1. Ein mit ei­nem Ruß­par­ti­kel­fil­ter aus­ge­stat­te­tes Die­sel­fahr­zeug ist nicht des­halb i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft, weil es für ei­nen rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb nicht ge­eig­net ist, da die zur Rei­ni­gung des Fil­ters er­for­der­li­che Ab­gas­tem­pe­ra­tur im rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb re­gel­mä­ßig nicht er­reicht wird und des­halb von Zeit zu Zeit Über­land­fahr­ten un­ter­nom­men wer­den müs­sen (im An­schluss an BGH, Urt. v. 04.03.2009 – VI­II ZR 160/08).
  2. Ein Kfz-Händ­ler muss den (po­ten­zi­el­len) Käu­fer ei­nes Fahr­zeugs mit Ruß­par­ti­kel­fil­ter bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen zwar dann nicht dar­über auf­klä­ren, dass und in wel­cher Wei­se zur Rei­ni­gung des Fil­ters von Zeit zur Zeit Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten über­nom­men wer­den müs­sen, wenn sich die­se In­for­ma­tio­nen mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus der Be­die­nungs­an­lei­tung des Fahr­zeugs er­ge­ben. Ent­hält die Be­die­nungs­an­lei­tung je­doch kei­ne ent­spre­chen­den Hin­wei­se, be­steht ei­ne da­hin ge­hen­de Hin­weis- und Be­ra­tungs­pflicht.

LG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 09.05.2016 – 23 O 195/15

Sach­ver­halt: Der Klä­ger, ge­setz­lich ver­tre­ten durch sei­ne El­tern, er­warb von der Be­klag­ten mit Kauf­ver­trag vom 07.07.2015 für 24.400,01 € ei­nen Pkw mit ei­ner Lauf­leis­tung von 13.900 Ki­lo­me­tern. Das Fahr­zeug ist mit ei­nem Ruß­par­ti­kel­fil­ter aus­ge­stat­tet. Für die Re­ge­ne­ra­ti­on (Rei­ni­gung) die­ses Fil­ters ist ei­ne er­höh­te Ab­gas­tem­pe­ra­tur er­for­der­lich, die im rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb ge­wöhn­lich nicht er­reicht wird. Zur Fil­ter­rei­ni­gung müs­sen des­halb von Zeit zur Zeit län­ge­re Über­land­fahr­ten un­ter­nom­men wer­den.

Die Be­die­nungs­an­lei­tung zum Fahr­zeug ent­hält kei­nen Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit sol­cher Fahr­ten. Ein sol­cher Hin­weis fin­det sich auch we­der im Kauf­ver­trag noch im Fahr­zeug­pro­spekt, und auch im In­ter­net wird nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Par­ti­kel­fil­ter in be­stimm­ten In­ter­val­len frei­ge­brannt wer­den muss.

Am 29.09., am 08.10. und am 17.10.2015 kam es bei dem Pkw je­weils zu der Feh­ler­mel­dung „Ein­sprit­zung prü­fen“. Die­se Mel­dung er­scheint, wenn auf­grund ei­nes rei­nen Kurz­stre­cken­be­triebs die au­to­ma­ti­sche Rei­ni­gung des Par­ti­kel­fil­ters zu häu­fig ab­ge­bro­chen wur­de und des­halb ei­ne Werk­statt auf­ge­sucht wer­den muss. Je­den­falls nach Er­schei­nen der Feh­ler­mel­dung am 08.10. und am 17.10.2015 such­te der Va­ter des Klä­gers je­weils die Be­klag­te auf, die das Fahr­zeug un­ter­such­te.

Am 28.10.2015 er­klär­te der Klä­ger – ge­setz­lich ver­tre­ten durch sei­ne El­tern – münd­lich ge­gen­über der Be­klag­ten we­gen des Pro­blems mit dem Ruß­par­ti­kel­fil­ter den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Die Rück­tritts­er­klä­rung wur­de mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 04.11.2015 wie­der­holt. Der Va­ter des Klä­gers stell­te den Pkw auf dem öf­fent­li­chen Park­platz vor dem Au­to­haus der Be­klag­ten, der die­ser als Kun­den­park­platz dient, ab. Mit Schrei­ben vom 11.11.2015 lehn­te die Be­klag­te den Rück­tritt ab und for­der­te den Klä­ger auf, den Pkw von dem Park­platz zu ent­fer­nen. Hier­für setz­te sie ei­ne Frist bis zum 12.11.2015 und kün­dig­te an, nach er­folg­lo­sem Ab­lauf die­ser Frist ei­ne Ein­stell­ge­bühr von täg­lich 15 € zu be­rech­nen. Wei­ter be­hielt sich die Be­klag­te vor, das Fahr­zeug zum Klä­ger ab­schlep­pen zu las­sen.

Der Klä­ger be­haup­tet, sein Va­ter ha­be ge­gen­über der Be­klag­ten von An­fang an mit­ge­teilt, dass er das Fahr­zeug aus­schließ­lich für den Kurz­stre­cken­be­trieb nut­zen wol­le. Der Ver­käu­fer der Be­klag­ten, der Zeu­ge M, ha­be nicht mit­ge­teilt, wel­che tech­ni­schen Fol­gen ein rei­ner Kurz­stre­cken­be­trieb für den Mo­tor des streit­ge­gen­ständ­li­chen Fahr­zeugs ha­ben kann. Auch ha­be V nicht auf die Not­wen­dig­keit von Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten hin­ge­wie­sen.

Der Klä­ger meint, der er­wor­be­ne Pkw sei sach­man­gel­haft, weil er sich nicht für den ver­trag­lich vor­aus­ge­setz­ten Zweck – das Fah­ren von kur­zen Stre­cken – eig­ne. Auch un­ab­hän­gig von dem Pro­blem mit dem Ruß­par­ti­kel­fil­ter sei das Fahr­zeug man­gel­haft, weil bei Re­nault-Fahr­zeu­gen – dies ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig – das 6,5-fa­che der ge­setz­lich zu­läs­si­gen Ab­gas­wer­te über­schrit­ten wer­de. Zu­dem lie­ge ein Rechts­man­gel vor. Denn weil der Ruß­par­ti­kel­fil­ter frei­ge­brannt wer­den müs­se, kom­me es zu ei­nem Mehr­ver­brauch von Die­sel­kraft­stoff. Dies füh­re zu ei­ner Än­de­rung der CO2– und NOX-Wer­te, was nach § 19 II Nr. 2 StV­ZO ein Er­lö­schen der All­ge­mei­nen Be­triebs­er­laub­nis zur Fol­ge ha­be.

Die Kla­ge hat­te in­so­weit Er­folg, als der Klä­ger die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges und den Er­satz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten ver­lang­te. Sie war hin­ge­gen er­folg­los, so­weit der Klä­ger der Be­klag­ten ver­bie­ten las­sen woll­te, das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug von ih­rem Kun­den­park­platz ab­schlep­pen zu las­sen.

Aus den Grün­den: I. Dem Klä­ger steht ge­gen die Be­klag­te ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges zu.

1. Der An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges folgt nicht be­reits aus ei­nem Rück­tritts­recht oder ei­nem Scha­dens­er­satz­an­spruch we­gen der Man­gel­haf­tig­keit des ver­kauf­ten Fahr­zeugs (§§ 433, 434, 437 Nr. 2, 323, 346 I BGB bzw. §§ 433, 434, 437 Nr. 3, 280 I, III, 281 BGB. Das ver­kauf­te Fahr­zeug wies bei Über­ga­be kei­nen Sach­man­gel auf.

Zu ei­ner Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung der Par­tei­en in Be­zug auf die Eig­nung des Fahr­zeugs zum aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den Kurz­stre­cken­be­trieb, die ge­mäß § 434 I 1 BGB vor­ran­gig zu be­rück­sich­ti­gen wä­re, ist es nicht ge­kom­men. Auch ei­ne Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung i. S. von § 434 I 2 Nr. 1 BGB liegt nicht vor. So­wohl ei­ne Be­schaf­fen­heits- als auch ei­ne Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung set­zen vor­aus, dass ei­ne be­stimm­te Be­schaf­fen­heit bzw. Ver­wen­dung der Kauf­sa­che bei­der­seits vor­aus­ge­setzt wird. Blei­ben die Vor­stel­lun­gen des Käu­fers – wie hier – ein­sei­tig, ge­nügt dies nicht für die An­nah­me ei­ner Be­schaf­fen­heits- oder Ver­wen­dungs­zweck­ver­ein­ba­rung, selbst wenn dem Ver­käu­fer die Vor­stel­lun­gen des Käu­fers be­kannt sind. Da­her kann an die­ser Stel­le of­fen­blei­ben, ob – wie von dem Klä­ger be­haup­tet – der Be­klag­ten mit­ge­teilt wur­de, dass das Fahr­zeug im rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb ver­wen­det wer­de.

Auch eig­net sich das Fahr­zeug für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung und weist ei­ne Be­schaf­fen­heit aus, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach Art der Sa­che er­war­ten kann (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB). Fahr­zeu­ge al­ler Her­stel­ler, die mit ei­nem Die­sel­par­ti­kel­fil­ter aus­ge­stat­tet sind, sind nach dem der­zei­ti­gen Stand der Tech­nik für ei­nen über­wie­gen­den Kurz­stre­cken­ein­satz nicht ge­eig­net, weil für die Re­ge­ne­ra­ti­on (Rei­ni­gung) des Par­ti­kel­fil­ters ei­ne er­höh­te Ab­gas­tem­pe­ra­tur er­for­der­lich ist, die im rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb ge­wöhn­lich nicht er­reicht wird. Das Fahr­zeug des Klä­gers weist so­mit in die­ser Hin­sicht ei­ne Be­schaf­fen­heit auf, die bei al­len die­sen Fahr­zeu­gen mit Par­ti­kel­fil­tern („Sa­chen der glei­chen Art“) üb­lich ist und die der Käu­fer ei­nes der­ar­ti­gen Fahr­zeugs „nach der Art der Sa­che“ er­war­ten kann. Dass dem durch­schnitt­li­chen Au­to­käu­fer die Ein­schrän­kung nicht be­kannt sein wird, ist für die ob­jek­tiv be­rech­tig­te Käu­fe­rer­war­tung ir­re­le­vant.

Auch eig­net sich das Fahr­zeug für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung. Da­bei kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob un­ter der ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung ei­nes Pkw mit die­sem Mo­tor auch ein rei­ner oder über­wie­gen­der Kurz­stre­cken­be­trieb zu ver­ste­hen sein kann. Denn auch da­für eig­net sich das ver­kauf­te Fahr­zeug, so­fern der Die­sel­par­ti­kel­fil­ter bei Be­darf ge­rei­nigt wird. Dass die Durch­füh­rung die­ser Fil­ter­rei­ni­gung für den Käu­fer un­ter Um­stän­den mit ge­wis­sen Un­an­nehm­lich­kei­ten ver­bun­den sein mag, be­rührt die Eig­nung des Fahr­zeugs für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung nicht. Es han­delt sich um die prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen des ge­gen­wär­ti­gen Stands der Fil­ter­tech­nik, die man als un­be­frie­di­gend emp­fin­den mag, aber nach dem der­zei­ti­gen Stand der Tech­nik nicht zu ver­mei­den ist (BGH, Urt. v. 04.03.2009 – VI­II ZR 160/08, ju­ris Rn. 9 ff.).

2. Dem Klä­ger steht ge­gen die Be­klag­te je­doch ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags aus dem Ge­sichts­punkt des Ver­schul­dens bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen we­gen Ver­let­zung ei­ner Hin­weis- und Be­ra­tungs­pflicht zu (§§ 311 II, 280 I, 241 II BGB).

Ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht des Ver­käu­fers be­steht über sol­che Um­stän­de, die für den Ent­schluss ei­nes ver­stän­di­gen Käu­fers von we­sent­li­cher Be­deu­tung sind und de­ren Mit­tei­lung er nach Treu und Glau­ben er­war­ten kann. Die Auf­klä­rungs- bzw. Be­ra­tungs­pflicht steht selbst­stän­dig ne­ben et­wai­gen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­chen. Sie ist um­so eher an­zu­neh­men, je schutz­wür­di­ger der Käu­fer ist und je mehr der Ver­käu­fer ei­ne be­son­de­re Sach­kun­de in An­spruch nimmt (Gehr­lein/Sut­schet, in Be­ckOK-BGB, Stand: 01.02.2016, § 311 Rn. 80). Bei ei­nem Au­to­ver­kauf über­nimmt der Ver­käu­fer ei­ne um­fas­sen­de Be­ra­tung des Käu­fers über die Vor- und Nach­tei­le der ver­schie­de­nen in Be­tracht kom­men­den Pkw. Er ist als Fach­mann zur Be­ra­tung bzw. Auf­klä­rung ver­pflich­tet, wenn Ge­fah­ren für das Leis­tungs- oder In­te­gri­täts­in­ter­es­se des Gläu­bi­gers be­ste­hen, von de­nen die­ser kei­ne Kennt­nis hat. Zwar muss der Käu­fer ei­nes Pkw mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen nicht ge­son­dert über die Not­wen­dig­keit von Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten und de­ren spe­zi­fi­schen An­for­de­run­gen auf­ge­klärt wer­den, wenn sich die not­wen­di­ge In­for­ma­ti­on mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus dem Be­die­nungs­hand­buch er­gibt (OLG Hamm, Urt. v. 14.11.2013 – 28 U 33/13, ju­ris Rn. 50). Ent­hält das Be­die­nungs­hand­buch – wie vor­lie­gend – je­doch kei­nen Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit von Durch­füh­rung von Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten, ist ei­ne Hin­weis- und Be­ra­tungs­pflicht zu be­ja­hen.

Die Be­klag­te hat die ihr da­nach ob­lie­gen­de Pflicht zur Auf­klä­rung ver­letzt. Dies steht auf­grund der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me zur Über­zeu­gung des Ge­richts fest.

Der Zeu­ge V [= Va­ter des Klä­gers] hat be­kun­det, dass im Rah­men des Ver­kaufs­ge­sprächs nicht über die tech­ni­sche Pfle­ge des Au­tos ge­spro­chen wor­den sei. Das Pro­blem mit dem Ruß­par­ti­kel­fil­ter sei nicht an­ge­spro­chen wor­den. Ge­nau­so we­nig sei an­ge­spro­chen wor­den, dass es im Kurz­stre­cken­be­trieb zu Pro­ble­men kom­men könn­te. Er ha­be M ge­sagt, dass sein Ar­beits­weg le­dig­lich 10 Ki­lo­me­ter be­tra­ge und man ja wis­se, dass ein Die­sel ge­fah­ren wer­den müs­se, da­mit es sich wirt­schaft­lich loh­ne. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­be er auch ge­sagt, dass er im Jahr ma­xi­mal 5.000 bis 10.000 Ki­lo­me­ter fah­ren wür­de. Sie hät­ten über die wirt­schaft­li­che Sei­te ei­nes Die­sel­fahr­zeugs ge­spro­chen; über die Kurz­stre­cken­pro­ble­ma­tik hät­ten sie nicht ge­spro­chen. Wei­ter ha­be er im Bei­sein von M mit sei­ner Frau dar­über ge­spro­chen, dass sie das Fahr­zeug für sei­ne täg­li­che Fahrt zur Ar­beit ver­wen­den wür­den. Er ha­be mit sei­ner Frau vor M aus­ge­rech­net, dass, wenn sein Ar­beits­weg 10 Ki­lo­me­ter be­tra­gen wür­de, sie so­und­so­vie­le Ki­lo­me­ter im Jahr fah­ren wür­den. Die­se Ki­lo­me­ter­an­ga­be ha­be M mit­be­kom­men.

Die Aus­sa­ge des Zeu­gen V ist zu­ver­läs­sig und glaub­haft. Er hat nach­voll­zieh­bar, in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge und in sich schlüs­sig den In­halt des Ver­kaufs­ge­sprächs wie­der­ge­ge­ben. Auch war die Aus­sa­ge de­tail­reich. So konn­te der Zeu­ge bei­spiels­wei­se ein­zel­ne Aus­sa­gen des Zeu­gen M noch fast im Wort­laut wie­der­ge­ge­ben. Ein wei­te­res Rea­li­täts­kri­te­ri­um folgt aus der Schil­de­rung von Kom­pli­ka­tio­nen im Rah­men des Ver­kaufs­ge­sprächs. So hat der Zeu­ge of­fen zu­ge­ge­ben, dass sie an­fangs in ih­rem Ge­spräch un­ei­nig ge­we­sen sei­en. Wei­ter hat er sub­jek­ti­ve Emp­fin­dun­gen ge­schil­dert … Dies gibt der Aus­sa­ge ih­re not­wen­di­ge in­di­vi­du­el­le Prä­gung und spricht für ih­re Er­leb­nis­be­zo­gen­heit.

Auch an der Glaub­wür­dig­keit des Zeu­gen V be­ste­hen kei­ne Zwei­fel. Da­bei ver­kennt das Ge­richt nicht, dass den Zeu­gen V als Va­ter und ge­setz­li­chen Ver­tre­ter des min­der­jäh­ri­gen Klä­gers die wirt­schaft­li­chen Fol­gen des Au­to­kaufs tref­fen, er mit­hin ein er­heb­li­ches Ei­gen­in­ter­es­se an dem Er­folg der Kla­ge hat. Ei­ne ein­sei­ti­ge Aus­sa­ge­ten­denz zu­las­ten der Be­klag­ten war je­doch nicht er­kenn­bar. Er hat of­fen zu­ge­ge­ben – was die Be­klag­te seit Be­ginn des Ver­fah­rens zu ih­ren Guns­ten ver­wer­ten möch­te –, dass In­halt des Ge­sprächs auch ge­we­sen sei, dass sie mit dem Wa­gen auch in den Ur­laub fah­ren woll­ten. Ih­re Ur­lau­be sä­hen der­ge­stalt aus, dass sie ab und zu auf Rock­fes­ti­vals fah­ren wür­den. Auch hat er be­kun­det – und auch in­so­weit be­stä­tigt er den Vor­trag der Be­klag­ten –,dass sie es ge­we­sen sei­en, die auf M zu­ge­gan­gen und ihr In­ter­es­se an dem Fahr­zeug be­kun­det hät­ten. In der Ge­samt­schau ist das Ge­richt dem­nach von dem Wahr­heits­ge­halt der Aus­sa­ge und der Glaub­wür­dig­keit des Zeu­gen über­zeugt.

Da­hin­ge­gen ist das Ge­richt von der Rich­tig­keit der Aus­sa­ge des Zeu­gen M nicht über­zeugt. Zwar hat die­ser auf ent­spre­chen­de Nach­fra­ge des Ge­richts be­kun­det, dass sie im Zu­ge des Ge­sprächs über die Lauf­leis­tung und den Fahr­zy­klus auch dar­auf zu spre­chen ge­kom­men sei­en, dass der Fil­ter frei­ge­brannt wer­den müs­se. Er ha­be zu den El­tern des Klä­gers ge­sagt: „Den­ken Sie dar­an, das Fahr­zeug braucht Stre­cke, da­mit sich der Fil­ter frei­b­ren­nen kann.“ Die wei­te­re Nach­fra­ge des Ge­richts, ob V ihm ge­sagt ha­be, dass er We­nig­fah­rer sei, hat er ver­neint. In­des ver­mag das Ge­richt die­ser Aus­sa­ge nicht zu fol­gen. Das Füh­ren von Ver­kaufs­ge­sprä­chen ge­hört zum Be­rufs­all­tag des Zeu­gen M. Er führt wö­chent­lich ei­ne Viel­zahl sol­cher Ge­sprä­che. Um die nö­ti­ge Über­zeu­gung von dem In­halt sei­ner Aus­sa­ge zu ge­win­nen war es des­halb er­for­der­lich, An­halts­punk­te zu fin­den, die da­für spre­chen, dass der Zeu­ge spe­zi­ell auch im Rah­men des Ver­kaufs­ge­sprächs mit den El­tern des Klä­gers auf die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten hin­ge­wie­sen hat. Die­se An­halts­punk­te lie­gen nicht vor. Aus ei­ge­nen Stü­cken hat der Zeu­ge bei der Schil­de­rung des In­halts des Ver­kaufs­ge­sprächs le­dig­lich be­kun­det, sie hät­ten ei­ne Be­darfs­ana­ly­se durch­ge­führt. Auf Nach­fra­ge des Ge­richts, was Ge­gen­stand die­ser Be­darfs­ana­ly­se ge­we­sen sei, hat er kon­kre­te­re An­ga­ben hier­zu ge­macht. Sie hät­ten über den Platz, den Raum, die Ki­lo­me­ter­leis­tung und die sons­ti­ge Au­to­aus­stat­tung des Au­tos ge­spro­chen, wie des­sen Mo­tor und Si­cher­heits­as­pek­te, die Aus­stat­tung mit Xe­non-Schein­wer­fern und ei­ner Ein­park­hil­fe. Von ei­nem et­waig er­teil­ten Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit von Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten hat er im­mer noch nicht ge­spro­chen. Erst auf er­neu­te, die­ses Mal sehr kon­kre­te Nach­fra­ge des Ge­richts, ob sie im Rah­men die­ses Ge­sprächs auch über die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten ge­spro­chen hät­ten, hat er dies be­jaht und auf Nach­fra­ge des Klä­ger­ver­tre­ters er­neut be­stä­tigt. Im Fol­gen­den er­schöpft sich sei­ne Aus­sa­ge je­doch in all­ge­mein ge­hal­te­nen Aus­füh­run­gen zu die­sem nach sei­ner Er­in­ne­rung er­teil­ten Hin­weis. So hat er auf er­neu­te Nach­fra­ge des Ge­richts, ob er spe­zi­ell auch im Rah­men des Ge­sprächs mit den El­tern des Klä­gers auf die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten hin­ge­wie­sen ha­be, be­kun­det, dass er dies so ge­wis­sen­haft ma­che. Ent­spre­chend hat er auf Nach­fra­ge des Klä­gers­ver­tre­ters aus­ge­führt, dass er mit Si­cher­heit sa­gen kön­ne, dass er auf den Sach­ver­halt als sol­chen hin­ge­wie­sen ha­be, zur Be­grün­dung hier­für sich je­doch auf die all­ge­mei­ne Aus­füh­rung be­schränkt, dass es na­tür­lich sein An­lie­gen sei zu ver­kau­fen; ge­nau­so sei es sein An­lie­gen, zu­frie­de­ne End­kun­den zu ha­ben. Rea­li­täts­merk­ma­le oder -kri­te­ri­en, die ei­ne aus­rei­chend ho­he Wahr­schein­lich­keit für die Zu­ver­läs­sig­keit sei­ner Aus­sa­ge be­grün­den wür­den, dass auch in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Ein­zel­fall ein ent­spre­chen­der Hin­weis er­folgt sein soll, lie­gen nicht vor. Die Aus­sa­ge war in die­sem Punkt we­der de­tail­reich noch von in­di­vi­du­ell Er­leb­ten ge­prägt. Es lie­gen kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de vor, die für die ob­jek­ti­ve Rich­tig­keit der Schil­de­rung spre­chen. Es blei­ben bei dem Ge­richt da­her Zwei­fel, ob die Er­in­ne­rung des Zeu­gen auf dem kon­kre­ten Ge­spräch mit den El­tern des Klä­gers be­ruh­te oder er nicht des­halb die Fra­ge des Ge­richts nach ei­nem ent­spre­chen­dem Hin­weis be­jah­te, weil er – wie er selbst be­kun­det hat – üb­li­cher­wei­se auf die Not­wen­dig­keit des Frei­fah­rens des Ruß­par­ti­kel­fil­ters hin­weist. Auch im Hin­blick auf die­sen üb­li­cher­wei­se er­teil­ten Hin­weis war sei­ne Aus­sa­ge je­doch we­nig er­gie­big. So hat der Zeu­ge selbst be­kun­det, dass er bei Neu­kun­den na­he­zu im­mer auf die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten hin­wei­se, zu 100 %, das kön­ne er aber nicht sa­gen.

Ne­ben die­sen Zwei­feln an ei­ner kon­kre­te Er­in­ne­rung des Zeu­gen an das streit­ge­gen­ständ­li­che Ver­kaufs­ge­sprächs hat das Ge­richt über­dies auch durch­schla­gen­de Be­den­ken an der Glaub­wür­dig­keit des Zeu­gen M. Der Zeu­ge ist bei der Be­klag­ten an­ge­stellt. Zwar reicht ei­ne wirt­schaft­li­che Ab­hän­gig­keit des Zeu­gen von ei­ner Par­tei noch nicht aus, um an des­sen Glaub­wür­dig­keit zu zwei­feln. Hin­zu kom­men müs­sen wei­te­re Um­stän­de. Die­se lie­gen je­doch vor. Nach dem per­sön­li­chen Ein­druck in der Sit­zung wirk­te der Zeu­ge er­kenn­bar ner­vös. Er ver­mied kon­stant den Blick­kon­takt, rutsch­te auf sei­nem Stuhl hin und her und fühl­te sich sicht­lich un­wohl. In ei­ner Ge­samt­wür­di­gung hat er auf das Ge­richt ei­nen per­sön­li­chen Ein­druck ge­macht, nach dem sei­nen Be­kun­dun­gen nicht zu fol­gen ist.

Nach al­le­dem steht nach der durch­ge­führ­ten Be­weis­auf­nah­me fest, dass der Zeu­ge M wuss­te, dass der Va­ter des Klä­gers das Au­to le­dig­lich im Kurz­stre­cken­be­trieb ver­wen­den wür­de, und den­noch nicht über die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten auf­ge­klärt hat, was sich die Be­klag­te nach § 278 BGB zu­rech­nen las­sen muss.

Die Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht er­folg­te auch schuld­haft (§ 280 I 2 BGB). Um­stän­de, die die Ver­schul­dens­ver­mu­tung wi­der­le­gen könn­ten, trägt die Be­klag­te nicht vor.

3. Die Pflicht zur Be­ra­tung bzw. Auf­klä­rung über die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten war auch nicht we­gen ei­ner et­waig be­reits be­ste­hen­den Kennt­nis der El­tern des Klä­gers, die sich die­ser zu­rech­nen las­sen müss­te, aus­nahms­wei­se ent­behr­lich. Zwar hat der Zeu­ge V be­kun­det, dass man ja wis­se, dass ein Die­sel ge­fah­ren wer­den müs­se, da­mit es sich wirt­schaft­lich loh­ne. Bei ei­nem Die­sel, das wis­se man und das sei klar, müs­se man mehr Ki­lo­me­ter fah­ren. Auf Nach­fra­ge des Ge­richts hat er die­se Aus­sa­ge je­doch da­hin ge­hend ein­ge­schränkt, dass er da­mit mei­ne, dass er mit ei­nem Die­sel­fahr­zeug mehr Ki­lo­me­ter fah­ren kön­ne, weil dies der Ty­pi­zi­tät des Die­sel­fahr­zeugs ent­spre­che. Aus sei­ner Sicht sei die Fra­ge, ob man ein Die­sel­fahr­zeug neh­me, nur die­je­ni­ge ge­we­sen, dass man an­fangs ei­nen even­tu­ell hö­he­ren An­schaf­fungs­wert ha­be, der sich aber im Lau­fe der Zeit amor­ti­sie­ren wür­de. Er hat­te so­mit Kennt­nis über die wirt­schaft­li­chen Vor- und Nach­tei­le des Kaufs ei­nes Die­sel­fahr­zeugs. Dass er auch Kennt­nis von der Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten hat­te, hat die Be­weis­auf­nah­me nicht er­ge­ben.

Auch sonst lie­gen kei­ne Um­stän­de vor, nach de­nen ei­ne Be­ra­tung über bzw. ein Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit von Frei­b­renn­fahr­ten ent­behr­lich ge­we­sen wä­re. So­weit die Be­klag­te aus den von den El­tern des Klä­gers ge­plan­ten Fahr­ten zu den Rock­fes­ti­vals und dem Ab­schluss der Re­nault-Plus-Ga­ran­tie über 80.000 Ki­lo­me­ter her­lei­ten möch­te, dass dies ge­gen die Be­haup­tung des Klä­ger spre­che, dass das Fahr­zeug aus­schließ­lich im Kurz­stre­cken­be­trieb ver­wen­det wer­de, ver­fängt dies nicht. Auch nach dem ei­ge­nen Vor­trag der Be­klag­ten be­trägt die Lauf­zeit der Re­nault-Plus-Ga­ran­tie fünf Jah­re. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung des­sen, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug aus­weis­lich des Kauf­ver­trags bei Ver­trags­schluss be­reits ei­nen Ki­lo­me­ter­stand von 13.900 hat­te, kam ei­ne Re­nault-Plus-Ga­ran­tie über 50.000 Ki­lo­me­ter, der nächst nied­ri­ge­ren Stu­fe, nicht in Be­tracht. Denn selbst bei ei­ner Jah­res­ki­lo­me­ter­an­zahl der El­tern des Klä­gers von le­dig­lich 5.000 wür­de die­se nicht aus­rei­chen, um den Be­darf der El­tern des Klä­gers zu de­cken (13.900 km + 60.000 km = 72.900 km). Ge­gen die Ein­stu­fung der El­tern des Klä­gers als We­nig­fah­rer spricht auch nicht, dass sie mit dem Wa­gen auch zu Rock­fes­ti­vals fah­ren woll­ten. Nach ih­rem ei­ge­nen, je­doch un­be­strit­te­nen Vor­brin­gen, sol­len sol­che Fahr­ten nur ge­le­gent­lich als Ur­laubs­be­such ge­tä­tigt wer­den. Dies nimmt ih­nen nicht ih­ren Cha­rak­ter als We­nig­fah­rer.

4. Die Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung war vor­lie­gend auch kau­sal für den Ab­schluss des Kauf­ver­trags. Zu Guns­ten des Klä­gers strei­tet in­so­weit ei­ne Ver­mu­tung, die die Be­klag­te nicht wi­der­legt hat (Be­ckOK-BGB/Un­berath, Stand: 01.03.2011, § 280 Rn. 57). Dem Ge­schä­dig­ten steht ge­gen den Schä­di­ger ein Wahl­recht zwi­schen Ver­trags­auf­he­bung und Ver­trags­an­pas­sung zu, beim Kauf­ver­trag al­so zwi­schen Rück­tritt und Min­de­rung. Die­ses hat der Klä­ger zu­guns­ten des Rück­tritts aus­ge­übt.

5. Nach al­le­dem steht dem Klä­ger ge­gen die Be­klag­te ein An­spruch auf Zah­lung von 24.181,96 € Zug um Zug ge­gen Rück­über­eig­nung des Pkw zu. Ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung für die be­reits ge­fah­re­nen Ki­lo­me­ter hat der Klä­ger be­reits in sei­nem Kla­ge­an­trag be­rück­sich­tigt. Die Hö­he ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig.

Da dem Klä­ger der An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags be­reits we­gen der Be­ra­tungs­pflicht­ver­let­zung zu­steht, kann da­hin­ste­hen, ob die Über­schrei­tung der ge­setz­lich zu­läs­si­gen Ab­gas­wer­te und die Än­de­rung der Ab­gas­wer­te CO2 und NOX durch ei­nen et­wai­gen Mehr­ver­brauch des Fahr­zeugs im rei­nen Kurz­stre­cken­be­trieb ei­nen selbst­stän­di­ge Rechts- bzw. Sach­man­gel dar­stel­len.

II. Aus der Scha­dens­er­satz­pflicht der Be­klag­ten er­gibt sich zu­dem ge­mäß § 249 I BGB der zu­ge­spro­che­ne An­spruch des Klä­gers auf Zah­lung der au­ßer­ge­richt­li­chen Tä­tig­keit sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten. Un­ab­hän­gig da­von hat der Klä­ger die Be­klag­te mit dem Schrei­ben vom 04.11.2015 auch zur Rück­nah­me des Fahr­zeugs Zug um Zug ge­gen Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ab­züg­lich der Nut­zungs­ent­schä­di­gung bis zum 11.11.2015 auf­ge­for­dert, so­dass der An­spruch auch un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­zu­ges (§§ 280 I, II, 286 BGB) ge­recht­fer­tigt ist …

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