Art. 230 und Art. 323 der pol­ni­schen Straf­pro­zess­ord­nung … die Staats­an­walt­schaft ge­hal­ten, nach Ab­schluss der Er­mitt­lun­gen mit­tels Be­schluss über die Rück­ga­be der Be­weis­mit­tel an den Be­rech­tig­ten zu be­fin­den.

Die­ser Rechts­zu­stand – näm­lich die Fort­dau­er der Be­schlag­nah­me zum Zwe­cke der spä­te­ren Her­aus­ga­be an die durch die Straf­tat ver­letz­te Per­son – ist ver­gleich­bar mit Be­schlag­nah­men i. S. des § 111b V StPO oder § 111k StPO. Auch sie füh­ren aus Sicht des von der Be­schlag­nah­me be­trof­fe­nen Be­sit­zers zu ei­nem end­gül­ti­gen Rechts­ver­lust. Des­halb hat der BGH in ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on ei­nen Rechts­man­gel be­jaht (BGH, Urt. v. 18.02.2004 – VI­II ZR 78/03, NJW 2004, 1802), so­fern die Be­schlag­nah­me als sol­che recht­mä­ßig er­folgt ist.

Die Recht­mä­ßig­keit wird zwar von der Be­klag­ten mit Nicht­wis­sen be­strit­ten. Die­ses Be­strei­ten ist al­ler­dings un­be­acht­lich:

So­wohl aus dem vom Klä­ger vor­ge­leg­ten in die deut­sche Spra­che über­setz­ten Be­schluss der Staats­an­walt­schaft Bia?a Pod­las­ka vom 07.11.2011 als auch aus der Aus­sa­ge der am 07.05.2013 … zeu­gen­schaft­lich ver­nom­me­nen Staats­an­wäl­tin N er­gibt sich, dass bei der Her­aus­ga­be­ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft die Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se des Po­li­zei­sach­ver­stän­di­gen vor­la­gen und die In­for­ma­ti­on, dass die Fir­ma X das Fahr­zeug in Spa­ni­en als ver­misst ge­mel­det hat­te, so­dass ei­ne Sach­fahn­dung durch Ein­tra­gung in die Da­ten­bank für ver­miss­te Fahr­zeu­ge er­folgt war.

Der Klä­ger hat in die­sem Zu­sam­men­hang als Be­stand­teil sei­nes qua­li­fi­zier­ten Par­tei­vor­trags (vgl. da­zu Be­ckOK-ZPO/Scheuch, Stand: 15.09.2014, § 402 Rn. 6) das Gut­ach­ten des kri­mi­na­lis­ti­schen La­bors … vom 27.09.2011 vor­ge­legt, auf das sich Staats­an­wäl­tin N bei ih­rer Ver­neh­mung be­zo­gen hat.

In die­sem Gut­ach­ten hat Ober­kom­mis­sar Mag. Ing. H die Fest­stel­lung ge­trof­fen, dass im Num­mern­feld der Ka­ros­se­rie zu­nächst die FIN JTEBZ… er­kenn­bar ge­we­sen sei. Der Gut­ach­ter hat so­dann die Ober­flä­che mit­tels ei­ner ma­gne­ti­schen De­fek­tosko­pie, ei­ner Mes­sung der Lack­stär­ke so­wie ei­ner Be­trach­tung durch Ver­grö­ße­rungs­ge­rä­te un­ter­sucht und ei­ner che­mi­schen Ät­zung un­ter­zo­gen. Da­nach wur­de er­kenn­bar, dass statt der Zif­fern „J3“ vor­her „J8“ ein­ge­stanzt war und statt der End­zif­fern … die Zif­fern … Die ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen sind durch Licht­bil­der do­ku­men­tiert, die als Ab­lich­tun­gen zur Ak­te ge­reicht wur­den.

Vor dem Hin­ter­grund die­ser de­tail­lier­ten Fest­stel­lun­gen nimmt es sich als un­be­acht­lich aus, wenn die Be­klag­te mit Nicht­wis­sen be­strei­tet, dass die tat­säch­li­che FIN JTEBZ… ge­we­sen sei. Der Se­nat teilt viel­mehr die Ein­schät­zung des Land­ge­richts, dass die vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen – ins­be­son­de­re die Ab­lich­tun­gen der Licht­bil­der – im Zu­sam­men­hang mit der kom­mis­sa­ri­schen Ver­neh­mung der zu­stän­di­gen Staats­an­wäl­tin die Über­zeu­gungs­bil­dung er­lau­ben, dass das Fahr­zeug tat­säch­lich zu­vor ge­stoh­len wor­den ist und … zu­rück­ge­ge­ben wer­den muss­te.

So­weit die Be­klag­te mit der Be­ru­fungs­be­grün­dung an­führt, dass der To­yo­ta Land Crui­ser eben­so gut Ge­gen­stand ei­nes Ver­si­che­rungs­be­trugs ge­we­sen sein kön­ne, weil die Fir­ma X ihn wo­mög­lich wahr­heits­wid­rig als ge­stoh­len ge­mel­det ha­be, wird da­durch die den Klä­ger be­las­ten­de Be­schlag­nah­mean­ord­nung eben­so we­nig rechts­wid­rig wie durch den wei­te­ren von der Be­klag­ten über­nom­me­nen Vor­trag der Streit­hel­fe­rin, sie ha­be das Fahr­zeug we­gen der Ge­samt­rechts­nach­fol­ge gut­gläu­big las­ten­frei von ih­ren El­tern er­wor­ben.

Selbst wenn man da­von aus­ge­hen woll­te, dass den Klä­ger die Ob­lie­gen­heit traf, den Ver­such zu un­ter­neh­men, ei­ne Aus­lö­sung des be­schlag­nahm­ten Fahr­zeugs bei den pol­ni­schen Be­hör­den zu er­rei­chen, ist nicht er­sicht­lich, dass er dies mit Er­folg hät­te tun kön­nen:

Was die von der Be­klag­ten an­ge­führ­te Al­ter­na­ti­ve des Ver­si­che­rungs­be­trugs an­be­langt, so ver­fügt der Klä­ger über kei­ne tat­säch­li­chen An­halts­punk­te, die ei­nen sol­chen Ge­sche­hens­ab­lauf un­ter­mau­ern könn­ten und die er et­wa zum Ge­gen­stand ei­ner Be­schwer­de ge­gen die Be­schlag­nah­mean­ord­nung hät­te ma­chen kön­nen. Al­lein der Um­stand, dass sich die Fir­ma X auf die spä­te­re An­fra­ge der pol­ni­schen Staats­an­walt­schaft nicht an ei­ner Rückerlan­gung des Fahr­zeugs in­ter­es­siert zeig­te, weist je­den­falls nicht auf ei­ne Ver­stri­ckung die­ses Un­ter­neh­mens in das Ab­han­den­kom­men des Fahr­zeugs hin. Denn es ist na­he­lie­gend und dem Se­nat auch aus an­de­ren Fäl­len be­kannt, dass die Aus­zah­lung der in An­spruch ge­nom­me­nen Dieb­stahls­ver­si­che­rung zu ei­nem Über­gang des Her­aus­ga­be­an­spruchs auf den Ver­si­che­rer führt, wäh­rend der ent­schä­dig­te Ver­si­che­rungs­neh­mer re­gel­mä­ßig kein In­ter­es­se dar­an hat, ein jah­re­lang ab­ge­stell­tes Fahr­zeugs auf ei­ge­ne Kos­ten quer durch Eu­ro­pa trans­por­tie­ren und so­dann in­stand­set­zen zu las­sen.

So­weit – an­geb­lich – ein gut­gläu­bi­ger Er­werb des Fahr­zeugs durch die El­tern der Streit­hel­fe­rin statt­ge­fun­den ha­ben soll, so­dass das Fahr­zeug nicht an die Fir­ma X her­aus­ge­ge­ben wer­den durf­te, ver­füg­te der Klä­ger im Zeit­punkt sei­nes am 28.02.2012 er­klär­ten Rück­tritts vom Kauf­ver­trag nicht über die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen und Ur­kun­den, um ei­ne ent­spre­chen­de Ge­samt­rechts­nach­fol­ge ge­gen­über den pol­ni­schen Be­hör­den nach­zu­wei­sen. Viel­mehr ver­hielt es sich so, dass die Be­klag­te nach der am 16.11.2011 er­folg­ten ers­ten schrift­li­chen Rück­mel­dung des Klä­gers über die Pro­blem­la­ge und auch nach dem An­walts­schrei­ben vom 02.02.2012 kei­ne An­stren­gun­gen un­ter­nahm, sich mit der Streit­hel­fe­rin in Ver­bin­dung zu set­zen, um den – ver­meint­li­chen – Gut­glau­bens­er­werb nach­zu­wei­sen.

Da­mit lag letzt­lich im Zeit­punkt der Rück­tritts­er­klä­rung ein Rechts­man­gel vor, der auch be­reits bei Über­ga­be des Fahr­zeugs am 30.05.2011 an­ge­legt war.

Für die Fäl­le, in de­nen ei­ne Kauf­sa­che durch ei­ne staat­li­che Be­schlag­nah­me be­las­tet wird, kommt es nicht auf den Zeit­punkt der Be­schlag­nah­mean­ord­nung an, son­dern auf den Zeit­punkt, in dem die tat­säch­li­chen Um­stän­de ge­ge­ben wa­ren, die An­lass für die­se Maß­nah­me bo­ten (BGH, Urt. v. 18.02.2004 – VI­II ZR 78/03, NJW 2004, 1802; Be­ckOK-BGB/Faust, Stand: 01.08.2014, § 435 Rn. 5; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 4655).

Die An­ord­nung der Staats­an­wäl­tin N vom 07.11.2011, den To­yo­ta für die Her­aus­ga­be an die Ei­gen­tü­me­rin in Be­schlag zu hal­ten, be­ruh­te auf der von der Po­li­zei­be­hör­de fest­ge­stell­te Ma­ni­pu­la­ti­on an der Fahr­zeug-Iiden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer. In­so­fern muss aber die Ent­fer­nung der ur­sprüng­li­chen Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer mit der En­dung … be­reits län­ge­re Zeit vor der Fahr­zeug­über­ga­be am 30.05.2011 er­folgt sein, denn so­wohl in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Kauf­ver­trag als auch in dem Kauf­ver­trag zwi­schen der Be­klag­ten und der Streit­hel­fe­rin ist ei­ne Num­mer mit der En­dung … an­ge­ge­ben.

b) Der Klä­ger konn­te sich bei sei­ner Rück­tritts­er­klä­rung nicht nur auf den ge­setz­li­chen Rück­tritts­grund des Rechts­man­gels stüt­zen, son­dern das ge­kauf­te Fahr­zeug wies auch ei­nen Sach­man­gel i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB auf.

Die Be­klag­te war ver­pflich­tet, das ver­kauf­te Ge­braucht­fahr­zeug in ei­ner Be­schaf­fen­heit zu über­ge­ben, die der ver­gleich­ba­rer Fahr­zeu­ge ent­spricht. Da­bei ist im in­ter­na­tio­na­len Wa­ren­ver­kehr zur Be­ur­tei­lung, ob ei­ne Wa­re der Nor­mal­be­schaf­fen­heit ent­spricht, auf den im Land des Ver­käu­fers herr­schen­den Stan­dard ab­zu­stel­len (OLG Hamm, Urt. v. 30.11.2010 – I-19 U 147/09, IHR 2012, 186).

Im deut­schen Fahr­zeug­han­del – wie al­ler­dings auch in an­de­ren Län­dern – kommt der Au­then­ti­zi­tät der ein­ge­stanz­ten Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer ei­ne maß­geb­li­che Be­deu­tung zu, weil die­se Kenn­zeich­nung in Ver­bin­dung mit den Fahr­zeug­pa­pie­ren dem Nach­weis der Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se dient. Um­ge­kehrt deu­tet die Ver­än­de­rung der ur­sprüng­lich ein­ge­präg­ten Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer re­gel­mä­ßig dar­auf hin, dass das Fahr­zeug ge­stoh­len wur­de. Ei­ne sol­che Ma­ni­pu­la­ti­on macht des­halb ei­nen Sach­man­gel aus (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 2698 ff.).

Bei dem streit­ge­gen­ständ­li­chen To­yo­ta Land Crui­ser ist ei­ne sol­che Ne­ga­tiv­ab­wei­chung von der Nor­mal­be­schaf­fen­heit auf Grund­la­ge des Gut­ach­tens des kri­mi­na­lis­ti­schen La­bors … vom 27.09.2011 an­zu­neh­men. Die Be­klag­te ist die­sen gut­ach­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen, die der Klä­ger zum Ge­gen­stand sei­nes qua­li­fi­zier­ten Par­tei­vor­trags ge­macht hat, nicht durch nä­he­re Ein­wen­dun­gen ent­ge­gen­ge­tre­ten. Aus ih­rem Be­strei­ten mit Nicht­wis­sen er­gibt sich nicht, wes­halb die – auch fo­to­gra­fisch fest­ge­hal­te­nen – Fest­stel­lun­gen des Po­li­zei­sach­ver­stän­di­gen in­halt­lich un­zu­tref­fend sein sol­len.

Die als Sach­man­gel zu wer­ten­den Ma­ni­pu­la­tio­nen wa­ren – wie dar­ge­stellt – be­reits vor Fahr­zeug­über­ga­be vor­han­den.

c) Die Be­klag­te und die Streit­hel­fe­rin füh­ren auch kei­ne Um­stän­de an, nach de­nen dem Klä­ger der man­gel­haf­te Zu­stand des Fahr­zeugs bei Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges be­kannt war oder als Fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ge­blie­ben ist (§ 442 I BGB).

d) Der Klä­ger hat die Be­klag­te auch ge­mäß § 439 I BGB durch An­walts­schrei­ben vom 02.02.2012 un­ter Hin­weis auf die Be­schlag­nah­me und die vor­han­de­nen Ma­ni­pu­la­tio­nen an der Fahr­ge­stell­num­mer – er­folg­los – zur Nach­er­fül­lung auf­ge­for­dert, wo­bei er sein Wahl­recht da­hin ge­hend aus­ge­übt hat, dass die Be­klag­te ihm ein ty­penglei­ches Fahr­zeug lie­fern mö­ge.

Beim Kauf von Ge­braucht­fahr­zeu­gen ist ein sol­ches Er­satz­lie­fe­rungs­ver­lan­gen zwar nicht von vorn­her­ein auf ei­nen un­mög­li­chen Leis­tungs­in­halt ge­rich­tet (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, NJW 2006, 2839 Rn. 19; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 3435). Al­ler­dings wird der Wil­le der Ver­trags­par­tei­en re­gel­mä­ßig da­hin ge­hen, dass die er­wor­be­ne ge­brauch­te Kauf­sa­che we­gen der Un­ter­schie­de hin­sicht­lich der Aus­stat­tung und Ab­nut­zung nicht ge­gen ei­ne gleich­ar­ti­ge und gleich­wer­ti­ge aus­tausch­bar sein soll (BGH, Urt. v. 07.06.2006 – VI­II ZR 209/05, NJW 2006, 2839 Rn. 23; Se­nat, Urt. v. 10.02.2005 – 28 U 147/04, NJW-RR 2005, 1220). Die­ser Um­stand kann dann zur Fol­ge ha­ben, dass der Käu­fer im Rah­men sei­nes Nach­er­fül­lungs­ver­lan­gens nicht die Al­ter­na­ti­ve der Er­satz­lie­fe­rung wäh­len kann, son­dern sich für die Nach­bes­se­rung ent­schei­den muss.

Al­ler­dings ver­hielt es sich im Streit­fall so, dass die Al­ter­na­ti­ve ei­ner Nach­bes­se­rung aus Sicht des Klä­gers nicht ernst­haft in Be­tracht ge­zo­gen wer­den konn­te. Für ihn war nach der Er­folg­lo­sig­keit sei­nes vor­he­ri­gen An­schrei­bens vom 16.11.2011 nicht er­sicht­lich, dass die Be­klag­te An­stal­ten un­ter­neh­men wür­de, um ei­ne Frei­ga­be des be­schlag­nahm­ten To­yo­ta Land Crui­ser bei den pol­ni­schen Be­hör­den zu er­rei­chen oder gar ei­ne Rück­ver­än­de­rung der Fahr­ge­stell­num­mer bei dem in Be­schlag ge­nom­me­nen Fahr­zeug zu ver­an­las­sen. Um­ge­kehrt konn­te der Klä­ger da­von aus­ge­hen, dass der Be­klag­ten als ge­werb­li­cher Kfz-Händ­le­rin die Lie­fe­rung ei­nes ver­gleich­ba­ren To­yo­ta Land Crui­ser durch ent­spre­chen­den An­kauf über das In­ter­net mög­lich sein wür­de. Zu­min­dest wird die vom Land­ge­richt für un­be­denk­lich ge­hal­te­ne Er­satz­lie­fe­rung in pro­zes­sua­ler Hin­sicht we­der von der Be­klag­ten noch von der Streit­hel­fe­rin in dem Sin­ne an­ge­grif­fen, dass eben­die­se Er­satz­lie­fe­rung we­gen Un­mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen ge­we­sen sei.

e) Die Be­klag­te und die Streit­hel­fe­rin wen­den – zu Recht – auch nicht ein, dass die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen sei, weil le­dig­lich ei­ne un­we­sent­li­che Pflicht­ver­let­zung i. S. des § 323 V 2 BGB vor­ge­le­gen ha­be, denn von ei­nem bloß un­er­heb­li­chen Man­gel kann schon des­halb nicht aus­ge­gan­gen wer­den, weil der Klä­ger das Fahr­zeug we­gen der Be­schlag­nah­me ab dem 30.07.2011 nicht mehr nut­zen konn­te.

f) Das Land­ge­richt ist in der Rechts­fol­ge zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass der Klä­ger von der Be­klag­ten ge­mäß § 346 I BGB die un­ge­kürz­te Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses von 27.000 € ver­lan­gen kann.

Der mit der Be­ru­fung ver­tief­te Ein­wand der Be­klag­ten, dass der Klä­ger sei­ner­seits ge­mäß § 346 II BGB Wert­er­satz leis­ten müs­se, weil er den To­yo­ta Land Crui­ser nicht zu­rück­ge­ben kön­ne, greift nicht durch.

Die in § 346 II 1 BGB vor­ge­se­he­nen Tat­be­stän­de sind ih­rem Wort­laut nach nicht ein­schlä­gig. So schei­det ei­ne Wert­er­satz­pflicht nach Nr. 1 aus, weil die Rück­ge­währ des Fahr­zeugs nicht des­sen Na­tur nach aus­ge­schlos­sen ist. Auch Nr. 2 greift nicht ein, weil es nicht der Klä­ger ge­we­sen ist, der den To­yo­ta wei­ter­ver­äu­ßert hat, son­dern die pol­ni­sche Staats­an­walt­schaft. Und das Fahr­zeug ist auch nicht im Sin­ne der Nr. 3 „un­ter­ge­gan­gen“, weil dar­un­ter nur die Zer­stö­rung der Kauf­sa­che zu ver­ste­hen ist (MünchKomm-BGB/Gai­er, 6. Aufl. [2012], § 346 Rn. 41).

Al­ler­dings ist der Käu­fer an­er­kann­ter­ma­ßen auch über den Wort­laut des § 346 II BGB hin­aus zum Wert­er­satz ver­pflich­tet, wenn ihm die Rück­ga­be der Kauf­sa­che fak­tisch oder recht­lich un­mög­lich ist (BGH, Urt. v. 20.02.2008 – VI­II ZR 334/06, NJW 2008, 2028 Rn. 22; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 74. Aufl. [2015], § 346 Rn. 7; MünchKomm-BGB/Gai­er, a. a. O., § 346 Rn. 43). Ei­ne Wert­er­satz­pflicht des Käu­fers be­steht aber in den Fäl­len nicht, in de­nen die Un­mög­lich­keit der Her­aus­ga­be ge­ra­de auf dem die Rück­tritts­be­rech­ti­gung aus­lö­sen­den Rechts- oder Sach­man­gel be­ruht (MünchKomm-BGB/Gai­er, a. a. O., § 346 Rn. 51). So hat der BGH be­reits nach al­ter Rechts­la­ge ent­schie­den, dass die zu­nächst Zug um Zug be­ste­hen­de Rück­ga­be­pflicht des Käu­fers dann ent­fällt, wenn das er­wor­be­ne Fahr­zeug in­fol­ge ei­nes Dieb­stahls­ver­dachts oh­ne des­sen Ver­schul­den be­schlag­nahmt wird (BGH, Urt. v. 07.05.1997 – VI­II ZR 253/96, NJW 1997, 3164).

Auch im Streit­fall ver­hält es sich so, dass der zum Rück­tritt be­rech­tig­te Klä­ger ent­spre­chend § 346 III Nr. 3 BGB ei­nen Rechts­ver­lust er­lit­ten hat, den er bei An­wen­dung ei­gen­üb­li­cher Sorg­falt nicht ver­mei­den konn­te.

Das gilt zum ei­nen für die beim Grenz­über­tritt er­folg­te Be­schlag­nah­me sei­nes Fahr­zeugs. Aber auch als der Klä­ger den Be­schluss der Staats­an­walt­schaft vom 07.11.2011 zu­ge­stellt be­kam, be­stand für ihn kei­ne Er­folgs­aus­sicht, in­ner­halb der an­ge­ge­be­nen Aus­schluss­frist von sie­ben Ta­gen ei­ne Be­schwer­de ge­gen die fort­dau­ern­de Be­schlag­nah­me ein­zu­le­gen. Als im Ver­lau­fe des Rechts­streits sei­tens der Streit­hel­fe­rin vor­ge­tra­gen wur­de, der zwi­schen­zei­ti­ge Erb­fall nach dem To­de ih­res Bru­ders ha­be ei­nen gut­gläu­bi­gen Ei­gen­tums­er­werb er­mög­licht, war die im Be­scheid der Staats­an­walt­schaft an­ge­ge­be­ne Be­schwer­de­frist längst ab­ge­lau­fen. Des­halb stellt es im Rah­men des Haf­tungs­maß­stabs des § 277 BGB auch kei­ne Ver­let­zung ei­gen­üb­li­cher Sorg­falts­pflich­ten dar, dass der Klä­ger zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt kein Rechts­mit­tel mehr ge­gen die Fort­dau­er der Be­schlag­nah­me bzw. die be­ab­sich­tig­te Rück­ga­be … ein­ge­legt hat – so­fern ein sol­ches Rechts­mit­tel nach Ab­lauf der ur­sprüng­li­chen Be­schwer­de­frist über­haupt ge­ge­ben war.

4. So­weit das Land­ge­richt dem Klä­ger ei­nen Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch aus § 284 BGB in Hö­he von 2.457,81 € zu­er­kannt hat, wird dies in der Be­ru­fungs­in­stanz dem Grun­de nach we­der von der Be­klag­ten noch von der Streit­hel­fe­rin an­ge­grif­fen. Ins­be­son­de­re wird kein Be­ru­fungs­an­griff da­hin ge­hend ge­führt, dass die Be­klag­te ent­ge­gen der Ver­mu­tungs­re­gel des § 280 I 2 BGB die Pflicht­ver­let­zung nicht zu ver­tre­ten ge­habt hät­te. Des­halb braucht auch nicht der Fra­ge nach­ge­gan­gen zu wer­den, ob der Be­klag­ten als Kfz-Händ­le­rin im Rah­men der üb­li­chen An­kauf­un­ter­su­chung der Um­stand hät­te ver­däch­tig er­schei­nen müs­sen, dass die beim Öff­nen der Fah­rer­tür sicht­ba­re Ko­die­rung mit den Fahr­zeug­da­ten nach den Fest­stel­lun­gen der pol­ni­schen Zoll­be­hör­de nicht ge­stanzt, son­dern ko­piert und auf­ge­klebt wor­den ist.

Die ge­gen die Hö­he der vom Land­ge­richt zu­er­kann­ten Be­trä­ge ge­führ­ten Be­ru­fungs­an­grif­fe ha­ben gleich­falls kei­nen Er­folg:

a) Rei­se­kos­ten N. – C. (155,55 €)

Die vom Klä­ger ver­an­schlag­ten Kos­ten für die An­rei­se nach Deutsch­land in Hö­he von 1.088.390 BYN er­ge­ben sich aus dem vor­ge­leg­ten Bahn­ti­cket für die Stre­cke N. – C., das zu­min­dest teil­wei­se in deut­scher Spra­che ge­druckt ist. Der Um­rech­nungs­kurs … wird von der Be­klag­ten nicht be­strit­ten. Sie stellt viel­mehr in Ab­re­de, dass die­se An­rei­se dem Zweck ge­dient ha­be, das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug zu er­wer­ben. Der ent­spre­chen­de in­halt­li­che Zu­sam­men­hang er­gibt sich aber zur Über­zeu­gung des Se­nats ei­ner­seits aus dem Um­stand, dass das vor­ge­leg­te Ti­cket im zeit­li­chen Zu­sam­men­hang zum Ver­trags­schluss – näm­lich am 28.05.2011 – ab­ge­stem­pelt wur­de, und an­der­seits aus dem Um­stand, dass der Klä­ger un­strei­tig am 30.05.2011 bei der Be­klag­ten per­sön­lich vor­stel­lig wur­de, um den To­yo­ta zu be­sich­ti­gen.

b) Über­nach­tungs­kos­ten (75 €)

Es be­geg­net auch kei­nen Be­den­ken, dass das Land­ge­richt die Kos­ten für die Über­nach­tung in der Pen­si­on P in T. für er­satz­fä­hig ge­hal­ten und de­ren Hö­he ge­mäß § 287 ZPO auf 75 € ge­schätzt hat. Der vor­ge­leg­te Zah­lungs­be­leg die­ser Pen­si­on da­tiert auf den 29.05.2011 und steht da­mit eben­falls in ei­nem un­mit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zu­sam­men­hang zu dem tags dar­auf er­folg­ten Pkw-Kauf. So­weit die Be­klag­te be­an­stan­det, dass sich die vor­ge­leg­te Zah­lungs­quit­tung über ei­ne Sum­me von 116 € ver­hal­te, war das dem Um­stand ge­schul­det, dass der Klä­ger von sei­ner Toch­ter be­glei­tet wur­de, mit der er sich auf der Rück­rei­se nach N. am Steu­er ab­wech­seln woll­te.

c) Kraft­stoff­kos­ten für die Über­füh­rung (150 €)

So­weit die Be­klag­te die zu­er­kann­ten Kraft­stoff­kos­ten für die Über­füh­rungs­fahrt von 150 € mit Nicht­wis­sen be­strei­tet, greift das eben­falls nicht durch. Das Land­ge­richt hat die Län­ge der Fahrt­stre­cke von B. nach N. an­hand ei­nes Rou­ten­pla­ners mit cir­ca 1.500 km er­mit­telt. Der vom Land­ge­richt zu­grun­de ge­leg­te Durch­schnitts­ver­brauch von 10–12 l/100 km er­scheint dem Se­nat an­ge­sichts des hub­raum­star­ken Ge­län­de­fahr­zeugs eben­falls zu­tref­fend, so­dass der ge­schätz­te Kos­ten­auf­wand von 0,10 € pro 100 km nicht zu be­an­stan­den ist.

d) Ein­fuhr­zoll (1.799,20 €)

So­weit das Land­ge­richt we­gen der Fahr­zeug­über­füh­rung nach Weiß­russ­land ei­nen Ein­fuhr­zoll in Hö­he von 1.799,20 € zu­er­kannt hat, kann die Be­klag­te sich nicht pau­schal auf „Un­ge­reimt­hei­ten“ bei den vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen be­ru­fen. Der Klä­ger hat viel­mehr … die bei­den am 31.05.2011 aus­ge­stell­ten Be­le­ge des weiß­rus­si­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums mit deut­scher Über­set­zung vor­ge­legt. Die Um­rech­nung der an­ge­ge­be­nen Zöl­le führt an­hand der bei­ge­füg­ten Ta­bel­le der weiß­rus­si­schen Na­tio­nal­bank zu Be­trä­gen von 1.789,20 € + 10 €. Es ist auch zu­tref­fend, auf den da­mals gül­ti­gen Um­rech­nungs­kurs ab­zu­stel­len, weil in die­sem Zeit­punkt dem Klä­ger die Auf­wen­dun­gen tat­säch­lich ent­stan­den sind.

5. Hin­sicht­lich der zu­er­kann­ten Zin­sen und vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten wird – zu Recht – kein selbst­stän­di­ger Be­ru­fungs­an­griff ge­führt …

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