Tritt der Ver­käu­fer ei­nes Neu­wa­gens nach der Rü­ge ei­nes Man­gels vor­be­halt­los in die Nach­er­fül­lung ein, so er­kennt er da­mit an – und kann er spä­ter grund­sätz­lich nicht mehr in Ab­re­de stel­len –, dass der Man­gel be­reits bei Über­ga­be des Fahr­zeugs an den Käu­fer vor­han­den war.

OLG Karls­ru­he, Ur­teil vom 25.11.2008 – 8 U 34/08

Tat­be­stand: Der Klä­ger ver­langt von der Be­klag­ten aus ab­ge­tre­te­nem Recht we­gen be­haup­te­ter Män­gel die Rück­ab­wick­lung ei­nes Pkw-Kauf­ver­trags.

Der Klä­ger be­stell­te bei der Be­klag­ten am 29.10.2004 ei­ne BMW-Li­mou­si­ne zum Preis von 82.935 €, wo­bei die Ab­wick­lung über die X-Lea­sing GmbH (Lea­sing­ge­be­rin) er­fol­gen soll­te. Die Be­klag­te be­stä­tig­te die­se Be­stel­lung mit Auf­trags­be­stä­ti­gung vom 27.12.2004 un­ter Hin­weis auf die vom Klä­ger an­er­kann­ten Ver­kaufs- und Lie­fer­be­din­gun­gen, die ihm be­reits am 29.10.2004 über­mit­telt wor­den wa­ren. In die­sen Ver­kaufs­be­din­gun­gen für Neu­fahr­zeu­ge heißt es un­ter an­de­rem:

VII. Sach­man­gel

1. An­sprü­che des Käu­fers we­gen Sach­män­geln ver­jäh­ren ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen in zwei Jah­ren ab Aus­lie­fe­rung des Kauf­ge­gen­stands. Zeigt sich in­ner­halb von ei­nem Jahr ab Aus­lie­fe­rung ein Sach­man­gel, so wird ver­mu­tet, dass die Sa­che be­reits bei Aus­lie­fe­rung man­gel­haft war, es sei denn, die­se Ver­mu­tung ist mit der Art des Man­gels nicht ver­ein­bar. Be­schränkt auf die Gel­tend­ma­chung von Män­gel­be­sei­ti­gungs­an­sprü­chen gilt die­se Ver­mu­tung auch dann, wenn sich ein Sach­man­gel erst­mals nach Ab­lauf ei­nes Jah­res, aber vor Ab­lauf von zwei Jah­ren nach Aus­lie­fe­rung zeigt.“

Den zeit­gleich mit der Be­stel­lung an die Lea­sing­ge­be­rin ge­rich­te­ten Lea­sing­an­trag „be­stä­tig­te“ die­se am 01.03.2005. Die Lea­sing­ge­be­rin er­warb das Fahr­zeug auf der Grund­la­ge der oben ge­nann­ten Be­stel­lung des Klä­gers von der Be­klag­ten. Das Fahr­zeug wur­de dem Klä­ger am 16.02.2005 über­ge­ben. Gleich­zei­tig be­gann die Lauf­zeit des Lea­sing­ver­trags von 36 Mo­na­ten. In den zu­grun­de lie­gen­den Lea­sing­be­din­gun­gen heißt es un­ter an­de­rem:

XI­II. An­sprü­che und Rech­te bei man­gel­haf­tem Fahr­zeug

1. Der Lea­sing­ge­ber tritt sämt­li­che An­sprü­che hin­sicht­lich Sach­män­geln ge­gen den Lie­fe­ran­ten des Lea­sing­fahr­zeugs an den Lea­sing­neh­mer ab. Dem Lea­sing­ge­ber steht aus dem mit dem Lie­fe­ran­ten ge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag nach nä­he­rer Be­stim­mung der §§ 437 ff. BGB in Ver­bin­dung mit den Ver­kaufs­be­din­gun­gen, die dem Lea­sing­neh­mer zu­sam­men mit der Fahr­zeug­be­stel­lung aus­ge­hän­digt wer­den, das Recht zu, Nach­er­fül­lung zu ver­lan­gen, von dem Kauf­ver­trag zu­rück­zu­tre­ten oder den Kauf­preis zu min­dern, Scha­dens­er­satz oder Er­satz ver­geb­li­cher Auf­wen­dun­gen zu ver­lan­gen. Der Lea­sing­neh­mer nimmt die Ab­tre­tung an. Er ist be­rech­tigt und ver­pflich­tet, die ihm ab­ge­tre­te­nen An­sprü­che und Rech­te im ei­ge­nen Na­men mit der Maß­ga­be gel­tend zu ma­chen, dass beim Rück­tritt vom Kauf­ver­trag oder Her­ab­set­zung des Kauf­prei­ses et­wai­ge Zah­lun­gen des Ver­käu­fers di­rekt an den Lea­sing­ge­ber zu leis­ten sind.“

Ab April oder Mai 2006 tra­ten Feh­ler an der so­ge­nann­ten „Soft­clo­se-Funk­ti­on“ auf. Die da­von je­weils be­trof­fe­ne Tür konn­te nicht – auch nicht ma­nu­ell – voll­stän­dig ge­schlos­sen, son­dern nur an­ge­lehnt wer­den und muss­te bei ei­ner gleich­wohl durch­ge­führ­ten Fahrt fest­ge­hal­ten wer­den, um ein Auf­sprin­gen zu ver­hin­dern. Der Klä­ger rüg­te die­sen Man­gel mehr­fach ge­gen­über der Be­klag­ten, die je­weils dem Man­gel­be­sei­ti­gungs­ver­lan­gen nach­kam, in­dem sie kos­ten­lo­se Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten aus­führ­te und das Fahr­zeug je­weils als in­stand­ge­setzt zu­rück­gab. An­zahl und Zeit­punkt der Man­gel­be­sei­ti­gungs­ver­su­che sind zum Teil strei­tig. Je­den­falls nahm die Be­klag­te auf­grund von Män­gel­rü­gen am 16.05.2006 und 26.05.2006 Ar­bei­ten zur Feh­ler­be­sei­ti­gung an dem Fahr­zeug vor. Bei der Rück­ga­be des Fahr­zeugs am 26.05.2006 ver­lang­te der Klä­ger nun­mehr ei­ne end­gül­ti­ge Feh­ler­be­sei­ti­gung bis En­de des Mo­nats. Die Be­klag­te tausch­te dar­auf­hin die Bat­te­rie so­wie die Schlös­ser der bei­den Vor­der­tü­ren aus und gab das Fahr­zeug als in­stand­ge­setzt an den Klä­ger zu­rück. Ob der Feh­ler am 03.06.2006 und – nach er­neu­ter „Re­pa­ra­tur“ durch die Be­klag­te – am 07.06.2006 noch­mals auf­trat, ist strei­tig.

Mit Schrei­ben vom 14.06.2006 er­klär­te der Klä­ger den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag. Das Land­ge­richt hat die auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ge­rich­te­te Kla­ge nach Ein­ho­lung ei­nes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ab­ge­wie­sen, weil der Klä­ger den ihm ob­lie­gen­den Nach­weis, dass der ge­rüg­te Man­gel be­reits bei Über­ga­be des Fahr­zeugs vor­han­den ge­we­sen sei, nicht ha­be füh­ren kön­nen. Die Be­ru­fung hat­te Er­folg

Aus den Grün­den: II. … Der Klä­ger kann ge­mäß § 346 I BGB (in ge­will­kür­ter Pro­zess­stand­schaft) die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 82.935 € ver­lan­gen, al­ler­dings nur an die Lea­sing­ge­be­rin, da er in­so­weit nicht Rechts­in­ha­ber ist. Im Ge­gen­zug ist er ver­pflich­tet, an die Be­klag­te für die durch die Be­nut­zung des Fahr­zeugs ge­zo­ge­nen Ge­brauchs­vor­tei­le Nut­zungs­er­satz in Hö­he von 24.825,76 € zu zah­len.

1. Der Klä­ger kann aus ab­ge­tre­te­nem Recht die Rück­ab­wick­lung des zwi­schen der Be­klag­ten und der Lea­sing­ge­be­rin auf der Grund­la­ge der Be­stel­lung vom 29.10.2004 zu­stan­de ge­kom­me­nen Kauf­ver­trags ver­lan­gen. Der An­spruch des Klä­gers er­gibt sich aus §§ 437 Nr. 2 Fall 1, 440, 323 BGB i. V. mit §§ 398, 413 BGB.

a) Das an die Lea­sing­ge­be­rin ver­kauf­te Fahr­zeug ist mit ei­nem nicht un­er­heb­li­chen (§ 323 V 2 BGB) Sach­man­gel be­haf­tet. Der Man­gel be­steht dar­in, dass an dem Fahr­zeug im­mer wie­der die so­ge­nann­te „Soft­clo­se-Funk­ti­on“ aus­fällt, wo­durch je­weils ei­ne (nicht stets die­sel­be) oder meh­re­re Tü­ren nicht (auch nicht ma­nu­ell) voll­stän­dig ge­schlos­sen wer­den (kön­nen).

b) Die­ser Man­gel lag im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des er­klär­ten Rück­tritts im Schrei­ben vom 14.06.2006 vor. Dass die Man­gel­er­schei­nun­gen, die ab dem 08.04.2006 zu­ta­ge tra­ten, zwi­schen­durch nicht auf­tra­ten, nach­dem durch Ab- und An­klem­men der Bat­te­rie ein „Power­re­set“ durch­ge­führt wur­de, steht die­ser Fest­stel­lung nicht ent­ge­gen. Ge­ra­de dass der­sel­be Man­gel trotz der „Re­pa­ra­tur“ der Be­klag­ten und – nach er­klär­tem Rück­tritt – der Selbst­hil­fe­maß­nah­men des Klä­gers im­mer wie­der auf­trat, zeigt, dass die (ei­gent­li­che) Man­gel­ur­sa­che selbst nie be­sei­tigt wur­de.

 c) Die An­nah­me ei­nes Sach­man­gels schei­tert im Streit­fall – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts – nicht dar­an, dass sich nicht mehr klä­ren lässt, ob der Feh­ler (die Man­gel­ur­sa­che) be­reits bei Ge­fahr­über­gang, al­so bei Über­ga­be des Fahr­zeugs an den Klä­ger (§§ 434 I, 446 BGB), vor­han­den war. Denn die Be­klag­te hat durch vor­be­halt­lo­se (kos­ten­lo­se) Man­gel­be­sei­ti­gungs­ver­su­che das Vor­han­den­sein ei­nes zur ge­setz­li­chen Nach­er­fül­lung ver­pflich­ten­den, al­so ei­nes an­fäng­li­chen Man­gels an­er­kannt. Sie kann da­her im Nach­hin­ein ge­gen­über dem Klä­ger nicht mehr mit Er­folg in Ab­re­de stel­len, dass der Feh­ler be­reits bei Ge­fahr­über­gang vor­han­den war. Mit der vor­be­halt­lo­sen Be­reit­schaft zur kos­ten­lo­sen Re­pa­ra­tur ließ sich die Be­klag­te auf ei­ne Nach­er­fül­lung i. S. des § 439 I Fall 1 BGB ein. Es ist da­bei nicht von ei­ner blo­ßen Ku­lanz­hand­lung der Be­klag­ten, son­dern von ei­ner vor­be­halt­lo­sen Ver­ein­ba­rung der Rechts­fol­gen der §§ 437 Nr. 1, 439 I Fall 1 BGB aus­zu­ge­hen, weil auch der Klä­ger sich da­durch des wich­ti­gen Wahl­rechts der Lie­fe­rung ei­ner man­gel­frei­en Sa­che (§ 439 I Fall 2 BGB) be­gab. Die Pflicht zur Be­sei­ti­gung des Man­gels (§ 439 I BGB) hat die Be­klag­te so­mit un­be­scha­det der den Klä­ger tref­fen­den Be­weis­last über­nom­men. Der Klä­ger war da­her un­ter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 323 BGB zum Rück­tritt be­rech­tigt.

aa) Rich­tig ist al­ler­dings die Fest­stel­lung des Land­ge­richts, wo­nach sich nicht klä­ren lässt, ob der Feh­ler, al­so die dem Aus­fall der „Soft­clo­se-Funk­ti­on“ zu­grun­de lie­gen­de Ur­sa­che, be­reits bei Über­ga­be des Fahr­zeugs vor­han­den war …

bb) Zu­tref­fend ist fer­ner die Aus­le­gung des Land­ge­richts, wo­nach die dem Kauf­ver­trag zu­grun­de lie­gen­de Ver­mu­tungs­re­ge­lung nach Nr. VII 1 Satz 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen bei ei­nem Sach­man­gel, der sich – wie hier – erst nach ei­nem Jahr, aber vor Ab­lauf von zwei Jah­ren nach der Aus­lie­fe­rung zeigt, zu­guns­ten des Käu­fers nur strei­tet, so­weit die­ser vom Ver­käu­fer die Be­sei­ti­gung des Man­gels ver­langt; auf das hier gel­tend ge­mach­te Rück­tritts­recht er­streckt sich die­se Re­ge­lung nicht. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers läuft die­se Re­ge­lung nicht ins Lee­re, wenn der Ver­käu­fer dem (be­rech­tig­ten) Man­gel­be­sei­ti­gungs­ver­lan­gen nicht oder nicht ge­hö­rig nach­kommt. In ei­nem sol­chen Fall kann der Käu­fer ent­we­der den Man­gel­be­sei­ti­gungs­an­spruch ge­richt­lich durch­set­zen und ge­mäß § 887 ZPO die Re­pa­ra­tur auf Kos­ten des Ver­käu­fers vor­neh­men oder un­ter den Vor­aus­set­zun­gen der dann ent­spre­chend an­wend­ba­ren Vor­schrift des § 637 BGB den Man­gel selbst be­sei­ti­gen las­sen und für die er­for­der­li­chen Auf­wen­dun­gen Vor­schuss bzw. Er­satz ver­lan­gen.

cc) Wie mit den Par­tei­en im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung im Ein­zel­nen er­ör­tert, kommt je­doch die vor­ge­nann­te Ver­mu­tungs­re­ge­lung im Streit­fall nicht zu­las­ten des Klä­gers zum Tra­gen. Sie greift nur, wenn bei der Gel­tend­ma­chung des Nach­er­fül­lungs­an­spruchs Streit dar­über be­steht, ob ein an­fäng­li­cher Man­gel vor­liegt oder nicht. Das war hier aber nicht der Fall. Die (ver­such­te) Man­gel­be­sei­ti­gung durch die Be­klag­te ist oh­ne Rück­sicht auf die­se Re­ge­lung er­folgt; die Be­klag­te hat sich nicht un­ter Be­ru­fung auf die­se All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gung zur Man­gel­be­sei­ti­gung be­reit er­klärt. Viel­mehr hat sie durch ihr Ver­hal­ten aus der maß­geb­li­chen Sicht des Klä­gers das Vor­han­den­sein ei­nes zur Nach­er­fül­lung ver­pflich­ten­den, al­so ei­nes an­fäng­li­chen Man­gels an­er­kannt. Ob in der Vor­nah­me von nicht nur un­we­sent­li­chen Man­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten – wie hier – ein An­er­kennt­nis der Nach­er­fül­lungs­pflicht des Ver­käu­fers liegt, ist un­ter Wür­di­gung al­ler Um­stän­de des Ein­zel­falls zu ent­schei­den. Maß­geb­lich ist da­bei, ob der Ver­käu­fer aus der Sicht des Käu­fers nicht nur aus Ku­lanz oder zur güt­li­chen Bei­le­gung ei­nes Streits, son­dern in dem Be­wusst­sein han­delt, zur Nach­er­fül­lung ver­pflich­tet zu sein (BGH, NJW 1999, 2961). Hier­von aus­ge­hend liegt ein sol­ches An­er­kennt­nis der Be­klag­ten vor. Die­se hat auf die Män­gel­rü­gen des Klä­gers je­weils ei­nen „Ga­ran­tie-Re­pa­ra­tur­auf­trag“ ge­fer­tigt und für den Klä­ger kos­ten­lo­se, nicht un­er­heb­li­che Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten durch­ge­führt. Da­bei hat sie we­der aus­drück­lich noch durch ihr sons­ti­ges Ver­hal­ten dem Klä­ger zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie nur aus Ku­lanz oder zur Ver­mei­dung ei­nes Streits, et­wa über die Fra­ge, ob ein an­fäng­li­cher Man­gel vor­liegt, re­pa­riert. Sie ist viel­mehr vor­be­halt­los in die Er­fül­lung der ihr ob­lie­gen­den Nach­er­fül­lungs­pflicht durch Man­gel­be­sei­ti­gungs­maß­nah­men ein­ge­tre­ten. So hat sie zu­letzt die Tür­schlös­ser der bei­den Vor­der­tü­ren aus­ge­baut, kon­trol­liert und wie­der ein­ge­baut, die Bat­te­rie ge­prüft und durch ei­ne neue er­setzt. Dass die Be­klag­te im Be­wusst­sein ih­rer Nach­er­fül­lungs­pflicht ge­han­delt hat, zeigt sich dar­über hin­aus da­durch, dass sie je­weils ge­gen­über der Her­stel­le­rin des Fahr­zeugs in ei­nem „GWL-An­trag“ die Man­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten in Rech­nung ge­stellt hat (die zu­letzt ge­nann­ten Ar­bei­ten mit 971,24 €). Das spricht da­für, dass die Be­klag­te vor­ge­richt­lich nicht nur aus der maß­geb­li­chen Sicht des Klä­gers den ge­rüg­ten Feh­ler als an­fäng­li­chen Sach­man­gel an­er­kannt hat, son­dern so­gar selbst von ei­ner sol­chen Sach­la­ge aus­ging.

dd) Dem steht die Klau­sel Nr. VII 1 Satz 2 und Satz 3 des Ver­trags nicht ent­ge­gen. Die­se Be­stim­mun­gen sol­len den Käu­fer im Ver­gleich zur ge­setz­li­chen Re­ge­lung bes­ser – nicht aber schlech­ter – stel­len, wenn es um den er­for­der­li­chen Nach­weis geht, ob ein tat­säch­lich be­ste­hen­der Sach­man­gel be­reits bei Über­ga­be der Kauf­sa­che (vgl. §§ 434 I, 446 BGB) vor­han­den war. Sie er­lan­gen grund­sätz­lich nur dann Be­deu­tung, wenn sich die Par­tei­en un­ei­nig sind, ob ein in­ner­halb der ge­setz­li­chen Ge­währ­leis­tungs­frist von zwei Jah­ren auf­ge­tre­te­ner Man­gel be­reits bei Über­ga­be der Kauf­sa­che an den Käu­fer vor­han­den war. Tritt der Ver­käu­fer – wie hier – nach Rü­ge ei­nes Man­gels vor­be­halt­los und in An­er­ken­nung der Ge­währ­leis­tungs­pflicht in die Nach­er­fül­lung ein, so bringt er da­mit zu­gleich zum Aus­druck, dass er die An­fäng­lich­keit des Man­gels nicht in­fra­ge stellt. Je­den­falls ist ein et­wai­ger – nicht zum Aus­druck ge­brach­ter – Vor­be­halt des Ver­käu­fers, er tue dies nur im Hin­blick auf die Ver­mu­tungs­re­ge­lung in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen, et­wa weil er den Be­weis des Ge­gen­teils nicht füh­ren will oder kann, un­be­acht­lich. Im Üb­ri­gen macht die Be­klag­te sol­ches nicht gel­tend. Sie be­ruft sich in ers­ter Li­nie dar­auf, den ge­rüg­ten Man­gel be­sei­tigt zu ha­ben, und be­strei­tet da­ne­ben (erst­mals in der Kla­ger­wi­de­rung), dass der Man­gel be­reits bei Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs an den Klä­ger vor­han­den ge­we­sen sei. Ha­ben sich aber die Ver­trags­par­tei­en – wie hier – auf die Män­gel­rü­ge hin oh­ne Ein­schrän­kung auf die Durch­füh­rung von Man­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten i. S. von § 439 I BGB ver­stän­digt, so ist dem Käu­fer das ge­sam­te Ge­währ­leis­tungs­pro­gramm er­öff­net, oh­ne den Nach­weis füh­ren zu müs­sen, dass der den Man­gel­be­sei­ti­gungs­maß­nah­men des Ver­käu­fers zu­grun­de lie­gen­de Man­gel be­reits bei Über­ga­be der Kauf­sa­che vor­han­den war. Das be­deu­tet im Streit­fall, dass der Klä­ger un­ter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen der §§ 440, 323 BGB vom Kauf­ver­trag zu­rück­tre­ten kann und dem ge­gen­über das Be­strei­ten ei­nes an­fäng­li­chen Man­gels durch die Be­klag­te un­er­heb­lich ist. Et­was an­de­res wür­de nur dann gel­ten, wenn die Be­klag­te bei Ver­ein­ba­rung der Man­gel­be­sei­ti­gungs­ar­bei­ten un­miss­ver­ständ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen hät­te, dass sie die An­fäng­lich­keit des Man­gels (we­nigs­tens) be­zweif­le und in­so­weit nur im Hin­blick auf Nr. VII 1 Satz 3 der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen oder aus Ku­lanz tä­tig wer­de.

d) Die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 323 BGB lie­gen vor. Der Klä­ger hat von der Be­klag­ten ver­langt, dass der Feh­ler bis En­de Mai 2006 end­gül­tig be­sei­tigt sein müs­se. Die­se Frist­set­zung blieb er­folg­los, wie sich aus den un­an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts er­gibt. Oh­ne Er­folg macht die Be­klag­te dem ge­gen­über gel­tend, die letz­te Rü­ge nebst Frist­set­zung ha­be die Fah­rer­tür be­trof­fen. Die­ser Man­gel sei am 26.05.2006 end­gül­tig be­ho­ben wor­den. Denn der Sach­ver­stän­di­ge ha­be nur fest­ge­stellt, dass die rech­te Sei­ten­tü­ren nicht kor­rekt schlös­sen. Die­ses Vor­brin­gen lässt un­be­rück­sich­tigt, dass die im­mer wie­der zu­ta­ge tre­ten­de Man­gel­ur­sa­che tie­fer sitzt und sich je­weils an ver­schie­de­nen Tü­ren zeigt. Die Man­gel­ur­sa­che, die im­mer wie­der zum Aus­fall – wenn auch an un­ter­schied­li­chen Tü­ren – der „Soft­clo­se-Funk­ti­on“ führt, hat die Be­klag­te nie be­sei­tigt. Sie hat die wah­re Feh­ler­quel­le nicht ge­fun­den, wie sich aus der vor­ge­leg­ten Do­ku­men­ta­ti­on er­gibt. Im Grun­de hat die Be­klag­te je­des Mal nur die Bord­span­nung über­prüft, ge­ge­be­nen­falls die Bat­te­rie ge­la­den und ein „Power­re­set“ durch­ge­führt. Zu­letzt – in der Zeit vom 26. bis 31.05.2006 – hat sie durch Ein- und Aus­bau der vor­de­ren Tür­schlös­ser die­se (ne­ga­tiv) auf Was­ser­ein­tritt ge­prüft und ei­ne neue, voll ge­la­de­ne Bat­te­rie ein­ge­baut. Die „Stö­rungs­su­che in der elek­tri­schen An­la­ge“ blieb of­fen­bar er­geb­nis­los. Ob­wohl die neue Bat­te­rie voll ge­la­den war, wur­de (zu­nächst) nicht die ge­hö­ri­ge Span­nung für ei­nen Start auf­ge­baut. Der Se­nat hat nach al­lem kei­ne Be­den­ken, den An­ga­ben des Klä­gers im Ter­min zu glau­ben, wo­nach es auch in der Fol­ge­zeit im­mer wie­der zum Aus­fall der „Soft­clo­se-Funk­ti­on“ ge­kom­men ist, was zeit­wei­se teils durch Nach­la­den und/oder durch An- und Ab­klem­men der Bat­te­rie oder durch mehr­ma­li­ges Be­tä­ti­gen der Fern­be­die­nung am Schlüs­sel be­ho­ben wer­den konn­te.

2. Der so­mit wirk­sam er­klär­te (§ 349 BGB) Rück­tritt ge­gen­über der Be­klag­ten im Schrei­ben des Klä­gers vom 14.06.2006 führt da­zu, dass die emp­fan­ge­nen Leis­tun­gen zu­rück­zu­ge­wäh­ren und die ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben sind (§ 346 I BGB).

a) Die Be­klag­te ist da­her ver­pflich­tet, den Kauf­preis an die Lea­sing­ge­be­rin zu­rück­zu­zah­len. Der Klä­ger ver­langt in ers­ter Li­nie die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses in Hö­he von 82.935 € an sich selbst. Zah­lung an sich kann er je­doch nicht be­an­spru­chen, da er nicht In­ha­ber des gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­an­spruchs ist. Gläu­bi­ge­rin des in­fol­ge des er­klär­ten Rück­tritts ent­stan­de­nen An­spruchs auf Kauf­preis­rück­zah­lung ist – trotz Ab­tre­tung der kauf­recht­li­chen Män­gel­an­sprü­che – die Lea­sing­ge­be­rin. Denn an den Klä­ger ab­ge­tre­ten sind nur die Män­gel­an­sprü­che ge­mäß § 437 BGB, wäh­rend der aus dem Rück­tritt re­sul­tie­ren­de An­spruch auf Kauf­preis­rück­zah­lung von der Ab­tre­tung nicht er­fasst wird. Die­ses re­gel­mä­ßig bei der lea­sing­ty­pi­schen Ab­tre­tung von Män­gel­an­sprü­chen an­zu­neh­men­de Ver­ständ­nis er­gibt sich im Streit­fall zu­dem aus Nr. XI­II 1 der dem Lea­sing­ver­trag zu­grun­de lie­gen­den Be­din­gun­gen. Der Klä­ger kann da­her (in ge­will­kür­ter Pro­zess­stand­schaft) – wie hilfs­wei­se be­an­tragt – nur Zah­lung an die Lea­sing­ge­be­rin ver­lan­gen.

b) Der Klä­ger schul­det der Be­klag­ten Wert­er­satz für die durch die Be­nut­zung des Fahr­zeugs er­lang­ten Ge­brauchs­vor­tei­le. Den Wert der ge­zo­ge­nen Nut­zung schätzt der Se­nat auf 24.825,76 € (§ 287 ZPO). Da­bei geht der Se­nat von ei­ner vor­aus­sicht­li­chen Ge­samt­fahr­leis­tung des Fahr­zeugs von 250.000 km aus …

c) Die oben ge­nann­ten Ver­pflich­tun­gen der Par­tei­en sind Zug um Zug zu er­fül­len (§ 348 BGB) …

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