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Ar­chiv: 2022

Ge­ring­fü­gig­keit ei­nes nicht be­heb­ba­ren Man­gels bei ei­nem Nutz­fahr­zeug

Ein nicht be­heb­ba­rer Man­gel, mit dem der Käu­fer dau­er­haft le­ben muss, ist zwar grund­sätz­lich nicht ge­ring­fü­gig i. S. von § 323 V 2 BGB. Be­ein­träch­tigt der Man­gel nicht die Ge­brauchs­taug­lich­keit der Kauf­sa­che, son­dern führt er le­dig­lich zu ei­nem Min­der­wert, kommt ei­ne Ge­ring­fü­gig­keit aber gleich­wohl in Be­tracht, näm­lich dann, wenn die Man­gel­be­trof­fen­heit des Käu­fers hin­rei­chend aus­ge­gli­chen wer­den kann, in­dem der Käu­fer den Kauf­preis min­dert oder „klei­nen“ Scha­dens­er­satz ver­langt.

LG Ha­gen, Ur­teil vom 27.07.2022 – 21 O 37/19

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Kein Her­aus­ga­be­an­spruch nach Zug-um-Zug-Ver­ur­tei­lung – VW-Ab­gas­skan­dal

  1. Die Grund­sät­ze der Vor­teils­aus­glei­chung ver­mit­teln dem zum Scha­dens­er­satz ver­ur­teil­ten Schä­di­ger auch dann kei­nen auf die Her­aus­ga­be ei­nes un­gleich­ar­ti­gen Vor­teils ge­rich­te­ten An­spruch ge­gen den Ge­schä­dig­ten, wenn der rechts­kräf­tig zur Scha­dens­er­satz­zah­lung Zug um Zug ge­gen Über­ga­be und Über­eig­nung ei­nes Fahr­zeugs zwecks Vor­teils­aus­glei­chung ver­ur­teil­te und nach dem Ur­teils­aus­spruch im An­nah­me­ver­zug be­find­li­che Schä­di­ger den zu­er­kann­ten Scha­dens­er­satz­be­trag zu­nächst oh­ne Rück­sicht auf die Über­ga­be und Über­eig­nung des Fahr­zeugs ge­leis­tet hat, der Ge­schä­dig­te aber den im Ur­teil vor­ge­se­he­nen Vor­teils­aus­gleich ver­wei­gert.
  2. Dem Schä­di­ger steht in die­sem Fall auch kein auf Her­aus­ga­be ei­nes Wei­ter­ver­kaufs­prei­ses ge­rich­te­ter An­spruch zu, wenn der Ge­schä­dig­te den Zug um Zug her­aus­zu­ge­ben­den Ge­gen­stand – hier: ein vom so­ge­nann­ten Die­selskan­dal be­trof­fe­nes Fahr­zeug – wei­ter­ver­kauft und den ent­spre­chen­den Kauf­preis ver­ein­nahmt hat.
  3. Al­ler­dings kann der Schä­di­ger un­ter Um­stän­den die Rück­erstat­tung des nach Maß­ga­be der rechts­kräf­tig ti­tu­lier­ten For­de­rung ge­zahl­ten Scha­dens­er­sat­zes ver­lan­gen, weil es kei­nen Rechts­grund gibt, der den Ge­schä­dig­ten zum Be­hal­ten der über den ge­schul­de­ten Scha­dens­er­satz hin­aus­ge­hen­den Mehr­leis­tung des Schä­di­gers be­rech­tigt. Ge­ge­be­nen­falls hat die Un­gleich­ar­tig­keit des aus­zu­glei­chen­den Vor­teils zur Fol­ge, dass der ge­sam­te ge­zahl­te Be­trag zu­rück­zu­er­stat­ten ist.

BGH, Ur­teil vom 25.07.2022 – VIa ZR 485/21

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Un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung ist ein er­heb­li­cher Sach­man­gel – Um­schalt­lo­gik und Ther­mo­fens­ter

  1. Art. 2 II lit. d der Richt­li­nie 1999/44/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 25.05.1999 zu be­stimm­ten As­pek­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs und der Ga­ran­ti­en für Ver­brauchs­gü­ter ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ein Kraft­fahr­zeug, das in den An­wen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20.06.2007 über die Typ­ge­neh­mi­gung von Kraft­fahr­zeu­gen hin­sicht­lich der Emis­sio­nen von leich­ten Per­so­nen­kraft­wa­gen und Nutz­fahr­zeu­gen (Eu­ro 5 und Eu­ro 6) und über den Zu­gang zu Re­pa­ra­tur- und War­tungs­in­for­ma­tio­nen für Fahr­zeu­ge fällt, nicht die Qua­li­tät auf­weist, die bei Gü­tern der glei­chen Art üb­lich ist und die der Ver­brau­cher ver­nünf­ti­ger­wei­se er­war­ten kann, wenn es, ob­wohl es über ei­ne gül­ti­ge EG-Typ­ge­neh­mi­gung ver­fügt und da­her im Stra­ßen­ver­kehr ver­wen­det wer­den kann, mit ei­ner Ab­schalt­ein­rich­tung aus­ge­stat­tet ist, de­ren Ver­wen­dung nach Art. 5 II die­ser Ver­ord­nung ver­bo­ten ist.
  2. Art. 5 II lit. a der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung, die ins­be­son­de­re die Ein­hal­tung der in die­ser Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Emis­si­ons­grenz­wer­te nur ge­währ­leis­tet, wenn die Au­ßen­tem­pe­ra­tur zwi­schen 15 und 33 °C liegt, nach die­ser Be­stim­mung al­lein un­ter der Vor­aus­set­zung zu­läs­sig sein kann, dass nach­ge­wie­sen ist, dass die­se Ein­rich­tung aus­schließ­lich not­wen­dig ist, um die durch ei­ne Fehl­funk­ti­on ei­nes Bau­teils des Ab­gas­rück­füh­rungs­sys­tems ver­ur­sach­ten un­mit­tel­ba­ren Ri­si­ken für den Mo­tor in Form von Be­schä­di­gung oder Un­fall zu ver­mei­den, Ri­si­ken, die so schwer wie­gen, dass sie ei­ne kon­kre­te Ge­fahr beim Be­trieb des mit die­ser Ein­rich­tung aus­ge­stat­te­ten Fahr­zeugs dar­stel­len. Ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung, die un­ter nor­ma­len Be­triebs­be­din­gun­gen den über­wie­gen­den Teil des Jah­res funk­tio­nie­ren müss­te, da­mit der Mo­tor vor Be­schä­di­gung oder Un­fall ge­schützt und der si­che­re Be­trieb des Fahr­zeugs ge­währ­leis­tet ist, kann je­den­falls nicht un­ter die in Art. 5 II lit. a der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 vor­ge­se­he­ne Aus­nah­me fal­len.
  3. Art. 3 VI der Richt­li­nie 1999/44/EG ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­ne Ver­trags­wid­rig­keit, die dar­in be­steht, dass ein Fahr­zeug mit ei­ner Ab­schalt­ein­rich­tung aus­ge­rüs­tet ist, de­ren Ver­wen­dung nach Art. 5 II der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 ver­bo­ten ist, nicht als „ge­ring­fü­gig“ ein­ge­stuft wer­den kann, selbst wenn der Ver­brau­cher – falls er von der Exis­tenz und dem Be­trieb die­ser Ein­rich­tung Kennt­nis ge­habt hät­te – die­ses Fahr­zeug den­noch ge­kauft hät­te.

EuGH (Gro­ße Kam­mer), Ur­teil vom 14.07.2022 – C-145/20 (DS/​Por­sche In­ter Au­to GmbH & Co. KG, Volks­wa­gen AG)

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Ther­mo­fens­ter als un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung

  1. Art. 3 Nr. 10 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 20.06.2007 über die Typ­ge­neh­mi­gung von Kraft­fahr­zeu­gen hin­sicht­lich der Emis­sio­nen von leich­ten Per­so­nen­kraft­wa­gen und Nutz­fahr­zeu­gen (Eu­ro 5 und Eu­ro 6) und über den Zu­gang zu Re­pa­ra­tur- und War­tungs­in­for­ma­tio­nen für Fahr­zeu­ge in Ver­bin­dung mit Art. 5 I die­ser Ver­ord­nung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­ne Ein­rich­tung, die die Ein­hal­tung der in die­ser Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Emis­si­ons­grenz­wer­te nur ge­währ­leis­tet, wenn die Au­ßen­tem­pe­ra­tur zwi­schen 15 und 33 °C liegt und der Fahr­be­trieb un­ter­halb von 1.000 Hö­hen­me­tern er­folgt, ei­ne „Ab­schalt­ein­rich­tung“ im Sin­ne die­ses Art. 3 Nr. 10 dar­stellt.
  2. Art. 5 II lit. a der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 ist da­hin aus­zu­le­gen, dass ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung, die die Ein­hal­tung der in die­ser Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Emis­si­ons­grenz­wer­te nur ge­währ­leis­tet, wenn die Au­ßen­tem­pe­ra­tur zwi­schen 15 und 33 °C liegt und der Fahr­be­trieb un­ter­halb von 1.000 Hö­hen­me­tern er­folgt, nicht al­lein des­halb un­ter die in die­ser Be­stim­mung vor­ge­se­he­ne Aus­nah­me vom Ver­bot der Ver­wen­dung sol­cher Ein­rich­tun­gen fal­len kann, weil die­se Ein­rich­tung zur Scho­nung von An­bau­tei­len wie Ab­gas­rück­führ­ven­til, AGR-Küh­ler und Die­sel­par­ti­kel­fil­ter bei­trägt, es sei denn, es ist nach­ge­wie­sen, dass die­se Ein­rich­tung aus­schließ­lich not­wen­dig ist, um die durch ei­ne Fehl­funk­ti­on ei­nes die­ser Bau­tei­le ver­ur­sach­ten un­mit­tel­ba­ren Ri­si­ken für den Mo­tor in Form von Be­schä­di­gung oder Un­fall zu ver­mei­den, Ri­si­ken, die so schwer wie­gen, dass sie ei­ne kon­kre­te Ge­fahr beim Be­trieb des mit die­ser Ein­rich­tung aus­ge­stat­te­ten Fahr­zeugs dar­stel­len. Ei­ne Ab­schalt­ein­rich­tung, die un­ter nor­ma­len Be­triebs­be­din­gun­gen den über­wie­gen­den Teil des Jah­res funk­tio­nie­ren müss­te, da­mit der Mo­tor vor Be­schä­di­gung oder Un­fall ge­schützt und der si­che­re Be­trieb des Fahr­zeugs ge­währ­leis­tet ist, kann je­den­falls nicht un­ter die in Art. 5 II lit. a der Ver­ord­nung (EG) Nr. 715/2007 vor­ge­se­he­ne Aus­nah­me fal­len.

EuGH (Gro­ße Kam­mer), Ur­teil vom 14.07.2022 – C-128/20 (GSMB In­vest GmbH & Co. KG/​Au­to Krai­ner Ges­mbH)

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Rück­tritt we­gen ver­schie­de­ner Män­gel der Kauf­sa­che = meh­re­re Streit­ge­gen­stän­de

  1. Ei­ne Be­ru­fungs­be­grün­dung muss ge­eig­net sein, die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung im Um­fang der An­fech­tung in­fra­ge zu stel­len. Bei meh­re­ren Streit­ge­gen­stän­den oder ei­nem teil­ba­ren Streit­ge­gen­stand hat sie sich da­her grund­sätz­lich auf al­le Tei­le des Ur­teils zu er­stre­cken, hin­sicht­lich de­rer ei­ne Ab­än­de­rung be­an­tragt ist; an­dern­falls ist das Rechts­mit­tel für den nicht be­grün­de­ten Teil un­zu­läs­sig (im An­schluss an BGH, Urt. v. 23.06.2015 – II ZR 166/14, NJW 2015, 3040 Rn. 11; Urt. v. 14.03.2017 – VI ZR 605/15, VersR 2017, 822 Rn. 14; Urt. v. 07.01.2021 – III ZR 127/19, BGHZ 228, 115 Rn. 12; Beschl. v. 29.11.2017 – XII ZB 414/17, NJW-RR 2018, 386 Rn. 9; Beschl. v. 15.03.2022 – VI­II ZB 43/21, ju­ris Rn. 13).
  2. Hat ein Rechts­mit­tel­füh­rer ei­nen – erst­in­stanz­lich zu sei­nem Nach­teil ent­schie­de­nen – Streit­ge­gen­stand mit sei­ner Be­ru­fungs­be­grün­dung nicht an­ge­grif­fen und ist die­ser da­mit nicht zur Über­prü­fung des Be­ru­fungs­ge­richts ge­stellt wor­den, kann das recht­li­che Ge­hör (Art. 103 I GG) des Rechts­mit­tel­geg­ners ver­letzt sein, wenn das Be­ru­fungs­ge­richt, oh­ne hier­auf hin­zu­wei­sen (§ 139 ZPO), den­noch in der Sa­che – zum Nach­teil des Rechts­mit­tel­geg­ners – über die­sen Streit­ge­gen­stand ent­schei­det.

BGH, Be­schluss vom 05.07.2022 – VI­II ZR 137/21

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Er­heb­li­cher Un­fall­scha­den ei­nes Ge­braucht­wa­gens als Sach­man­gel

  1. Der Käu­fer ei­nes ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeugs kann, wenn kei­ne be­son­de­ren Um­stän­de vor­lie­gen, i. S. von § 434 I 2 Nr. 2 BGB a.F. er­war­ten, dass das Fahr­zeug kei­nen Un­fall er­lit­ten hat, bei dem es zu mehr als „Ba­ga­tell­schä­den“ ge­kom­men ist (im An­schluss an BGH, Urt. v. 10.10.2007 – VI­II ZR 330/06, NJW 2008, 53 Rn. 20).
  2. Ei­nen Ge­braucht­wa­gen­händ­ler trifft kei­ne ge­ne­rel­le, an­las­s­un­ab­hän­gi­ge Ob­lie­gen­heit, ein Fahr­zeug vor dem Ver­kauf um­fas­send zu un­ter­su­chen; zu ei­ner Über­prü­fung des Fahr­zeugs kann er viel­mehr nur auf­grund be­son­de­rer Um­stän­de, die für ihn ei­nen kon­kre­ten Ver­dacht auf Män­gel be­grün­den, ge­hal­ten sein (im An­schluss an BGH, Urt. v. 15.04.2015 – VI­II ZR 80/14, NJW 2015, 1669 Rn. 14 m. w. Nachw.). Sol­che Um­stän­de lie­gen vor, wenn ein Ge­braucht­wa­gen­händ­ler beim An­kauf ei­nes Fahr­zeugs un­spe­zi­fisch über ei­nen „re­pa­rier­ten Front­scha­den“ in­for­miert wird, be­züg­lich des­sen Re­pa­ra­tur­rech­nun­gen nicht vor­ge­legt wer­den kön­nen, und wenn bei ei­ner blo­ßen fach­män­ni­schen Sicht­prü­fung Nachla­ckie­run­gen an der Front, an der Sei­te und am Heck des Fahr­zeugs so­wie Glas­split­ter und Blut­sprit­zer im Fahr­zeu­gin­ne­ren er­kenn­bar sind.

OLG Naum­burg, Ur­teil vom 30.05.2022 – 2 U 195/19
(vor­an­ge­hend: BGH, Be­schluss vom 08.09.2021 – VI­II ZR 258/20)

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Be­stel­lung ei­nes Ge­braucht­wa­gens – An­nah­me und Bin­dungs­frist

  1. Wird die schrift­li­che Be­stel­lung ei­nes Ge­braucht­wa­gens nicht nur von dem das Fahr­zeug be­stel­len­den po­ten­zi­el­len Käu­fer, son­dern auch von dem die Be­stel­lung ent­ge­gen­neh­men­den Mit­ar­bei­ter ei­nes Au­to­hau­ses un­ter­zeich­net, liegt dar­in nicht zwin­gend die An­nah­me des in der Be­stel­lung lie­gen­den An­trags auf Ab­schluss ei­nes Kauf­ver­trags (§ 145 BGB). Ins­be­son­de­re ver­bie­tet sich ei­ne Aus­le­gung der Un­ter­schrift als ei­ne den An­trag an­neh­men­de Wil­lens­er­klä­rung, wenn ein Kauf­ver­trag nach den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen des Ver­käu­fers erst da­durch zu­stan­de kom­men soll, wenn er die An­nah­me der Be­stel­lung in­ner­halb ei­ner Frist von zehn Ta­gen in Text­form be­stä­tigt oder das be­stell­te Fahr­zeug lie­fert.
  2. Ei­ne Klau­sel in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen ei­nes Ge­braucht­wa­gen­händ­lers, wo­nach der Käu­fer an die ver­bind­li­che Be­stel­lung ei­nes Fahr­zeugs höchs­tens zehn Ta­ge ge­bun­den ist, ist wirk­sam. Sie ver­stößt ins­be­son­de­re nicht ge­gen § 308 Nr. 1 BGB (im An­schluss an LG Saar­brü­cken, Urt. v. 14.11.2014 – 10 S 128/13).

LG Darm­stadt, Ur­teil vom 25.05.2022 – 4 O 51/21

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Be­rich­ti­gung ei­ner öf­fent­li­chen Äu­ße­rung über die Kauf­sa­che – Old­ti­mer

  1. Ei­ne in ei­nem „mobile.​de“-In­se­rat ent­hal­te­ne – un­zu­tref­fen­de – öf­fent­li­che Äu­ße­rung über be­stimm­te Ei­gen­schaf­ten des zum Kauf an­ge­bo­te­nen Fahr­zeugs (hier: „un­fall­frei“) wird nicht i. S. von § 434 I 3 BGB a.F. (jetzt: § 434 III 3 BGB) „in gleich­wer­ti­ger Wei­se be­rich­tigt“, wenn der Ver­käu­fer die ent­spre­chen­de An­ga­be schlicht kom­men­tar­los löscht. Ei­ne Be­rich­ti­gung „in gleich­wer­ti­ge Wei­se“ er­for­dert viel­mehr dar­über hin­aus ei­nen aus­drück­li­chen Hin­weis auf den vor­he­ri­gen Irr­tum. Dar­an fehlt es, wenn der Ver­käu­fer ei­nem Kauf­in­ter­es­sen­ten le­dig­lich er­klärt, es ge­be „kei­ne do­ku­men­tier­te Fahr­zeug­his­to­rie“, so­dass er zur Exis­tenz von „Schä­den“ man­gels Kennt­nis „nichts sa­gen“ kön­ne.
  2. Die beim Ver­kauf ei­nes Old­ti­mers ab­ge­ge­be­ne Er­klä­rung, es feh­le ei­ne do­ku­men­tier­te Fahr­zeug­his­to­rie, hat kei­nen ge­si­cher­ten und all­ge­mein an­er­kann­ten Be­deu­tungs­ge­halt; was da­mit ge­meint ist, hängt viel­mehr von den Um­stän­den des Ein­zel­falls ab.
  3. Ei­ne in ei­nem Kauf­ver­trags­for­mu­lar ent­hal­te­ne vor­ge­druck­te Klau­sel, wo­nach die Haf­tung des Ver­käu­fers für Män­gel der Kauf­sa­che aus­ge­schlos­sen ist (Ge­währ­leis­tungs­aus­schluss), ist nicht schon des­halb als i. S. von § 305 I 3 BGB, im Ein­zel­nen aus­ge­han­delt an­zu­se­hen, weil das Ver­trags­for­mu­lar – teils auch vom Käu­fer an­ge­brach­te – hand­schrift­li­che Än­de­run­gen und Zu­sät­ze ent­hält.
  4. Die vor­aus­sicht­li­che Ge­samt­lauf­leis­tung („Le­bens­er­war­tung“), nach der sich ei­ne vom Käu­fer zu zah­len­de Nut­zungs­ent­schä­di­gung be­misst, ist bei ei­nem Old­ti­mer in der Re­gel mit 200.000 km an­zu­set­zen.
  5. Der Tat­be­stand des Erst­ur­teils lie­fert nach § 314 ZPO den Be­weis für das münd­li­che Vor­brin­gen ei­ner Par­tei im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren. Die­se Be­weis­wir­kung er­streckt sich auch dar­auf, ob ei­ne be­stimm­te Be­haup­tung be­strit­ten ist oder nicht. Da­her ist ei­ne im Tat­be­stand des Erst­ur­teils als un­strei­tig dar­ge­stell­te Tat­sa­che selbst dann als un­strei­tig und für das Be­ru­fungs­ge­richt bin­dend an­zu­se­hen, wenn tat­säch­lich in ers­ter In­stanz um­strit­ten war, der Tat­be­stand des Erst­ur­teils aber nicht be­rich­tigt wor­den ist.

OLG Braun­schweig, Ur­teil vom 19.05.2022 – 9 U 12/21

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Kein Ab­zug „neu für alt“ bei Nach­bes­se­rung ei­ner ge­brauch­ten Sa­che und Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung

  1. Ei­ne Be­tei­li­gung des Käu­fers an den Kos­ten der Nach­bes­se­rung ei­ner (ge­brauch­ten) man­gel­haf­ten Kauf­sa­che nach den Grund­sät­zen ei­nes Ab­zugs „neu für alt“ schei­det aus, wenn sich der Vor­teil des Käu­fers dar­in er­schöpft, dass die Kauf­sa­che durch den zur Man­gel­be­sei­ti­gung er­for­der­li­chen Er­satz ei­nes man­gel­haf­ten Teils durch ein neu­es Teil ei­nen Wert­zu­wachs er­fährt oder dass der Käu­fer durch die län­ge­re Le­bens­dau­er des er­setz­ten Teils Auf­wen­dun­gen er­spart.
  2. Für ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung in Hö­he der vor­aus­sicht­lich er­for­der­li­chen Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten nach § 437 Nr. 3, §§ 280 I und III, 281 I BGB gilt das Glei­che, und zwar auch dann, wenn die Nach­bes­se­rung we­gen des arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens des Man­gels nicht an­ge­bo­ten wer­den muss (hier: Kos­ten für die Er­neue­rung ei­ner man­gel­haf­ten Kel­ler­ab­dich­tung).

BGH, Ur­teil vom 13.05.2022 – V ZR 231/20

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Ver­tre­tung des Käu­fers durch ei­nen voll­macht­lo­sen Ver­tre­ter – § 442 I 1 BGB

Wird der Käu­fer bei Ab­schluss ei­nes Grund­stücks­kauf­ver­trags durch ei­nen voll­macht­lo­sen Ver­tre­ter ver­tre­ten, kommt es für sei­ne Kennt­nis vom Man­gel i. S. von § 442 I 1 BGB auf den Zeit­punkt der Ab­ga­be der Ge­neh­mi­gungs­er­klä­rung an; so­lan­ge er die Ge­neh­mi­gungs­er­klä­rung nicht in den Ver­kehr ge­bracht hat, muss er neu ge­won­ne­ne Kennt­nis­se über Män­gel der Kauf­sa­che ge­gen sich gel­ten las­sen.

BGH, Ur­teil vom 06.05.2022 – V ZR 282/20

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