Fol­gen­de Klau­sel in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ei­nes Kfz-Händ­lers ist ge­mäß § 309 Nr. 5 lit. b BGB un­wirk­sam, weil sie dem Käu­fer nicht aus­drück­lich den Nach­weis ge­stat­tet, dass ein Scha­den über­haupt nicht ent­stan­den ist: „Ver­langt der Ver­käu­fer Scha­dens­er­satz, so be­trägt die­ser 15 % des Kauf­prei­ses. Der Scha­dens­er­satz ist hö­her oder nied­ri­ger an­zu­set­zen, wenn der Ver­käu­fer ei­nen hö­he­ren oder der Käu­fer ei­nen ge­rin­ge­ren Scha­den nach­weist.“

AG Haß­furt, Ur­teil vom 21.08.2006 – 3 C 624/05

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin for­dert von der Be­klag­ten pau­scha­lier­ten Scha­dens­er­satz we­gen der Nicht­ab­nah­me ei­nes Neu­wa­gens.

Am 18.09.2004 be­stell­te die Be­klag­te bei der Klä­ge­rin ei­nen Pkw zum Preis vom 13.424 €. Als Lie­fer­ter­min wur­de un­ver­bind­lich die 44. Ka­len­der­wo­che 2004 ver­ein­bart. Fer­ner wur­de auf der ver­bind­li­chen Be­stell­ur­kun­de „Lie­fe­rung un­ter Vor­be­halt!“ ver­merkt. Am 06.10.2004 wur­de der Be­klag­te die schrift­li­che Auf­trags­be­stä­ti­gung über­sandt. Mit Schrei­ben vom 08.10.2004 stor­nier­te die Be­klag­te den Kauf­ver­trag, was von der Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 15.12.2004 be­stä­tigt wur­de.

Die Klä­ge­rin ist der An­sicht, dass sie we­gen Nicht­ab­nah­me des Fahr­zeugs ge­mäß ih­rer Ver­kaufs­be­din­gun­gen, wel­che der Be­klag­ten auch aus­ge­hän­digt wur­den, pau­schal 15 % des Kauf­prei­ses als Scha­dens­er­satz ver­lan­gen kön­ne. In den Ver­kaufs­be­din­gun­gen heißt es:

„Ver­langt der Ver­käu­fer Scha­dens­er­satz, so be­trägt die­ser 15 % des Kauf­prei­ses. Der Scha­dens­er­satz ist hö­her oder nied­ri­ger an­zu­set­zen, wenn der Ver­käu­fer ei­nen hö­he­ren oder der Käu­fer ei­nen ge­rin­ge­ren Scha­den nach­weist.“

Die auf Zah­lung von 2.013,60 € nebst Zin­sen ge­rich­te­te Kla­ge blieb oh­ne Er­folg.

Aus den Grün­den: Es kann letzt­lich da­hin­ste­hen, wor­auf sich der zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Vor­be­halt be­zog, und ob nun die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten aus­ge­hän­digt wur­den oder nicht, weil die Klä­ge­rin kei­nen Scha­dens­er­satz in Hö­he von 2.013,60 € for­dern kann.

Dem Grun­de nach kann die Klä­ge­rin we­gen der be­klag­ten­seits er­folg­ten Ver­trags­auf­sa­ge Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung nach § 280 I BGB for­dern (vgl. da­zu Pa­landt/Hein­richs, BGB, § 280 Rn. 25 ff.).

Ei­ne Scha­dens­pau­scha­lie­rung nach … [den] All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Klä­ge­rin kommt aber des­halb nicht in Be­tracht, weil die­se Klau­sel un­wirk­sam ist, was das Ge­richt be­reits in sei­ner Ver­fü­gung vom 08.03.2006 an­ge­deu­tet hat. Es kann da­hin­ste­hen, ob die 15 %-Pau­scha­le der Hö­he nach wirk­sam ist (vgl. da­zu Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, Rn. 211), denn das Ge­richt hält die streit­ge­gen­ständ­li­che Klau­sel des­halb für un­wirk­sam, weil sie dem an­de­ren Ver­trags­teil nicht aus­drück­lich den Nach­weis ge­stat­tet, dass ein Scha­den über­haupt nicht ent­stan­den ist (so auch Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 208; Rei­ni­cke/Tiedt­ke, Kauf­recht, Rn. 193; Pa­landt/Hein­richs, a. a. O., § 309 Rn. 30). Die Scha­dens­pau­scha­lie­rung ver­stößt al­so ge­gen § 309 Nr. 5 lit. b BGB.

Man­gels Sach­vor­trag zur kon­kre­ten Scha­dens­hö­he war die Kla­ge da­her als un­be­grün­det ab­zu­wei­sen …

Hin­weis: Die­se Ent­schei­dung steht mit der Recht­spre­chung des BGH nicht in Ein­klang (vgl. et­wa BGH, Urt. v. 14.04.2010 – VI­II ZR 123/09). Da­nach liegt auf der Hand, dass die Mög­lich­keit, ei­nen ge­rin­ge­ren Scha­den nach­zu­wei­sen, zu­gleich die Mög­lich­keit er­öff­net nach­zu­wei­sen, dass über­haupt kein Scha­den ent­stan­den ist.

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