Zum Weg­fall der Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on nach Art. 247 § 6 II 3 EGBGB bei Feh­len von Zwi­schen­über­schrif­ten in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on.

BGH, Ur­teil vom 10.11.2020 – XI ZR 426/19

Sach­ver­halt: Die Par­tei­en strei­ten dar­über, ob der Klä­ger sei­ne auf Ab­schluss ei­nes Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung wirk­sam wi­der­ru­fen hat.

Der Klä­ger er­warb im Au­gust 2014 ei­nen ge­brauch­ten Mer­ce­des zum Kauf­preis von 26.600 €. Zur Fi­nan­zie­rung des über die An­zah­lung von 24.800 € hin­aus­ge­hen­den Kauf­prei­ses und der Ver­si­che­rungs­prä­mie für ei­nen zu­gleich ab­ge­schlos­se­nen so­ge­nann­ten Kauf­preis­schutz in Hö­he von 763,20 € schlos­sen die Par­tei­en un­ter dem 07.08.2014 ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 2.563,20 € mit ei­nem ge­bun­de­nen Soll­zins­satz von 4,17 % p. a. Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen soll­ten in 48 Mo­nats­ra­ten zu je­weils 58,07 € er­bracht wer­den.

Als Si­cher­hei­ten räum­te der Klä­ger der Be­klag­ten das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug ein und trat an sie An­sprü­che aus Ar­beits­ent­gelt und auf Ver­sor­gungs­be­zü­ge ab. Nach Num­mer II der All­ge­mei­nen Dar­le­hens­be­din­gun­gen (Stand: 06/2015) der Be­klag­ten dien­ten die Si­cher­hei­ten „zur Si­che­rung al­ler ge­gen­wär­ti­gen und bis zur Rück­zah­lung des Dar­le­hens noch ent­ste­hen­den so­wie be­ding­ten und be­fris­te­ten An­sprü­che des Dar­le­hens­ge­bers aus der Ge­schäfts­ver­bin­dung ein­schließ­lich ei­ner et­wai­gen Rück­ab­wick­lung gleich aus wel­chem Rechts­grund“. Über sein Wi­der­rufs­recht in­for­mier­te die Be­klag­te den Klä­ger auf Sei­te 2 des Dar­le­hens­ver­trags wie folgt:

Wi­der­rufs­recht

Wi­der­rufs­recht
Der Dar­le­hens­neh­mer kann sei­ne Ver­trags­er­klä­rung in­ner­halb von 14 Ta­gen oh­ne An­ga­be von Grün­den wi­der­ru­fen.
Die Frist be­ginnt nach Ab­schluss des Ver­trags, aber erst, nach­dem der Dar­le­hens­neh­mer al­le Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Ab­satz 2 BGB (z. B. An­ga­be zur Art des Dar­le­hens, An­ga­be zum Net­to­dar­le­hens­be­trag, An­ga­be zur Ver­trags­lauf­zeit) er­hal­ten hat. Der Dar­le­hens­neh­mer hat al­le Pflicht­an­ga­ben er­hal­ten, wenn sie in der für den Dar­le­hens­neh­mer be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung sei­nes An­trags oder in der für den Dar­le­hens­neh­mer be­stimm­ten Aus­fer­ti­gung der Ver­trags­ur­kun­de oder in ei­ner für den Dar­le­hens­neh­mer be­stimm­ten Ab­schrift sei­nes An­trags oder der Ver­trags­ur­kun­de ent­hal­ten sind und dem Dar­le­hens­neh­mer ei­ne sol­che Un­ter­la­ge zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den ist. Über in den Ver­trags­text nicht auf­ge­nom­me­ne Pflicht­an­ga­ben kann der Dar­le­hens­neh­mer nach­träg­lich auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger in­for­miert wer­den; die Wi­der­rufs­frist be­trägt dann ei­nen Mo­nat. Der Dar­le­hens­neh­mer ist mit den nach­ge­hol­ten Pflicht­an­ga­ben noch­mals auf den Be­ginn der Wi­der­rufs­frist hin­zu­wei­sen. Zur Wah­rung der Wi­der­rufs­frist ge­nügt die recht­zei­ti­ge Ab­sen­dung des Wi­der­rufs, wenn die Er­klä­rung auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger (z. B. Brief, Te­le­fax, E?Mail) er­folgt. Der Wi­der­ruf ist zu rich­ten an:
M-AG, ;…, oder per Fax an: … oder per E-Mail an: …

  • Wi­der­ruft der Dar­le­hens­neh­mer die­sen Dar­le­hens­ver­trag, so ist er auch an den Fahr­zeug-Kauf­ver­trag nicht mehr ge­bun­den.
  • Steht dem Dar­le­hens­neh­mer in Be­zug auf den Fahr­zeug-Kauf­ver­trag ein Wi­der­rufs­recht zu, so ist er mit wirk­sa­mem Wi­der­ruf des Fahr­zeug-Kauf­ver­trags auch an den Dar­le­hens­ver­trag nicht mehr ge­bun­den. Für die Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs sind die in dem Fahr­zeug-Kauf­ver­trag ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen und die hier­für er­teil­te Wi­der­rufs­be­leh­rung maß­geb­lich.
  • Wi­der­ruft der Dar­le­hens­neh­mer die­sen Dar­le­hens­ver­trag, so ist er auch an den Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz nicht mehr ge­bun­den.
  • Steht dem Dar­le­hens­neh­mer in Be­zug auf den Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz ein Wi­der­rufs­recht zu, so ist er mit wirk­sa­mem Wi­der­ruf des Bei­tritts zum Kauf­preis­schutz auch an den Dar­le­hens­ver­trag nicht mehr ge­bun­den. Für die Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs sind die in dem Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen und die hier­für er­teil­te Wi­der­rufs­be­leh­rung maß­geb­lich.

Wi­der­rufs­fol­gen
So­weit das Dar­le­hen be­reits aus­be­zahlt wur­de, hat es der Dar­le­hens­neh­mer spä­tes­tens in­ner­halb von 30 Ta­gen zu­rück­zu­zah­len und für den Zeit­raum zwi­schen der Aus­zah­lung und der Rück­zah­lung des Dar­le­hens den ver­ein­bar­ten Soll­zins zu ent­rich­ten. Die Frist be­ginnt mit der Ab­sen­dung der Wi­der­rufs­er­klä­rung. Für den Zeit­raum zwi­schen Aus­zah­lung und Rück­zah­lung ist bei voll­stän­di­ger In­an­spruch­nah­me des Dar­le­hens pro Tag ein Zins­be­trag in Hö­he von 0,00 Eu­ro zu zah­len. Die­ser Be­trag ver­rin­gert sich ent­spre­chend, wenn das Dar­le­hen nur teil­wei­se in An­spruch ge­nom­men wur­de.

  • Steht dem Dar­le­hens­neh­mer in Be­zug auf den Fahr­zeug-Kauf­ver­trag ein Wi­der­rufs­recht zu, sind im Fall des wirk­sa­men Wi­der­rufs des Fahr­zeugs-Kauf­ver­trags An­sprü­che des Dar­le­hens­ge­bers auf Zah­lung von Zin­sen und Kos­ten aus der Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­trags ge­gen den Dar­le­hens­neh­mer aus­ge­schlos­sen.
  • Ist der Dar­le­hens­neh­mer auf­grund des Wi­der­rufs die­ses Dar­le­hens­ver­trags an den Fahr­zeug-Kauf­ver­trag nicht mehr ge­bun­den, sind in­so­weit die bei­der­seits emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren.
  • Der Dar­le­hens­neh­mer ist nicht ver­pflich­tet, die Sa­che zu­rück­zu­sen­den, wenn der an dem Fahr­zeug-Kauf­ver­trag be­tei­lig­te Un­ter­neh­mer an­ge­bo­ten hat, die Sa­chen ab­zu­ho­len. Grund­sätz­lich trägt der Dar­le­hens­neh­mer die un­mit­tel­ba­ren Kos­ten der Rück­sen­dung der Wa­ren. Dies gilt nicht, wenn der an dem Fahr­zeug-Kauf­ver­trag be­tei­lig­te Un­ter­neh­mer sich be­reit er­klärt hat, die­se Kos­ten zu tra­gen, oder er es un­ter­las­sen hat, den Ver­brau­cher über die Pflicht, die un­mit­tel­ba­ren Kos­ten der Rück­sen­dung zu tra­gen, zu un­ter­rich­ten. Bei au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen Ver­trä­gen, bei de­nen die Wa­ren zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zur Woh­nung des Ver­brau­chers ge­lie­fert wor­den sind, ist der Un­ter­neh­mer ver­pflich­tet, die Wa­ren auf ei­ge­ne Kos­ten ab­zu­ho­len, wenn die Wa­ren so be­schaf­fen sind, dass sie nicht per Post zu­rück­ge­sandt wer­den kön­nen. Wenn der Dar­le­hens­neh­mer die auf­grund des Fahr­zeug-Kauf­ver­trags über­las­se­ne Sa­che nicht oder teil­wei­se nicht oder nur in ver­schlech­ter­tem Zu­stand zu­rück­ge­wäh­ren kann, hat er in­so­weit Wert­er­satz zu leis­ten. Dies kommt al­ler­dings nur in Be­tracht, wenn der Wert­ver­lust auf ei­nen Um­gang mit den Wa­ren zu­rück­zu­füh­ren ist, der zur Prü­fung der Be­schaf­fen­heit, der Ei­gen­schaf­ten und der Funk­ti­ons­wei­se der Wa­ren nicht not­wen­dig war.
  • Wenn der Dar­le­hens­neh­mer in­fol­ge des Wi­der­rufs des Dar­le­hens­ver­trags nicht mehr an den wei­te­ren Ver­trag ge­bun­den ist oder in­fol­ge des Wi­der­rufs des wei­te­ren Ver­trags nicht mehr an den Dar­le­hens­ver­trag ge­bun­den ist, gilt er­gän­zend Fol­gen­des: Ist das Dar­le­hen bei Wirk­sam­wer­den des Wi­der­rufs dem Ver­trags­part­ner des Dar­le­hens­neh­mers aus dem Fahr­zeug-Kauf­ver­trag be­reits zu­ge­flos­sen, tritt der Dar­le­hens­ge­ber im Ver­hält­nis zum Dar­le­hens­neh­mer hin­sicht­lich der Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs in die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners aus dem wei­te­ren Ver­trag ein.
  • Steht dem Dar­le­hens­neh­mer in Be­zug auf den Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz ein Wi­der­rufs­recht zu, sind im Fall des wirk­sa­men Wi­der­rufs des Bei­tritts zum Kauf­preis­schutz An­sprü­che des Dar­le­hens­ge­bers auf Zah­lung von Zin­sen und Kos­ten aus der Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­trags ge­gen den Dar­le­hens­neh­mer aus­ge­schlos­sen.
  • Ist der Dar­le­hens­neh­mer auf­grund des Wi­der­rufs die­ses Dar­le­hens­ver­trags an den Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz nicht mehr ge­bun­den, sind in­so­weit die bei­der­seits emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren.
  • Wenn der Dar­le­hens­neh­mer in­fol­ge des Wi­der­rufs des Dar­le­hens­ver­trags nicht mehr an den wei­te­ren Ver­trag ge­bun­den ist oder in­fol­ge des Wi­der­rufs des wei­te­ren Ver­trags nicht mehr an den Dar­le­hens­ver­trag ge­bun­den ist, gilt er­gän­zend Fol­gen­des: Ist das Dar­le­hen bei Wirk­sam­wer­den des Wi­der­rufs dem Ver­trags­part­ner des Dar­le­hens­neh­mers aus dem Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz be­reits zu­ge­flos­sen, tritt der Dar­le­hens­ge­ber im Ver­hält­nis zum Dar­le­hens­neh­mer hin­sicht­lich der Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs in die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners aus dem wei­te­ren Ver­trag ein.

Der Dar­le­hens­neh­mer kann die Rück­zah­lung des Dar­le­hens ver­wei­gern, so­weit ihn Ein­wen­dun­gen be­rech­ti­gen wür­den, sei­ne Leis­tung ge­gen­über dem Ver­trags­part­ner aus dem ver­bun­de­nen Ver­trag zu ver­wei­gern. Dies gilt nicht, wenn das fi­nan­zier­te Ent­gelt we­ni­ger als 200 Eu­ro be­trägt oder wenn der Rechts­grund für die Ein­wen­dung auf ei­ner Ver­ein­ba­rung be­ruht, die zwi­schen dem Dar­le­hens­neh­mer und dem an­de­ren Ver­trags­part­ner nach dem Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­trof­fen wur­de. Kann der Dar­le­hens­neh­mer von dem an­de­ren Ver­trags­part­ner Nach­er­fül­lung ver­lan­gen, so kann er die Rück­zah­lung des Dar­le­hens erst ver­wei­gern, wenn die Nach­er­fül­lung fehl­ge­schla­gen ist.

 

 

Mit Schrei­ben vom 09.08.2017 er­klär­te der Klä­ger den Wi­der­ruf sei­ner auf Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung.

Das Land­ge­richt hat an­trags­ge­mäß fest­ge­stellt, dass (1.) auf­grund des Wi­der­rufs des Klä­gers die Be­klag­te aus dem Dar­le­hens­ver­hält­nis kei­ner­lei Rech­te – ins­be­son­de­re kei­nen An­spruch auf Zah­lung der Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen – ge­gen den Klä­ger (mehr) her­lei­ten kann, so­wie (2.) die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Klä­ger 26.832,45 € bin­nen sie­ben Ta­gen nach Über­ga­be des fi­nan­zier­ten Fahr­zeugs zu zah­len und (3.) die zur Si­che­rung des Dar­le­hens­ver­trags ab­ge­tre­te­nen Lohn- und Ge­halts­an­sprü­che an den Klä­ger sie­ben Ta­ge nach Rück­ga­be des Fahr­zeugs rück­ab­zu­tre­ten. Die wei­ter­ge­hen­de, un­ter an­de­rem auf die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­te mit der Ent­ge­gen­nah­me des Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug sei, ge­rich­te­te Kla­ge hat es ab­ge­wie­sen. Auf die hilfs­wei­se er­ho­be­ne Wi­der­kla­ge der Be­klag­ten hat es – un­ter Ab­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Wi­der­kla­ge – fest­ge­stellt, dass der Klä­ger ver­pflich­tet ist, an die Be­klag­te Wert­er­satz für die Nut­zung des Fahr­zeugs bis zum Zeit­punkt der Her­aus­ga­be zu zah­len.

Auf die ge­gen die­ses Ur­teil ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und über die Hilfs­wi­der­kla­ge so­wie die in­so­weit ein­ge­leg­te An­schluss­be­ru­fung des Klä­gers nicht mehr ent­schie­den.

Wäh­rend des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zahl­te der Klä­ger das Dar­le­hen zu­rück, wor­auf­hin ihm die Be­klag­te das Fahr­zeug über­eig­ne­te.

Mit sei­ner Re­vi­si­on hat der Klä­ger das kla­ge­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts an­ge­grif­fen und die Wie­der­her­stel­lung des land­ge­richt­li­chen Ur­teils be­gehrt, so­weit dar­in sei­ner Kla­ge statt­ge­ge­ben wor­den ist. In der münd­li­chen Re­vi­si­ons­ver­hand­lung hat er er­klärt, dass sich sein An­trag fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te aus dem Dar­le­hens­ver­trag kei­ner­lei Rech­te (mehr) her­lei­ten kön­ne, nur auf die Zah­lung der Dar­le­hens­ra­ten be­zie­he. In­so­fern ha­ben die Par­tei­en dar­auf­hin den Rechts­streit in der Haupt­sa­che für er­le­digt er­klärt.

Die Re­vi­si­on hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: [6]    Die Re­vi­si­on ist un­be­grün­det.

[7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung (OLG Stutt­gart, Urt. v. 30.07.2019 – 6 U 210/18, ju­ris) im We­sent­li­chen wie folgt be­grün­det:

[8]    Es kön­ne of­fen­blei­ben, ob der Fest­stel­lungs­an­trag zu­läs­sig sei, ob­wohl das Dar­le­hen zu­rück­ge­zahlt und das Ei­gen­tum an dem Fahr­zeug auf den Klä­ger über­tra­gen wor­den sei. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ge­mäß § 256 I ZPO sei nur für ein statt­ge­ben­des Ur­teil ech­te Pro­zess­vor­aus­set­zung. Ein Fest­stel­lungs­be­geh­ren kön­ne bei tat­säch­lich feh­len­dem Fest­stel­lungs­in­ter­es­se aus sach­li­chen Grün­den ab­ge­wie­sen wer­den. So lie­ge der Fall hier.

[9]    Der Klä­ger ha­be sei­ne auf Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung nicht wirk­sam wi­der­ru­fen. Maß­geb­lich sei­en die im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses im Au­gust 2014 gül­ti­gen Vor­schrif­ten des BGB und des EGBGB. Der Wi­der­ruf sei ver­fris­tet, weil die dem Klä­ger er­teil­te Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den sei und die ihm zur Ver­fü­gung ge­stell­te Ver­trags­ur­kun­de al­le für die In­gang­set­zung der Wi­der­rufs­frist er­for­der­li­chen Pflicht­an­ga­ben nach § 492 II BGB ent­hal­ten ha­be

[10]   Die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on sei ord­nungs­ge­mäß, so­dass of­fen­blei­ben kön­ne, ob sich die Be­klag­te auf die Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on des Art. 247 § 6 II 3 EGBGB be­ru­fen kön­ne. Die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on sei nicht da­durch feh­ler­haft, dass in ihr der Ta­ges­zins mit 0,00 € an­ge­ge­ben wer­de. Die­se für den Klä­ger güns­ti­ge und da­her wirk­sa­me Klau­sel füh­re da­zu, dass die Be­klag­te im Fal­le des Wi­der­rufs des Dar­le­hens­ver­trags kei­ne Soll­zin­sen ver­lan­gen kön­ne, so­dass die In­for­ma­ti­on zu­tref­fend sei.

[11]   Der Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag ent­hal­te auch die nach Art. 247 § 6 I Nr. 5 EGBGB er­for­der­li­chen An­ga­ben zu dem ein­zu­hal­ten­den Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags. Ins­be­son­de­re müs­se über das au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gungs­recht des § 314 BGB nicht be­lehrt wer­den. Die Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie se­he ei­ne sol­che Pflicht nicht vor. Da­von ab­ge­se­hen ha­be die Be­klag­te in Num­mer VI 2 der Dar­le­hens­be­din­gun­gen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei­de Par­tei­en den Dar­le­hens­ver­trag aus wich­ti­gem Grund kün­di­gen könn­ten. Die An­ga­ben zur Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung sei­en eben­falls nicht zu be­an­stan­den. Die nach Art. 247 § 7 Nr. 3 EGBGB er­for­der­li­chen An­ga­ben zur Be­rech­nungs­me­tho­de sei­en auf Sei­te 1 des Dar­le­hens­ver­trags ent­hal­ten. Selbst wenn die Pau­scha­lie­rung der Ent­schä­di­gung feh­ler­haft sein soll­te, wür­de dies nur den An­spruch auf ei­ne Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung aus­schlie­ßen, das An­lau­fen der Wi­der­rufs­frist aber un­be­rührt las­sen. Die Schrift­grö­ße der An­ga­ben nach § 492 II BGB be­geg­ne­ten kei­nen Be­den­ken; die­se sei­en oh­ne Hilfs­mit­tel aus­rei­chend les­bar.

[12]   II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung nicht stand.

[13]   Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt ge­ge­be­nen Be­grün­dung kann ein wirk­sa­mer Wi­der­ruf des streit­ge­gen­ständ­li­chen, ge­mäß § 358 III BGB mit ei­nem Kauf­ver­trag über ein Kraft­fahr­zeug und ei­nem Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz ver­bun­de­nen All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags nicht ver­neint wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zwar zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass dem Klä­ger bei Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­mäß § 495 I BGB i. V. mit § 355 BGB ein Wi­der­rufs­recht zu­stand und die Wi­der­rufs­frist nicht zu lau­fen be­gann, be­vor der Klä­ger die Pflicht­an­ga­ben nach § 492 II BGB er­hal­ten hat­te. Es hat aber zu Un­recht an­ge­nom­men, dass die Be­klag­te ih­re aus § 492 II BGB i. V. mit Art. 247 § 6 II 1 und 2 EGBGB in der hier maß­geb­li­chen, vom 13.06.2014 bis 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: a.F.) re­sul­tie­ren­de Ver­pflich­tung, über das nach § 495 I BGB be­ste­hen­de Wi­der­rufs­recht zu in­for­mie­ren, ord­nungs­ge­mäß er­füllt hat.

[14]   1. Die dem Klä­ger er­teil­te Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on ist feh­ler­haft, weil die in ihr ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf „al­le Pflicht­an­ga­ben nach § 492 Ab­satz 2 BGB“ nicht klar und ver­ständ­lich i. S. des Art. 247 § 6 I EGBGB in der hier maß­geb­li­chen, vom 11.06.2010 bis 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: a.F.) ist.

[15]   Nach der Recht­spre­chung des BGH ist zwar der Ver­weis in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on auf § 492 II BGB in Kom­bi­na­ti­on mit der bei­spiel­haf­ten Auf­zäh­lung von Pflicht­an­ga­ben nach den Maß­stä­ben des na­tio­na­len Rechts (Art. 247 § 6 I EGBGB) klar und ver­ständ­lich (Se­nat, Beschl. v. 31.03.2020 – XI ZR 581/18, ZIP 2020, 868 f. m. w. Nachw.).

[16]   Der EuGH hat aber mit Ur­teil vom 26.03.2020 – C-66/19, ECLI:EU:C:2020:242 = WM 2020, 688 – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is – ent­schie­den, dass Art. 10 II lit. p der Richt­li­nie 2008/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/102/EWG des Ra­tes (ABl. 2008 L 133, 66; be­rich­tigt in ABl. 2009 L 207, 14, ABl. 2010 L 199, 40, und ABl. 2011 L 234, 46; im Fol­gen­den: Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie) da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er dem ent­ge­gen­steht, dass ein Kre­dit­ver­trag hin­sicht­lich der in Art. 10 die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten An­ga­ben auf ei­ne na­tio­na­le Vor­schrift ver­weist, die selbst auf wei­te­re Rechts­vor­schrif­ten des be­tref­fen­den Mit­glied­staats ver­weist.

[17]   Auf der Grund­la­ge die­ses Ur­teils hält der Se­nat im Gel­tungs­be­reich der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie in Be­zug auf All­ge­mein-Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge an sei­ner bis­lang ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung nicht fest, wo­nach ein sol­cher Ver­weis klar und ver­ständ­lich ist (vgl. Se­nat, Beschl. v. 19.03.2019 – XI ZR 44/18, WM 2019, 864 Rn. 15 f.). Die na­tio­na­len Re­ge­lun­gen in § 492 II BGB und Art. 247 § 6 EGBGB las­sen nach ih­rem Wort­laut of­fen, ob und auf wel­che Wei­se in der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on auf die zu er­tei­len­den Pflicht­an­ga­ben hin­zu­wei­sen ist. Nach Art. 247 § 6 I EGBGB a.F. muss dies le­dig­lich klar und ver­ständ­lich sein. Die­se Vor­aus­set­zung ist aus­le­gungs­fä­hig, so­dass bei ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ei­ne Ver­wei­sung auf wei­te­re Rechts­vor­schrif­ten den An­for­de­run­gen an Klar­heit und Ver­ständ­lich­keit nicht ge­nügt (vgl. Se­nat, Urt. v. 27.10.2020 – XI ZR 498/19, ju­ris Rn. 16 [zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ be­stimmt]).

[18]   2. Die Be­klag­te kann sich nicht auf die Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on des Art. 247 § 6 II 3 EGBGB a.F. be­ru­fen (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 28.07.2020 – XI ZR 288/19, WM 2020, 1627 Rn. 17 ff.; Beschl. v. 31.03.2020 – XI ZR 198/19, WM 2020, 838 Rn. 6 ff.). Dies setzt vor­aus, dass die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on der Be­klag­ten dem Mus­ter in An­la­ge 7 zu Art. 247 § 6 II und § 12 I EGBGB a.F. ent­spricht. Dies ist, was der Se­nat durch ei­nen Ver­gleich selbst fest­stel­len kann (st. Rspr., vgl. nur Se­nat, Urt. v. 11.10.2016 – XI ZR 482/15, BGHZ 212, 207 Rn. 26), nicht der Fall.

[19]   In der Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on der Be­klag­ten feh­len ent­ge­gen den bei ei­nem mit ei­nem Dar­le­hens­ver­trag ver­bun­de­nen Ver­trag nach § 358 BGB – hier von der Be­klag­ten zu­tref­fend mit dem Fahr­zeug-Kauf­ver­trag und dem Bei­tritt zum Kauf­preis­schutz an­ge­ge­ben – an­wend­ba­ren Ge­stal­tungs­hin­wei­sen 2 und 6 die bei­den zwin­gend vor­ge­schrie­be­nen Un­ter­über­schrif­ten „Be­son­der­hei­ten bei wei­te­ren Ver­trä­gen“ so­wie die nach Ge­stal­tungs­hin­weis 6g zwin­gend vor­ge­schrie­be­ne Über­schrift „Ein­wen­dun­gen bei ver­bun­de­nen Ver­trä­gen“. Da­mit ent­spricht die Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on der Be­klag­ten nicht dem Mus­ter in An­la­ge 7 zu Art. 247 § 6 II und § 12 I EGBGB a.F. Das Feh­len der (Un­ter-)Über­schrif­ten stellt auch nicht le­dig­lich ein un­be­acht­li­ches Re­dak­ti­ons­ver­se­hen dar, das un­ter Art. 247 § 6 II 5 EGBGB sub­su­miert wer­den könn­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 11.10.2016 – XI ZR 482/15, BGHZ 212, 207 Rn. 25 und 27 m. w. Nachw. [zu § 14 III BGB-In­foV in der zwi­schen dem 01.09.2002 und dem 10.06.2010 gel­ten­den Fas­sung]).

[20]   III. Das Be­ru­fungs­ur­teil er­weist sich je­doch aus an­de­ren Grün­den als rich­tig, so­dass die Re­vi­si­on zu­rück­zu­wei­sen ist (§ 561 ZPO).

[21]   1. So­weit der Klä­ger den ihm dem Grun­de nach zu­ste­hen­den An­spruch aus § 358 IV 1 BGB i. V. mit § 355 III 1 BGB auf Rück­ge­währ der von ihm an die Be­klag­te ge­leis­te­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen so­wie der an den Au­to­händ­ler ge­leis­te­ten An­zah­lung gel­tend macht, ist die Kla­ge je­den­falls der­zeit un­be­grün­det. In­so­weit steht der Be­klag­ten – was sie mit der Kla­ge­er­wi­de­rung gel­tend ge­macht hat – nach § 358 IV 1 BGB i. V. mit § 357 IV 1 BGB ge­gen­über dem vor­leis­tungs­pflich­ti­gen Klä­ger ein Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht zu, bis sie das fi­nan­zier­te Fahr­zeug zu­rück­er­hal­ten hat oder der Klä­ger den Nach­weis er­bracht hat, dass er das Fahr­zeug ab­ge­sandt hat. Dass die Be­klag­te an­ge­bo­ten hät­te, das Fahr­zeug beim Klä­ger ab­zu­ho­len (§ 357 IV 2 BGB), ist we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich. So­weit der Klä­ger Zah­lung „nach“ Her­aus­ga­be des Fahr­zeugs be­gehrt, setzt dies in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 322 II BGB vor­aus, dass die Be­klag­te mit der Ent­ge­gen­nah­me des Fahr­zeugs im Ver­zug der An­nah­me ist (vgl. Se­nat, Urt. v. 27.10.2020 – XI ZR 498/19, ju­ris Rn. 29). Dies ist aber nicht der Fall. Zwi­schen den Par­tei­en steht auf­grund der rechts­kräf­ti­gen Ab­wei­sung des An­trags des Klä­gers auf Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs fest, dass sich die Be­klag­te nicht in An­nah­me­ver­zug be­fun­den hat (§ 322 I ZPO).

[22]   Vor­sorg­lich weist der Se­nat für ein et­wai­ges Fol­ge­ver­fah­ren dar­auf hin, dass aus der Ab­wei­sung des Rück­ge­währan­spruchs als der­zeit un­be­grün­det le­dig­lich in Rechts­kraft er­wächst, dass der Klä­ger ge­gen die Be­klag­te bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung kei­nen zur Zah­lung fäl­li­gen An­spruch hat­te (vgl. BGH, Urt. v. 06.10.1989 – V ZR 263/86, WM 1989, 1897, 1899; Urt. v. 28.07.2011 – VII ZR 180/10, NJW-RR 2011, 1528 Rn. 12), nicht da­ge­gen, dass die Be­klag­te ei­nem sol­chen An­spruch nicht wei­te­re Ein­re­den und Ein­wen­dun­gen ent­ge­gen­hal­ten kann (vgl. da­zu Se­nat, Urt. v. 27.10.2020 – XI ZR 498/19, ju­ris Rn. 27).

[23]   2. Dem Klä­ger steht der­zeit auch kein An­spruch auf Rück­ab­tre­tung der zur Si­cher­heit ab­ge­tre­te­nen Lohn- und Ge­halts­an­sprü­che zu. Die Si­cher­hei­ten die­nen nach Num­mer II der All­ge­mei­nen Dar­le­hens­be­din­gun­gen auch zur Si­che­rung der An­sprü­che der Be­klag­ten aus ei­ner et­wai­gen Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­trags gleich aus wel­chem Rechts­grund und da­mit im Fal­le der Be­acht­lich­keit der Wi­der­rufs­er­klä­rung des Klä­gers auch der Si­che­rung des An­spruchs der Be­klag­ten auf Wert­er­satz, den der Klä­ger noch nicht er­füllt hat, so­dass der Si­che­rungs­zweck noch nicht ent­fal­len ist.

[24]   a) Nach § 358 IV 1 BGB sind auf die Rück­ab­wick­lung des ver­bun­de­nen Ver­trags un­ab­hän­gig von der Ver­triebs­form § 355 III BGB und, je nach Art des ver­bun­de­nen Ver­trags, die §§ 357 bis 357b BGB ent­spre­chend an­zu­wen­den. Da­nach gel­ten für al­le Ver­trä­ge („un­ab­hän­gig von der Ver­triebs­form“) § 355 III BGB und er­gän­zend die Vor­schrif­ten ent­spre­chend, die nach der „Art des ver­bun­de­nen Ver­trags“ hy­po­the­tisch an­wend­bar wä­ren, wenn die­ser selbst wi­der­ru­fen wor­den wä­re, oh­ne dass es dar­auf an­kommt, ob in­so­weit ein Wi­der­rufs­recht be­stan­den hat. Dies ist bei ei­nem – wie hier – Ver­trag über die Lie­fe­rung ei­ner Wa­re die Vor­schrift des § 357 BGB (vgl. Se­nat, Urt. v. 27.10.2020 – XI ZR 498/19, ju­ris Rn. 22).

[25]   b) Nach § 358 IV 1 Halb­satz 2 BGB i. V. mit § 357 VII BGB hat der Dar­le­hens­neh­mer im Rah­men der Rück­ab­wick­lung des mit dem Ver­brau­cher­dar­le­hen ver­bun­de­nen Ver­trags – hier des Kfz-Kauf­ver­trags – un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen Wert­er­satz für ei­nen Wert­ver­lust der Wa­re hier des Fahr­zeugs zu leis­ten. Die (le­dig­lich) ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 357 VII BGB führt in­des – was der Se­nat mit Ur­teil vom 27.10.2020 – XI ZR 498/19, ju­ris Rn. 31 ff. – ent­schie­den und im Ein­zel­nen be­grün­det hat – im Fall des Ver­bunds ei­nes Dar­le­hens­ver­trags mit ei­nem – wie hier – im sta­tio­nä­ren Han­del ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag nicht da­zu, dass die Wert­er­satz­pflicht des Dar­le­hens­neh­mers nur dann be­steht, wenn der Dar­le­hens­ge­ber – wie dies § 357 VII Nr. 2 BGB vor­aus­setzt – den Dar­le­hens­neh­mer „nach Ar­ti­kel 246a § 1 Ab­satz 2 Satz 1 Num­mer 1 des Ein­füh­rungs­ge­set­zes zum Bür­ger­li­chen Ge­setz­bu­che über sein Wi­der­rufs­recht un­ter­rich­tet hat“. Viel­mehr ge­nügt es, wenn der Dar­le­hens­ge­ber den Ver­brau­cher über ei­ne mög­li­che Wert­er­satz­pflicht un­ter­rich­tet.

[26]   IV. Der An­trag des Klä­gers auf Aus­set­zung des Ver­fah­rens bis zur Ent­sch­ei-dung des EuGH über das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des LG Ra­vens­burg vom 07.01.2020 (2 O 315/19, BKR 2020, 151) hat schon des­halb kei­nen Er­folg, weil sich die dort auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen vor­lie­gend nicht stel­len.

[27]   V. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91a, 97 I und II ZPO (vgl. zu § 97 II ZPO BGH, Urt. v. 11.12.2015 – V ZR 26/15, WM 2016, 1748 Rn. 36 ff.).

Hin­wei­se: 1. Art. 247 § 6 II EGBGB in der vom 13.06.2014 bis zum 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung lau­te­te:

1Be­steht ein Wi­der­rufs­recht nach § 495 BGB, müs­sen im Ver­trag An­ga­ben zur Frist und zu an­de­ren Um­stän­den für die Er­klä­rung des Wi­der­rufs so­wie ein Hin­weis auf die Ver­pflich­tung des Dar­le­hens­neh­mers ent­hal­ten sein, ein be­reits aus­be­zahl­tes Dar­le­hen zu­rück­zu­zah­len und Zin­sen zu ver­gü­ten. 2Der pro Tag zu zah­len­de Zins­be­trag ist an­zu­ge­ben. 3Ent­hält der Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag ei­ne Ver­trags­klau­sel in her­vor­ge­ho­be­ner und deut­lich ge­stal­te­ter Form, die dem Mus­ter in An­la­ge 7 ent­spricht, ge­nügt die­se den An­for­de­run­gen der Sät­ze 1 und 2. 4Dies gilt bis zum Ab­lauf des 04.11.2011 auch bei ent­spre­chen­der Ver­wen­dung die­ses Mus­ters in der Fas­sung des Ge­set­zes zur Ein­füh­rung ei­ner Mus­ter­wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on für Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­ge, zur Än­de­rung der Vor­schrif­ten über das Wi­der­rufs­recht bei Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen und zur Än­de­rung des Dar­le­hens­ver­mitt­lungs­rechts vom 24.07.2010 (BGBl. 2010 I, 977). 5Der Dar­le­hens­ge­ber darf un­ter Be­ach­tung von Satz 3 in For­mat und Schrift­grö­ße je­weils von dem Mus­ter ab­wei­chen.

2. Art. 247 § 6 I EGBGB in der vom 11.06.2010 bis zum 20.03.2016 gel­ten­den Fas­sung lau­te­te:

„Der Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag muss klar und ver­ständ­lich fol­gen­de An­ga­ben ent­hal­ten:

1. die in § 3 Abs. 1 Nr. 1 bis 14 und Abs. 4 ge­nann­ten An­ga­ben,
2. den Na­men und die An­schrift des Dar­le­hens­neh­mers,
3. die für den Dar­le­hens­ge­ber zu­stän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de,
4. ei­nen Hin­weis auf den An­spruch des Dar­le­hens­neh­mers auf ei­nen Til­gungs­plan nach § 492 Abs. 3 Satz 2 des Bür­ger­li­chen Ge­setz­buchs,
5. das ein­zu­hal­ten­de Ver­fah­ren bei der Kün­di­gung des Ver­trags,
6. sämt­li­che wei­te­re Ver­trags­be­din­gun­gen.“

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