Ge­währ­leis­tungs­aus­schlüs­se, die durch die Wen­dung „wie be­sich­tigt“ an ei­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Be­sich­ti­gung an­knüp­fen, be­zie­hen sich in al­ler Re­gel nur auf bei der Be­sich­ti­gung wahr­nehm­ba­re, ins­be­son­de­re sicht­ba­re Män­gel der Kauf­sa­che. Wird da­bei zu­gleich der Be­zug zu ei­ner Be­sich­ti­gung des Käu­fers her­ge­stellt, kommt es auf die Wahr­nehm­bar­keit des Man­gels durch ihn und nicht dar­auf an, ob ei­ne sach­kun­di­ge Per­son den Man­gel hät­te ent­de­cken oder zu­min­dest auf des­sen Vor­lie­gen hät­te schlie­ßen kön­nen und müs­sen.

BGH, Ur­teil vom 06.04.2016 – VI­II ZR 261/14

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin be­gehrt Scha­dens­er­satz und die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses, nach­dem sie den Rück­tritt vom Kauf­ver­trag über ei­ne Werk­zeug­ma­schi­ne er­klärt hat.

Die Klä­ge­rin be­ar­bei­tet Me­tall­werk­stü­cke, die Be­klag­te han­delt mit Werk­zeug­ma­schi­nen. En­de April/An­fang Mai 2009 trat die Klä­ge­rin we­gen des Er­werbs ei­ner CNC-Zy­klen­dreh­ma­schi­ne an die Be­klag­te her­an. Die­se un­ter­brei­te­te der Klä­ge­rin am 06.05.2009 ein An­ge­bot. Die Klä­ge­rin be­sich­tig­te die Ma­schi­ne am 25.05.2009 und leg­te da­bei die Zeich­nung ei­nes zu be­ar­bei­ten­den Werk­stücks vor. Die an­schlie­ßen­de te­le­fo­ni­sche Be­stel­lung der Klä­ge­rin wur­de von der Be­klag­ten mit „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ vom 28.05.2009 be­stä­tigt. In die­sem Schrei­ben heißt es ein­gangs:

„Wir lie­fern Ih­nen 1 Stück fa­brik­neue Flach­bett-CNC Zy­klen­dreh­ma­schi­ne … Im Zu­stand wie in un­se­rem La­ger in S. vor­han­den und von Ih­nen am 25.05.2009 be­sich­tigt. Tech­ni­sche Da­ten wie in un­se­rem An­ge­bot vom 06.05.2009. Inkl. fol­gen­dem Zu­be­hör: …“

An spä­te­rer Stel­le fin­det sich in der „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ un­ter dem Stich­wort „Ga­ran­tie“ fol­gen­der Pas­sus: „12 Mo­na­te auf die Ma­schi­ne und 24 Mo­na­te auf die S. CNC Steue­rung …“

Die Klä­ge­rin reich­te die „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ nach Ge­gen­zeich­nung an die Be­klag­te zu­rück. Die Fi­nan­zie­rung des Ge­schäfts er­folg­te über ei­ne Lea­sing­ge­sell­schaft, die den Kauf­preis von 55.000 € zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er an die Be­klag­te be­zahl­te. Die Ma­schi­ne wur­de am 04.06.2009 an die Klä­ge­rin aus­ge­lie­fert. Die Mit­ar­bei­ter der Klä­ge­rin wur­den in die Be­nut­zung ein­ge­wie­sen.

In der Fol­ge­zeit be­an­stan­de­te die Klä­ge­rin, dass die Ma­schi­ne Werk­stü­cke ent­spre­chend der von ihr bei der Be­sich­ti­gung vor­ge­leg­ten Zeich­nung nicht zu­frie­den­stel­lend be­ar­bei­ten kön­ne und des­halb den vor­ge­se­he­nen Zweck der Se­ri­en­pro­duk­ti­on von Ach­sen nicht er­fül­le. Von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten führ­ten nicht zu dem von der Klä­ge­rin ge­wünsch­ten Er­folg. Die Be­klag­te wies ei­ne Ver­ant­wor­tung für die von der Klä­ge­rin be­an­stan­de­te raue (schlech­te) Ober­flä­che der be­ar­bei­te­ten Werk­stü­cke zu­rück. Nach Ab­schluss des im No­vem­ber 2010 ein­ge­lei­te­ten selbst­stän­di­gen Be­weis­ver­fah­rens trat die Klä­ge­rin mit An­walts­schrei­ben vom 29.09.2011 vom Ver­trag zu­rück.

Sie hat – ge­stützt auf kauf­recht­li­che Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che und Ver­let­zung von Be­ra­tungs­pflich­ten – Er­satz ent­gan­ge­nen Ge­winns in Hö­he von 59.154,95 € nebst Zin­sen so­wie die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges be­gehrt. Die Be­klag­te hat im We­ge der Wi­der­kla­ge Zah­lung von 12.900,08 € nebst Zin­sen für die ihr ent­stan­de­nen Kos­ten der Über­prü­fung der Ma­schi­ne ver­langt. Das Land­ge­richt hat Kla­ge und Wi­der­kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Be­ru­fung der Klä­ge­rin zu­rück­ge­wie­sen. Die vom Se­nat auf die er­ho­be­nen kauf­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­an­sprü­che be­schränkt zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on der Klä­ge­rin hat­te Er­folg.

Aus den Grün­den: [7]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zur Be­grün­dung sei­ner Ent­schei­dung, so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se, im We­sent­li­chen aus­ge­führt:

[8]    Der Klä­ge­rin ste­he ein An­spruch auf Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­tra­ges nicht zu, weil sie nicht wirk­sam vom Ver­trag zu­rück­ge­tre­ten sei. Die der Klä­ge­rin ver­kauf­te Ma­schi­ne sei nicht we­gen Feh­lens ei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­schaf­fen­heit nach § 434 I 1 BGB man­gel­haft. Denn die Klä­ge­rin ha­be nicht be­wie­sen, dass die Par­tei­en ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung da­hin ge­trof­fen hät­ten, dass die Ma­schi­ne ge­eig­net sein müs­se, Werk­stü­cke ent­spre­chend der von der Klä­ge­rin bei der Be­sich­ti­gung vor­ge­leg­ten Zeich­nung zu be­ar­bei­ten.

[9]    Al­ler­dings hät­ten der Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin und der Zeu­ge G zu den Ver­trags­ver­hand­lun­gen ei­ne Zeich­nung des Werk­stücks mit­ge­bracht und an­ge­ge­ben, es sei aus de­ren Sicht Sinn und Zweck des Be­suchs bei der Be­klag­ten ge­we­sen, ei­ne Ma­schi­ne zu er­wer­ben, die zur Be­ar­bei­tung von Werk­stü­cken der aus der Zeich­nung er­sicht­li­chen Art ge­eig­net sei. Kon­kre­te An­ga­ben zum Ge­sprächs­in­halt ha­be der Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin je­doch nicht ma­chen kön­nen. Zwar ha­be auch der Ge­schäfts­füh­rer der Be­klag­ten nicht in Ab­re­de ge­stellt, dass bei der Be­spre­chung vor Ab­schluss des Kauf­ver­tra­ges an­hand der Zeich­nung fest­ge­stellt wor­den sei, dass das Werk­stück nach Durch­mes­ser und Ein­spann­län­ge auf der Ma­schi­ne dreh­bar sei. Dies recht­fer­ti­ge in­des noch nicht die An­nah­me ei­ner rechts­ge­schäft­li­chen Ei­ni­gung, dass die Ma­schi­ne zur Be­ar­bei­tung der­ar­ti­ger Werk­stü­cke ge­eig­net sei, zu­mal nicht ein­mal be­legt sei, dass Ge­wicht und Ma­te­ri­al des Werk­stücks Ge­sprächs­ge­gen­stand ge­we­sen sei­en, und sich die­se An­ga­ben auch nicht aus der Skiz­ze er­ge­ben hät­ten. Auch der Zeu­ge G ha­be sich an ei­nen ent­spre­chen­den Ge­sprächs­in­halt nicht er­in­nern kön­nen, son­dern nur be­stä­tigt, es sei ge­prüft wor­den, ob das Werk­stück „auf die Ma­schi­ne drauf­pas­se“. Über­dies kön­ne auch nicht un­be­rück­sich­tigt blei­ben, dass sich in den Ver­trags­un­ter­la­gen kei­ner­lei Hin­wei­se auf die be­haup­te­te Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung fän­den. Zu­dem ent­hal­te die Auf­trags­be­stä­ti­gung der Be­klag­ten den aus­drück­li­chen Hin­weis „tech­ni­sche Da­ten ge­mäß un­se­rem An­ge­bot vom 06.05.2009 so­wie de­tail­lier­te An­ga­ben zum Zu­be­hör“, aber kei­nen Hin­weis auf ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung.

[10]   Ob die Ma­schi­ne un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner Ab­wei­chung von der üb­li­chen Be­schaf­fen­heit (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB) man­gel­haft sei, be­dür­fe kei­ner Ent­schei­dung. Denn die Par­tei­en hät­ten mit der For­mu­lie­rung „im Zu­stand wie in un­se­rem La­ger vor­han­den und von Ih­nen am 25.09.2009 be­sich­tigt“ die Ge­währ­leis­tung aus­ge­schlos­sen (vgl. BGH, Urt. v. 06.07.2005 – VI­II ZR 136/04, NJW 2005, 3205). Hier­von wä­re le­dig­lich ei­ne – hier nicht ge­trof­fe­ne – Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung nicht er­fasst ge­we­sen.

[11]   Da es sich nicht um ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf i. S. von § 474 BGB han­de­le, ste­he § 475 BGB der Wirk­sam­keit des Ge­währ­leis­tungs­aus­schlus­ses nicht ent­ge­gen. Scha­dens­er­satz we­gen Man­gel­haf­tig­keit der Kauf­sa­che kön­ne die Klä­ge­rin un­ter die­sen Um­stän­den gleich­falls nicht ver­lan­gen.

[12]   II. Die­se Be­ur­tei­lung hält recht­li­cher Nach­prü­fung in ei­nem we­sent­li­chen Punkt nicht stand. An­sprü­che der Klä­ge­rin auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ge­gen Rück­ga­be der Ma­schi­ne so­wie auf Er­satz ent­gan­ge­nen Ge­winns (§§ 437 Nr. 2 und 3, 440, 323 und 280 I BGB), die auf ei­nen Man­gel der Kauf­sa­che ge­mäß § 434 I 2 Nr. 2 BGB ge­stützt sind, kön­nen – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts – nicht we­gen ei­nes ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Aus­schlus­ses der Ge­währ­leis­tung ver­neint wer­den.

[13]   1. Oh­ne Er­folg rügt die Re­vi­si­on al­ler­dings, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be die von der Klä­ge­rin be­haup­te­te Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung, dass die Ma­schi­ne zur Be­ar­bei­tung der von der Klä­ge­rin vor­ge­se­he­nen Werk­stü­cke ge­eig­net sei, nicht für er­wie­sen er­ach­tet.

[14]   Das Be­ru­fungs­ge­richt hat sei­ne tatrich­ter­li­che Wür­di­gung rechts­feh­ler­frei da­mit be­grün­det, dass nicht mehr im Ein­zel­nen ha­be fest­ge­stellt wer­den kön­nen, was die Par­tei­en an­hand der von der Klä­ge­rin zur vor­ver­trag­li­chen Be­spre­chung mit­ge­brach­ten Skiz­ze ei­nes Werk­stücks be­spro­chen ha­ben. Ins­be­son­de­re sei nicht er­sicht­lich, dass Ge­wicht und Ma­te­ri­al der zu be­ar­bei­ten­den Werk­stü­cke Ge­sprächs­ge­gen­stand ge­we­sen sei oder sich die­se Da­ten aus der von der Klä­ge­rin mit­ge­brach­ten Skiz­ze des zu ver­ar­bei­ten­den Werk­stücks er­ge­ben hät­ten.

[15]   So­weit die Re­vi­si­on gel­tend macht, die Klä­ge­rin ha­be be­reits durch die tech­ni­sche Zeich­nung hin­rei­chend zum Aus­druck ge­bracht, wel­che An­for­de­run­gen die Ma­schi­ne zu er­fül­len ha­be, und die Be­klag­te ha­be dem zu­ge­stimmt, setzt sie in un­zu­läs­si­ger Wei­se ih­re ei­ge­ne Be­ur­tei­lung an die Stel­le der tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung des Be­ru­fungs­ge­richts, zeigt aber ei­nen Rechts­feh­ler nicht auf. Das Glei­che gilt, so­weit die Re­vi­si­on meint, das Be­ru­fungs­ge­richt hät­te aus dem Um­stand, dass die Be­klag­te ein Fach­un­ter­neh­men sei, auf ei­ne Be­schaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung über die Eig­nung der Werk­zeug­ma­schi­ne zur Be­ar­bei­tung be­stimm­ter Werk­stü­cke schlie­ßen müs­sen, zu­mal der Ge­schäfts­füh­rer der Klä­ge­rin bei der Be­spre­chung dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass er mit der Be­ar­bei­tung des in der Skiz­ze wie­der­ge­ge­be­nen Werk­stücks kei­ne Er­fah­rung ha­be.

[16]   2. Von Rechts­feh­lern be­ein­flusst ist je­doch die wei­te­re An­nah­me des Be­ru­fungs­ge­richts, dass der Klä­ge­rin auch im Fal­le ei­ner – vom Be­ru­fungs­ge­richt aus­drück­lich of­fen­ge­las­se­nen – Ab­wei­chung der Be­schaf­fen­heit der Ma­schi­ne von der üb­li­chen Be­schaf­fen­heit (§ 434 I 2 Nr. 2 BGB) kei­ne Ge­währ­leis­tungs­rech­te zu­stün­den. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts kann dem im Ein­gang der „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ ent­hal­te­nen Be­sich­ti­gungs­hin­weis kein Aus­schluss jeg­li­cher Ge­währ­leis­tung der Be­klag­ten ent­nom­men wer­den.

[17]   a) Nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB ist ei­ne Sa­che frei von Sach­män­geln, wenn sie sich für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung eig­net und ei­ne Be­schaf­fen­heit auf­weist, die bei Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer er­war­ten kann. Nach dem re­vi­si­ons­recht­lich zu un­ter­stel­len­den Sach­vor­trag der Klä­ge­rin ist die für den ge­werb­li­chen Ge­brauch be­stimm­te Ma­schi­ne von Be­ginn an ge­ne­rell nicht in der La­ge ge­we­sen, Werk­stü­cke ein­wand­frei zu be­ar­bei­ten, für die ei­ne sol­che Ma­schi­ne üb­li­cher­wei­se ein­ge­setzt wird oder aus­ge­legt ist. Im Ge­gen­teil ha­be sie nicht ein­mal Werk­stü­cke ak­zep­ta­bel be­ar­bei­ten kön­nen, die nur die Hälf­te des in dem von der Be­klag­ten mit­ge­lie­fer­ten Da­ten­blatt ge­nann­ten Ge­wichts und we­der ei­ne Un­wucht noch die Be­ar­bei­tung er­schwe­ren­de sons­ti­ge Be­son­der­hei­ten auf­ge­wie­sen hät­ten. Un­ter die­sen re­vi­si­ons­recht­lich zu un­ter­stel­len­den Um­stän­den ist die Ma­schi­ne je­den­falls i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB man­gel­haft.

[18]   Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­ons­er­wi­de­rung ist es für die­sen re­vi­si­ons­recht­lich zu un­ter­stel­len­den Sach­ver­halt un­er­heb­lich, dass das Land­ge­richt in sei­nem Ur­teil auf­grund der von ihm vor­ge­nom­me­nen Wür­di­gung des ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zu dem Er­geb­nis ge­langt ist, die Ma­schi­ne sei le­dig­lich „leicht ge­baut“, aber nicht „ge­ne­rell un­ge­eig­net“. Denn die­se Wür­di­gung hat die Klä­ge­rin in der Be­ru­fungs­be­grün­dung un­ter Hin­weis dar­auf an­ge­grif­fen, dass die Ma­schi­ne – wie das Gut­ach­ten er­ge­ben ha­be – nicht ein­mal die im Da­ten­blatt der Be­klag­ten be­schrie­be­nen Werk­stü­cke zu­frie­den­stel­lend be­ar­bei­ten kön­ne. Im Hin­blick auf die­sen Ein­wand hat das Be­ru­fungs­ge­richt die Be­ur­tei­lung des Land­ge­richts zu ei­ner feh­len­den Man­gel­haf­tig­keit der Ma­schi­ne nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB ge­ra­de nicht über­nom­men, son­dern aus­drück­lich of­fen­ge­las­sen.

[19]   b) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts ha­ben die Par­tei­en mit der strei­ti­gen Klau­sel („Im Zu­stand wie in un­se­rem La­ger … vor­han­den und von Ih­nen … be­sich­tigt“) kei­nen ver­trag­li­chen Aus­schluss jeg­li­cher Ge­währ­leis­tung für die von der Klä­ge­rin zum Preis von 55.000 € zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er er­wor­be­nen neu­en Ma­schi­ne ver­ein­bart.

[20]   aa) Die Aus­le­gung des ver­trag­li­chen Ge­währ­leis­tungs­aus­schlus­ses durch das Be­ru­fungs­ge­richt un­ter­liegt, selbst wenn es sich – wo­von das Be­ru­fungs­ge­richt hier er­sicht­lich aus­geht – um ei­ne In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­rung han­delt, in der Re­vi­si­ons­in­stanz je­den­falls ei­ner (ein­ge­schränk­ten) Nach­prü­fung dar­auf, ob ge­setz­li­che oder all­ge­mein an­er­kann­te Aus­le­gungs­re­geln, die Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungs­sät­ze ver­letzt sind oder we­sent­li­cher Aus­le­gungs­stoff au­ßer Acht ge­las­sen wur­de oder die Aus­le­gung auf mit der Re­vi­si­on ge­rüg­ten Ver­fah­rens­feh­lern be­ruht (st. Rspr., vgl. Se­nat, Urt. v. 09.07.2014 – VI­II ZR 376/13, BGHZ 202, 39 Rn. 4, Urt. v. 03.12.2014 – VI­II ZR 224/13, NJW-RR 2015, 264 Rn. 37 m. w. Nachw.). Das ist hier der Fall.

[21]   bb) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat be­reits nicht er­wo­gen, ob der ein­lei­ten­de Pas­sus der „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ an­ge­sichts der an spä­te­rer Stel­le in ei­ne ge­gen­läu­fi­ge Rich­tung wei­sen­den Ga­ran­tie der Be­klag­ten nach dem in­so­weit maß­geb­li­chen Emp­fän­ger­ho­ri­zont der Klä­ge­rin über­haupt als ein Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss ver­stan­den wer­den kann oder ob dar­in nicht et­wa nur ein wa­ren­be­schrei­ben­der Hin­weis auf den im Zu­ge der Be­sich­ti­gung kon­kre­ti­sier­ten und da­mit aus­ge­son­der­ten Lie­fer­ge­gen­stand (vgl. § 243 II BGB) ge­le­gen hat. Schon der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung, der aus­schließ­lich auf den Zu­stand „wie be­sich­tigt“ ab­stellt, spricht ge­gen ei­nen um­fas­sen­den Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss. Zu­dem hat das Be­ru­fungs­ge­richt nicht be­dacht, dass Frei­zei­ch­nungs­klau­seln – als Aus­nah­me von der sich aus dem dis­po­si­ti­ven Recht er­ge­ben­den Haf­tung – grund­sätz­lich eng aus­zu­le­gen sind (BGH, Urt. v. 10.10.1977 – VI­II ZR 110/76, WM 1977, 1351 [un­ter II a]; Urt. v. 09.01.1980 – VI­II ZR 36/79, WM 1980, 444 [un­ter II 2 a]; Urt. v. 02.04.2004 – V ZR 267/03, BGHZ 158, 354 [366]; je­weils m. w. Nachw.).

[22]   (1) Ge­währ­leis­tungs­aus­schlüs­se, die durch die Wen­dung „wie be­sich­tigt“ an ei­ne vor­an­ge­gan­ge­ne Be­sich­ti­gung an­knüp­fen, be­zie­hen sich in al­ler Re­gel nur auf bei der Be­sich­ti­gung wahr­nehm­ba­re, ins­be­son­de­re sicht­ba­re Män­gel der Kauf­sa­che (BGH, Urt. v. 18.12.1956 – VI­II ZR 19/56, BB 1957, 238 [un­ter 3]; Urt. v. 05.04.1979 – VII ZR 308/77, BGHZ 74, 204 [210] m. w. Nachw.). Wird da­bei zu­gleich der Be­zug zu ei­ner Be­sich­ti­gung des Käu­fers her­ge­stellt, kommt es auf die Wahr­nehm­bar­keit des Man­gels durch ihn und nicht dar­auf an, ob ei­ne sach­kun­di­ge Per­son den Man­gel hät­te ent­de­cken oder zu­min­dest auf des­sen Vor­lie­gen hät­te schlie­ßen kön­nen und müs­sen (BGH, Urt. v. 20.02.1986 – VII ZR 318/84, WM 1986, 799 [un­ter 4]).

[23]   (2) Um der­ar­ti­ge, be­reits bei ei­ner blo­ßen Be­sich­ti­gung der Ma­schi­ne im La­ger der Be­klag­ten wahr­nehm­ba­re Män­gel strei­ten die Par­tei­en in­des nicht. Viel­mehr macht die Klä­ge­rin grund­le­gen­de Män­gel der Funk­ti­ons­fä­hig­keit und der Kon­struk­ti­on gel­tend, die erst spä­ter im lau­fen­den Be­trieb der Ma­schi­ne bei der Be­ar­bei­tung ver­schie­de­ner Werk­stü­cke er­kenn­bar ge­wor­den sei­en. Dem­ge­gen­über hat­te die in der „Auf­trags­be­stä­ti­gung“ an­ge­spro­che­ne Be­sich­ti­gung nur in ei­ner blo­ßen Sicht­prü­fung oh­ne Funk­ti­ons­test be­stan­den.

[24]   So­weit sich das Be­ru­fungs­ge­richt für sei­ne ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung of­fen­bar auf das Se­nats­ur­teil vom 06.07.2005 (VI­II ZR 136/04, NJW 2005, 3205 [un­ter II 2]) stüt­zen will, gibt die­se Ent­schei­dung – wor­auf die Re­vi­si­on mit Recht hin­weist – für die hier zu be­ur­tei­len­de Fra­ge­stel­lung nichts her. Dort ging es viel­mehr um ei­ne Be­sich­ti­gungs­klau­sel, die – an­ders als hier – mit ei­nem aus­drück­li­chen Aus­schluss jeg­li­cher Ge­währ­leis­tung ver­bun­den war, und um die Klä­rung der sich ge­ra­de aus die­ser Kom­bi­na­ti­on er­ge­ben­den Rechts­fol­gen.

[25]   III. Nach al­le­dem kann das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts kei­nen Be­stand ha­be; es ist da­her auf­zu­he­ben (§ 562 I ZPO). Die Sa­che ist nicht zur End­ent­schei­dung reif, weil das Be­ru­fungs­ge­richt – vor dem Hin­ter­grund der von ihm ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung fol­ge­rich­tig – kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen hat, ob die strei­ti­ge Ma­schi­ne nach § 434 I 2 Nr. 2 BGB (feh­len­de Eig­nung für die ge­wöhn­li­che Ver­wen­dung und feh­len­de Be­schaf­fen­heit, die für Sa­chen der glei­chen Art üb­lich ist und die der Käu­fer er­war­ten kann) man­gel­haft ist. Die Sa­che ist da­her zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­zu­ver­wei­sen (§ 563 I 1 ZPO).

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