1. Ei­ne Neu­wa­gen­ga­ran­tie, wie sie Fahr­zeug­her­stel­ler re­gel­mä­ßig ge­wäh­ren, ist ei­ne Halt­bar­keits­ga­ran­tie i. S. von § 443 II BGB. Des­halb wird dann, wenn dem Käu­fer der Nach­weis ge­lingt, dass wäh­rend der Gel­tungs­dau­er der Ga­ran­tie (Ga­ran­tie­zeit) ein Man­gel auf­ge­tre­ten ist, grund­sätz­lich zu­guns­ten des Käu­fers ver­mu­tet, dass ein Ga­ran­tie­fall vor­liegt, der Man­gel al­so die Rech­te aus der Ga­ran­tie be­grün­det. Zur Wi­der­le­gung die­ser Ver­mu­tung hat der Ver­käu­fer den vol­len Be­weis des Ge­gen­teils (§ 292 ZPO) da­hin zu füh­ren, dass kein Ga­ran­tie­fall vor­liegt, et­wa weil der der Käu­fer oder ein Drit­ter den auf­ge­tre­te­nen Man­gel nach Ge­fahr­über­gang (§ 446 Satz 1 BGB) her­bei­ge­führt hat. Ei­ne Er­schüt­te­rung der Ver­mu­tung ge­nügt da­ge­gen nicht.
  2. Nimmt der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens ei­nen Drit­ten mit der Be­haup­tung in An­spruch, ei­ne schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung des Drit­ten – hier: Ver­wen­dung ei­nes vom Fahr­zeug­her­stel­ler nicht frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls – ha­be da­zu ge­führt, dass An­sprü­che aus ei­ner vom Fahr­zeug­her­stel­ler ge­währ­ten Neu­wa­gen­ga­ran­tie aus­ge­schlos­sen sei­en, so trifft den Käu­fer in­so­weit die Dar­le­gungs- und Be­weis­last. Die­ser ge­nügt der Käu­fer nicht schon da­durch, dass er dar­legt und ge­ge­be­nen­falls be­weist, dass der Fahr­zeug­her­stel­ler die Er­brin­gung von Ga­ran­tie­leis­tun­gen we­gen der (be­haup­te­ten) Pflicht­ver­let­zung des Drit­ten ab­ge­lehnt hat. Viel­mehr muss der Käu­fer dar­le­gen und ge­ge­be­nen­falls be­wei­sen, dass der Fahr­zeug­her­stel­ler Ga­ran­tie­leis­tun­gen zu Recht ver­wei­gert.
  3. Es gibt kei­nen An­scheins­be­weis da­für, dass die Ver­wen­dung ei­nes vom Fahr­zeug­her­stel­ler nicht frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls zu ei­nem Mo­tor­scha­den führt, für den der Fahr­zeug­her­stel­ler im Rah­men ei­ner Neu­wa­gen­ga­ran­tie nicht ein­ste­hen muss. Die An­nah­me, dass ein „fal­sches“ Mo­tor­öl für ei­nen Mo­tor­scha­den ur­säch­lich ge­wor­den sei, liegt im Ge­gen­teil fern, wenn nach dem un­sach­ge­mä­ßen Öl­wech­sel noch meh­re­re ord­nungs­ge­mä­ße Öl­wech­sel statt­ge­fun­den ha­ben und das Fahr­zeug nach dem un­sach­ge­mä­ßen Öl­wech­sel bis zum Ein­tritt des Mo­tor­scha­dens noch ei­ne be­trächt­li­che Fahrt­stre­cke (hier: 160.000 km) zu­rück­ge­legt hat.

LG Mar­burg, Ur­teil vom 12.08.2020 – 7 O 35/20

Sach­ver­halt: Der Klä­ger über­ließ der Be­klag­ten am 18.09.2018 zwecks Durch­füh­rung von War­tungs­ar­bei­ten ei­nen Klein­trans­por­ter – ei­nen VW Craf­ter –, den er mit Ver­trag vom 04.05.2018 ab dem 08.05.2018 für drei Jah­re ge­least hat­te. Für die­ses Fahr­zeug, das am 18.09.2018 ei­ne Lauf­leis­tung von 47.652 km hat­te, be­stand sei­ner­zeit ei­ne vom Fahr­zeug­her­stel­ler ge­währ­te Neu­wa­gen­ga­ran­tie.

Im Rah­men der In­spek­ti­on füll­te ein Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten Mo­tor­öl „5W–30 dexos2“ nach, ob­wohl für das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug aus­weis­lich der Be­triebs­an­lei­tung nur Mo­tor­öl ge­mäß der Spe­zi­fi­ka­ti­on VW 507 00 ver­wen­det wer­den darf und das ver­wen­de­te Mo­tor­öl die­ser Spe­zi­fi­ka­ti­on nicht ent­spricht.

Am 03.01.2019 ließ der Klä­ger sei­nen Klein­trans­por­ter er­neut bei der Be­klag­ten war­ten. Bei die­ser War­tung, bei der die Lauf­leis­tung des Fahr­zeugs 97.307 km be­trug ver­wen­de­te die Be­klag­te – der Spe­zi­fi­ka­ti­on VW 507 00 ent­spre­chen­des – Mo­tor­öl „Edge Ti­ta­ni­um FST 5W-30“. Die­ses Mo­tor­öl wur­de auch bei ei­ner drit­ten In­spek­ti­on am 08.05.2019 ver­wen­det; die Lauf­leis­tung des Klein­trans­por­ters be­trug zu die­sem Zeit­punkt 151.030 km.

Nach­dem das streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug seit der ers­ten In­spek­ti­on, bei der das nicht der Spe­zi­fi­ka­ti­on VW 507 00 ent­spre­chen­de Mo­tor­öl („5W–30 dexos2“) ver­wen­det wor­den war, et­wa 160.000 km zu­rück­ge­legt hat­te, kam es zu ei­nem Mo­tor­scha­den. Mit E-Mail vom 25.10.2019 und mit Schrei­ben vom 15.11.2019 teil­te ein VW-Ver­trags­händ­ler dem Klä­ger mit, dass der Scha­dens­fall nicht auf Ba­sis der Her­stel­ler­ga­ran­tie ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­ne, da am 18.09.2018 vom Fahr­zeug­her­stel­ler nicht frei­ge­ge­be­nes Mo­tor­öl ver­wen­det wor­den sei. Die Ga­ran­tie­be­din­gun­gen sä­hen vor, dass Ga­ran­tie­an­sprü­che aus­ge­schlos­sen sei­en, wenn ein Man­gel da­durch ent­stan­den sei, dass – wie hier – in der Be­triebs­an­lei­tung ent­hal­te­ne Vor­ga­ben nicht be­folgt wor­den sei­en.

Der Klä­ger for­der­te die Be­klag­te dar­auf­hin am 30.10.2019 auf, sein Fahr­zeug bis zum 18.11.2019 nach­zu­bes­sern und da­bei den Mo­tor in­stand zu set­zen. Ei­ne Nach­er­fül­lung lehn­te die Be­klag­te mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 13.11.2019 ab. Der Klä­ger for­der­te die Be­klag­te dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 18.11.2019 er­neut zur Nach­bes­se­rung auf und set­ze ihr da­für ei­ne Frist bis zum 20.11.2019. Da­bei wies er die Be­klag­te dar­auf hin, dass sie die Be­sei­ti­gung des Mo­tor­scha­dens schon des­halb schul­de, weil in­fol­ge der Ver­wen­dung des „fal­schen“ Mo­toröls die Neu­wa­gen­ga­ran­tie er­lo­schen sei. Dar­auf, ob die Ver­wen­dung des „fal­schen“ Mo­toröls für den Mo­tor­scha­den ur­säch­lich ge­wor­den sei, kom­me es nicht an. Die Be­klag­te hol­te den Klein­trans­por­ter an­schlie­ßend ab, um ihn zu un­ter­su­chen. Mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 07.12.2019 lehn­te sie es schließ­lich end­gül­tig ab, den Mo­tor­scha­den zu be­sei­ti­gen.

Der Klä­ger ließ sein Fahr­zeug des­halb in ei­nem Au­to­haus in­stand set­zen. Für die Re­pa­ra­tur wur­den ihm am 20.12.2019 Kos­ten in Hö­he von 10.551,11 € in Rech­nung ge­stellt, die der Klä­ger – wie er be­haup­tet – bar ge­zahlt hat.

Mit sei­ner Kla­ge hat er die Be­klag­te auf Er­satz der Re­pa­ra­tur­kos­ten nebst Zin­sen in An­spruch ge­nom­men. Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, dass die Ver­wen­dung des nicht durch den Fahr­zeug­her­stel­ler frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls im Ver­hält­nis zur Volks­wa­gen AG zu ei­ner Um­kehr der Be­weis­last ge­führt ha­be. Er, der Klä­ger, kön­ne in­des nicht (mehr) be­wei­sen, dass die Ver­wen­dung des nicht frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls nicht ur­säch­lich für den Mo­tor­scha­den ge­wor­den sei, so­dass der Fahr­zeug­her­stel­ler Ga­ran­tie­leis­tun­gen zu Recht ver­wei­gert ha­be. Dar­in, dass ein Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten bei der In­spek­ti­on am 18.09.2018 kein Mo­tor­öl ge­mäß der Spe­zi­fi­ka­ti­on VW 507 00 ein­ge­füllt ha­be, lie­ge ei­ne grob fahr­läs­si­ge Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten. In­so­weit kom­me es nicht dar­auf an, ob die Ver­wen­dung des „fal­schen“ Mo­toröls für den Mo­tor­scha­den ur­säch­lich ge­wor­den sei.

Die Be­klag­te hält die Klau­sel Nr. 10 in den Ga­ran­tie­be­din­gun­gen der Volks­wa­gen AG, wo­nach An­sprü­che ge­gen­über der Volks­wa­gen AG aus der Ga­ran­tie un­ter an­de­rem dann aus­ge­schlos­sen sind, wenn

„das Fahr­zeug zu­vor durch den Ga­ran­ti­en­eh­mer selbst oder durch ei­nen Drit­ten, der kein au­to­ri­sier­ter Volks­wa­gen Ser­vice­part­ner ist, un­sach­ge­mäß in­stand ge­setzt, un­sach­ge­mäß ge­war­tet oder un­sach­ge­mäß ge­pflegt wor­den ist oder Vor­schrif­ten über den Be­trieb, die Be­hand­lung und Pfle­ge des Fahr­zeugs (z. B. Be­die­nungs­an­lei­tung) nicht be­folgt wur­den“,

für un­wirk­sam. Im Üb­ri­gen – so hat die Be­klag­te gel­tend ge­macht – tref­fe den Klä­ger die Dar­le­gungs- und Be­weis­last da­für, dass die in der Klau­sel ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sei­en.

Die Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: Die Kla­ge ist zu­läs­sig aber un­be­grün­det.

Die Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Klä­gers folgt aus Zif­fer IX Nr. 2 des Lea­sing­ver­trags, wo­nach der Lea­sing­neh­mer ver­pflich­tet ist, für Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten am streit­ge­gen­ständ­li­chen Lea­sing­fahr­zeug selbst auf­zu­kom­men.

Ob der Klä­ger die Re­pa­ra­tur­rech­nung über 10.551,11 € be­gli­chen hat, kann of­fen­blei­ben, da ihm je­den­falls kein An­spruch auf Scha­dens­er­satz aus § 634 Nr. 4, §§ 631, 633 I, II 1, § 280 I BGB zu­steht.

Zwi­schen den Par­tei­en be­steht un­strei­tig ein Werk­ver­trag über die Durch­füh­rung von War­tungs­ar­bei­ten am klä­ge­ri­schen Fahr­zeug ge­mäß § 631 BGB. Die War­tungs­ar­bei­ten wur­den von der Be­klag­ten auch durch­ge­führt. Da­bei wur­de das Mo­tor­öl „5W–30 dexos2“ in das klä­ge­ri­sche Fahr­zeug ein­ge­füllt. Die Ab­nah­me ge­mäß § 640 I BGB er­folg­te kon­klu­dent durch In­ge­brauch­nah­me des Fahr­zeugs nach der War­tung.

Ein An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf­grund des Ein­fül­lens ei­nes tat­säch­lich un­ge­eig­ne­ten Öls, wel­ches zu ei­nem Mo­tor­scha­den ge­führt ha­ben könn­te, ist sei­tens des Klä­gers be­reits nicht dar­ge­legt und un­ter Be­weis ge­stellt. Viel­mehr stützt der Klä­ger sich dar­auf, dass die Ga­ran­tie der Volks­wa­gen AG auf­grund des Ein­fül­lens ei­nes nicht in der Be­triebs­an­lei­tung frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls er­lo­schen sei und die VW-Ver­trags­werk­statt (Au­to­haus X-GmbH) den An­spruch aus der Ga­ran­tie zu Recht ver­wei­gert ha­be.

Selbst wenn das Ein­fül­len ei­nes sei­tens des Her­stel­lers nicht frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls durch die Be­klag­te als Fach­werk­statt ei­ne Pflicht­ver­let­zung dar­stel­len wür­de, fehl­te es je­den­falls am Nach­weis ei­nes kau­sa­len Scha­dens durch den Klä­ger.

Den Klä­ger trifft die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für den kau­sa­len Scha­den­s­ein­tritt. Er muss da­her dar­le­gen und be­wei­sen, dass das Ein­fül­len des nicht in der Be­triebs­an­lei­tung frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls durch die Be­klag­te da­zu ge­führt hat, dass der An­spruch des Klä­gers ge­gen die Volks­wa­gen AG auf Über­nah­me der Re­pa­ra­tur­kos­ten für den Mo­tor­scha­den auf Grund­la­ge der Ga­ran­tie er­lo­schen ist und die Volks­wa­gen AG ih­re In­an­spruch­nah­me so­mit zu Recht ab­ge­lehnt hat.

Der Klä­ger ist auf­grund ab­ge­tre­te­nen Rechts In­ha­ber des Ga­ran­tie­an­spruchs ge­gen die Volks­wa­gen AG. Der Lea­sing­ge­ber hat in Zif­fer XI­II Nr. 1 die An­sprü­che aus der Neu­wa­gen­ga­ran­tie an den Lea­sing­neh­mer – den Klä­ger –, auf­lö­send be­dingt durch die Kün­di­gung des Lea­sing­ver­trags, ab­ge­tre­ten und ihn nach Zif­fer XI­II Nr. 4 be­rech­tigt und ver­pflich­tet, die ab­ge­tre­te­nen An­sprü­che im ei­ge­nen Na­men gel­tend zu ma­chen. Ei­ne Kün­di­gung wur­de nicht vor­ge­tra­gen, so­dass die auf­lö­sen­de Be­din­gung nicht ein­ge­tre­ten ist und es folg­lich bei der Ab­tre­tung ver­bleibt (§ 398 BGB).

Dass vor­lie­gend nicht die Volks­wa­gen AG selbst, son­dern ei­ne au­to­ri­sier­te Ver­trags­werk­statt den An­spruch ab­ge­lehnt hat, ist un­er­heb­lich, da nach Nr. 11 der Be­din­gun­gen für die Neu­wa­gen­ga­ran­tie An­sprü­che aus der Ga­ran­tie bei au­to­ri­sier­ten Volks­wa­gen-Ser­vice­part­nern gel­tend zu ma­chen sind. Dar­auf kommt es auch be­reits des­halb nicht an, weil die blo­ße Ab­leh­nung durch den Ga­ran­tie­ge­ber – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers – nicht aus­rei­chend ist, um den Ga­ran­tie­aus­schluss dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen. Viel­mehr be­darf es des vol­len Be­wei­ses im hie­si­gen Ver­fah­ren, dass ei­ne Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten zum Aus­schluss des Ga­ran­tie­an­spruchs ge­führt hat.

Bei der Ver­tei­lung der Be­weis­last kommt es auf die Vor­aus­set­zun­gen der durch die Ga­ran­tie ver­ein­bar­ten An­sprü­che an.

Grund­sätz­lich trägt ent­spre­chend § 363 BGB nach dem Ge­fahr­über­gang der Käu­fer die Be­weis­last für das Vor­lie­gen ei­nes Sach­man­gels (BeckOGK/​M. Stö­ber, Stand: 01.08.2018, § 443 BGB Rn. 75; NK-BGB/​Bü­den­be­n­der, 3. Aufl. [2016], § 443 Rn. 49).

Bei Neu­wa­gen­ge­schäf­ten wird re­gel­mä­ßig – wie auch vor­lie­gend – ei­ne Halt­bar­keits­ga­ran­tie i. S. des § 443 II BGB ge­währt (vgl. Bach­mei­er, Rechts­hand­buch Au­to­kauf, 2. Aufl. [2013], Rn.  1744). Bei ei­ner Halt­bar­keits­ga­ran­tie gilt die Ver­mu­tung des § 443 II BGB. Sie geht da­hin, dass ein wäh­rend der Ga­ran­tie­zeit auf­ge­tre­te­ner Man­gel ei­nen Ga­ran­tie­fall dar­stellt, so­dass der Käu­fer die Rech­te aus der Ga­ran­tie hat, wenn zwei­fel­haft ist, ob der Man­gel (den er zu be­wei­sen hat) wirk­lich ei­nen Ga­ran­tie­fall be­grün­det (Rechts­ver­mu­tung; vgl. Münch­Komm-BGB/​Wes­ter­mann, 8. Aufl. [2019], § 443 Rn. 23). So­fern der Ga­ran­tie­ge­ber sich auf den Aus­schluss der Ga­ran­tie be­ruft, muss die­ser be­wei­sen, dass der Man­gel durch un­sach­ge­mä­ße Be­hand­lung der Kauf­sa­che vom Käu­fer oder von ei­nem Drit­ten ver­ur­sacht wor­den ist (vgl. Münch­Komm-BGB/​Wes­ter­mann, a. a. O., § 443 Rn. 23).

Wi­der­leg­ba­re ge­setz­li­che Ver­mu­tun­gen ha­ben zur Fol­ge, dass die be­güns­tig­te Par­tei le­dig­lich die Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen und er­for­der­li­chen­falls zu be­wei­sen hat, an die das Ge­setz die Ver­mu­tungs­wir­kung knüpft. Die ver­mu­te­te Tat­sa­che selbst muss sie we­der vor­tra­gen noch be­wei­sen (BGH, Urt. v. 09.10.2009 – V ZR 178/08, NJW 2010, 363 Rn. 13). Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last hin­sicht­lich der ver­mu­te­ten Tat­sa­che geht viel­mehr auf den Geg­ner über (Be­ckOK-ZPO/​Ba­cher, Stand: 01.07.2020, § 292 Rn. 9).

Die Wi­der­le­gung der Ver­mu­tung setzt vor­aus, dass der Ver­käu­fer die Ver­ein­bar­keit der Kauf­sa­che mit der Ga­ran­tie im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs dar­tut und be­weist, dass der jetzt auf­ge­tre­te­ne Man­gel kei­nen Ga­ran­tie­fall dar­stellt, weil er vom Käu­fer oder ei­nem Drit­ten nach Ge­fahr­über­gang her­bei­ge­führt wor­den ist. Dies ist auch nicht un­an­ge­mes­sen, da der Ga­rant die Ga­ran­tie nicht zu ge­ben braucht und ih­ren In­halt be­stim­men kann (vgl. Münch­Komm-BGB/​Wes­ter­mann, a. a. O., § 443 Rn. 23). Zur Wi­der­le­gung der Ver­mu­tung ge­nügt es nicht, den Ge­gen­be­weis zu füh­ren, al­so die Über­zeu­gung des Ge­richts vom Vor­lie­gen der ver­mu­te­ten Tat­sa­che zu er­schüt­tern. Viel­mehr ist der Be­weis des Ge­gen­teils er­for­der­lich (BGH, Urt. v. 10.11.2004 – VI­II ZR 186/03, BGHZ 161, 90, 109 = NJW 2005, 359, 363; Beschl. v. 19.04.2012 – IX ZB 303/11, NJW 2012, 2117 Rn. 6). Die be­güns­tig­te Par­tei kann nach all­ge­mei­nen Re­geln ei­ne se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last tref­fen (Be­ckOK-ZPO/​Ba­cher, a. a. O., § 292 Rn. 10).

Vor­lie­gend ist aber be­reits nicht un­ter Be­weis ge­stellt und auch sonst nicht er­sicht­lich, dass die War­tungs­ar­bei­ten der Be­klag­ten ur­säch­lich für den Mo­tor­scha­den sind.

Zur Wi­der­le­gung der ge­setz­li­chen Ver­mu­tung im Ver­hält­nis zur Volks­wa­gen AG ist es nicht aus­rei­chend, dass die Be­klag­te Mo­tor­öl ver­wen­det hat, wel­ches nicht in der Be­die­nungs­an­lei­tung von VW auf­ge­führt ist, da dies nicht zwangs­läu­fig da­zu führt, dass der Mo­tor Scha­den nimmt. Viel­mehr müss­te die Volks­wa­gen AG ih­rer­seits ge­gen­über dem Klä­ger den Nach­weis füh­ren, dass die Be­schaf­fen­heits­ab­wei­chung nicht auf den Zu­stand der Sa­che im Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs, son­dern auf ei­ne un­sach­ge­mä­ße Be­hand­lung des Kauf­ge­gen­stands durch den Käu­fer oder auf an­de­re äu­ße­re Ein­wir­kun­gen zu­rück­zu­füh­ren ist (vgl. BeckOGK/​M. Stö­ber, a. a. O., § 443 BGB Rn. 75 ff.). Ei­ne blo­ße Er­schüt­te­rung die­ser Ver­mu­tung ist nicht aus­rei­chend, son­dern es ist der vol­le Be­weis des Ge­gen­teils not­wen­dig (Be­ckOK-ZPO/​Ba­cher, a. a. O., § 292 Rn. 10; BGH, Urt. v. 10.11.2004 – VI­II ZR 186/03, BGHZ 161, 90, 109 = NJW 2005, 359, 363; Beschl. v. 19.04.2012 – IX ZB 303/11, NJW 2012, 2117 Rn. 6).

Die­ser Be­weis ist be­reits nach ei­ge­nem Vor­trag des Klä­gers nicht zu füh­ren, da in der Zwi­schen­zeit – nach dem Ein­fül­len des Mo­toröls – mit dem Fahr­zeug cir­ca 160.000 km ge­fah­ren wur­de und zu­dem zwi­schen­zeit­lich mehr­fach Öl­wech­sel mit dem in der Be­triebs­an­lei­tung frei­ge­ge­be­nen Mo­tor­öl durch­ge­führt wur­den.

Auch ist die klä­ger­sei­ti­ge An­nah­me ei­nes An­scheins­be­wei­ses da­für, dass das Ein­fül­len des „fal­schen“ Mo­toröls durch die Be­klag­te „scha­den­sur­säch­lich“ sei, ver­fehlt, weil es sich be­reits nicht um ei­nen ty­pi­schen Ge­sche­hens­ab­lauf han­delt, der nach der Le­bens­er­fah­rung auf ei­ne be­stimm­te Ur­sa­che oder Fol­ge hin­weist und der­art ge­wöhn­lich und üb­lich er­scheint, dass die be­son­de­ren in­di­vi­du­el­len Um­stän­de an Be­deu­tung ver­lie­ren (vgl. Fo­ers­te, in: Mu­sielak/​Voit, ZPO, 17.&nbbsp;Aufl. [2020], § 286 Rn. 23). Ein sol­cher ty­pi­scher Ge­sche­hens­ab­lauf liegt hier nicht vor, weil das Ein­fül­len des von der Be­klag­ten ver­wen­de­ten Öls nach der Le­bens­er­fah­rung nicht oh­ne Wei­te­res da­zu führt, dass ein Mo­tor Scha­den nimmt und in der Fol­ge wie­der­um der Her­stel­ler die Ga­ran­tie zu Recht ver­wei­gern kann. Dies ist be­reits nach dem ei­ge­nen Vor­trag des Klä­gers fern­lie­gend, da der be­haup­te­te Mo­tor­scha­den erst cir­ca 160.000 km nach dem Ein­fül­len des Mo­toröls auf­ge­tre­ten ist und in der Zwi­schen­zeit mehr­fach ein Öl­wech­sel mit dem frei­ge­ge­be­nen Mo­tor­öl er­folgt ist.

Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung, ins­be­son­de­re ei­ne an­der­wei­ti­ge Be­weis­last­ver­tei­lung, er­gibt sich auch nicht aus dem kon­kre­ten In­halt der Neu­wa­gen­ga­ran­tie der Volks­wa­gen AG. In Nr. 10 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen heißt es:

„An­sprü­che ge­gen­über der Volks­wa­gen AG aus die­ser Ga­ran­tie sind schließ­lich aus­ge­schlos­sen, wenn der Man­gel da­durch ent­stan­den ist, dass:

  • das Fahr­zeug zu­vor durch den Ga­ran­ti­en­eh­mer selbst oder durch ei­nen Drit­ten, der kein au­to­ri­sier­ter Volks­wa­gen Ser­vice­part­ner ist, un­sach­ge­mäß in­stand ge­setzt, un­sach­ge­mäß ge­war­tet oder un­sach­ge­mäß ge­pflegt wor­den ist oder
  • Vor­schrif­ten über den Be­trieb, die Be­hand­lung und Pfle­ge des Fahr­zeugs (z. B. Be­die­nungs­an­lei­tung) nicht be­folgt wur­den.“

Nach der Recht­spre­chung des BGH (Urt. v. 06.07.2011 – VI­II ZR 293/10, NJW 2011, 3510 Rn. 21 ff.; Urt. v. 17.10.2007 – VI­II ZR 251/06, NJW 2008, 214 Rn. 14 f.) ist ei­ne Ga­ran­tie­klau­sel, die für den Fall, dass der Ga­ran­ti­en­eh­mer die vom Fahr­zeug­her­stel­ler vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen War­tungs-, In­spek­ti­ons- und Pfle­ge­ar­bei­ten nicht durch­füh­ren lässt, die Leis­tungs­pflicht des Ga­ran­tie­ge­bers un­ab­hän­gig von der Ur­säch­lich­keit für den ein­ge­tre­te­nen Scha­den aus­schließt, we­gen un­wirk­sa­mer Be­nach­tei­li­gung des Kun­den un­wirk­sam. Vor­lie­gend wur­de aber als Vor­aus­set­zung für den Aus­schluss der Ga­ran­tie ge­ra­de die Ur­säch­lich­keit der Be­hand­lung durch den Kun­den für das Ent­ste­hen des Man­gels be­stimmt, so­dass ei­ne Un­wirk­sam­keit der Klau­sel aus die­sem Grund fern­liegt.

Es kann aber oh­ne­hin of­fen­blei­ben, ob die Klau­sel ei­ner AGB-Kon­trol­le stand­hält, da je­den­falls der Klä­ger das Vor­lie­gen der in Nr. 10 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht be­wie­sen hat.

Die Vor­ga­ben der Be­die­nungs­an­lei­tung des klä­ge­ri­schen Fahr­zeugs wur­den un­strei­tig durch die Be­klag­te nicht be­folgt, da sie das Öl „5W–30 dexos2“ ver­wen­det hat. Nach dem In­halt der Klau­sel ist die Ga­ran­tie der Volks­wa­gen AG aber nur dann aus­ge­schlos­sen, wenn der Man­gel (hier: der Mo­tor­scha­den) da­durch ent­stan­den ist, dass die Be­die­nungs­an­lei­tung nicht be­folgt wur­de. Dies­be­züg­lich hat der Klä­ger kei­nen Be­weis an­ge­bo­ten.

Im Ver­hält­nis zwi­schen dem Klä­ger und der Volks­wa­gen AG trägt die Volks­wa­gen AG man­gels an­der­wei­ti­ger Re­ge­lung nach den all­ge­mei­nen Re­geln (s. oben) die Be­weis­last für den Aus­schluss der Ga­ran­tie. Ei­ne Wi­der­le­gung der ge­setz­li­chen Ver­mu­tung des § 443 II BGB kä­me, wie be­reits dar­ge­legt, nur dann in Be­tracht, wenn die Volks­wa­gen AG den vol­len Be­weis des Ge­gen­teils er­brin­gen könn­te. Es fehlt je­doch be­reits an der Be­haup­tung der Ur­säch­lich­keit des Mo­toröls für den Mo­tor­scha­den durch den Klä­ger so­wie an ei­nem dies­be­züg­li­chen Be­weis­an­ge­bot.

Ei­ne Be­weis­last­um­kehr bzw. ei­ne Wi­der­le­gung der Ver­mu­tung er­gibt sich auch nicht aus den sons­ti­gen Um­stän­den. Ins­be­son­de­re muss sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers der Feh­ler der Be­klag­ten nicht auf die Be­weis­last­ver­tei­lung aus­wir­ken. Ein Feh­ler der Be­klag­ten könn­te sich nur dann aus­wir­ken, wenn die­ser tat­säch­lich die Ur­sa­che des Scha­dens wä­re und wenn der Ga­ran­tie­ge­ber dies auch be­wei­sen könn­te. Ei­ne an­de­re Sicht­wei­se wür­de der Re­ge­lung des § 443 II BGB wi­der­spre­chen, da die­se ge­ra­de be­stimmt, dass den Ga­ran­tie­ge­ber die Be­weis­last für ei­ne un­sach­ge­mä­ße Be­hand­lung der Sa­che und ei­nen hier­aus re­sul­tie­ren­den Man­gel trifft. Die­se Ver­mu­tung soll dem Käu­fer den un­ter Um­stän­den schwie­ri­gen Nach­weis des Vor­han­den­seins des be­tref­fen­den Man­gels bei Ge­fahr­über­gang er­spa­ren (vgl. Münch­Komm-BGB/​Wes­ter­mann, a. a. O., § 443 Rn. 9).

Die Re­ge­lung des § 443 II ist auch au­ßer­halb ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs – je­den­falls durch ei­ne In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­rung – ab­ding­bar, so­dass für den Ga­ran­tie­ge­ber die Mög­lich­keit be­steht, § 443 II BGB ab­zu­be­din­gen und die Be­weis­last an­der­wei­tig zu re­geln (BeckOGK/​M. Stö­ber, Stand: 01.08.2018, § 443 BGB Rn. 7). Vor­lie­gend ist nicht er­sicht­lich, dass ein Ab­wei­chen von der all­ge­mei­nen Be­weis­last­ver­tei­lung ver­ein­bart war, denn dies be­dürf­te je­den­falls ei­ner ent­spre­chen­den aus­drück­li­chen Re­ge­lung (vgl. Nie­b­ling, NVZ 2011, 521, 523; Wein­hold, SVR 2008, 177, 178). Ei­ne sol­che an­der­wei­ti­ge Re­ge­lung der Be­weis­last­ver­tei­lung ent­hält we­der Nr. 10 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen, noch be­steht ei­ne in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ab­re­de mit der Fol­ge, dass es bei der ge­setz­li­chen Be­weis­last­ver­tei­lung bleibt.

Selbst wenn man vor­lie­gend von ei­ner se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last des Klä­gers im Ver­hält­nis zur Volks­wa­gen AG aus­ge­hen wür­de, wür­de dies eben­falls nicht da­zu füh­ren, dass der Ga­ran­tie­an­spruch nach­weis­lich aus­ge­schlos­sen ist. Denn der se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last könn­te der Klä­ger in die­sem Fall be­reits da­durch nach­kom­men, dass er vor­trägt, dass das Mo­tor­öl „5W–30 dexos2“ bei der War­tung ver­wen­det wur­de und wel­che wei­te­ren War­tun­gen in der Zwi­schen­zeit vor­ge­nom­men wur­den. Dies ist ihm oh­ne Wei­te­res – un­ter an­de­rem durch Vor­la­ge des Ser­vice­hefts – mög­lich. So­dann müss­te wie­der­um die Volks­wa­gen AG ih­rer Be­weis­last nach­kom­men und dem Klä­ger nach­wei­sen, dass die­ses Öl tat­säch­lich un­ge­eig­net ist und auch im kon­kre­ten Fall zum Mo­tor­scha­den ge­führt hät­te. Da die Volks­wa­gen AG die­sen Nach­weis so­wohl be­reits nach dem Vor­trag des Klä­gers als auch nach der all­ge­mei­nen Le­bens­er­fah­rung nach ei­ner solch er­heb­li­chen ge­fah­re­nen Ki­lo­me­ter­an­zahl (160.000) seit der Ver­wen­dung des Mo­toröls „5W–30 dexos2“ vor­aus­sicht­lich nicht füh­ren kann, ent­fällt auch nicht nach­weis­lich der Ga­ran­tie­an­spruch ge­gen­über der Volks­wa­gen AG.

Im Üb­ri­gen kä­me als wei­te­re Aus­schluss­mög­lich­keit des Ga­ran­tie­an­spruchs ei­ne nicht durch die Be­klag­te ver­ur­sach­te und da­mit nicht kau­sal auf dem Ein­fül­len des Mo­toröls be­ru­hen­de Ver­schleiß­er­schei­nung (Nr. 7 der Ga­ran­tie­be­din­gun­gen) in Be­tracht. Dies­be­züg­lich hat der Klä­ger eben­falls nicht dar­ge­legt und un­ter Be­weis ge­stellt, dass es sich nicht um ei­nen na­tür­li­chen Ver­schleiß des Mo­tors han­delt. Dies er­scheint im Hin­blick auf die er­heb­li­che Ki­lo­me­ter­zahl, die das Fahr­zeug in ei­nem kur­zen Zeit­raum zu­rück­ge­legt hat, je­den­falls mög­lich.

In der Fol­ge hat der Klä­ger ge­gen­über der Be­klag­ten nicht be­wie­sen, dass auf­grund der Ver­wen­dung des nicht frei­ge­ge­be­nen Mo­toröls der Ga­ran­tie­an­spruch ge­gen­über der Volks­wa­gen AG aus­ge­schlos­sen ist. Dies geht auf­grund der Be­weis­last­ver­tei­lung zu sei­nen Las­ten.

Das klä­ger­seits an­ge­bo­te­ne Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zur Be­haup­tung, dass ein Nach­weis der Kau­sa­li­tät nach ei­ner er­heb­li­chen Ki­lo­me­ter­an­zahl nicht mehr zu er­brin­gen sei, ist un­taug­lich, da der Klä­ger ge­ra­de un­ter Be­weis stel­len müss­te, dass das Ein­fül­len des Mo­toröls kau­sal für den Mo­tor­scha­den und da­mit für den Aus­schluss der Ga­ran­tie ge­wor­den ist. Aus die­sem Grund war dem Be­weis­an­ge­bot nicht nach­zu­ge­hen. …

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