1. Die Ei­gen­schaft „Un­fall­wa­gen“ haf­tet ei­nem Fahr­zeug auf Dau­er an und lässt sich im We­ge ei­ner Nach­bes­se­rung – et­wa durch ei­ne Re­pa­ra­tur – nicht voll­stän­dig be­sei­ti­gen. Die Lie­fe­rung ei­nes un­fall­frei­en Er­satz­fahr­zeugs ist zu­min­dest dann un­mög­lich, wenn es sich bei dem Un­fall­fahr­zeug um ei­nen durch den kon­kre­ten Ge­brauch spe­zi­fi­zier­ten und in­di­vi­dua­li­sier­ten Ge­braucht­wa­gen han­delt. Das ist je­den­falls bei ei­nem im Kauf­zeit­punkt na­he­zu fünf Jah­re al­ten Fahr­zeug mit ei­ner Lauf­leis­tung von 83.700 km der Fall.
  2. Beim Rück­tritt von ei­nem ver­bun­de­nen, aus Kauf- und Kre­dit­ver­trag be­ste­hen­den Ge­schäft kann der Käu­fer vom Ver­käu­fer nur die be­reits ge­leis­te­ten (Net­to-)Kre­dit­ra­ten oh­ne Zin­sen und Kos­ten her­aus­ver­lan­gen. Denn der Rück­tritt führt nach § 346 BGB nur zur Ver­pflich­tung, die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren. Die Kos­ten und Zin­sen wur­den in­des nicht, auch nicht mit­tel­bar, an den Ver­käu­fer ge­leis­tet, son­dern aus­schließ­lich an den Kre­dit­ge­ber.
  3. Die Kos­ten ei­ner nutz­lo­sen Fi­nan­zie­rung fal­len al­ler­dings als ver­geb­li­cher, zu­sätz­li­cher Kos­ten­auf­wand, zu dem der Käu­fer in der Er­war­tung, ei­ne man­gel­freie Sa­che zu er­hal­ten, ver­an­lasst wor­den ist, un­ter § 284 BGB i. V. mit §§ 437 Nr. 3, 440 BGB.

OLG Naum­burg, Ur­teil vom 12.01.2007 – 10 U 42/06

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin, die von ei­nem Ge­braucht­wa­gen­kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten ist, nimmt die Be­klag­te auf Rück­zah­lung be­reits ge­leis­te­ter Kre­dit­ra­ten und auf Frei­stel­lung von künf­tig fäl­lig wer­den­den Kre­dit­ra­ten in An­spruch.

Die Be­klag­te ver­treibt neue und ge­brauch­te Kraft­fahr­zeu­ge nebst Au­to­zu­be­hör. Auf­grund ei­nes Ver­trags vom 02.10.2003 über­nahm sie von der R-GmbH die Un­ter­neh­mens­be­rei­che Werk­statt und Ge­braucht­wa­gen­han­del. Mit der R-GmbH hat­te die Klä­ge­rin am 14.06.2003 ei­nen Kauf­ver­trag über ei­nen ge­brauch­ten Pkw zu ei­nem Ge­samt­kauf­preis von 11.000 € ge­schlos­sen. Der Pkw wies zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses ei­nen Ki­lo­me­ter­stand von 83.700 auf. In der Ver­trags­ur­kun­de ist ver­merkt: „Das Fzg. ist un­fall­frei (lt. Vor­be­sit­zer): nicht be­kannt“.

Den Kauf­preis in Hö­he von 11.000 € fi­nan­zier­te die Klä­ge­rin über die B-Bank, mit der sie am 14.06.2003 ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über ei­nen Ge­samt­kre­dit­be­trag in Hö­he von 13.619,68 € (inkl. Rest­schuld­ver­si­che­rung, Zin­sen und Be­ar­bei­tungs­ge­bühr) ab­schloss. Die Klä­ge­rin ver­pflich­te­te sich ge­gen­über der B-Bank, den Kre­dit in mo­nat­li­chen Ra­ten von 141,08 € und ei­ner er­höh­ten Schluss­ra­te von 7.130 € zu til­gen. Der Fi­nan­zie­rungs­ver­trag wur­de über die R-GmbH an­ge­bahnt und tech­nisch ab­ge­wi­ckelt. Den Kre­dit­be­trag zahl­te die B-Bank di­rekt an die Ver­käu­fe­rin aus.

Zu ei­nem zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Zeit­punkt nach Ab­schluss des Ge­braucht­wa­gen­kauf­ver­trags stell­te die Klä­ge­rin fest, dass der ge­kauf­te Pkw nicht un­fall­frei war, son­dern auf­grund ei­nes Un­falls ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Vor­scha­den auf­wies. Der Un­fall­scha­den war sei­ner­zeit von der R-GmbH mit ei­nem Kos­ten­auf­wand von 5.000 € be­ho­ben wor­den.

Mit An­walt­schrei­ben vom 11.08.2004 er­klär­te die Klä­ge­rin ge­gen­über der der R-GmbH we­gen des ver­schwie­ge­nen Vor­scha­dens den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 28.12.2004 wie­der­hol­te sie ihr Rück­ab­wick­lungs­be­geh­ren ge­gen­über der Be­klag­ten.

Die Klä­ge­rin be­haup­tet, sie ha­be den Un­fall­scha­den im Ju­li 2004 ent­deckt. Ih­re Mut­ter ha­be nach ei­ner Au­to­pan­ne im Er­satz­rad­kas­ten des Fahr­zeugs ei­nen Aus­zug aus ei­nem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten über Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten im Wert von 8.813,45 DM ge­fun­den. Nach die­ser Ent­de­ckung ha­be ih­re Mut­ter te­le­fo­nisch zum Vor­be­sit­zer des Pkw Kon­takt auf­ge­nom­men und ihn zu dem Un­fall­scha­den be­fragt.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge im We­sent­li­chen statt­ge­ge­ben und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Klä­ge­rin 212,89 € nebst Zin­sen zu zah­len und die Klä­ge­rin von wei­ter­ge­hen­den For­de­run­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag frei­zu­stel­len, und zwar je­weils Zug um Zug ge­gen Über­ga­be des Fahr­zeugs. Es hat die Be­klag­te fer­ner ver­ur­teilt, an die Klä­ge­rin wei­te­re 1.537,63 € zu zah­len, und zu­dem fest­ge­stellt, dass sich die Be­klag­te mit der Rück­nah­me des Fahr­zeugs im Ver­zug be­fin­det. Im Üb­ri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: B. … Das LG Hal­le hat … zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­grün­dung ei­nen An­spruch der Klä­ge­rin ge­gen die Be­klag­te auf Rück­zah­lung der be­reits auf den Kauf­preis ge­leis­te­ten Dar­le­hens­ra­ten so­wie auf Frei­stel­lung von der Ver­pflich­tung aus dem Dar­le­hens­ver­trag mit der B-Bank Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des streit­ge­gen­ständ­li­chen Pkw auf­grund des Rück­tritts von dem … Ge­braucht­wa­gen­kauf­ver­trag gem.  §§ 346, 437 Nr. 2, 434 I, 440, 323 BGB i. V. mit § 133 Um­wG be­jaht. Die Klä­ge­rin kann dar­über hin­aus Er­stat­tung ih­rer … Fi­nan­zie­rungs­kos­ten nach §§ 437 Nr. 3, 284 BGB i. V. mit § 133 Um­wG be­an­spru­chen und schließ­lich die Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten nach §§ 293, 294 BGB be­geh­ren.

I. Der Klä­ge­rin steht ein Rück­ge­währan­spruch aus dem nach er­klär­tem Rück­tritt rück­ab­zu­wi­ckeln­den Pkw-Kauf­ver­trag gem. §§ 346 I, 347, 348 BGB i. V. mit §§ 433, 437 Nr. 2, 440, 323 I BGB zu.

1. Die Be­klag­te ist auf­grund des Ab­spal­tungs­ver­trags vom 02.10.2003 nach Spal­tung der R-GmbH als über­neh­men­de Rechts­trä­ge­rin aus § 133 Um­wG pas­siv le­gi­ti­miert …

2. Zwi­schen der Klä­ge­rin und der … R-GmbH ist mit Un­ter­zeich­nung der ver­bind­li­chen Be­stel­lung am 14.06.2003 ein Kauf­ver­trag über ei­nen ge­brauch­ten Pkw zu ei­nem Ge­samt­kauf­preis von 11.000 € rechts­wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men.

3. Die Klä­ge­rin kann von der Be­klag­ten als Rechts­nach­fol­ge­rin der R-GmbH die Rück­ab­wick­lung des Pkw-Kauf­ver­trags vom 14.06.2003 ver­lan­gen, weil das Fahr­zeug bei Über­ga­be am 20.06.2003 und da­mit bei Ge­fahr­über­gang (§ 446 BGB) mit ei­nem die Ge­brauchs­taug­lich­keit be­ein­träch­ti­gen­den Sach­man­gel i. S. des § 434 I BGB be­haf­tet war.

Dass der von der Klä­ge­rin er­wor­be­ne Pkw bei Über­ga­be ei­nen ge­währ­leis­tungs­pflich­ti­gen Feh­ler auf­wies, steht zwi­schen den Par­tei­en nicht in Streit. Laut Kauf­ver­trag schul­de­te die Ver­käu­fe­rin ein un­fall­frei­es Fahr­zeug. Der Pkw wies hin­ge­gen ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Vor­scha­den auf, als Un­fall­fahr­zeug wich der Pkw da­mit aber von der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Soll-Be­schaf­fen­heit ab. Da­bei ist gänz­lich un­er­heb­lich, ob das Un­fall­fahr­zeug ord­nungs­ge­mäß und tech­nisch ein­wand­frei wie­der in­stand ge­setzt wor­den ist. Denn auch bei ei­nem fach­ge­recht und voll­stän­dig re­pa­rier­ten Un­fall­fahr­zeug bleibt nach der Ver­kehrs­an­schau­ung ein Ma­kel bzw. ei­ne Wert­min­de­rung in Form ei­nes mer­kan­ti­len Min­der­werts zu­rück (vgl. Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 9. Aufl., Rn. 1247).

4. Dass die Klä­ge­rin da­von ab­ge­se­hen hat, von der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vor­gän­ge­rin Nach­er­fül­lung nach §§ 323 I, 439 BGB zu ver­lan­gen und der Be­klag­ten ei­ne Frist zu set­zen, ist un­schäd­lich. Denn ei­ne Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung nach §§ 323, 439 BGB ist hier ent­behr­lich ge­we­sen.

a) Un­ter der Nach­er­fül­lung ver­steht man so­wohl die Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che als auch ei­ne Nach­bes­se­rung in Ge­stalt ei­ner Re­pa­ra­tur (Pa­landt/Putzo, BGB, 65. Aufl., § 437 Rn. 5). Bei­des ist hin­sicht­lich des in Re­de ste­hen­den Ge­braucht­fahr­zeug schon der Sa­che nach nicht ernst­haft in Be­tracht ge­kom­men. Denn der Um­stand, dass es sich bei dem er­wor­be­nen Kfz um ei­nen Un­fall­wa­gen han­delt, haf­tet dem Fahr­zeug auf Dau­er an und ist als sol­cher im We­ge ei­ner Nach­bes­se­rung, et­wa durch ei­ne Re­pa­ra­tur, nicht voll­stän­dig be­heb­bar. Die Nach­lie­fe­rung ei­ner in­tak­ten Sa­che hin­ge­gen ist aus­ge­schlos­sen (§ 275 I BGB; vgl. Pa­landt/Putzo, a. a. O., § 437 Rn. 9), da es sich bei dem Un­fall­fahr­zeug um ei­nen durch den kon­kre­ten Ge­brauch spe­zi­fi­zier­ten und in­di­vi­dua­li­sier­ten Ge­braucht­wa­gen und da­mit um ei­ne Stücksa­che han­delt. Nach ei­ner An­sicht soll zwar ei­ne Nach­lie­fe­rung stets dann in Be­tracht kom­men, wenn die Sa­che er­setz­bar ist (Ca­na­ris, JZ 2003, 831). Dies mag bei Vor­führ­wa­gen mit ge­rin­ger Lauf­leis­tung un­ter Um­stän­den noch mög­lich er­schei­nen (s. hier­zu skep­tisch Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 8. Aufl., Rn. 1369). Der Se­nat muss die­se Fra­ge in­des­sen nicht ab­schlie­ßend be­ant­wor­ten. Denn bei ei­nem im Kauf­zeit­punkt na­he­zu fünf Jah­re al­ten Fahr­zeug (Erst­zu­las­sung 16.07.1998) mit ei­ner Lauf­leis­tung von 83.700 km ist durch den kon­kre­ten Ge­brauch ei­ne der­ar­ti­ge In­di­vi­dua­li­sie­rung (Au­to­bahn­ki­lo­me­ter, Stadt­fahr­ten, ge­werb­li­che Nut­zung etc.) ein­ge­tre­ten, die ei­ne Nach­lie­fe­rung un­mög­lich er­schei­nen lässt (vgl. OLG Hamm, Ur­t. v. 10.02.2005 – 28 U 147/04, NJW-RR 2005, 1220; Pa­landt/Putzo, a. a. O., § 439 Rn. 15).

b) Im Üb­ri­gen ist ei­ne Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung hier aber auch des­halb ver­zicht­bar ge­we­sen, weil die Be­klag­te ei­ne Er­satz­lie­fe­rung end­gül­tig und ernst­haft ver­wei­gert hat (§ 440 Satz 1 BGB) … Denn die Klä­ge­rin hat un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, dass sie mit der Be­klag­ten zwar Ver­hand­lun­gen über ei­nen Aus­tausch des Un­fall­wa­gens ge­gen ein man­gel­frei­es Ge­braucht­fahr­zeug ge­führt ha­be, die­se aber schei­ter­ten, weil die Be­klag­te die Er­satz­fahr­zeu­ge nur über­teu­ert und da­mit nicht zu den glei­chen Ver­trags­be­din­gun­gen an­bot. Da­durch, dass die Be­klag­te die Er­satz­lie­fe­rung an ei­ne wei­te­re Zah­lung knüpf­te, hat sie je­doch zum Aus­druck ge­bracht, dass sie sich zu ei­ner vor­be­halt­lo­sen Nach­er­fül­lung durch Lie­fe­rung ei­nes gleich­wer­ti­gen Pkw nach Maß­ga­be des § 439 BGB ge­ra­de nicht ver­pflich­tet fühlt.

5. Die Klä­ge­rin hat das ihr in­so­weit aus §§ 437 Nr. 2, 440, 323 BGB zu­ste­hen­de Rück­tritts­recht auch wirk­sam durch Er­klä­rung ge­gen­über der Be­klag­ten nach § 349 BGB aus­ge­übt und da­mit den Kauf­ver­trag in ein Rück­ab­wick­lungs­schuld­ver­hält­nis um­ge­wan­delt.

Der Se­nat kann für die Ent­schei­dung des Rechts­strei­tes da­hin­ge­stellt sein las­sen, ob der Rück­tritt be­reits wirk­sam mit An­walts­schrei­ben vom 11.08.2004 ge­gen­über der auf­ge­spal­te­nen und da­mit nicht mehr exis­ten­ten R-GmbH er­klärt wer­den konn­te. Denn die Klä­ge­rin hat ihr Rück­tritts­an­sin­nen auch noch­mals ge­gen­über der Be­klag­ten in dem wei­te­ren An­walts­schrei­ben vom 28.12.2004 wie­der­holt. Je­den­falls aber liegt in der Kla­ge­er­he­bung ei­ne wirk­sa­me Rück­tritts­er­klä­rung nach § 349 BGB.

6. Das Rück­tritts­recht der Klä­ge­rin ist hier auch nicht aus­ge­schlos­sen. Ge­setz­li­che Aus­schluss­tat­be­stän­de (§§ 323 VI, 350, 351 BGB), die das Rück­tritts­recht ent­fal­len las­sen könn­ten, sind we­der dar­ge­tan noch er­sicht­lich.

7. Die Klä­ge­rin hat auf die Gel­tend­ma­chung ih­res kauf­ver­trag­li­chen Ge­währ­leis­tungs­an­spruchs auch nicht nach­träg­lich auf­grund ei­ner mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung ver­zich­tet.

Die in­so­weit dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­ge Be­klag­te hat den Be­weis für die Rich­tig­keit ih­rer Tat­sa­chen­be­haup­tung, dass sich die Klä­ge­rin mit der R-GmbH nach Ent­de­ckung des Man­gels En­de Ju­ni 2003 dar­auf ver­stän­digt ha­be, von dem Rück­tritts­recht ge­gen Er­halt neu­er Win­ter­rä­der und der Zu­sa­ge ei­ner kos­ten­frei­en Haupt- und Ab­gas­un­ter­su­chung so­wie ei­ner 120.000-km-In­spek­ti­on kei­nen Ge­brauch zu ma­chen, nicht zu er­brin­gen ver­mocht.

a) Die von der Be­klag­ten zur Ak­te ge­reich­te Be­stä­ti­gungs­er­klä­rung vom 30.06.2003, die den An­spruch der Klä­ge­rin auf die oben ge­nann­ten Zu­satz­leis­tun­gen do­ku­men­tiert, ent­hält selbst kei­nen Hin­weis auf das Zu­stan­de­kom­men der be­klag­ten­seits be­haup­te­ten Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung. Die von bei­den Ver­trags­sei­ten un­ter­zeich­ne­te Er­klä­rung er­schöpft sich dar­in, die der Klä­ge­rin ver­spro­che­nen Son­der­leis­tun­gen … auf­zu­füh­ren. Dass das Ver­spre­chen der ein­zel­nen Son­der­leis­tun­gen als ma­te­ri­el­ler Aus­gleich für den Sach­man­gel des Fahr­zeugs die­nen soll­te und mit der Zu­sa­ge der Klä­ge­rin ver­knüpft war, auf die Aus­übung des Rück­tritts­rechts zu ver­zich­ten, geht aus der Ver­trags­ur­kun­de selbst da­ge­gen mit kei­nem Wort her­vor. Da­bei ist der Klä­ge­rin dar­in bei­zu­pflich­ten, dass es bei le­bens­na­her, ver­stän­di­ger Be­trach­tung durch­aus na­he ge­le­gen hät­te, dass die Ver­trags­par­tei­en nicht nur die Zu­sa­gen der Be­klag­ten, son­dern auch die ver­meint­li­che Ge­gen­leis­tung der Klä­ge­rin, näm­lich den be­haup­te­ten Ver­zicht auf ihr ge­setz­li­ches Rück­tritts­recht, in den Ur­kun­den­text der Be­stä­ti­gungs­er­klä­rung auf­ge­nom­men hät­ten.

b) Das strei­ti­ge Zu­stan­de­kom­men ei­ner ent­spre­chen­den Ver­ein­ba­rung über ei­ne Ge­währ­leis­tungs­frei­zei­ch­nung hat die be­weis­be­las­te­te Be­klag­te auch nicht auf der Grund­la­ge der Aus­sa­gen der Zeu­gen B, K und L be­wei­sen kön­nen .

Die Be­weis­er­he­bung des Land­ge­richts lässt Rechts­feh­ler nicht er­ken­nen. Auch im Üb­ri­gen ist die erst­in­stanz­li­che Be­weis­wür­di­gung nicht zu be­an­stan­den. Das Land­ge­richt hat das Vor­brin­gen der Par­tei­en und die Aus­sa­gen der Zeu­gen er­schöp­fend und rich­tig ge­wür­digt. Die An­grif­fe der Be­klag­ten ge­gen die Be­weis­wür­di­gung des Land­ge­richts sind nicht ge­eig­net, die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts zu er­schüt­tern. Der Se­nat sieht für ei­ne Wie­der­ho­lung der Be­weis­auf­nah­me kei­ne Ver­an­las­sung.

aa) Im Zu­ge der Neu­ord­nung des Be­ru­fungs­rech­tes im Rah­men der Zi­vil­pro­zess­re­form hat der Re­form­ge­setz­ge­ber die Prü­fungs­dich­te des Be­ru­fungs­ge­richts nach­hal­tig ein­ge­schränkt. Die Be­ru­fungs­in­stanz stellt kei­ne voll­wer­ti­ge zwei­te Tat­sa­chen­in­stanz mehr dar, son­dern dient in ers­ter Li­nie der Feh­ler­kon­trol­le und Feh­ler­be­sei­ti­gung (vgl. BT-Drs. 14/4722, S. 61, 64; Gum­mer/Heß­ler, in: Zöl­ler, ZPO, 26. Aufl., § 529 Rn. 1). Das Be­ru­fungs­ge­richt ist nach § 529 I 1 ZPO an die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen der ers­ten In­stanz grund­sätz­lich ge­bun­den. No­ven kön­nen le­dig­lich in den Gren­zen der §§ 530, 531 ZPO in die Rechts­mit­tel­in­stanz ein­ge­führt wer­den. Ei­ne Neu­be­wer­tung der Tat­sa­chen­grund­la­ge nach Wie­der­ho­lung der Be­weis­auf­nah­me ist al­lein un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 529 I Nr. 1 ZPO ge­stat­tet. Ei­ne er­neu­te Be­weis­auf­nah­me und da­mit ein Ab­wei­chen von den Fest­stel­lun­gen des erst­in­stanz­li­chen Ge­rich­tes kommt dem­nach nur dann in Be­tracht, wenn ei­ne ge­wis­se, nicht nur theo­re­ti­sche Wahr­schein­lich­keit für das Vor­lie­gen un­rich­ti­ger oder un­voll­stän­di­ger Fest­stel­lun­gen durch die ers­te In­stanz be­steht. Dies ist et­wa dann der Fall, wenn die be­weis­wür­di­gen­den Er­wä­gun­gen ei­ner ge­si­cher­ten Tat­sa­chen­grund­la­ge ent­beh­ren, al­so nur Ver­mu­tun­gen wie­der­ge­ben, sie lü­cken­haft sind oder ge­gen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungs­sät­ze ver­sto­ßen oder schließ­lich bei ei­ner Ver­ken­nung der Be­weis­last­ver­tei­lung, so­fern dies zu ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Wür­di­gung ge­führt hat …

bb) Ei­ne in die­sem Sin­ne feh­ler­haf­te Be­weis­er­he­bung und Be­weis­wür­di­gung des Land­ge­richts hat der Se­nat in­des­sen nicht fest­stel­len kön­nen. Kon­kre­te An­halts­punk­te, die Zwei­fel an der Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts be­grün­den und ei­ne Wie­der­ho­lung der erst­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me ge­bo­ten er­schei­nen las­sen (§ 529 I Nr. 1 ZPO), sind we­der dar­ge­tan noch hier nach La­ge der Ak­ten er­sicht­lich.

Dass sich das Land­ge­richt von dem Zu­stan­de­kom­men der be­haup­te­ten Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung mit ei­nem nach § 286 I ZPO aus­rei­chen­den Grad an Ge­wiss­heit im Er­geb­nis der erst­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me nicht hat über­zeu­gen kön­nen, ist in kei­ner Wei­se zu be­an­stan­den …

8. In­fol­ge des wirk­sa­men Rück­tritts der Klä­ge­rin vom Kauf­ver­trag sind die Par­tei­en da­nach ver­pflich­tet, die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen nach §§ 346, 347 BGB zu­rück­zu­ge­wäh­ren.

a) Die Klä­ge­rin kann von der Be­klag­ten die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ver­lan­gen, so­weit sie selbst Ra­ten­zah­lun­gen an die fi­nan­zie­ren­de B-Bank er­bracht hat. Sie kann in­des­sen nicht die Rück­erstat­tung der vol­len Dar­le­hens­va­lu­ta ein­schließ­lich des noch nicht durch Leis­tun­gen der Klä­ge­rin ab­ge­deck­ten Teils des Kauf­prei­ses ab­züg­lich der von ihr ge­schul­de­ten Nut­zungs­ver­gü­tung ver­lan­gen. Ihr steht viel­mehr – wie von dem Land­ge­richt zu­tref­fend er­kannt – le­dig­lich ein un­mit­tel­ba­rer Rück­zah­lungs­an­spruch ge­gen­über der Be­klag­ten in Hö­he der von ihr an die B-Bank ent­rich­te­ten Til­gungs­ra­ten zu (vgl. eben­so OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [88]; OLG Hamm, Urt. v. 08.09.2005 – 28 U 60/05, NZV 2006, 421).

aa) Der Kauf­ver­trag ist nach den Grund­sät­zen des dritt­fi­nan­zier­ten Ver­bund­ge­schäfts ab­zu­wi­ckeln. Denn bei dem Kauf- und dem Dar­le­hens­ver­trag han­delt es sich um ein sog. fremd­fi­nan­ziert ver­bun­de­nes Ge­schäft, da der Kauf­preis un­ter Ver­mitt­lung der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten über die B-Bank fi­nan­ziert wor­den ist. Der Grund­ge­dan­ke des Ver­bund­ge­schäfts und die recht­li­che Ver­knüp­fung der Ver­trä­ge müs­sen da­her auch bei der zu tref­fen­den Wer­tent­schei­dung, was als zu er­stat­ten­de „emp­fan­ge­ne Leis­tung“ i. S. des § 346 Satz 1 BGB an­zu­se­hen ist, be­rück­sich­tigt wer­den (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [88]; OLG Hamm, Urt. v. 08.09.2005 – 28 U 60/05, NZV 2006, 421).

(1) Kauf- und Fi­nan­zie­rungs­kre­dit­ver­trag bil­de­ten aus der Sicht der Klä­ge­rin Be­stand­tei­le ei­nes wirt­schaft­lich ein­heit­li­chen Vor­gangs, der dar­auf ab­ziel­te, den Er­werb des Pkw über Ra­ten­zah­lun­gen zu er­mög­li­chen. Bei­de Ver­trä­ge sind zwar recht­lich ge­trennt zu­stan­de ge­kom­men, be­din­gen sich aber wech­sel­sei­tig in der Wei­se, dass der ei­ne Ver­trag oh­ne den an­de­ren nicht ab­ge­schlos­sen wor­den wä­re. Die in dem Ver­trag aus­drück­lich auf­ge­nom­me­ne Zweck­bin­dung des von der B-Bank ge­währ­ten Kre­dits be­legt da­bei zwei­fels­frei, dass die­ser der Fi­nan­zie­rung des Ge­braucht­wa­gen­kaufs die­nen soll­te. Die fi­nan­zie­ren­de Bank be­dien­te sich zu­dem bei der An­bah­nung und Vor­be­rei­tung des Kre­dit­ver­trags der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten, die das Kre­dit­ge­schäft ver­mit­tel­te.

(2) Die Klä­ge­rin kann sich hier im Hin­blick auf das dritt­fi­nan­zier­te Ver­bund­ge­schäft al­ler­dings nicht auf die Ver­brau­cher­schutz­vor­schrif­ten der §§ 358, 359 BGB stüt­zen. Der Ein­wen­dungs­durch­griff des § 359 BGB steht ihr nicht zur Sei­te. Denn aus­weis­lich des Be­stell­for­mu­lars und der Dar­le­hens­ver­trags­ur­kun­de hat die Klä­ge­rin die Ver­bund­ge­schäf­te nicht als Ver­brau­che­rin i. S. des § 13 BGB ab­ge­schlos­sen. Viel­mehr ist sie so­wohl im Ru­brum des Pkw-Kauf­ver­trags als auch in dem Dar­le­hens­ver­trag als Un­ter­neh­me­rin … be­zeich­net wor­den. Der Dar­le­hens­ver­trag ent­hält zu­dem den Hin­weis, dass das Fi­nan­zie­rungs­ge­schäft für ei­ne be­reits aus­ge­üb­te ge­werb­li­che oder selbst­stän­dig be­ruf­li­che Tä­tig­keit die­nen soll­te. Von ei­nem Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag i. S. der §§ 358, 359 BGB kann in­so­fern nicht die Re­de sein.

bb) Für die Rück­ab­wick­lung müs­sen dem­entspre­chend die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze her­an­ge­zo­gen wer­den, wo­bei die Zweck­bin­dung der Dritt­fi­nan­zie­rung und die recht­li­che Ver­knüp­fung des Kauf­ver­trags mit dem Kre­dit­ge­schäft je­doch nicht un­be­rück­sich­tigt blei­ben kön­nen. Da­bei ist – auf dem Bo­den der sog. Tren­nungs­theo­rie – auf die §§ 158 ff. BGB bzw. die Grund­sät­ze des Weg­falls der Ge­schäfts­grund­la­ge nach § 313 BGB zu­rück­zu­grei­fen (vgl. Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 9. Aufl., Rn. 817). Auf­grund des wirk­sam er­klär­ten Rück­tritts von dem Kauf­ver­trag kann die Klä­ge­rin ge­gen­über den wei­te­ren Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­sprü­chen der Bank dem­entspre­chend den Weg­fall der Ge­schäfts­grund­la­ge nach § 313 BGB ein­wen­den. Von An­sprü­chen der Bank hät­te sie die Be­klag­te im Üb­ri­gen frei­zu­stel­len (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 08.09.2005 – 28 U 60/05, NZV 2006, 421).

b) Zu er­stat­ten sind al­ler­dings grund­sätz­lich nur die zur Be­zah­lung des Kauf­preiss bei der Be­klag­ten tat­säch­lich ver­blei­ben­den Net­to­kre­dit­ra­ten, al­so die um Zins- und Kos­ten­an­tei­le be­rei­nig­ten Be­trä­ge. Aus­weis­lich der Aus­kunft der B-Bank ist in den un­strei­tig ge­leis­te­ten 30 Ra­ten zu 141,08 €, rech­ne­risch ins­ge­samt 4.232,40 €, ein Til­gungs­an­teil oh­ne Zin­sen und Kos­ten in Hö­he von 2.694,77 € ent­hal­ten. Die Rich­tig­keit die­ser An­ga­ben hat die Be­klag­te nicht in Ab­re­de ge­stellt.

Die Fra­ge, ob der Käu­fer bei ver­bun­de­nen Ge­schäf­ten nur die Net­to­ra­ten oder auch die in ih­nen ent­hal­te­nen Zin­sen und Kos­ten her­aus­ver­lan­gen kann, wird in der Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur un­ter­schied­lich be­ant­wor­tet (vgl. zum Mei­nungs­stand OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [88]). Wäh­rend ein Teil der Rechts­li­te­ra­tur und Recht­spre­chung dem Käu­fer nur ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung der von ihm ge­zahl­ten Net­to­kre­dit­ra­ten zu­bil­ligt (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [88]; OLG Hamm, Urt. v. 08.09.2005 – 28 U 60/05, NZV 2006, 421; LG Ha­gen, Urt. v. 23.07.1993 – 1 S 119/93, MDR 1994, 251; LG Bo­chum, Urt. v. 27.04.2001 – 5 S 19/01, NJW-RR 2002, 349), wird nach an­de­rer Auf­fas­sung im Fal­le der Rück­ab­wick­lung ei­nes dritt­fi­nan­ziert ver­bun­de­nen Ge­schäfts auch ein An­spruch auf Zah­lung der in den Ra­ten zu­gleich ent­hal­te­nen Zins- und Kos­ten­an­tei­le be­jaht, wo­bei der Käu­fer die­se Zins- und Kos­ten­po­si­tio­nen al­ler­dings ge­gen­über dem Kre­dit­ge­ber gel­tend ma­chen muss. Nach ei­ner drit­ten Mei­nung ste­hen dem Käu­fer bei Rück­tritt von dem ver­bund­fi­nan­zier­ten Kauf­ver­trag ne­ben den Net­to­kre­dit­ra­ten auch die Zin­sen und Kos­ten zu, die er von dem Ver­käu­fer her­aus­ver­lan­gen kann (vgl. Voll­kom­mer, Fest­schr. f. Henckel, S. 895 [902]).

Der Se­nat schließt sich – im Ein­klang mit dem Land­ge­richt – der zu­erst ge­nann­ten An­sicht an, der zu­fol­ge die Klä­ge­rin nur die Net­to­kre­dit­ra­ten von der Be­klag­ten er­stat­tet ver­lan­gen kann. Ei­ne Rück­zah­lung der an den Kre­dit­ge­ber ge­zahl­ten Zin­sen und Kos­ten sieht § 346 BGB nicht vor. Ge­gen den Ver­käu­fer be­ste­hen nach § 346 BGB viel­mehr nur Rück­erstat­tungs­an­sprü­che, so­weit die­sem ge­gen­über selbst Leis­tun­gen er­bracht wur­den. Mehr als das­je­ni­ge, was der Ver­käu­fer selbst auf­grund des Kauf­ver­tra­ge er­hal­ten hat, kann von ihm auch nicht nach Rück­tritt her­aus­ver­langt wer­den (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [89]). Denn der Rück­tritt be­wirkt nach § 346 BGB le­dig­lich die Ver­pflich­tung, die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren. Die in den Ra­ten ent­hal­te­nen Zin­sen und Kos­ten­be­trä­ge fin­den in dem von der fi­nan­zie­ren­den Bank an den Ver­käu­fer ge­zahl­ten Be­trag in­des­sen kei­ne Ent­spre­chung. Die Kos­ten und Zin­sen wur­den auch nicht mit­tel­bar an den Ver­käu­fer ge­leis­tet, son­dern aus­schließ­lich an den Kre­dit­ge­ber. Ei­ne an­de­re Be­trach­tungs­wei­se ist hier auch nicht auf­grund der Son­der­si­tua­ti­on bei ver­bun­de­nen Ge­schäf­ten ge­bo­ten (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [89]).

c) Was die zu­künf­tig fäl­lig wer­den­den Til­gungs­leis­tun­gen aus dem Kre­dit­ver­trag mit der B-Bank an­be­langt, kann die Klä­ge­rin von der Be­klag­ten ver­lan­gen, dass sie von den zu­künf­ti­gen Ver­pflich­tun­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag durch Zah­lung frei­ge­stellt wird (vgl. eben­so OLG Hamm, NZV 2006, 421).

d) Von dem zu­rück­zu­er­stat­ten­den Net­to­kre­dit­be­trag ist die Nut­zungs­ver­gü­tung für die mit dem Fahr­zeug zu­rück­ge­leg­te Fahrt­stre­cke in Ab­zug zu brin­gen. Denn gem. § 347 I BGB hat die rück­tritts­be­rech­tig­te Klä­ge­rin die aus der Kauf­sa­che ge­zo­ge­nen Ge­brauchs­vor­tei­le her­aus­zu­ge­ben bzw. Wert­er­satz für die ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen zu leis­ten. Das Land­ge­richt hat die an­re­chen­ba­ren Ge­brauchs­vor­tei­le nach § 287 II ZPO in Hö­he von 0,67 % des An­schaf­fungs­prei­ses für je 1.000 ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter ge­schätzt, was den üb­li­chen, in der Recht­spre­chung an­er­kann­ten Be­rech­nungs­an­sät­zen ent­spricht (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 466; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 65. Aufl., § 346 Rn. 10 m. w. Nachw.). Dass das Land­ge­richt un­ter zu­sätz­li­cher Be­rück­sich­ti­gung der Fahrt­leis­tung für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis März 2006 ei­nen Ki­lo­me­ter­stand von 33.675,40 km an­ge­nom­men hat, ist eben­falls nicht zu be­an­stan­den und von der Be­klag­ten mit ih­rer Be­ru­fung auch nicht an­ge­grif­fen wor­den. Dar­aus er­gibt sich ein an­re­chen­ba­rer Nut­zungs­er­satz von 2.481,88 €, um den der ge­leis­te­te Net­to­kre­dit­be­trag von 2.694,77 € zu re­du­zie­ren war.

e) Ge­mäß § 348 BGB schul­det die Be­klag­te die Rück­ge­währ der um die Nut­zungs­ver­gü­tung re­du­zier­ten Net­to­kre­dit­ra­ten so­wie die Frei­stel­lung von den An­sprü­chen der B-Bank al­ler­dings nur Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be und Rück­über­eig­nung des Pkw.

9. Der Zins­an­spruch der Klä­ge­rin ist seit Rechts­hän­gig­keit der Kla­ge un­ter Ver­zugs­ge­sichts­punk­ten nach §§ 286 I Satz 2, 288 BGB be­grün­det.

Die sich aus dem Rück­tritt er­ge­ben­de Zah­lungs­ver­pflich­tung der Be­klag­ten ist zwar gem. § 348 BGB nur Zug um Zug zu er­fül­len, wo­bei §§ 320, 322 BGB ent­spre­chen­de An­wen­dung fin­den. Das blo­ße ob­jek­ti­ve Be­ste­hen der Ein­re­de des nicht er­füll­ten Ver­trags aus § 320 BGB hin­dert in der Re­gel den Ein­tritt des Schuld­ner­ver­zugs (vgl. Pa­landt/Hein­richs, BGB, 65. Aufl., § 286 Rn. 15; Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 320 Rn. 12). Hier aber hat sich die Be­klag­te spä­tes­tens seit Zu­stel­lung der Kla­ge be­züg­lich der Rück­ga­be des Fahr­zeugs im An­nah­me­ver­zug nach §§ 293, 295 BGB be­fun­den (sie­he un­ten II 3). Hat aber der Gläu­bi­ger – wie hier die Klä­ge­rin – sei­ne Leis­tung dem Schuld­ner in ei­ner den An­nah­me­ver­zug nach §§ 293 ff. BGB aus­lö­sen­den Wei­se an­ge­bo­ten, wo­bei ein wört­li­ches An­ge­bot i. S. des § 295 BGB ge­nügt, steht § 320 BGB der Be­grün­dung des Schuld­ner­ver­zugs nicht mehr ent­ge­gen (vgl. Pa­landt/Hein­richs, a. a.&tnbsp;O., § 286 Rn. 15; Pa­landt/Grü­ne­berg, a. a. O., § 320 Rn. 12; MünchKomm-BGB/Em­me­rich, 4. Aufl., § 320 Rn. 46; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 473).

II. Der Klä­ge­rin steht dar­über hin­aus ein An­spruch auf Er­stat­tung der ver­geb­lich auf­ge­wand­ten Fi­nan­zie­rungs­kos­ten in Hö­he des Zins­an­teils von 1.537,63 € aus §§ 437 Nr. 3, 440, 284 BGB i. V. mit § 133 Um­wG zu.

1. Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin ist hier we­gen des un­strei­ti­gen Sach­man­gels des Fahr­zeugs dem Grun­de nach aus §§ 437 Nr. 3, 434, 281 BGB ge­ge­ben. Die Be­klag­te hat die Man­gel­haf­tig­keit des Pkw auch zu ver­tre­ten, sie hat sich je­den­falls nicht nach § 280 I Satz 2 BGB zu ent­las­ten ver­sucht.

2. Der An­spruch auf Er­satz der für die Klä­ge­rin nutz­los ge­wor­de­nen Fi­nan­zie­rungs­kos­ten ist auch der Hö­he nach be­grün­det.

Die in den auf den Kauf­preis ge­zahl­ten Til­gungs­ra­ten ent­hal­te­nen Zins- und Kos­ten­an­tei­le stel­len zwar kei­ne Ver­trags­kos­ten i. S. des § 467 Satz 2 BGB a.F. in der bis zum 31.12.2001 gül­ti­gen al­ten Fas­sung dar, da sie we­der zum Zwe­cke des Ab­schlus­ses des Ver­trags noch zum Zwe­cke der Aus­füh­rung der Lie­fe­rung auf­ge­wen­det wor­den sind. Nach der al­ten Rechts­la­ge vor dem In­kraft­tre­ten des Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes wa­ren die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten da­her nicht nach § 467 Satz 2 BGB a.F. er­stat­tungs­fä­hig (vgl. OLG Naum­burg, Urt. v. 22.11.2001 – 2 U 79/01, OLGR 2003, 87 [89]). Die Kos­ten ei­ner nutz­lo­sen Fi­nan­zie­rung fal­len al­ler­dings nach neu­er Rechts­la­ge nun­mehr als ver­geb­li­cher, zu­sätz­li­cher Kos­ten­auf­wand, zu dem der Käu­fer in der Er­war­tung, ei­ne man­gel­freie Sa­che zu er­hal­ten, ver­an­lasst wor­den ist, un­ter § 284 BGB i. V. mit §§ 437 Nr. 3, 440 BGB und kön­nen da­her von der Klä­ge­rin er­setzt ver­langt wer­den (vgl. Pa­landt/Hein­richs, a. a. O., § 284 Rn. 5).

III. Der Se­nat ver­mag schließ­lich auch fest­zu­stel­len, dass sich die Be­klag­te mit der Rück­nah­me des Un­fall­fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug nach §§ 293 ff. BGB be­fin­det. Der An­spruch der Klä­ge­rin auf Rück­ge­währ der emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen ist nach Rück­tritt von dem Kauf­ver­trag gem. § 346 BGB er­füll­bar ge­we­sen. Da die Be­klag­te der Klä­ge­rin mit Blick auf die be­haup­te­te Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung vom 30.06.2003 er­klärt hat, sie wer­de das Fahr­zeug nicht zu­rück­neh­men, hat für die Be­grün­dung des An­nah­me­ver­zugs ein wört­li­ches An­ge­bot der Rück­ga­be des Pkw i. S. des § 295 BGB aus­ge­reicht, das die Klä­ge­rin der Be­klag­ten spä­tes­tens mit ih­rer Kla­ge un­ter­brei­tet hat. Die Klä­ge­rin ist über­dies un­strei­tig zur Leis­tung be­reit und im­stan­de (§ 297 BGB) …

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