1. Der Er­wer­ber ei­nes – hier: un­ter­schla­ge­nen – Ge­braucht­fahr­zeugs ist nicht schon dann gut­gläu­big i. S. des § 932 II BGB, wenn er sich den Fahr­zeug­brief (Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II) vor­le­gen lässt, um die Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers zu prü­fen. Dies ge­hört viel­mehr zu den Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für den gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs.
  2. Der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­fahr­zeugs ist bös­gläu­big i. S. des § 932 II BGB, wenn er trotz des Vor­lie­gens von Ver­dachts­mo­men­ten, die Zwei­fel an der Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers we­cken müs­sen, kei­ne sach­dien­li­chen Nach­for­schun­gen un­ter­nimmt. Wel­che Um­stän­de ei­ne Nach­for­schungs­pflicht hin­sicht­lich der Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers be­grün­den, ist ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls, wo­bei we­gen der beim Han­del mit Ge­braucht­wa­gen nicht sel­ten vor­kom­men­den Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten ein stren­ger Maß­stab an­zu­le­gen ist. Je­den­falls der pri­va­te Käu­fer ei­nes Ge­braucht­fahr­zeugs ist in­des nicht ver­pflich­tet, die am Fahr­zeug an­ge­brach­te Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer mit der in den Fahr­zeug­pa­pie­ren ein­ge­tra­ge­nen Fahr­zeug-Iden­ti­fi­zie­rungs­num­mer zu ver­glei­chen.
  3. Kommt der Er­wer­ber der Ob­lie­gen­heit, sich den Fahr­zeug­brief (Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II) vor­le­gen zu las­sen, nach und wird ihm ein ge­fälsch­tes Do­ku­ment vor­ge­legt, so tref­fen ihn kei­ne wei­te­ren Nach­for­schungs­pflich­ten, wenn er die Fäl­schung nicht er­ken­nen muss­te und auch sonst kei­ne Ver­dachts­mo­men­te vor­la­gen. Dass der Fahr­zeug­brief (Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II) ge­fälscht ist, muss ein pri­va­ter Käu­fer, der Kraft­fahr­zeug­pa­pie­re nicht häu­fig zu Ge­sicht be­kommt, nicht schon des­halb er­ken­nen, weil das Do­ku­ment als Aus­stel­ler den Land­rat ei­nes Land­krei­ses aus­weist, aber mit dem Sie­gel der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg ver­se­hen ist.
  4. Un­ter­nimmt der Er­wer­ber ei­nes Ge­braucht­fahr­zeugs Nach­for­schun­gen, zu de­nen man­gels ver­däch­ti­ger Um­stän­de kein An­lass be­steht, und las­sen erst die­se über­ob­li­ga­to­ri­schen Nach­for­schun­gen Zwei­fel an der Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers auf­kom­men, muss der Er­wer­ber die­sen Zwei­feln nach­ge­hen.

OLG Mün­chen, Ur­teil vom 26.05.2011 – 23 U 434/11

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt die Her­aus­ga­be ei­nes Wohn­mo­bils.

Ei­gen­tü­me­rin die­ses Fahr­zeugs war die Be­klag­te, die ge­werbs­mä­ßig Wohn­mo­bi­le ver­mie­tet. Sie hat­te das Wohn­mo­bil vom 21.08.2009 bis zum 28.08.2009 an M ver­mie­tet, der es nach Ab­lauf der Miet­zeit nicht zu­rück­gab.

Der Klä­ger wur­de auf das Fahr­zeug durch ei­ne Ver­kaufs­an­zei­ge in ei­nem In­ter­net­por­tal auf­merk­sam. Nach­dem er das Fahr­zeug in Ham­burg be­sich­tigt hat­te, schloss er mit ei­nem W, der sich mit ei­nem – ge­fälsch­ten – vor­läu­fi­gen Per­so­nal­aus­weis aus­wies und dem Klä­ger – eben­falls ge­fälsch­te – Fahr­zeug­pa­pie­re vor­leg­te, ei­nen Kauf­ver­trag. W über­gab dem Klä­ger das Fahr­zeug mit dem Ver­spre­chen, den feh­len­den zwei­ten Schlüs­sel­satz zu ho­len, und ver­schwand an­schlie­ßend mit dem ihm vom Klä­ger in bar über­ge­be­nen Kauf­preis (40.000 €).

Nach­dem der Klä­ger An­zei­ge er­stat­tet und sich her­aus­ge­stellt hat­te, dass das Wohn­mo­bil zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben war, wur­de das Fahr­zeug am 19.10.2009 von po­li­zei­lich si­cher­ge­stellt und am 26.10.2009 der Be­klag­ten aus­ge­hän­digt.

Der Klä­ger meint, er ha­be das Wohn­mo­bil gut­gläu­big er­wor­ben, und ver­langt die Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge mit Ur­teil vom 22.11.2010 ab­ge­wie­sen und aus­ge­führt, der Klä­ger sei nicht in gu­tem Glau­ben ge­we­sen. Die Be­ru­fung des Klä­gers hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: II. … Dem Klä­ger steht als Ei­gen­tü­mer des streit­ge­gen­ständ­li­chen Wohn­mo­bils ein Her­aus­ga­be­an­spruch nach § 985 BGB zu. Die­ser er­streckt sich nach § 952 II BGB auch auf die Fahr­zeug­pa­pie­re (Pa­landt/Bas­sen­ge, BGB, 70. Aufl., § 952 Rn. 7).

Der Klä­ger hat nach §§ 929 Satz 1, 932 I 1, II BGB gut­gläu­big Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug er­langt. Be­sitz­rech­te der Be­klag­ten i. S. von § 986 I BGB im Ver­hält­nis zum Klä­ger sind we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich.

Ein Fall des Ab­han­den­kom­mens i. S. von § 935 I BGB liegt nicht vor, weil der Be­klag­ten die Sa­che nicht ab­han­den­ge­kom­men ist. Sie hat das Fahr­zeug viel­mehr frei­wil­lig zu Ver­mie­tungs­zwe­cken an ei­nen ver­meint­li­chen Kun­den ge­ge­ben, of­fen­bar oh­ne des­sen Iden­ti­tät hin­rei­chend zu über­prü­fen.

Die Be­klag­te konn­te den ihr nach § 932 I 1, II BGB ob­lie­gen­den Nach­weis, dass der Klä­ger beim Er­werb der Sa­che nicht im gu­ten Glau­ben war, nicht füh­ren.

Dass der Klä­ger po­si­ti­ve Kennt­nis vom feh­len­den Ei­gen­tum des Ver­äu­ße­rers hat­te, be­haup­tet auch die Be­klag­te nicht.

Grob fahr­läs­sig han­delt, wer die im Ver­kehr er­for­der­li­che Sorg­falt in be­son­ders schwe­rem Ma­ße ver­letzt, weil er das un­be­ach­tet lässt, was im kon­kre­ten Fall je­dem hät­te ein­leuch­ten müs­sen (st. Rspr.; vgl. BGH, Urt. v. 23.05.1966 – VI­II ZR 60/64, WM 1966, 678; Urt. v. 18.06.1980 – VI­II ZR 119/79, NJW 1980, 2245; Urt. v. 09.02.2005 – VI­II ZR 82/03, NJW 2005, 1365 [1366]). Beim Er­werb vom Nicht­be­rech­tig­ten ist dies re­gel­mä­ßig an­zu­neh­men, wenn der Er­wer­ber trotz Vor­lie­gens von Ver­dachts­grün­den, die Zwei­fel an der Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers we­cken müs­sen, sach­dien­li­che Nach­for­schun­gen nicht un­ter­nimmt. Wann ei­ne sol­che Nach­for­schungs­pflicht be­steht, ist ei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls. Für den Ge­braucht­wa­gen­han­del ist nach der Recht­spre­chung des BGH, der sich der Se­nat an­schließt, bei der Be­wer­tung der Um­stän­de, die für den Käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs ei­ne Nach­for­schungs­pflicht hin­sicht­lich der Ver­fü­gungs­be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers be­grün­den, ein stren­ger Maß­stab an­zu­le­gen (vgl. BGH, Urt. v. 01.07.1987 – VI­II ZR 331/86, NJW-RR 1987, 1456 [1457] m. w. Nachw.).

Auch un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­nes stren­gen Maß­stabs be­stand für den Klä­ger über die von ihm ein­ge­hol­ten In­for­ma­tio­nen hin­aus kei­ne wei­ter­ge­hen­de Nach­for­schungs­pflicht. Zwar ge­nügt es für die An­nah­me der Gut­gläu­big­keit noch nicht, dass sich der Klä­ger den – ge­fälsch­ten – Fahr­zeug­brief (Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil II) hat vor­le­gen las­sen. Die Über­prü­fung der Be­rech­ti­gung des Ver­äu­ße­rers an­hand die­ses Do­ku­ments ge­hört viel­mehr le­dig­lich zu den Min­dest­an­for­de­run­gen für ei­nen gut­gläu­bi­gen Er­werb ei­nes Ge­braucht­wa­gens (st. Rspr.; vgl. BGH, Urt. v. 13.09.2006 – VI­II ZR 184/05, NJW 2006, 3488 Rn. 17). Hier­von aus­ge­hend kön­nen sich aber wei­ter­ge­hen­de Nach­for­schungs­pflich­ten er­ge­ben, wenn be­son­de­re Um­stän­de den Ver­dacht des Er­wer­bers er­re­gen muss­ten (BGH, Urt. v. 09.10.1963 – VI­II ZR 210/62, WM 1963, 1186).

Der­ar­ti­ge un­be­rück­sich­tigt ge­blie­be­ne wei­ter­ge­hen­de Nach­for­schungs­pflich­ten be­stan­den hier nicht. Ins­be­son­de­re be­stan­den kei­ne be­son­de­ren Ver­dachts­mo­men­te, wie ein be­son­ders güns­ti­ger Kauf­preis, ei­ne ver­däch­ti­ge Ver­äu­ße­rungs­si­tua­ti­on oder ei­ne ver­keh­run­üb­li­che Ab­wick­lung des Ge­schäfts (vgl. MünchKomm-BGB/Oechs­ler, 5. Aufl., § 932 Rn. 48 ff.).

Der Klä­ger hat sich vom Ver­äu­ße­rer die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gun­gen Teil I und Teil II vor­le­gen las­sen. In die­sen Do­ku­men­ten war der Ver­äu­ße­rer als Be­rech­tig­ter ein­ge­tra­gen. Der Klä­ger muss­te auch kei­nes­wegs oh­ne Wei­te­res er­ken­nen, dass es sich bei die­sen Pa­pie­ren um Fäl­schun­gen han­del­te. Es lag kein Fall vor, in dem die Fäl­schung, zum Bei­spiel we­gen auf­fäl­li­ger Schreib­feh­ler oder un­rich­ti­ger tech­ni­scher Ein­tra­gun­gen, leicht durch­schau­bar ge­we­sen wä­re (vgl. BGH, Urt. v. 23.05.1966 – VI­II ZR 60/64, WM 1966, 678; MünchKomm-BGB/Oechs­ler, a. a. O., § 932 Rn. 56).

Bei den ge­fälsch­ten Pa­pie­ren han­del­te es sich um ori­gi­na­le Blan­ko­for­mu­la­re. Auch die vom Ver­äu­ße­rer oder sei­nen Kom­pli­zen vor­ge­nom­me­nen Ein­tra­gun­gen lie­ßen ei­ne Fäl­schung nicht pro­blem­los er­ken­nen. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Be­haup­tung der Be­klag­ten, bei der Po­li­zei sei im Nach­hin­ein fest­ge­stellt wor­den, dass das an­ge­brach­te fal­sche Sie­gel ver­wisch­bar sei. Zum ei­nen hat die Be­klag­te schon nicht dar­ge­tan, dass bei der Ver­äu­ße­rung des Fahr­zeugs der Sie­ge­l­ab­druck tat­säch­lich ver­wischt war und dies da­her für den Klä­ger er­kenn­bar war. Auch aus der vor­ge­leg­ten Ab­lich­tung der Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil I er­gibt sich nicht, dass der Sie­ge­l­ab­druck ver­wischt ist. Zum an­de­ren ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass es beim Klä­ger nicht um ei­nen ge­werbs­mä­ßi­gen Ge­braucht­wa­gen­händ­ler han­delt, der die­se Pa­pie­re häu­fig zu Ge­sicht be­kommt. Auch bei ei­nem ver­wisch­ten Sie­gel hät­te sich nicht auf­drän­gen müs­sen, dass es sich um ei­ne Fäl­schung ei­nes Ori­gi­nal­pa­piers han­delt. Auch der Um­stand, dass im Do­ku­ment als Aus­stel­ler der Land­rat des Land­krei­ses L. an­ge­ge­ben war, das Sie­gel aber die Freie und Han­se­stadt Ham­burg aus­wies, war für ei­nen durch­schnitt­lich auf­merk­sa­men Be­trach­ter nicht oh­ne Wei­te­res er­kenn­bar, da im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses für ei­nen Käu­fer die Ein­tra­gun­gen zu den tech­ni­schen De­tails ste­hen.

Der Klä­ger hat im Üb­ri­gen die Pa­pie­re dem bei der Über­ga­be an­we­sen­den Bru­der sei­nes ihn be­glei­ten­den Freun­des, bei dem es sich um ei­nen Rechts­an­walt und da­mit um ei­ne üb­li­cher­wei­se im Ge­schäfts­ver­kehr er­fah­re­ne Per­son han­delt, zur An­sicht ge­ge­ben. Auch wenn es sich bei die­sem Zeu­gen nicht um ei­nen Fach­mann für Kraft­fahr­zeug­pa­pie­re han­delt und er nach sei­ner Aus­sa­ge ei­nen eher ober­fläch­li­chen Blick auf die Pa­pie­re ge­wor­fen hat, er­gibt sich hier­aus doch, dass auch für un­be­tei­lig­te Drit­te die Fäl­schun­gen nicht oh­ne Wei­te­res als sol­che er­kenn­bar wa­ren.

Der Klä­ger hat­te fer­ner kei­ne Ver­an­las­sung, wei­te­re Nach­for­schun­gen hin­sicht­lich der Per­son des Ver­äu­ße­rers an­zu­stel­len.

Al­lein die Tat­sa­che, dass die­ser an der von ihm an­ge­ge­be­nen Fest­netz­num­mer nicht er­reich­bar war und dass sich an der an­ge­ge­be­nen Adres­se kein Klin­gel­schild mit sei­nem Na­men be­fand, wa­ren kei­ne Um­stän­de, die wei­te­re Nach­for­schun­gen er­for­dert hät­ten. Ne­ben der Fest­netz­num­mer war in der vom Ver­äu­ße­rer ge­schal­te­ten In­ter­net­an­zei­ge auch ei­ne Mo­bil­fun­k­num­mer ge­nannt. Häu­fig wer­den bei der­ar­ti­gen An­zei­gen nur noch Mo­bil­fun­k­num­mern an­ge­ge­ben.

Der Klä­ger hat­te sich mit dem Ver­äu­ße­rer zu den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen di­rekt am Wohn­mo­bil ver­ab­re­det. In­dem er an der vom Ver­äu­ße­rer an­ge­ge­be­nen Adres­se nach des­sen Na­men such­te, er­füll­te er be­reits ein hö­he­res Maß an Nach­for­schun­gen, als un­ter den ge­ge­be­nen Um­stän­den von ihm ge­for­dert wer­den muss­te. Zwar kann es den Er­wer­ber nicht ent­las­ten, wenn sich aus sol­chen über­ob­li­ga­to­ri­schen Nach­for­schun­gen ver­däch­ti­ge Um­stän­de er­ge­ben. Die­sen müss­te er dann ge­ge­be­nen­falls nach­ge­hen. So war die Si­tua­ti­on im vor­lie­gen­den Fall al­ler­dings nicht. Der Klä­ger hat viel­mehr den Ver­äu­ße­rer auf das Feh­len sei­nes Na­mens auf den Klin­gel­schil­dern an­ge­spro­chen. Die­ser hat den Um­stand nach­voll­zieh­bar da­mit er­klärt, dass er erst vor kur­zem zu­ge­zo­gen sei. Fer­ner hat sich der Klä­ger auch ein Aus­weis­pa­pier des Ver­äu­ße­rers zei­gen las­sen und die Num­mer no­tiert. Zwar hat sich im Nach­hin­ein her­aus­ge­stellt, dass es sich auch bei die­sem vor­läu­fi­gen Per­so­nal­aus­weis um ein ge­stoh­le­nes und ge­fälsch­tes Ori­gi­nal-Blan­ko­do­ku­ment han­del­te. Auch aus die­sen Um­stän­den er­ga­ben sich aber kei­ne Ver­dachts­mo­men­te, die sich dem Klä­ger auf­drän­gen muss­ten. Zum ei­nen ist we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich, dass die­ses Aus­weis­pa­pier oh­ne wei­te­re Fach­kennt­nis­se als Fäl­schung er­kenn­bar war. Zum an­de­ren ist nicht al­lein der Um­stand, dass ein vor­läu­fi­ger Per­so­nal­aus­weis vor­ge­wie­sen wur­de, be­reits ge­eig­net, Ver­dacht zu er­re­gen, da es sich auch hier­bei um ein amt­li­ches Aus­weis­pa­pier han­delt. Ei­ne Nach­fra­ge, wes­halb der Ver­käu­fer nur über ei­nen vor­läu­fi­gen Per­so­nal­aus­weis ver­füg­te, war nicht ver­an­lasst.

Dem Klä­ger ist es bei die­ser Sach­la­ge nicht zum Vor­wurf zu ma­chen, dass er auf die Aus­sa­ge des Ver­äu­ße­rers, erst zu­ge­zo­gen zu sein, ver­traut hat und nicht er­kannt hat, dass sich aus den Ein­tra­gun­gen in den Kraft­fahr­zeug­pa­pie­ren er­gab, dass er … an­geb­lich be­reits cir­ca zwei Jah­re an der an­ge­ge­be­nen Adres­se wohn­te.

Die Tat­sa­che, dass der Ver­äu­ße­rer den Klä­ger nicht in der Woh­nung emp­fan­gen hat, son­dern das Ge­schäft im Wohn­mo­bil selbst ab­ge­schlos­sen wur­de, stellt kei­nen auf­fäl­li­gen Um­stand dar. Zum ei­nen ist die Be­sich­ti­gung des zu er­wer­ben­den Fahr­zeugs durch den Käu­fer der Nor­mal­fall. Zum an­de­ren bie­tet ein Wohn­mo­bil, eben­so wie ei­ne Woh­nung, die Mög­lich­keit, sich aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­zu­zie­hen und un­ge­stört die Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen zu füh­ren.

Den Klä­ger traf fer­ner nicht die Pflicht, die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zu über­prü­fen. Ei­ne sol­che Ob­lie­gen­heit hat je­den­falls ein pri­va­ter Au­to­käu­fer nicht. In­so­weit kommt es schon des­halb nicht dar­auf an, dass die Fahr­zeug-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer im Mo­tor­raum eben­falls ge­fälscht war. Die um­fang­rei­chen Fäl­schun­gen zei­gen al­ler­dings, dass es der Klä­ger mit sehr pro­fes­sio­nell und ge­schickt vor­ge­hen­den Straf­tä­tern zu tun hat­te.

So­weit der Klä­ger bei sei­ner An­hö­rung in ers­ter In­stanz selbst an­ge­ge­ben hat, dass der Ver­äu­ße­rer zu tech­ni­schen Vor­rich­tun­gen des Fahr­zeugs kei­ne An­ga­ben ma­chen konn­te, ist die­ser Um­stand nicht ge­eig­net, ei­ne wei­ter­ge­hen­de Nach­for­schungs­pflicht des Klä­gers zu be­grün­den. Zum ei­nen hat der Ver­äu­ße­rer sei­ne feh­len­de Kennt­nis nach­voll­zieh­bar da­mit er­klärt, dass sei­ne Ehe­frau das Fahr­zeug im We­sent­li­chen be­nutzt ha­be. Zum an­de­ren hat er of­fen­bar in ei­nem Te­le­fo­nat – an­geb­lich mit sei­ner Ehe­frau – die er­be­te­nen In­for­ma­tio­nen er­holt. Fer­ner ist nicht dar­ge­tan, dass es sich um der­art grund­le­gen­de Punk­te han­del­te, dass sie je­dem, auch ei­nem tech­nisch nicht in­ter­es­sier­ten Ei­gen­tü­mer des Fahr­zeugs, ge­läu­fig sein müss­ten.

Der Um­stand, dass das Scheck­heft für das Fahr­zeug noch fehl­te, wur­de zum ei­nen vom Ver­äu­ße­rer nach­voll­zieh­bar da­mit er­klärt, dass sich die­ses noch in der Werk­statt be­fin­de, in der das Wohn­mo­bil kurz zu­vor zum Ser­vice ge­we­sen sei. Zum an­de­ren hat­te der Ver­äu­ße­rer zu­ge­sagt, das Scheck­heft nach­zu­lie­fern, so­dass der Klä­ger aus dem Feh­len kei­nen Ver­dacht schöp­fen muss­te.

Der feh­len­de zwei­te Schlüs­sel­satz stellt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts eben­falls kei­nen Ver­dacht er­re­gen­den Um­stand dar. Es kann in­so­weit of­fen­blei­ben, ob das Feh­len ei­nes zwei­ten Schlüs­sel­sat­zes ge­ne­rell ge­eig­net ist, Ver­dacht aus­zu­lö­sen. Dies er­scheint je­den­falls denk­bar. Hier hat­te der Ver­äu­ße­rer aber nicht an­ge­ge­ben, über ei­nen zwei­ten Schlüs­sel­satz gar nicht zu ver­fü­gen, son­dern viel­mehr dem Er­wer­ber die Her­aus­ga­be des zwei­ten Schlüs­sel­sat­zes ver­spro­chen. Erst nach der Über­ga­be des Fahr­zeugs, al­so zu ei­nem Zeit­punkt, als der gut­gläu­bi­ge Er­werb be­reits ab­ge­schlos­sen war, muss­te der Klä­ger er­ken­nen, dass der Ver­äu­ße­rer die­sem Ver­spre­chen nicht nach­kam. Erst zu die­sem Zeit­punkt, als der Ver­äu­ße­rer trotz sei­nes Ver­spre­chens nicht zu­rück­kam und auch nicht mehr er­reich­bar war, konn­te der Klä­ger er­ken­nen, mög­li­cher­wei­se Op­fer ei­nes Straf­tä­ters ge­wor­den zu sein.

Aus der Aus­sa­ge des Zeu­gen B er­gibt sich nicht, dass der Klä­ger beim Er­werb des Fahr­zeugs be­reits den Ver­dacht heg­te, mit dem Ge­schäft kön­ne ir­gend­was nicht stim­men. Der Klä­ger hat nach der Er­in­ne­rung des Zeu­gen in dem Te­le­fo­nat nicht be­stimm­te Ver­dachts­mo­men­te beim Er­werb ge­schil­dert, son­dern nur die Be­fürch­tung ge­äu­ßert, dass er das Geld nicht mehr hät­te mit­neh­men kön­nen, wenn es nicht zum Kauf­ver­trag ge­kom­men wä­re. Das vom Zeu­gen wie­der­ge­ge­be­ne Te­le­fo­nat fand erst zu ei­nem Zeit­punkt statt, als der Klä­ger be­reits wuss­te, dass er es mit ei­nem Straf­tä­ter zu tun ge­habt hat­te. Schon aus der Aus­sa­ge des Zeu­gen B folgt nicht, dass der Klä­ger bei Ab­schluss des Ge­schäfts ver­däch­ti­ge Um­stän­de be­merkt hat, son­dern le­dig­lich, dass er nach­träg­lich ei­ne ent­spre­chen­de Ein­ord­nung vor­nahm.

Dies wird durch die An­ga­ben des Klä­gers bei sei­ner An­hö­rung durch den Se­nat zu dem Te­le­fo­nat mit dem Zeu­gen B und auch durch die Aus­sa­ge des Zeu­gen Z ge­stützt. Die­ser hat an­ge­ge­ben, dass der Klä­ger das Geld zu­nächst gar nicht bei sich hat­te, son­dern es dem Bru­der des Zeu­gen Z zur Auf­be­wah­rung ge­ge­ben hat­te. Er muss­te da­her gar nicht be­fürch­ten, dass ihm das Geld mög­li­cher­wei­se ge­raubt wer­den könn­te.

Der Zeu­ge Z hat im Üb­ri­gen be­stä­tigt, dass auf­grund der äu­ße­ren Um­stän­de des Ge­schäfts kei­ner­lei Ver­dachts­mo­men­te ge­ge­ben wa­ren. Der Zeu­ge, der selbst in Ham­burg wohnt, sag­te aus, dass das Ge­schäft in ei­nem nor­ma­len Wohn­ge­biet in er­wei­ter­ter Zen­trums­la­ge Ham­burgs ab­ge­wi­ckelt wur­de. Au­ßer ihm, sei­nem Bru­der, dem Ver­käu­fer und dem Klä­ger sei­en auch kei­ne wei­te­ren Per­so­nen an­we­send ge­we­sen. Die Si­tua­ti­on stell­te sich nach sei­ner An­ga­be für ihn nicht als auf­fäl­lig dar.

Der Se­nat hält bei­de Zeu­gen für glaub­wür­dig und ih­re Aus­sa­gen für glaub­haft. Der Zeu­ge B steht der Be­klag­ten als ihr Ge­ne­ral­ma­na­ger zwar na­he; es war aber nicht er­kenn­bar, dass der Zeu­ge sei­ne Aus­sa­ge an de­ren In­ter­es­se am Pro­zess­aus­gang aus­rich­te­te. Dies gilt eben­so für den Zeu­gen Z, dem je­des per­sön­li­che In­ter­es­se am Pro­zess­aus­gang fehlt, da er le­dig­lich zu­fäl­lig als Be­glei­ter sei­nes Bru­ders bei dem Ge­schäft an­we­send war.

Auch ei­ne Ge­samt­wür­di­gung al­ler Um­stän­de er­gibt da­her kei­ne Ver­dachts­mo­men­te, die wei­te­re Nach­for­schun­gen des Klä­gers er­for­der­lich ge­macht hät­ten. …

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