1. Der Käu­fer ei­nes mo­der­nen Pkw mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter kann er­war­ten, dass sich das Fahr­zeug für den Ein­satz im Stra­ßen­ver­kehr – und zwar auch für ei­nen aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den Ein­satz im Kurz­stre­cken­ver­kehr – eig­net. Die­se Eig­nung fehlt nicht schon dann, wenn bei ei­nem Ein­satz im Kurz­stre­cken­ver­kehr Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten er­for­der­lich wer­den oder in­fol­ge von au­to­ma­ti­schen Re­ge­ne­ra­tio­nen des Die­sel­par­ti­kel­fil­ters und der da­mit ein­her­ge­hen­den Mo­toröl­ver­dün­nung ein häu­fi­ge­rer Mo­toröl­wech­sel er­for­der­lich wird. Ein Sach­man­gel liegt aber vor, wenn in­fol­ge der ein­ge­tre­te­nen Mo­toröl­ver­dün­nung ein Mo­tor­scha­den ein­tritt, oh­ne dass der Fah­rer ei­ne Mög­lich­keit hat­te, dies zu ver­hin­dern.
  2. Der Ver­käu­fer ei­nes Pkw mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter muss grund­sätz­lich da­mit rech­nen, dass ein Pkw auch aus­schließ­lich oder über­wie­gend im Kurz­stre­cken­ver­kehr ge­nutzt wird. Er muss des­halb im Ver­kaufs­ge­spräch in der Re­gel auf die Be­son­der­hei­ten bei ei­nem Ein­satz des Pkw im Kurz­stre­cken­ver­kehr hin­wei­sen. Ei­ne Hin­weis­pflicht könn­te al­len­falls zu ver­nei­nen sein, wenn sich für den Ver­käu­fer An­halts­punk­te da­für er­ge­ben, dass ei­ne Nut­zung des Fahr­zeugs im Kurz­stre­cken­ver­kehr nicht statt­fin­den wird.
  3. Kommt es bei ei­nem mo­der­nen, hoch­prei­si­gen Pkw (hier: ei­nem Ja­gu­ar XJ 2.7D), der we­ni­ger als 10.000 km ge­lau­fen ist, zu ei­nem Mo­tor­scha­den und sind kei­ne Be­die­nungs­feh­ler er­sicht­lich, so spricht al­les da­für, dass die Ur­sa­che für den Mo­tor­scha­den be­reits bei Über­ga­be des Fahr­zeugs an den Käu­fer an­ge­legt war.

LG Bie­le­feld, Ur­teil vom 13.04.2011 – 3 O 193/09

Sach­ver­halt: Die Par­tei­en schlos­sen am 22.03.2007 ei­nen Kauf­ver­trag über ei­nen Neu­wa­gen Ja­gu­ar XJ 2.7D mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter zu ei­nem Kauf­preis von 79.770 €. Die Klä­ge­rin war Käu­fe­rin, die Be­klag­te Ver­käu­fe­rin. Das Alt­fahr­zeug der Klä­ge­rin wur­de für 51.500 € in Zah­lung ge­nom­men und min­des­tens für die­sen Be­trag wei­ter­ver­kauft. Am 02.07.2007 wur­de das Neu­fahr­zeug über­ge­ben und der Dif­fe­renz­be­trag von 28.270 € ge­zahlt. Zwi­schen den Par­tei­en wur­de ver­ein­bart, dass der Pkw nach Ab­lauf von drei Jah­ren zum 30.06.2010 bei ei­ner Ge­samt­lauf­leis­tung von ma­xi­mal 40.000 km und in ei­nem op­tisch und tech­nisch ein­wand­frei­em Zu­stand von der Be­klag­ten zu ei­nem Preis von 33.851,97 € zzgl. MwSt. zu­rück­ge­nom­men wer­de.

Die Klä­ge­rin wur­de vor dem Kauf des Fahr­zeugs von der Be­klag­ten nicht auf be­son­de­re Ver­hal­tens­wei­sen be­züg­lich des Fahr­zeugs hin­ge­wie­sen, ins­be­son­de­re nicht auf das Er­for­der­nis häu­fi­ge­rer Öl­wech­sel bei Nut­zung des Wa­gens im Kurz­stre­cken­be­trieb.

Am 17.05.2008 er­litt der Pkw auf ei­ner Fahrt von T. nach C. ei­nen Mo­tor­scha­den. Das Fahr­zeug war zu die­sem Zeit­punkt 8.939 km ge­lau­fen. Am 29.05.2008 wur­de durch die Ja­gu­ar-Kun­den­be­treu­ung ein Scha­dens­gut­ach­ten bei der E-GmbH in Auf­trag ge­ge­ben. Der Gut­ach­ter G kam in sei­nem schrift­li­chen Gut­ach­ten vom 19.06.2008 zu dem Er­geb­nis, dass der Mo­tor­scha­den durch ei­ne Man­gel­schmie­rung in­fol­ge star­ken Kraft­stof­f­e­in­trags ins Mo­tor­öl ent­stan­den sei.

Mit An­trag vom 22.08.2008 lei­tet die Klä­ge­rin ein selbst­stän­di­ges Be­weis­ver­fah­ren beim LG Bie­le­feld ein. Der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Ing. S er­stat­te­te am 23.12.2008 sein Gut­ach­ten und am 31.03.2009 ein Er­gän­zungs­gut­ach­ten.

Mit Schrei­ben vom 05.08.2008 er­klär­te die Klä­ge­rin den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Mit Schrei­ben vom 07.08.2008 lehn­te die Be­klag­te die Rück­ab­wick­lung ab. Am 23.10.2008 ließ die Klä­ge­rin ein neu­es Fahr­zeug zu.

Die Klä­ge­rin be­haup­tet, der für die Be­klag­te tä­ti­ge Ver­käu­fer T ha­be ih­re Fahr­ge­wohn­hei­ten ge­kannt. Aus der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung er­ge­be sich, dass das Fahr­zeug als Kurz­stre­cken­fahr­zeug be­nutzt wer­den soll­te. Das Hand­buch wei­se nicht auf die Ge­fahr der Mo­toröl­ver­dün­nung, ins­be­son­de­re auch nicht auf ei­nen Hand­lungs­be­darf bei zu ho­hem Öl­stand, hin. Der Zeu­ge L ha­be das Öl re­gel­mä­ßig über­prüft, auch vor der Fahrt am Scha­dens­tag. Da­bei ha­be er kei­ne Be­son­der­hei­ten be­merkt. Vor dem Scha­den­s­ein­tritt sei kei­ne War­nung durch ei­ne Kon­troll­leuch­te des Wa­gens er­folgt.

Von dem von ihr zu­rück­ge­for­der­ten Kauf­preis bringt die Klä­ge­rin 2.825 € als Nut­zungs­vor­teil in Ab­zug. Als Scha­dens­po­si­tio­nen macht die Klä­ge­rin Miet­wa­gen­kos­ten in Hö­he von 1.085,22 € für die Zeit vom 17.05.2008 bis zum 11.06.2008, die Kos­ten für die Über­füh­rung und Zu­las­sung in Hö­he von 890 € und ei­nen von ihr be­haup­te­ten Nut­zungs­aus­fall­scha­den für die Zeit vom 09.08.2008 bis zum 22.10.2008 in Hö­he von 5.925 € gel­tend. In der Zeit vom 12.06.2008 bis zum 08.08.2008 war der Klä­ge­rin ein Er­satz­fahr­zeug durch die Be­klag­te zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den.

Die Kla­ge hat­te über­wie­gend Er­folg.

Aus den Grün­den: A. … I. Die Klä­ge­rin hat ge­gen die Be­klag­te ei­nen An­spruch auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ab­züg­lich ei­ner Nut­zungs­ent­schä­di­gung Zug um Zug ge­gen Rück­über­eig­nung des Pkw. Die Klä­ge­rin war ge­mäß §§ 437 Nr. 2, 323 II Nr. 1 BGB zum Rück­tritt von dem ab­ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag be­rech­tigt.

1. Der streit­ge­gen­ständ­li­che Pkw ist mit ei­nem Sach­man­gel be­haf­tet. Ein Sach­man­gel i. S. des § 434 I 2 Nr. 2 BGB ist ge­ge­ben. Der Pkw eig­net sich nicht für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung und weist kei­ne Be­schaf­fen­heit auf, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer nach der Art der Sa­che er­war­ten kann.

Von ei­nem mo­der­nen Pkw mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter kann der Käu­fer er­war­ten, dass die­ser sich für den Ein­satz im Stra­ßen­ver­kehr, und zwar auch ei­nen aus­schließ­li­chen oder über­wie­gen­den Ein­satz im Kurz­stre­cken­ver­kehr, eig­net. Das Feh­len ei­ner sol­chen Eig­nung er­gibt sich aber noch nicht aus dem Um­stand, dass bei ei­nem Ein­satz im Kurz­stre­cken­ver­kehr Re­ge­ne­ra­ti­ons­fahr­ten er­for­der­lich wer­den, oder aber in­fol­ge von au­to­ma­tisch durch­ge­führ­ten Re­ge­ne­ra­tio­nen des Die­sel­par­ti­kel­fil­ters und der da­mit ein­her­ge­hen­den Mo­toröl­ver­dün­nung ein häu­fi­ge­rer Mo­toröl­wech­sel er­for­der­lich wird. Denn hier­bei han­delt es sich nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S um bau­ty­pen­spe­zi­fi­sche Nach­tei­le, die bei al­len Mo­to­ren mit Die­sel­par­ti­kel­fil­ter, al­so auch Mo­to­ren an­de­rer Her­stel­ler, auf­tre­ten und aus die­sem Grund kei­nen Sach­man­gel dar­stel­len (vgl. BGH, Urt. v. 04.03.2009 – VI­II ZR 160/08).

Die ein­ge­tre­te­ne Mo­toröl­ver­dün­nung ist nach den über­zeu­gen­den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S auf au­to­ma­tisch durch­ge­führ­te Re­ge­ne­ra­tio­nen des Die­sel­par­ti­kel­fil­ter zu­rück­zu­füh­ren, wel­che er­for­der­lich wer­den, wenn der Pkw ins­be­son­de­re auf­grund ei­ner über­wie­gen­den Nut­zung im Kurz­stre­cken­ver­kehr nicht die er­for­der­li­che Tem­pe­ra­tur er­reicht, um den Die­sel­par­ti­kel­fil­ter frei­zu­bren­nen. Die Mo­toröl­ver­dün­nung ist al­so Fol­ge ei­ner Nut­zung des Pkw, bei der es re­gel­mä­ßig zu kei­nen ho­hen Be­triebs­tem­pe­ra­tu­ren kommt. Die Mo­toröl­ver­dün­nung und der da­durch dro­hen­de Mo­tor­scha­den in­fol­ge ei­nes nicht mehr aus­rei­chend schmier­fä­hi­gen Öl­films lässt sich bei gleich­blei­ben­dem Fahr­ver­hal­ten nur durch häu­fi­ge­re Mo­toröl­wech­sel ver­hin­dern, wo­bei der Sach­ver­stän­di­ge hier­für In­ter­val­le von ca. 7.500 km er­for­der­lich hält. Hier­in al­lein liegt, wie so­eben aus­ge­führt, noch kein Sach­man­gel. Ein Sach­man­gel liegt aber dann vor, wenn in­fol­ge der ein­ge­tre­te­nen Mo­toröl­ver­dün­nung ein Mo­tor­scha­den ein­tritt, oh­ne dass der Fah­rer ei­ne Mög­lich­keit hat, dies zu ver­hin­dern.

In­so­fern sind ver­schie­de­ne We­ge denk­bar, den Käu­fer auf die Ge­fahr ei­ner Mo­toröl­ver­dün­nung und die Er­for­der­lich­keit ei­nes früh­zei­ti­gen Öl­wech­sels bei ei­nem Ein­satz des Fahr­zeugs im Kurz­stre­cken­ver­kehr hin­zu­wei­sen.

a) Ein Hin­weis auf die Pro­ble­ma­tik kann er­fol­gen durch ei­nen münd­li­chen Hin­weis beim Ver­kauf des Pkw. Es ist auch mög­lich, den Käu­fer im Hand­buch auf­zu­klä­ren. Von sol­chen Hin­wei­sen kann im vor­lie­gen­den Fall je­doch nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Zwi­schen den Par­tei­en ist un­strei­tig, dass im Rah­men des Ver­kaufs­ge­sprä­ches nicht auf die Be­son­der­hei­ten bei ei­nem Ein­satz des Pkw im Rah­men des Kurz­stre­cken­ver­kehrs hin­ge­wie­sen wur­de. In­so­fern kann of­fen­blei­ben, ob der Be­klag­ten be­kannt war, dass das Fahr­zeug im Kurz­stre­cken­ver­kehr ein­ge­setzt wer­den wür­de. Denn der Ver­käu­fer ei­nes Pkw muss grund­sätz­lich da­mit rech­nen, dass ein Pkw auch aus­schließ­lich oder über­wie­gend im Kurz­stre­cken­ver­kehr ge­nutzt wird. Erst wenn sich für den Ver­käu­fer An­halts­punk­te da­für er­ge­ben, dass ei­ne Nut­zung im Kurz­stre­cken­ver­kehr nicht statt­fin­den wird, könn­te un­ter Um­stän­den ei­ne Hin­weis­pflicht ent­fal­len. Sol­che An­halts­punk­te sind aber von der Be­klag­ten nicht vor­ge­tra­gen wor­den. Die Be­klag­te konn­te al­so nicht aus­schlie­ßen, dass ei­ne Nut­zung im Kurz­stre­cken­ver­kehr er­fol­gen wür­de, und hät­te da­her die be­ab­sich­tig­te Nut­zung des Fahr­zeugs er­mit­teln und dann den Kauf­in­ter­es­sen­ten auf­klä­ren müs­sen. Das ist nicht er­folgt. Die Be­klag­te hat auch nicht sub­stan­zi­iert be­haup­tet, dass in dem Hand­buch des Fahr­zeugs auf die Be­son­der­hei­ten bei ei­ner Nut­zung des Fahr­zeugs im Kurz­stre­cken­ver­kehr, ins­be­son­de­re die Er­for­der­lich­keit häu­fi­ge­rer Öl­wech­sel, hin­ge­wie­sen wur­de. Die­se Be­haup­tung ist von der Klä­ge­rin be­strit­ten wor­den. Un­ge­ach­tet des ge­richt­li­chen Hin­wei­ses hat die Be­klag­te aber nicht dar­ge­legt, an wel­cher Stel­le des Hand­buchs ein sol­cher Hin­weis er­folgt sein soll.

b) Auch ei­ne Kon­trol­le des Öl­stan­des vor An­tritt der Fahrt war nach der Über­zeu­gung der Kam­mer nicht ge­eig­net, den Fah­rer vor der Ge­fahr ei­nes Mo­tor­scha­dens zu war­nen. In­so­fern kommt es auf die Aus­sa­ge des Zeu­gen L bzgl. der Fra­ge, ob und wie oft der Öl­stand kon­trol­liert wur­de, nicht an. Denn selbst wenn er den Öl­stand kon­trol­liert hät­te, wä­re doch al­len­falls ein zu ho­her Öl­stand auf­ge­fal­len. Das Hand­buch des Fahr­zeugs ent­hält dies­be­züg­lich kei­ner­lei Hin­wei­se. Auch nach der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S konn­te zu­min­dest im Jahr 2008 ein durch­schnitt­li­cher Fah­rer nicht da­von aus­ge­hen, dass ein zu ho­her Öl­stand ei­nen Hand­lungs­be­darf be­deu­te­te. Die­se Ein­schät­zung ist auch für die Kam­mer nach­voll­zieh­bar. Es ist all­ge­mein be­kannt, dass ein zu nied­ri­ger Öl­stand zu ei­nem Scha­den des Mo­tors füh­ren kann. Die Pro­ble­ma­tik der Mo­toröl­ver­dün­nung und der da­mit ein­her­ge­hen­den Ver­meh­rung der Flüs­sig­keit im Mo­tor­raum ist aber ein noch sehr neu­es Phä­no­men, da zu­min­dest im Jahr 2008 der brei­ten Öf­fent­lich­keit nicht be­wusst war. Oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te konn­te ein Fah­rer zu dem Zeit­punkt der Scha­dens­fahrt nicht da­von aus­ge­hen, dass ein zu ho­her Öl­stand ir­gend­ei­ne Ge­fahr für das Fahr­zeug be­deu­te­te.

c) Letzt­lich kommt da­her nur der Hin­weis auf die vor­zei­ti­ge Er­for­der­lich­keit ei­nes Öl­wech­sel durch ei­ne Warn­mel­dung des Fahr­zeugs in Be­tracht. Die Klä­ge­rin hat be­haup­tet, dass es ei­ne sol­che Warn­mel­dung vor dem Scha­den­s­ein­tritt nicht ge­ge­ben ha­be. Dies hat die Be­klag­ten­sei­te zwar be­strit­ten. Es ist in­so­fern aber schon nicht vor­ge­tra­gen wor­den, ob ei­ne sol­che War­nung recht­zei­tig vor dem Scha­den­s­ein­tritt er­folg­te. Es kann auch of­fen­blei­ben, ob in­so­fern al­lein ei­ne Ser­vice­an­zei­ge oder ei­ne An­zei­ge ei­nes War­tungs­in­ter­valls dem Fah­rer mit der hin­rei­chen­den Deut­lich­keit klar macht, dass ei­ne Wei­ter­fahrt zu ei­nem Mo­tor­scha­den füh­ren kann.

Denn nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me ist die Kam­mer trotz ver­blei­ben­der Be­den­ken über­zeugt da­von, dass vor dem Scha­den­s­ein­tritt kei­ne Warn­lam­pe auf­leuch­te­te. In­so­fern traf die Be­weis­last für die Be­haup­tung, ei­ne War­nung vor dem Mo­tor­scha­den sei nicht er­folgt, die Klä­ge­rin. Denn die­se Be­haup­tung be­trifft ei­nen Sach­man­gel, der von der Klä­ge­rin zu be­wei­sen ist. Da­für, dass bei meh­re­ren mög­li­chen Scha­den­sur­sa­chen (Sach­be­schaf­fen­heit oder Be­die­nungs­feh­ler) der De­fekt auf die Sach­be­schaf­fen­heit und nicht et­wa auf ei­nen Be­die­nungs­feh­ler zu­rück­zu­füh­ren ist, ist der Käu­fer und mit­hin vor­lie­gend die Klä­ge­rin be­weis­be­las­tet (vgl. OLG Frank­furt a. M., Urt. v. 18.07.2007 – 13 U 164/06).

Die­sen Be­weis hat die Klä­ge­rin trotz ver­blei­ben­der Be­den­ken er­bracht. In­so­fern be­geg­net al­ler­dings die Aus­sa­ge des Zeu­gen L er­heb­li­chen Be­den­ken. Die­ser ist zum ei­nen der Ehe­mann der Ge­schäfts­füh­re­rin der Klä­ge­rin, zum an­de­ren war er nach sei­nem ei­ge­nen Be­kun­den an den Be­spre­chun­gen mit dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin be­tei­ligt und gab die für den klä­ge­ri­schen Vor­trag ver­wen­de­ten In­for­ma­tio­nen. Vor die­sem Hin­ter­grund kommt der Aus­sa­ge kaum ei­ne grö­ße­re Be­deu­tung als ei­ner Par­tei­an­hö­rung nach § 141 ZPO zu. Auch in­halt­lich be­ste­hen Be­den­ken ge­gen die Aus­sa­ge. So wa­ren die An­ga­ben des Zeu­gen bzgl. der Öl­stands­kon­trol­len nicht mit dem – auf sei­nen An­ga­ben ba­sie­ren­den – klä­ge­ri­schen Vor­trag in Über­ein­klang zu brin­gen. In­so­fern sah sich der Klä­ger­ver­tre­ter ge­hal­ten, die­sen Wi­der­spruch durch an­geb­lich be­reits 2008 er­folg­te Be­spre­chun­gen auf­zu­klä­ren. Die An­ga­be des Zeu­gen, er ha­be den Öl­stand bei je­dem zwei­ten oder drit­ten Tank­stopp kon­trol­liert, ist auch nur schwer mit den frü­he­ren Aus­füh­run­gen der Klä­ge­rin in Über­ein­klang zu brin­gen, nach dem vor dem Scha­dens­fall ei­ne Kon­trol­le des Öl­stands doch über­haupt nicht er­for­der­lich ge­we­sen sein soll. Nach den An­ga­ben des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Ing. S ist auch die An­ga­be des Zeu­gen, das Öl sei bei der Kon­trol­le vor der Fahrt noch klar ge­we­sen, nicht le­bens­nah, da das Öl zu die­sem Zeit­punkt schon dun­kel hät­te sein müs­sen. Auch die an­geb­lich bei je­dem zwei­ten oder drit­ten Tank­stopp durch­ge­führ­te Öl­stands­kon­trol­le ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer heut­zu­ta­ge eher le­bens­fremd. Auch nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen kon­trol­lie­ren vie­le Fah­rer den Öl­stand über­haupt nicht. Al­ler­dings kann in­so­fern nicht ein­deu­tig ge­sagt wer­den, ob der Zeu­ge ge­lo­gen hat, da es nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen durch­aus Fah­rer gibt, die den Öl­stand häu­fig kon­trol­lie­ren.

Auf der an­de­ren Sei­te konn­te auch das Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge tref­fen, ob vor dem Scha­den­s­ein­tritt kei­ne Warn­leuch­te leuch­te­te. Der Sach­ver­stän­di­ge, an des­sen Sach­kun­de kei­ne Zwei­fel be­ste­hen und der der Kam­mer aus ei­ner Viel­zahl von Ver­fah­ren als kom­pe­tent be­kannt ist, konn­te le­dig­lich er­mit­teln, dass in dem Feh­ler­spei­cher des Fahr­zeugs kei­ne Feh­ler­mel­dung ab­ge­legt war. In­so­fern ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Sach­ver­stän­di­ge hier al­le zur Ver­fü­gung ste­hen­den Er­kennt­nis­mög­lich­kei­ten aus­ge­nutzt hat. Er be­zieht sich in­so­fern auf das Aus­le­se­er­geb­nis im Rah­men des E-Gut­ach­tens, nach dem der Feh­ler­spei­cher kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten auf­wies. Dass bei die­sem Gut­ach­ten un­zu­rei­chen­de Aus­le­se­me­tho­den an­ge­wandt wur­den, hat auch die Be­klag­ten­sei­te nicht be­haup­tet. Die Un­auf­fäl­lig­keit des Feh­ler­spei­chers spricht nach der Ein­schät­zung des Sach­ver­stän­di­gen da­für, dass ei­ne Mel­dung nicht er­folgt sei, man kön­ne dies aber nicht mit ab­so­lu­ter Si­cher­heit fest­stel­len, da es durch­aus vor­kom­me, dass Feh­ler­mel­dun­gen nicht pro­to­kol­liert wür­den. Die Feh­ler­quo­te sei in­so­fern aber äu­ßerst ge­ring und be­we­ge sich bei gro­ber Schät­zung im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich.

Die Kam­mer sieht letzt­lich im Zu­sam­men­spiel die­ses Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens und der – wenn auch be­denk­li­chen – Aus­sa­ge des Zeu­gen L den Be­weis da­für er­bracht, dass kei­ne Warn­leuch­te auf den dro­hen­den Mo­tor­scha­den hin­wies. Nach der Ein­schät­zung ist die Aus­sa­ge des Zeu­gen in die­sem Punkt, dass vor dem Mo­tor­scha­den kei­ne Warn­leuch­te ge­leuch­tet ha­be, nach­voll­zieh­bar. Es er­scheint auch we­nig wahr­schein­lich – wenn­gleich nicht aus­ge­schlos­sen – dass der Zeu­ge trotz des Auf­leuch­tens der Warn­leuch­te ei­ne Au­to­bahn­fahrt über ei­ne er­heb­li­che Stre­cke fort­setz­te, oh­ne sich um die­se An­zei­ge zu küm­mern. Ein durch­schnitt­li­cher Fah­rer wür­de bei ei­ner An­zei­ge, die das so­for­ti­ge Auf­su­chen ei­ner Werk­statt oder so­gar das Un­ter­las­sen der Wei­ter­fahrt emp­fiehlt, dem Rat fol­gen und nicht ei­nen Scha­den ei­nes noch fast neu­en Pkw, für den noch Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che be­ste­hen, ris­kie­ren …

Da mit­hin ei­ne in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Käu­fe­rin fal­len­de Ur­sa­che für den Mo­tor­scha­den nicht er­sicht­lich ist, geht die Kam­mer in Über­ein­stim­mung mit dem OLG Frank­furt a. M. (Urt. v. 04.03.2005 – 24 U 198/04) da­von aus, dass zu ver­mu­ten ist, dass der Sach­man­gel be­reits bei Ge­fahr­über­gang, al­so bei Über­ga­be, vor­lag. Denn kommt es bei ei­nem mo­der­nen, hoch­prei­si­gen Pkw, der we­ni­ger als 10.000 km ge­lau­fen ist, zu ei­nem Mo­tor­scha­den und sind kei­ne Be­die­nungs­feh­ler er­sicht­lich, so spricht al­les da­für, dass die Ur­sa­che für den Mo­tor­scha­den be­reits bei Über­ga­be an­ge­legt war. Die Klä­ge­rin hat ei­nen in Be­tracht kom­men­den Be­die­nungs­feh­ler aus­ge­räumt, wei­te­re Be­die­nungs­feh­ler sind von Be­klag­ten­sei­te nicht vor­ge­tra­gen wor­den. Die Ver­mu­tung, dass der Sach­man­gel in Ge­stalt ei­nes nicht funk­ti­ons­tüch­ti­gen Warn­sys­tems in Be­zug auf die Mo­toröl­ver­dün­nung bei Über­ga­be vor­lag, konn­te die Be­klag­te nicht wi­der­le­gen.

2. Ge­mäß § 346 II 1 Nr. 1 BGB ist al­ler­dings auch die Klä­ge­rin ver­pflich­tet, Wert­er­satz für die ihr zu­ge­flos­se­nen Nut­zun­gen an dem Pkw zu leis­ten. In­so­fern hat die Be­klag­te die Ein­re­de ge­mäß §§ 348, 320 BGB er­ho­ben, so­dass der Nut­zungs­vor­teil zu be­zif­fern und von der Kla­ge­for­de­rung in Ab­zug zu brin­gen ist.

Die Hö­he des Wert­er­sat­zes rich­tet sich da­bei nach der im Ver­trag be­stimm­ten Ge­gen­leis­tung (§ 346 II 2 BGB). In­so­fern ist die zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­ne Rück­kaufs­ver­ein­ba­rung von Be­deu­tung. Aus die­ser er­gibt sich, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet war, das Fahr­zeug nach drei Jah­ren mit ei­ner Ge­samt­lauf­leis­tung von 40.000 km zu ei­nem Fest­preis von 40.283,34 € zu­rück­zu­neh­men. Aus­ge­hend von dem Kauf­preis von 79.770 € soll­te das Fahr­zeug al­so 39.486,15 € we­ni­ger wert sein. Dar­aus er­gibt sich, dass zu­min­dest für die ers­ten drei Jah­re der Nut­zung als Kurz­stre­cken­fahr­zeug zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bart war, dass je­der ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter mit min­des­tens 0,99 € be­rech­net wer­den soll­te. Bei der ge­fah­re­nen Stre­cke von 8.939 km er­gibt sich so­mit ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung in Hö­he von 8.824,17 €, wel­che von dem zu­rück­zu­zah­len­den Kauf­preis in Ab­zug zu brin­gen ist, so­dass noch ei­ne Rück­for­de­rung in Hö­he von 70.945,83 € von der Klä­ge­rin Zug um Zug ge­gen Rück­über­eig­nung des Fahr­zeugs gel­tend ge­macht wer­den kann.

3. Die Zins­for­de­rung ist nur teil­wei­se be­grün­det. Die Klä­ge­rin be­an­sprucht Zin­sen be­reits ab dem 02.07.2007. Der ge­zahl­te Kauf­preis ist zwar im We­ge des Nut­zungs­er­sat­zes zu ver­zin­sen; vom Ver­käu­fer er­ziel­te Zin­sen sind als Ka­pi­tal­nut­zung ge­mäß §§ 346 I, II 1 Nr. 1, 100 BGB her­aus­zu­ge­ben bzw. zu er­set­zen. Zu den ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen zäh­len auch er­spar­te Schuld­zin­sen. In­so­fern fehlt es aber ab­ge­se­hen von Rechts­aus­füh­run­gen an je­dem Sach­vor­trag, ob und in wel­cher Hö­he die Be­klag­te Zin­sen er­zielt oder Schuld­zin­sen er­spart hat. Zu­ge­spro­chen wer­den konn­ten da­her nur Ver­zugs­zin­sen ge­mäß § 286 II Nr. 3 BGB ab der Ver­wei­ge­rung der Rück­ab­wick­lung durch die Be­klag­te, al­so ab dem 07.08.2008.

II. Die Klä­ge­rin hat auch ne­ben dem Rück­tritt noch ei­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Er­satz des in­fol­ge des Sach­man­gels ent­stan­de­nen Scha­dens aus §§ 280 I, 249 BGB.

1. Be­züg­lich der gel­tend ge­mach­ten Miet­wa­gen­kos­ten ist von der Be­klag­ten nicht nach­voll­zieh­bar vor­ge­tra­gen wor­den, dass die Dau­er der An­mie­tung un­an­ge­mes­sen ge­we­sen wä­re. Grund­sätz­lich kann der Ge­schä­dig­te bis zur Re­pa­ra­tur oder bis zur Be­schaf­fung ei­nes Neu­fahr­zeugs Miet­kos­ten gel­tend ma­chen. Im vor­lie­gen­den Fall hat zwar die Be­klag­te der Klä­ge­rin ab dem 12.06.2008 ein Er­satz­fahr­zeug zur Ver­fü­gung ge­stellt, so dass ab die­sem Zeit­punkt ei­ne An­mie­tung nicht mehr er­for­der­lich ge­we­sen wä­re. Die Klä­ge­rin ver­langt aber Er­satz der Miet­wa­gen­kos­ten nur bis zum 11.06.2008. Es ist nicht er­sicht­lich, dass der Klä­ge­rin be­reits vor die­sem Zeit­punkt ein Er­satz­fahr­zeug an­ge­bo­ten wor­den wä­re, wel­ches die wei­te­re An­mie­tung ei­nes Fahr­zeugs ent­behr­lich ge­macht hät­te. Al­ler­dings kön­nen die Miet­wa­gen­kos­ten nicht in vol­ler Hö­he von 1.085,22 € gel­tend ge­macht wer­den. Denn die Klä­ge­rin hat in­so­fern die Be­nut­zung und Ab­nut­zung ei­nes ei­ge­nen Fahr­zeugs ein­ge­spart. Als Ab­zug für die­se er­spar­te Ei­gen­auf­wen­dun­gen er­scheint ein An­teil von 10 % an­ge­mes­sen (Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, § 249 Rn. 36 m. w. Nachw.). Dem­nach kön­nen Miet­wa­gen­kos­ten nur in Hö­he von 976,70 € zu­er­kannt wer­den.

2. Die Über­füh­rungs- und Zu­las­sungs­kos­ten in Hö­he von 890 € sind als Scha­den i. S. der §§ 281 I, 249 BGB zu er­set­zen. In­so­fern gilt die Ren­ta­bi­li­täts­ver­mu­tung, nach der nutz­los ge­wor­de­ne Auf­wen­dun­gen im Rah­men des Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus § 281 BGB zu er­setz­ten sind, da ver­mu­tet wird, dass sich die­se Auf­wen­dun­gen durch die ge­schul­de­te Ge­gen­leis­tung amor­ti­siert hät­ten.

3. Ei­nen Nut­zungs­aus­fall­an­spruch für die Zeit vom 09.08. bis 22.10.2008 in Hö­he von 5.925 € kann die Klä­ge­rin da­ge­gen nicht gel­tend ma­chen. Die Kla­ge ist in­so­fern un­schlüs­sig. Die in­so­fern dar­le­gungs- und be­weis­be­las­te­te Klä­ge­rin hat die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Nut­zungs­aus­fall­an­spruchs nicht dar­ge­legt. Die Klä­ge­rin be­schränkt sich in­so­fern auf recht­li­che Aus­füh­run­gen, oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes sol­chen – grund­sätz­lich mög­li­chen – Nut­zungs­aus­fall­an­spruchs dar­zu­le­gen. So hat die Klä­ge­rin – ei­ne Han­dels­ge­sell­schaft – we­der dar­ge­legt, ob der Pkw ge­werb­lich oder aber durch ih­re Ge­schäfts­füh­re­rin pri­vat ge­nutzt wur­de. Es ist auch nicht dar­ge­legt wor­den, ob in der Zeit für die ei­ne Ent­schä­di­gung ge­for­dert wird, über­haupt der er­for­der­li­che Nut­zungs­wil­le und die Nut­zungs­mög­lich­keit be­stan­den. In­so­fern ist auch zu be­rück­sich­ti­gen, dass kein An­spruch be­steht, wenn ein Zweit­wa­gen zur Ver­fü­gung steht und des­sen Nut­zung zu­mut­bar ist (BGH, NJW 1976, 286). Dies er­scheint des­halb na­he­lie­gend, weil die Ge­schäfts­füh­re­rin der Klä­ge­rin im Rah­men ih­rer An­hö­rung er­klär­te, der Zeu­ge L küm­me­re sich „um un­se­re Fahr­zeu­ge“. Es stan­den al­so meh­re­re Fahr­zeu­ge zur Ver­fü­gung, oh­ne dass dar­ge­legt wur­de, wie­so die Klä­ge­rin ge­ra­de auf das be­schä­dig­te streit­ge­gen­ständ­li­che Fahr­zeug an­ge­wie­sen war. Auch die Dau­er des Nut­zungs­aus­falls wur­de in kei­ner Wei­se dar­ge­legt. Denn ei­ne Ent­schä­di­gung kann nicht über ei­nen un­be­grenz­ten Zeit­raum ver­langt wer­den, son­dern nur so­lan­ge, bis un­ter al­len zu­mut­ba­ren An­stren­gun­gen ein Er­satz­fahr­zeug be­schafft wer­den konn­te. Es ist nicht er­sicht­lich, wie­so die Klä­ge­rin nicht un­mit­tel­bar nach der Ver­wei­ge­rung der Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges durch die Be­klag­te am 07.08.2008 ein Er­satz­fahr­zeug kauf­te, son­dern hier­mit über zwei Mo­na­te, bis zum 23.10.2008, war­te­te …

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