1. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens kann ge­gen die – am Kauf­ver­trag nicht be­tei­lig­te – Fahr­zeug­her­stel­le­rin, die Volks­wa­gen AG, ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz we­gen sit­ten­wid­ri­ger vor­sätz­li­cher Schä­di­gung ha­ben (§ 826 BGB i. V. mit § 31 BGB). Die­ser An­spruch knüpft dar­an an, dass die Volks­wa­gen AG Fahr­zeu­ge in den Ver­kehr ge­bracht hat, in de­nen ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. von Art. 3 Nr. 10, 5 II 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 zum Ein­satz kommt, zu­gleich aber still­schwei­gend er­klärt hat, die­se Fahr­zeu­ge ent­sprä­chen den für sie gel­ten­den Vor­schrif­ten. Schon die­se be­wuss­te Täu­schung recht­fer­tigt den Vor­wurf der Sit­ten­wid­rig­keit.
  2. Die Haf­tung der Volks­wa­gen AG aus § 826 BGB i. V. mit § 31 BGB setzt zwar vor­aus, dass ei­ner ih­rer ver­fas­sungs­mä­ßig be­ru­fe­nen Ver­tre­ter i. S. des § 31 BGB den ob­jek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­be­stand des § 826 BGB ver­wirk­licht hat. Da­von kann in­des aus­zu­ge­hen sein, wenn die Volks­wa­gen AG ih­rer se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last nicht ge­nügt und ins­be­son­de­re nicht dar­legt, wie es oh­ne Wis­sen und Wol­len ih­res Vor­stands da­zu kom­men konn­te, dass in Mil­lio­nen von Fahr­zeu­gen ei­ne Soft­ware in­stal­liert wur­de, die den Schad­stoff­aus­stoß (nur) wäh­rend ei­nes Emis­si­ons­tests re­du­ziert.
  3. Die Volks­wa­gen AG darf sich da­zu, ob Vor­stands­mit­glie­der Kennt­nis vom Ein­satz der Soft­ware hat­ten und die­sen ge­bil­ligt ha­ben, nicht un­ter Hin­weis dar­auf i. S. des § 138 IV ZPO mit Nicht­wis­sen er­klä­ren, dass ih­re in­ter­nen Er­mitt­lun­gen noch nicht ab­ge­schlos­sen sei­en. An­dern­falls könn­te sie der­zeit ei­ner Haf­tung aus § 826 BGB i. V. mit § 31 BGB ent­ge­hen, ob­wohl sie nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag im Rah­men ih­rer Er­mitt­lun­gen zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen könn­te, dass die Soft­ware mit Wis­sen und Wol­len von Vor­stands­mit­glie­dern ein­ge­setzt wur­de.

LG Of­fen­burg, Ur­teil vom 12.05.2017 – 6 O 119/16

Sach­ver­halt: Der Klä­ger macht ge­gen die be­klag­te Volks­wa­gen AG Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im Zu­sam­men­hang mit dem VW-Ab­gas­skan­dal gel­tend.

Er er­warb am 26.03.2009 von der Au­to­haus G-GmbH ei­nen von der Be­klag­ten her­ge­stell­ten Neu­wa­gen VW Golf VI 2.0 TDI (81 kW) in der Aus­stat­tungs­va­ri­an­te „Trend­li­ne“. Der Kauf­preis für das Fahr­zeug, das mit ei­nem Die­sel­mo­tor des Typs EA189 aus­ge­stat­tet ist, be­trug 20.010 €.

Ge­mäß Art. 4 I der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 muss die Be­klag­te als Kfz-Her­stel­le­rin nach­wei­sen, dass die von ihr her­ge­stell­ten Neu­fahr­zeu­ge über ei­ne Typ­ge­neh­mi­gung ge­mäß der Ver­ord­nung ver­fü­gen. Ei­ne sol­che Typ­ge­neh­mi­gung setzt vor­aus, dass die in der Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Ab­gas­grenz­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den. Die Wer­te wer­den ge­mäß der zu­ge­hö­ri­gen Durch­füh­rungs­ver­ord­nung un­ter La­bor­be­din­gun­gen in dem so­ge­nann­ten „Neu­en Eu­ro­päi­schen Fahr­zy­klus“ (NEFZ) er­mit­telt.

In dem Fahr­zeug, das der Klä­ger er­wor­ben hat, ist ei­ne Soft­ware in­stal­liert, die er­kennt, ob der Pkw die­sen Fahr­zy­klus durch­fährt, und in die­sem Fall das Ab­gas­rück­füh­rungs­sys­tem in den „Mo­dus 1“ schal­tet. In die­sem Mo­dus ist die Ab­gas­rück­füh­rungs­ra­te hö­her und des­halb der Schad­stoff­aus­stoß nied­ri­ger als im „Mo­dus 0“, der beim nor­ma­len Be­trieb des Fahr­zeugs ak­tiv ist.

Das Kraft­fahrt-Bun­des­amt ver­pflich­te­te die Be­klag­te mit Be­scheid vom 14.10.2015, die in Re­de ste­hen­de Soft­ware – ei­ne aus Sicht des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­vor­rich­tung – aus al­len vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen zu ent­fer­nen und nach­zu­wei­sen, dass die Fahr­zeu­ge an­schlie­ßend die ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen er­fül­len. Vor die­sem Hin­ter­grund bie­tet die Be­klag­te dem Klä­ger ein kos­ten­lo­ses Soft­ware­up­date für sein Fahr­zeug an, das aus ih­rer Sicht den An­for­de­run­gen des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes ge­nügt.

Der Klä­ger be­haup­tet, ihm sei es um den Er­werb ei­nes um­welt­freund­li­chen Fahr­zeugs ge­gan­gen. Die Soft­ware, die den Schad­stoff­aus­stoß der vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge wäh­rend ei­nes Emis­si­ons­tests re­du­zie­re, sei mit Wis­sen und Wol­len des Vor­stands der Be­klag­ten in den Fahr­zeu­gen in­stal­liert wor­den. Sein – des Klä­gers – Fahr­zeug sei im der­zei­ti­gen Zu­stand nicht ge­neh­mi­gungs­fä­hig und kön­ne je­der­zeit still­ge­legt wer­den. Das von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­ne Soft­ware­up­date füh­re zu zahl­rei­chen Fol­ge­pro­ble­men. Der Klä­ger meint, ihm ste­he des­halb ein An­spruch auf Scha­dens­er­satz ge­gen die Be­klag­te zu, und will de­ren Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz fest­ge­stellt ha­ben (An­trag zu 1). Au­ßer­dem be­gehrt der Klä­ger den Er­satz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten (An­trag zu 2).

Die Kla­ge hat­te über­wie­gend Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Die Kla­ge ist zu­läs­sig.

1. Das LG Of­fen­burg ist ge­mäß § 32 ZPO ört­lich zu­stän­dig. Der Prü­fung ist in­so­weit der klä­ge­ri­sche Sach­vor­trag zu­grun­de zu le­gen (vgl. BGH, Beschl. v. 25.03.2014 – VI ZR 271/13, ju­ris Rn. 10). Der Klä­ger hat un­ter an­de­rem ei­nen An­spruch aus § 826 BGB schlüs­sig vor­ge­tra­gen (da­zu un­ten). Da bei § 826 BGB der Ein­tritt ei­nes Scha­dens zum Tat­be­stand ge­hört, nicht le­dig­lich zur Recht­fol­gen­sei­te, ist auch der Ort des Scha­den­s­ein­tritts Be­ge­hungs­ort i. S. des § 32 BGB (Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, 24. Edi­ti­on, § 32 Rn. 13 m. w. Nachw.). Ort des Scha­den­s­ein­tritts ist der Wohn­ort des Klä­gers als Ge­schä­dig­tem (vgl. Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, a. a. O., § 32 Rn. 12.1), wel­cher sich im Mo­ment des Ver­trags­schlus­ses im hie­si­gen Be­zirk be­fand.

2. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist ge­mäß § 256 I ZPO zu­läs­sig. Be­steht der Scha­den im Rah­men des § 826 BGB in der sit­ten­wid­ri­gen Her­bei­füh­rung ei­nes Ver­tra­ges, kann der Ge­schä­dig­te grund­sätz­lich den Er­satz des ne­ga­ti­ven In­ter­es­ses ver­lan­gen. Er ist je­doch nicht ge­zwun­gen, dies stets im We­ge der Rück­ab­wick­lung um­zu­set­zen, al­so im vor­lie­gen­den Fall Er­satz des Kauf­prei­ses ge­gen Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs zu for­dern. Je nach den Um­stän­den des Ein­zel­falls kann er viel­mehr den Ver­trag auch be­ste­hen las­sen und Er­satz der durch die un­er­laub­te Hand­lung ent­stan­de­nen Nach­tei­le ver­lan­gen (vgl. Pa­landt/Sprau, BGB, 76. Aufl., § 826 Rn. 15 und Einf. v. § 823 Rn. 24; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 76. Aufl., Vorb. v. § 249 Rn. 17; je­weils m. w. Nachw.; BGH, Urt. v. 28.10.2014 – VI ZR 15/14, ju­ris Rn. 28).

Der Klä­ger hat vor­ge­tra­gen, dass er sich auf­grund der un­kla­ren Sach­la­ge, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Aus­wir­kun­gen der von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­nen Nach­rüs­tung, der­zeit noch nicht für ei­ne be­stimm­te Form der Scha­dens­ab­wick­lung ent­schei­den kön­ne. Da über die tech­ni­schen Aus­wir­kun­gen der Nach­rüs­tung und die Fol­gen für die Wert­hal­tig­keit der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge auch un­ter Fach­leu­ten un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen be­ste­hen und die Be­klag­te jeg­li­che Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung ab­lehnt, hat der Klä­ger zur Ver­mei­dung des Ver­jäh­rungs­ein­tritts ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die Er­satz­pflicht der Be­klag­ten fest­stel­len zu las­sen. Ein Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge be­steht bei die­ser Sach­la­ge nicht. Auch die bei ei­ner Kla­ge auf Fest­stel­lung der Er­satz­pflicht von Ver­mö­gens­schä­den er­for­der­li­che hin­rei­chen­de Scha­dens­wahr­schein­lich­keit (BGH, Beschl. v. 04.03.2015 – IV ZR 36/14, ju­ris Rn. 15) liegt vor. Ein Scha­den des Klä­gers kann be­reits zum jet­zi­gen Zeit­punkt si­cher fest­ge­stellt wer­den (da­zu un­ten).

II. Die Kla­ge ist hin­sicht­lich des An­trags 1 be­grün­det, An­trag 2 war hin­ge­gen ab­zu­wei­sen.

1. Der Klä­ger hat ge­gen die Be­klag­te ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch aus §§ 826, 31 BGB auf Er­satz der durch die Ma­ni­pu­la­ti­on des Klä­ger­fahr­zeugs ent­stan­de­nen und noch ent­ste­hen­den Schä­den.

a) Aus pro­zes­sua­len Grün­den ist der Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen, dass der Ein­bau der Soft­ware mit Wis­sen und Wol­len des sei­ner­zei­ti­gen Vor­stands der Be­klag­ten er­folg­te und so­mit der Be­klag­ten ge­mäß § 31 BGB ana­log zu­re­chen­bar ist.

aa) Der Klä­ger hat ei­ne sol­che Kennt­nis hin­rei­chend sub­stan­zi­iert be­haup­tet. Er hat kei­nen Ein­blick in die in­ne­ren Ab­läu­fe der Be­klag­ten und kann des­we­gen da­zu nicht im Ein­zel­nen vor­tra­gen. Prü­fungs­maß­stab ist da­mit le­dig­lich, ob sein Vor­trag oh­ne greif­ba­re An­halts­punk­te ins Blaue hin­ein er­folgt (vgl. Zöl­ler/Gre­ger, ZPO, 31. Aufl., vor § 284 Rn. 34). Dies ist zu ver­nei­nen, da es na­he­lie­gend ist, dass der mil­lio­nen­fa­che Ein­bau der Soft­ware nicht oh­ne Wis­sen des Vor­stands er­fol­gen konn­te (vgl. er­gän­zend LG Kle­ve, Urt. v. 31.03.2017 – 3 O 252/16, ju­ris Rn. 89; LG Hil­des­heim, Urt. v. 17.01.2017 – 3 O 139/16, ju­ris Rn. 38 f.).

bb) Die klä­ge­ri­sche Be­haup­tung hat die Be­klag­te nicht wirk­sam be­strit­ten.

(1) Da es wie aus­ge­führt um Um­stän­de geht, wel­che die in­ter­ne Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­klag­ten be­tref­fen und in wel­che der Klä­ger kei­nen Ein­blick hat, konn­te sich die Be­klag­te nicht mit ei­nem ein­fa­chen Be­strei­ten be­gnü­gen. Sie muss­te sich viel­mehr ge­mäß §§ 138 II, IV ZPO im Rah­men ih­rer se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last (vgl. Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 13. Aufl., Rn. 1898d; a. A. Kehr­ber­ger/Rog­genk­em­per, EWiR 2017, 175 [176]) im Ein­zel­nen zu der klä­ge­ri­schen Be­haup­tung er­klä­ren, wor­auf das Ge­richt hin­ge­wie­sen hat. Die Be­klag­te hat­te al­so dar­zu­le­gen, wie es zu ei­nem Ein­bau der Soft­ware oh­ne Kennt­nis des Vor­stands ge­kom­men ist.

(2) Die­ser Ver­pflich­tung ist die Be­klag­te auch mit nach­ge­las­se­nem Schrift­satz nicht nach­ge­kom­men.

(a) Sie lässt im We­sent­li­chen vor­tra­gen, dass ihr nach dem der­zei­ti­gen Stand ih­rer in­ter­nen Un­ter­su­chun­gen kei­ne Er­kennt­nis­se da­zu vor­lä­gen, dass Vor­stands­mit­glie­der den Ein­bau der Soft­ware ge­bil­ligt hät­ten. Sie be­strei­te des­we­gen ei­ne ent­spre­chen­de Kennt­nis. Ih­re der­zei­ti­gen Er­kennt­nis­se sei­en nur vor­läu­fig und die Er­mitt­lun­gen sei­en noch nicht ab­ge­schlos­sen. Sie kom­me in­so­weit ih­rer Pflicht zur sorg­fäl­ti­gen Prü­fung nach, in­dem sie vor Ab­schluss der Er­mitt­lun­gen kei­ne Mut­ma­ßun­gen und Spe­ku­la­tio­nen an­stel­le.

(b) Die­se Aus­füh­run­gen stel­len kein wirk­sa­mes Be­strei­ten dar. Die Be­klag­te ist im Er­geb­nis der Auf­fas­sung, sie kön­ne Vor­gän­ge aus ih­rem Ver­ant­wor­tungs- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich bis zur end­gül­ti­gen Auf­klä­rung mit Nicht­wis­sen be­strei­ten. Dies lie­fe dar­auf hin­aus, dass sie der­zeit ei­ne Kla­ge­ab­wei­sung er­rei­chen könn­te, ob­wohl es nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag mög­lich ist, dass sie zu dem Er­geb­nis ge­lan­gen wird, dass die klä­ge­ri­sche Be­haup­tung zu­tref­fend ist. Zu­dem er­läu­tert die Be­klag­te auch nicht, wor­aus sich im Ein­zel­nen ih­re Ein­schät­zung er­gibt, die bis­he­ri­gen Un­ter­su­chun­gen hät­ten kei­ne An­halts­punk­te für ei­ne Kennt­nis des Vor­stands er­ge­ben. Dies lässt sich we­der mit § 138 IV ZPO noch mit der die Be­klag­te tref­fen­den se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last ver­ein­ba­ren. Viel­mehr ist es pro­zes­su­al so, dass der Be­klag­ten zwar – wie ge­sche­hen – ein ge­wis­ser Zeit­raum für Er­kun­di­gun­gen ein­zu­räu­men ist, dass sie sich je­doch nach Ab­lauf der ge­setz­ten Frist so­dann ab­schlie­ßend und ent­spre­chend ih­rer se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last zu er­klä­ren hat. Da die Be­klag­te dem nicht nach­kom­men kann oder will, ist der klä­ge­ri­sche Vor­trag ge­mäß § 138 III ZPO als zu­ge­stan­den zu be­han­deln (vgl. Ins­ge­samt LG Kle­ve, Urt. v. 31.03.2017 – 3 O 252/16, ju­ris Rn. 84 ff.; LG Hil­des­heim, Urt. v. 17.01.2017 – 3 O 139/16, ju­ris Rn. 39).

b) Der Klä­ger hat durch den Er­werb des Fahr­zeugs ei­nen Scha­den er­lit­ten.

aa) § 826 BGB stellt hin­sicht­lich des Scha­dens nicht auf die Ver­let­zung be­stimm­ter Rech­te oder Rechts­gü­ter ab: Scha­den ist da­nach nicht nur je­de nach­tei­li­ge Ein­wir­kung auf die Ver­mö­gens­la­ge, son­dern dar­über hin­aus je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses (BGH, Urt. v. 19.07.2004 – II ZR 402/02, BGHZ 160, 149 = ju­ris Rn. 41). Es ge­nügt je­de Scha­dens­zu­fü­gung im wei­tes­ten Sin­ne, al­so je­de nach­tei­li­ge Ein­wir­kung auf die Ver­mö­gens­la­ge in ih­rer Ge­samt­heit (RGZ 79, 55 [58]; Be­ckOK-BGB/Förs­ter, 42. Edi­ti­on, § 826 Rn. 25). Nach dem sub­jekt­be­zo­ge­nen Scha­dens­be­griff stellt auch der Ab­schluss ei­nes Ge­schäfts, wel­ches nicht den Zie­len des Ge­schä­dig­ten ent­spricht, ei­nen Scha­den im Rah­men des § 826 BGB dar, oh­ne dass es dar­auf an­kä­me, ob die er­hal­te­ne Leis­tung wirt­schaft­lich be­trach­tet hin­ter der Ge­gen­leis­tung zu­rück­bleibt (vgl. BGH, Urt. v. 19.07.2004 – II ZR 402/02, BGHZ 160, 149 = ju­ris Rn. 41; Urt. v. 28.10.2014 – VI ZR 15/14, ju­ris Rn. 17 ff.; Urt. v. 03.12.2013 – XI ZR 295/12, ju­ris Rn. 27; Har­ke, VuR 2017, 83 [90]).

bb) Der Klä­ger hat ein Fahr­zeug er­wor­ben, wel­ches nicht sei­nen Vor­stel­lun­gen ent­sprach, und da­durch ei­nen Scha­den er­lit­ten.

(1) Die von der Be­klag­ten ver­bau­te Soft­ware ist rechts­wid­rig, da es sich um ei­ne ver­bo­te­ne Ab­schalt­vor­rich­tung ge­mäß Art. 3 Nr. 10, Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 han­delt. Das in­so­weit von der Be­klag­ten an­ge­führ­ten Ge­gen­ar­gu­ment, es lie­ge kei­ne Ab­schalt­vor­rich­tung vor, da das Ab­gas­rück­füh­rungs­sys­tem nicht zu dem in der Ver­ord­nung ge­nann­ten Emis­si­ons­kon­troll­sys­tem ge­hö­re, greift nicht durch. Auch eu­ro­päi­sches Recht ist nicht spitz­fin­dig, son­dern nach Sinn und Zweck aus­zu­le­gen. Zu­dem ist selbst bei spitz­fin­di­ger Be­trach­tung nicht er­kenn­bar, war­um der ge­setz­lich nicht de­fi­nier­te Be­griff des Emis­si­ons­kon­troll­sys­tems nur die Ab­gas­nach­be­hand­lung, nicht je­doch die Ab­gas­rück­füh­rung um­fas­sen soll­te, wie es die Be­klag­te an­nimmt. Da die Aus­le­gung in­so­weit zu ei­nem ein­deu­ti­gen Er­geb­nis führt, ist ei­ne Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ro­päi­schen Uni­on ge­mäß der ac­te-clair-Dok­trin nicht er­for­der­lich (vgl. BGH, Beschl. v. 24.04.2014 – VII ZB 28/13, BGHZ 201, 22 Rn. 35 m. w. Nachw.).

(2) Die ver­bo­te­ne Ab­schalt­vor­rich­tung führt zu er­heb­li­chen Nach­tei­len für den Kun­den.

(a) Zum ei­nen ent­spre­chen die Ab­gas­wer­te nicht je­nen, die er auf­grund der Fahr­zeug­be­schrei­bung und der ge­setz­li­chen Grenz­wer­te er­war­ten durf­te. Zwar geht der Kun­de in­so­weit da­von aus, dass die be­kann­ter­ma­ßen un­ter La­bor­be­din­gun­gen er­mit­tel­ten Wer­te im All­tags­be­trieb re­gel­mä­ßig nicht er­reicht wer­den kön­nen. Er er­war­tet je­doch nicht, dass die­se nor­ma­le Ab­wei­chung durch den Ein­satz ei­ner ver­bo­te­nen Soft­ware er­heb­lich ver­grö­ßert wird.

(b) Zum an­de­ren be­steht für den Kun­den das recht­li­che Ri­si­ko, dass die zu­stän­di­gen Be­hör­den auf­grund des Ein­sat­zes ei­ner ver­bo­te­nen Ab­schalt­vor­rich­tung ge­gen den Be­trieb des Fahr­zeugs vor­ge­hen könn­ten. Die­se Sor­ge teilt of­fen­bar auch die Be­klag­te, da sie Kun­den mit­teilt, dass den be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen die Still­le­gung dro­he, wenn die Nach­rüs­tung nicht durch­ge­führt wer­de.

(3) Dem­entspre­chend geht auch die na­he­zu ein­hel­li­ge Auf­fas­sung in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur zu­tref­fend da­von aus, dass die Ver­wen­dung der Ab­schalt­soft­ware durch die Be­klag­te zur kauf­recht­li­chen Man­gel­haf­tig­keit der be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge führt (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 627 m. w. Nachw.; OLG Mün­chen, Beschl. v. 23.03.2017 – 3 U 4316/16, ju­ris Rn. 13).

(4) Auf­grund der vor­ge­nann­ten Nach­tei­le ent­sprach das Fahr­zeug nicht den Vor­stel­lun­gen des Klä­gers, so­dass die­ser ge­schä­digt wur­de.

(a) Es ist be­reits nach der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung da­von aus­zu­ge­hen, dass ein Neu­wa­gen­käu­fer still­schwei­gend da­von aus­geht, dass das er­wor­be­ne Fahr­zeug man­gel­frei ist, den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ge­nügt und oh­ne Ein­schrän­kun­gen am öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr teil­neh­men darf, und dass die­se Vor­stel­lun­gen für sei­nen Kauf­ent­schluss von Be­deu­tung sind (vgl. BGH, Urt. v. 12.05.1995 – V ZR 34/94, ju­ris Rn. 17; Har­ke, VuR 2017, 83 [90]). So­weit die­se Vor­stel­lung falsch ist, da die in der Typ­ge­neh­mi­gung aus­ge­wie­se­nen und ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Wer­te nur durch Ein­satz ei­ner ver­bo­te­nen Ab­schalt­vor­rich­tung er­reicht wur­den, liegt da­mit mit dem Er­werb des Fahr­zeugs ein Scha­den vor.

(b) Zu­dem hat das Ge­richt auch auf­grund der glaub­haf­ten Schil­de­rung des Klä­gers in der münd­li­chen Ver­hand­lung, wel­che von der Be­klag­ten nur mit Nicht­wis­sen be­strit­ten wird, die Über­zeu­gung ge­won­nen, dass es dem Klä­ger bei sei­ner Kauf­ent­schei­dung ge­ra­de auch um die Ab­gas­wer­te ging und dass er sich zum Kauf des Fahr­zeugs we­gen des­sen ver­meint­lich gu­ter Wer­te ent­schie­den hat. Das Ge­richt ver­kennt nicht, dass in­so­weit ei­ne nach­träg­li­che Schö­nung der Kauf­mo­ti­va­ti­on durch den Klä­ger auf­grund des nun lau­fen­den Ge­richts­ver­fah­rens nicht fern­liegt. Die klä­ge­ri­sche Schil­de­rung wirk­te den­noch un­ein­ge­schränkt glaub­haft, und sie war auch mit ob­jek­tiv nach­prüf­ba­ren Um­stän­den ver­knüpft, näm­lich dem in die­sem Zu­sam­men­hang ge­schil­der­ten Ge­spräch mit dem Ver­käu­fer und den zum da­ma­li­gen Zeit­punkt öf­fent­lich ver­füg­ba­ren An­ga­ben zu den Schad­stoff­wer­ten des er­wor­be­nen Fahr­zeugs und von Kon­kur­renz­mo­del­len. Da die per­sön­li­che An­hö­rung in­so­weit zur Über­zeu­gungs­bil­dung be­reits aus­reich­te und es sich oh­ne­hin nur um ei­ne Hilfs­er­wä­gung han­delt, hat das Ge­richt von ei­ner Par­tei­ver­neh­mung ge­mäß § 448 ZPO ab­ge­se­hen.

(5) Die­ses Er­geb­nis ist ent­ge­gen ei­ner ver­brei­te­ten Auf­fas­sung (LG Köln, Urt. v. 07.10.2016 – 7 O 138/16, ju­ris Rn. 17 f.; LG Ell­wan­gen, Urt. v. 10.06.2016 – 5 O 385/15, ju­ris Rn. 23; Kehr­ber­ger/Rog­genk­em­per, EWiR 2017, 175 [176]) auch nicht un­ter Schutz­zweck­ge­sichts­punk­ten zu kor­ri­gie­ren.

(a) Zu­tref­fend ist al­ler­dings der Aus­gangs­punkt, dass der­ar­ti­ge Über­le­gun­gen auch im Rah­men von § 826 BGB von Be­deu­tung sein kön­nen (BGH, Urt. v. 11.11.1985 – II ZR 109/84, BGHZ 96, 231 = ju­ris Rn. 15).

(b) Es kommt je­doch in­so­weit nicht al­lein auf die Fra­ge an, wel­chem Zweck die Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 dient. Die­se Auf­fas­sung lie­fe dar­auf hin­aus, dass der Fahr­zeug­her­stel­ler fol­gen­los arg­lis­tig über die Ein­hal­tung sämt­li­cher ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten täu­schen könn­te, wel­che nicht dem Schutz des Fahr­zeu­ger­wer­bers die­nen. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 826 BGB folgt je­doch – an­ders als ein mög­li­cher An­spruch aus § 823 II BGB – nicht un­mit­tel­bar aus dem Ver­stoß ge­gen die Ver­ord­nung, son­dern aus der arg­lis­ti­gen Täu­schung über de­ren Ein­hal­tung bzw. aus dem In­ver­kehr­brin­gen ei­nes ge­set­zes­wid­ri­gen Fahr­zeugs (vgl. S. 8 f. des Gut­ach­tens der Wis­sen­schaft­li­chen Diens­te des Bun­des­tags vom 15.10.2015, WD 7 – 3000 – 184/15). Die­se Ver­stö­ße sind für den Rechts­kreis des Kun­den er­sicht­lich von Be­deu­tung:

(aa) Zum ei­nen ist es so, dass vie­le Kun­den be­reit sind, für ein Pro­dukt mehr Geld aus­zu­ge­ben, um da­mit zum Schutz der Um­welt bei­zu­tra­gen. Bei dem Merk­mal der Um­welt­freund­lich­keit han­delt es sich so­mit um ein ob­jek­ti­ves Qua­li­täts­merk­mal, wel­ches auch den Rechts­kreis des Kun­den be­rührt. Dem­ge­mäß wer­ben auch vie­le Fahr­zeug­her­stel­ler – auch die Be­klag­te – mit der Um­welt­freund­lich­keit ih­rer Pro­duk­te.

(bb) Zum an­de­ren führt der Ver­stoß ge­gen ge­setz­li­che Vor­schrif­ten je­doch wie aus­ge­führt auch da­zu, dass das Fahr­zeug des Klä­gers man­gel­haft ist und ihm im der­zei­ti­gen Zu­stand be­hörd­li­che Maß­nah­men bis hin zur Still­le­gung dro­hen. Da­mit ist zwei­fel­los der klä­ge­ri­sche Rechts­kreis be­trof­fen (vgl. auch Steen­buck, MDR 2016, 185 [190]).

(6) Da be­reits der Er­werb des Fahr­zeugs den klä­ge­ri­schen Scha­den be­grün­det, kommt es nicht dar­auf an, wie sich der Fahr­zeug­wert auf­grund der Ab­schalt­vor­rich­tung ent­wi­ckelt hat bzw. noch ent­wi­ckeln wird und ob durch die von der Be­klag­ten an­ge­bo­te­ne Nach­rüs­tung wei­te­re Nach­tei­le für den Klä­ger ent­ste­hen wür­den (a. A., je­doch un­ter Ver­ken­nung des sub­jekt­be­zo­ge­nen Scha­dens­be­griffs: Kehr­ber­ger/Rog­genk­em­per, EWiR 2017, 175 [176]).

c) Der Scha­den wur­de durch die Be­klag­te ver­ur­sacht. Die schä­di­gen­de Hand­lung liegt in dem In­ver­kehr­brin­gen des ge­set­zes­wid­ri­gen Fahr­zeugs, wel­ches für den ent­stan­de­nen Scha­den oh­ne Wei­te­res zu­re­chen­bar kau­sal ge­wor­den ist. Auch wenn hier als An­knüp­fungs­punkt der Kau­sa­li­täts­prü­fung nicht das In­ver­kehr­brin­gen ge­wählt wird, son­dern die Täu­schung der Be­klag­ten über ein ord­nungs­ge­mä­ßes Vor­ge­hen nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 nebst Durch­füh­rungs­ver­ord­nung, ist die Kau­sa­li­tät zu be­ja­hen. Denn es kann schon nach der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung fest­ge­stellt wer­den, dass die Um­welt­ver­träg­lich­keit und ins­be­son­de­re die Ge­setz­mä­ßig­keit ei­nes Fahr­zeugs für die Kauf­ent­schei­dung von Be­deu­tung sind. Dies ge­nügt zur Fest­stel­lung ei­nes Ur­sa­chen­zu­sam­men­hangs (vgl. BGH, Urt. v. 12.05.1995 – V ZR 34/94, ju­ris Rn. 17). Im Üb­ri­gen hat der Klä­ger je­doch die Be­deu­tung der Ab­gas­wer­te für den Kauf wie aus­ge­führt auch glaub­haft ge­schil­dert.

d) Die Schä­di­gung er­folg­te auch sit­ten­wid­rig.

aa) In ob­jek­ti­ver Hin­sicht kommt es in­so­weit dar­auf an, ob das Ver­hal­ten der Be­klag­ten dem An­stands­ge­fühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den wi­der­sprach. Dies ist zu be­ja­hen. Die Be­klag­te hat in gro­ßem Um­fang und mit er­heb­li­chem tech­ni­schen Auf­wand im Pro­fit­in­ter­es­se zen­tra­le ge­setz­li­che Um­welt­schutz­vor­schrif­ten aus­ge­he­belt und zu­gleich ih­re Kun­den ge­täuscht. Sie hat da­bei nicht ein­fach nur ge­setz­li­che Ab­gas­wer­te au­ßer Acht ge­las­sen, son­dern mit der Ab­schalt­vor­rich­tung zu­gleich ein Sys­tem zur plan­mä­ßi­gen Ver­schleie­rung ih­res Vor­ge­hens ge­gen­über den Auf­sichts­be­hör­den und den Ver­brau­chern ge­schaf­fen. Im Rah­men ei­ner Ge­samt­wür­di­gung ist die­ses Ver­hal­ten als Sit­ten­ver­stoß zu be­wer­ten. Zu­dem gilt der Grund­satz, dass ei­ne be­wuss­te Täu­schung zur Her­bei­füh­rung ei­nes Ver­trags­schlus­ses re­gel­mä­ßig be­reits die Sit­ten­wid­rig­keit be­grün­det (BGH, Urt. v. 21.12.2004 – VI ZR 306/03, BGHZ 161, 361 = ju­ris Rn. 13; Urt. v. 28.06.2016 – VI ZR 536/15, ju­ris Rn. 22). Ei­ne sol­che liegt vor. Die Be­klag­te hat mit dem In­ver­kehr­brin­gen des Fahr­zeugs still­schwei­gend er­klärt, dass die­ses den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ge­nügt, was tat­säch­lich nicht der Fall ist. Die­ser Er­klä­rungs­wert ih­res Ver­hal­tens und das ent­spre­chen­de Ver­ständ­nis der Fahr­zeu­ger­wer­ber kann ihr auch nicht ver­bor­gen ge­blie­ben sein, so­dass es sich um ei­ne be­wuss­te Täu­schung han­delt.

bb) In sub­jek­ti­ver Hin­sicht ist nicht das Be­wusst­sein der Sit­ten­wid­rig­keit er­for­der­lich, es ge­nügt be­reits die Kennt­nis der sie be­grün­den­den Um­stän­de. Ei­ne sol­che Kennt­nis beim Vor­stand der Be­klag­ten ist auf­grund ih­res un­wirk­sa­men Be­strei­tens zu be­ja­hen.

e) Die Be­klag­te han­del­te auch mit Schä­di­gungs­vor­satz. Der Schä­di­ger braucht nicht im Ein­zel­nen zu wis­sen, wer der durch sein Ver­hal­ten Ge­schä­dig­te sein wird. Er muss nur die Rich­tung, in der sich sein Ver­hal­ten zum Scha­den an­de­rer aus­wir­ken könn­te, und die Art des mög­li­chen Scha­dens vor­aus­ge­se­hen und ge­bil­ligt ha­ben (BGH, Urt. v. 19.07.2004 – II ZR 402/02, BGHZ 160, 149 = ju­ris Rn. 47; Er­man/Schie­mann, BGB, 14. Aufl. [2014], § 826 Rn. 15). Für den Vor­stand der Be­klag­ten war auf­grund der – zu un­ter­stel­len­den – Kennt­nis vom Ein­bau der Soft­ware zwin­gend er­sicht­lich, dass da­mit Kun­den Fahr­zeu­ge er­wer­ben wür­den, wel­che nicht ih­ren Vor­stel­lun­gen ent­spra­chen und ob­jek­tiv man­gel­haft wa­ren. Die sich dar­aus er­ge­ben­de Schä­di­gung der Kun­den hat die Be­klag­te da­mit bil­li­gend in Kauf ge­nom­men (vgl. auch Alt­mep­pen, ZIP 2016, 97 [99]).

f) Aus dem von der Be­klag­ten mehr­fach an­ge­führ­ten Ur­teil des BGH vom 28.06.2016 – VI ZR 536/15 – folgt kein an­de­res Er­geb­nis: Aus dem Ur­teil er­gibt sich nur, dass im Rah­men des § 826 BGB der Sit­ten­ver­stoß und der Schä­di­gungs­vor­satz bei ju­ris­ti­schen Per­so­nen nicht aus der mo­sa­ik­ar­ti­gen Zu­sam­men­set­zung von auf ver­schie­de­ne Per­so­nen ver­teil­ten Wis­sens- und Wol­lensele­men­ten kon­stru­iert wer­den kön­nen. Im vor­lie­gen­den Fall gilt je­doch we­gen des un­zu­rei­chen­den Be­strei­tens der Be­klag­ten der klä­ge­ri­sche Vor­trag als zu­ge­stan­den, dass ein oder meh­re­re Vor­stands­mit­glie­der der Be­klag­ten von dem ge­sam­ten Sach­ver­halt Kennt­nis hat­ten und dass der Soft­ware­ein­bau mit ih­rem Wis­sen und Wol­len er­folg­te. Dies ent­spricht ge­ra­de der in dem Ur­teil (Rn. 31) ge­for­der­ten Fest­stel­lung.

g) Die Be­klag­te hat dem Klä­ger so­mit ge­mäß §§ 249 ff. BGB sämt­li­che durch die Ma­ni­pu­la­ti­on des Fahr­zeugs ent­stan­de­nen Schä­den zu er­set­zen. Die Scha­dens­be­rech­nung bzw. Ab­wick­lung kann hier­bei wie aus­ge­führt auf ver­schie­de­nen We­gen er­fol­gen. Des­we­gen war le­dig­lich die all­ge­mei­ne Er­satz­pflicht der Be­klag­ten an­trags­ge­mäß fest­zu­stel­len.

h) Der An­spruch ist auch nicht et­wa auf­grund mög­li­cher kauf­recht­li­cher An­sprü­che ge­gen den Fahr­zeug­ver­käu­fer aus­ge­schlos­sen (a. A. LG Ell­wan­gen, Urt. v. 10.06.2016 – 5 O 385/15, ju­ris Rn. 24). § 826 BGB steht grund­sätz­lich in frei­er An­spruchs­kon­kur­renz zu an­de­ren Scha­dens­er­satz­vor­schrif­ten (Be­ckOK-BGB/Förs­ter, a. a. O., § 826 Rn. 5), denn ein Grund, die vor­sätz­lich-sit­ten­wid­ri­ge Schä­di­gung durch An­er­ken­nung des Vor­rangs an­de­rer Rechts­in­sti­tu­te zu pri­vi­le­gie­ren, ist nicht er­sicht­lich (MünchKomm-BGB/Wag­ner, 7. Aufl., § 826 Rn. 61; vgl. auch Har­ke, VuR 2017, 83 [90]).

i) Ob sich die Scha­dens­er­satz­pflicht der Be­klag­ten zu­sätz­lich auch aus an­de­ren An­spruchs­grund­la­gen er­gibt, kann da­hin­ste­hen.

2. Hin­ge­gen schul­det die Be­klag­te kei­nen Er­satz vor­ge­richt­li­cher Rechts­an­walts­kos­ten.

a) Zwar kön­nen auch sol­che Kos­ten zu dem nach §§ 826, 249 BGB er­satz­fä­hi­gen Scha­den ge­hö­ren.

b) Die vom Klä­ger ver­lang­te Ge­schäfts­ge­bühr ge­mäß Nr. 2300 VV RVG ist je­doch nicht an­ge­fal­len.

aa) Zu­tref­fend ist zwar der recht­li­che Aus­gangs­punkt des Klä­gers, dass es in­so­weit nicht auf ein vor­ge­richt­li­ches Tä­tig­wer­den der Klä­ger­ver­tre­ter ge­gen­über der Be­klag­ten an­kommt. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob ein ent­spre­chen­der Auf­trag er­teilt wur­de. Mit der Ein­ho­lung von In­for­ma­tio­nen nach Auf­trags­er­tei­lung wä­re die Ge­bühr dann ver­dient (Teu­bel, in: May­er/Kroiß, RVG, 6. Aufl., Vor­be­mer­kung 2.3 Rn. 3). Der Um­stand, dass die Klä­ger­ver­tre­ter nach ih­rem Vor­trag von ei­nem au­ßer­ge­richt­li­chen Tä­tig­wer­den ge­gen­über der Be­klag­ten we­gen er­kenn­ba­rer Sinn­lo­sig­keit ab­ge­se­hen ha­ben, stün­de so­mit dem Ent­ste­hen ei­ner Ge­schäfts­ge­bühr nicht ent­ge­gen.

bb) Es kann je­doch nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der Klä­ger den Klä­ger­ver­tre­tern tat­säch­lich ei­nen ent­spre­chen­den Auf­trag er­teilt hat. Die Be­klag­te hat dies be­strit­ten und der Klä­ger hat in­so­weit le­dig­lich sei­ne Ver­neh­mung an­ge­bo­ten. Dass für ei­ne Par­tei­ver­neh­mung des Klä­gers ge­mäß § 447 ZPO er­for­der­li­che Ein­ver­ständ­nis der Be­klag­ten liegt nicht vor. Von ei­ner Ver­neh­mung ge­mäß § 448 ZPO oder § 287 I 2 ZPO hat das Ge­richt ab­ge­se­hen, da es sich bei dem an­geb­lich er­teil­ten Auf­trag – wel­cher zu­nächst an­ge­nom­men, aber dann nicht aus­ge­führt wor­den sein soll – er­sicht­lich um ei­ne rein ge­büh­ren­recht­lich mo­ti­vier­te Kon­struk­ti­on der Klä­ger­ver­tre­ter han­delt.

c) Zu­dem be­stün­de selbst dann, wenn ei­ne Ge­schäfts­ge­bühr ent­stan­den wä­re, kein Er­satz­an­spruch. Bil­det – wie hier – ei­ne Ver­mö­gens­ver­let­zung den Haf­tungs­grund, sind die­je­ni­gen ad­äquat ver­ur­sach­ten Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten nach § 249 I BGB zu er­set­zen, die aus Sicht des Scha­dens­er­satz­gläu­bi­gers zur Wahr­neh­mung und Durch­set­zung sei­ner Rech­te er­for­der­lich und zweck­mä­ßig wa­ren (BGH, Urt. v. 23.10.2003 – IX ZR 249/02, ju­ris Rn. 32). Dies wä­re hin­sicht­lich ei­nes vor­ge­richt­li­chen Tä­tig­wer­dens ge­gen­über der Be­klag­ten zu ver­nei­nen. Denn die Klä­ger­ver­tre­ter wei­sen zu Recht dar­auf hin, dass bei der der­zei­ti­gen all­seits be­kann­ten Hal­tung der Be­klag­ten ein vor­ge­richt­li­ches An­schrei­ben sinn­los ge­we­sen wä­re.

d) Ge­richt­li­che Hin­wei­se wa­ren in­so­weit nicht er­for­der­lich, da nur ei­ne Ne­ben­for­de­rung be­trof­fen ist (§ 139 II 1 ZPO). …

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