1. Art. 10 II lit. a, c und e der Richt­li­nie 2008/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/102/EWG des Ra­tes ist da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag ge­ge­be­nen­falls in kla­rer, prä­gnan­ter Form an­ge­ge­ben wer­den muss, dass es sich um ei­nen „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie han­delt und dass die­ser Ver­trag als be­fris­te­ter Ver­trag ge­schlos­sen wor­den ist.
  2. Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ver­langt, dass in ei­nem „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie, der aus­schließ­lich der Fi­nan­zie­rung ei­nes Ver­trags über die Lie­fe­rung ei­nes Ge­gen­stands dient und vor­sieht, dass der Kre­dit­be­trag an den Ver­käu­fer die­ses Ge­gen­stands aus­ge­zahlt wird, an­ge­ge­ben wird, dass der Ver­brau­cher in Hö­he des aus­ge­zahl­ten Be­trags von sei­ner Ver­bind­lich­keit zur Zah­lung des Kauf­prei­ses be­freit ist und dass der Ver­käu­fer ihm, so­fern der Kauf­preis voll­stän­dig be­gli­chen ist, den ge­kauf­ten Ge­gen­stand aus­zu­hän­di­gen hat.
  3. Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass in dem Kre­dit­ver­trag der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ses Ver­trags gel­ten­de Satz der Ver­zugs­zin­sen in Form ei­nes kon­kre­ten Pro­zent­sat­zes an­zu­ge­ben und der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu be­schrei­ben ist. Ha­ben die Par­tei­en des be­tref­fen­den Kre­dit­ver­trags ver­ein­bart, dass der Ver­zugs­zins­satz nach Maß­ga­be des von der Zen­tral­bank ei­nes Mit­glied­staats fest­ge­leg­ten und in ei­nem für je­der­mann leicht zu­gäng­li­chen Amts­blatt be­kannt ge­ge­be­nen Än­de­rung des Ba­sis­zins­sat­zes ge­än­dert wird, reicht ein Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf die­sen Ba­sis­zins­satz aus, so­fern die Me­tho­de zur Be­rech­nung des Sat­zes der Ver­zugs­zin­sen nach Maß­ga­be des Ba­sis­zins­sat­zes in die­sem Ver­trag be­schrie­ben wird. In­so­weit sind zwei Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten. Ers­tens muss die Dar­stel­lung die­ser Be­rech­nungs­me­tho­de für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher, der nicht über Fach­kennt­nis­se im Fi­nanz­be­reich ver­fügt, leicht ver­ständ­lich sein und es ihm er­mög­li­chen, den Ver­zugs­zins­satz auf der Grund­la­ge der An­ga­ben im Kre­dit­ver­trag zu be­rech­nen. Zwei­tens muss auch die Häu­fig­keit der Än­de­rung die­ses Ba­sis­zins­sat­zes, die sich nach den na­tio­na­len Be­stim­mun­gen rich­tet, in dem frag­li­chen Kre­dit­ver­trag an­ge­ge­ben wer­den.
  4. Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag die Me­tho­de für die Be­rech­nung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens fäl­li­gen Ent­schä­di­gung in ei­ner kon­kre­ten und für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher leicht nach­voll­zieh­ba­ren Wei­se an­zu­ge­ben ist, so­dass die­ser die Hö­he der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an­hand der in die­sem Ver­trag er­teil­ten In­for­ma­tio­nen be­stim­men kann.
  5. Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er nicht ver­langt, dass im Kre­dit­ver­trag al­le Si­tua­tio­nen an­zu­ge­ben sind, in de­nen den Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags ein Kün­di­gungs­recht nicht durch die­se Richt­li­nie, son­dern nur durch die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten zu­er­kannt wird.
  6. Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er es dem Kre­dit­ge­ber ver­wehrt, sich ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß die­ser Be­stim­mung durch den Ver­brau­cher auf den Ein­wand der Ver­wir­kung zu be­ru­fen, wenn ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist, un­ab­hän­gig da­von, ob der Ver­brau­cher von sei­nem Wi­der­rufs­recht Kennt­nis hat­te, oh­ne dass er die­se Un­kennt­nis zu ver­tre­ten hat.
  7. Die Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass der Kre­dit­ge­ber im Fall der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 durch den Ver­brau­cher kei­nen Rechts­miss­brauch an­neh­men darf, wenn ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist, un­ab­hän­gig da­von, ob der Ver­brau­cher von sei­nem Wi­der­rufs­recht Kennt­nis hat­te.
  8. Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag die we­sent­li­chen In­for­ma­tio­nen über al­le dem Ver­brau­cher zur Ver­fü­gung ste­hen­den au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- oder Rechts­be­helfs­ver­fah­ren und ge­ge­be­nen­falls die mit die­sen Ver­fah­ren ver­bun­de­nen Kos­ten, dar­über, ob die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf per Post oder elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen ist, über die phy­si­sche oder elek­tro­ni­sche Adres­se, an die die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf zu sen­den ist, und über die sons­ti­gen for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen, de­nen die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf un­ter­liegt, an­zu­ge­ben sind. Was die­se In­for­ma­tio­nen be­trifft, reicht ein blo­ßer Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf ei­ne im In­ter­net ab­ruf­ba­re Ver­fah­rens­ord­nung oder auf ein an­de­res Schrift­stück oder Do­ku­ment, in dem die Mo­da­li­tä­ten der au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren fest­ge­legt sind, nicht aus.

EuGH (Sechs­te Kam­mer), Ur­teil vom 09.09.2021 – C-33/20, C-155/20 und C-187/20 (UK/Volks­wa­gen Bank GmbH u. a.)

Das vor­lie­gen­de Ur­teil be­trifft die Aus­le­gung von Art. 10 II und Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23.04.2008 über Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trä­ge und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 87/102/EWG des Ra­tes (ABl. 2008 L 133, 66). Es er­geht im Rah­men von Rechts­strei­tig­kei­ten zwi­schen UK und der Volks­wa­gen Bank GmbH (C-33/20), RT, SV und BC auf der ei­nen und der Volks­wa­gen Bank GmbH so­wie der ŠKO­DA-Bank, ei­ner Zweig­nie­der­las­sung der Volks­wa­gen Bank GmbH (im Fol­gen­den: ŠKO­DA-Bank), auf der an­de­ren Sei­te (C-155/20) so­wie JL und DT auf der ei­nen und der BMW Bank GmbH und der Volks­wa­gen Bank GmbH auf der an­de­ren Sei­te (C-187/20) über die Gül­tig­keit des Wi­der­rufs von mit die­sen Ban­ken ge­schlos­se­nen Kre­dit­ver­trä­gen.

Sach­ver­halt: Rechts­sa­che C-33/20

Am 19.12.2015 schloss UK, ein Ver­brau­cher, mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über ei­nen Be­trag von 10.671,63 €, der dem Kauf ei­nes für ei­ne pri­va­te Nut­zung be­stimm­ten Kraft­fahr­zeugs der Mar­ke Volks­wa­gen dien­te (im Fol­gen­den: in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­der Ver­trag). Ver­käu­fe­rin die­ses Fahr­zeugs war die Hahn Au­to­mo­bi­le GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin A). Der Kauf­preis be­lief sich auf 15.200 €. UK leis­te­te an die Ver­käu­fe­rin A ei­ne An­zah­lung in Hö­he von 5.000 € und fi­nan­zier­te den Be­trag von 10.200 € so­wie den Ein­mal­bei­trag für ei­ne Rest­schuld­ver­si­che­rung in Hö­he von 471,63 €, ins­ge­samt al­so 10.671,63 €.

Der in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trag ent­hielt fol­gen­de An­ga­be:

„Nach ei­ner Ver­trags­kün­di­gung wer­den wir Ih­nen den ge­setz­li­chen Ver­zugs­zins­satz in Rech­nung stel­len. Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt 5 Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz.“

Fer­ner wur­de UK ein Do­ku­ment mit dem Ti­tel „Eu­ro­päi­sche Stan­dard­in­for­ma­tio­nen für Ver­brau­cher­kre­di­te“ zur Ver­fü­gung ge­stellt. Dar­in hieß es:

„Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt 5 Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz. Der Ba­sis­zins­satz wird von der Deut­schen Bun­des­bank er­mit­telt und je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­li ei­nes je­den Jah­res fest­ge­setzt.“

Das vor­le­gen­de Ge­richt hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in dem in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trag die An­ga­be des gel­ten­den Ver­zugs­zins­sat­zes oder zu­min­dest des gel­ten­den Re­fe­renz­zins­sat­zes, das heißt des Ba­sis­zins­sat­zes nach § 247 BGB, als ab­so­lu­te Zahl feh­le. Das vor­le­gen­de Ge­richt hat fer­ner fest­ge­stellt, dass in die­sem Ver­trag auch der An­pas­sungs­me­cha­nis­mus für den Ver­zugs­zins­satz nicht er­läu­tert wer­de. Das vor­ste­hend er­wähn­te, UK zur Ver­fü­gung ge­stell­te Do­ku­ment sei we­gen Nicht­be­ach­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses nach § 492 I BGB nicht Be­stand­teil des in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trags ge­wor­den.

Der in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trag sah vor:

„Für den un­mit­tel­bar mit der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung zu­sam­men­hän­gen­den Scha­den kann die Bank ei­ne an­ge­mes­se­ne Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ver­lan­gen. Den Scha­den wird die Bank nach den vom Bun­des­ge­richts­hof vor­ge­schrie­be­nen fi­nanz­ma­the­ma­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen be­rech­nen, die ins­be­son­de­re:

  • ein zwi­schen­zeit­lich ver­än­der­tes Zins­ni­veau,
  • die für das Dar­le­hen ur­sprüng­lich ver­ein­bar­ten Zah­lungs­strö­me,
  • den der Bank ent­gan­ge­nen Ge­winn,
  • den mit der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung ver­bun­de­nen Ver­wal­tungs­auf­wand (Be­ar­bei­tungs­ent­gelt) so­wie
  • die in­fol­ge der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung er­spar­ten Ri­si­ko- und Ver­wal­tungs­kos­ten be­rück­sich­ti­gen.“

Was die Be­din­gun­gen für die Kün­di­gung des in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trags durch den Dar­le­hens­ge­ber aus wich­ti­gem Grund be­trifft, so wur­de in die­sem Ver­trag nicht an­ge­ge­ben, in wel­cher Form die­se Kün­di­gung zu er­fol­gen hat­te oder wel­che Kün­di­gungs­frist für den Dar­le­hens­ge­ber galt. Wie aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor­geht, blieb in dem in Re­de ste­hen­den Ver­trag das Recht des Dar­le­hens­neh­mers zur Kün­di­gung die­ses Ver­trags ge­mäß § 314 BGB ganz un­er­wähnt.

Die Volks­wa­gen Bank GmbH nahm für die Vor­be­rei­tung und den Ab­schluss des in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trags Diens­te der Ver­käu­fe­rin A in An­spruch. Ins­be­son­de­re fun­gier­te die­se als Dar­le­hens­ver­mitt­le­rin von der Volks­wa­gen Bank GmbH und ver­wen­de­te die von die­ser be­reit­ge­stell­ten Ver­trags­for­mu­la­re. In dem Ver­trag wur­de ver­ein­bart, dass UK die Dar­le­hens­sum­me von 11.545,26 € (ent­spre­chend dem Net­to­dar­le­hens­be­trag von 10.671,63 € zu­züg­lich Zin­sen von 873,63 €) ab dem 15.02.2016 in 48 gleich­blei­ben­den Mo­nats­ra­ten in Hö­he von je­weils 150,08 € und ei­ner am 16.01.2020 zu zah­len­den Schluss­ra­te von 4.341,42 € zu­rück­zu­zah­len hat.

UK zahl­te die ver­ein­bar­ten Ra­ten re­gel­mä­ßig. Mit Schrei­ben vom 22.01.2019 wi­der­rief er je­doch den Ver­trag. Die Volks­wa­gen Bank GmbH wies den Wi­der­ruf zu­rück.

Nach Auf­fas­sung von UK wur­de der in der Rechts­sa­che C?33/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trag durch den wirk­sa­men Wi­der­ruf vom 22.01.2019 in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis um­ge­wan­delt. Mit sei­ner Kla­ge vor dem vor­le­gen­den Ge­richt be­an­tragt er die Fest­stel­lung, dass er ab dem 22.01.2019 nicht mehr zur Zah­lung der mo­nat­li­chen Ra­ten an die Volks­wa­gen Bank GmbH ver­pflich­tet ist. Au­ßer­dem be­gehrt er von der Volks­wa­gen Bank GmbH die Rück­zah­lung der be­reits ge­zahl­ten Mo­nats­ra­ten so­wie der an die Ver­käu­fe­rin A ge­leis­te­ten An­zah­lung, Zug um Zug ge­gen die Rück­ga­be des ge­kauf­ten Fahr­zeugs.

Die Volks­wa­gen Bank GmbH hält die Wi­der­rufs­er­klä­rung von UK für ver­spä­tet und den Wi­der­ruf des­halb für un­wirk­sam.

Un­ter die­sen Um­stän­den hat das LG Ra­vens­burg be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

  1. Ist Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag

    a) der bei Ab­schluss des Kre­dit­ver­trags gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz als ab­so­lu­te Zahl mit­zu­tei­len ist, zu­min­dest aber der gel­ten­de Re­fe­renz­zins­satz (vor­lie­gend der Ba­sis­zins­satz ge­mäß § 247 BGB), aus dem sich der gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz durch ei­nen Zu­schlag (vor­lie­gend von fünf Pro­zent­punk­ten ge­mäß § 288 I 2 BGB) er­mit­telt, als ab­so­lu­te Zahl an­zu­ge­ben ist;

    b) der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu er­läu­tern ist, zu­min­dest aber auf die na­tio­na­len Nor­men, aus de­nen sich die An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes ent­neh­men lässt (§§ 247, 288 I 2 BGB), ver­wie­sen wer­den muss?

  2. Ist Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag ein kon­kre­ter vom Ver­brau­cher nach­voll­zieh­ba­rer Re­chen­weg für die Er­mitt­lung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens an­fal­len­den Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an­zu­ge­ben ist, so­dass der Ver­brau­cher die Hö­he der bei vor­zei­ti­ger Kün­di­gung an­fal­len­den Ent­schä­di­gung zu­min­dest an­nä­he­rungs­wei­se be­rech­nen kann?
  3. Ist Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag

    a)  auch die im na­tio­na­len Recht ge­re­gel­ten Kün­di­gungs­rech­te der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags an­ge­ge­ben wer­den müs­sen, ins­be­son­de­re auch das Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers aus wich­ti­gem Grund ge­mäß § 314 BGB bei be­fris­te­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen;

    b) bei sämt­li­chen Kün­di­gungs­rech­ten der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags auf die bei der Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts je­weils vor­ge­schrie­be­ne Frist und Form für die Kün­di­gungs­er­klä­rung hin­zu­wei­sen ist?

Rechts­sa­che C-155/20

Am 03.01.2015 schloss RT mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 11.257,14 €. Am 23.05.2015 schloss SV mit der­sel­ben Bank ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 16.400 €. Am 24.07.2014 schloss BC ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 7.332,34 € mit der ŠKO­DA-Bank, ei­ner Zweig­nie­der­las­sung der Volks­wa­gen Bank GmbH. Die­se Dar­le­hens­ver­trä­ge (im Fol­gen­den: in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trä­ge) wa­ren für die Fi­nan­zie­rung des Kaufs von Kraft­fahr­zeu­gen (im Fall von RT so­wie SV der Mar­ke Volks­wa­gen und im Fall von BC der Mar­ke ŠKO­DA) zur pri­va­ten Nut­zung be­stimmt. Ver­käu­fe­rin­nen die­ser Fahr­zeu­ge wa­ren die Au­to­haus Kil­gus GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin B), die Au­to­haus Humm GmbH (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin C) und die Held & Ströh­le GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin D). Die Kauf­prei­se be­lie­fen sich für RT auf 15.750 €, für SV auf 23.900 € und für BC auf 15.940 €. Die­se Ver­brau­cher leis­te­ten an die Ver­käu­fe­rin­nen je­weils ei­ne An­zah­lung in Hö­he von 5.000 €, 7.500 € be­zie­hungs­wei­se 8.900 € und fi­nan­zier­ten mit den in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen Be­trä­ge in Hö­he von 10.750 €, 16.400 € be­zie­hungs­wei­se 7.040 €, RT und BC dar­über hin­aus noch ei­nen Ein­mal­bei­trag für ei­ne Rest­schuld­ver­si­che­rung in Hö­he von 507,14 € be­zie­hungs­wei­se 292,34 €, ins­ge­samt al­so 11.257,14 € be­zie­hungs­wei­se 7.332,34 €.

Die in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge ent­hiel­ten die­sel­be An­ga­be wie die oben wie­der­ge­ge­be­ne:

„Nach ei­ner Ver­trags­kün­di­gung wer­den wir Ih­nen den ge­setz­li­chen Ver­zugs­zins­satz in Rech­nung stel­len. Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt 5 Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz.“

Auch das be­reits ge­nann­te Do­ku­ment mit dem Ti­tel „Eu­ro­päi­sche Stan­dard­in­for­ma­tio­nen für Ver­brau­cher­kre­di­te“ wur­de RT, SV und BC zur Ver­fü­gung ge­stellt.

Das vor­le­gen­de Ge­richt hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in den in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen die An­ga­be des gel­ten­den Ver­zugs­zins­sat­zes oder zu­min­dest des gel­ten­den Re­fe­renz­zins­sat­zes, das heißt des Ba­sis­zins­sat­zes nach § 247 BGB, als ab­so­lu­te Zahl feh­le. Es hat fer­ner fest­ge­stellt, dass in die­sen Ver­trä­gen auch der An­pas­sungs­me­cha­nis­mus für den Ver­zugs­zins­satz nicht er­läu­tert wer­de und dass das in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer er­wähn­te Do­ku­ment we­gen Nicht­be­ach­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses nach § 492 I BGB nicht Be­stand­teil die­ser Ver­trä­ge ge­wor­den sei.

Die in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge ent­hiel­ten be­züg­lich ei­ner Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ei­ne mit der be­reits wie­der­ge­ge­be­nen Klau­sel iden­ti­sche Klau­sel.

Was die Be­din­gun­gen für die Kün­di­gung der Ver­trä­ge durch den Dar­le­hens­ge­ber aus wich­ti­gem Grund be­trifft, so wur­de in den in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen – wie in dem in der Rechts­sa­che C-33/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trag – we­der an­ge­ge­ben, in wel­cher Form die­se Kün­di­gung zu er­fol­gen hat­te oder wel­che Kün­di­gungs­frist für den Dar­le­hens­ge­ber galt, noch ent­hiel­ten die Ver­trä­ge ei­nen Hin­weis auf das Recht des Dar­le­hens­neh­mers zur Kün­di­gung des Ver­trags ge­mäß § 314 BGB.

Die Volks­wa­gen Bank GmbH und die ŠKO­DA Bank nah­men für die Vor­be­rei­tung und den Ab­schluss der in der Rechts­sa­che C-155/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge Diens­te der Ver­käu­fe­rin­nen B, C und D in An­spruch. Ins­be­son­de­re fun­gier­ten die Ver­käu­fe­rin­nen als Dar­le­hens­ver­mitt­ler für die Volks­wa­gen Bank GmbH und die ŠKO­DA-Bank und ver­wen­de­ten die von ih­nen be­reit­ge­stell­ten Ver­trags­for­mu­la­re. In den Ver­trä­gen wur­de ver­ein­bart, dass RT, SV und BC ab 15.02.2015, 01.06.2015 be­zie­hungs­wei­se 03.09.2014 die je­wei­li­ge Dar­le­hens­sum­me zu­züg­lich Zin­sen in Hö­he von 669,90 € (RT), 1.241,97 € (SV) und 225,87 € (BC) zu­rück­zu­zah­len hat­ten. Die Rück­zah­lung soll­te mit­tels 48, 36 be­zie­hungs­wei­se 24 gleich­blei­ben­den Mo­nats­ra­ten in Hö­he von 248,48 €, 146,87 € be­zie­hungs­wei­se 150 € er­fol­gen, wo­bei SV und BC noch ei­ne am 01.05.2018 be­zie­hungs­wei­se am 03.08,2016 zu zah­len­den Schluss­ra­te von 12.354,65 € be­zie­hungs­wei­se 3.958,21 € zu zah­len hat­ten.

RT zahl­te die ver­ein­bar­ten Ra­ten re­gel­mä­ßig. Kurz vor der voll­stän­di­gen Er­fül­lung sei­ner Zah­lungs­pflich­ten aus dem Dar­le­hens­ver­trag am 15.12.2018 wi­der­rief er je­doch mit Schrei­ben vom 22.11.2018 den am 03.01.2015 mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag.

SV zahl­te die ver­ein­bar­ten Ra­ten re­gel­mä­ßig und lös­te das Dar­le­hen mit Zah­lung der am 01.05.2018 fäl­li­gen Schluss­ra­te ab. Am 04.06.2018 trat sie das Fahr­zeug, für das sie die Fi­nan­zie­rung ab­ge­schlos­sen hat­te, an die Ver­käu­fe­rin C für 8.031,46 € ab. Mit Schrei­ben vom 05.01.2019 wi­der­rief SV ih­re auf den Ab­schluss des am 23.05.2015 mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ge­schlos­se­nen Kre­dit­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­er­klä­rung.

BC zahl­te die ver­ein­bar­ten Ra­ten re­gel­mä­ßig und lös­te das Dar­le­hen mit der letz­ten Ra­te vom 03.08.2016 voll­stän­dig ab. Mit Schrei­ben vom 25.04.2019 wi­der­rief sie den am 24.07.2014 mit der ŠKO­DA Bank ge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag.

RT hielt den Wi­der­ruf für wirk­sam, da die Wi­der­rufs­frist auf­grund feh­len­der An­ga­ben in dem am 03.01.2015 mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag nicht zu lau­fen be­gon­nen ha­be. Er ver­lang­te da­her die Rück­zah­lung der bis­her ge­leis­te­ten Dar­le­hens­ra­ten in Hö­he von 11.997,04 € so­wie der an die Ver­käu­fe­rin B ge­leis­te­ten An­zah­lung von 5.000 €, ins­ge­samt al­so 16.997,04 €, ab­züg­lich an­tei­li­ger Zin­sen bis zum Wi­der­ruf in Hö­he von 668,41 €. RT ver­lang­te so­mit die Rück­zah­lung des ver­blei­ben­den Be­trags von 16.258,63 € Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des ge­kauf­ten Fahr­zeugs. Au­ßer­dem be­gehr­te RT die Fest­stel­lung, dass sich die Volks­wa­gen Bank GmbH mit der An­nah­me die­ses Fahr­zeugs in Ver­zug be­fin­de.

SV war der An­sicht, dass der am 23.05.2015 mit der Volks­wa­gen Bank GmbH ge­schlos­se­ne Dar­le­hens­ver­trag durch ih­ren Wi­der­ruf in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis um­ge­wan­delt wor­den sei. Sie ver­lang­te von der Bank da­her die Rück­zah­lung der an die­se ge­leis­te­ten Dar­le­hens­ra­ten in Hö­he von 17.641,97 € so­wie der an die Ver­käu­fe­rin C ge­leis­te­ten An­zah­lung von 7.500 €, ins­ge­samt al­so 25.141,97 €, un­ter Ab­zug des für das Fahr­zeug er­ziel­ten Kauf­prei­ses von 8.031,46 €, mit­hin ei­nen Be­trag von 17.770,51 €.

BC war der An­sicht, dass der am 24.07.2014 mit der ŠKO­DA-Bank ge­schlos­se­ne Dar­le­hens­ver­trag durch ih­ren Wi­der­ruf in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis um­ge­wan­delt wor­den sei. Sie ver­lang­te da­her von der ŠKO­DA-Bank die Rück­zah­lung der an die­se ge­leis­te­ten Til­gungs­leis­tun­gen in Hö­he von 7.332,34 € so­wie der an die Ver­käu­fe­rin D nach der Her­aus­ga­be des ge­kauf­ten Fahr­zeugs ge­leis­te­ten An­zah­lung von 8.900 €. Au­ßer­dem be­gehr­te BC die Fest­stel­lung, dass sich die ŠKO­DA Bank mit der An­nah­me die­ses Fahr­zeugs in Ver­zug be­fin­de.

Un­ter die­sen Um­stän­den hat das LG Ra­vens­burg be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

  1. Ist Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag

    a) der bei Ab­schluss des Kre­dit­ver­trags gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz als ab­so­lu­te Zahl mit­zu­tei­len ist, zu­min­dest aber der gel­ten­de Re­fe­renz­zins­satz (vor­lie­gend der Ba­sis­zins­satz ge­mäß § 247 BGB), aus dem sich der gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz durch ei­nen Zu­schlag (vor­lie­gend von fünf Pro­zent­punk­ten ge­mäß § 288 I 2 BGB) er­mit­telt, als ab­so­lu­te Zahl an­zu­ge­ben ist;

    b) der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu er­läu­tern ist, zu­min­dest aber auf die na­tio­na­len Nor­men, aus de­nen sich die An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes ent­neh­men lässt (§§ 247, 288 I 2 BGB), ver­wie­sen wer­den muss?

  2. Ist Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag ein kon­kre­ter vom Ver­brau­cher nach­voll­zieh­ba­rer Re­chen­weg für die Er­mitt­lung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens an­fal­len­den Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an­zu­ge­ben ist, so­dass der Ver­brau­cher die Hö­he der bei vor­zei­ti­ger Kün­di­gung an­fal­len­den Ent­schä­di­gung zu­min­dest an­nä­he­rungs­wei­se be­rech­nen kann?
  3. Ist Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag

    a)  auch die im na­tio­na­len Recht ge­re­gel­ten Kün­di­gungs­rech­te der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags an­ge­ge­ben wer­den müs­sen, ins­be­son­de­re auch das Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers aus wich­ti­gem Grund ge­mäß § 314 BGB bei be­fris­te­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen­steht, wel­che die Nen­nung ei­nes na­tio­na­len Son­der­kün­di­gungs­rechts zu ei­ner zwin­gen­den An­ga­be i. S. des Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 macht;

    c) dass im Kre­dit­ver­trag bei sämt­li­chen Kün­di­gungs­rech­ten der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags auf die bei der Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts je­weils vor­ge­schrie­be­ne Frist und Form für die Kün­di­gungs­er­klä­rung hin­zu­wei­sen ist?

  4. Ist bei ei­nem Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag die Be­ru­fung des Kre­dit­ge­bers auf den Ein­wand der Ver­wir­kung ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts des Ver­brau­chers ge­mäß Art. 14 I 1 der Richt­li­nie 2008/48 aus­ge­schlos­sen,

    a) wenn ei­ne der in Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 vor­ge­schrie­be­nen Pflicht­an­ga­ben we­der ord­nungs­ge­mäß im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß er­teilt wor­den ist und so­mit die Wi­der­rufs­frist ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 nicht be­gon­nen hat;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) wenn die Ver­wir­kung maß­geb­lich auf den Zeit­ab­lauf seit Ver­trags­schluss und/​oder auf die voll­stän­di­ge Er­fül­lung des Ver­trags durch bei­de Ver­trags­par­tei­en und/oder auf die Dis­po­si­ti­on des Kre­dit­ge­bers über die zu­rück­er­hal­te­ne Dar­le­hens­sum­me oder die Rück­ga­be der Kre­dit­si­cher­hei­ten und/​oder (bei ei­nem mit dem Kre­dit­ver­trag ver­bun­de­nen Kauf­ver­trag) auf die Nut­zung oder die Ver­äu­ße­rung des fi­nan­zier­ten Ge­gen­stands durch den Ver­brau­cher ge­stützt wird, der Ver­brau­cher je­doch in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum und bei Ein­tritt der maß­geb­li­chen Um­stän­de von dem Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat, und der Kre­dit­ge­ber auch nicht da­von aus­ge­hen konn­te, dass der Ver­brau­cher ei­ne ent­spre­chen­de Kennt­nis hat?

  5. Ist bei ei­nem Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag die Be­ru­fung des Kre­dit­ge­bers auf den Ein­wand des Rechts­miss­brauchs ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts des Ver­brau­chers ge­mäß Art. 14 I 1 der Richt­li­nie 2008/48 aus­ge­schlos­sen,

    a) wenn ei­ne der in Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 vor­ge­schrie­be­nen Pflicht­an­ga­ben we­der ord­nungs­ge­mäß im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß er­teilt wor­den ist und so­mit die Wi­der­rufs­frist ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 nicht be­gon­nen hat;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) wenn die miss­bräuch­li­che Rechts­aus­übung maß­geb­lich auf den Zeit­ab­lauf seit Ver­trags­schluss und/​oder auf die voll­stän­di­ge Er­fül­lung des Ver­trags durch bei­de Ver­trags­par­tei­en und/​oder auf die Dis­po­si­ti­on des Kre­dit­ge­bers über die zu­rück­er­hal­te­ne Dar­le­hens­sum­me oder die Rück­ga­be der Kre­dit­si­cher­hei­ten und/oder (bei ei­nem mit dem Kre­dit­ver­trag ver­bun­de­nen Kauf­ver­trag) auf die Nut­zung oder die Ver­äu­ße­rung des fi­nan­zier­ten Ge­gen­stands durch den Ver­brau­cher ge­stützt wird, der Ver­brau­cher je­doch in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum und bei Ein­tritt der maß­geb­li­chen Um­stän­de von dem Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat, und der Kre­dit­ge­ber auch nicht da­von aus­ge­hen konn­te, dass der Ver­brau­cher ei­ne ent­spre­chen­de Kennt­nis hat?

Rechts­sa­che C-187/20

Am 04.05.2017 schloss JL mit der BMW Bank GmbH ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 24.401,84 €, und am 23.03.2016 schloss DT mit der Au­di-Bank, ei­ner Zweig­nie­der­las­sung der Volks­wa­gen Bank GmbH (im Fol­gen­den: Au­di-Bank), ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 37.710 € (im Fol­gen­den: in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trä­ge). Die­se Dar­le­hens­ver­trä­ge wa­ren für die Fi­nan­zie­rung des Kaufs je­weils ei­nes für die pri­va­te Nut­zung be­stimm­ten Kraft­fahr­zeugs der Mar­ke BMW (JL) be­zie­hungs­wei­se der Mar­ke Au­di (DT) be­stimmt. Ver­käu­fe­rin­nen die­ser Fahr­zeu­ge wa­ren die Au­er Grup­pe GmbH (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin E) und die Au­to­haus Lo­cher GmbH & Co. KG (im Fol­gen­den: Ver­käu­fe­rin F). Auf den Kauf­preis von 23.500 € leis­te­te JL der Ver­käu­fe­rin E ei­ne An­zah­lung in Hö­he von 1.000 € und fi­nan­zier­te den Rest­be­trag von 22.500 € so­wie Ver­si­che­run­gen in Hö­he von 1.901,84 €, wäh­rend DT den ge­sam­ten Kauf­preis von 37.710 € mit dem er­hal­te­nen Dar­le­hen fi­nan­zier­te.

Die BMW Bank GmbH und die Au­di-Bank nah­men für die Vor­be­rei­tung und den Ab­schluss der in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge Diens­te der Ver­käu­fe­rin­nen E und F in An­spruch. Bei­de Ver­trä­ge sa­hen vor, dass JL und DT ab dem 05.05.2017 bzw. dem 01.05.2016 den Dar­le­hens­be­trag zu­züg­lich Zin­sen in Hö­he von 1.413,14 € (JL) be­zie­hungs­wei­se 1.737,40 € (DT) zu­rück­zu­zah­len hat­ten. Die Rück­zah­lung soll­te in 47 be­zie­hungs­wei­se 48 gleich­blei­ben­den Mo­nats­ra­ten in Hö­he von 309,25 € be­zie­hungs­wei­se 395,65 € so­wie ei­ner am 05.04.2021 be­zie­hungs­wei­se am 01.04.2020 zu zah­len­den ab­schlie­ßen­den Zah­lung von 11.280 € be­zie­hungs­wei­se 20.456,20 € er­fol­gen.

Mit Schrei­ben vom 13.06.2019 be­zie­hungs­wei­se vom 12.01.2019 wi­der­rie­fen JL und DT die in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge.

JL und DT hiel­ten den Wi­der­ruf für wirk­sam, da die Wi­der­rufs­frist we­gen feh­ler­haf­ter An­ga­ben in die­sen Ver­trä­gen nicht zu lau­fen be­gon­nen ha­be. JL be­gehr­te da­her vor dem vor­le­gen­den Ge­richt die Fest­stel­lung, dass er seit dem 13.06.2019 we­der Zins- noch Til­gungs­leis­tun­gen schul­de. DT ver­lang­te von der Au­di-Bank, ihm nach Rück­ga­be des ge­kauf­ten Fahr­zeugs die ge­leis­te­ten 43 Mo­nats­ra­ten in Hö­he von ins­ge­samt 17.012,95 e zu­rück­zu­zah­len. Au­ßer­dem be­gehr­te DT die Fest­stel­lung, dass er we­der Zins- noch Til­gungs­leis­tun­gen schul­de und dass die Au­di-Bank sich mit der An­nah­me des be­tref­fen­den Fahr­zeugs in An­nah­me­ver­zug be­fin­de.

Wie aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor­geht, war die Art der Dar­le­hen in den in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen nicht de­fi­niert. Die dem von JL ge­schlos­se­nen Ver­trag bei­ge­füg­ten „Eu­ro­päi­schen Stan­dard­in­for­ma­tio­nen für Ver­brau­cher­kre­di­te“, die Be­stand­teil des Ver­trags ge­wor­den sind, ent­hiel­ten je­doch fol­gen­de An­ga­be: „Ra­ten­kre­dit mit gleich­blei­ben­den Mo­nats­ra­ten und fes­tem Zins­satz“. DT er­hielt ein ähn­li­ches Do­ku­ment, das den­sel­ben Ti­tel trug und un­ter an­de­rem die An­ga­ben „An­nui­tä­ten­dar­le­hen mit ver­brief­tem Rück­ga­be­recht“ so­wie „gleich blei­ben­de Mo­nats­ra­ten und er­höh­te Schluss­ra­te“ ent­hielt.

Das vor­le­gen­de Ge­richt stellt fest, dass in den in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen nicht dar­über in­for­miert wer­de, dass mit er­folg­ter Zah­lung die Kauf­preis­ver­bind­lich­keit ge­gen­über dem Ver­käu­fer in die­ser Hö­he er­lö­sche und der Käu­fer nach voll­stän­di­ger Zah­lung des Kauf­prei­ses die Aus­hän­di­gung des ge­kauf­ten Fahr­zeugs vom Ver­käu­fer ver­lan­gen kön­ne.

Was die In­for­ma­ti­on über den Ver­zugs­zins­satz be­trifft, so hieß es in dem von JL am 04.05.2017 mit der BMW Bank GmbH ge­schlos­se­nen Ver­trag:

„Kommt der Dar­le­hens­neh­mer/​Mit­dar­le­hens­neh­mer mit Zah­lun­gen in Ver­zug, wer­den Ver­zugs­zin­sen in Hö­he von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz pro Jahr be­rech­net. Der Ba­sis­zins­satz wird je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­li ei­nes Jah­res er­mit­telt und von der Deut­schen Bun­des­bank im Bun­des­an­zei­ger be­kannt ge­ge­ben.“

Der von DT am 23.03.2016 mit der Au­di-Bank ge­schlos­se­ne Ver­trag ent­hielt fol­gen­de An­ga­be:

„Nach ei­ner Ver­trags­kün­di­gung wer­den wir Ih­nen den ge­setz­li­chen Ver­zugs­zins­satz in Rech­nung stel­len. Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt 5 Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz.“

Au­ßer­dem hieß es in dem be­reits er­wähn­ten, DT zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Ver­trags­do­ku­ment:

„Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt 5 Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz. Der Ba­sis­zins­satz wird von der Deut­schen Bun­des­bank er­mit­telt und je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­li ei­nes je­den Jah­res fest­ge­setzt.“

Die­ses Do­ku­ment sei je­doch we­gen Nicht­be­ach­tung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses ge­mäß § 492 I BGB nicht Be­stand­teil des von DT am 23.03.2016 mit der Au­di Bank ge­schlos­se­nen Ver­trags ge­wor­den.

Das vor­le­gen­de Ge­richt hat fest­ge­stellt, dass der An­pas­sungs­me­cha­nis­mus für den Ver­zugs­zins­satz in den in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen nicht voll­stän­dig er­läu­tert wer­de. Zwar wer­de in den Be­din­gun­gen des von JL am 04.05.2017 mit der BMW Bank GmbH ge­schlos­se­nen Ver­trags auf die zwei­mal im Jahr er­fol­gen­de Fest­le­gung des Ba­sis­zins­sat­zes durch die Deut­sche Bun­des­bank hin­ge­wie­sen, doch wer­de in die­sem Ver­trag nicht mit­ge­teilt, dass die­ser Zins­satz aus dem Zins­satz für die jüngs­te Haupt­re­fi­nan­zie­rungs­ope­ra­ti­on der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank her­ge­lei­tet wer­de, und es wer­de in­so­weit auch nicht auf § 247 I BGB ver­wie­sen.

Eben­so wer­de we­der in dem von DT am 23.03.2016 mit der Au­di-Bank ge­schlos­se­nen Ver­trag noch in dem Do­ku­ment mit dem Ti­tel „Eu­ro­päi­sche Stan­dard­in­for­ma­tio­nen“ mit­ge­teilt, wor­aus der Ba­sis­zins­satz her­ge­lei­tet wer­de, auf den sich die­ser Ver­trag be­zie­he.

Die in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge ent­hiel­ten auch ei­ne die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung be­tref­fen­de, mit der oben wie­der­ge­ge­be­nen Klau­sel iden­ti­sche Klau­sel.

Was das Recht des Dar­le­hens­neh­mers zur Kün­di­gung des Ver­trags aus wich­ti­gem Grund be­trifft, so wur­de in dem von JL am 04.05.2017 mit der BMW Bank GmbH ge­schlos­se­nen Ver­trag § 314 BGB nicht ge­nannt und auch nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne Kün­di­gung nach die­ser Vor­schrift in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist er­fol­gen müs­se. In dem von DT am 23.03.2016 mit der Au­di-Bank ge­schlos­se­nen Ver­trag wur­de auf das Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers aus wich­ti­gem Grund nach § 314 BGB über­haupt nicht hin­ge­wie­sen. Die­ser Ver­trag ha­be zwar das Recht des Dar­le­hens­ge­bers zur Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund vor­ge­se­hen, oh­ne je­doch an­zu­ge­ben, wel­che Form oder Frist für die­se Kün­di­gung gel­te. Ins­be­son­de­re wer­de in die­sem Ver­trag nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne sol­che Kün­di­gung ge­mäß § 492 V BGB auf ei­nem dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger er­fol­gen müs­se.

Was die In­for­ma­tio­nen über ein et­wai­ges au­ßer­ge­richt­li­ches Be­schwer­de­ver­fah­ren be­trifft, so wur­den in dem von JL am 04.05.2017 mit der BMW Bank GmbH ge­schlos­se­nen Ver­trag die Zu­gangs­vor­aus­set­zun­gen für ein sol­ches Ver­fah­ren, wie bei­spiels­wei­se die Schil­de­rung der Strei­tig­keit, die Dar­stel­lung ei­nes kon­kre­ten Be­geh­rens und die Bei­fü­gung der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen in Ko­pie, nicht ge­nannt. In die­sem Ver­trag wird in­so­weit auf die „Ver­fah­rens­ord­nung für die Schlich­tung von Kun­den­be­schwer­den im Deut­schen Bank­ge­wer­be“ ver­wie­sen, die auf Wunsch zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­de oder auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Ban­ken e. V. ein­ge­se­hen wer­den kön­ne. Ei­nen ähn­li­chen Ver­weis ent­hielt auch der von DT am 23.03.2016 mit der Au­di-Bank ge­schlos­se­ne Ver­trag, in dem dar­über hin­aus klar­ge­stellt wur­de, dass „[d]ie Be­schwer­de … in Text­form (z. B. Brief, Te­le­fax, E?Mail) an die Kun­den­be­schwer­de­stel­le beim Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken e. V., Post­fach 04 03 07, 10062 Ber­lin, Fax: 030 16633169, E?Mail: ombudsmann@​bdb.​de, zu rich­ten“ sei.

Un­ter die­sen Um­stän­den hat das LG Ra­vens­burg be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

  1. Ist Art. 10 II lit. a der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass bei der Art des Kre­dits ge­ge­be­nen­falls an­zu­ge­ben ist, dass es sich um ei­nen ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag han­delt und/​oder dass es sich um ei­nen be­fris­te­ten Kre­dit­ver­trag han­delt?
  2. Ist Art. 10 II lit. d der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass bei den Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me des Kre­dits bei ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trä­gen zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Kauf­ge­gen­stands im Fall der Aus­zah­lung des Kre­dit­be­trags an den Ver­käu­fer an­zu­ge­ben ist, dass der Kre­dit­neh­mer in Hö­he des aus­ge­zahl­ten Be­trags von sei­ner Ver­bind­lich­keit auf Be­zah­lung des Kauf­prei­ses be­freit wird und der Ver­käu­fer ihm, so­fern der Kauf­preis voll­stän­dig be­gli­chen ist, den ge­kauf­ten Ge­gen­stand aus­zu­hän­di­gen hat?
  3. Ist Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass

    a) der bei Ab­schluss des Kre­dit­ver­trags gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz als ab­so­lu­te Zahl mit­zu­tei­len ist, zu­min­dest aber der gel­ten­de Re­fe­renz­zins­satz (vor­lie­gend der Ba­sis­zins­satz ge­mäß § 247 BGB), aus dem sich der gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz durch ei­nen Zu­schlag (vor­lie­gend von fünf Pro­zent­punk­ten ge­mäß § 288 I 2 BGB) er­mit­telt, als ab­so­lu­te Zahl an­zu­ge­ben ist;

    b) der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu er­läu­tern ist, zu­min­dest aber auf die na­tio­na­len Nor­men, aus de­nen sich die An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes ent­neh­men lässt (§§ 247, 288 I 2 BGB), ver­wie­sen wer­den muss?

  4. a) Ist Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag ein kon­kre­ter vom Ver­brau­cher nach­voll­zieh­ba­rer Re­chen­weg für die Er­mitt­lung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens an­fal­len­den Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an­zu­ge­ben ist, so­dass der Ver­brau­cher die Hö­he der bei vor­zei­ti­ger Kün­di­gung an­fal­len­den Ent­schä­di­gung zu­min­dest an­nä­he­rungs­wei­se be­rech­nen kann?

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a be­jaht wird) Ste­hen Art. 10 II lit. r und Art. 14 I 2 der Richt­li­nie 2008/48 ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen, wo­nach bei un­voll­stän­di­gen An­ga­ben i. S. von Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 die Wi­der­rufs­frist gleich­wohl mit Ver­trags­schluss be­ginnt und le­dig­lich der An­spruch des Kre­dit­ge­bers auf Ent­schä­di­gung für die vor­zei­ti­ge Rück­zah­lung des Kre­dits ent­fällt?

  5. Ist Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen,

    a) dass im Kre­dit­ver­trag auch die im na­tio­na­len Recht ge­re­gel­ten Kün­di­gungs­rech­te der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags an­ge­ge­ben wer­den müs­sen, ins­be­son­de­re auch das Kün­di­gungs­recht des Dar­le­hens­neh­mers aus wich­ti­gem Grund ge­mäß § 314 BGB bei be­fris­te­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen, und dass der Pa­ra­graf, in dem die­ses Kün­di­gungs­recht ge­re­gelt ist, aus­drück­lich ge­nannt wer­den muss;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung nicht ent­ge­gen­steht, wel­che die Nen­nung ei­nes na­tio­na­len Son­der­kün­di­gungs­rechts zu ei­ner zwin­gen­den An­ga­be im Sin­ne des Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 macht;

    c) dass im Kre­dit­ver­trag bei sämt­li­chen Kün­di­gungs­rech­ten der Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags auf die bei der Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts je­weils vor­ge­schrie­be­ne Frist und Form für die Kün­di­gungs­er­klä­rung hin­zu­wei­sen ist?

  6. Ist Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass im Kre­dit­ver­trag die we­sent­li­chen for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­schwer­de und/​oder ei­nen Rechts­be­helf im au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und/oder Rechts­be­helfs­ver­fah­ren mit­ge­teilt wer­den müs­sen? Ist es un­zu­rei­chend, wenn in­so­weit auf ei­ne im In­ter­net ab­ruf­ba­re Ver­fah­rens­ord­nung für das au­ßer­ge­richt­li­che Be­schwer­de- und/oder Rechts­be­helfs­ver­fah­ren ver­wie­sen wird?
  7. Ist bei ei­nem Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag die Be­ru­fung des Kre­dit­ge­bers auf den Ein­wand der Ver­wir­kung ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts des Ver­brau­chers ge­mäß Art. 14 I 1 der Richt­li­nie 2008/48 aus­ge­schlos­sen,

    a) wenn ei­ne der in Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 vor­ge­schrie­be­nen Pflicht­an­ga­ben we­der ord­nungs­ge­mäß im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß er­teilt wor­den ist und so­mit die Wi­der­rufs­frist ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 nicht be­gon­nen hat;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) wenn die Ver­wir­kung maß­geb­lich auf den Zeit­ab­lauf seit Ver­trags­schluss und/​oder auf die voll­stän­di­ge Er­fül­lung des Ver­trags durch bei­de Ver­trags­par­tei­en und/​oder auf die Dis­po­si­ti­on des Kre­dit­ge­bers über die zu­rück­er­hal­te­ne Dar­le­hens­sum­me oder die Rück­ga­be der Kre­dit­si­cher­hei­ten und/​oder (bei ei­nem mit dem Kre­dit­ver­trag ver­bun­de­nen Kauf­ver­trag) auf die Nut­zung oder die Ver­äu­ße­rung des fi­nan­zier­ten Ge­gen­stands durch den Ver­brau­cher ge­stützt wird, der Ver­brau­cher je­doch in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum und bei Ein­tritt der maß­geb­li­chen Um­stän­de von dem Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat, und der Kre­dit­ge­ber auch nicht da­von aus­ge­hen konn­te, dass der Ver­brau­cher ei­ne ent­spre­chen­de Kennt­nis hat?

  8. Ist bei ei­nem Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag die Be­ru­fung des Kre­dit­ge­bers auf den Ein­wand des Rechts­miss­brauchs ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts des Ver­brau­chers ge­mäß Art. 14 I 1 der Richt­li­nie 2008/48 aus­ge­schlos­sen,

    a) wenn ei­ne der in Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 vor­ge­schrie­be­nen Pflicht­an­ga­ben we­der ord­nungs­ge­mäß im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß er­teilt wor­den ist und so­mit die Wi­der­rufs­frist ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 nicht be­gon­nen hat;

    b) (falls die vor­ste­hen­de Fra­ge a ver­neint wird) wenn die miss­bräuch­li­che Rechts­aus­übung maß­geb­lich auf den Zeit­ab­lauf seit Ver­trags­schluss und/​oder auf die voll­stän­di­ge Er­fül­lung des Ver­trags durch bei­de Ver­trags­par­tei­en und/​oder auf die Dis­po­si­ti­on des Kre­dit­ge­bers über die zu­rück­er­hal­te­ne Dar­le­hens­sum­me oder die Rück­ga­be der Kre­dit­si­cher­hei­ten und/oder (bei ei­nem mit dem Kre­dit­ver­trag ver­bun­de­nen Kauf­ver­trag) auf die Nut­zung oder die Ver­äu­ße­rung des fi­nan­zier­ten Ge­gen­stands durch den Ver­brau­cher ge­stützt wird, der Ver­brau­cher je­doch in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum und bei Ein­tritt der maß­geb­li­chen Um­stän­de von dem Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat, und der Kre­dit­ge­ber auch nicht da­von aus­ge­hen konn­te, dass der Ver­brau­cher ei­ne ent­spre­chen­de Kennt­nis hat?

Die Rechts­sa­chen C-33/20, C-155/20 und C-187/20 sind zu ge­mein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­den wor­den. Der EuGH hat die Vor­la­ge­fra­gen wie aus dem Leit­satz er­sicht­lich be­ant­wor­tet.

Aus den Grün­den: Vor­be­mer­kung

[64]   Da ei­ni­ge Fra­gen in den Rechts­sa­chen C-33/20, C-155/20 und C-187/20 ein­an­der ähn­lich oder iden­tisch sind, sind sie zu­sam­men zu prü­fen.

Zur ers­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[65]   Mit sei­ner ers­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 II lit. a, c und e der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag ge­ge­be­nen­falls in kla­rer, prä­gnan­ter Form an­ge­ge­ben wer­den muss, dass es sich um ei­nen „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie han­delt und dass die­ser Ver­trag als be­fris­te­ter Ver­trag ge­schlos­sen wor­den ist.

[66]   In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Art. 3 lit. n der Richt­li­nie 2008/48 den Be­griff „ver­bun­de­ner Kre­dit­ver­trag“ de­fi­niert als Kre­dit­ver­trag, bei dem „der be­tref­fen­de Kre­dit aus­schließ­lich der Fi­nan­zie­rung ei­nes Ver­trags über die Lie­fe­rung be­stimm­ter Gü­ter oder die Er­brin­gung be­stimm­ter Dienst­leis­tun­gen dient und die­se bei­den Ver­trä­ge ob­jek­tiv be­trach­tet ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit bil­den; von ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit ist aus­zu­ge­hen, … wenn sich der Kre­dit­ge­ber im Fal­le der Fi­nan­zie­rung durch ei­nen Drit­ten bei der Vor­be­rei­tung oder dem Ab­schluss des Kre­dit­ver­trags der Mit­wir­kung des Wa­ren­lie­fe­ran­ten oder des Dienst­leis­tungs­er­brin­gers be­dient oder wenn im Kre­dit­ver­trag aus­drück­lich die spe­zi­fi­schen Wa­ren oder die Er­brin­gung ei­ner spe­zi­fi­schen Dienst­leis­tung an­ge­ge­ben sind“.

[67]   In der Rechts­sa­che C-187/20 geht aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor, dass die Kre­dit­ge­ber sich bei der Vor­be­rei­tung oder beim Ab­schluss der in die­ser Rechts­sa­che in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge der Mit­wir­kung der Ver­käu­fe­rin­nen E und F be­dien­ten und dass der ge­mäß die­sen Ver­trä­gen ge­währ­te Kre­dit aus­schließ­lich der Fi­nan­zie­rung der Lie­fe­rung von Kraft­fahr­zeu­gen zur pri­va­ten Nut­zung die­nen soll­te. Da­her sind die­se Ver­trä­ge als „ver­bun­de­ne Kre­dit­ver­trä­ge“ im Sin­ne von Art. 3 Buchst. n der Richt­li­nie 2008/48 an­zu­se­hen.

[68]   Au­ßer­dem wur­den die in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge, wie aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor­geht, für ei­ne be­fris­te­te Lauf­zeit ge­schlos­sen.

[69]   In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 10 II lit. a, c und e der Richt­li­nie 2008/48 im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form die Art des Kre­dits, die Lauf­zeit des Kre­dit­ver­trags und bei Kre­di­ten in Form ei­nes Zah­lungs­auf­schubs für ei­ne be­stimm­te Wa­re oder Dienst­leis­tung oder bei ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trä­gen die Wa­re oder die Dienst­leis­tung und der Bar­zah­lungs­preis an­zu­ge­ben sind.

[70]   Wie sich aus Art. 10 Abs. 2 der Richt­li­nie 2008/48 im Licht de­ren 31. Er­wä­gungs­grun­des er­gibt, ist das Ge­bot, in Kre­dit­ver­trä­gen auf Pa­pier oder auf ei­nem an­de­ren dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger die in die­ser Vor­schrift be­nann­ten Punk­te in kla­rer, prä­gnan­ter Form an­zu­ge­ben, er­for­der­lich, da­mit der Ver­brau­cher sei­ne Rech­te und Pflich­ten zur Kennt­nis neh­men kann (EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 35 m. w. Nachw. – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[71]   Für die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­trags­durch­füh­rung ist es er­for­der­lich, dass der Ver­brau­cher die Punk­te, die der Kre­dit­ver­trag ge­mäß Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 zwin­gend ent­hal­ten muss, kennt und gut ver­steht (EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 45 – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[72]   Die­ses Ge­bot dient der Ver­wirk­li­chung des Ziels der Richt­li­nie 2008/48, das dar­in be­steht, in Be­zug auf Ver­brau­cher­kre­di­te ei­ne voll­stän­di­ge und ob­li­ga­to­ri­sche Har­mo­ni­sie­rung in ei­ni­gen Schlüs­sel­be­rei­chen vor­zu­se­hen, die als not­wen­dig er­ach­tet wird, um al­len Ver­brau­chern in der Eu­ro­päi­schen Uni­on ein ho­hes und ver­gleich­ba­res Maß an Schutz ih­rer In­ter­es­sen zu ge­währ­leis­ten und um die Ent­wick­lung ei­nes rei­bungs­los funk­tio­nie­ren­den Bin­nen­markts bei Ver­brau­cher­kre­di­ten zu er­leich­tern (EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 36 m. w. Nachw. – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[73]   Die In­for­ma­ti­on, dass zum ei­nen der be­tref­fen­de Ver­trag ei­nen „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n der Richt­li­nie 2008/48 dar­stellt und zum an­de­ren die­ser Ver­trag be­fris­tet ge­schlos­sen wird, ist aber für den Ver­brau­cher von grund­le­gen­der Be­deu­tung und er­laubt es ihm, sei­ne Rech­te und Pflich­ten tat­säch­lich zur Kennt­nis zu neh­men.

[74]   Da­her ist auf die ers­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II lit. a, c und e der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag ge­ge­be­nen­falls in kla­rer, prä­gnan­ter Form an­ge­ge­ben wer­den muss, dass es sich um ei­nen „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie han­delt und dass die­ser Ver­trag als be­fris­te­ter Ver­trag ge­schlos­sen wor­den ist.

Zur zwei­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[75]   Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ver­langt, dass in ei­nem „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie, der aus­schließ­lich der Fi­nan­zie­rung ei­nes Ver­trags über die Lie­fe­rung ei­nes Ge­gen­stands dient und vor­sieht, dass der Kre­dit­be­trag an den Ver­käu­fer die­ses Ge­gen­stands aus­ge­zahlt wird, an­ge­ge­ben wird, dass der Ver­brau­cher in Hö­he des aus­ge­zahl­ten Be­trags von sei­ner Ver­bind­lich­keit zur Zah­lung des Kauf­prei­ses be­freit ist und dass der Ver­käu­fer ihm, so­fern der Kauf­preis voll­stän­dig be­gli­chen ist, den ge­kauf­ten Ge­gen­stand aus­zu­hän­di­gen hat.

[76]   In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form der Ge­samt­kre­dit­be­trag und die Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me des Kre­dits und bei Kre­di­ten in Form ei­nes Zah­lungs­auf­schubs für ei­ne be­stimm­te Wa­re oder Dienst­leis­tung oder bei ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trä­gen die Wa­re oder die Dienst­leis­tung und der Bar­zah­lungs­preis an­zu­ge­ben ist.

[77]   Was die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für „ver­bun­de­ne Kre­dit­ver­trä­ge“ i. S. von Art. 3 lit. n der Richt­li­nie 2008/48 be­trifft, ver­langt Art. 10 II die­ser Richt­li­nie nur, dass im Kre­dit­ver­trag die be­tref­fen­de Wa­re oder Dienst­leis­tung und ihr Bar­zah­lungs­preis an­zu­ge­ben sind.

[78]   Art. 10 II lit. d der Richt­li­nie 2008/48 sieht zwar vor, dass der Ge­samt­kre­dit­be­trag und die Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me zwin­gend im Kre­dit­ver­trag an­zu­ge­ben sind, doch schreibt kei­ne Be­stim­mung die­ser Richt­li­nie vor, dass in die­sem Ver­trag die Fol­gen die­ser In­an­spruch­nah­me für die Ver­trags­be­zie­hung zwi­schen dem Ver­brau­cher und dem Ver­käu­fer der durch den Kre­dit fi­nan­zier­ten Wa­re oder Dienst­leis­tung an­ge­ge­ben wer­den.

[79]   Al­ler­dings hin­dert Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 die Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags nicht dar­an, die­se Fol­gen ein­ver­nehm­lich in dem Ver­trag fest­zu­le­gen.

[80]   Un­ter die­sen Um­stän­den ist auf die zwei­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht ver­langt, dass in ei­nem „ver­bun­de­nen Kre­dit­ver­trag“ i. S. von Art. 3 lit. n die­ser Richt­li­nie, der aus­schließ­lich der Fi­nan­zie­rung ei­nes Ver­trags über die Lie­fe­rung ei­nes Ge­gen­stands dient und vor­sieht, dass der Kre­dit­be­trag an den Ver­käu­fer die­ses Ge­gen­stands aus­ge­zahlt wird, an­ge­ge­ben wird, dass der Ver­brau­cher in Hö­he des aus­ge­zahl­ten Be­trags von sei­ner Ver­bind­lich­keit zur Zah­lung des Kauf­prei­ses be­freit ist und dass der Ver­käu­fer ihm, so­fern der Kauf­preis voll­stän­dig be­gli­chen ist, den ge­kauf­ten Ge­gen­stand aus­zu­hän­di­gen hat.

Zur ers­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und zur drit­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[81]   Mit sei­ner ers­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und sei­ner drit­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass in dem Kre­dit­ver­trag der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Kre­dit­ver­trags gel­ten­de Satz der Ver­zugs­zin­sen in Form ei­nes kon­kre­ten Pro­zent­sat­zes an­zu­ge­ben und der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu be­schrei­ben ist.

[82]   Es ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Kre­dit­ver­trag nach Art. 10 I Un­terabs. 1 die­ser Richt­li­nie auf Pa­pier oder auf ei­nem an­de­ren dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger er­stellt wer­den muss. Art. 1 II lit. l der Richt­li­nie sieht vor, dass im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form der Satz der Ver­zugs­zin­sen ge­mäß der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Kre­dit­ver­trags gel­ten­den Re­ge­lung und die Art und Wei­se sei­ner et­wai­gen An­pas­sung so­wie ge­ge­be­nen­falls an­fal­len­de Ver­zugs­kos­ten an­zu­ge­ben sind.

[83]   Aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen geht her­vor, dass nach al­len in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ver­trä­gen der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz „fünf Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz“ be­trug. Den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen ist fer­ner zu ent­neh­men, dass in dem Do­ku­ment mit dem Ti­tel „Eu­ro­päi­sche Stan­dard­in­for­ma­tio­nen für Ver­brau­cher­kre­di­te“, das den Ver­brau­chern in die­sen Rechts­sa­chen zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­de, be­stimmt war: „Der jähr­li­che Ver­zugs­zins­satz be­trägt fünf Pro­zent­punk­te über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz. Der Ba­sis­zins­satz wird von der Deut­schen Bun­des­bank er­mit­telt und je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­li ei­nes je­den Jah­res fest­ge­setzt“. Al­ler­dings war die­sen Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen zu­fol­ge die­ses Do­ku­ment nicht Be­stand­teil der Ver­trä­ge. Nur der in der Rechts­sa­che C-187/20 in Re­de ste­hen­de Ver­trag zwi­schen JL und der BMW Bank GmbH sah aus­drück­lich vor, dass „[d]er Ba­sis­zins­satz … je­weils zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­li ei­nes Jah­res er­mit­telt und von der Deut­schen Bun­des­bank im Bun­des­an­zei­ger be­kannt ge­ge­ben [wird]“.

[84]   In­so­weit er­gibt sich aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, dass der Kre­dit­ver­trag zwar nicht not­wen­di­ger­wei­se in ei­nem ein­zi­gen Do­ku­ment ent­hal­ten sein muss, dass aber al­le in Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 ge­nann­ten Ele­men­te auf Pa­pier oder auf ei­nem an­de­ren dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger fest­ge­hal­ten wer­den müs­sen (vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urt. v. 09.11.2016 – C-42/15, EU:C:2016:842 Rn. 45 und Te­nor – Ho­me Credit Slo­va­kia).

[85]   Da die in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie ge­nann­ten Ele­men­te in kla­rer, prä­gnan­ter Form zu nen­nen sind, ist es not­wen­dig, dass im Kre­dit­ver­trag klar und prä­gnant auf die an­de­ren Un­ter­la­gen auf Pa­pier oder auf die an­de­ren dau­er­haf­ten Da­ten­trä­ger ver­wie­sen wird, die die­se Ele­men­te ent­hal­ten und dem Ver­brau­cher vor Ver­trags­schluss tat­säch­lich aus­ge­hän­digt wer­den, so dass er al­le sei­ne Rech­te und Pflich­ten kon­kret er­ken­nen kann (EuGH, Urt. v. 09.11.2016 – C-42/15, EU:C:2016:842 Rn. 34 – Ho­me Credit Slo­va­kia).

[86]   Es ist da­her Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts zu prü­fen, ob dies in den Aus­gangs­ver­fah­ren der Fall ist.

[87]   Zur Aus­le­gung von Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 ist fest­zu­stel­len, dass der Wort­laut die­ser Be­stim­mung ver­langt, dass im Kre­dit­ver­trag der zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt, näm­lich dem des Ver­trags­schlus­ses, gel­ten­de Satz der Ver­zugs­zin­sen an­ge­ge­ben wird. Au­ßer­dem sieht die­se Vor­schrift in Be­zug auf die Än­de­rung die­ses Zins­sat­zes nach Ab­schluss des Kre­dit­ver­trags ei­ne Ver­pflich­tung zur An­ga­be der Art und Wei­se der An­pas­sung die­ses Zins­sat­zes vor.

[88]   Wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 57 bis 60 sei­ner Schluss­an­trä­ge im We­sent­li­chen fest­ge­stellt hat, legt der Wort­laut von Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 al­so na­he, dass in dem Kre­dit­ver­trag der im Fall des Zah­lungs­ver­zugs zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­de Zins­satz kon­kret in Form ei­nes Pro­zent­sat­zes an­zu­ge­ben ist, und nicht nur die De­fi­ni­ti­on die­ses Zins­sat­zes oder die ver­wen­de­te Be­rech­nungs­for­mel.

[89]   Zur all­ge­mei­nen Sys­te­ma­tik die­ser Richt­li­nie ist fest­zu­stel­len, dass nach den De­fi­ni­tio­nen des ef­fek­ti­ven Jah­res­zin­ses, des Soll­zins­sat­zes und des fes­ten Soll­zins­sat­zes in Art. 3 der Richt­li­nie die­se ver­schie­de­nen Zins­sät­ze in Pro­zent­sät­zen aus­ge­drückt wer­den müs­sen.

[90]   Was die Zie­le die­ser Richt­li­nie und ganz kon­kret ih­res Art. 10 be­trifft, ist, wie in Rn. 70 des vor­lie­gen­den Ur­teils aus­ge­führt, das Ge­bot, in ei­nem Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form die in die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Ele­men­te an­zu­ge­ben, er­for­der­lich, da­mit der Ver­brau­cher sei­ne Rech­te und Pflich­ten zur Kennt­nis neh­men kann.

[91]   Ver­weist aber ein Ver­brau­cher­ver­trag hin­sicht­lich der In­for­ma­tio­nen, die nach Art. 10 der Richt­li­nie 2008/48 an­zu­ge­ben sind, auf be­stimm­te Vor­schrif­ten des na­tio­na­len Rechts, so kann der Ver­brau­cher auf der Grund­la­ge des Ver­trags den Um­fang sei­ner ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung nicht be­stim­men (vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 44 – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[92]   Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 64 sei­ner Schluss­an­trä­ge aus­ge­führt hat, er­mög­licht es die Pflicht zur An­ga­be des als Pro­zent­satz aus­ge­drück­ten kon­kre­ten Ver­zugs­zins­sat­zes im Kre­dit­ver­trag dem Ver­brau­cher, sich der Fol­gen sei­nes et­wai­gen Zah­lungs­ver­zugs be­wusst zu wer­den.

[93]   Da der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Kre­dit­ver­trags gel­ten­de Ver­zugs­zins­satz ei­ne be­zif­fer­te An­ga­be dar­stellt, was ins­be­son­de­re dann nicht der Fall wä­re, wenn es sich um ei­nen va­ria­blen Zins­satz han­del­te, muss die­ser Ver­zugs­zins­satz im Kre­dit­ver­trag kon­kret in Form ei­nes Pro­zent­sat­zes an­ge­ge­ben wer­den.

[94]   Was die in Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 vor­ge­se­he­ne Ver­pflich­tung be­trifft, im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form die Art und Wei­se der et­wai­gen An­pas­sung des Sat­zes der Ver­zugs­zin­sen an­zu­ge­ben, so kann in Fäl­len, in de­nen, wie in den Aus­gangs­ver­fah­ren, die Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags ver­ein­bart ha­ben, dass der Ver­zugs­zins­satz nach Maß­ga­be des von der Zen­tral­bank ei­nes Mit­glied­staats fest­ge­leg­ten und in ei­nem für je­der­mann leicht zu­gäng­li­chen Amts­blatt die­ses Mit­glied­staats be­kannt ge­ge­be­nen Än­de­rung des Ba­sis­zins­sat­zes ge­än­dert wird, ein Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf die­sen Ba­sis­zins­satz ge­eig­net sein, ei­nen an­ge­mes­sen auf­merk­sa­men und ver­stän­di­gen Durch­schnitts­ver­brau­cher in die La­ge zu ver­set­zen, den Me­cha­nis­mus der Än­de­rung die­ses Sat­zes der Ver­zugs­zin­sen zu ken­nen und zu ver­ste­hen, so­fern die Me­tho­de zur Be­rech­nung des Ver­zugs­zins­sat­zes in die­sem Ver­trag be­schrie­ben wird. In­so­weit sind zwei Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten. Ers­tens muss die Dar­stel­lung die­ser Be­rech­nungs­me­tho­de für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher, der nicht über Fach­kennt­nis­se im Fi­nanz­be­reich ver­fügt, leicht ver­ständ­lich sein und es ihm er­mög­li­chen, den Ver­zugs­zins­satz auf der Grund­la­ge der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­te­nen An­ga­ben zu be­rech­nen. Zwei­tens muss auch die Häu­fig­keit der Än­de­rung die­ses Ba­sis­zins­sat­zes, die sich nach den na­tio­na­len Be­stim­mun­gen rich­tet, in die­sem Kre­dit­ver­trag an­ge­ge­ben wer­den (vgl. ent­spre­chend EuGH, Urt. v. 03.03.2020 – C-125/18, EU:C:2020:138 Rn. 53 – Gómez del Mo­ral Gu­asch).

[95]   Da­her ist auf die ers­te Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und die drit­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II lit. l der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass in dem Kre­dit­ver­trag der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ses Ver­trags gel­ten­de Satz der Ver­zugs­zin­sen in Form ei­nes kon­kre­ten Pro­zent­sat­zes an­zu­ge­ben und der Me­cha­nis­mus der An­pas­sung des Ver­zugs­zins­sat­zes kon­kret zu be­schrei­ben ist. Ha­ben die Par­tei­en des be­tref­fen­den Kre­dit­ver­trags ver­ein­bart, dass der Ver­zugs­zins­satz nach Maß­ga­be des von der Zen­tral­bank ei­nes Mit­glied­staats fest­ge­leg­ten und in ei­nem für je­der­mann leicht zu­gäng­li­chen Amts­blatt be­kannt ge­ge­be­nen Än­de­rung des Ba­sis­zins­sat­zes ge­än­dert wird, reicht ein Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf die­sen Ba­sis­zins­satz aus, so­fern die Me­tho­de zur Be­rech­nung des Sat­zes der Ver­zugs­zin­sen nach Maß­ga­be des Ba­sis­zins­sat­zes in die­sem Ver­trag be­schrie­ben wird. In­so­weit sind zwei Vor­aus­set­zun­gen zu be­ach­ten. Ers­tens muss die Dar­stel­lung die­ser Be­rech­nungs­me­tho­de für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher, der nicht über Fach­kennt­nis­se im Fi­nanz­be­reich ver­fügt, leicht ver­ständ­lich sein und es ihm er­mög­li­chen, den Ver­zugs­zins­satz auf der Grund­la­ge der An­ga­ben im Kre­dit­ver­trag zu be­rech­nen. Zwei­tens muss auch die Häu­fig­keit der Än­de­rung die­ses Ba­sis­zins­sat­zes, die sich nach den na­tio­na­len Be­stim­mun­gen rich­tet, in dem frag­li­chen Kre­dit­ver­trag an­ge­ge­ben wer­den.

Zur zwei­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und zur vier­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[96]   Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und sei­ner vier­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag für die Be­rech­nung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens fäl­li­gen Ent­schä­di­gung ein kon­kre­ter Re­chen­weg an­zu­ge­ben ist, der für den Ver­brau­cher nach­voll­zieh­bar ist, so­dass er die Hö­he der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung be­rech­nen kann.

[97]   Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form „das Recht auf vor­zei­ti­ge Rück­zah­lung, das Ver­fah­ren bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung und ge­ge­be­nen­falls In­for­ma­tio­nen zum An­spruch des Kre­dit­ge­bers auf Ent­schä­di­gung so­wie zur Art der Be­rech­nung die­ser Ent­schä­di­gung“ an­zu­ge­ben sind.

[98]   Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor, dass die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Kre­dit­ver­trä­ge vor­se­hen, dass „die Bank [den Scha­den] nach den vom Bun­des­ge­richts­hof vor­ge­schrie­be­nen fi­nanz­ma­the­ma­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen be­rech­nen [wird]“.

[99]   Sieht die Richt­li­nie 2008/48 für den Ge­wer­be­trei­ben­den die Pflicht vor, den Ver­brau­cher über den In­halt der ihm un­ter­brei­te­ten Ver­trags­er­klä­rung zu in­for­mie­ren, und sind be­stimm­te As­pek­te da­von durch bin­den­de Rechts­vor­schrif­ten ei­nes Mit­glied­staats ge­re­gelt, so muss der Ge­wer­be­trei­ben­de den Ver­brau­cher in­so­weit nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs in kla­rer, prä­gnan­ter Form über den In­halt die­ser Vor­schrif­ten be­leh­ren, da­mit der Ver­brau­cher sei­ne Rech­te und Pflich­ten zur Kennt­nis neh­men kann (vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 46 m. w. Nachw. – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[100]  Zu die­sem Zweck ist es in Be­zug auf die bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung fäl­li­ge Ent­schä­di­gung nach Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 zwar nicht er­for­der­lich, dass der Kre­dit­ver­trag die ma­the­ma­ti­sche For­mel nennt, mit­tels de­ren die­se Ent­schä­di­gung be­rech­net wird, doch muss er die Me­tho­de zur Be­rech­nung die­ser Ent­schä­di­gung in ei­ner kon­kre­ten und für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher leicht nach­voll­zieh­ba­ren Wei­se an­ge­ben, so­dass die­ser die Hö­he der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung fäl­li­gen Ent­schä­di­gung an­hand der im Kre­dit­ver­trag ge­ge­be­nen In­for­ma­tio­nen be­stim­men kann.

[101]  Ein blo­ßer Ver­weis für die Be­rech­nung der im Fall der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung des Dar­le­hens ge­schul­de­ten Ent­schä­di­gung auf den von ei­nem na­tio­na­len Ge­richt, im vor­lie­gen­den Fall vom Bun­des­ge­richts­hof, vor­ge­schrie­be­nen fi­nanz­ma­the­ma­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen ge­nügt je­doch nicht dem in Rn. 99 des vor­lie­gen­den Ur­teils an­ge­führ­ten Er­for­der­nis, dem Ver­brau­cher den In­halt sei­ner ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung zur Kennt­nis zu brin­gen.

[102]  Nach al­le­dem ist auf die zwei­te Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und die vier­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II lit. r der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag die Me­tho­de für die Be­rech­nung der bei vor­zei­ti­ger Rück­zah­lung des Dar­le­hens fäl­li­gen Ent­schä­di­gung in ei­ner kon­kre­ten und für ei­nen Durch­schnitts­ver­brau­cher leicht nach­voll­zieh­ba­ren Wei­se an­zu­ge­ben ist, so dass die­ser die Hö­he der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung an­hand der in die­sem Ver­trag er­teil­ten In­for­ma­tio­nen be­stim­men kann.

Zur drit­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und zur fünf­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[103]  Mit sei­ner drit­ten Fra­ge in den Rechts­sa­chen Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und sei­ner fünf­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 1 II der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag al­le Si­tua­tio­nen an­zu­ge­ben sind, in de­nen den Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags durch die in­ner­staat­li­che Re­ge­lung ein Kün­di­gungs­recht zu­er­kannt wird, wie et­wa das Kün­di­gungs­recht des Kre­dit­neh­mers aus wich­ti­gem Grund, und ob in die­sem Ver­trag für je­de die­ser Si­tua­tio­nen die Frist und die Form der Kün­di­gungs­er­klä­rung an­zu­ge­ben sind.

[104]  Zu­nächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form „die ein­zu­hal­ten­den Mo­da­li­tä­ten bei der Aus­übung des Rechts auf Kün­di­gung des Kre­dit­ver­trags“ an­zu­ge­ben sind.

[105]  Dar­über hin­aus re­gelt Art. 13 die­ser Richt­li­nie die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen Ver­brau­cher und Kre­dit­ge­ber ei­nen un­be­fris­te­ten Kre­dit­ver­trag kün­di­gen kön­nen, wo­bei dar­auf hin­zu­wei­sen ist, dass die­se Richt­li­nie kei­ner­lei Kün­di­gungs­recht bei be­fris­te­ten Ver­trä­gen ein­räumt. Un­ter die­sen Um­stän­den ist die Be­zug­nah­me auf das „Recht auf Kün­di­gung“ in Art. 10 II lit. s der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen, dass sie sich auf das in Art. 13 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Kün­di­gungs­recht be­zieht.

[106]  Dar­aus folgt, dass die Richt­li­nie 2008/48 kei­ne Ver­pflich­tung vor­sieht, in den Kre­dit­ver­trag ir­gend­ei­ne An­ga­be über das Recht auf Kün­di­gung von Kre­dit­ver­trä­gen auf­zu­neh­men, die für ei­ne be­fris­te­te Lauf­zeit ab­ge­schlos­sen wur­den.

[107]  Wie aus den Vor­la­ge­ent­schei­dun­gen her­vor­geht, wur­den die in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ver­trä­ge für ei­ne be­fris­te­te Lauf­zeit ge­schlos­sen.

[108]  In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Mit­glied­staa­ten in Be­zug auf Ver­trä­ge, die in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2008/48 fal­len, kei­ne Ver­pflich­tun­gen für die Ver­trags­par­tei­en ein­füh­ren dür­fen, die nicht in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­hen sind, so­fern die­se har­mo­ni­sier­te Vor­schrif­ten im von den Ver­pflich­tun­gen er­fass­ten Be­reich ent­hält (EuGH, Urt. v. 09.11.2016 – C-42/15, EU:C:2016:842 Rn. 55 – Ho­me Credit Slo­va­kia).

[109]  Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 ent­hält je­doch ei­ne sol­che Har­mo­ni­sie­rung der in Kre­dit­ver­trä­ge zwin­gend auf­zu­neh­men­den An­ga­ben (EuGH, Urt. v. 09.11.2016 – C-42/15, EU:C:2016:842 Rn. 56 – Ho­me Credit Slo­va­kia).

[110]  Zwar kann ein Mit­glied­staat in sei­ner in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung ei­ne Mög­lich­keit zur Kün­di­gung von für ei­nen be­fris­te­ten Zeit­raum ge­schlos­se­nen Kre­dit­ver­trä­gen vor­se­hen. Art. 10 II lit. s und Art. 13 der Richt­li­nie 2008/48 in Ver­bin­dung mit de­ren Art. 22 I ver­bie­ten es je­doch, dass die in­ner­staat­li­che Re­ge­lung ei­nes Mit­glied­staats die Ver­pflich­tung vor­sieht, dass in ei­nem sol­chen Kre­dit­ver­trag ei­ne In­for­ma­ti­on zu ei­nem Kün­di­gungs­recht an­ge­ge­ben wird, das nicht in der Richt­li­nie 2008/48, son­dern nur in die­ser in­ner­staat­li­chen Re­ge­lung vor­ge­se­hen ist.

[111]  In­des ver­bie­tet es die Richt­li­nie 2008/48 den Par­tei­en ei­nes Kre­dit­ver­trags, die über­ein­ge­kom­men sind, ein Kün­di­gungs­recht au­ßer­halb der in Art. 13 der Richt­li­nie ge­nann­ten Fäl­le vor­zu­se­hen, nicht, dass sie die­ses Recht in den Ver­trag auf­neh­men (vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urt. v. 09.11.2016 – C-42/15, EU:C:2016:842 Rn. 57 und 58 – Ho­me Credit Slo­va­kia).

[112]  Nach al­le­dem ist auf die drit­te Fra­ge in den Rechts­sa­chen C-33/20 und C-155/20 und die fünf­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er nicht ver­langt, dass im Kre­dit­ver­trag al­le Si­tua­tio­nen an­zu­ge­ben sind, in de­nen den Par­tei­en des Kre­dit­ver­trags ein Kün­di­gungs­recht nicht durch die­se Richt­li­nie, son­dern nur durch die in­ner­staat­li­che Re­ge­lung zu­er­kannt wird.

Zur vier­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 und zur sieb­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C?187/20

[113]  Mit sei­ner vier­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 und mit sei­ner sieb­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass sie es dem Kre­dit­ge­ber ver­wehrt, sich ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 durch den Ver­brau­cher auf den Ein­wand der Ver­wir­kung zu be­ru­fen, wenn ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist und der Ver­brau­cher vom Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat.

[114]  Für die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass, wie sich aus Art. 14 I Un­terabs. 2 lit. b der Richt­li­nie 2008/48 er­gibt, die Wi­der­rufs­frist erst zu lau­fen be­ginnt, wenn dem Ver­brau­cher die In­for­ma­tio­nen ge­mäß Art. 10 die­ser Richt­li­nie über­mit­telt wur­den, so­fern der be­tref­fen­de Zeit­punkt nach dem Tag des Ab­schlus­ses des Kre­dit­ver­trags liegt. Be­sag­ter Art. 10 zählt die In­for­ma­tio­nen auf, die in Kre­dit­ver­trä­gen an­zu­ge­ben sind.

[115]  Wie aus Rn. 108 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, dür­fen die Mit­glied­staa­ten in Be­zug auf Ver­trä­ge, die in den An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 2008/48 fal­len, kei­ne Ver­pflich­tun­gen für die Ver­trags­par­tei­en ein­füh­ren, die nicht in die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­hen sind, so­fern die­se in dem von den Ver­pflich­tun­gen er­fass­ten Be­reich har­mo­ni­sier­te Vor­schrif­ten ent­hält.

[116]  Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 101 sei­ner Schluss­an­trä­ge aus­ge­führt hat, fal­len die zeit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts durch den Ver­brau­cher un­ter die Har­mo­ni­sie­rung durch Art. 14 der Richt­li­nie 2008/48.

[117]  Da die Richt­li­nie 2008/48 kei­ne zeit­li­che Be­schrän­kung der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts durch den Ver­brau­cher für den Fall vor­sieht, dass ihm die­se In­for­ma­tio­nen nicht er­teilt wur­den, darf ei­ne sol­che Be­schrän­kung mit­hin auch nicht in ei­nem Mit­glied­staat durch die na­tio­na­len Rechts­vor­schrif­ten auf­er­legt wer­den.

[118]  Da­her ist auf die vier­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 und auf die sieb­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er es dem Kre­dit­ge­ber ver­wehrt, sich ge­gen­über der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß die­ser Be­stim­mung durch den Ver­brau­cher auf den Ein­wand der Ver­wir­kung zu be­ru­fen, wenn ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist, un­ab­hän­gig da­von, ob der Ver­brau­cher von sei­nem Wi­der­rufs­recht Kennt­nis hat­te, oh­ne dass er die­se Un­kennt­nis zu ver­tre­ten hat.

Zur fünf­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 und zur ach­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20

[119]  Mit sei­ner fünf­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 und sei­ner ach­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob die Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass der Kre­dit­ge­ber im Fall der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 durch den Ver­brau­cher kei­nen Rechts­miss­brauch an­neh­men darf, wenn zum ei­nen ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist und zum an­de­ren der Ver­brau­cher vom Fort­be­ste­hen sei­nes Wi­der­rufs­rechts kei­ne Kennt­nis hat­te und die­se Un­kennt­nis auch nicht zu ver­tre­ten hat.

[120]  Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­gen ist fest­zu­stel­len, dass die Richt­li­nie 2008/48 kei­ne Vor­schrif­ten ent­hält, die die Fra­ge des Miss­brauchs der ihm von die­ser Richt­li­nie ein­ge­räum­ten Rech­te durch den Ver­brau­cher re­geln.

[121]  Al­ler­dings ist zu prü­fen, ob die Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts durch den Ver­brau­cher in An­wen­dung von Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 nicht im vor­lie­gen­den Fall durch die An­wen­dung des all­ge­mei­nen Grund­sat­zes des Uni­ons­rechts ein­ge­schränkt wird, wo­nach sich der Ein­zel­ne nicht in be­trü­ge­ri­scher oder miss­bräuch­li­cher Wei­se auf die Vor­schrif­ten die­ses Rechts be­ru­fen darf.

[122]  Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs setzt die Fest­stel­lung ei­nes Miss­brauchs zum ei­nen ei­ne Ge­samt­heit ob­jek­ti­ver Um­stän­de vor­aus, aus de­nen sich er­gibt, dass trotz for­ma­ler Ein­hal­tung der uni­ons­recht­li­chen Be­din­gun­gen das Ziel der Re­ge­lung nicht er­reicht wur­de, zum an­de­ren ein sub­jek­ti­ves Ele­ment, näm­lich die Ab­sicht, sich ei­nen uni­ons­recht­lich vor­ge­se­he­nen Vor­teil da­durch zu ver­schaf­fen, dass die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen will­kür­lich ge­schaf­fen wer­den (EuGH, Urt. v. 26.02.2019 – C-116/16 und C-117/16, EU:C:2019:135 Rn. 97 m. w. Nachw. – T Dan­mark und Y Den­mark).

[123]  Zu dem mit Art. 14 der Richt­li­nie 2008/48 ver­folg­ten Zweck ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass die­ser dar­in be­steht, es dem Ver­brau­cher zu er­mög­li­chen, den sei­nen Be­dürf­nis­sen am ehes­ten ent­spre­chen­den Ver­trag aus­zu­wäh­len. Er soll des­halb von ei­nem Ver­trag zu­rück­tre­ten kön­nen, bei dem sich nach des­sen Ab­schluss in­ner­halb der für die Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts vor­ge­se­he­nen Über­le­gungs­frist her­aus­stellt, dass er nicht sei­nen Be­dürf­nis­sen ent­spricht (vgl. EuGH, Urt. v. 19.12.2019 – C-355/18 bis C-357/18 und C-479/18, EU:C:2019:1123 Rn. 101 – Rust-Hack­ner u. a.).

[124]  Zum an­de­ren be­steht, wie der Ge­ne­ral­an­walt in den Nrn. 117 und 118 sei­ner Schluss­an­trä­ge im We­sent­li­chen aus­ge­führt hat, der Zweck von Art. 1 I Un­terabs. 2 lit. b der Richt­li­nie 2008/48 dar­in si­cher­zu­stel­len, dass der Ver­brau­cher al­le In­for­ma­tio­nen er­hält, die er­for­der­lich sind, um den Um­fang sei­ner ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung zu be­ur­tei­len und den Kre­dit­ge­ber, der ihm die in Art. 10 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen In­for­ma­tio­nen nicht er­teilt, zu be­stra­fen.

[125]  Die in den Uni­ons­richt­li­ni­en im Be­reich des Ver­brau­cher­schut­zes vor­ge­se­he­nen Sank­tio­nen sol­len den Ge­wer­be­trei­ben­den näm­lich da­von ab­schre­cken, ge­gen die ihm nach den Be­stim­mun­gen die­ser Richt­li­ni­en ob­lie­gen­den Pflich­ten ge­gen­über dem Ver­brau­cher zu ver­sto­ßen (vgl. ent­spre­chend EuGH, Urt. v. 30.04.2014 – C-26/13, C?26/13, EU:C:2014:282 Rn. 84 – Kásler und Káslerné Rábai, so­wie Urt. vom 25.11.2020 – C–269/19, EU:C:2020:954 Rn. 34 und 38 – Ban­ca B.).

[126]  Hat der Ge­wer­be­trei­ben­de dem Ver­brau­cher die in Art. 10 der Richt­li­nie 2008/48 ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen nicht er­teilt und be­schließt die­ser, den Kre­dit­ver­trag nach Ab­lauf der Frist von 14 Ta­gen nach Ab­schluss des Ver­trags zu wi­der­ru­fen, kann der Un­ter­neh­mer dem Ver­brau­cher kei­nen Miss­brauch sei­nes Wi­der­rufs­rechts vor­wer­fen, auch wenn zwi­schen dem Ver­trags­schluss und dem Wi­der­ruf durch den Ver­brau­cher er­heb­li­che Zeit ver­gan­gen ist.

[127]  Nach al­le­dem ist auf die fünf­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-155/20 so­wie auf die ach­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass die Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass der Kre­dit­ge­ber im Fall der Aus­übung des Wi­der­rufs­rechts ge­mäß Art. 14 I der Richt­li­nie 2008/48 durch den Ver­brau­cher kei­nen Rechts­miss­brauch an­neh­men darf, wenn ei­ne der in Art. 10 II die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den An­ga­ben we­der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­ten noch nach­träg­lich ord­nungs­ge­mäß mit­ge­teilt wor­den ist, un­ab­hän­gig da­von, ob der Ver­brau­cher von sei­nem Wi­der­rufs­recht Kennt­nis hat­te.

Zur sechs­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C–187/20

[128]  Mit sei­ner sechs­ten Fra­ge in der Rechts­sa­che C–187/20 möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag die we­sent­li­chen for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen für die Ein­lei­tung ei­nes au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- oder Rechts­be­helfs­ver­fah­rens mit­ge­teilt wer­den müs­sen, oder ob es aus­reicht, dass in die­sem Ver­trag in­so­weit auf ei­ne im In­ter­net ab­ruf­ba­re Ver­fah­rens­ord­nung ver­wie­sen wird.

[129]  In­so­weit be­stimmt Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48, dass im Kre­dit­ver­trag in kla­rer, prä­gnan­ter Form „die An­ga­be, ob der Ver­brau­cher Zu­gang zu ei­nem au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren hat, und ge­ge­be­nen­falls die Vor­aus­set­zun­gen für die­sen Zu­gang“ an­zu­ge­ben sind.

[130]  Nach stän­di­ger Recht­spre­chung sind bei der Aus­le­gung von uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten nicht nur ihr Wort­laut, son­dern auch ihr Zu­sam­men­hang und die Zie­le, die mit der Re­ge­lung, zu der sie ge­hö­ren, ver­folgt wer­den, zu be­rück­sich­ti­gen (EuGH, Urt. v. 25.06.2020 – C-380/19, EU:C:2020:498 Rn. 25 – Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de).

[131]  Zum Zu­sam­men­hang, in dem Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 steht, ist fest­zu­stel­len, dass nach Art. 10 II die­ser Richt­li­nie die in die­ser Be­stim­mung ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen, ein­schließ­lich der Vor­aus­set­zun­gen für den Zu­gang zu den dem Ver­brau­cher zu­gäng­li­chen au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren, klar und prä­gnant an­zu­ge­ben sind.

[132]  Dar­aus folgt, dass die An­ga­ben hier­zu im Kre­dit­ver­trag hin­rei­chend klar und voll­stän­dig sein müs­sen, um dem Ver­brau­cher die Mög­lich­keit zu ge­ben, ei­ne sol­che Be­schwer­de oder ei­nen sol­chen Rechts­be­helf ein­zu­le­gen, dass sie aber nicht al­le Ver­fah­rens­vor­schrif­ten für die­se Ver­fah­ren wie­der­ge­ben müs­sen.

[133]  Was das Ziel von Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 be­trifft, ist fest­zu­stel­len, dass die­se Be­stim­mung da­zu die­nen soll, ein ho­hes Ver­brau­cher­schutz­ni­veau zu er­rei­chen, in­dem da­für ge­sorgt wird, dass Ver­brau­cher auf frei­wil­li­ger Ba­sis Be­schwer­den ge­gen Kre­dit­ge­ber bei Stel­len ein­rei­chen kön­nen, die Ver­fah­ren zur al­ter­na­ti­ven Streit­bei­le­gung an­bie­ten (vgl. ent­spre­chend EuGH, Urt. v. 25.06.2020 – C-380/19, EU:C:2020:498 Rn. 26 – Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de).

[134]  Um von die­ser Mög­lich­keit Ge­brauch ma­chen zu kön­nen, müs­sen die Ver­brau­cher über be­ste­hen­de al­ter­na­ti­ve Rechts­be­helfs­ver­fah­ren in­for­miert wer­den. Sie müs­sen im Fall ei­ner Strei­tig­keit rasch her­aus­fin­den kön­nen, wel­che Stel­len zur al­ter­na­ti­ven Streit­bei­le­gung für ih­re Be­schwer­de zu­stän­dig sind und ob der be­tref­fen­de Un­ter­neh­mer sich an ei­nem bei ei­ner sol­chen Stel­le ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren be­tei­li­gen wird (vgl. ent­spre­chend EuGH, Urt. v. 25.06.2020 – C-380/19, EU:C:2020:498 Rn. 27 – Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de).

[135]  Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 soll so­mit zum ei­nen si­cher­stel­len, dass der Ver­brau­cher in vol­ler Kennt­nis des Sach­ver­halts ent­schei­den kann, ob es für ihn zweck­mä­ßig ist, auf ei­nes der au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren zu­rück­zu­grei­fen, und zum an­de­ren, dass er auf der Grund­la­ge der im Kre­dit­ver­trag ent­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen tat­säch­lich in der La­ge ist, ei­ne sol­che Be­schwer­de oder ei­nen sol­chen Rechts­be­helf ein­zu­le­gen.

[136]  Wie der Ge­ne­ral­an­walt in Nr. 94 sei­ner Schluss­an­trä­ge aus­ge­führt hat, ist es zu die­sem Zweck von we­sent­li­cher Be­deu­tung, dass der Ver­brau­cher ers­tens über al­le ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- oder Rechts­be­helfs­ver­fah­ren und ge­ge­be­nen­falls die mit die­sen Ver­fah­ren ver­bun­de­nen Kos­ten, zwei­tens dar­über, ob die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf auf Pa­pier oder elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen ist, drit­tens über die phy­si­sche oder elek­tro­ni­sche Adres­se, an die die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf zu sen­den ist, und vier­tens über die sons­ti­gen der for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen, de­nen die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf un­ter­liegt, in­for­miert wird.

[137]  Was die in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen be­trifft, reicht ein blo­ßer Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf ei­ne im In­ter­net ab­ruf­ba­re Ver­fah­rens­ord­nung oder auf ein an­de­res Schrift­stück oder Do­ku­ment, in dem die Mo­da­li­tä­ten der au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren fest­ge­legt sind, nicht aus (vgl. ent­spre­chend EuGH, Urt. v. 26.03.2020 – C-66/19, EU:C:2020:242 Rn. 47 m. w. Nachw. – Kreis­spar­kas­se Saar­lou­is).

[138]  Nach al­le­dem ist auf die sechs­te Fra­ge in der Rechts­sa­che C-187/20 zu ant­wor­ten, dass Art. 10 II lit. t der Richt­li­nie 2008/48 da­hin aus­zu­le­gen ist, dass im Kre­dit­ver­trag die we­sent­li­chen In­for­ma­tio­nen über al­le dem Ver­brau­cher zur Ver­fü­gung ste­hen­den au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- oder Rechts­be­helfs­ver­fah­ren und ge­ge­be­nen­falls die mit die­sen Ver­fah­ren ver­bun­de­nen Kos­ten, dar­über, ob die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf per Post oder elek­tro­nisch ein­zu­rei­chen ist, über die phy­si­sche oder elek­tro­ni­sche Adres­se, an die die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf zu sen­den ist, und über die sons­ti­gen for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen, de­nen die Be­schwer­de oder der Rechts­be­helf un­ter­liegt, an­zu­ge­ben sind. Was die­se In­for­ma­tio­nen be­trifft, reicht ein blo­ßer Ver­weis im Kre­dit­ver­trag auf ei­ne im In­ter­net ab­ruf­ba­re Ver­fah­rens­ord­nung oder auf ein an­de­res Schrift­stück oder Do­ku­ment, in dem die Mo­da­li­tä­ten der au­ßer­ge­richt­li­chen Be­schwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren fest­ge­legt sind, nicht aus.

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