1. Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs be­grün­det der Be­sitz des­sel­ben al­lein nicht den für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb (§ 932 BGB) er­for­der­li­chen Rechts­schein. Viel­mehr ge­hört es re­gel­mä­ßig zu den Min­des­ter­for­der­nis­sen des gut­gläu­bi­gen Er­werbs ei­nes sol­chen Fahr­zeugs, dass sich der Er­wer­ber die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Auch wenn die­ser im Be­sitz des Fahr­zeugs und des Fahr­zeug­briefs ist, kann der Er­wer­ber gleich­wohl bös­gläu­big sein, wenn – hier be­jah­te – be­son­de­re Um­stän­de sei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten und er die­se un­be­ach­tet lässt. Ei­ne all­ge­mei­ne Nach­for­schungs­pflicht des Er­wer­bers be­steht aber nicht (im An­schluss an BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 13 m. w. Nachw.).
  2. Dem Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens ist nicht schon des­halb in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt, dass das Fahr­zeug nicht dem Ver­äu­ße­rer ge­hört, weil ihm ge­fälsch­te Fahr­zeug­pa­pie­re vor­ge­legt wer­den. Gro­be Fahr­läs­sig­keit i. S. des § 935 II BGB liegt in­so­weit viel­mehr erst vor, wenn die Fäl­schun­gen leicht als sol­che zu er­ken­nen sind.
  3. Der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­wa­gens han­delt grob fahr­läs­sig i. S. von § 935 II BGB, wenn ihm ge­fälsch­te Fahr­zeug­pa­pie­re – hier: ei­ne ge­fälsch­te Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I (Fahr­zeug­brief) vor­ge­legt wer­den, bei der Sie­gel/​Wap­pen und an­ge­ge­be­ne Zu­las­sungs­be­hör­de ganz of­fen­sicht­lich nicht zu­sam­men­pas­sen (hier: Wap­pen des Lan­des Ber­lin mit dem Ber­li­ner Bä­ren ne­ben der An­ga­be „Stadt Frei­burg im Breis­gau“). In ei­nem sol­chen Fall muss sich dem Er­wer­ber viel­mehr auf­drän­gen, dass er es mit Fäl­schun­gen zu tun hat.

OLG Hamm, Ur­teil vom 05.03.2015 – 5 U 14/14

Sach­ver­halt: Die Par­tei­en strei­ten um das Ei­gen­tum an ei­nem Por­sche 911 Car­re­ra S. Die Klä­ge­rin ver­langt von dem Be­klag­ten, ge­gen­über der Staats­an­walt­schaft Ber­lin der Her­aus­ga­be des si­cher­ge­stell­ten Fahr­zeugs an sie zu­zu­stim­men. Au­ßer­dem nimmt sie den Be­klag­ten auf Er­satz der Schä­den in An­spruch, die durch ent­stan­den sind, dass der Be­klag­te ei­ner Her­aus­ga­be des Pkw bis­lang nicht zu­ge­stimmt hat. Der Be­klag­te be­gehrt wi­der­kla­gend die Her­aus­ga­be der zu dem Por­sche 911 Car­re­ra S ge­hö­ren­den Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) an ihn.

Die Klä­ge­rin schloss am 12.07.2012 als Lea­sing­ge­be­rin mit der C-GmbH als Lea­sing­neh­me­rin ei­nen Lea­sing­ver­trag über ei­nen Por­sche 911 Car­re­ra S. Die­ses Fahr­zeug, das der Lea­sing­neh­me­rin am 13.07.2012 über­ge­ben wur­de, hat­te die Klä­ge­rin mit Kauf­ver­trag vom 12.07.2012 von der Por­sche Nie­der­las­sung Ber­lin GmbH zum Preis von 77.800 € brut­to er­wor­ben. Die Klä­ge­rin be­sitzt das Ori­gi­nal der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II, in der seit dem 28.10.2009 als ers­ter Hal­ter die Dr. Ing. h.c. F. Por­sche AG und seit dem 13.07.2012 als zwei­ter Hal­ter die C-GmbH ein­ge­tra­gen ist.

Der Be­klag­te wur­de am 30.01.2013 auf das zu die­ser Zeit im In­ter­net zum Kauf an­ge­bo­te­ne Fahr­zeug auf­merk­sam. Nach ei­ni­gen Te­le­fo­na­ten ver­ein­bar­te er mit dem Ver­käu­fer ein Tref­fen in des­sen Pri­vat­woh­nung in Ber­lin. Als sich der Be­klag­te auf dem Weg dort­hin be­fand, wur­de ein neu­er Treff­punkt ver­ein­bart. Man traf sich schließ­lich vor der B-Bank, bei der der Be­klag­te ein Kon­to un­ter­hielt. Dort über­gab der Be­klag­te dem Ver­käu­fer den ver­ein­bar­ten Kauf­preis von 55.000 € in bar. Im Ge­gen­zug er­hielt er von dem Ver­käu­fer ge­fälsch­te Fahr­zeug­pa­pie­re (Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I und Teil II), zu de­ren Her­stel­lung im Jahr 2010 bei der Zu­las­sungs­stel­le Frei­burg ge­stoh­le­ne Blan­ko­for­mu­la­re ver­wen­det wor­den wa­ren. In der ge­fälsch­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ist die An­zahl der Vor­be­sit­zer mit „1“ an­ge­ge­ben.

Die Zu­las­sung des Por­sche 911 Car­re­ra S auf den Be­klag­ten schei­ter­te, weil in der (ge­fälsch­ten) Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I der Stem­pel der Bun­des­haupt­stadt Ber­lin auf­ge­bracht ist und sich di­rekt da­ne­ben ein Stem­pel der Stadt Frei­burg mit ei­ner Da­tums­an­ga­be (13.07.2012) und ei­ner (un­le­ser­li­chen) Un­ter­schrift be­fin­det. Das Fahr­zeug wur­de dar­auf­hin von der Staats­an­walt­schaft be­schlag­nahmt.

Die Klä­ge­rin hat ge­meint, der Be­klag­te ha­be das Ei­gen­tum an dem Pkw schon des­halb nicht gut­gläu­big er­wor­ben, weil das Fahr­zeug der Lea­sing­neh­me­rin und da­mit auch ihr, der Klä­ge­rin, ab­han­den­ge­kom­men sei (§ 935 I BGB). Je­den­falls aber sei der Be­klag­te nicht in gu­tem Glau­ben ge­we­sen; viel­mehr hät­ten zahl­rei­che Un­ge­reimt­hei­ten Zwei­fel dar­an we­cken müs­sen, dass der Por­sche 911 Car­re­ra S dem Ver­käu­fer ge­hört ha­be. Der Be­klag­te ha­be auch des­halb An­lass zu Nach­fra­gen ge­habt, weil er ein Fahr­zeug der Lu­xus­klas­se ge­kauft ha­be, des­sen Wert er­heb­lich über dem Kauf­preis ge­le­gen ha­be und der Kauf sehr schnell an­ge­bahnt und „auf der Stra­ße“ ab­ge­wi­ckelt wor­den sei.

Der Be­klag­te hat gel­tend ge­macht, er ha­be das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug gut­gläu­big er­wor­ben. Ihm sei es si­che­rer er­schie­nen, den Kauf­preis dem Ver­käu­fer nicht in des­sen Woh­nung, son­dern auf ei­nem öf­fent­li­chen Platz zu zah­len. Der Ver­käu­fer ha­be auf ihn ei­nen ge­pfleg­ten, se­riö­sen und ver­trau­ens­er­we­cken­den Ein­druck ge­macht. Er – der Be­klag­te –, sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin und sei­ne Kin­der hät­ten das Fahr­zeug aus­gie­big un­ter­sucht und fest­ge­stellt, dass die Le­der­be­zü­ge im In­nen­raum schwarz ver­färbt und die Tep­pi­che so un­an­sehn­lich ge­we­sen sei­en, dass sie mit ei­nem Kos­ten­auf­wand von cir­ca 2.000 € hät­ten aus­ge­tauscht wer­den müs­sen. Er, der Be­klag­te, ha­be auch die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer an der Front­schei­be mit der in den Fahr­zeug­pa­pie­ren an­ge­ge­be­nen – iden­ti­schen – Num­mer ver­gli­chen. Dass die Fahr­zeug­pa­pie­re ge­fälscht sei­en, ha­be ihm nicht auf­fal­len müs­sen und kön­nen; erst die Mit­ar­bei­te­rin der Zu­las­sungs­stel­le ha­be dies zu­fäl­lig be­merkt. Auf Nach­fra­ge ha­be der Ver­käu­fer er­klärt, dass vor ihm die Dr. Ing. h.c. F. Por­sche AG und die C-GmbH in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ein­ge­tra­gen ge­we­sen sei­en und des­halb ei­ne neue Be­schei­ni­gung ha­be aus­ge­stellt wer­den müs­sen. Die­se Er­klä­rung, dass nur zwei Hal­ter in den Fahr­zeug­brief hät­ten ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen, sei ihm, dem Be­klag­ten, plau­si­bel er­schie­nen. Auf sei­ne Fra­ge nach dem Per­so­nal­aus­weis des Ver­käu­fers ha­be die­ser ei­nen Füh­rer­schein ge­zeigt und er­klärt, den Per­so­nal­aus­weis kön­ne er aus Zeit­grün­den nicht ho­len, da er um 17.00 Uhr wie­der ar­bei­ten müs­se; au­ßer­dem ha­be der Be­klag­te kei­nen An­spruch dar­auf, den Per­so­nal­aus­weis zu se­hen. Der Kauf­preis – so hat der Be­klag­te gel­tend ge­macht – sei kein Ver­dachts­mo­ment ge­we­sen, weil bei ei­nem Pri­vat­ver­kauf der Kauf­preis in der Re­gel deut­lich nied­ri­ger sei als beim Fahr­zeug­ver­kauf durch ei­nen Kfz-Händ­ler. Ver­gleich­ba­re Fahr­zeu­ge wür­den für 54.900 bis 59.800 € zum Kauf an­ge­bo­ten. Hin­zu kom­me, dass sich der Kauf­preis nach der Nach­fra­ge rich­te und die­se sai­son­ab­hän­gig sei; im Fe­bru­ar wür­den Ca­brio­lets nicht nach­ge­fragt.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen und der Wi­der­kla­ge statt­ge­ge­ben. Zur Be­grün­dung hat es aus­ge­führt, der Por­sche 911 Car­re­ra S sei der Klä­ge­rin nicht i. S. von § 935 I 1 BGB ab­han­den­ge­kom­men, da sie das Fahr­zeug der Lea­sing­neh­me­rin frei­wil­lig über­las­sen ha­be. Dass das Fahr­zeug den Ver­ant­wort­li­chen der C-GmbH ab­han­den­ge­kom­men sei, ha­be die Klä­ge­rin nicht sub­stan­zi­iert dar­ge­legt.

Der Be­klag­te ha­be das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug gut­gläu­big er­wor­ben; ihm kön­ne in Be­zug auf das feh­len­de Ei­gen­tum des Ver­äu­ße­rers we­der Kennt­nis noch grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis vor­ge­wor­fen wer­den. Beim Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs be­ste­he kei­ne all­ge­mei­ne Nach­for­schungs­pflicht.

Die Min­dest­an­for­de­run­gen für den gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes Kraft­fahr­zeugs ha­be der Be­kalg­te er­füllt, denn er ha­be sich von dem Ver­käu­fer die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II (Fahr­zeug­brief) vor­le­gen las­sen, in der der Ver­käu­fer als Hal­ter des Pkw ein­ge­tra­gen ge­we­sen sei. Dass es sich bei der vor­ge­leg­ten Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I und Teil II um Fäl­schun­gen ge­han­delt ha­be, sei nicht auf ers­ten Blick er­kenn­bar ge­we­sen, so­dass der Be­klag­te nicht ha­be wei­ter nach­for­schen müs­sen. Zwar sei die An­ga­be in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I, wann die nächs­te Haupt­un­ter­su­chung fäl­lig sei, mit Blick auf das an­ge­ge­be­ne Da­tum der Erst­zu­las­sung nicht stim­mig. Dies ha­be dem Be­klag­ten aber nicht oh­ne Wei­te­res auf­fal­len müs­sen, zu­mal es nicht un­ge­wöhn­lich sei, dass ei­ne Haupt­un­ter­su­chung vor­ge­zo­gen wer­de. Die in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ent­hal­te­nen An­ga­ben pass­ten zu dem ge­gen­über dem Be­klag­ten auf­ge­tre­te­nen Ver­käu­fer („Ma­rio Jan“) und den An­ga­ben in dem Füh­rer­schein, den die­ser nach Dar­stel­lung des Be­klag­ten vor­ge­legt ha­be. Un­stim­mig­kei­ten er­gä­ben sich le­dig­lich dar­aus, dass in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I ein an­de­rer Aus­stel­lungs­ort ge­nannt wer­de als in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II, was als sol­ches nicht oh­ne Wei­te­res zu er­ken­nen sei. Dass in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II nur ein Hal­ter ein­ge­tra­gen ge­we­sen sei, ha­be der Ver­käu­fer nach Dar­stel­lung des Be­klag­ten plau­si­bel da­mit be­grün­det, dass für die Ein­tra­gung ei­nes wei­te­ren Hal­ters in der Erst­be­schei­ni­gung kein Platz mehr ge­we­sen sei.

Dass ein Ge­braucht­wa­gen – wie das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug – „auf der Stra­ße“ ver­kauft wer­de, kom­me un­ter Pri­vat­per­so­nen häu­fig vor und ha­be den Be­klag­ten des­halb nicht miss­trau­isch ma­chen müs­sen, zu­mal der Treff­punkt vor der B-Bank auf Wunsch des Be­klag­ten ge­wählt wor­den sei. Eben­so ha­be der Be­klag­te den ver­lang­ten Kauf­preis nicht zum An­lass für wei­te­re Nach­for­schun­gen neh­men müs­sen; dass die­ser Kauf­preis zum Ver­kehrs­wert des Pkw in ei­nem für den Be­klag­ten er­kenn­ba­ren Miss­ver­hält­nis ge­stan­den ha­be, kön­ne nicht fest­ge­stellt wer­den.

Mit ih­rer da­ge­gen ge­rich­te­ten Be­ru­fung hat die Klä­ge­rin im We­sent­lich gel­tend ge­macht, der Be­klag­te ha­be ih­ren Vor­trag, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw der Lea­sing­neh­me­rin ge­stoh­len wor­den oder sonst ab­han­den­ge­kom­men sei, nicht be­strit­ten. Sie, die Klä­ge­rin, ha­be sich bei dem frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer der Lea­sing­neh­me­rin nach dem Ver­bleib des Fahr­zeugs er­kun­digt. Der frü­he­re Ge­schäfts­füh­rer der Lea­sing­neh­me­rin ha­be ihr dar­auf­hin kom­men­tar­los den Na­men ei­nes Po­len und ei­ne – mit ei­nem Fra­ge­zei­chen ver­se­he­ne – Adres­se in Ber­lin über­mit­telt, was die An­nah­me recht­fer­ti­ge, dass die in Re­de ste­hen­de Per­son den Pkw ge­stoh­len ha­be.

Je­den­falls ha­be der Be­klag­te das Ei­gen­tum an dem Por­sche 911 Car­re­ra S nicht gut­gläu­big er­wor­ben. Viel­mehr ha­be er ein wert­vol­les Sport­fahr­zeug beim ers­ten, kurz­fris­tig ver­ein­bar­ten Be­sich­ti­gungs­ter­min auf of­fe­ner Stra­ße in Ber­lin-Kreuz­berg ge­kauft, oh­ne auch nur ei­ne Pro­be­fahrt mit dem Fahr­zeug zu un­ter­neh­men. Hät­te der Be­klag­te die ihm über­las­se­nen Fahr­zeug­pa­pie­re wie ge­bo­ten ge­prüft, dann wä­re ihm schon vor Ort auf­ge­fal­len, dass es sich da­bei um Fäl­schun­gen han­de­le. Die Auf­fas­sung des Land­ge­richts, die (ge­fälsch­te) Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II sei in sich schlüs­sig, sei un­zu­tref­fend. Dass in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I und in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II un­ter­schied­li­che Aus­stel­lungs­or­te ge­nannt sei­en, ha­be den Be­klag­ten zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­an­las­sen müs­sen. Dies gel­te um­so mehr, als in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I als Aus­stel­lungs­ort „Frei­burg im Breis­gau“ an­ge­ge­ben und di­rekt da­ne­ben ein den Ber­li­ner Bä­ren zei­gen­des Sie­gel an­ge­bracht sei. Schon des­halb sei die Wür­di­gung des Land­ge­richts, Un­stim­mig­kei­ten er­gä­ben sich nur nur bei Ver­gleich bei­der Do­ku­men­te, un­zu­tref­fend. Hin­zu kom­me, dass die An­ga­be in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I, wann die nächs­te Haupt­un­ter­su­chung fäl­lig sei, nicht zum an­ge­ge­be­nen Da­tum der Erst­zu­las­sung des Pkw pas­se; dass – wie das Land­ge­richt an­ge­nom­men ha­be – die Haupt­un­ter­su­chung mit Blick auf die Ver­äu­ße­rung ei­nes Fahr­zeugs vor­ge­zo­gen wer­de, sei le­bens­fremd. Ab­ge­se­hen da­von ent­hal­te das in den Fahr­zeug­pa­pie­ren an­ge­ge­be­ne Kenn­zei­chen ei­nen Bin­de­strich, ob­wohl die­se Schreib­wei­se – wor­auf sie, die Klä­ge­rin, das Land­ge­richt hin­ge­wie­sen ha­be – schon seit län­ge­rer Zeit nicht mehr üb­lich sei.

Über­haupt hät­te es der Be­klag­te nicht bei ei­ner – nicht vor­ge­nom­me­nen – Prü­fung der Fahr­zeug­pa­pie­re be­wen­den las­sen dür­fen. Auf­grund der be­son­de­ren Um­stän­de (Kauf­preis deut­lich un­ter Markt­wert, ver­wei­ger­te Aus­hän­di­gung des Per­so­nal­aus­wei­ses, leich­ter, nicht zum an­ge­ge­be­nen Na­men „Ma­rio Jan“ pas­sen­der aus­län­di­scher Ak­zent des Ver­käu­fers etc.) sei der Be­klag­te viel­mehr ge­hal­ten ge­we­sen, wei­te­re Nach­for­schun­gen zu un­ter­neh­men, al­so et­wa bei der Zu­las­sungs­stel­le nach­zu­fra­gen.

Der Be­klag­te hat das erst­in­stanz­li­che Ur­teil ver­tei­digt. Er hat im We­sent­li­chen ein­ge­wandt, dass die Klä­ge­rin nicht sub­stan­zi­iert vor­ge­tra­gen ha­be, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug der Lea­sing­neh­me­rin ab­han­den­ge­kom­men sei. Die An­ga­ben des frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rers der C-GmbH hät­ten sich auf den Er­wer­ber die­ses Un­ter­neh­mens be­zo­gen. Zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ha­be er, der Be­klag­te, kei­nen An­lass ge­habt, zu­mal es le­bens­fremd sei, beim Er­werb ei­nes Ge­braucht­wa­gens bei Zu­las­sungs­stel­len, dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt oder der Po­li­zei nach­zu­fra­gen. Die­se gä­ben ei­nem Kauf­in­ter­es­sen­ten aus Grün­den des Da­ten­schut­zes oh­ne­hin kei­ne Aus­kunft. Ins­be­son­de­re der Kauf­preis ha­be ihn nicht miss­trau­isch ma­chen müs­sen. Wel­chen ex­ak­ten Ver­kehrs­wert der Por­sche 911 Car­re­ra S sei­ner­zeit ge­habt ha­be, wer­de sich nicht fest­stel­len las­sen. Die Klä­ge­rin ha­be das Fahr­zeug selbst für 75.000,00 € (brut­to) er­wor­ben, wo­bei si­cher ein über dem da­ma­li­gen Ver­kehrs­wert lie­gen­der kon­zern­in­ter­ner Ver­rech­nungs­preis ver­ein­bart wor­den sei. Be­rück­sich­ti­ge man al­lei­ne die Wert­min­de­rung in Hö­he von 20 %, die das Fahr­zeug in ei­nem Jahr er­fah­ren ha­be, die Män­gel, die das Fahr­zeug auf­ge­wie­sen ha­be, so­wie ei­nen klei­nen „Sai­son­ab­schlag“, dann er­ge­be sich ziem­lich ge­nau der von ihm, dem Be­klag­ten, ge­zahl­te Kauf­preis. Da der Ver­käu­fer ihm ei­nen Füh­rer­schein vor­ge­legt ha­be, ha­be er nicht noch zur Pri­vat­wo­hung des Ver­käu­fers fah­ren wol­len, in der sich an­geb­lich des­sen Per­so­nal­aus­weis be­fun­den ha­be, zu­mal der Ver­käu­fer auf sei­ne – des Be­klag­ten – Fra­ge nach dem Per­so­nal­aus­weis un­ge­hal­ten re­agiert ha­be. Im Üb­ri­gen – so hat der Be­klag­te gel­tend ge­macht – ha­be die Klä­ge­rin selbst we­nig Sorg­falt wal­ten las­sen, in­dem sie leicht­gläu­big ein hoch­wer­ti­ges Fahr­zeug an ein Un­ter­neh­men im „Tür­ken­vier­tel Neu­kölln“ ver­least ha­be, das nicht ein­mal Ge­schäfts­räu­me ver­fügt ha­be.

Die Be­ru­fung der Klä­ge­rin hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: II. Die Be­ru­fung ist zu­läs­sig und be­grün­det.

1. An­trag zu 1 der Kla­ge

Die Klä­ge­rin kann von dem Be­klag­ten ge­mäß § 812 I 1 Fall 2 BGB ver­lan­gen, dass die­ser ge­gen­über der Staats­an­walt­schaft Ber­lin die Zu­stim­mung zur Her­aus­ga­be des streit­be­fan­ge­nen Fahr­zeugs an sie er­klärt.

a) Bei ei­nem Streit dar­über, wel­cher von zwei Prä­ten­den­ten von der Hin­ter­le­gungs­stel­le die Aus­zah­lung des hin­ter­leg­ten Be­trags ver­lan­gen kann, kann der wirk­li­che In­ha­ber des Rechts ge­gen den an­de­ren Prä­ten­den­ten ei­nen An­spruch auf Ein­wil­li­gung in die Aus­zah­lung aus § 812 BGB gel­tend ma­chen. Die auf Kos­ten des wirk­li­chen Rechts­in­ha­bers ein­ge­tre­te­ne grund­lo­se Be­rei­che­rung des an­de­ren Prä­ten­den­ten er­gibt sich aus des­sen Stel­lung als Hin­ter­le­gungs­be­tei­lig­ter. Als sol­cher hat er die Macht, die Aus­zah­lung des wirk­lich Be­rech­tig­ten zu ver­hin­dern, weil die Hin­ter­le­gungs­stel­le hier­zu sei­ner Ein­wil­li­gung be­darf (vgl. BGH, Urt. 29.11.1989 – VI­II ZR 228/88, BGHZ 109, 240 = NJW 1990, 716, 717; Urt. v. 15.05.1961 – VII ZR 181/59, BGHZ 35, 165 = NJW 1961, 1457, 1458). So liegt der Fall auch hier. Die Staats­an­walt­schaft Ber­lin wird oh­ne Zu­stim­mung des Be­klag­ten das Fahr­zeug nicht an die Klä­ge­rin her­aus­ge­ben.

b) Die Klä­ge­rin ist auch ak­tiv­le­gi­ti­miert.

In ers­ter In­stanz hat der Be­klag­te vor­sorg­lich die Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on der Klä­ge­rin un­ter Hin­weis dar­auf be­strit­ten, dass neu­wer­ti­ge Lea­sing­fahr­zeu­ge ge­mäß § 12 I AKB un­ter An­de­rem ge­gen Ent­wen­dung ver­si­chert wür­den. Falls die Ver­si­che­rung durch den Lea­sing­neh­mer ab­ge­schlos­sen wer­de, wer­de re­gel­mä­ßig ver­ein­bart, dass die Ent­schä­di­gung dem Lea­sing­ge­ber zu­ste­he. Ge­mäß § 13 VII AKB ge­he das Ei­gen­tum an dem ver­si­cher­ten Fahr­zeug, wenn es nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Ein­gang der Scha­den­s­an­zei­ge wie­der zur Stel­le ge­bracht wer­de, auf den Ver­si­che­rer über. Die Klä­ge­rin hat hier­ge­gen un­ter Vor­la­ge ei­nes Schrei­bens der Ver­si­che­rung vom 08.10.2013 ein­ge­wandt, dass die V-Ver­si­che­rung AG den Ver­si­che­rungs­ver­trag we­gen Nicht­zah­lung der Fol­ge­prä­mie ge­kün­digt ha­be und für den ver­si­cher­ten Zeit­raum kei­ne Scha­dens­mel­dung er­folgt sei. Die­ser Vor­trag ist un­be­strit­ten ge­blie­ben, so­dass der Be­klag­te hier­aus zu sei­nen Guns­ten nichts her­lei­ten kann.

c) Dass die Klä­ge­rin zu­nächst Ei­gen­tü­me­rin des Fahr­zeugs war, ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig. Nach An­sicht des Se­nats hat die Klä­ge­rin das Ei­gen­tum auch nicht in­fol­ge ei­nes gut­gläu­bi­gen Er­werbs des Ei­gen­tums durch den Be­klag­ten ver­lo­ren.

aa) In­so­weit geht der Se­nat al­ler­dings nicht da­von aus, dass das Fahr­zeug ab­han­den­ge­kom­men ist.

§ 935 I BGB be­stimmt, dass der Er­werb des Ei­gen­tums auf­grund der §§ 932 bis 934 BGB nicht ein­tritt, wenn die Sa­che dem Ei­gen­tü­mer ge­stoh­len wor­den, ver­lo­ren­ge­gan­gen oder sonst ab­han­den­ge­kom­men war (Satz 1). Das Glei­che gilt, falls der Ei­gen­tü­mer nur mit­tel­ba­rer Be­sit­zer war, dann, wenn die Sa­che dem Be­sit­zer ab­han­den­ge­kom­men war (Satz 2). Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 935 I BGB trägt der (Alt-)Ei­gen­tü­mer, hier al­so die Klä­ge­rin (vgl. MünchKomm-BGB/​Oechs­ler, 6. Aufl. [2013], § 935 Rn. 19; Be­ckOK-BGB/​Kindl, Stand: 01.05.2014, § 935 Rn. 2). Hier war die Klä­ge­rin auf­grund des mit der em>C-GmbH be­ste­hen­den Lea­sing­ver­trags nur mit­tel­ba­re Be­sit­ze­rin des Fahr­zeugs. Zur Dar­le­gung ei­nes Ab­han­den­kom­mens des Fahr­zeugs bei C-GmbH be­ruft die Klä­ge­rin sich nur auf ih­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­trag, wo­nach sie da­von aus­ge­he, dass das Fahr­zeug der Lea­sing­neh­me­rin ge­stoh­len wor­den bzw. ab­han­den­ge­kom­men sei. Zu Recht hat das Land­ge­richt an­ge­nom­men, dass die­ser Vor­trag nicht hin­rei­chend sub­stan­zi­iert sei. Aus dem Um­stand, dass der Ge­schäfts­füh­rer der Lea­sing­neh­me­rin auf die Fra­ge nach dem Ver­bleib des Fahr­zeugs kom­men­tar­los den Na­men ei­nes Po­len mit­ge­teilt und ei­ne Adres­se in Ber­lin mit Fra­ge­zei­chen über­sandt ha­be, kann nicht auf ein Ab­han­den­kom­men des Fahr­zeugs ge­schlos­sen wer­den.

bb) Es fehlt je­doch an der Gut­gläu­big­keit des Be­klag­ten.

(1) Ge­mäß § 932 II BGB ist der Er­wer­ber im Rah­men des Ei­gen­tums­er­werbs dann nicht in gu­tem Glau­ben, wenn ihm be­kannt oder in­fol­ge gro­ber Fahr­läs­sig­keit un­be­kannt ist, dass die Sa­che nicht dem Ver­äu­ße­rer ge­hört. Grob fahr­läs­si­ge Un­kennt­nis liegt dann vor, wenn der Er­wer­ber die im Ver­kehr er­for­der­li­che Sorg­falt in un­ge­wöhn­lich ho­hem Ma­ße ver­letzt und das­je­ni­ge un­be­ach­tet ge­las­sen hat, was im ge­ge­be­nen Fall sich je­dem hät­te auf­drän­gen müs­sen.

Bei dem Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs be­grün­det der Be­sitz des­sel­ben nicht den für den Gut­glau­bens­er­werb nach § 932 BGB er­for­der­li­chen Rechts­schein. Viel­mehr ge­hört es re­gel­mä­ßig zu den Min­des­ter­for­der­nis­sen des gut­gläu­bi­gen Er­werbs ei­nes sol­chen Fahr­zeugs, dass sich der Er­wer­ber den Kraft­fahr­zeug­brief vor­le­gen lässt, um die Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Auch wenn der Ver­äu­ße­rer im Be­sitz des Fahr­zeugs und des Fahr­zeug­briefs ist, kann der Er­wer­ber gleich­wohl bös­gläu­big sein, wenn be­son­de­re Um­stän­de sei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten und er die­se un­be­ach­tet lässt. Ei­ne all­ge­mei­ne Nach­for­schungs­pflicht des Er­wer­bers be­steht hin­ge­gen nicht (vgl. BGH, Urt. v. 01.03.2013 – V ZR 92/12, NJW 2013, 1946 Rn. 11 ff.; Urt. v. 09.02.2005 – VI­II ZR 82/03, NJW 2005, 1365, 1366). Wann ei­ne sol­che Nach­for­schungs­pflicht be­steht, ist ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls. Für den Fall des Ge­braucht­wa­gen­han­dels ist nach der Recht­spre­chung des VI­II. Zi­vil­se­nats des BGH we­gen der dort nicht sel­ten vor­kom­men­den Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Be­wer­tung der Um­stän­de, die für den Käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Fahr­zeugs ei­ne Nach­for­schungs­pflicht hin­sicht­lich der Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers be­grün­den, ein stren­ger Maß­stab an­zu­le­gen (vgl. BGH, Urt. v. 09.10.1991 – VI­II ZR 19/91, NJW 1992, 310).

Im Grund­satz gilt, dass der­je­ni­ge, der den Ei­gen­tums­er­werb be­strei­tet, be­wei­sen muss, dass der Ver­äu­ße­rer nicht Ei­gen­tü­mer und der Er­wer­ber nicht in gu­tem Glau­ben war (vgl. Stau­din­ger/​Wie­gand, BGB, Neu­be­arb. 2011, § 932 Rn. 104).

(2) Nach Ak­ten­la­ge ist ei­ne Rei­he von Um­stän­den fest­zu­stel­len, die zu­sam­men ge­nom­men ei­nen Ver­dacht er­re­gen muss­ten und den Be­klag­ten zu wei­te­ren Nach­for­schun­gen ver­pflich­te­ten.

(a) Hier­zu ge­hört zu­nächst, dass der Ver­kauf des Fahr­zeugs auf der Stra­ße statt­fand. Zwar hat der Be­klag­te in ers­ter In­stanz un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, er ha­be mit dem Ver­käu­fer ein Tref­fen an des­sen Pri­vat­adres­se ver­ein­bart. Er selbst ha­be dann wäh­rend der Hin­fahrt die Än­de­rung des Treff­punkts ver­an­lasst. Dies hat er im Rah­men sei­ner An­hö­rung vor dem Se­nat auch noch­mals be­kräf­tigt und er­läu­tert, dass er auf dem Weg von Lü­beck nach Ber­lin im Stau ge­stan­den ha­be und aus die­sem Grund vor­ge­schla­gen ha­be, dass man sich di­rekt vor der B-Bank tref­fen sol­le. Gleich­wohl war von dem Be­klag­ten ei­ne er­höh­te Auf­merk­sam­keit al­lein schon des­halb zu for­dern, weil nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung beim Ver­kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gen, vor al­lem, wenn er auf der Stra­ße vor­ge­nom­men wird, mit un­lau­te­ren Ma­chen­schaf­ten ge­rech­net wer­den muss (vgl. BGH, Urt. v. 09.10.1991 – VI­II ZR 19/91, NJW 1992, 310; Urt. v. 05.02.1975 – VI­II ZR 151/73, NJW 1975, 735, 737).

(b) Zum an­de­ren hat der Be­klag­te auf der Stra­ße ein Lu­xus­fahr­zeug ge­gen Bar­zah­lung er­wor­ben. Auch hier­in sieht der Se­nat ei­nen be­son­de­ren Um­stand, der bei Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Um­stän­de ei­ne Nach­for­schungs­pflicht be­grün­den kann. An­ders als im Fall der Über­wei­sung ist im Fall der Bar­zah­lung ei­ne Rück­ver­fol­gung des Emp­fän­gers nicht mög­lich. Auch ist der Zah­lungs­vor­gang als sol­cher nicht do­ku­men­tiert.

(c) Hin­zu tritt, dass der Ver­käu­fer vor­lie­gend auf ei­ne schnel­le Ab­wick­lung des Kaufs ge­drängt hat (vgl. OLG Schles­wig, Urt. v. 01.09.2006 – 14 U 201/05, NJW 2007, 3007, 3008; MünchKomm-BGB/​Oechs­ler, a. a. O., § 932 Rn. 49). Wie der Be­klag­te im Se­nats­ter­min ge­schil­dert hat, war das Tref­fen vor der B-Bank für 15.15 Uhr ver­ein­bart. Der Be­klag­te mach­te sei­nen An­ga­ben nach noch ei­ne Pro­be­fahrt von si­cher­lich 20 Mi­nu­ten, un­ter­such­te das Fahr­zeug und hol­te Geld in der B-Bank ab, die zu die­sem Zeit­punkt voll ge­we­sen sei. In der Zwi­schen­zeit ha­be sei­ne Frau den Kauf­ver­trag aus­ge­füllt. Als er dann nach dem Per­so­nal­aus­weis des Ver­käu­fers ge­fragt ha­be, ha­be die­ser er­klärt, er ha­be den Per­so­nal­aus­weis ver­ges­sen. Er sei selbst­stän­dig, ha­be in Ber­lin Gas­tro­no­mie­be­trie­be und müs­se um 17.00 Uhr bei der Ar­beit sein. Aus Zeit­grün­den kön­ne er den Per­so­nal­aus­weis nicht ho­len. Durch die­se Er­klä­rung hat der Ver­käu­fer den Be­klag­ten un­ter Druck ge­setzt. Denn un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser An­ga­ben stand für die Ge­samt­ab­wick­lung des Ge­schäfts nur ein Zeit­rah­men von et­wa 90 Mi­nu­ten zur Ver­fü­gung, und der Be­klag­te stand vor der Wahl, das Fahr­zeug ent­we­der oh­ne Ein­sicht in den Per­so­nal­aus­weis zu kau­fen oder vom An­kauf ab­zu­se­hen, so­dass sich die durch­aus auf­wen­di­ge Rei­se vom Ur­laubs­ort an der Ost­see nach Ber­lin als Fehl­schlag er­wie­sen hät­te.

(d) Auf­fäl­lig war auch die vom Be­klag­ten im Se­nats­ter­min ge­schil­der­te wei­te­re Re­ak­ti­on des Ver­käu­fers auf die Fra­ge nach dem Per­so­nal­aus­weis. Da­zu hat der Be­klag­te er­klärt, er ha­be nach dem Per­so­nal­aus­weis des Ver­käu­fers ge­fragt, weil in dem Kauf­ver­trags­for­mu­lar, das er, der Be­klag­te, bei „mobile.​de“ be­sorgt ha­be, ent­spre­chen­de An­ga­ben vor­ge­se­hen ge­we­sen sei­en. Der Ver­käu­fer ha­be dann er­gän­zend er­klärt, der Be­klag­te ha­be gar kein Recht, sei­nen Aus­weis zu se­hen; al­len­falls ha­be er als Ver­käu­fer das Recht, den Aus­weis des Käu­fers zu se­hen. So­mit hat der Ver­käu­fer die Ein­sicht­nah­me in sei­nen Per­so­nal­aus­weis nicht nur aus an­geb­li­cher Zeit­knapp­heit, son­dern – mit fa­den­schei­ni­ger Be­grün­dung – grund­sätz­lich ab­ge­lehnt. Die­se un­ge­wöhn­li­che Re­ak­ti­on war nach Auf­fas­sung des Se­nats ge­eig­net, ver­dachts­be­grün­den­de Um­stän­de zu ver­stär­ken.

(e) Von be­son­de­rer und letzt­lich aus­schlag­ge­ben­der Be­deu­tung ist al­ler­dings der Um­stand, dass in der (ge­fälsch­ten) Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I ein Stem­pel mit dem Ber­li­ner Bä­ren und der Auf­schrift „Bun­des­haupt­stadt Ber­lin“ di­rekt ne­ben dem Auf­druck „Stadt Frei­burg im Breis­gau – Amt für Bür­ger­ser­vice und In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung“ auf­ge­bracht ist, wo­bei der zu­letzt ge­nann­te Auf­druck mit ei­nem Da­tums­stem­pel „13. Ju­li 2012“ und ei­ner un­le­ser­li­chen Un­ter­schrift ver­se­hen ist.

(aa) Zwar hat sich der Be­klag­te die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II vor­le­gen las­sen, so­dass ei­ne Min­dest­vor­aus­set­zung für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb er­füllt ist. Dass die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II ge­fälscht ist, hät­te dem Be­klag­ten bei ge­bo­te­ner Prü­fung al­lein die­ses Do­ku­ments vor Ort nicht auf­fal­len müs­sen. Grob fahr­läs­sig han­delt der Käu­fer nur dann, wenn ei­ne Fäl­schung leicht durch­schau­bar ist (vgl. MünchKomm-BGB/​Oechs­ler, a. a. O., § 932 Rn. 56; vgl. auch BGH, Urt. v. 23.05.1966 – VI­II ZR 60/64, BeckRS 1966, 31180082: durch Ra­die­ren ver­ur­sach­tes Loch, Tu­sche­klek­se in an­de­rer Far­be). Hier­an fehlt es. Zwar ist die Post­leit­zahl „12…“ für die …stra­ße … falsch, was dem Be­kla­gen aber nicht auf­fal­len muss­te. Dass der Ver­käu­fer den Nach­na­men „Jan“ an­ge­ge­ben hat, ist nicht auf­fäl­lig; ei­nen sol­chen Nach­na­men mag es ge­ben. Dass – so der Klä­ger­vor­trag – schon seit län­ge­rer Zeit die amt­li­chen Kenn­zei­chen in den Zu­las­sungs­pa­pie­ren nicht mehr mit Bin­de­strich, son­dern mit Leer­zei­chen ge­schrie­ben wer­den, ist dem Se­nat nicht be­kannt und muss­te auch dem Be­klag­ten nicht auf­fal­len. Zu­dem ist in dem Ori­gi­nal der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II das Kenn­zei­chen gleich­falls mit ei­nem Bin­de­strich ge­schrie­ben. Auch der Um­stand, dass in dem Do­ku­ment als Da­tum der Erst­zu­las­sung der 28.10.2009 ein­ge­tra­gen ist und an an­de­rer Stel­le der 14.05.2009, be­grün­det kei­nen Fäl­schungs­ver­dacht, denn das zu­letzt ge­nann­te Da­tum be­zieht sich nicht auf die Erst­zu­las­sung, son­dern auf die EG-Typ­ge­neh­mi­gung bzw. die All­ge­mei­ne Be­triebs­er­laub­nis (vgl. Feld K der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II). Auch die Er­klä­rung des Ver­käu­fers hier­zu, das Da­tum „14.05.2009“ sei ein­ge­tra­gen, weil es sich um ein Werks­fahr­zeug han­de­le, ist da­nach zwar sach­lich un­zu­tref­fend, aber gleich­falls nicht ge­eig­net, ei­nen Fäl­schungs­ver­dacht zu be­grün­den.

(bb) An­ders als bei der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II muss­te dem Be­klag­ten je­doch bei der ge­bo­te­nen Prü­fung der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I die Fäl­schung auf­fal­len. Da­bei geht der Se­nat da­von aus, dass der Be­klag­te an­ge­sichts der zu­vor dar­ge­stell­ten be­son­de­ren Um­stän­de des Ver­kaufs auch zu er­höh­ter Sorg­falt bei der Prü­fung der ihm vor­ge­leg­ten Do­ku­men­te ver­pflich­tet war. Zwar muss­ten – wie oben er­wähnt – die Schreib­wei­se des amt­li­chen Kenn­zei­chens und der Nach­na­me „Jan“ des Ver­käu­fers bei dem Be­klag­ten kei­nen Ver­dacht er­re­gen. Glei­ches gilt für den Um­stand, dass die nächs­te Haupt­un­ter­su­chung in Ab­wei­chung vom üb­li­chen Tur­nus für 12/2013 vor­ge­se­hen war, denn ei­ne Haupt­un­ter­su­chung wird ge­le­gent­lich vor­ge­zo­gen.

Tat­säch­lich hat der Be­klag­te, wie er auf ent­spre­chen­den Vor­halt im Se­nats­ter­min mit­ge­teilt hat, be­merkt, dass auf der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I so­wohl ein Stem­pel der Bun­des­haupt­stadt Ber­lin als auch ei­ne dem An­schein nach von der Stadt Frei­burg im Breis­gau stam­men­de Ein­tra­gung vor­han­den wa­ren. Dies ha­be in­des­sen, so hat er er­klärt, bei ihm kei­nen Ver­dacht er­regt, weil auf den For­mu­la­ren bzw. Gut­ach­ten sei­ner Au­gen­arzt­pra­xis auch im­mer ein an­de­rer Ort ste­he als der Aus­stel­lungs­ort, näm­lich der Ort, wo das Do­ku­ment ge­druckt wor­den sei.

Für die hier in Re­de ste­hen­den Ein­tra­gun­gen in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I kommt ei­ne der­ar­ti­ge Er­klä­rung in­des­sen nicht in Be­tracht. Der auf die Stadt Frei­burg ver­wei­sen­de Auf­druck ent­hält zu­sam­men mit der dort be­find­li­chen Un­ter­schrift so­wie dem Da­tums­stem­pel den für sich ge­nom­men un­miss­ver­ständ­li­chen Hin­weis auf die Stadt Frei­burg als Aus­stel­le­rin des Do­ku­ments. Da­mit in kras­sem Wi­der­spruch ste­hen der da­ne­ben be­find­li­che Stem­pel der Stadt Ber­lin und die Ein­tra­gun­gen in der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II, die die Stadt Ber­lin als Aus­stel­ler des Do­ku­ments aus­wei­sen. Da das Fahr­zeug am 13.07.2012 nicht gleich­zei­tig von der Stadt Frei­burg und der Stadt Ber­lin zu­ge­las­sen wer­den konn­te, las­sen sich die wi­der­sprüch­li­chen Ein­tra­gun­gen bei le­bens­na­her Be­wer­tung nur da­mit er­klä­ren, dass die Do­ku­men­te – un­ter Be­nut­zung ent­wen­de­ter For­mu­la­re der Stadt Frei­burg – ge­fälscht wa­ren. Auch dem Be­klag­ten muss­te sich die­se Schluss­fol­ge­rung – zu­mal in An­be­tracht der oben er­ör­ter­ten Auf­fäl­lig­kei­ten – ge­ra­de­zu auf­drän­gen.

Bei Wür­di­gung al­ler Ge­samt­um­stän­de ist der Se­nat des­halb da­von über­zeugt, dass die Un­kennt­nis des Be­klag­ten von der feh­len­den Be­rech­ti­gung des Au­to­ver­käu­fers auf gro­ber Fahr­läs­sig­keit be­ruht.

2. An­trag zu 2 der Kla­ge (Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung)

Der Klä­ge­rin steht ge­mäß § 812 I 1 Fall 2 BGB i. V. mit §§ 280 I, II, 286 BGB auch ein An­spruch auf Fest­stel­lung zu, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihr sämt­li­che Schä­den zu er­set­zen, die ihr da­durch ent­stan­den sind, dass der Be­klag­te nicht un­mit­tel­bar nach Kla­ge­er­he­bung – Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift am 28.05.2013 – der Her­aus­ga­be des streit­be­fan­ge­nen Fahr­zeugs zu­ge­stimmt hat.

a) Ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se i. S. des § 256 I ZPO be­steht. Ein recht­li­ches In­ter­es­se an ei­ner als­bal­di­gen Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses ist ge­ge­ben, wenn dem Recht oder der Rechts­la­ge des Klä­gers ei­ne ge­gen­wär­ti­ge Ge­fahr der Un­si­cher­heit droht und wenn das er­streb­te Ur­teil ge­eig­net ist, die­se Ge­fahr zu be­sei­ti­gen (vgl. BGH, Urt. v. 07.02.1986 – V ZR 201/84, NJW 1986, 2507; Münch­Komm-ZPO/​Be­cker-Eber­hard, 4. Aufl. [2013], § 256 Rn. 37; Mu­sielak/​Fo­ers­te, ZPO, 11. Aufl. [2014], § 256 Rn. 7 ff.). Hier be­strei­tet der Be­klag­te, da­zu ver­pflich­tet zu sein, ge­gen­über der Staats­an­walt­schaft Ber­lin sei­ne Zu­stim­mung zur Her­aus­ga­be des streit­be­fan­ge­nen Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin zu er­klä­ren; hier­durch wird das Recht der Klä­ge­rin ge­fähr­det. Zu­dem er­scheint es wahr­schein­lich, dass an dem Fahr­zeug nach zwei Jah­ren Stand­zeit Schä­den ent­stan­den sind, wel­che die Klä­ge­rin heu­te noch nicht be­zif­fern und im Rah­men ei­ner vor­ran­gi­gen Leis­tungs­kla­ge gel­tend ma­chen kann.

b) Da der Be­klag­te nach dem zu 1 Ge­sag­ten ver­pflich­tet ist, der Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin zu­zu­stim­men, ist der Be­klag­te mit der Er­tei­lung der Zu­stim­mung durch Zu­stel­lung der Kla­ge ge­mäß § 286 I 2 BGB in Ver­zug ge­ra­ten. Die §§ 280 ff. BGB fin­den auch auf ei­nen An­spruch aus § 812 BGB An­wen­dung (vgl. Stau­din­ger/​Schwar­ze, BGB, Neu­be­arb. 2014, § 280 Rn. B 8; MünchKomm-BGB/​Ernst, 6. Aufl. [2012], § 280 Rn. 6). Das Ver­schul­den wird ge­mäß § 280 I 2 BGB ver­mu­tet; die­se Ver­mu­tung hat der Be­klag­te nicht ent­kräf­tet.

3. Wi­der­kla­ge

Die Wi­der­kla­ge ist un­be­grün­det, da der Be­klag­te nach den obi­gen Aus­füh­run­gen kein Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug er­wor­ben hat und des­halb auch kei­nen An­spruch auf Her­aus­ga­be der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II hat. …

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