1. Der Dar­le­hens­ge­ber kann sich nicht auf die Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on nach Art. 247 § 6 II 3 EGBGB be­ru­fen, wenn in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on bei den Hin­wei­sen zu wei­te­ren Ver­trä­gen ne­ben ei­nem von den Par­tei­en ge­schlos­se­nen ver­bun­de­nen (Kauf-)Ver­trag noch wei­te­re, im Ein­zel­fall nicht ab­ge­schlos­se­ne (Ver­si­che­rungs-)Ver­trä­ge auf­ge­führt wer­den.
  2. Bei ei­nem All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag, der mit ei­nem im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag – hier: über ein Kraft­fahr­zeug – ver­bun­de­nen ist, ist der Ver­weis in § 358 IV 1 BGB auf § 357 VII Nr. 2 BGB da­hin aus­zu­le­gen, dass der Dar­le­hens­ge­ber den Dar­le­hens­neh­mer le­dig­lich über des­sen Wert­er­satz­pflicht nach § 357 VII BGB zu un­ter­rich­ten hat.
  3. Wi­der­ruft der Dar­le­hens­neh­mer wirk­sam sei­ne auf den Ab­schluss ei­nes All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung und ist die­ser Dar­le­hens­ver­trag mit ei­nem Kfz-Kauf­ver­trag ver­bun­den, so hat der Dar­le­hens­ge­ber ge­gen den Dar­le­hens­neh­mer ei­nen An­spruch auf Er­satz für den Wert­ver­lust des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs. Die Be­rech­nung des Wert­er­satz­an­spruchs nach § 357 VII BGB rich­tet sich grund­sätz­lich nach dem ob­jek­ti­ven Wert des Fahr­zeugs. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Be­rech­nung des Aus­gangs­wer­tes ist die Ent­ste­hung des Wert­er­satz­an­spruchs, das heißt in der Re­gel die Über­ga­be des Fahr­zeugs an den Ver­brau­cher. Für den End­wert kommt es auf den Zeit­punkt der Rück­ga­be des Fahr­zeugs an den Dar­le­hens­ge­ber an.

BGH, Ur­teil vom 27.10.2020 – XI ZR 498/19

Sach­ver­halt: Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit des Wi­der­rufs der auf Ab­schluss ei­nes Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung des Klä­gers.

Der Klä­ger er­warb im Ju­li 2017 ei­nen ge­brauch­ten Land Ro­ver zum Preis von 32.500 €. Zur Fi­nan­zie­rung des über die ge­leis­te­te An­zah­lung von 10.000 € hin­aus­ge­hen­den Kauf­preis­teils schlos­sen die Par­tei­en un­ter dem 08.07.2017 ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 22.500 € mit ei­nem ge­bun­de­nen Soll­zins­satz von 0,98 % p. a. Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen soll­ten in 54 Mo­nats­ra­ten er­bracht wer­den. Über sein Wi­der­rufs­recht in­for­mier­te die Be­klag­te den Klä­ger auf Sei­te 4 des Dar­le­hens­ver­trags wie folgt:

Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on

Wi­der­rufs­recht

Sie kön­nen Ih­re Ver­trags­er­klä­rung in­ner­halb von 14 Ta­gen oh­ne An­ga­be von Grün­den wi­der­ru­fen. Die Frist be­ginnt nach Ab­schluss des Ver­trags, aber erst, nach­dem Sie al­le Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Ab­satz 2 BGB (z. B. An­ga­be zur Art des Dar­le­hens, An­ga­be zum Net­to­dar­le­hens­be­trag, An­ga­be zur Ver­trags­lauf­zeit) er­hal­ten ha­ben. Sie ha­ben al­le Pflicht­an­ga­ben er­hal­ten, wenn sie in der für Sie be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung Ih­res An­trags oder in der für Sie be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung der Ver­trags­ur­kun­de oder in ei­ner für Sie be­stimm­ten Ab­schrift Ih­res An­trags oder der Ver­trags­ur­kun­de ent­hal­ten sind und Ih­nen ei­ne sol­che Un­ter­la­ge zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den ist. Über in den Ver­trags­text nicht auf­ge­nom­me­ne Pflicht­an­ga­ben kön­nen Sie nach­träg­lich auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger in­for­miert wer­den; die Wi­der­rufs­frist be­trägt dann ei­nen Mo­nat. Sie sind mit den nach­ge­hol­ten Pflicht­an­ga­ben noch­mals auf den Be­ginn der Wi­der­rufs­frist hin­zu­wei­sen. Zur Wah­rung der Wi­der­rufs­frist ge­nügt die recht­zei­ti­ge Ab­sen­dung des Wi­der­rufs, wenn die Er­klä­rung auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger (z. B. Brief, Te­le­fax, E-Mail) er­folgt. Der Wi­der­ruf ist zu rich­ten an: F-GmbH, … (Fax-Nr.: …, E-Mail: …).

Be­son­der­hei­ten bei wei­te­ren Ver­trä­gen

  • Wi­der­ru­fen Sie die­sen Dar­le­hens­ver­trag, so sind Sie auch an den Fahr­zeug­kauf­ver­trag und an den Ver­trag über die Rest­schuld­ver­si­che­rung (im Fol­gen­den: ver­bun­de­ner Ver­trag) nicht mehr ge­bun­den.
  • Steht Ih­nen in Be­zug auf den ver­bun­de­nen Ver­trag ein Wi­der­rufs­recht zu, so sind Sie mit wirk­sa­mem Wi­der­ruf des ver­bun­de­nen Ver­trags auch an den Dar­le­hens­ver­trag nicht mehr ge­bun­den. Für die Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs sind die in dem ver­bun­de­nen Ver­trag ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen und die hier­für er­teil­te Wi­der­rufs­be­leh­rung maß­geb­lich.

Wi­der­rufs­fol­gen

So­weit das Dar­le­hen be­reits aus­ge­zahlt wur­de, ha­ben Sie es spä­tes­tens in­ner­halb von 30 Ta­gen zu­rück­zu­zah­len und für den Zeit­raum zwi­schen der Aus­zah­lung und der Rück­zah­lung des Dar­le­hens den ver­ein­bar­ten Soll­zins zu ent­rich­ten. Die Frist be­ginnt mit der Ab­sen­dung der Wi­der­rufs­er­klä­rung. Für den Zeit­raum zwi­schen Aus­zah­lung und Rück­zah­lung ist bei bei voll­stän­di­ger In­an­spruch­nah­me des Dar­le­hens pro Tag ein Zins­be­trag in Hö­he von 0,00 Eu­ro zu zah­len. Die­ser Be­trag ver­rin­gert sich ent­spre­chend, wenn das Dar­le­hen nur teil­wei­se in An­spruch ge­nom­men wur­de.

Be­son­der­hei­ten bei wei­te­ren Ver­trä­gen

  • Steht Ih­nen in Be­zug auf den ver­bun­de­nen Ver­trag ein Wi­der­rufs­recht zu, sind im Fal­le des wirk­sa­men Wi­der­rufs des ver­bun­de­nen Ver­trags An­sprü­che von uns auf Zah­lung von Zin­sen und Kos­ten aus der Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­trags ge­gen Sie aus­ge­schlos­sen.
  • Sind Sie auf­grund des Wi­der­rufs die­ses Dar­le­hens­ver­trags an den ver­bun­de­nen Ver­trag nicht mehr ge­bun­den, sind in­so­weit die bei­der­seits emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren.
  • Sie sind nicht ver­pflich­tet, die Sa­che zu­rück­zu­sen­den, wenn der an dem ver­bun­de­nen Ver­trag be­tei­lig­te Un­ter­neh­mer an­ge­bo­ten hat, die Sa­chen ab­zu­ho­len. Grund­sätz­lich tra­gen Sie die un­mit­tel­ba­ren Kos­ten der Rück­sen­dung der Wa­ren. Dies gilt nicht, wenn der an dem ver­bun­de­nen Ver­trag be­tei­lig­te Un­ter­neh­mer sich be­reit er­klärt hat, die­se Kos­ten zu tra­gen, oder er es un­ter­las­sen hat, Sie über die Pflicht, die un­mit­tel­ba­ren Kos­ten der Rück­sen­dung zu tra­gen, zu un­ter­rich­ten. Bei au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen Ver­trä­gen, bei de­nen die Wa­ren zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zur Woh­nung von Ih­nen ge­lie­fert wor­den sind, ist der Un­ter­neh­mer ver­pflich­tet, die Wa­ren auf ei­ge­ne Kos­ten ab­zu­ho­len, wenn die Wa­ren so be­schaf­fen sind, dass sie nicht per Post zu­rück­ge­sandt wer­den kön­nen. Wenn Sie die auf­grund des ver­bun­de­nen Ver­trags über­las­se­ne Sa­che nicht oder teil­wei­se nicht oder nur in ver­schlech­ter­tem Zu­stand zu­rück­ge­wäh­ren kön­nen, ha­ben Sie in­so­weit Wert­er­satz zu leis­ten. Dies kommt al­ler­dings nur in Be­tracht, wenn der Wert­ver­lust auf ei­nen Um­gang mit den Wa­ren zu­rück­zu­füh­ren ist, der zur Prü­fung der Be­schaf­fen­heit, der Ei­gen­schaf­ten und der Funk­ti­ons­wei­se der Wa­ren nicht not­wen­dig war.
  • Wenn Sie in­fol­ge des Wi­der­rufs des Dar­le­hens­ver­trags nicht mehr an den wei­te­ren Ver­trag ge­bun­den sind oder in­fol­ge des Wi­der­rufs des wei­te­ren Ver­trags nicht mehr an den Dar­le­hens­ver­trag ge­bun­den sind, gilt er­gän­zend Fol­gen­des: Ist das Dar­le­hen bei Wirk­sam­wer­den des Wi­der­rufs dem Ver­trags­part­ner von Ih­nen aus dem ver­bun­de­nen Ver­trag be­reits zu­ge­flos­sen, tre­ten wir im Ver­hält­nis zu Ih­nen hin­sicht­lich der Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs in die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners aus dem wei­te­ren Ver­trag ein.

Ein­wen­dun­gen bei ver­bun­de­nen Ver­trä­gen

Sie kön­nen die Rück­zah­lung des Dar­le­hens ver­wei­gern, so­weit Sie Ein­wen­dun­gen be­rech­ti­gen wür­den, Ih­re Leis­tung ge­gen­über dem Ver­trags­part­ner aus dem ver­bun­de­nen Ver­trag zu ver­wei­gern. Dies gilt nicht, wenn das fi­nan­zier­te Ent­gelt we­ni­ger als 200 Eu­ro be­trägt oder wenn der Rechts­grund für die Ein­wen­dung auf ei­ner Ver­ein­ba­rung be­ruht, die zwi­schen Ih­nen und dem an­de­ren Ver­trags­part­ner nach dem Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­trof­fen wur­de. Kön­nen Sie von dem an­de­ren Ver­trags­part­ner Nach­er­fül­lung ver­lan­gen, so kön­nen Sie die Rück­zah­lung des Dar­le­hens erst ver­wei­gern, wenn die Nach­er­fül­lung fehl­ge­schla­gen ist.

Mit Schrei­ben vom 16.04.2018 er­klär­te der Klä­ger den Wi­der­ruf sei­ner auf Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung. Nach­dem die Be­klag­te den Wi­der­ruf als ver­fris­tet zu­rück­ge­wie­sen hat­te, bot der Klä­ger ihr mit An­walts­schrei­ben vom 28.05.2018 an, das fi­nan­zier­te Fahr­zeug nach vor­he­ri­ger Ter­min­ver­ein­ba­rung bei ihm ab­zu­ho­len, und for­der­te sie – er­folg­los – zur Rück­zah­lung der von ihm er­brach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen so­wie der An­zah­lung auf.

Mit der Kla­ge be­gehrt der Klä­ger (1.) die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­ten aus dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hens­ver­trag seit dem Wi­der­ruf vom 16.04.2018 kei­nen An­spruch auf den Ver­trags­zins und die ver­trags­ge­mä­ße Til­gung mehr hat, und (2.) die Rück­zah­lung der An­zah­lung so­wie der von ihm auf das Dar­le­hen er­brach­ten Leis­tun­gen in Hö­he von ins­ge­samt 20.417,65 € nebst Rechts­hän­gig­keits­zin­sen nach Her­aus­ga­be des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs. Dar­über hin­aus ver­langt der Klä­ger (3.) die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­te mit der Rück­nah­me des Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug sei, und (4.) die Frei­stel­lung von vor­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten.

Die Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen er­folg­los ge­blie­ben. Die Re­vi­si­on des Klä­gers, der da­mit sein Be­geh­ren wei­ter­ver­folg­te, hat­te über­wie­gend Er­folg: Das Be­ru­fungs­ur­teil wur­de – un­ter Zu­rück­wei­sung der Re­vi­si­on im Üb­ri­gen – im Kos­ten­punkt und in­so­weit auf­ge­ho­ben, als die Be­ru­fung des Klä­gers hin­sicht­lich der Kla­ge­an­trä­ge zu 1 und zu 2 zu­rück­ge­wie­sen wor­den war. Im Um­fang der Auf­he­bung wur­de die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­ver­wie­sen.

Aus den Grün­den: [7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­grün­det:

[8]    Der Klä­ger ha­be sei­ne auf Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung nicht wirk­sam wi­der­ru­fen. Der Wi­der­ruf sei ver­fris­tet, weil die dem Klä­ger er­teil­te Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den sei und die ihm zur Ver­fü­gung ge­stell­te Ver­trags­ur­kun­de al­le für die In­gang­set­zung der Wi­der­rufs­frist er­for­der­li­chen Pflicht­an­ga­ben nach § 492 II BGB ent­hal­ten ha­be.

[9]    Die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on sei nicht da­durch un­rich­tig oder un­deut­lich, dass in Num­mer XI 2 der Ver­trags­be­din­gun­gen un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Auf­rech­nung aus­ge­schlos­sen sei. Die An­ga­be der Wi­der­rufs­fol­gen sei in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den; auf den In­halt des § 358 IV 5 BGB wer­de im vier­ten Spie­gel­strich hin­ge­wie­sen. Der Hin­weis auf ei­ne nach Wi­der­ruf des Dar­le­hens­ver­trags grund­sätz­lich be­ste­hen­de Ver­pflich­tung des Dar­le­hens­neh­mers zur Zah­lung von Soll­zin­sen für den Zeit­raum zwi­schen Aus­zah­lung und Rück­zah­lung des Dar­le­hens sei zu­tref­fend und wer­de durch die An­ga­be des pro Tag zu zah­len­den Zins­be­trags von „0,00 Eu­ro“ nicht un­deut­lich, weil der Ver­brau­cher dies nur da­hin ver­ste­hen kön­ne, dass von der Bank kei­ne Zin­sen er­ho­ben wür­den.

[10]   Die wei­te­ren ge­mäß § 492 II BGB i. V. mit Art. 247 §§ 6 bis 13 EGBGB not­wen­di­gen Pflicht­an­ga­ben sei­en eben­falls im Ver­trag ent­hal­ten. Die Aus­zah­lungs­be­din­gun­gen ge­mäß Art. 247 § 6 I Nr. 1, § 3 I Nr. 9 EGBGB sei­en auf Sei­te 1 des Dar­le­hens­ver­trags ge­nannt. Die nach Art. 247 § 6 I Nr. 1, § 3 I Nr. 11 EGBGB er­for­der­li­chen An­ga­ben zum Ver­zugs­zins­satz sei­en in Num­mer IV 1 der Ver­trags­be­din­gun­gen ent­hal­ten; die An­ga­be ei­ner ab­so­lu­ten Zahl sei nicht not­wen­dig. Die zu­stän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de, die ge­mäß Art. 247 § 6 I Nr. 3 EGBGB mit­zu­tei­len sei, sei in Num­mer XII der Ver­trags­be­din­gun­gen mit der Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht be­nannt. An­ga­ben zu dem ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags nach Art. 247 § 6 I Nr. 5 EGBGB sei­en bei ei­nem – wie hier – be­fris­te­ten Dar­le­hens­ver­trag nicht er­for­der­lich. Auf das au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gungs­recht des § 314 BGB ha­be die Be­klag­te in Num­mer V 2 der Ver­trags­be­din­gun­gen hin­ge­wie­sen. Die nach Art. 247 § 7 Nr. 3 EGBGB er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen zur Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung sei­en aus­rei­chend mit­ge­teilt. Im Üb­ri­gen wür­den feh­ler­haf­te An­ga­ben zur Me­tho­de der Be­rech­nung der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung le­dig­lich zum Fort­fall des An­spruchs füh­ren, den An­lauf der Wi­der­rufs­frist aber un­be­rührt las­sen. Der nach Art. 247 § 7 Nr. 4 EGBGB er­for­der­li­che Hin­weis auf den Zu­gang zu den au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de­ver­fah­ren sei in Num­mer XI­II der Ver­trags­be­din­gun­gen ent­hal­ten; die An­ga­be der Schlich­tungs­stel­le nebst An­schrift sei aus­rei­chend. Schließ­lich ha­be die Be­klag­te auch die nach Art. 247 § 13 I EGBGB er­for­der­li­che Pflicht­an­ga­be von Na­men und An­schrift des Dar­le­hens­ver­mitt­lers er­teilt. Aus dem Ver­trags­in­halt er­ge­be sich hin­rei­chend deut­lich, dass der Ver­käu­fer des Pkw auch der Dar­le­hens­ver­mitt­ler sei; dass er aus­drück­lich als sol­cher be­zeich­net wer­den müs­se, las­se sich dem Ge­setz nicht ent­neh­men.

[11]   II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung nicht stand.

[12]   Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann ein wirk­sa­mer Wi­der­ruf des streit­ge­gen­ständ­li­chen, ge­mäß § 358 III BGB mit ei­nem Kauf­ver­trag über ein Kraft­fahr­zeug ver­bun­de­nen All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags nicht ver­neint wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zwar zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass dem Klä­ger bei Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­mäß § 495 I i. V. mit § 355 BGB ein Wi­der­rufs­recht zu­stand und die Wi­der­rufs­frist nicht zu lau­fen be­gann, be­vor der Klä­ger die Pflicht­an­ga­ben nach § 492 II BGB er­hal­ten hat­te. Es hat aber zu Un­recht an­ge­nom­men, dass die Be­klag­te ih­re aus § 492 II BGB i. V. mit Art. 247 § 6 II 1 und II 2 EGBGB re­sul­tie­ren­de Ver­pflich­tung, über das nach § 495 I BGB be­ste­hen­de Wi­der­rufs­recht zu in­for­mie­ren, ord­nungs­ge­mäß er­füllt hat.

[13]   1. Die dem Klä­ger er­teil­te Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on ist feh­ler­haft, weil die in ihr ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf „al­le Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Ab­satz 2 BGB“ nicht klar und ver­ständ­lich i. S. des Art. 247 § 6 I 1 EGBGB ist.

[14]   Nach der Recht­spre­chung des BGH ist zwar der Ver­weis in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on auf § 492 II BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach den Maß­stä­ben des na­tio­na­len Rechts (Art. 247 § 6 I EGBGB) klar und ver­ständ­lich (Se­nat, Beschl. v. 31.03.2020 – XI ZR 581/18, ZIP 2020, 868 f. m. w. Nachw.).

[15]   Der EuGH hat aber mit Ur­teil vom 26.03.2020 – C-66/19, WM 2020, 688 – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is – ent­schie­den, dass Art. 10 II lit. p der Richt­li­nie 2008/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/102/EWG des Ra­tes (ABl. 2008 L 133, 66; be­rich­tigt in ABl. 2009 L 207, 14, ABl. 2010 L 199, 40 und ABl. 2011 L 234, 46; im Fol­gen­den: Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie) da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er dem ent­ge­gen­steht, dass ein Kre­dit­ver­trag hin­sicht­lich der in Art. 10 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten An­ga­ben auf ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift ver­weist, die selbst auf wei­te­re Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ver­weist.

[16]   Auf der Grund­la­ge die­ses Ur­teils hält der Se­nat im Gel­tungs­be­reich der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie in Be­zug auf All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge an sei­ner bis­lang ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung nicht fest, wo­nach ein sol­cher Ver­weis klar und ver­ständ­lich ist (vgl. Se­nat, Beschl. v. 19.03.2019 – XI ZR 44/18, WM 2019, 864 Rn. 15 f.). Die na­tio­na­len Re­ge­lun­gen in § 492 II BGB und Art. 247 § 6 EGBGB las­sen nach ih­rem Wort­laut of­fen, ob und auf wel­che Wei­se in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on auf die zu er­tei­len­den Pflicht­an­ga­ben hin­zu­wei­sen ist. Nach Art. 247 § 6 I 1 EGBGB muss dies le­dig­lich klar und ver­ständ­lich sein. Die­se Vor­aus­set­zung ist aus­le­gungs­fä­hig, so­dass bei ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ei­ne Ver­wei­sung auf wei­te­re Rechts­vor­schrif­ten den An­for­de­run­gen an Klar­heit und Ver­ständ­lich­keit nicht ge­nügt.

[17]   2. Die Be­klag­te kann sich nicht auf die Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on des Art. 247 § 6 II 3 EGBGB be­ru­fen (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 28.07.2020 – XI ZR 288/19, WM 2020, 1627 Rn. 17 ff.; Beschl. v. 31.03.2020 – XI ZR 198/19, WM 2020, 838 Rn. 6 ff.). Dies setzt vor­aus, dass die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on der Be­klag­ten dem Mus­ter in An­la­ge 7 zu Art. 247 § 6 II und § 12 I EGBGB ent­spricht. Dies ist, was der Se­nat durch ei­nen Ver­gleich selbst fest­stel­len kann (st. Rspr., vgl. nur Se­nat, Urt. v. 11.10.2016 – XI ZR 482/15, BGHZ 212, 207 Rn. 26), nicht der Fall.

[18]   In der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on hat die Be­klag­te bei der Un­ter­über­schrift „Be­son­der­hei­ten bei wei­te­ren Ver­trä­gen“ als mit dem Dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nen Ver­trag nicht nur den Fahr­zeug­kauf­ver­trag, son­dern zu Un­recht auch ei­nen Ver­trag über ei­ne Rest­schuld­ver­si­che­rung an­ge­ge­ben. Ei­nen sol­chen ihm bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen al­ler­dings an­ge­tra­ge­nen Ver­trag hat der Klä­ger nicht ab­ge­schlos­sen. Zwar sind op­tio­na­le Be­stand­tei­le in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on zu­läs­sig, wenn hin­rei­chend kon­kret an­ge­ge­ben ist, ob sie ein­schlä­gig sind (vgl. Se­nat, Urt. v. 23.02.2016 – XI ZR 101/15, BGHZ 209, 86 Rn. 42 ff.), oh­ne dass da­durch die Mus­ter­kon­for­mi­tät in­fra­ge steht. An ei­ner sol­chen An­ga­be fehlt es hier aber.

[19]   Nach dem Wort­laut des Ge­stal­tungs­hin­wei­ses 2a zu dem Mus­ter in An­la­ge 7 zu Art. 247 § 6 II und § 12 I EGBGB hat der Dar­le­hens­ge­ber nur den von dem Dar­le­hens­neh­mer kon­kret ab­ge­schlos­se­nen, mit dem Dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nen wei­te­ren Ver­trag an­zu­ge­ben. Dies ent­spricht auch dem sich aus den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en er­ge­ben­den Wil­len des Ge­setz­ge­bers, wo­nach „an der ge­kenn­zeich­ne­ten Ein­fü­ge­stel­le der ver­bun­de­ne Ver­trag im Mus­ter­text hin­rei­chend kon­kret an­zu­ge­ben“ sei (BT-Drs. 17/1394, S. 27 lin­ke Spal­te) und „die Ge­stal­tungs­hin­wei­se stets an den je­wei­li­gen Ein­zel­fall an­ge­passt wer­den“ müss­ten (vgl. BT-Drs. 17/1394, S. 30 lin­ke Spal­te; s. hier­zu auch Se­nat, Urt. v. 21.02.2017 – XI ZR 467/15, WM 2017, 906 Rn. 52). Die Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on soll nur ein­tre­ten, wenn der Dar­le­hens­ge­ber das Mus­ter rich­tig aus­füllt und wie für den be­tref­fen­den Ver­trag vor­ge­ge­ben ver­wen­det (vgl. BT-Drs. 17/1394, S. 22 lin­ke Spal­te). Dies ist hier nicht er­folgt.

[20]   III. Das Be­ru­fungs­ur­teil er­weist sich je­doch im Hin­blick auf die Kla­ge­an­trä­ge zu 3 und zu 4 aus an­de­ren Grün­den als rich­tig, so­dass in­so­weit die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen ist (§ 561 ZPO).

[21]   1. Der An­trag auf Fest­stel­lung, dass sich die Be­klag­te mit der Rück­nah­me des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug be­fin­det, ist je­den­falls un­be­grün­det.

[22]   Nach § 358 IV 1 BGB sind auf die Rück­ab­wick­lung des ver­bun­de­nen Ver­trags un­ab­hän­gig von der Ver­triebs­form § 355 III BGB und, je nach Art des ver­bun­de­nen Ver­trags, die §§ 357 bis 357b BGB ent­spre­chend an-zu­wen­den. Da­nach gel­ten für al­le Ver­trä­ge ("un­ab­hän­gig von der Ver­triebs­form") § 355 III BGB und er­gän­zend die Vor­schrif­ten ent­spre­chend, die nach der „Art des ver­bun­de­nen Ver­trags“ hy­po­the­tisch an­wend­bar wä­ren, wenn die­ser selbst wi­der­ru­fen wor­den wä­re, oh­ne dass es dar­auf an­kommt, ob in­so­weit ein Wi­der­rufs­recht be­stan­den hat. Dies ist bei ei­nem – wie hier – Ver­trag über die Lie­fe­rung ei­ner Wa­re die Vor­schrift des § 357 BGB.

[23]   Auf­grund des­sen ist der Klä­ger nach § 358 IV 1 BGB i. V. mit § 357 IV 1 BGB im Hin­blick auf die Rück­ga­be des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs vor­leis­tungs­pflich­tig. Der Be­klag­ten steht nach § 357 IV 1 BGB – was sie mit der Kla­ge­er­wi­de­rung gel­tend ge­macht hat – ge­gen­über dem Klä­ger ein Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu, bis sie das fi­nan­zier­te Fahr­zeug zu­rück­er­hal­ten hat oder der Klä­ger den Nach­weis er­bracht hat, dass er das Fahr­zeug ab­ge­sandt hat. Dass die Be­klag­te an­ge­bo­ten hät­te, das Fahr­zeug beim Klä­ger ab­zu­ho­len (§ 357 IV 2 BGB), ist we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich.

[24]   Die Rück­ga­be­pflicht des Klä­gers ist da­mit man­gels an­der­wei­ti­ger Ver­ein­ba­rung ei­ne Bring- oder Schick­schuld, die der Schuld­ner dem Gläu­bi­ger an des­sen Wohn­sitz an­bie­ten oder an ihn ab­sen­den muss. Der Klä­ger hat der Be­klag­ten das Fahr­zeug nicht in ei­ner den An­nah­me­ver­zug be­grün­den­den Wei­se nach §§ 293 bis 297 BGB an­ge­bo­ten. Dass der Klä­ger der Be­klag­ten das Fahr­zeug an de­ren Wohn­sitz tat­säch­lich an­ge­bo­ten oder an sie nach­weis­bar ab­ge­sandt hat (§ 294 BGB), hat er nicht vor­ge­tra­gen. Sei­ne wört­li­chen An­ge­bo­te wa­ren zur Her­bei­füh­rung ei­nes An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten un­zu­rei­chend, weil die­se sei­ner Vor­leis­tungs­pflicht nicht ge­nügt ha­ben. Im Schrei­ben vom 16.04.2018 hat er die Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs nicht an­ge­bo­ten. Im An­walts­schrei­ben vom 28.05.2018 ist die Rück­ga­be des Fahr­zeugs ent­ge­gen § 357 IV 1 BGB nur in Form ei­ner Ab­ho­lung durch die Be­klag­te an­ge­bo­ten wor­den, was die­se je­doch zu­vor nicht an­ge­bo­ten hat (§ 357 IV 2 BGB) und da­her un­zu­läng­lich war.

[25]   2. Ein An­spruch auf Frei­stel­lung von vor­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten steht dem Klä­ger ge­gen die Be­klag­te un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt zu. Dies setzt vor­aus, dass der Klä­ger die von ihm selbst aus dem Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis ge­schul­de­te Leis­tung der Be­klag­ten in ei­ner den An­nah­me­ver-zug be­grün­den­den Wei­se an­ge­bo­ten hat (vgl. nur Se­nat, Urt. v. 21.02.2017 – XI ZR 467/15, WM 2017, 906 Rn. 27 m. w. Nachw.; Urt. v. 10.10.2017 – XI ZR 555/16, WM 2017, 2259 Rn. 21). Dies war hier nicht der Fall.

[26]   IV. So­weit sich das Ur­teil nicht aus an­de­ren Grün­den als rich­tig er­weist (§ 561 ZPO), ist es in dem aus der Ur­teils­for­mel er­sicht­li­chen Um­fang auf­zu­he­ben (§ 562 I ZPO). Da die Sa­che nicht zur End­ent­schei­dung reif ist, ist sie zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­zu­ver­wei­sen (§ 563 I 1 ZPO).

[27]   1. Das Be­ru­fungs­ge­richt wird sich mit dem Rechts­miss­brauchs­ein­wand der Be­klag­ten zu be­fas­sen ha­ben. Da­bei geht es um die nach rein na­tio­na­lem Recht zu be­ant­wor­ten­de Fra­ge, ob der Klä­ger ge­gen § 242 BGB ver­stößt, in­dem er sich auf das Feh­len des Mus­ter­schut­zes (Art. 247 § 6 II 3 EGBGB) be­ruft. Das in § 242 BGB ver­an­ker­te Prin­zip von Treu und Glau­ben bil­det ei­ne al­len Rech­ten im­ma­nen­te In­halts­be­gren­zung (Se­nat, Urt. v. 12.07.2016 – XI ZR 501/15, BGHZ 211, 105 Rn. 18; Urt. v. 12.07.2017 – XI ZR 564/15, BGHZ 211, 123 Rn. 43; je­weils m. w. Nachw.). Ei­ne sol­che Be­schrän­kung ei­nes Rechts kann sich un­ter an­de­rem im Fal­le ei­ner miss­bräuch­li­chen Aus­nut­zung ei­ner for­ma­len Rechts­stel­lung er­ge­ben (vgl. BGH, Urt. v. 26.10.1983 – II ZR 87/83, BGHZ 88, 320, 328; Urt. v. 12.03.1984 – II ZR 198/82, BGHZ 90, 287, 292; Urt. v. 16.03.1987 – II ZR 127/86, BGHZ 101, 84, 91; Urt. v. 18.05.1988 – IVa ZR 59/87, WM 1988, 1199, 1201; Urt. v. 10.11.1998 – XI ZR 370/97, BGHZ 140, 49, 51 f.; Urt. v. 10.10.2000 – XI ZR 344/99, BGHZ 145, 286, 291; vgl. auch Se­nat, Urt. v. 07.11.2017 – XI ZR 369/16, WM 2018, 45 Rn. 17 zur rechts­miss­bräuch­li­chen Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts zwecks Er­wir­kung güns­ti­ge­rer Ver­trags­be­din­gun­gen). Wel­che An­for­de­run­gen sich dar­aus im Ein­zel­fall er­ge­ben, ob ins­be­son­de­re die Be­ru­fung auf ei­ne Rechts­po­si­ti­on rechts­miss­bräuch­lich er­scheint, kann re­gel­mä­ßig nur mit­hil­fe ei­ner um­fas­sen­den Be­wer­tung der ge­sam­ten Fal­l­um­stän­de ent­schie­den wer­den, wo­bei die In­ter­es­sen al­ler an ei­nem be­stimm­ten Rechts­ver­hält­nis Be­tei­lig­ten zu be­rück­sich­ti­gen sind (Se­nat, Urt. v. 12.07.2016 – XI ZR 501/15, BGHZ 211, 105 Rn. 18; Urt. v. 12.07.2017 – XI ZR 564/15, BGHZ 211, 123 Rn. 43). Die­se Be­wer­tung ist grund­sätz­lich Sa­che des Tatrich­ters.

[28]   In­so­weit kann un­ter an­de­rem zu be­rück­sich­ti­gen sein, dass dem Klä­ger im Rah­men der Ver­trags­ge­sprä­che ne­ben dem Kauf­ver­trag auch ein „Ver­trag über die Rest­schuld­ver­si­che­rung“ an­ge­tra­gen wor­den war, den er aber nicht ab­ge­schlos­sen hat, so­dass für ihn klar er­kenn­bar war, dass die Er­stre­ckung der Ge­stal­tungs­hin­wei­se 2, 2a, 5, 5a, 5b, 5c, 5f und 5g auf ei­nen sol­chen Ver­trag in sei­nem Fall über­flüs­sig war und die­se le­dig­lich in Be­zug auf den ab­ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag gal­ten. Fer­ner kann zu be­den­ken sein, dass der Klä­ger erst­mals in der Re­vi­si­ons­in­stanz und dort auch nur in Re­ak­ti­on auf ent­spre­chen­de vor­sorg­li­che Aus­füh­run­gen der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung die über­flüs­si­ge An­ga­be ei­nes Ver­trags über ei­ne Rest­schuld­ver­si­che­rung be­an­stan­det hat. Des Wei­te­ren kann er­wo­gen wer­den, dass er das Wi­der­rufs­recht aus­ge­übt hat, um das Fahr­zeug nach län­ge­rer be­stim­mungs­ge­mä­ßer Nut­zung zu­rück­ge­ben zu kön­nen, oh­ne auch – was er zu Un­recht meint – zum Wert­er­satz ver­pflich­tet zu sein.

[29]   2. So­fern das Be­ru­fungs­ge­richt den Wi­der­ruf des Dar­le­hens­ver­trags durch den Klä­ger für wirk­sam er­ach­tet, wird es zu be­den­ken ha­ben, dass der mit dem An­trag zu 2 ver­folg­te Zah­lungs­an­spruch we­gen der Vor­leis­tungs­pflicht des Klä­gers (§ 358 IV 1 BGB i. V. mit § 357 IV 1 BGB) der­zeit un­be­grün­det ist. In­so­weit ver­hilft es dem Klä­ger nicht zum Er­folg, dass er Zah­lung „nach“ Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs be­gehrt. Dies setzt in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 322 II BGB vor­aus, dass die Be­klag­te mit der Ent­ge­gen­nah­me des Fahr­zeugs im Ver­zug der An­nah­me ist. Dies ist aber nicht der Fall.

[30]   3. So­fern der Klä­ger sei­ner Vor­leis­tungs­pflicht noch ge­nü­gen soll­te, wird sich das Be­ru­fungs­ge­richt mit der Hilfs­auf­rech­nung der Be­klag­ten zu be­fas­sen ha­ben. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on steht der Be­klag­ten ge­gen den Klä­ger ge­mäß § 358 IV 1 BGB i. V. mit § 357 VII BGB ein An­spruch auf Er­satz für den Wert­ver­lust des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs zu.

[31]   a) Wie be­reits aus­ge­führt, gel­ten nach § 358 IV 1 BGB bei ei­nem ver­bun­de­nen Ver­trag, der wie hier dem Er­werb ei­ner Wa­re dient, die Rechts­fol­gen des § 357 BGB ent­spre­chend. Nach § 358 IV 1 Halb­satz 2 BGB i. V. mit § 357 VII BGB hat der Dar­le­hens­neh­mer im Rah­men der Rück­ab­wick­lung des mit dem Ver­brau­cher­dar­le­hen ver­bun­de­nen Ver­trags – hier des Fahr­zeug­kauf­ver­trags – un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen Wert­er­satz für ei­nen Wert­ver­lust der Wa­re – hier des Kfz – zu leis­ten. Die (le­dig­lich) ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 357 VII BGB führt in­des im Fall des Ver­bunds ei­nes Dar­le­hens­ver­trags mit ei­nem – wie hier – im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag nicht da­zu, dass die Wert­er­satz­pflicht des Dar­le­hens­neh­mers nur dann be­steht, wenn der Dar­le­hens­ge­ber – wie dies § 357 VII Nr. 2 BGB vor­aus­setzt – den Dar­le­hens­neh­mer „nach Ar­ti­kel 246a § 1 Ab­satz 2 Satz 1 Num­mer 1 des Ein­füh­rungs­ge­set­zes zum Bür­ger­li­chen Ge­setz­bu­che über sein Wi­der­rufs­recht un­ter­rich­tet hat“. Viel­mehr ge­nügt es, wenn der Dar­le­hens­ge­ber den Ver­brau­cher über ei­ne mög­li­che Wert­er­satz­pflicht un­ter­rich­tet (eben­so BeckOGK/Ro­sen­kranz, Stand: 01.07.2020, § 358 BGB Rn. 113.4; Her­res­thal, ZIP 2019, 49, 51).

[32]   aa) So­weit § 358 VI 1 Halb­satz 2 BGB auf § 357 VII BGB ver­weist, ist dies im Hin­blick auf § 357 VII Nr. 2 BGB nicht ein­schlä­gig, wenn der Dar­le­hens­ver­trag der Fi­nan­zie­rung ei­nes – wie hier – im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trags dient. Denn der in § 357 VII Nr. 2 BGB in Be­zug ge­nom­me­ne Art. 246a § 1 II 1 Nr. 1 EGBGB be­trifft le­dig­lich au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­ne Ver­trä­ge und Fern­ab­satz­ver­trä­ge mit Aus­nah­me von Ver­trä­gen über Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen. Die in Art. 246a § 1 II 1 Nr. 1 EGBGB an­ge­führ­ten In­for­ma­ti­ons­pflich­ten be­zie­hen sich auf ei­nen nach § 312g I BGB wi­der­ruf­li­chen Ver­trag und pas­sen da­her nicht für ei­nen im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag, bei dem ein sol­ches Wi­der­rufs­recht nicht be­steht.

[33]   bb) Dem ent­spricht die Ge­setz­ge­bungs­ge­schich­te. Die Ein­füh­rung von § 357 VII BGB und die kor­re­spon­die­ren­de An­pas­sung des Ver­wei­ses in § 358 IV 1 BGB zum 13.06.2014 be­ru­hen auf der Um­set­zung der Richt­li­nie 2011/83/EU des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25.10.2011 über die Rech­te der Ver­brau­cher, zur Ab­än­de­rung der Richt­li­nie 93/13/EWG des Ra­tes und der Richt­li­nie 1999/44/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes so­wie zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 85/577/EWG des Ra­tes und der Richt­li­nie 97/7/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes (ABl. 2011 L 304, 64; im Fol­gen­den: Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie), die nach ih­rem Art. 3 III lit. d i. V. mit Art. 2 Nr. 12 für Ver­trä­ge über Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen nicht gilt. Nach der Ge­set­zes­be­grün­dung soll­te mit der Än­de­rung des Ver­wei­ses in § 358 IV 1 BGB die Vor­schrift le­dig­lich an die neue Rechts­la­ge an­ge­passt wer­den, wäh­rend es im Üb­ri­gen aber bei der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge blei­ben soll­te (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 66 lin­ke Spal­te).

[34]   Nach der bis zum 12.06.2014 gel­ten­den Rechts­la­ge galt nach § 358 IV 1 Halb­satz 1 BGB a.F. für den ver­bun­de­nen Ver­trag § 357 BGB a.F. ent­spre­chend. Nach § 357 I BGB a.F. fan­den auf das Wi­der­rufs- und Rück­ga­be­recht vor­be­halt­lich ei­ner an­de­ren Be­stim­mung die Vor­schrif­ten über den ge­setz­li­chen Rück­tritt ent­spre­chen­de An­wen­dung. Dem­entspre­chend schul­de­te der Dar­le­hens­neh­mer nach ei­nem Wi­der­ruf des Dar­le­hens­ver­trags Wert­er­satz für tat­säch­lich ge­zo­ge­ne Nut­zun­gen (§ 346 I und II 1 Nr. 1 BGB) und Wert­er­satz für ei­nen Un­ter­gang oder die Ver­schlech­te­rung der Sa­che, die über je­ne hin­aus­ging, die mit der be­stim­mungs­ge­mä­ßen In­ge­brauch­nah­me ver­bun­den war (§ 346 II 1 Nr. 3 BGB). Die letzt­ge­nann­te Re­ge­lung wur­de al­ler­dings durch § 357 III BGB a.F. da­hin mo­di­fi­ziert, dass der Ver­brau­cher Wert­er­satz für ei­ne Ver­schlech­te­rung der Sa­che nur zu leis­ten hat­te, so­weit die Ver­schlech­te­rung auf ei­nen Um­gang mit der Sa­che zu­rück­zu­füh­ren war, der über die Prü­fung der Ei­gen­schaf­ten und der Funk­ti­ons­wei­se hin­aus­ging, und wenn er spä­tes­tens bei Ver­trags­schluss auf die­se Rechts­fol­ge hin­ge­wie­sen wor­den war.

[35]   Da­nach ge­nüg­te für das Ent­ste­hen der Wert­er­satz­pflicht der Hin­weis auf die­se Rechts­fol­ge, wäh­rend ei­ne feh­ler­haf­te oder feh­len­de Wi­der­rufs­be­leh­rung oder Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on in­so­weit un­er­heb­lich war. Von die­ser Rechts­la­ge woll­te der Ge­setz­ge­ber bei Um­set­zung der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie je­doch mit der Ein­füh­rung von § 357 VII BGB nur für au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu-men ge­schlos­se­ne Ver­trä­ge und Fern­ab­satz­ver­trä­ge mit Aus­nah­me von Ver­trä­gen über Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, das heißt be­schränkt auf den An­wen­dungs­be­reich der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie, ab­wei­chen (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 63 rech­te Spal­te), wäh­rend es im Üb­ri­gen bei der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge blei­ben soll­te (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 66 lin­ke Spal­te), al­so der Hin­weis auf ei­ne Wert­er­satz­pflicht nach Maß­ga­be des § 357 VII Nr. 1 BGB ge­nü­gen soll­te, aber auch er­for­der­lich war (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 83 lin­ke Spal­te).

[36]   cc) Schließ­lich spre­chen auch Sinn und Zweck des § 357 VII Nr. 2 BGB ge­gen ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung die­ser Vor­schrift auf den mit ei­nem Dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nen Ver­trag.

[37]   Die be­son­de­re In­for­ma­ti­ons­pflicht nach Art. 246a § 1 II 1 Nr. 1 EGBGB über das Wi­der­rufs­recht und das Wi­der­rufs­recht selbst knüp­fen an die be­son­de­re Ver­trags­schluss­si­tua­ti­on bei au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen Ver­trä­gen und Fern­ab­satz­ver­trä­gen an und sol­len nach der Vor­stel­lung des Uni­ons­ge­setz­ge­bers (vgl. Er­wä­gungs­grund 47 der Ver­brau­cher­rech­te­richt­li­nie) wie auch nach der Vor­stel­lung des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 63 rech­te Spal­te) ei­ne Kom­pen­sa­ti­on da­für schaf­fen, dass der Ver­brau­cher im ei­nen Fall ei­ner Über­rum­pe­lungs­ge­fahr aus­ge­setzt ist und im an­de­ren Fall die Wa­re nicht wie im La­den­ge­schäft be­reits vor Ver­trags­schluss prü­fen kann. Die­se Nach­tei­le be­ste­hen für den Ver­brau­cher im Fall des Ver­bunds ei­nes Dar­le­hens­ver­trags mit ei­nem im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag nicht, wes­halb ihm im Hin­blick auf den Kauf­ver­trag auch kein ge­setz­li­ches Wi­der­rufs­recht zu­kommt.

[38]   Das Wi­der­rufs­recht nach § 495 I BGB und die Er­stre­ckung sei­ner Rechts­fol­gen auf den ver­bun­de­nen Ver­trag tra­gen da­ge­gen der wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung von Kre­di­ten und der nach­träg­li­chen Er­mög­li­chung ei­nes Kon­di­tio­nen­ver­gleichs mit Kre­dit­an­ge­bo­ten an­de­rer Kre­dit­in­sti­tu­te Rech­nung. Ei­ne nicht ord­nungs­ge­mä­ße Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on lässt in­des die Wert­er­satz­pflicht des Ver­brau­chers im Fal­le ei­ner über­mä­ßi­gen Nut­zung der fi­nan­zier­ten Wa­re un­be­rührt, so­fern er – was fol­ge­rich­tig le­dig­lich fa­kul­ta­tiv Ge­stal­tungs­hin­weis 5c der An­la­ge 7 zu Art. 247 § 6 II und § 12 I EGBGB (vgl. hier­zu auch BT-Drs. 17/12637, S. 83 lin­ke Spal­te zum da­ma­li­gen Ge­stal­tungs­hin­weis 6c) vor­sieht – bei Ver­trags­schluss über ei­ne mög­li­che Wert­er­satz­pflicht hin­rei­chend un­ter­rich­tet wor­den ist.

[39]   dd) Aus der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie er­gibt sich nichts an­de­res. Sie ent­hält hier­zu kei­ne Vor­ga­ben. Sie gibt le­dig­lich vor, dass sich der Wi­der­ruf des Ver­brau­cher­dar­le­hens auf Ne­ben­leis­tun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Kre­dit­ver­trag (Art. 14 IV) und sich der Wi­der­ruf des ver­bun­de­nen Ver­trags auf den Kre­dit­ver­trag er­stre­cken muss (Art. 15).

[40]   b) Der Wert­ver­lust be­misst sich nach der Ver­gleichs­wert­me­tho­de. Da­nach hat der Klä­ger die Dif­fe­renz zwi­schen dem un­ter Her­an­zie­hung der ver­trag­li­chen Ge­gen­leis­tung zu er­mit­teln­den Ver­kehrs­wert des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs bei Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags und dem Ver­kehrs­wert des Fahr­zeugs bei des­sen Rück­ga­be an den Dar­le­hens­ge­ber zu er­set­zen. Dem­ge­gen­über ist die so­ge­nann­te Wert­ver­zehr­me­tho­de, die ei­ne li­nea­re Teil­wert­ab­schrei­bung aus dem Ver­hält­nis der wäh­rend der Ver­trags­zeit ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen zu der Ge­samt­nut­zungs­dau­er der Sa­che vor­nimmt und da­mit im Er­geb­nis ei­nen Nut­zungs­wert­er­satz dar­stellt, nicht an­wend­bar (eben­so MünchKomm-BGB/Frit­sche, 8. Aufl., § 357 Rn. 36; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 79. Aufl., § 357 Rn. 11; BeckOGK/Mörs­dorf, Stand: 01.09.2020, § 357 Rn. 75 f.; Mül­ler-Christ­mann, in: Bam­ber­ger/Roth/Hau/Po­seck, BGB, 4. Aufl., § 357 Rn. 24).

[41]   Hier­für spricht be­reits der Wort­laut des § 357 VII BGB, wo­nach der Ver­brau­cher Wert­er­satz für den Wert­ver­lust der Wa­re zu leis­ten hat. Der Be­griff Wert­ver­lust be­deu­tet die Ver­rin­ge­rung des ma­te­ri­el­len Wer­tes ei­ner Sa­che. Der ma­te­ri­el­le Wert ei­ner Sa­che drückt sich in ih­rem Ver­kehrs­wert aus.

[42]   Die­ses Er­geb­nis wird durch die Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en be­stä­tigt, wo­nach es an­ders als nach der frü­he­ren Rechts­la­ge (§ 357 I BGB a.F. i. V. mit § 346 I und II BGB) im Rah­men des § 357 VII BGB auf die Ab­gren­zung zwi­schen li­nea­rer Wert­min­de­rung und sons­ti­ger (dar­über hin­aus­ge­hen­der) Ver­schlech­te­rung nicht mehr an­kom­men soll (vgl. BT-Drs. 17/12637, S. 63 rech­te Spal­te). Viel­mehr soll der Wert­ver­lust – wenn auch nach Maß­ga­be des § 357 VII Nr. 1 BGB – in ei­nem ein­heit­li­chen Be­trag er­mit­telt wer­den, was nur bei ei­ner Ver­kehrs­wert­be­trach­tung mög­lich ist.

[43]   c) Maß­geb­lich ist der ob­jek­ti­ve Wert der Sa­che. Dies ist zwar in § 357 VII BGB nicht aus­drück­lich ge­re­gelt, folgt aber im Um­kehr­schluss aus § 357 VI­II 4 BGB, wo­nach sich der Wert­er­satz für in An­spruch ge­nom­me­ne Dienst­leis­tun­gen an­hand der ver­ein­bar­ten Ge­gen­leis­tung be­misst (eben­so MünchKomm-BGB/Frit­sche, a. a. O., § 357 Rn. 36; Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 357 Rn. 11; BeckOGK/Mörs­dorf, a. a. O., § 357 BGB Rn. 75; NK-BGB/Ring, 3. Aufl., § 357 Rn. 32; Ro­jahn, in: Flohr/Wausch­kuhn, Ver­triebs­recht, 2. Aufl., § 357 Rn. 7c; an­ders zur frü­he­ren Rechts­la­ge nach § 357 I BGB a.F. i. V. mit § 346 I und II BGB: BGH, Urt. v. 12.10.2016 – VI­II ZR 55/15, WM 2017, 1173 Rn. 48 ff., in­so­weit in BGHZ 212, 248 nicht ab­ge­druckt).

[44]   So­weit al­ler­dings der ob­jek­ti­ve Wert die ver­trag­li­che Ge­gen­leis­tung über­steigt, ist Letz­te­re maß­geb­lich, weil ein von dem Ver­brau­cher bei Ver­trags­schluss er­ziel­ter (geld­wer­ter) Vor­teil ihm nicht über § 357 VII BGB wie­der ent­zo­gen wer­den kann (eben­so MünchKomm-BGB/Frit­sche, a. a. O., § 357 Rn. 36; Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 357 Rn. 11; NK-BGB/Ring, a. a. O., § 357 Rn. 32; Ro­jahn, in: Flohr/Wausch­kuhn, a. a. O., § 357 BGB Rn. 7c; so auch BGH, Urt. v. 15.04.2010 – III ZR 218/09, BGHZ 185, 192 Rn. 24 zur frü­he­ren Rechts­la­ge nach § 357 I BGB a.F. i. V. mit § 346 I und II BGB; a. A. BeckOGK/Mörs­dorf, a. a. O., § 357 Rn. 75; Mül­ler-Christ­mann, in: Bam­ber­ger/Roth/Hau/Po­seck, a. a. O., § 357 Rn. 24).

[45]   d) Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Be­rech­nung des Aus­gangs­wer­tes ist die Ent­ste­hung des Wert­er­satz­an­spruchs, das heißt in der Re­gel die Über­ga­be der Sa­che an den Ver­brau­cher. Für den End­wert kommt es auf den Zeit­punkt der Rück­ga­be des Fahr­zeugs an die Be­klag­te an.

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