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Ar­chiv: Mai 2017

An­spruch auf Er­satz­lie­fe­rung (§§ 437 Nr. 1, 439 I Fall 2 BGB) ei­nes ŠKO­DA Oc­ta­via Com­bi 2.0 TDI – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen ist je­den­falls i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft. Denn dass in ei­nem Neu­wa­gen ei­ne – als un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung zu qua­li­fi­zie­ren­de – Soft­ware zum Ein­satz kommt, die nur dann für ei­ne Ver­rin­ge­rung des Stick­oxid­aus­sto­ßes sorgt, wenn das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert, ist bei Neu­wa­gen an­de­rer Her­stel­ler nicht be­kann­ter­ma­ßen üb­lich.
  2. Be­ruft sich der Ver­käu­fer erst in ei­nem Rechts­streit über den An­spruch des Käu­fers auf Er­satz­lie­fe­rung (§§ 437 Nr. 1, 439 I Fall 2 BGB) dar­auf, dass die Er­satz­lie­fe­rung im Ver­gleich zu ei­ner Man­gel­be­sei­ti­gung mit un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­hen Kos­ten ver­bun­den sei, so ist bei der nach § 439 III 2 BGB ge­bo­te­nen Be­ur­tei­lung, wel­che Be­deu­tung der Man­gel hat, auf den Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs (§ 446 Satz 1 BGB) ab­zu­stel­len.
  3. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens, der vom Ver­käu­fer ge­mäß §§ 437 Nr. 1, 439 I Fall 2 BGB die Lie­fe­rung ei­nes man­gel­frei­en Fahr­zeugs ver­langt, ver­hält sich nicht treu­wid­rig (§ 242 BGB), wenn er an sei­nem Ver­lan­gen fest­hält, ob­wohl mitt­ler­wei­le ein Soft­ware­up­date zur Ver­fü­gung steht, nach des­sen In­stal­la­ti­on der dem Fahr­zeug an­haf­ten­de Man­gel an­geb­lich voll­stän­dig und fol­gen­los be­sei­tigt sein soll. Denn je­den­falls trägt der Käu­fer an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass so­wohl die Volks­wa­gen AG als auch die je­wei­li­gen Kfz-Ver­käu­fer ei­ne Man­gel­haf­tig­keit der vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge in Ab­re­de stel­len, das Ri­si­ko, dass die Nach­bes­se­rung durch In­stal­la­ti­on des Soft­ware­up­dates schei­tert. Er muss näm­lich be­fürch­ten, dass er sei­nen An­spruch auf Nach­bes­se­rung des Up­dates kla­ge­wei­se durch­set­zen muss und die­sem An­spruch dann der Ver­jäh­rungs­ein­wand ent­ge­gen­ge­hal­ten wird.
  4. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal, der vom Ver­käu­fer mit an­walt­li­cher Hil­fe Nach­er­fül­lung (§ 439 I BGB) ver­langt, hat ge­gen den Ver­käu­fer ge­mäß § 439 II BGB ei­nen An­spruch auf Er­satz der auf­ge­wen­de­ten An­walts­kos­ten.

LG Zwi­ckau, Ur­teil vom 12.05.2017 – 7 O 370/16

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Er­satz­lie­fe­rung trotz zwi­schen­zeit­li­cher Über­ar­bei­tung des Fahr­zeug­mo­dells – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen ist je­den­falls des­halb i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft, weil er – ent­ge­gen der Er­war­tung ei­nes Durch­schnitts­käu­fers – die ein­schlä­gi­gen (Eu­ro-5-)Emis­si­ons­grenz­wer­te nur auf dem Prüf­stand und dort auch nur des­halb ein­hält, weil ei­ne Soft­ware für ei­ne Ver­rin­ge­rung des Schad­stoff­aus­sto­ßes sorgt, so­bald sie er­kennt, dass das Fahr­zeug ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert.
  2. Dass ein Neu­wa­gen so, wie ihn der Käu­fer be­stellt und er­hal­ten hat, mitt­ler­wei­le nicht mehr pro­du­ziert wird, macht ei­ne Er­satz­lie­fe­rung (§ 439 I Fall 2 BGB) auch dann nicht i. S. des § 275 I BGB un­mög­lich, wenn der Kfz-Kauf­ver­trag kei­nen Än­de­rungs­vor­be­halt i. S. des § 308 Nr. 4 BGB ent­hält. Viel­mehr kann der Ver­käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs auch in die­sem Fall ver­pflich­tet sein, dem Käu­fer ein Fahr­zeug der ak­tu­el­len Ge­ne­ra­ti­on zu lie­fern. Denn dass es mitt­ler­wei­le nur noch ei­ne in be­stimm­ten Punk­ten ge­än­der­te oder ver­bes­ser­te Ver­si­on des ur­sprüng­lich be­stell­ten und ge­lie­fer­ten Fahr­zeugs gibt, darf nicht zu­las­ten des Käu­fers ge­hen.
  3. Auf ei­ne Nach­bes­se­rung durch In­stal­la­ti­on ei­nes Soft­ware­up­dates kann dann nicht oh­ne er­heb­li­che Nach­tei­le für den Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens zu­rück­ge­grif­fen wer­den, wenn öf­fent­lich in­ten­siv und kon­tro­vers dis­ku­tiert wird, ob sich das Up­date in tech­ni­scher Hin­sicht ne­ga­tiv auf das Fahr­zeug aus­wirkt. Denn die aus die­ser Dis­kus­si­on re­sul­tie­ren­de Un­si­cher­heit kann den Wie­der­ver­kaufs­wert des Fahr­zeugs auch dann min­dern, wenn das Up­date tat­säch­lich nicht zu Fol­ge­pro­ble­men führt.

LG Det­mold, Ur­teil vom 11.05.2017 – 9 O 140/16

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Über­mä­ßig ver­stopf­ter Ruß­par­ti­kel­fil­ter als Sach­man­gel ei­nes Ge­braucht­wa­gens

Der Käu­fer ei­nes sechs Jah­re al­ten Ge­braucht­wa­gens, der ei­ne Lauf­leis­tung von 181.000 km auf­weist, muss zwar ei­nen al­ters­üb­li­chen Ver­schleiß des Fahr­zeugs hin­neh­men. Da­zu mag bei ei­nem Die­sel­fahr­zeug auch zäh­len, dass der Die­sel­par­ti­kel­fil­ter mit Ruß zu­ge­setzt ist. Kein blo­ßer Ver­schleiß, son­dern ein Man­gel im Rechts­sin­ne liegt je­doch vor, wenn der Ruß­par­ti­kel­fil­ter zu­ge­setzt ist, weil sich in­fol­ge ei­nes tech­ni­schen De­fekts im Lau­fe der Zeit mehr Ruß als üb­lich dort an­ge­sam­melt hat.

OLG Hamm, Ur­teil vom 11.05.2017 – 28 U 89/16

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Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Käu­fers für ein Um­ge­hungs­ge­schäft – Agen­tur­ge­schäft

  1. Hat ein Ver­brau­cher ei­nen Ge­braucht­wa­gen nach dem In­halt des Kauf­ver­trags nicht von ei­nem Kfz-Händ­ler, son­dern un­ter des­sen Ver­mitt­lung von ei­nem pri­va­ten Ver­käu­fer ge­kauft (Agen­tur­ge­schäft), so ist aus Sicht des Ver­brau­chers da­von aus­zu­ge­hen, dass An­sprü­che we­gen ei­nes Man­gels des Fahr­zeugs ge­gen­über dem pri­va­ten Ver­käu­fer gel­tend zu ma­chen sind. Stellt sich der Ver­brau­cher da­ge­gen auf den Stand­punkt, nicht der pri­va­te Ver­käu­fer, son­dern der Händ­ler sei in Wahr­heit sein Ver­trags­part­ner, so ist es an ihm, Tat­sa­chen vor­zu­tra­gen und zu be­wei­sen, die für ein Um­ge­hungs­ge­schäft spre­chen. Das Ri­si­ko, nur ver­mu­te­te Tat­sa­chen im Pro­zess nicht be­wei­sen zu kön­nen, kann ei­ner Pro­zess­par­tei auch un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­brau­cher­schut­zes nicht ab­ge­nom­men wer­den.
  2. Wird beim Ver­kauf ei­nes Ge­braucht­wa­gens ein Agen­tur­ge­schäft nach der ge­bo­te­nen wirt­schaft­li­chen Be­trach­tungs­wei­se miss­bräuch­lich ein­ge­setzt, um ein in Wahr­heit vor­lie­gen­des Ei­gen­ge­schäft des Kfz-Händ­lers zu ver­schlei­ern, so hat dies zur Fol­ge, dass sich der Händ­ler ge­mäß § 475 I 2 BGB so be­han­deln las­sen muss, als hät­te er selbst das Fahr­zeug an den Ver­brau­cher ver­kauft. Dem­zu­fol­ge führt die Ver­schleie­rung ei­nes Ei­gen­ge­schäfts da­zu, dass ein kauf­ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss un­wirk­sam ist und der Käu­fer des Fahr­zeugs Män­gel­rech­te ge­gen­über dem Händ­ler selbst gel­tend ma­chen kann.

LG Ber­lin, Ur­teil vom 09.05.2017 – 55 S 133/16

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Rück­tritt vom Kauf­ver­trag über ei­nen Jah­res­wa­gen – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Jah­res­wa­gen ist i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft. Denn der Käu­fer darf er­war­ten, dass das Fahr­zeug die ein­schlä­gi­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te – hier: die Eu­ro-5-Emis­si­ons­grenz­wer­te – tat­säch­lich ein­hält. Die­se Er­war­tung wird ent­täuscht, wenn die Grenz­wer­te nur wäh­rend ei­nes Emis­si­ons­tests auf dem Prüf­stand und dann nur des­halb ein­ge­hal­ten wer­den, weil ei­ne spe­zi­el­le Soft­ware die Test­si­tua­ti­on er­kennt und ei­nen ei­gens da­für vor­ge­se­he­nen Be­triebs­mo­dus ak­ti­viert, in dem der Stick­oxid­aus­stoß nied­ri­ger ist als beim Be­trieb des Fahr­zeugs im Stra­ßen­ver­kehr.
  2. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Jah­res­wa­gen ist dar­über hin­aus des­halb i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft, weil er zur (Wie­der-)Her­stel­lung sei­ner Vor­schrifts­mä­ßig­keit zwin­gend tech­nisch über­ar­bei­tet wer­den muss, al­so we­nigs­tens ein Soft­ware­up­date be­nö­tigt. Oh­ne das Up­date ist das Fahr­zeug folg­lich nicht vor­schrifts­mä­ßig, doch kann der Käu­fer ei­nes Jah­res­wa­gens ein den Vor­schrif­ten ent­spre­chen­des Fahr­zeug er­war­ten.
  3. Dem Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs ist ei­ne Nach­bes­se­rung i. S. des § 440 Satz 1 Fall 3 BGB un­zu­mut­bar, wenn er dem Ver­käu­fer schon des­halb kei­ne Frist zur Nach­bes­se­rung (§ 323 I BGB) set­zen kann, weil das Kraft­fahrt-Bun­des­amt das für ei­ne tech­ni­sche Über­ar­bei­tung des Fahr­zeugs er­for­der­li­che Soft­ware­up­date noch nicht frei­ge­ge­ben hat und des­halb völ­lig un­ge­wiss ist, wann dem Ver­käu­fer ei­ne Man­gel­be­sei­ti­gung mög­lich sein wird.
  4. Die Pflicht­ver­let­zung des Ver­käu­fers, die in der Lie­fe­rung ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs liegt, ist selbst dann nicht i. S. des § 323 V 2 BGB un­er­heb­lich, wenn ei­ne Man­gel­be­sei­ti­gung – be­zo­gen auf das kon­kret be­trof­fe­ne Fahr­zeug – ei­nen Zeit­auf­wand von we­ni­ger als ei­ner Stun­de und ei­nen Kos­ten­auf­wand von we­ni­ger als 100 € er­for­dert. Ge­gen ei­ne Ge­ring­fü­gig­keit des Man­gels spricht be­reits, dass der Käu­fer auf ei­ne Nach­bes­se­rung prak­tisch nicht ver­zich­ten kann, son­dern er ge­zwun­gen ist, sein Fahr­zeug im Rah­men der zwi­schen der Volks­wa­gen AG und dem Kraft­fahrt-Bun­des­amt ab­ge­stimm­ten Rück­ruf­ak­ti­on über­ar­bei­ten zu las­sen, um des­sen Zu­las­sung zum Stra­ßen­ver­kehr nicht zu ge­fähr­den.
  5. Die Soft­ware, die in ei­nem vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeug zum Ein­satz kommt und des­sen Stick­oxid­aus­stoß (nur) ver­rin­gert, so­bald das Fahr­zeug auf ei­nem Prüf­stand ei­nen Emis­si­ons­test ab­sol­viert, ist ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung i. S. des Art. 5 II i. V. mit Art. 3 Nr. 10 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 (im An­schluss an LG Hil­des­heim, Urt. v. 17.01.2017 – 3 O 139/16, DAR 2017, 83).
  6. Der Käu­fer ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Fahr­zeugs kann ge­gen die – am Kauf­ver­trag nicht be­tei­lig­te – Volks­wa­gen AG als Fahr­zeug­her­stel­le­rin ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz we­gen sit­ten­wid­ri­ger vor­sätz­li­cher Schä­di­gung (§ 826 BGB i. V. mit § 31 BGB) ha­ben. Die­ser An­spruch knüpft dar­an an, dass die Volks­wa­gen AG Fahr­zeu­ge mit Die­sel­mo­to­ren in den Ver­kehr ge­bracht hat, in de­nen ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung zum Ein­satz kommt und die des­halb nicht den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ent­spre­chen. Er ist dar­auf ge­rich­tet, den Käu­fer so zu stel­len, wie er stün­de, wenn er den Kauf­ver­trag über das VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ne Fahr­zeug nicht ge­schlos­sen hät­te.
  7. Die Haf­tung der Volks­wa­gen AG aus § 826 BGB i. V. mit § 31 BGB setzt vor­aus, dass ein ver­fas­sungs­mä­ßig be­ru­fe­ner Ver­tre­ter i. S. des § 31 BGB den ob­jek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­be­stand des § 826 BGB ver­wirk­licht hat. Dies dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen, ist zwar Sa­che des kla­gen­den Fahr­zeug­käu­fers. Die Volks­wa­gen AG trifft in­so­weit aber ei­ne se­kun­dä­re Dar­le­gungs­last, der sie durch den Vor­trag ge­nügt, wer in ih­rem Un­ter­neh­men über die Ent­wick­lung und den Ein­satz ei­ner die Schad­stoff­emis­sio­nen ma­ni­pu­lie­ren­den Soft­ware ent­schie­den hat und bis zu wel­cher hö­he­ren Ebe­ne die­se Ent­schei­dung an­schlie­ßend ge­ge­be­nen­falls kom­mu­ni­ziert wur­de. Dass sie da­bei un­ter Um­stän­den nä­he­re Aus­füh­run­gen zur straf­recht­li­chen Ver­ant­wort­lich­keit ih­rer Vor­stands­mit­glie­der oder ih­rer lei­ten­den Mit­ar­bei­ter ma­chen muss und die­se da­mit mög­li­cher­wei­se straf­recht­lich be­las­tet, spielt in­so­weit kei­ne Rol­le. Ge­nügt die Volks­wa­gen AG ih­rer se­kun­dä­ren Dar­le­gungs­last nicht, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ent­schei­dung, ei­ne den Schad­stoff­aus­stoß ma­ni­pu­lie­ren­de Soft­ware zu ent­wi­ckeln und ein­zu­set­zen, vom Vor­stand ge­trof­fen oder je­den­falls ab­ge­seg­net wur­de.

LG Os­na­brück, Ur­teil vom 09.05.2017 – 5 O 1198/16

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Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen VW Po­lo 1.6 TDI – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen ist schon des­halb man­gel­haft, weil das Fahr­zeug zum Er­halt der Be­triebs­er­laub­nis ei­nes Soft­ware­up­dates be­darf. Der durch­schnitt­li­che Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens kann in­des i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB er­war­ten, dass die Be­triebs­er­laub­nis des Fahr­zeugs nicht des­halb ge­fähr­det ist, weil sei­ne Vor­schrifts­wid­rig­keit fest­steht oder von­sei­ten der Be­hör­den (hier: des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes) an­ge­nom­men wird.
  2. Dar­über hin­aus weist ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen auch des­halb nicht die Be­schaf­fen­heit auf, die ein durch­schnitt­li­cher Neu­wa­gen­käu­fer i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB er­war­ten kann, weil der Durch­schnitts­käu­fer ei­nes Neu­wa­gens er­war­ten kann, dass das Fahr­zeug die ein­schlä­gi­gen Emis­si­ons­grenz­wer­te nicht nur wäh­rend ei­nes Emis­si­ons­tests auf ei­nem Prüf­stand und nicht nur des­halb ein­hält, weil ei­ne Soft­ware die Test­si­tua­ti­on er­kennt und für ei­ne Ver­rin­ge­rung des Stick­oxid­aus­sto­ßes sorgt.
  3. Bei der Be­ur­tei­lung, ob die Kauf­sa­che ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­weist, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB), ist ge­ge­be­nen­falls ein her­stel­ler­über­grei­fen­der Ver­gleich an­zu­stel­len, weil man an­dern­falls bei Kon­struk­ti­ons- oder Fa­bri­ka­ti­ons­feh­lern, die ei­ner gan­zen Se­rie an­haf­ten, ei­nen Sach­man­gel ver­nei­nen müss­te.
  4. Bei der Be­ur­tei­lung, ob der Man­gel, an dem ein vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­ner Neu­wa­gen lei­det, i. S. des § 323 V 2 BGB ge­ring­fü­gig ist, kann nicht al­lein auf die Kos­ten ab­ge­stellt wer­den, die für die Ent­wick­lung und die In­stal­la­ti­on des zur Man­gel­be­sei­ti­gung er­for­der­li­chen Soft­ware­up­dates auf­ge­wen­det wer­den müs­sen. Denn in­so­weit exis­tiert, da das Up­date aus­schließ­lich vom Fahr­zeug­her­stel­ler an­ge­bo­ten wird, kein Markt­preis, so­dass al­len­falls an die vom Fahr­zeug­her­stel­ler an­ge­ge­be­nen Kos­ten an­ge­knüpft wer­den könn­te. Das aber ver­bie­tet sich, weil an­dern­falls der Fahr­zeug­her­stel­ler durch ent­spre­chen­de An­ga­ben be­stim­men könn­te, ob ein von ihm ver­ur­sach­ter Man­gel ge­ring­fü­gig ist oder nicht.
  5. Ein tech­ni­scher Man­gel ei­nes Kraft­fahr­zeugs, für des­sen Be­sei­ti­gung der Fahr­zeug­her­stel­ler über Mo­na­te per­so­nel­le und tech­ni­schen Res­sour­cen ein­set­zen muss, ist nicht des­halb ge­ring­fü­gig i. S. des § 323 V 2 BGB, weil er ei­ner Viel­zahl von Neu- und Ge­braucht­wa­gen an­haf­tet und der auf das ein­zel­ne Fahr­zeug (an­tei­lig) ent­fal­len­de Man­gel­be­sei­ti­gungs­auf­wand ver­gleichs­wei­se ge­ring ist.
  6. Ei­ne Frist zur Nach­bes­se­rung ei­nes vom VW-Ab­gas­skan­dal be­trof­fe­nen Neu­wa­gens von über ei­nem Jahr ist nicht mehr an­ge­mes­sen i. S. von § 323 I BGB, son­dern un­an­ge­mes­sen lang. Dar­an än­dert nichts, dass vom VW-Ab­gas­skan­dal al­lein in Deutsch­land Mil­lio­nen von Fahr­zeu­gen be­trof­fen sind; denn die Man­gel­haf­tig­keit die­ser Fahr­zeu­ge geht auf ei­ne be­wuss­te Ma­ni­pu­la­ti­on der Fahr­zeug­her­stel­le­rin zu­rück.
  7. Kos­ten, die der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens für Win­ter­rei­fen auf­ge­wen­det hat, sind eben­so wie In­spek­ti­ons­kos­ten not­wen­di­ge Ver­wen­dun­gen i. S. des § 347 II 1 BGB. Glei­ches gilt für die Kos­ten für ei­ne Haupt­un­ter­su­chung nach § 29 StV­ZO; je­den­falls aber han­delt es sich da­bei um nütz­li­che Ver­wen­dun­gen i. S. von § 347 II 2 BGB.

LG Aa­chen, Ur­teil vom 04.05.2017 – 10 O 422/14

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Kein Ab­schluss ei­nes Kauf­ver­trags über ei­nen Ge­braucht­wa­gen durch Scherz­er­klä­rung

Dass je­mand, der ei­nen Ge­braucht­wa­gen im In­ter­net zum Kauf an­bie­tet und da­bei ei­nen – dem Ver­kehrs­wert des Fahr­zeugs ent­spre­chen­den – Kauf­preis von 11.500 € an­gibt, be­reit ist, das Fahr­zeug für nur 15 € an ei­nen ihm völ­lig un­be­kann­ten Kauf­in­ter­es­sen­ten zu ver­äu­ßern, ist der­art ab­we­gig, dass der Kauf­in­ter­es­sent ei­ne ent­spre­chen­de Wil­lens­er­klä­rung des An­bie­ters als Scherz­er­klä­rung i. S. des § 118 BGB er­ken­nen muss.

OLG Frank­furt a. M., Be­schluss vom 02.05.2017 – 8 U 170/16

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