1. Für die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags be­steht ein ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort dort, wo sich die Kauf­sa­che – hier: ein ge­brauch­ter Pkw – ver­trags­ge­mäß be­fin­det. Das gilt auch dann, wenn der Kauf­ver­trag in­fol­ge ei­nes wirk­sa­men Wi­der­rufs rück­ab­zu­wi­ckeln ist. Da­bei macht es grund­sätz­lich kei­nen Un­ter­schied, ob sich der Wi­der­ruf un­mit­tel­bar auf den Kauf­ver­trag oder auf ei­nen mit dem Kauf­ver­trag i. S. von § 358 III 1, 2 BGB ver­bun­de­nen Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag be­zieht, so­dass auch der Kauf­ver­trag rück­ab­zu­wi­ckeln ist (§ 358 II, IV BGB).
  2. Für ei­ne Kla­ge, mit der der Dar­le­hens­neh­mer den Dar­le­hens­ge­ber auf Rück­zah­lung von nach Ab­ga­be der Wi­der­rufs­er­klä­rung ge­leis­te­ten Zah­lun­gen in An­spruch nimmt, er­gibt sich die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des Ge­richts nicht aus § 29 I ZPO, weil die­se Zah­lun­gen nicht in das Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis fal­len. Der Dar­le­hens­neh­mer kann bei dem Ge­richt, das für den ein­heit­li­chen Er­fül­lungs­ort ge­mäß § 29 I ZPO ört­lich zu­stän­dig ist, aber ins­be­son­de­re auf Rück­zah­lung der bis zur Ab­ga­be der Wi­der­rufs­er­klä­rung ge­leis­te­ten Zah­lun­gen und auf Fest­stel­lung kla­gen, dass er dem Dar­le­hens­ge­ber in­fol­ge des Wi­der­rufs aus dem Dar­le­hens­ver­trag kei­ne Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen (mehr) schul­de.

OLG Dres­den, Ur­teil vom 05.11.2020 – 8 U 1084/20

Sach­ver­halt: Der Klä­ger, der sei­nen Wohn­sitz da­mals im Be­zirk des LG Chem­nitz hat­te und dort auch jetzt noch wohnt, er­warb im Ju­ni 2018 ei­nen ge­brauch­ten Pkw. Zur (teil­wei­sen) Fi­nan­zie­rung des Kauf­prei­ses für das Fahr­zeug schloss er mit der Be­klag­ten ei­nen – mit dem Kfz-Kauf­ver­trag ver­bun­de­nen – Dar­le­hens­ver­trag über 23.000 €; wei­te­re 10.000 € zahl­te der Klä­ger aus ei­ge­nen Mit­teln.

Mit Schrei­ben vom 26.04.2019 hat der Klä­ger sei­ne auf den Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung wi­der­ru­fen. Er meint, die Wi­der­rufs­frist sei zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ab­ge­lau­fen ge­we­sen, weil er kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on und nicht sämt­li­che Pflicht­an­ga­ben er­hal­ten ha­be. Dar­über hin­aus ist der Klä­ger der Auf­fas­sung, dass er der Be­klag­ten im Rah­men der Rück­ab­wick­lung des Kfz-Kauf­ver­trags kei­nen Wert­er­satz für ei­nen Wert­ver­lust des Fahr­zeugs leis­ten müs­se, weil die Be­klag­te ihm ge­gen­über kei­ne An­sprü­che des Ver­käu­fers gel­tend ma­chen kön­ne. Mit Blick dar­auf hat der Klä­ger der Be­klag­ten erst­in­stanz­lich rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen.

In ers­ter In­stanz hat der Klä­ger (1.) die Fest­stel­lung be­gehrt, dass er der Be­klag­ten in­fol­ge des Wi­der­rufs aus dem Dar­le­hens­ver­trag kei­ne Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen mehr schul­de. Au­ßer­dem hat er von der Be­klag­ten (2.) ver­langt, ihm be­reits ge­zahl­te Be­trä­ge nebst Zin­sen „bin­nen sie­ben Ta­gen nach Über­ga­be des Fahr­zeugs“ zu­rück­zu­zah­len. Dar­über hin­aus woll­te der Klä­ger (3.) fest­ge­stellt ha­ben, dass die Be­klag­te mit der An­nah­me des Pkw in Ver­zug sei, und hat er (4.) den Er­satz vor­ge­richt­lich ent­stan­de­ner Rechts­an­walts­kos­ten be­an­sprucht. Die Zah­lungs­an­trä­ge so­wie den auf Fest­stel­lung des An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten ge­rich­te­ten An­trag hat der Klä­ger nur hilfs­wei­se für den Fall ge­stellt, dass die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge (Kla­ge­an­trag zu 1) Er­folg hat. Für die­sen Fall und wei­ter hilfs­wei­se für den Fall, dass sich das an­ge­ru­fe­ne LG Chem­nitz hin­sicht­lich der An­trä­ge zu 2 bis 5 für ört­lich un­zu­stän­dig hält, hat der Klä­ger be­an­tragt, den Rechts­streit in­so­weit – aber nicht als Gan­zes – an das LG Stutt­gart zu ver­wei­sen.

Das Land­ge­richt hat ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge als un­zu­läs­sig ab­ge­wie­sen, weil es in­so­weit sei­ne ört­li­che Zu­stän­dig­keit ver­neint hat. Mit den nur für den Fall, dass die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lung­kla­ge Er­folgt hat, ge­stell­ten An­trä­gen hat es sich dem­entspre­chend nicht aus­ein­an­der­ge­setzt.

Mit sei­ner da­ge­gen ge­rich­te­ten Be­ru­fung hat der Klä­ger in ers­ter Li­nie er­rei­chen wol­len, dass das Ur­teil des LG Chem­nitz auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an die­ses Ge­richt zu­rück­ver­wie­sen wird (§ 538 II 1 Nr. 3, Satz 2 ZPO). Hilfs­wei­se hat der Klä­ger sei­ne in ers­ter In­stanz ge­stell­ten An­trä­ge wei­ter­ver­folgt, al­ler­dings oh­ne die Ein­schrän­kung, dass über die üb­ri­gen An­trä­ge nur ent­schie­den wer­den soll, falls die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge (Kla­ge­an­trag zu 1) Er­folg hat.

Der Klä­ger hat ins­be­son­de­re gel­tend ge­macht, das Land­ge­richt ha­be sei­ne ört­li­che Zu­stän­dig­keit für die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge zu Un­recht ver­neint. In­so­weit er­ge­be sich die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz aus § 29 I ZPO, und die­se schla­ge auch auf die an­de­ren Kla­ge­an­trä­ge durch. Er, der Klä­ger, ha­be auch ein recht­li­ches In­ter­es­se i.​nbsp;S. von § 256 I an der be­gehr­ten Fest­stel­lung, weil und nach­dem die Be­klag­te den auf den Dar­le­hens­ver­trag ge­rich­te­ten Wi­der­ruf zu­rück­ge­wie­sen und da­mit deut­lich ge­macht ha­be, dass sie auf ei­ner Fort­set­zung und Er­fül­lung die­ses Ver­trags be­ste­he. Dem­entspre­chend ha­be die Be­klag­te von ihm, dem Klä­ger, wie­der­holt ver­trags­treu­es Ver­hal­ten ver­langt.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Be­ru­fung zu­rück­zu­wei­sen. Hilfs­wei­se für den Fall des voll­stän­di­gen oder teil­wei­se Ob­sie­gen des Klä­gers hat die Be­klag­te zwei An­trä­ge ge­stellt: Zum ei­nen hat sie die Fest­stel­lung be­gehrt, dass der Klä­ger ihr Wert­er­satz für den Wert­ver­lust leis­ten müs­se, den der Pkw zwi­schen der Über­ga­be an den Klä­ger und der Her­aus­ga­be an sie, die Be­klag­te, er­lit­ten ha­be. Zum an­de­ren hat die Be­klag­te be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass der Klä­ger ver­pflich­tet sei, an sie für den Zeit­raum zwi­schen der Aus­zah­lung und der Rück­zah­lung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hens durch Rück­ga­be des Fahr­zeugs Nut­zungs­er­satz in Hö­he von 3,92 % p. a. auf den je­weils noch of­fe­nen Dar­le­hens­sal­do zu zah­len.

Die Be­klag­te hat die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung ver­tei­digt. Sie hat über­dies gel­tend ge­macht, die dem Klä­ger er­teil­te Wi­der­rufs­in­for­ma­ti­on ge­nie­ße den Schutz der Ge­setz­lich­keits­fik­ti­on (Art. 247 § 6 II 3 EGBGB), der Klä­ger ha­be sämt­li­che Pflicht­an­ga­ben er­hal­ten, und er ha­be sein Wi­der­rufs­recht je­den­falls ver­wirkt.

Die Be­ru­fung des Klä­gers hat­te teil­wei­se Er­folg.

Aus den Grün­den: B. In dem aus dem Te­nor er­sicht­li­chen Um­fang führt die Be­ru­fung zur Auf­he­bung und Zu­rück­ver­wei­sung des Ver­fah­rens an das LG Chem­nitz (§ 538 II 1 Nr. 3 ZPO), das in die­sem Um­fang ört­lich für die Ent­schei­dung des Rechts­streits zu­stän­dig ist (s. un­ten II). Für den An­trag auf Rück­zah­lung der nach dem Wi­der­ruf ge­leis­te­ten Zah­lun­gen ist das LG Chem­nitz al­ler­dings un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt ört­lich zu­stän­dig. Dies­be­züg­lich wird das Ver­fah­ren auf den erst­in­stanz­lich hilfs­wei­se ge­stell­ten An­trag des Klä­gers ab­ge­trennt und an das LG Stutt­gart ver­wie­sen (s. un­ten I).

I. Für den An­trag auf Rück­zah­lung der nach Wi­der­ruf ge­leis­te­ten Zah­lun­gen ist das LG Chem­nitz ört­lich un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt zu­stän­dig; in­so­weit war das Ver­fah­ren da­her an das LG Stutt­gart zu ver­wei­sen. Die Par­tei­ver­tre­ter sind ei­ner (teil­wei­sen) Ver­wei­sung auf den in der münd­li­chen Ver­hand­lung er­wähn­ten Hilfs­an­trag nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten.

1. Ei­nen wirk­sa­men Wi­der­ruf un­ter­stellt, stün­de dem Klä­ger ein An­spruch auf Rück­zah­lung der nach dem Dar­le­hens­wi­der­ruf an die Be­klag­te ge­leis­te­ten Zah­lun­gen aus § 812 I 1 Fall 1 BGB zu – ob ein et­wai­ger An­spruch nach § 814 BGB aus­ge­schlos­sen wä­re, be­darf für die Fra­ge der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit kei­ner Er­ör­te­rung. Die­se Zah­lun­gen wä­ren oh­ne Rechts­grund er­folgt. Der Dar­le­hens­ver­trag, der durch den Wi­der­ruf in ein Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis um­ge­wan­delt wor­den wä­re, kä­me als Rechts­grund nicht in Be­tracht; ver­trag­li­che An­sprü­che be­ste­hen ab Wi­der­ruf nicht mehr. Die nach Wi­der­ruf ge­leis­te­ten Zah­lun­gen sind auch nicht Teil des Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis­ses, denn die­ses um­fasst nur die wech­sel­sei­tig vor dem Wi­der­ruf er­brach­ten Leis­tun­gen (vgl. BGH, Beschl. v. 21.02.2017 – XI ZR 398/16, ju­ris Rn. 3; OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 22.09.2020 – 10 U 188/19, ju­ris Rn. 40). Ei­ne an­de­re An­spruchs­grund­la­ge als Be­rei­che­rungs­recht ist für die­sen An­spruch nicht er­sicht­lich.

Be­ruht aber die For­de­rung nicht auf ei­nem ver­trag­li­chen, son­dern auf ei­nem ge­setz­li­chen Schuld­ver­hält­nis, kommt ei­ne ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz ge­mäß § 29 I ZPO nicht in Be­tracht; die Re­ge­lung er­fasst nur ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se (BGH, Beschl. v. 28.02.1996 – XII ZR 181/93, BGHZ 132, 105 = ju­ris Rn. 13; Ba­yO­bLG, Beschl. v. 16.11.1993 – 1Z AR 39/93, ju­ris Rn. 5).

Aber selbst wenn man mit Tei­len der Li­te­ra­tur ei­ne An­wen­dung von § 29 I ZPO auch auf ei­nen Teil der ge­setz­li­chen Schuld­ver­hält­nis­se an­neh­men woll­te (vgl. Hein­rich, in: Mu­sielak/Voit, ZPO, 17. Aufl., § 29 Rn. 6: An­wend­bar­keit für kon­dik­ti­ons­recht­li­che An­sprü­che bei Ver­trags­nich­tig­keit; s. zum Streit­stand ins­ge­samt Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, Stand: 01.09.2020, § 29 Rn. 12 ff.) führ­te das nicht zu ei­ner ört­li­chen Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz. Es han­delt sich um ei­ne be­rei­che­rungs­recht­li­che Geld­for­de­rung; Er­fül­lungs­ort ist ge­mäß §§ 269 III, 270 I, II BGB der Sitz des Schuld­ners. Da sie nicht Teil des Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis­ses ist, hat die­ses auch kei­nen Ein­fluss auf den Er­fül­lungs­ort.

Ei­ne ge­ne­rel­le (über die ge­setz­lich ge­re­gel­ten Fäl­le hin­aus­ge­hen­de) Zu­stän­dig­keit auf­grund Sach­zu­sam­men­hangs kennt die ZPO nicht. Da­mit ist das LG Chem­nitz für die­sen An­trag ört­lich nicht zu­stän­dig; die Zu­stän­dig­keit für die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge schlägt, an­ders als der Klä­ger meint, nicht auf die an­de­ren An­trä­ge durch.

2. Ei­nen An­trag auf Ver­wei­sung der Kla­ge­an­trä­ge zu 2 bis 4 an das ört­lich zu­stän­di­ge LG Stutt­gart hat der Klä­ger erst­in­stanz­lich für den Fall, dass die dort ge­stell­te in­ner­pro­zes­sua­le Be­din­gung (Zu­läs­sig­keit und Be­grün­det­heit der ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge) ein­tritt und das Ge­richt sei­ne ört­li­che Zu­stän­dig­keit nicht für ge­ge­ben an­sieht, ge­stellt. Er hat die­sen zwar im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht aus­drück­lich wie­der­holt, al­ler­dings sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag zum Ge­gen­stand auch des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ge­macht. Der Se­nat legt den An­trag da­hin aus, dass er auch für den Fall ge­stellt sein soll, dass die in­ner­pro­zes­sua­le Be­din­gung fal­len ge­las­sen wird. Die Be­klag­te ist der Ver­wei­sung nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten.

II. Für die auf die Rück­ab­wick­lung des Dar­le­hens­ver­trags ein­schließ­lich des mit die­sem ver­bun­de­nen Fahr­zeug­kauf­ver­trags ge­rich­te­ten An­trä­ge hin­ge­gen er­gibt sich ei­ne ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz aus § 29 I ZPO.

1. Für den ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­an­trag folgt die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz dar­aus, dass im Rah­men des § 29 I ZPO auf die ma­te­ri­el­le Rechts­la­ge ab­zu­stel­len ist (so schon RG, Urt. v. 06.11.1903 – II 193/03, RGZ 56, 138, 139 ff.; Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, a. a. O., § 29 Rn. 29). In der Sa­che geht es bei die­sem An­trag um ei­ne Zah­lungs­pflicht des Klä­gers (Pflicht, Zins und Til­gung zu leis­ten). Hier­für ist ge­setz­li­cher Er­fül­lungs­ort der Sitz des Klä­gers zum Zeit­punkt der Be­grün­dung des Dar­le­hens­ver­trags (§ 269 I BGB). Da es auf den streit­ge­gen­ständ­li­chen An­spruch und nicht die Par­tei­rol­len an­kommt, ist die­ser Ort da­mit auch im Rah­men der ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge maß­geb­lich (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 16.12.2019 – 31 U 90/19, BeckRS 2019, 34978 Rn. 41 f.; OLG Cel­le, Urt. v. 26.02.2020 – 3 U 157/19, ju­ris Rn. 35 ff.; Urt. v. 22.07.2020 – 3 U 3/20, ju­ris Rn. 35 ff.; OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 30.06.2017 – I-17 U 144/16, ju­ris Rn. 41; OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 13.08.2020 – 4 U 100/19, ju­ris Rn. 109 ff.).

Zif­fer X 1 der Dar­le­hens­be­din­gun­gen, wo­nach Stutt­gart Er­fül­lungs­ort für al­le Rech­ten und Pflich­ten aus dem Dar­le­hens­ver­trag ist, führt zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis; ge­mäß § 29 II ZPO ent­fal­tet die­se Klau­sel ge­gen­über dem Klä­ger als Ver­brau­cher kei­ne pro­zes­sua­le Wir­kung. Sie löst ins­be­son­de­re auch kei­ne Sperr­wir­kung für den Ge­richts­stand des Er­fül­lungs­orts aus; an­de­ren­falls führ­te sie zu ei­ner De­ro­ga­ti­on und da­mit ei­ner Um­ge­hung des § 38 ZPO (Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, a. a. O., § 29 Rn. 33; Hein­rich, in: Mu­sielak/Voit, a. a. O., § 29 Rn. 42 a. E.).

Aus­weis­lich des streit­ge­gen­ständ­li­chen Dar­le­hens­ver­trags wohn­te der Klä­ger bei Ver­trags­schluss in K. und da­mit im Be­zirk des LG Chem­nitz.

2. Auch für die wei­te­ren auf die Rück­ab­wick­lung des – im Rah­men der Zu­läs­sig­keit un­ter­stellt: wirk­sam – wi­der­ru­fe­nen Dar­le­hens­an­trags mit ver­bun­de­nem Fahr­zeug­kauf­ver­trag ge­rich­te­ten An­trä­ge ist die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz ge­ge­ben.

a) Für die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags be­steht ein ein­heit­li­cher Er­fül­lungs­ort dort, wo sich die ver­äu­ßer­te Sa­che, vor­lie­gend der Pkw, ver­trags­ge­mäß be­fin­det. Das gilt auch im Zu­sam­men­hang mit der Rück­ab­wick­lung nach Ver­trags­wi­der­ruf (OLG Hamm, Urt. v. 27.11.2019 – 31 U 114/18, ju­ris Rn. 77 f.; OLG Düs­sel­dorf, Beschl. v. 03.12.2019 – 5 SA 47/19, ju­ris Rn. 21; OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 13.08.2020 – 4 U 100/19, ju­ris Rn. 176; OLG Cel­le, Urt. v. 22.07.2020 – 3 U 3/20, ju­ris Rn. 65; OLG Köln, Beschl. v. 14.04.2020 – 12 U 46/20, ju­ris Rn. 4 f.; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 79. Aufl., § 269 Rn. 14) so­wie für den Fall des Wi­der­rufs ei­nes mit ei­nem Fahr­zeug­kauf­ver­trag ver­bun­de­nen Dar­le­hens­ver­trags, da die Bank bei Letz­te­rem ge­mäß § 358 IV 5 BGB in die Po­si­ti­on des Ver­käu­fers ein­tritt (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 27.11.2019 – 31 U 114/18, ju­ris Rn. 77 f.).

Mit der An­nah­me der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit des LG Chem­nitz wird der all­ge­mei­ne Ge­richts­stand der Be­klag­ten ge­mäß §§ 12, 17 ZPO we­der ent­wer­tet noch um­gan­gen. § 29 I ZPO stellt eben­falls ei­nen ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Ge­richts­stand dar. Und auch, wenn § 12 ZPO das In­ter­es­se des Be­klag­ten an­er­kennt, sich nicht an ei­nem für ihn frem­den Ge­richts­stand ver­tei­di­gen zu müs­sen,

b) Da­ge­gen geht das OLG Naum­burg von ei­nem Er­fül­lungs­ort für die­se Geld­schul­den am Sitz der Bank aus (Urt. v. 09.09.2020 – 5 U 77/20, An­la­ge Bb 1). Bei ei­ner Rück­ab­wick­lung nach ei­nem Rück­tritt, auch bei Ver­bin­dung von Rück­tritt und gro­ßem Scha­dens­er­satz, so­wie bei Kla­gen auf Ver­wen­dungs­er­satz oder auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses bei Un­ter­gang oder Ver­stei­ge­rung der Sa­che ha­be der Ver­käu­fer die Grün­de für die Rück­ab­wick­lung zu ver­tre­ten und sei­en die Leis­tun­gen oh­ne­hin Zug um Zug am Sitz des Käu­fers aus­zu­tau­schen. Der­ar­ti­ge Grün­de, den Käu­fer/Dar­le­hens­neh­mer zu be­güns­ti­gen, be­stün­den beim Wi­der­ruf nicht. Das Wi­der­rufs­recht knüp­fe nicht an ei­ne Pflicht­ver­let­zung des Ver­käu­fers an, son­dern stün­de im frei­en Be­lie­ben des Käu­fers. Ähn­lich ar­gu­men­tie­ren das OLG Bran­den­burg (Urt. v. 24.06.2020 – 4 U 215/19, ju­ris Rn. 54 ff.) so­wie das OLG Stutt­gart (Urt. v. 28.04.2020 – 6 U 316/19, ju­ris Rn. 38 ff.), die die Fra­ge al­ler­dings of­fen­las­sen konn­ten.

c) Die­se Er­wä­gun­gen über­zeu­gen den Se­nat nicht. Der Käu­fer hat im Fal­le ei­nes er­folg­rei­chen Wi­der­rufs nicht nur ein Recht auf Rück­zah­lung der von ihm ge­leis­te­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen, son­dern auch auf die Rück­nah­me des ge­kauf­ten Fahr­zeugs durch die in die Stel­lung des Ver­käu­fers ein­ge­tre­te­ne Bank. Für die­sen An­spruch ist Er­fül­lungs­ort und da­mit Wahl­ge­richts­stand der Ort der be­le­ge­nen Sa­che bzw. der Wohn­ort des Schuld­ners (vgl. MünchKomm-BGB/Krü­ger, 8. Aufl., § 269 Rn. 48). Dar­aus, ob der Aus­tausch Zug um Zug oder nach­ein­an­der statt­zu­fin­den hat, lässt sich für die Fra­ge des Er­fül­lungs­orts nichts ge­win­nen; das sich aus der Zug-um-Zug-Ver­pflich­tung er­ge­ben­de Ge­gen­sei­tig­keits­ver­hält­nis hat kei­nen Ein­fluss auf den Leis­tungs­ort (BGH, Urt. v. 27.03.1995 – II ZR 136/94, NJW 1995, 1546 f.). Und im Zu­sam­men­hang mit dem Er­fül­lungs­ort von Ver­bind­lich­kei­ten, die ih­ren Aus­gangs­punkt in ver­trag­li­chen Ab­re­den ha­ben, auf den As­pekt des Ver­tre­ten­müs­sens ab­zu­stel­len, er­scheint zu­min­dest nicht zwin­gend. Da­mit aber ist aus pro­zess­öko­no­mi­schen Grün­den hier auch der Er­fül­lungs­ort für die Rück­zah­lung der bis zum Wi­der­ruf ge­leis­te­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen an­zu­neh­men (vgl. OLG Mün­chen, Urt. v. 04.10.2018 – 24 U 1279/18, ju­ris Rn. 13 f.).

d) Die von der Be­klag­ten wei­ter für ih­re Auf­fas­sung an­ge­führ­te Ent­schei­dung des OLG Cel­le (Urt. v. 26.02.2020 – 3 U 157/19) ist nicht ein­schlä­gig; streit­ge­gen­ständ­lich ist dort al­lein die ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge. Und in der vom OLG Cel­le in Be­zug ge­nom­me­nen Ent­schei­dung des BGH vom 09.04.2002 (XI ZR 32/99, BGHZ 150, 264) kam der Ge­richts­stand des Er­fül­lungs­orts von vorn­her­ein nicht in Be­tracht, da die dor­ti­gen Klä­ger zwi­schen dem Ab­schluss des streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­trags und der Gel­tend­ma­chung ih­rer An­sprü­che von H. nach M. um­ge­zo­gen wa­ren (vgl. BGH, Urt. v. 09.04.2002 – XI ZR 32/99, BGHZ 150, 264 = ju­ris Rn. 1 und 2). § 29 I ZPO brauch­te dort da­her auch nicht er­ör­tert zu wer­den.

e) Das be­klag­ten­seits zi­tier­te Ur­teil des OLG Köln vom 08.07.2020 zum Ak­ten­zei­chen 13 U 61/19 ist nicht auf­find­bar. Eben­falls der 13. Zi­vil­se­nat des OLG Köln hat am sel­ben Tag un­ter dem Ak­ten­zei­chen 13 U 20/19 aus­ge­führt, es sprä­chen gu­te Grün­de da­für, dass die Er­wä­gun­gen zur ört­li­chen Zu­stän­dig­keit für den ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­an­trag (die wei­te­ren An­trä­ge wa­ren al­lein hilfs­wei­se ge­stellt) nicht für al­le wei­te­ren sei­tens des dor­ti­gen Klä­gers ge­stell­ten An­trä­ge, ins­be­son­de­re für den An­spruch auf Rück­ab­tre­tung von Si­cher­hei­ten, gäl­ten. Die­ser re­sul­tie­re nicht aus dem ver­bun­de­nen Ge­schäft, son­dern al­lein aus dem Dar­le­hens­ver­trag (OLG Köln, Urt. v. 08.07.2020 – 13 U 20/19, ju­ris Rn. 35). Ei­ne kla­re Aus­sa­ge zur ört­li­chen Zu­stän­dig­keit für die Zah­lungs­an­sprü­che kann dar­in nicht ge­se­hen wer­den.

f) Die wei­ter her­an­ge­zo­ge­nen Ur­tei­le be­tref­fen kei­ne Ver­bund­ge­schäf­te.

3. Die Zu­stän­dig­keit er­fasst auch den An­trag auf Aus­gleich der vor­ge­richt­lich ge­zahl­ten An­walts­kos­ten. An­spruchs­grund­la­ge hier­für sind – eben­so wie für die gel­tend ge­mach­ten Zin­sen im Rah­men des Zah­lungs­an­spruchs aus dem Rück­ab­wick­lungs­ver­hält­nis – die §§ 280 I, II, 286 BGB, das heißt Scha­dens­er­satz we­gen Ver­zö­ge­rung der ge­schul­de­ten Leis­tung. Die­se Ne­ben­an­sprü­che un­ter­fal­len § 29 I ZPO (Be­ckOK-ZPO/Tous­saint, a. a. O., § 29 Rn. 18 f.).

II. Sons­ti­ge Zu­läs­sig­keits­be­den­ken ge­gen die An­trä­ge be­ste­hen eben­falls nicht. Ins­be­son­de­re ist der ne­ga­ti­ve Fest­stel­lungs­an­trag in Zif­fer 1 we­der des­we­gen un­zu­läs­sig, weil sich die Be­klag­te ei­nes ent­spre­chen­den An­spruchs nicht be­rühmt, noch, weil der Leis­tungs­an­trag zu 2 vor­ran­gig wä­re.

1. Für den An­trag zu 1 be­steht das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se (§ 256 I ZPO). Die­ses ent­steht bei ei­ner ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­kla­ge re­gel­mä­ßig dar­aus, dass die Be­klag­ten­sei­te sich des klä­ger­seits in Ab­re­de ge­stell­ten An­spruchs be­rühmt, wo­bei das Be­rüh­men nicht not­wen­di­ger­wei­se aus­drück­lich er­fol­gen muss (BGH, Urt. v. 17.05.1977 – VI ZR 174/74, BGHZ 69, 37, 46 = NJW 1977, 1637, 1639).

Ge­mes­sen hier­an ist die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, sie ha­be kei­nen An­lass für den An­trag zu 1 ge­ge­ben, weil sie nichts wei­ter ge­tan ha­be, als dem klä­ge­ri­schen Wi­der­rufs­be­geh­ren nicht zu­zu­stim­men; sie be­rüh­me sich da­her kei­nes An­spruchs, un­zu­tref­fend. Tritt die Be­klag­te dem Wi­der­ruf ent­ge­gen, so hält sie um­ge­kehrt den Ver­trag für wei­ter­hin wirk­sam, was den­knot­wen­dig ein­schließt, dass sie der Auf­fas­sung ist, Zins und Til­gung wei­ter­hin wie ver­trag­lich ver­ein­bart ver­lan­gen zu kön­nen. Fol­ge­rich­tig hat sie dem Klä­ger ge­gen­über auf des­sen Wi­der­ruf hin auch mit­ge­teilt, dass der Ra­ten­ein­zug wei­ter­hin ge­mäß Til­gungs­plan er­fol­gen wer­de. Da­mit be­rühmt sie sich ei­nes An­spruchs.

2. Der An­trag zu 1 kann auch zu­sam­men mit dem auf Rück­zah­lung der bis zum Wi­der­ruf ge­leis­te­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen ge­rich­te­ten Leis­tungs­an­trag ge­stellt wer­den, da die An­trä­ge nicht den­sel­ben Streit­ge­gen­stand um­fas­sen. Mit dem Fest­stel­lungs­an­trag will der Klä­ger in die Zu­kunft ge­rich­tet fest­stel­len las­sen, zu Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen aus dem Dar­le­hens­ver­trag nicht ver­pflich­tet zu sein; mit dem Zah­lungs­an­trag will er die Rück­zah­lung sei­ner bis­lang ge­leis­te­ten Zah­lun­gen er­rei­chen (vgl. auch OLG Hamm, Urt. v. 16.12.2019 – 31 U 90/19, BeckRS 2019, 34978 Rn. 39; OLG Stutt­gart, Urt. v. 02.07.2019 – 6 U 312/18, NJW-RR 2019, 1067 Rn. 17 f.). Auch un­ter dem As­pekt des Vor­rangs der Leis­tungs­kla­ge ist der An­trag zu 1 da­her nicht un­zu­läs­sig.

3. Da­durch, dass der Klä­ger sei­ne in­ner­pro­zes­sua­le Be­din­gung fal­len ge­las­sen hat und auch die wei­te­ren Kla­ge­an­trä­ge nun­mehr als Haupt­an­trä­ge stellt, hat er sei­ne Kla­ge er­wei­tert. Das er­scheint, weil all die­se An­trä­ge da­von ab­hän­gen, ob der streit­ge­gen­ständ­li­che Dar­le­hens­ver­trag wi­der­ru­fen wur­de, sach­dien­lich (§ 533 Nr. 1 ZPO).

III. Die Ent­schei­dung zwi­schen Zu­rück­ver­wei­sung und ei­ge­ner Ent­schei­dung des Be­ru­fungs­ge­richts ist ei­ne – maß­geb­lich nach der Sach­dien­lich­keit und Pro­zess­wirt­schaft­lich­keit zu tref­fen­de – Er­mes­sens­ent­schei­dung. Da­bei ist die Sach­dien­lich­keit der Zu­rück­ver­wei­sung in der Re­gel zu be­ja­hen, wenn das In­ter­es­se an ei­ner schnel­le­ren Ent­schei­dung in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­gen­über dem Ver­lust ei­ner Tat­sa­chen­in­stanz nicht über­wiegt.

So lie­gen die Din­ge hier. Ei­ne Be­hand­lung des ma­te­ri­el­len Pro­zess­in­halts in ers­ter In­stanz hat noch gar nicht statt­ge­fun­den; au­ßer dem An­trag zu 1 wa­ren die (wei­te­ren) Kla­ge­an­trä­ge hilfs­wei­se ge­stellt, so­dass sich das Land­ge­richt mit ih­nen nicht be­fas­sen muss­te. Dem Klä­ger wür­de ei­ne In­stanz ge­nom­men, wenn der ge­sam­te Pro­zess­stoff zur Wi­der­ruf­lich­keit und zu ih­ren denk­ba­ren Fol­gen erst­mals vom Be­ru­fungs­ge­richt auf­ge­ar­bei­tet wür­de. Da­durch, dass der Klä­ger mit sei­ner Be­ru­fung haupt­säch­lich die Zu­rück­ver­wei­sung an das Land­ge­richt be­gehrt und nur hilfs­wei­se ei­ne Ent­schei­dung in der Sa­che, hat er deut­lich ge­macht, dass sein In­ter­es­se an ei­ner schnel­len Ent­schei­dung den Ver­lust ei­ner Tat­sa­chen­in­stanz nicht über­wiegt. Das ist im Rah­men der Er­mes­sens­ent­schei­dung zu be­rück­sich­ti­gen.

C. Die Ent­schei­dung zur vor­läu­fi­gen Voll­streck­bar­keit folgt aus § 708 Nr. 10, § 713 ZPO. Die Not­wen­dig­keit, die vor­läu­fi­ge Voll­streck­bar­keit fest­zu­stel­len, er­gibt sich dar­aus, dass das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ei­ne vor­läu­fig voll­streck­ba­re Kos­ten­ent­schei­dung ent­hält; ein sei­ner­seits für vor­läu­fig voll­streck­bar er­klär­tes Ur­teil ist da­her im Zu­sam­men­hang mit der Ein­stel­lung ei­ner et­wai­gen Voll­stre­ckung hier­aus er­for­der­lich (vgl. OLG Köln, Urt. v. 18.10.2007 – 5 U 567/07, ju­ris Leit­satz 3 und Rn. 19; Zöl­ler/Heß­ler, ZPO, 33. Aufl., § 538 Rn. 59).

Grund, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen, be­steht nicht und er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass der Se­nat mit sei­ner Ent­schei­dung hin­sicht­lich der ört­li­chen Zu­stän­dig­keit für den Zah­lungs­an­trag von der Ent­schei­dung des OLG Naum­burg ab­weicht: Ge­mäß § 545 II ZPO prüft der BGH die ört­li­che Zu­stän­dig­keit nicht; das gilt auch dann, wenn die Re­vi­si­on we­gen der Zu­stän­dig­keits­fra­ge zu­ge­las­sen wor­den ist (BGH, Beschl. v. 26.06.2003 – III ZR 91/03, NJW 2003, 2917 f.; Münch­Komm-ZPO/Krü­ger, 6. Aufl., § 545 Rn. 16).

D. Für die Fest­set­zung des Ge­büh­ren­streit­werts ist der Se­nat von Fol­gen­dem aus­ge­gan­gen: Der Wert des An­trags zu 1, mit dem der Klä­ger die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die Be­klag­te aus dem Dar­le­hens­ver­trag kei­ne Zah­lung von Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen mehr be­an­spru­chen kön­ne, be­misst sich nach dem Net­to­dar­le­hens­be­trag von 23.000 €. Der ur­sprüng­lich als Hilfs­an­trag an­ge­kün­dig­te Zah­lungs­an­trag zu 2 hat ei­nen Wert von 10.000 €, weil ihm ne­ben der Fest­stel­lung ein ei­gen­stän­di­ger Wert nur in­so­weit zu­ge­kom­men wä­re, als der Klä­ger hier­mit die nicht­kre­di­tier­te An­zah­lung von 10.000 € zu­rück­for­dert (vgl. BGH, Beschl. v. 21.09.2020 – XI ZR 648/18, ju­ris Rn. 3). Den bei­den wei­te­ren An­trä­gen kommt für den Ge­büh­ren­streit­wert kei­ne Be­deu­tung zu. Die Ab­än­de­rung der land­ge­richt­li­chen Streit­wert­fest­set­zung be­rück­sich­tigt, dass im dort auf­grund der Zu­rück­ver­wei­sung fort­zu­set­zen­den Ver­fah­ren nun­mehr auch die wei­te­ren An­trä­ge Ge­gen­stand sind, nach­dem der Klä­ger die in­ner­pro­zes­sua­le Be­din­gung fal­len ge­las­sen hat.

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