Ein Neu­wa­gen ist ein so­ge­nann­tes Mon­tags­au­to, wenn die Tat­sa­che, dass der Käu­fer es in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der we­gen her­stel­lungs­be­ding­ter Stö­run­gen und De­fek­te in die Werk­statt brin­gen muss­te, die pro­gnos­ti­sche Be­wer­tung recht­fer­tigt, das Fahr­zeug sei we­gen ei­ner er­höh­ten, auf ei­ner un­sorg­fäl­ti­gen Her­stel­lung be­ru­hen­den Feh­ler­an­fäl­lig­keit ins­ge­samt man­gel­haft und wer­de auch zu­künf­tig nicht über län­ge­re Zeit frei von her­stel­lungs­be­ding­ten Män­geln sein. Be­tref­fen die für die­se Be­wer­tung re­le­van­ten Män­gel al­ler­dings nur ei­nen ein­zel­nen Be­reich des Fahr­zeugs und sind sie in­ner­halb ei­nes ver­gleichs­wei­se lan­gen Zeit­raums auf­ge­tre­ten, ist die An­nah­me, ein Fahr­zeug sei ein Mon­tags­au­to, eher nicht ge­recht­fer­tigt.

LG Ber­lin, Ur­teil vom 28.03.2012 – 3 O 220/09
(nach­fol­gend: KG, Be­schluss vom 19.07.2012 – 23 U 79/12)

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin er­warb von der Be­klag­ten ei­nen Neu­wa­gen (Chrys­ler 300C Tou­ring 6.1 He­mi-V8 SRT8) zum Preis von 64.590 € brut­to nebst Über­füh­rungs- und Zu­las­sungs­kos­ten in Hö­he von 840 € brut­to. Das Fahr­zeug wur­de am 21.05.2008 zu­ge­las­sen und der Klä­ge­rin am 22.05.2008 über­ge­ben.

In der Fol­ge­zeit tra­ten beim Be­trieb des Pkw mehr­fach Stö­run­gen auf. Die Klä­ge­rin brach­te das Fahr­zeug des­halb mehr­fach zu der Be­klag­ten, um die –  nur teil­wei­se un­strei­tig vor­han­de­nen – Män­gel be­sei­ti­gen zu las­sen. Dort wur­de fest­ge­stellt, dass die Spur falsch ein­ge­stellt war; au­ßer­dem wur­de das Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem drei­mal aus­ge­tauscht und wur­den ein Schein­wer­fer, ein Au­ßen­spie­gel, die Schar­nie­re der Mo­tor­hau­be, die Schalt­ver­klei­dung, das Dif­fe­ren­ti­al­ge­trie­be und der Heck­klap­pen­dämp­fer er­setzt.

Am 01.03.2009 wur­de der Pkw der Klä­ge­rin we­gen ei­ner klem­men­den Dros­sel­klap­pe ab­ge­schleppt und die Dros­sel­klap­pe er­setzt. Am 07.04.2009 gab die Klä­ge­rin ih­ren Pkw er­neut bei der Be­klag­ten ab, be­vor sie mit Schrei­ben vom 08.04.2009 den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag er­klär­te.

Die Klä­ge­rin be­haup­tet, dass die Leer­lauf­dreh­zahl beim Schal­ten und Ein­len­ken von 800 U/min auf 500 U/min. fal­le, und hält das Fahr­zeug des­halb für man­gel­haft. Fer­ner, so be­haup­tet die Klä­ge­rin, quiet­sche nach wie vor das Schie­be­dach; au­ßer­dem sei­en die Aus­puff­roh­re sei­en un­gleich lang und fal­le an der Fah­rer­sei­te die Tür­ver­klei­dung ab.

Die im We­sent­li­chen auf Zah­lung von 65.430 € nebst Zin­sen ge­rich­te­te Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: A. … Der Klä­ge­rin ste­hen ge­gen die Be­klag­te die gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che nicht zu.

I. Ins­be­son­de­re hat die Klä­ge­rin kei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, weil sie nicht wirk­sam vom Kauf­ver­trag zu­rück­ge­tre­ten ist.

1. Ge­mäß § 437 Nr. 2 BGB setzt der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag vor­aus, dass die Sa­che, hier der Pkw, man­gel­haft ist. Es konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den, dass der Pkw der­art man­gel­haft ge­we­sen ist, dass die­ser Zu­stand die Klä­ge­rin zum Rück­tritt be­rech­tig­te.

a) Die von der Klä­ge­rin als noch vor­han­den ge­rüg­ten ein­zel­nen Män­gel lie­gen ent­we­der nicht vor oder sind nicht aus­rei­chend er­heb­lich.

aa) Der Sach­ver­stän­di­ge Dr.-Ing. S hat in sei­nem Gut­ach­ten vom 03.05.2010 aus­ge­führt, dass der von ihm fest­ge­stell­te Ab­fall der Leer­lauf­dreh­zahl im zu­läs­si­gen Be­reich liegt und ein kurz­fris­ti­ges Ab­fal­len un­ter den zu­läs­si­gen Grenz­wert von 550 U/min nicht zu be­an­stan­den sei, weil es nur sehr sel­ten vor­kom­me.

Die nach­voll­zieh­bar be­grün­de­ten Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen über­zeu­gen das Ge­richt.

Es ha­ben sich auch im Zu­ge der er­gän­zen­den Be­weis­er­he­bung kei­ne hin­rei­chen­den An­halts­punk­te da­für er­ge­ben, dass die Be­klag­te durch Lö­schung des Feh­ler­spei­chers den Be­weis des Vor­lie­gens ei­nes Man­gels im Zeit­punkt des Rück­tritts ver­ei­telt hat. Zwar kann mit dem Sach­ver­stän­di­gen ent­spre­chend sei­nen Aus­füh­run­gen im Gut­ach­ten vom 23.01.2012 da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Feh­ler­spei­cher, der nach sei­nen münd­li­chen Aus­füh­run­gen im Ter­min vom 08.12.2011 erst 14 Ki­lo­me­ter vor der von ihm vor­ge­nom­me­nen Un­ter­su­chung ge­löscht wor­den ist, nicht durch die Ent­lee­rung der Bat­te­rie ge­löscht wor­den ist. Feh­ler wer­den aber nach sei­nen Aus­füh­run­gen auch selbst­stän­dig ge­löscht, wenn der Feh­ler seit lan­ger Zeit nicht mehr auf­ge­tre­ten ist.

In sei­nem Schrei­ben vom 27.06.2011 hat der Sach­ver­stän­di­ge fer­ner die Ver­mu­tung ge­äu­ßert, dass ein et­wai­ges Ab­ster­ben des Mo­tors beim gleich­zei­ti­gen Len­ken und Schal­ten des Ge­trie­bes wahr­schein­lich schon mit dem Ein­bau der neu­en Dros­sel­klap­pe be­sei­tigt wor­den sei. Die Dros­sel­klap­pe ist be­reits An­fang März 2009 aus­ge­tauscht wor­den. Es kann da­her nicht an­ge­nom­men wer­den, dass sich im Feh­ler­spei­cher noch Da­ten be­fan­den, die dar­auf hin­deu­te­ten, dass noch im Zeit­punkt des Rück­tritts vom Kauf­ver­trag am 08.04.2009 ein er­heb­li­cher Man­gel beim Dreh­zahl­ver­hal­ten vor­lag. Da­für spricht auch, dass die er­gän­zen­de Be­weis­er­he­bung er­ge­ben hat, dass noch im­mer die im Zeit­punkt der Aus­lie­fe­rung be­reits vor­han­de­ne Soft­ware in­stal­liert war, wes­halb die An­nah­me ei­ner nach­träg­li­chen Feh­ler­be­sei­ti­gung durch Auf­spie­len ei­ner neu­en Soft­ware aus­schei­det.

bb) Klap­per­ge­räu­sche am Schie­be­dach hat der Sach­ver­stän­di­ge nicht fest­stel­len kön­nen. Auch der Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin ver­moch­te dem Sach­ver­stän­di­gen ent­spre­chend sei­nen Aus­füh­run­gen im Gut­ach­ten vom 03.05.2010 die Klap­per­ge­räu­sche nicht vor­füh­ren. Es muss da­her da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es kei­ne Klap­per­ge­räu­sche gibt.

cc) Bei der Tür­ver­klei­dung fehlt zwar nach den sach­ver­stän­di­gen Fest­stel­lun­gen im Gut­ach­ten vom 03.05.2010 ein Be­fes­ti­gungs­clip für die Ver­klei­dung der Fah­rer­tür. Zur Be­sei­ti­gung sei aber nur ein Auf­wand in Hö­he von 5 € er­for­der­lich.

Die­ser Man­gel so­wie die be­haup­te­ten un­gleich lan­gen Aus­puff­roh­re be­rech­tig­ten ge­mäß § 323 V 2 BGB we­gen Un­er­heb­lich­keit der Pflicht­ver­let­zung nicht zum Rück­tritt.

b) Der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ist auch nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt des so­ge­nann­ten Mon­tags­au­tos ge­recht­fer­tigt.

Grund­sätz­lich kann ein so­ge­nann­tes Mon­tags­au­to we­gen sei­ner er­höh­ten Feh­ler­an­fäl­lig­keit den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag recht­fer­ti­gen, weil es bei sei­ner Her­stel­lung nicht die er­for­der­li­che Sorg­falt er­fah­ren hat und der Käu­fer das Auf­tre­ten im­mer neu­er auf un­sach­ge­mä­ße Ver- und Be­ar­bei­tung zu­rück­zu­füh­ren­de Aus­fäl­le be­fürch­ten muss (OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 12.09.1997 – 22 U 19/97, NJW-RR 1998, 845 [846]). Da­bei kommt es zwar grund­sätz­lich nicht so sehr auf die Schwe­re der ein­zel­nen Män­gel an, son­dern vor al­len Din­gen auf die Tat­sa­che, dass der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens das Fahr­zeug be­reits nach kur­zer Zeit häu­fig we­gen im­mer wie­der auf­tre­ten­der Män­gel am Fahr­zeug in die Werk­statt ge­ben muss (KG, Urt. v. 27.07.2009 – 12 U 35/08, ju­ris). Al­ler­dings spricht es um­so we­ni­ger für das Vor­lie­gen ei­nes so­ge­nann­ten Mon­tags­au­tos, wenn sich die re­le­van­ten Män­gel nur auf ei­nen ein­zi­gen Be­reich des Fahr­zeugs er­stre­cken so­wie in ih­rer Ge­samt­zahl erst über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum und ei­ne grö­ße­re Lauf­leis­tung auf­tre­ten (OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 23.03.2011 – I-3 U 47/10, NJW-RR 2011, 1276 [1277]).

Im vor­lie­gen­den Fall sind die gel­tend ge­mach­ten Män­gel von der Erst­zu­las­sung am 21.05.2008 bis zum 07.04.2009, als der Wa­gen zu­letzt in die Werk­statt der Be­klag­ten ver­bracht wor­den ist, auf­ge­tre­ten, mit­hin in ei­nem Zeit­raum von un­ge­fähr ei­nem Jahr. Da­bei be­zog sich ei­ne gro­ße An­zahl der Werk­statt­auf­ent­hal­te, die Klä­ge­rin macht ins­ge­samt fünf­zehn gel­tend, auf die Re­pa­ra­tur des Na­vi­ga­ti­ons­ge­räts und der Frei­sprech­ein­rich­tung, al­so im­mer wie­der auf den­sel­ben Be­reich. Der Aus­tausch des Dif­fe­ren­ti­al­ge­trie­bes und der Dros­sel­klap­pe, al­so die Be­sei­ti­gung der schwe­rer wie­gen­den De­fek­te, ist erst im Fe­bru­ar bzw. März 2009 er­folgt. Im Fe­bru­ar 2009 war der Pkw … be­reits knapp 9.000 Ki­lo­me­ter ge­fah­ren. Ein Teil der Män­gel, die vor­la­gen, kön­nen we­gen ih­rer Un­er­heb­lich­keit nicht ein­mal in der Sum­me die An­nah­me ei­nes so­ge­nann­ten Mon­tags­au­tos recht­fer­ti­gen, wie zum Bei­spiel der Man­gel, der zum Er­satz der Schalt­ver­klei­dung führ­te. Bei ei­ner Ge­samt­schau er­gibt sich, dass die erst nach und nach im Lau­fe der Zeit und nach ei­ner nicht un­er­heb­li­chen Fahr­leis­tung auf­ge­tre­te­nen Män­gel nicht mehr den Schluss zu­las­sen, dass sie auf ei­ne feh­len­de Sorg­falt bei der Her­stel­lung zu­rück­zu­füh­ren sind. Es kann dem­entspre­chend auch nicht die Pro­gno­se ge­stellt wer­den, dass der Pkw we­gen sei­ner schlech­ten Ge­samt­qua­li­tät künf­tig über nen­nens­wer­te Zeit­räu­me nicht man­gel­frei sein wird (vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 23.03.2011 – I-3 U 47/10, NJW-RR 2011, 1276 [1277 f.]).

2. Die Klä­ge­rin kann die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses auch nicht auf ei­ne ein­ver­nehm­li­che Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags stüt­zen.

Die Be­klag­te ist schon vor­pro­zes­su­al … der Be­haup­tung der Klä­ge­rin ent­ge­gen­ge­tre­ten, die Par­tei­en hät­te te­le­fo­nisch die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags ver­ein­bart. Die Klä­ge­rin hat ih­re Be­haup­tung nur durch Vor­la­ge ei­nes von ih­rer Sei­te stam­men­den Schrei­bens un­ter Be­weis ge­stellt. Da­mit ist der Be­weis je­doch nicht zu er­brin­gen, weil sich der In­halt die­ses Schrei­bens in der blo­ßen Wie­der­ho­lung der Be­haup­tung er­schöpft. Wei­te­ren Be­weis hat die Klä­ge­rin nicht an­ge­tre­ten, so­dass sie be­weis­fäl­lig ge­blie­ben ist.

II. Weil der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag nicht be­rech­tigt ge­we­sen ist, kann die Klä­ge­rin auch nicht den Er­satz vor­pro­zes­sua­ler Rechts­an­walts­kos­ten ver­lan­gen …

Hin­weis: Mit Be­schluss vom 19.07.2012 – 23 U 79/12 – hat das Kam­mer­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es be­ab­sich­ti­ge, die Be­ru­fung der Klä­ge­rin mit der Maß­ga­be zu­rück­zu­wei­sen, dass die Kos­ten­ent­schei­dung des Land­ge­richts zu ih­ren Guns­ten ge­än­dert wird. In dem Hin­weis­be­schluss heißt es un­ter an­de­rem:

„A. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen.

Ein An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ge­mäß den §§ 433 I, 434, 437 Nr. 2, 323, 346 I BGB steht der Klä­ge­rin nicht zu, denn ein Sach­man­gel, der zum Rück­tritt be­rech­ti­gen könn­te, liegt nicht vor.

1. An­ders als das Land­ge­richt meint, kann als maß­geb­li­che Rück­tritts­er­klä­rung noch nicht auf das Schrei­ben vom 08.04.2009 ab­ge­stellt wer­den, denn dort ist der Rück­tritt un­ter der Vor­aus­set­zung er­klärt wor­den, dass ei­ne Nach­bes­se­rung kei­nen Er­folg brin­gen soll­te. Als Ge­stal­tungs­er­klä­rung ist der Rück­tritt grund­sätz­lich be­din­gungs­feind­lich (BGH, Urt. v. 21.03.1986 – V ZR 23/85, ju­ris). Ab­wei­chen­des gilt aus­nahms­wei­se nur dann, wenn bei dem Er­klä­rungs­emp­fän­ger kei­ne un­zu­mut­ba­re Un­ge­wiss­heit über den neu­en Rechts­zu­stand ein­tritt (BGH, Urt. v. 21.03.1986 – V ZR 23/85, ju­ris). Ein sol­cher Fall liegt hier in­des­sen nicht vor. Als Rück­tritts­er­klä­rung ist mit­hin auf das Schrei­ben des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin vom 21.04.2009 ab­zu­stel­len.

2. Das Land­ge­richt hat auf Grund­la­ge der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dr.-Ing. S rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt, dass Män­gel – im Hin­blick auf Dreh­zahl­schwan­kun­gen des Mo­tors und das Schie­be­dach – nicht vor­lie­gen bzw. – hin­sicht­lich der Tür­ver­klei­dung und den be­haup­te­ten un­gleich lan­gen Aus­puff­roh­ren – nicht er­heb­lich sind (§ 323 V 2 BGB). Kon­kre­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen macht die Klä­ge­rin nicht gel­tend (§ 529 I Nr. 1 ZPO). Auch Rechts­feh­ler (§ 546 ZPO) zeigt die Be­ru­fung in­so­weit nicht auf. So­weit der Man­gel an der Tür­ver­klei­dung (zu er­neu­ern­der Be­fes­ti­gungs­clip) be­trof­fen ist, ist zu­dem nicht er­wie­sen, dass ein Man­gel bei Über­ga­be des Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin vor­ge­le­gen hat. Glei­ches gilt für die – be­haup­te­te – un­ter­schied­li­che Län­ge der Aus­puff­roh­re.

3. We­gen der be­haup­te­ten Dreh­zahl­schwan­kun­gen des Mo­tors kann nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt der Be­weis­ver­ei­te­lung ein Man­gel – zum Zeit­punkt des Rück­tritts – als er­wie­sen er­ach­tet wer­den. Den Be­weis ver­ei­telt, wer die Be­weis­füh­rung durch den be­weis­be­las­te­ten Geg­ner schuld­haft ver­hin­dert oder er­schwert. Die Be­weis­ver­ei­te­lung setzt ein dop­pel­tes Ver­schul­den vor­aus, das sich so­wohl auf die Zer­stö­rung bzw. Ent­zie­hung des Be­weis­ob­jek­tes als auch auf des­sen Be­weis­funk­ti­on im ge­gen­wär­ti­gen oder zu­künf­ti­gen Pro­zess be­zie­hen muss (Mu­sielak/Fo­ers­te, ZPO, 8. Aufl., § 286 Rn. 62, 65). Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor, denn es ist be­reits nicht er­wie­sen, dass der Feh­ler­spei­cher des Mo­tor­steu­er­ge­räts durch die Be­klag­te ge­löscht wor­den ist. Ins­be­son­de­re kann dies nicht al­lein dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass das Fahr­zeug seit der Lö­schung des Spei­chers nur 14 Ki­lo­me­ter be­wegt wor­den ist und eben die­se Ent­fer­nung der Dis­tanz zwi­schen dem Un­ter­su­chungs­ort und der Nie­der­las­sung der Be­klag­ten ent­spricht. Der Sach­ver­stän­di­ge hat aus­ge­führt, dass er ver­mu­te, dass et­wai­ge Män­gel im Zu­sam­men­hang mit Dreh­zahl­schwan­kun­gen schon im Zu­ge des Ein­baus der neu­en Dros­sel­klap­pe An­fang März 2009 be­sei­tigt wor­den sei­en. Im Er­gän­zungs­gut­ach­ten hat er fer­ner dar­ge­legt, dass der Feh­ler­spei­cher sich auch selbst­stän­dig lö­sche, wenn ein Feh­ler lan­ge Zeit nicht auf­tre­te, weil er be­ho­ben wor­den oder nur spo­ra­disch oder kurz­zei­tig auf­ge­tre­ten sei. Nach­dem das Fahr­zeug erst et­wa ein Jahr nach dem Aus­tausch der Dros­sel­klap­pe, näm­lich am 01.04.2010, durch den Sach­ver­stän­di­gen un­ter­sucht wor­den ist, lässt sich nicht aus­schlie­ßen, dass et­wai­ge Feh­ler­mel­dun­gen – soll­ten sie denn über­haupt vor­ge­le­gen ha­ben – selbst­stän­dig ge­löscht wor­den sind.

Hin­zu kommt, dass et­wai­ge Dreh­zahl­schwan­kun­gen al­lein durch die Lö­schung des Feh­ler­spei­chers nicht be­sei­tigt wor­den wä­ren und da­her bei der Un­ter­su­chung durch den Sach­ver­stän­di­gen hät­ten fest­stell­bar sein müs­sen. Nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen ist ei­ne Än­de­rung der Soft­ware für die Mo­tor­steue­rung – wo­durch et­wai­ge Dreh­zahl­schwan­kun­gen hät­ten ab­ge­stellt wer­den kön­nen – in­des­sen nicht er­folgt.

Schließ­lich ist noch dar­auf hin­zu­wei­sen, dass selbst dann, wenn durch die Be­klag­te nach Über­nah­me des Fahr­zeu­ges am 07.04.2009 noch Ar­bei­ten zur Be­he­bung von Dreh­zahl­schwan­kun­gen aus­ge­führt wor­den wä­ren, in­so­weit kei­ne Be­weis­ver­ei­te­lung vor­lä­ge, denn – wie aus­ge­führt – hat die Klä­ge­rin mit Schrei­ben vom 08.04.2009 den Rück­tritt le­dig­lich für den Fall er­klärt, dass die „Nach­bes­se­rung kei­nen Er­folg brin­gen“ wür­de. Wei­te­re Ar­bei­ten am Fahr­zeug hät­te sich die Be­klag­te mit­hin erst nach dem „be­din­gungs­lo­sen“ Rück­tritt vom 21.04.2009 ver­sa­gen müs­sen.

4. Der Be­ru­fung ver­mö­gen auch nicht die von der Recht­spre­chung zu so­ge­nann­ten ‚Mon­tags­au­tos‘ ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zum Er­folg zu ver­hel­fen, denn auch da­nach kann auf das Vor­lie­gen ei­nes Man­gels nicht ver­zich­tet wer­den. Viel­mehr geht es hier­bei dar­um, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Käu­fer vom Ver­trag zu­rück­tre­ten kann, oh­ne zu­vor ei­ne Frist zur Nach­bes­se­rung zu set­zen. Mit dem Be­griff des ‚Mon­tags­au­tos‘ sol­len Fäl­le er­fasst und ei­ner sach­ge­rech­ten Lö­sung zu­ge­führt wer­den, in de­nen ei­nem Käu­fer ei­ne Nach­bes­se­rung von vorn­her­ein un­zu­mut­bar ist. Als ty­pisch für ein so­ge­nann­tes ‚Mon­tags­au­to‘ gilt das Auf­tre­ten ei­ner Viel­zahl mehr oder we­ni­ger klei­ne­rer De­fek­te, und zwar nicht auf ei­nen Schlag, son­dern suk­zes­si­ve und dies meist zeit­nah nach Aus­lie­fe­rung (Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 11. Aufl., Rn. 984). Die Prü­fung ist in zwei Schrit­ten zu voll­zie­hen. Zu­nächst ist das Man­gel­bild be­zo­gen auf den Zeit­punkt der Rück­tritts­er­klä­rung zu er­mit­teln und fest­zu­stel­len, wel­che Män­gel zu die­sem Zeit­punkt vor­han­den und auch be­reits bei Aus­lie­fe­rung da wa­ren. Auf Grund­la­ge der ge­ge­be­nen­falls nach sach­ver­stän­di­ger Be­ra­tung zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen kommt es in ei­nem zwei­ten Schritt dar­auf an, ob der Käu­fer be­rech­tig­ter­wei­se die Be­fürch­tung ha­ben konn­te, der Händ­ler wer­de nicht nur die noch vor­han­den Män­gel in ab­seh­ba­rer Zeit nicht be­sei­ti­gen, son­dern dar­über hin­aus das Ziel voll­kom­me­ner Man­gel­frei­heit auch künf­tig ver­feh­len. In die­sem Zu­sam­men­hang ist et­wa auch re­le­vant, wie häu­fig der Käu­fer mit dem Fahr­zeug aus wel­chem An­lass und mit wel­chem Er­geb­nis in der Werk­statt des Händ­lers war (Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 993 f.).

Nach­dem in dem hier zur Ent­schei­dung ste­hen­den Rechts­streit be­reits ein Sach­man­gel nicht nach­ge­wie­sen ist, stellt sich die Fra­ge nicht, ob der Klä­ge­rin ein wei­te­rer Nach­bes­se­rungs­ver­such zu­mut­bar ge­we­sen wä­re. Es kann da­her of­fen­blei­ben, ob im Hin­blick auf die nicht un­be­trächt­li­che An­zahl der Werk­statt­auf­ent­hal­te des Fahr­zeugs seit Aus­lie­fe­rung und die in die­sem Zu­sam­men­hang aus­ge­führ­ten Ar­bei­ten ein wei­te­res Nach­bes­se­rungs­ver­lan­gen für die Klä­ge­rin un­zu­mut­bar (§ 440 Satz 1 Fall 3 BGB) ge­we­sen wä­re. Dar­auf, ob be­reits we­gen der in der Ver­gan­gen­heit ge­rüg­ten Män­gel zu ei­nem frü­he­ren Zeit­punkt ein Rück­tritt vom Ver­trag nach den zu ‚Mon­tags­au­tos‘ ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen mög­lich ge­we­sen wä­re kommt es nicht an, nach­dem die Klä­ge­rin in­so­weit Nach­er­fül­lung ver­langt und nicht gel­tend ge­macht bzw. nicht be­wie­sen hat, dass je­ne Män­gel nicht be­ho­ben wor­den sei­en.

B. Zu Recht wen­det die Klä­ge­rin ein, dass die Kos­ten­ent­schei­dung des land­ge­richt­li­chen Ur­teils teil­wei­se feh­ler­haft ist. Ge­mäß § 95 ZPO sind ei­ner Par­tei, die ei­nen Ter­min oder ei­ne Frist ver­säumt oder schuld­haft die Ver­le­gung ei­nes Ter­mins ver­an­lasst, die da­durch ver­ur­sach­ten Kos­ten auf­zu­er­le­gen. Bei der Ver­le­gung ei­nes vom Sach­ver­stän­di­gen an­be­raum­ten Ter­mins fin­det die Vor­schrift ent­spre­chend An­wen­dung (Zöl­ler/Her­get, ZPO, 29. Aufl., § 95 Rn. 2; OLG Schles­wig, SchlHA 1975, 135). Dass der vom Sach­ver­stän­di­gen zur Be­gut­ach­tung an­ge­setz­te Ter­min am 03.03.2010 des­halb ver­legt wer­den muss­te, weil das Fahr­zeug durch die Be­klag­te – an­ders als zu­ge­sagt – an den Sach­ver­stän­di­gen nicht her­aus­ge­ge­ben wur­de, ist zwi­schen den Par­tei­en nicht strei­tig. An­ders als die Klä­ge­rin meint, sind die Mehr­kos­ten in­des­sen nicht mit dem in die­sem Zu­sam­men­hang an­ge­for­der­ten – wei­te­ren – Kos­ten­vor­schuss in Hö­he von 500 € gleich­zu­set­zen. Viel­mehr ist im Kos­ten­aus­spruch al­lein das kos­ten­ver­ur­sa­chen­de Ver­hal­ten der Par­tei­en zu be­zeich­nen. Die kon­kre­te Er­mitt­lung der Kos­ten muss dem Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben.

Der Se­nat ist be­rech­tigt, bei rich­ti­ger erst­in­stanz­li­cher Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che die erst­in­stanz­li­che Kos­ten­ent­schei­dung im Rah­men des Ver­fah­rens nach § 522 II ZPO zu kor­ri­gie­ren (Schel­len­berg, MDR 2005, 610 [613]). Da­für spricht ne­ben dem Rechts­ge­dan­ke des § 99 I ZPO auch der Um­stand, dass sich die Be­ru­fungs­sum­me aus­schließ­lich aus der Be­schwer in der Haupt­sa­che er­rech­net (OLG Mün­chen, Beschl. v. 09.08.2011 – 1 U 1571/11, ju­ris) …“

Die Be­ru­fung wur­de dar­auf­hin zu­rück­ge­nom­men.

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