Wech­selt der Ver­käu­fer ei­nes fa­brik­neu­en, zur Aus­lie­fe­rung an den Käu­fer vor­ge­se­he­nen Kraft­fahr­zeugs neue Tei­le des­sel­ben durch ge­brauch­te Tei­le oh­ne Wis­sen des Käu­fers aus, so kann das Ver­trau­ens­ver­hält­nis da­durch so ge­stört sein, dass der Käu­fer un­ter dem Ge­sichts­punkt der po­si­ti­ven Ver­trags­ver­let­zung zum Rück­tritt vom Ver­trag be­rech­tigt ist.

BGH, Ur­teil vom 19.10.1977 – VI­II ZR 42/76

Die­se Ent­schei­dung ist zum „al­ten“ Schuld­recht und vor In­kraft­tre­ten der ZPO-Re­form 2002 er­gan­gen. Sie kann nicht oh­ne Wei­te­res auf das seit dem 01.01.2002 gel­ten­de Recht über­tra­gen wer­den (so ist z. B. an die Stel­le der Wan­de­lung der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ge­tre­ten). Die ge­nann­ten Vor­schrif­ten exis­tie­ren heu­te mög­li­cher­wei­se nicht mehr oder ha­ben ei­nen an­de­ren In­halt.

Sach­ver­halt: Der Be­klag­te, des­sen Por­sche ge­stoh­len wor­den war, be­stell­te bei dem Klä­ger am 19.09.1974 schrift­lich ei­nen Por­sche Car­re­ra mit Zu­satz­tei­len für 43.205 DM, nach­dem er von dem Klä­ger er­fah­ren hat­te, dass das Her­stel­ler­werk ei­nen Por­sche Car­re­ra ver­hält­nis­mä­ßig kurz­fris­tig aus­lie­fern kön­ne. Die­ser Pkw war mit Bug- und Heck­spoi­lern aus­ge­stat­tet, und der Be­klag­te soll­te nach ei­ner Be­sich­ti­gung des Fahr­zeugs ent­schei­den kön­nen, ob er es mit oder oh­ne Spoi­ler ha­ben wol­le. Als un­ver­bind­li­che Lie­fer­zeit wa­ren „ca. 4 Wo­chen“ an­ge­ge­ben. Der Klä­ger be­stä­tig­te die Be­stel­lung am 24.09.1974 zum Preis von 43.490 DM. In der „Auf­trags­be­stä­ti­gung“, der der Be­klag­te nicht wi­der­sprach, war kei­ne Lie­fer­zeit an­ge­ge­ben.

Am 07.10.1974 kam der Be­klag­te zu­fäl­lig in die Werk­statt des Klä­gers, wo sich der für den Be­klag­ten be­stell­te und vom Her­stel­ler­werk be­reits ge­lie­fer­te Por­sche Car­re­ra be­fand. Ar­bei­ter des Klä­gers wa­ren da­mit be­schäf­tigt, die Bug- und Heck­spoi­ler von die­sem ab­zu­mon­tie­ren und an ei­nem an­de­ren, be­reits ge­fah­re­nes Por­sche-Fahr­zeug an­zu­brin­gen und das Bug­blech so­wie die Heck­klap­pe die­ses an­de­ren Fahr­zeugs an dem fa­brik­neu­en Por­sche Car­re­ra an­zu­brin­gen. Das an­de­re Fahr­zeug ver­ließ noch in An­we­sen­heit des Be­klag­ten mit den fa­brik­neu­en Spoi­lern die Werk­statt des Klä­gers. Der Be­klag­te teil­te dem Klä­ger dar­auf­hin am 08.10.1974 mit, dass er we­gen des Vor­falls am Vor­tag vom Kauf­ver­trag zu­rück­tre­te. Er nahm den Por­sche Car­re­ra nicht ab und be­zahl­te ihn nicht.

Der Klä­ger er­hob da­her Kla­ge und be­an­trag­te zu­nächst, den Be­klag­ten zur Zah­lung von ins­ge­samt 45.414,13 DM nebst Zin­sen zu ver­ur­tei­len. Das Land­ge­richt sprach dem Klä­ger 40.155,85 DM nebst Zin­sen zu und wies die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge ab. Nach­dem der Be­klag­te Be­ru­fung ein­ge­legt hat­te, leg­te der Klä­ger An­schluss­be­ru­fung ein und be­an­trag­te, den Be­klag­ten zur Zah­lung von Zin­sen aus 40.155,85 DM für die Zeit vom 25.10.1974 bis zum 15.07.1975 so­wie zur Zah­lung von 6.780,75 DM nebst Zin­sen seit dem 15.07.1975 zu ver­ur­tei­len und im Üb­ri­gen die Er­le­di­gung der Haupt­sa­che fest­zu­stel­len. Das Be­ru­fungs­ge­richt wies die Kla­ge ab.

Die Re­vi­si­on des Klä­gers, mit der er ein sei­nem mit der An­schluss­be­ru­fung ge­stell­ten An­trag ent­spre­chen­des Ur­teil be­gehr­te, hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat aus­ge­führt, es kön­ne schon zwei­fel­haft sein, ob ein Kauf­ver­trag zu­stan­de ge­kom­men sei. Doch be­dür­fe dies kei­ner Ent­schei­dung, weil der Be­klag­te von ei­nem et­wa zu­stan­de ge­kom­me­nen Ver­trag wirk­sam zu­rück­ge­tre­ten sei. Der Klä­ger sei zwar mög­li­cher­wei­se nicht ge­hal­ten ge­we­sen, die Spoi­ler an dem vom Her­stel­ler­werk ge­lie­fer­ten und für den Be­klag­ten vor­ge­se­he­nen Pkw zu be­las­sen, weil des­sen Ent­schlie­ßung, ob er das Fahr­zeug mit oder oh­ne Spoi­ler ha­ben wol­le, noch aus­ge­stan­den ha­be. Da der Be­klag­te aber an ei­ner mög­lichst schnel­len Lie­fe­rung des Pkw in­ter­es­siert ge­we­sen sei, hät­te es na­he­ge­le­gen, vor an­der­wei­ter Ver­wen­dung der Spoi­ler die aus­ste­hen­de Ent­schlie­ßung des Be­klag­ten her­bei­zu­füh­ren. Wenn der Klä­ger es den­noch in Kauf ge­nom­men ha­be, dass durch die Ab­mon­tie­rung der Spoi­ler an dem für den Be­klag­ten be­stimm­ten Fahr­zeug un­ter Um­stän­den des­sen Aus­lie­fe­rung ver­zö­gert wur­de, so ha­be er schon in­so­weit ge­gen das ihm be­kann­te In­ter­es­se des Be­klag­ten ge­han­delt. In je­dem Fal­le ha­be das für die­sen vor­ge­se­he­ne Fahr­zeug nicht mit ge­brauch­ten Tei­len ver­se­hen wer­den dür­fen. Dass der Klä­ger dies ge­tan ha­be, ha­be bei je­dem Un­be­fan­ge­nen den Ver­dacht er­re­gen müs­sen, dass die ge­brauch­ten Tei­le nicht durch fa­brik­neue Tei­le er­setzt wür­den, zu­mal der Klä­ger für den Vor­fall am 07.10.1974 ei­ne die­sen Ver­dacht be­sei­ti­gen­de Be­grün­dung nicht ge­ge­ben ha­be. Wer ei­nen sol­chen Ver­dacht pro­vo­zie­re, hand­le ver­trags­schä­di­gend. Ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten sei als po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung zu wer­ten, weil es zu ei­nem Ver­trau­ens­schwund bei dem Be­klag­ten ge­führt ha­be, so­dass die­sem ein Fest­hal­ten am Ver­trag nicht zu­zu­mu­ten sei, zu­mal es sich um den Kauf ei­nes aus­ge­spro­chen auf­wen­di­gen und teu­ren Fahr­zeugs ge­han­delt ha­be.

II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der recht­li­chen Nach­prü­fung stand.

1. Da das Be­ru­fungs­ge­richt of­fen­ge­las­sen hat, ob ein Ver­trag zu­stan­de ge­kom­men war, ist in der Re­vi­si­ons­in­stanz zu­guns­ten des Klä­gers das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Ver­trags zu un­ter­stel­len.

2. a) Das Be­ru­fungs­ge­richt ist er­sicht­lich da­von aus­ge­gan­gen, dass die Leis­tung des Klä­gers am 07.10.1974, als der Be­klag­te den Por­sche Car­re­ra in der Werk­statt des Klä­gers vor­fand, noch nicht kon­kre­ti­siert war. Ge­gen die­sen ihr güns­ti­gen Aus­gangs­punkt wen­det sich die Re­vi­si­on nicht.

b) Den­noch kann bei der recht­li­chen Wür­di­gung des Sach­ver­halts nicht un­be­rück­sich­tigt blei­ben, dass nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts der Be­klag­te den Por­sche Car­re­ra erst be­stellt hat­te, nach­dem ihm mit­ge­teilt wor­den war, das Her­stel­ler­werk kön­ne ei­nen der­ar­ti­gen Wa­gen kurz­fris­tig aus­lie­fern, dass der Klä­ger die­ses Fahr­zeug dem Be­klag­ten dem­nächst zur Ver­trags­er­fül­lung an­bie­ten woll­te und dass der Be­klag­te auf­grund die­ser Um­stän­de den Por­sche Car­re­ra be­reits als „sein Fahr­zeug“ an­ge­se­hen hat­te.

3. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat oh­ne Rechts­ver­stoß an­ge­nom­men, dass dem Klä­ger ei­ne den Be­klag­ten zum Rück­tritt be­rech­ti­gen­de po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung zur Last fällt.

a) Un­ter die­sen recht­li­chen Ge­sichts­punkt fal­len nach seit RGZ 54, 88 (100 ff.) ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung wie nach all­ge­mei­ner Mei­nung im Schrift­tum al­le schuld­haf­ten Ver­trags­ver­let­zun­gen, die we­der Un­mög­lich­keit der Leis­tung noch Ver­zug zur Fol­ge ha­ben. Zur Er­fül­lung ei­ner Ver­trags­ver­bind­lich­keit ge­hört näm­lich al­les, was aus dem Ver­tra­ge vom Schuld­ner ver­langt wer­den kann. Po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zun­gen sind da­her al­le Hand­lun­gen, wel­che die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks ge­fähr­den, al­so auch die Ver­let­zung von sich aus dem Ver­trag er­ge­ben­den Ne­ben­pflich­ten, wie Vor­be­rei­tungs- und Ob­huts­pflich­ten, Aus­kunfts- und An­zei­ge­pflich­ten, Mit­wir­kungs­pflich­ten usw., wenn in­fol­ge­des­sen dem an­de­ren Tei­le die Fort­set­zung des Ver­tra­ges nach Treu und Glau­ben nicht zu­zu­mu­ten ist (BGH, Urt. v. 13.11.1953 – I ZR 140/52, BGHZ 11, 80 [83]; Urt. v. 30.06.1972 – V ZR 118/70, BGHZ 59, 104 [105]; Urt. v. 25.03.1958 – VI­II ZR 62/57, LM § 276 (H) Nr. 3; Urt. v. 19.02.1969 – VI­II ZR 58/67, WM 1969, 499; Stau­din­ger/Wer­ner, BGB, 11./12. Aufl., Vor­bem. 52 ff. vor § 276 m. w. Nachw. aus dem Schrift­tum). Zu die­sen Ne­ben­pflich­ten, die Aus­prä­gun­gen ei­ner dem Schuld­ver­hält­nis im­ma­nen­ten ge­gen­sei­ti­gen Treu­pflicht sind, ge­hört auch die Leis­tungs­treue­pflicht, das heißt die ge­ne­rel­le Ver­pflich­tung, den Ver­trags­zweck und den Leis­tungs­er­folg we­der zu ge­fähr­den noch zu be­ein­träch­ti­gen (vgl. ins­be­son­de­re Pa­landt/Hein­richs, BGB, 36. Aufl. § 242 Anm. 4 B a und § 276 Anm. 7 c aa; Stoll, Die Leh­re von den Leis­tungs­stö­run­gen, 1936, S. 26 ff.). Es ge­nügt dem­nach schon ei­ne Ge­fähr­dung oder Be­ein­träch­ti­gung der In­ter­es­sen des Ver­trags­part­ners, um ei­ne po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung an­zu­neh­men, wenn die­sem das Fest­hal­ten am Ver­trag nicht mehr zu­zu­mu­ten ist (BGH, Urt. v. 13.11.1953 – I ZR 140/52, BGHZ 11, 80 [86]; Urt. v. 30.06.1972 – V ZR 118/70, BGHZ 59, 104 [105]; Urt. v. 25.03.1958 – VI­II ZR 62/57, LM § 276 (H) Nr. 3; Urt. v. 19.02.1969 – VI­II ZR 58/67, WM 1969, 499). Als po­si­ti­ve Ver­trags­ver­let­zung ist da­her auch ei­ne Un­zu­ver­läs­sig­keit des Schuld­ners zu wer­ten, die so schwer­wie­gend ist, dass ein wei­te­res Fest­hal­ten am Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann (RGRK-BGB/Ball­haus, 12. Aufl., § 326 Rn. 45).

b) Was im Ein­zel­nen als Ver­stoß ge­gen die Leis­tungs­treue­pflicht an­zu­se­hen ist, lässt sich nicht all­ge­mein fest­le­gen. Es kommt auf die Um­stän­de des Ein­zel­falls an. Bei ei­nem ein­fa­chen Aus­tausch­ge­schäft ist die Leis­tungs­treue­pflicht in der Re­gel schwä­cher als bei ei­nem Dau­er­schuld­ver­hält­nis (Pa­landt/Hein­richs, a. a. O., § 242 Anm. 4 B f). In­des­sen kann auch bei ei­nem ein­fa­chen Aus­tausch­ge­schäft ein Ver­stoß ge­gen die Leis­tungs­treue­pflicht ge­ge­ben sein. Bei ei­nem der­ar­ti­gen Ge­schäft sind je­den­falls dann stren­ge An­for­de­run­gen an die Leis­tungs­treue­pflicht des Schuld­ners zu stel­len, wenn es sich nicht um ei­nen all­täg­li­chen Kauf, son­dern wie hier um den Kauf ei­nes Lu­xus­wa­gens han­delt, den sich nur ein an ei­nem der­ar­ti­gen Wa­gen be­son­ders in­ter­es­sier­ter Käu­fer leis­tet. In die­sem Fall kön­nen Ver­stö­ße ge­gen die Leis­tungs­treue­pflicht, die un­ter an­de­ren Um­stän­den mög­li­cher­wei­se nicht all­zu schwer ins Ge­wicht fie­len, er­heb­lich sein.

aa) Hier hat das Be­ru­fungs­ge­richt zu­nächst of­fen­ge­las­sen, ob der Klä­ger ge­hal­ten war, die Spoi­ler an dem Pkw zu be­las­sen, weil noch nicht fest­stand, ob der Be­klag­te das Fahr­zeug mit Spoi­lern ha­ben woll­te. Es kann in­des­sen schon frag­lich sein, ob der Klä­ger be­rech­tigt war, die Spoi­ler un­ge­fragt ab­mon­tie­ren zu las­sen und ob er be­fugt ge­we­sen wä­re, den für den Be­klag­ten be­stell­ten Por­sche Car­re­ra an­schlie­ßend wie­der mit fa­brik­neu­en Er­satz­tei­len zu ver­se­hen. Doch kann dies da­hin­ge­stellt blei­ben.

bb) Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zu Recht der Mei­nung, dass dem Klä­ger an­zu­sin­nen war, un­mit­tel­bar nach Ein­tref­fen des Por­sche Car­re­ra zu ver­su­chen, ei­ne Ent­schlie­ßung des Be­klag­ten her­bei­zu­füh­ren, ob er den Pkw mit oder oh­ne Spoi­ler ha­ben wol­le.

Zwar war, wie die Re­vi­si­on zu­tref­fend be­merkt, in dem Be­stell­schrei­ben des Be­klag­ten als un­ver­bind­li­che Lie­fer­zeit ei­ne Frist von „ca. 4 Wo­chen“ ab Be­stel­lung ver­ein­bart, die erst am 20.10.1974 ab­ge­lau­fen wä­re. Je­doch war, wie das Be­ru­fungs­ge­richt fest­ge­stellt hat, dem Klä­ger be­kannt, dass der Be­klag­te an ei­ner mög­lichst schnel­len Lie­fe­rung des Pkw in­ter­es­siert war. Denn er hat­te, wie der Klä­ger bzw. sein Er­fül­lungs­ge­hil­fe wuss­te, das Kraft­fahr­zeug erst be­stellt, nach­dem er er­fah­ren hat­te, daß das Her­stel­ler­werk ei­nen Por­sche Car­re­ra kurz­fris­tig aus­lie­fern kön­ne.

Dass an­de­re Spoi­ler­tei­le be­reits be­stellt wa­ren und, wie die Re­vi­si­on gel­tend macht, nach der Be­haup­tung des Klä­gers in der fol­gen­den Wo­che ein­tra­fen, hat das Be­ru­fungs­ge­richt nicht über­se­hen. Es hat aber mit Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nicht sämt­li­che zur Kom­plet­tie­rung des fa­brik­neu­en Por­sche Car­re­ra er­for­der­li­chen Tei­le be­stellt wor­den wa­ren. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat da­her der Auf­fas­sung sein kön­nen, dass der Klä­ger mit der Ab­mon­tie­rung der Spoi­ler­tei­le an dem für den Be­klag­ten vor­ge­se­he­nen Por­sche Car­re­ra ei­ne Ver­zö­ge­rung der Aus­lie­fe­rung in Kauf ge­nom­men hat­te und dass er da­mit ge­gen das er­kenn­ba­re In­ter­es­se des Be­klag­ten an ei­ner mög­lichst schnel­len Lie­fe­rung ver­sto­ßen hat­te. Ob die­ser Ver­stoß so schwer­wie­gend war, dass al­lein des­we­gen dem Be­klag­ten ein Fest­hal­ten am Ver­trag nicht zu­ge­mu­tet wer­den konn­te, mag da­hin­ste­hen.

cc) Je­doch kommt hin­zu, dass, wie das Be­ru­fungs­ge­richt zu­tref­fend be­merkt hat, die An­brin­gung ge­brauch­ter Tei­le an dem fa­brik­neu­en Por­sche Car­re­ra beim Be­klag­ten den Ver­dacht we­cken muss­te, es sei be­ab­sich­tigt, das Fahr­zeug mit ge­brauch­ten Tei­len aus­zu­lie­fern.

Die­sem Ver­dacht steht nicht ent­ge­gen, dass, wie der Klä­ger vor­ge­tra­gen hat, bei der Heck­klap­pe der Ge­braucht­zu­stand so­fort auf­ge­fal­len wä­re. Ab­ge­se­hen da­von, dass der Klä­ger für die­se be­strit­te­ne Be­haup­tung kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten hat­te, lässt sich nicht aus­schlie­ßen, dass dem Be­klag­ten et­wai­ge beim Wa­schen des Wa­gens ver­ur­sach­te klei­ne „Ver­krat­zun­gen“ an der Heck­klap­pe ent­gan­gen wä­ren.

Da der Be­klag­te le­dig­lich zu­fäl­lig in dem Zeit­punkt in die Werk­statt des Klä­gers ge­kom­men war, in dem die Spoi­ler­tei­le an dem fa­brik­neu­en Por­sche Car­re­ra ab­mon­tiert und an dem ge­fah­re­nen Por­sche an­ge­bracht wur­den, räum­te sei­ne An­we­sen­heit bei die­sen Ar­bei­ten nicht den Ver­dacht aus, dass der für den Be­klag­ten vor­ge­se­he­ne Wa­gen spä­ter mit ge­brauch­ten Tei­len aus­ge­lie­fert wer­de. Das gilt um­so mehr, als nach der Fest­stel­lung des Be­ru­fungs­ge­richts der Klä­ger für die Aus­wechs­lung der Fahr­zeug­tei­le ei­ne je­den Ver­dacht auf­he­ben­de Be­grün­dung nicht zu ge­ben ver­moch­te.

dd) Der Klä­ger hat da­her nicht nur das In­ter­es­se des Be­klag­ten an ei­ner mög­lichst schnel­len Lie­fe­rung des Por­sche Car­re­ra miss­ach­tet, son­dern nach der zu­tref­fen­den Fest­stel­lung des Be­ru­fungs­ge­richts auch den be­rech­tig­ten Ver­dacht er­weckt, dass der Por­sche Car­re­ra mit ge­brauch­ten Tei­len aus­ge­lie­fert wer­den wür­de. Die­ses Ver­hal­ten muss­te beim Be­klag­ten zu er­heb­li­chen Zwei­feln an der Leis­tungs­treue des Klä­gers füh­ren. Da­bei ist nicht zu be­an­stan­den, dass das Be­ru­fungs­ge­richt be­rück­sich­tigt hat, es hand­le sich bei dem Por­sche Car­re­ra um ein aus­ge­spro­chen auf­wen­di­ges und teu­res Kraft­fahr­zeug, das über 40.000 DM kos­ten soll­te. Der Käu­fer ei­nes Kraft­fahr­zeugs kann und darf näm­lich er­war­ten, dass der Ver­käu­fer sei­ne In­ter­es­sen in je­der Hin­sicht wahrt und an dem Pkw nicht frag­wür­di­ge Ma­ni­pu­la­tio­nen vor­nimmt. Das Ver­hal­ten des Klä­gers muss­te da­her beim Be­klag­ten er­heb­li­che Zwei­fel an der Zu­ver­läs­sig­keit und Ver­trags­treue sei­nes Ver­trags­part­ners we­cken. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat da­her an­neh­men dür­fen, der Vor­fall vom 07.10.1974 ha­be beim Be­klag­ten zu ei­nem der­ar­ti­gen Ver­trau­ens­schwund ge­führt, dass er un­ter dem Ge­sichts­punkt der po­si­ti­ven Ver­trags­ver­let­zung vom Ver­trag zu­rück­tre­ten konn­te.

4. Die Rü­ge der Re­vi­si­on, der Be­klag­te ha­be al­len­falls nach § 326 BGB vor­ge­hen dür­fen, ist gleich­falls un­be­grün­det.

a) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat nicht aus­drück­lich er­ör­tert, ob hier ein Vor­ge­hen nach § 326 BGB ent­behr­lich war. Den Ur­teils­grün­den ist je­doch zu ent­neh­men, dass es ei­ne Nach­frist­set­zung mit Ab­leh­nungs­an­dro­hung, die auch vor Ver­zug­s­ein­tritt hät­te er­fol­gen kön­nen (vgl. da­zu BGH, Urt. v. 10.12.1975 – VI­II ZR 147/74, NJW 76, 326 = WM 1976, 75), nicht für er­for­der­lich hielt.

b) Das lässt ei­nen Rechts­irr­tum nicht er­ken­nen.

aa) Nach der ge­nann­ten Ent­schei­dung hat zwar bei ei­ner als po­si­ti­ver Ver­trags­ver­let­zung zu wer­ten­den Er­fül­lungs­ver­wei­ge­rung der Gläu­bi­ger den Schuld­ner, der sein „letz­tes Wort“ noch nicht ge­spro­chen hat­te, in recht­s­ähn­li­cher An­wen­dung des § 326 BGB zur Er­klä­rung auf­zu­for­dern, ob er frist­ge­mäß leis­ten wer­de. Das wird mit der Er­wä­gung ge­recht­fer­tigt, dass dem Gläu­bi­ger in dem Fall, dass ei­ne frist­ge­mä­ße Leis­tung frag­lich ist, nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann, bis zur Fäl­lig­keit der Leis­tung zu­zu­war­ten und erst dann nach § 326 BGB vor­zu­ge­hen, und dass an­de­rer­seits der Schuld­ner, der die Leis­tung nicht end­gül­tig ver­wei­gert hat­te, nicht durch den Rück­tritt des Gläu­bi­gers über­rascht wer­den darf.

bb) Das gilt in­des­sen nicht, wenn in­fol­ge Ver­sto­ßes des Schuld­ners ge­gen die Leis­tungs­treue­pflicht das Ver­trau­en des Gläu­bi­gers in ei­ne ver­trags­ge­mä­ße Er­fül­lung zer­stört ist. Denn die­ser Ver­trau­ens­schwund kann auch durch ei­ne Nach­frist­set­zung nicht be­ho­ben wer­den. In ei­nem der­ar­ti­gen Fall darf sich da­her der Gläu­bi­ger in der Re­gel oh­ne Ein­hal­tung des in § 326 BGB vor­ge­se­he­nen We­ges vom Ver­trag lö­sen (BGH, Urt. v. 13.11.1953 – I ZR 140/52, BGHZ 11, 80 [86]; Urt. v. 25.03.1958 – VI­II ZR 62/57, LM § 276 (H) Nr. 3; Urt. v. 19.02.1969 – VI­II ZR 58/67, WM 1969, 499).

5. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on ist ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung nicht des­halb ge­bo­ten, weil der Be­klag­te schließ­lich be­reit ge­we­sen wä­re, den Por­sche Car­re­ra nach Wie­der­an­brin­gung der ur­sprüng­lich vor­han­de­nen Spoi­ler und bei Ge­wäh­rung ei­nes er­heb­li­chen Preis­nach­las­ses ab­zu­neh­men. Da es nach dem wirk­sa­men Rück­tritt des Be­klag­ten ei­nes neu­en Ver­trags­schlus­ses be­durft hät­te, zu dem es nicht kam, war der Be­klag­te nicht ver­pflich­tet, den Por­sche Car­re­ra ab­zu­neh­men. …

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