Auf Dar­le­hens­zin­sen, die der Ver­käu­fer dem Käu­fer bei der Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags nach § 280 I BGB zu er­set­zen hat, sind ge­zahl­te Pro­zess­zin­sen an­zu­rech­nen, wenn sie den glei­chen Zeit­raum be­tref­fen.

BGH, Ur­teil vom 02.07.2021 – V ZR 95/20

Sach­ver­halt: Die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann kauf­ten im März 2007 von der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten für 128.519 € ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung. Zur Fi­nan­zie­rung des Kauf­prei­ses schlos­sen sie mit ei­ner Bank ei­nen Dar­le­hens­ver­trag über 141.300 € mit ei­ner Zins­fest­schrei­bung bis zum 31.03.2017. Mit Ur­teil vom 23.07.2015 wur­de die Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten we­gen ei­ner feh­ler­haf­ten Be­ra­tung der Käu­fer ver­ur­teilt, an die Klä­ge­rin – Zug um Zug ge­gen Rück­über­tra­gung der Ei­gen­tums­woh­nung – 141.300 € nebst Zin­sen in Hö­he von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 21.12.2012 zu zah­len. Fer­ner wur­de fest­ge­stellt, dass die Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten der Klä­ge­rin wei­te­re Ver­mö­gens­schä­den, die im Zu­sam­men­hang mit dem Er­werb der Ei­gen­tums­woh­nung ste­hen, er­set­zen muss.

Im Mai 2017 ver­ein­bar­ten die Klä­ge­rin und ihr Ehe­mann zur Ab­lö­sung des Dar­le­hens mit ei­nem an­de­ren Kre­dit­in­sti­tut ei­ne Zwi­schen­fi­nan­zie­rung; die Aus­zah­lung die­ses zwei­ten Dar­le­hens er­folg­te am 05.05.2017.

Nach­dem das Ur­teil vom 23.07.2015 rechts­kräf­tig ge­wor­den war, er­hielt die Klä­ge­rin von der Be­klag­ten am 22.08.2017 ei­nen Be­trag von 168.753,07 €, der sich aus den für den Er­werb der Ei­gen­tums­woh­nung auf­ge­wen­de­ten Kos­ten (141.300 €) und aus – bis zum 22.08.2017 be­rech­ne­ten – Pro­zess­zin­sen in Hö­he von 27.453,07 € zu­sam­men­setzt.

In dem vor­lie­gen­den Rechts­streit ver­langt die Klä­ge­rin aus ei­ge­nem Recht und aus ab­ge­tre­te­nem Recht ih­res Ehe­manns den Er­satz der auf das ers­te Dar­le­hen ge­zahl­ten Zin­sen so­wie der Kos­ten der Zwi­schen­fi­nan­zie­rung un­ter Ab­zug von Miet­ein­nah­men. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge in Hö­he von 35.924,72 € statt­ge­ge­ben. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt de­ren Ver­ur­tei­lung in Hö­he von 34.191,81 € auf­recht­er­hal­ten und die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit ih­rer da­ge­gen ge­rich­te­ten Re­vi­si­on woll­te die Be­klag­te er­rei­chen, dass die Kla­ge in Hö­he von wei­te­ren 27.453,07 € (Zin­sen des ers­ten Dar­le­hens) nebst an­tei­li­gen Zin­sen ab­ge­wie­sen wird. Das Rechts­mit­tel hat­te in­so­weit Er­folg, als das Be­ru­fungs­ur­teil un­ter Zu­rück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Re­vi­si­on im Kos­ten­punkt und in­so­weit auf­ge­ho­ben wur­de, als die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen ih­re Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung ei­nes 8.509,13 € nebst Zin­sen über­stei­gen­den Be­trags zu­rück­ge­wie­sen wor­den ist. Im Um­fang der Auf­he­bung wur­de die Sa­che an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­ver­wie­sen.

Aus den Grün­den: [3]    I. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist der An­sicht, der Klä­ge­rin ste­he ein An­spruch auf Er­stat­tung der Dar­le­hens­zin­sen, die zur Fi­nan­zie­rung des Kauf­prei­ses für die Ei­gen­tums­woh­nung bis zum Ab­lauf der Zins­bin­dungs­frist am 31.03.2017 auf­ge­wandt wor­den sei­en, zu. Hier­auf sei­en nur die ein­ge­nom­me­nen Mie­ten, nicht aber die mit Ur­teil vom 23.07.2015 zu­ge­spro­che­nen Pro­zess­zin­sen an­zu­rech­nen. Es lie­ge in­so­weit kei­ne un­zu­läs­si­ge Dop­pel­kom­pen­sa­ti­on vor. Die Ver­pflich­tung zur Zah­lung der Pro­zess­zin­sen ei­ner­seits und zur Er­stat­tung der Dar­le­hens­zin­sen an­de­rer­seits be­trä­fen nicht den­sel­ben Scha­den, son­dern dien­ten der Kom­pen­sa­ti­on je­weils un­ter­schied­li­cher Ver­mö­gens­in­ter­es­sen. Bei den Pro­zess­zin­sen han­de­le es sich um ei­nen ty­pi­sier­ten Min­dest­scha­den für die Vor­ent­hal­tung der Haupt­sum­me; auch sol­le das Ver­hal­ten des Schuld­ners sank­tio­niert und die­ser zur als­bal­di­gen Er­fül­lung an­ge­hal­ten wer­den. Mit der Er­stat­tung der Dar­le­hens­zin­sen sol­le hin­ge­gen nicht ein – aus der zeit­wei­li­gen Vor­ent­hal­tung ei­nes Geld­be­trags – ent­gan­ge­ner Nut­zungs­vor­teil, son­dern ein ge­son­der­ter Ver­mö­gens­nach­teil in Form von Zah­lungs­pflich­ten aus dem Dar­le­hens­ver­trag aus­ge­gli­chen wer­den. Die Dar­le­hens­auf­nah­me be­ru­he nicht auf ei­nem Zah­lungs­ver­zug der Be­klag­ten, son­dern sei von Be­ginn an für die Fi­nan­zie­rung des in­fol­ge der Pflicht­ver­let­zung ver­ein­bar­ten Kauf­prei­ses not­wen­dig ge­we­sen.

[4]    II. Die­se Er­wä­gun­gen hal­ten recht­li­cher Über­prü­fung nicht stand. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten hat bis auf ei­nen Be­trag von 8.509,13 € nebst an­tei­li­gen Zin­sen Er­folg.

[5]    1. Rich­tig ist der Aus­gangs­punkt des Be­ru­fungs­ge­richts. Auf­grund des in dem Vor­pro­zess er­gan­ge­nen Ur­teils zwi­schen den Par­tei­en steht rechts­kräf­tig fest, dass die Be­klag­te der Klä­ge­rin ne­ben der Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags auch zum Aus­gleich des wei­te­ren Ver­mö­gens­scha­dens ver­pflich­tet ist, so­weit die­ser im Zu­sam­men­hang mit dem Er­werb der Ei­gen­tums­woh­nung steht. Der auf das ne­ga­ti­ve In­ter­es­se ge­rich­te­te Scha­dens­er­satz­an­spruch der Klä­ge­rin um­fasst grund­sätz­lich auch die Kre­dit­kos­ten, die für ein Fi­nan­zie­rungs­dar­le­hen an­ge­fal­len sind, wel­ches – wie hier – von dem Käu­fer aus­schließ­lich für den Er­werb des Kauf­ge­gen­stands auf­ge­nom­men wur­de (vgl. BGH, Urt. v. 13.01.2004 – XI ZR 355/02, NJW 2004, 1868, 1870; Urt. v. 13.04.2021 – VI ZR 274/20, BeckRS 2021, 8424 Rn. 14 [zu § 826 BGB]; BeckOGK/​Buck-Heeb/​Lang, Stand: 01.3.2021, § 675 BGB Rn. 506).

[6]    2. Die Be­klag­te stellt den der Klä­ge­rin zu­er­kann­ten An­spruch auf Er­satz der Zin­sen für das zur voll­stän­di­gen Fi­nan­zie­rung des rück­ab­ge­wi­ckel­ten Kauf­ver­trags auf­ge­nom­me­ne ers­te Dar­le­hen und der Kos­ten der Zwi­schen­fi­nan­zie­rung nach Grund, Hö­he und vor­ge­nom­me­nen Ab­zü­gen für Miet­ein­nah­men nicht in Ab­re­de. Das Ur­teil des Be­ru­fungs­ge­richts lässt in­so­weit auch Rechts­feh­ler nicht er­ken­nen. Die Be­klag­te möch­te mit der Re­vi­si­on nur er­rei­chen, dass die von ihr ge­zahl­ten Pro­zess­zin­sen in Hö­he von 27.453,07 € auf die Zin­sen aus dem ers­ten Dar­le­hen an­ge­rech­net und die Ver­ur­tei­lung ent­spre­chend re­du­ziert wird.

[7]    3. Die bis zum 05.05.2017 ge­zahl­ten Pro­zess­zin­sen sind ent­ge­gen der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts auf die der Klä­ge­rin zu­ge­spro­che­nen Dar­le­hens­zin­sen im We­ge der Vor­teils­aus­glei­chung an­zu­rech­nen.

[8]    a) Bei der im Aus­gangs­punkt nach der Dif­fe­renz­hy­po­the­se vor­zu­neh­men­den Scha­dens­be­rech­nung kom­men die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze der Scha­dens­zu­rech­nung und der Vor­teils­aus­glei­chung zur An­wen­dung. Da­nach sind Vor­tei­le zu be­rück­sich­ti­gen, die durch das schä­di­gen­de Er­eig­nis ad­äquat kau­sal ver­ur­sacht wur­den und de­ren An­rech­nung dem Sinn und Zweck der Scha­dens­er­satz­pflicht ent­spricht, das heißt den Ge­schä­dig­ten nicht un­zu­mut­bar be­las­ten und den Schä­di­ger nicht un­bil­lig be­güns­ti­gen (st. Rspr., vgl. nur Se­nat, Urt. v. 31.03.2006 – V ZR 51/05, BGHZ 167, 108 Rn. 8 m. w. Nachw.). Es soll ein ge­rech­ter Aus­gleich zwi­schen den bei ei­nem Scha­dens­fall wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen her­bei­ge­führt wer­den (BGH, Urt. v. 14.09.2004 – VI ZR 97/04, NJW 2004, 3557).

[9]    b) Dar­aus folgt nach der Recht­spre­chung des BGH, dass dem Be­rei­che­rungs­gläu­bi­ger ne­ben dem An­spruch auf Her­aus­ga­be ge­zo­ge­ner Nut­zun­gen nach § 818 I BGB aus ei­nem rechts­grund­los über­las­se­nen Geld­be­trag nicht ku­mu­la­tiv ein An­spruch auf Pro­zess­zin­sen für den über­las­se­nen Geld­be­trag zu­steht. Dem liegt die Über­le­gung zu­grun­de, dass Pro­zess­zin­sen die Funk­ti­on ha­ben, den Nach­teil aus­zu­glei­chen, den der Gläu­bi­ger da­durch er­lei­det, dass er in­fol­ge nicht recht­zei­ti­ger Zah­lung des Schuld­ners dar­an ge­hin­dert ist, ei­nen ihm zu­ste­hen­den Geld­be­trag zu nut­zen. Durch die Zu­er­ken­nung des An­spruchs auf Her­aus­ga­be ge­zo­ge­ner Nut­zun­gen ist die­ser Nach­teil aus­ge­gli­chen. Die zu­sätz­li­che Zu­bil­li­gung von Pro­zess­zin­sen wür­de den Be­rei­che­rungs­gläu­bi­ger oh­ne Grund bes­ser­stel­len, als er bei recht­zei­ti­ger Zah­lung ge­stan­den hät­te (vgl. Se­nat, Urt. v. 12.04.2019 – V ZR 341/17, WM 2019, 2213 Rn. 6; BGH, Urt. v. 12.05.1998 – XI ZR 79/97, NJW 1998, 2529, 2531; Urt. v. 25.04.2017 – XI ZR 573/15, NJW 2017, 2104 Rn. 44; eben­so BAG [Gro­ßer Se­nat], Beschl. v. 07.03.2001 – GS 1/00, BA­GE 97, 150, 161). Aus die­sem Grund kön­nen Pro­zess- und Ver­zugs­zin­sen nicht ne­ben­ein­an­der gel­tend ge­macht wer­den (RG, Urt. v. 04.03.1918 – VI 76/16, RGZ 92, 283, 285; Er­man/​Ha­ger, BGB, 16. Aufl., § 291 Rn. 6), und ein auf Ver­zug ge­stütz­ter Zins­scha­den ge­mäß §§ 280 I und II, 286 BGB ist nicht mit dem An­spruch auf Pro­zess­zin­sen kom­bi­nier­bar, da der Vor­ent­hal­tungs­scha­den an­sons­ten dop­pelt ent­schä­digt wer­den wür­de (Be­ni­cke/​Gre­be, in: So­er­gel, BGB, 13. Aufl., § 291 Rn. 38). Da­her kommt für ein und den­sel­ben Zeit­raum ent­we­der nur der An­spruch auf Nut­zungs­er­satz oder nur der An­spruch auf Pro­zess­zin­sen – je nach­dem, wel­cher für den Gläu­bi­ger güns­ti­ger ist – zum Tra­gen (vgl. Se­nat, Urt. v. 12.04.2019 – V ZR 341/17, WM 2019, 2213 Rn. 6; Bütt­ner, BB 1970, 233, 236).

[10]    c) Da­nach sind die der Klä­ge­rin bis zum 05.05.2017 ge­zahl­ten Pro­zess­zin­sen auf die ihr er­stat­te­ten Zin­sen für das ers­te Dar­le­hen an­zu­rech­nen.

[11]   aa) Die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags der Klä­ge­rin mit der Rechts­vor­gän­ge­rin der Be­klag­ten er­folgt hier zwar nicht im We­ge des Be­rei­che­rungs­aus­gleichs, son­dern im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes we­gen feh­ler­haf­ter Be­ra­tung ge­mäß § 280 I BGB. Für die scha­dens­er­satz­recht­li­che Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags gel­ten aber kei­ne an­de­ren Grund­sät­ze. Durch den auf Na­tu­ral­re­sti­tu­ti­on ge­rich­te­ten Scha­den­er­satz­an­spruch soll der Zu­stand ge­schaf­fen wer­den, der (hy­po­the­tisch) der Ver­mö­gens­la­ge oh­ne das schä­di­gen­de Er­eig­nis ent­spricht. Die Klä­ge­rin kann ge­mäß § 249 I BGB ver­lan­gen, so ge­stellt zu wer­den, als hät­te sie von dem Ver­trags­schluss ab­ge­se­hen (vgl. Se­nat, Urt. v. 14.03.2003 – V ZR 308/02, NJW 2003, 1811, 1814). Nach dem scha­dens­recht­li­chen Be­rei­che­rungs­ver­bot soll der Ge­schä­dig­te aber nicht bes­ser­ge­stellt wer­den, als er oh­ne das schä­di­gen­de Er­eig­nis stün­de (Se­nat, Urt. v. 04.04.2014 – V ZR 275/12, NJW 2015, 468 Rn. 20, in­so­weit in BGHZ 200, 350 nicht ab­ge­druckt).

[12]   bb) Un­er­heb­lich ist wei­ter, dass der Klä­ge­rin nicht Er­satz von Nut­zun­gen des auf­ge­brach­ten Kauf­prei­ses, son­dern Er­satz der für das zur Fi­nan­zie­rung des Kauf­prei­ses auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen ge­zahl­ten Zin­sen zu­er­kannt wor­den ist. Sie hat den Kauf­preis nicht aus ei­ge­nen Mit­teln be­strit­ten, son­dern voll­stän­dig mit dem auf­ge­nom­me­nen ers­ten Dar­le­hen fi­nan­ziert. Des­halb konn­te sie we­der die ihr als Er­satz für die Dar­le­hens­va­lu­ta noch die als Er­satz für die Dar­le­hens­zin­sen ge­leis­te­ten Zah­lun­gen der Be­klag­ten frei ver­wen­den. Sie muss­te sie viel­mehr zur Er­fül­lung der Dar­le­hens­ver­pflich­tun­gen ein­set­zen, was auch ge­sche­hen ist. Blie­ben die Pro­zess­zin­sen an­rech­nungs­frei, stün­de die Klä­ge­rin so, als hät­te sie ei­ge­ne Mit­tel auf­ge­wen­det, die zu ih­rer frei­en Ver­wen­dung ge­stan­den hät­ten. Da das aber nicht der Fall war, sie viel­mehr, wie aus­ge­führt, aus­schließ­lich frem­de Mit­tel ein­ge­setzt hat, die ihr voll­stän­dig er­setzt wor­den sind, wür­de ihr mit den Pro­zess­zin­sen ein geld­wer­ter Vor­teil (vgl. BGH, Urt. v. 26.04.1979 – VII ZR 188/78, NJW 1979, 1494) zu­ge­wandt, den sie oh­ne das schä­di­gen­de Er­eig­nis nicht hät­te er­lan­gen kön­nen. Sie stün­de bes­ser, als wenn die Be­klag­te ih­re Be­ra­tungs­pflich­ten er­füllt hät­te. Dann näm­lich wä­re es ei­ner­seits we­der zu dem Ab­schluss des Kauf­ver­trags noch zu dem Ab­schluss ei­nes Dar­le­hens­ver­trags zur Fi­nan­zie­rung des Kaufs ge­kom­men, die Klä­ge­rin ver­füg­te an­de­rer­seits aber auch nicht über Mit­tel, die sie vor­her nicht hat­te. Oh­ne de­ren An­rech­nung ver­blie­ben der Klä­ge­rin die Pro­zess­zin­sen, ob­wohl ihr nicht nur die Dar­le­hens­va­lu­ta, son­dern auch die Dar­le­hens­zin­sen voll­stän­dig er­setzt wor­den sind. Sie hät­te aus dem rück­ab­ge­wi­ckel­ten Kauf­ver­trag nicht nur kei­nen Scha­den mehr, son­dern ei­nen Vor­teil er­langt. Die­ses Er­geb­nis ist mit dem Be­rei­che­rungs­ver­bot nicht zu ver­ein­ba­ren.

[13]   d) Es lässt sich nicht mit dem Sinn und Zweck des § 291 BGB recht­fer­ti­gen.

[14]   aa) Zwar soll, wie das Be­ru­fungs­ge­richt im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend er­kennt, durch den An­spruch auf Pro­zess­zin­sen das Ver­hal­ten des Schuld­ners sank­tio­niert wer­den, der sei­nen Gläu­bi­ger zu Un­recht zur Kla­ge­er­he­bung zwingt und da­mit ei­nem Pro­zess­ri­si­ko aus­setzt. Pro­zess­zin­sen stel­len in­so­weit ei­nen ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Ri­si­ko­zu­schlag für den Schuld­ner dar, der es auf den Rechts­streit an­kom­men lässt und in die­sem un­ter­liegt (Er­man/​Ha­ger, a. a. O., § 291 Rn. 1; Münch­Komm-BGB/​Ernst, 8. Aufl., § 291 Rn. 1; Stau­din­ger/​Feld­mann, BGB, Neu­be­arb. 2019, § 291 Rn. 1, Stand: 01.11.2019). Hier­durch soll dem Schuld­ner der An­reiz für ei­ne ver­zö­ger­te Zah­lung ge­nom­men und er zur als­bal­di­gen Er­fül­lung an­ge­hal­ten wer­den (vgl. BGH, Urt. v. 20.05.1985 – VII ZR 266/84, BGHZ 94, 330, 333; Be­ni­cke/​Gre­be, in: So­er­gel, a. a. O., § 291 Rn. 2).

[15]   bb) Die­ser Zweck recht­fer­tigt und er­for­dert aber kei­nen Aus­schluss der Vor­teils­aus­glei­chung.

[16]   (1) Der An­spruch auf Pro­zess­zin­sen soll in ers­ter Li­nie den Nach­teil aus­glei­chen, den der Gläu­bi­ger da­durch er­lei­det, dass er in­fol­ge nicht recht­zei­ti­ger Zah­lung des Schuld­ners dar­an ge­hin­dert ist, ei­nen ihm zu­ste­hen­den Geld­be­trag zu nut­zen (vgl. Se­nat, Urt. v. 12.04.2019 – V ZR 341/17, WM 2019, 2213 Rn. 6; BGH, Urt. v. 12.05.1998 – XI ZR 79/97, NJW 1998, 2529, 2531). Sein Sank­ti­ons­cha­rak­ter be­steht, er­schöpft sich aber auch dar­in, dass der Gläu­bi­ger die Pro­zess­zin­sen auch dann er­hält, wenn sein Scha­den ge­rin­ger ist. Ei­nen dar­über hin­aus­ge­hen­den Straf­cha­rak­ter hat die Norm nicht. Ihr Zweck, den Schuld­ner zu pünkt­li­cher Zah­lung an­zu­hal­ten, könn­te es auch nicht recht­fer­ti­gen, dem Gläu­bi­ger den Scha­den, der ihm durch die vor­ent­hal­te­ne Mög­lich­keit, über sein Geld zu ver­fü­gen, ent­steht, dop­pelt zu er­set­zen.

[17]   (2) Aus dem Ur­teil des Se­nats vom 25.01.2013 (V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825) er­gibt sich ent­ge­gen der An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts nichts an­de­res.

[18]   (a) Der Se­nat hat zwar in der der Ent­schei­dung zu­grun­de lie­gen­den Fall­ge­stal­tung Pro­zess­zin­sen trotz ei­ner mög­li­cher­wei­se ent­ste­hen­den Über­kom­pen­sa­ti­on zu­er­kannt. Grund da­für war aber nicht, dass ei­ne An­rech­nung von Pro­zess­zin­sen ge­ne­rell nicht in Be­tracht kä­me, son­dern, dass sie im kon­kre­ten Fall nicht mög­lich war. Die dor­ti­gen Klä­ger hat­ten die Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags im We­ge des gro­ßen Scha­dens­er­sat­zes nach § 463 BGB aF ver­langt. Die Er­mitt­lung die­ses Scha­dens er­folgt grund­sätz­lich nach der Dif­fe­renz­me­tho­de durch ei­nen rech­ne­ri­schen Ver­gleich zwi­schen dem im Zeit­punkt der Scha­dens­be­rech­nung vor­han­de­nen Ver­mö­gen des Ge­schä­dig­ten und dem Ver­mö­gen, das er bei ord­nungs­ge­mä­ßer Er­fül­lung des Ver­trags ge­habt hät­te. Bei der Dif­fe­renz­be­rech­nung kom­men die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze der Scha­dens­zu­rech­nung und der Vor­teils­aus­glei­chung zur An­wen­dung. So­weit die Nicht­er­fül­lung des Ver­trags zu ad­äquat kau­sa­len Vor­tei­len für den Ge­schä­dig­ten ge­führt hat und de­ren An­rech­nung dem Sinn und Zweck der Scha­dens­er­satz­pflicht ent­spricht, das heißt den Ge­schä­dig­ten nicht un­zu­mut­bar be­las­tet und den Schä­di­ger nicht un­bil­lig be­güns­tigt, sind die Vor­tei­le bei dem Ver­mö­gens­ver­gleich zu be­rück­sich­ti­gen (Se­nat, Urt. v. 31.03.2006 – V ZR 51/05, BGHZ 167, 108 Rn. 8). Es ent­steht aber, nicht an­ders als bei der Rück­ab­wick­lung ei­nes Ver­trags im We­ge des Be­rei­che­rungs­aus­gleichs (da­zu Se­nat, Urt. v. 25.01.2013 – V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 13), nur ein ein­heit­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch, der nach § 291 BGB zu ver­zin­sen ist (Se­nat, Urt. v. 27.09.2013 – V ZR 52/12, ZfIR 2014, 51 Rn. 28).

[19]   (b) Rich­tig ist al­ler­dings, dass sich bei der Rück­ab­wick­lung im We­ge des gro­ßen Scha­dens­er­sat­zes die zeit­wei­li­ge Über­las­sung des Kauf­prei­ses als Ge­gen­leis­tung für die zeit­wei­li­ge Nut­zung des Grund­stücks dar­stellt und die Zu­er­ken­nung von Pro­zess­zin­sen un­ter wirt­schaft­li­chen Ge­sichts­punk­ten da­zu füh­ren kann, dass der Klä­ger für die Dau­er des Rechts­streits so­wohl die Nut­zun­gen der Grund­stü­cke be­hal­ten darf als auch in Ge­stalt von Pro­zess­zin­sen Er­trä­ge aus dem Kauf­preis er­hält, der die we­sent­li­che Be­rech­nungs­grund­la­ge des gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs bil­det (Se­nat, Urt. v. 25.01.2013 – V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 18). Ein sol­cher Vor­teil lässt sich aber bei der Scha­dens­be­rech­nung im We­ge des gro­ßen Scha­dens­er­sat­zes nicht ver­mei­den. Die Pro­zess­zin­sen sind kei­ne sal­die­rungs­fä­hi­ge Po­si­ti­on. Sie sind viel­mehr auf den Sal­do ge­schul­det, der sich bei der Sal­die­rung er­gibt. Sie las­sen sich kei­ner hier­bei be­rück­sich­tig­ten Po­si­ti­on zu­ord­nen. Da­her ver­wirk­licht sich in ei­ner sol­chen Fall­kon­stel­la­ti­on das mit § 291 BGB für den Schuld­ner ver­bun­de­ne Ri­si­ko ei­nes ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Zu­schlags auf die Kla­ge­for­de­rung (vgl. Se­nat, Urt. v. 25.01.2013 – V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 19).

[20]   e) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin steht der An­rech­nung der rechts­kräf­tig zu­ge­spro­che­nen Pro­zess­zin­sen nach den Grund­sät­zen der Vor­teils­aus­glei­chung im kon­kre­ten Fall auch nicht die Rechts­kraft des Ur­teils vom 23.07.2015 ent­ge­gen. Die Rechts­kraft ei­nes Ur­teils, in dem die Scha­dens­er­satz­pflicht ei­ner Par­tei fest­ge­stellt wor­den ist, führt da­zu, dass Ein­wen­dun­gen, die sich auf Tat­sa­chen stüt­zen, wel­che schon im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­le­gen ha­ben, nicht mehr be­rück­sich­tigt wer­den dür­fen, so­weit sie das Be­ste­hen des fest­ge­stell­ten An­spruchs be­tref­fen. Das gilt aber nur, so­weit es um die grund­sätz­li­che Ver­pflich­tung des Schuld­ners zum Er­satz des Scha­dens geht; die Fra­ge, ob und in wel­cher Hö­he ein Scha­den ein­ge­tre­ten ist, wird von der Rechts­kraft ei­nes vor­aus­ge­gan­ge­nen Fest­stel­lungs­ur­teils nicht er­fasst (Se­nat, Urt. v. 04.04.2014 – V ZR 275/12, BGHZ 200, 350 = NJW 2015, 468 Rn. 27; BGH, Urt. v. 28.06.2005 – VI ZR 108/04, NJW-RR 2005, 1517, 1518). Sie ist – wie hier – in dem Fol­ge­pro­zess zu klä­ren. Bei der hier maß­geb­li­chen Fra­ge der Vor­teil­s­an­rech­nung ist bei wer­ten­der Be­trach­tung die Hö­he des zu er­set­zen­den Scha­dens zu be­stim­men; dies be­trifft den haf­tungs­aus­fül­len­den Tat­be­stand der in dem Vor­pro­zess fest­ge­stell­ten Haf­tung dem Grun­de nach. Die Zu­er­ken­nung der Pro­zess­zin­sen auf den zu zah­len­den Be­trag im Ur­teil vom 23.07.2015 sagt da­her nichts dar­über aus, ob die­se auf ei­nen wei­te­ren Scha­den, der von der Be­klag­ten nach dem Fest­stel­lungs­aus­spruch zu tra­gen ist, an­zu­rech­nen sind.

[21]   f) Die von der Be­klag­ten ent­rich­te­ten Pro­zess­zin­sen sind al­ler­dings, an­ders als die Re­vi­si­on meint, nicht in vol­lem Um­fang auf die für das Erst­dar­le­hen ent­stan­de­nen Kre­dit­kos­ten an­zu­rech­nen.

[22]   aa) Im We­ge der Vor­teils­aus­glei­chung sind auf ein­zel­ne Scha­dens­po­si­tio­nen nur sol­che Vor­tei­le an­re­chen­bar, die mit ei­nem be­stimm­ten Nach­teil kor­re­spon­die­ren; der ein­zel­ne Scha­den­pos­ten muss mit dem Vor­teil in dem Sin­ne kon­gru­ent sein, dass bei­de bei wer­ten­der Be­trach­tung gleich­sam zu ei­ner Rech­nungs­ein­heit ver­bun­den sind (vgl. zum Gan­zen Se­nat, Urt. v. 06.06.1997 – V ZR 115/96, BGHZ 136, 52, 54; Se­nat, Urt. v. 04.04.2014 – V ZR 275/12, NJW 2015, 468 Rn. 20, in­so­weit in BGHZ 200, 350 nicht ab­ge­druckt; je­weils m. w. Nachw.). Auf Dar­le­hens­zin­sen, die der Ver­käu­fer dem Käu­fer bei der Rück­ab­wick­lung ei­nes Kauf­ver­trags nach § 280 I BGB zu er­set­zen hat, sind ge­zahl­te Pro­zess­zin­sen dann an­zu­rech­nen, wenn sie den glei­chen Zeit­raum be­tref­fen.

[23]   bb) Dar­aus folgt, dass ei­ne An­rech­nung der mit Ur­teil vom 23.05.2015 zu­ge­spro­che­nen Pro­zess­zin­sen auf die als Scha­den gel­tend ge­mach­ten Dar­le­hens­zin­sen nicht in vol­lem Um­fang in Be­tracht kommt.

[24]   (1) Ei­ne Kon­gru­enz zwi­schen den von der Klä­ge­rin und ih­rem Ehe­mann er­stat­te­ten Dar­le­hens­zin­sen und den zu­ge­spro­che­nen Pro­zess­zin­sen be­steht nur für den Zeit­raum vom 21.12.2012 bis zum 04.05.2017. Dem­ge­gen­über kommt die An­rech­nung der Pro­zess­zin­sen auf Dar­le­hens­zin­sen, die bis zum 20.12.2012 von der Klä­ge­rin und ih­rem Ehe­mann ent­rich­tet wor­den sind, nicht in Be­tracht, da Pro­zess­zin­sen erst ab dem 21.12.2012 zu­ge­spro­chen wur­den und es in­so­weit an der er­for­der­li­chen Kon­gru­enz fehlt. Dies gilt auch für die ab dem 05.05.2017 zu­ge­spro­che­nen Pro­zess­zin­sen, die sich nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts auf 1.770,39 € be­lau­fen. Ab die­sem Zeit­punkt wur­den von der Klä­ge­rin und ih­rem Ehe­mann – be­dingt durch die Zwi­schen­fi­nan­zie­rung – kei­ne Zin­sen mehr auf das ers­te Dar­le­hen aus dem Jahr 2007 ge­zahlt. Die Er­satz­fä­hig­keit der Kos­ten der Zwi­schen­fi­nan­zie­rung ist auf­grund der be­schränkt ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on nicht Ge­gen­stand des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens.

[25]   (2) Al­ler­dings ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass das Be­ru­fungs­ge­richt bei den als Scha­den gel­tend ge­mach­ten Kos­ten der Zwi­schen­fi­nan­zie­rung ei­ne An­rech­nung der Pro­zess­zin­sen in Hö­he von 1.770,39 € vor­ge­nom­men hat. Die­ser Be­trag ist von dem Ge­samt­be­trag der Pro­zess­zin­sen in Hö­he von 27.453,07 €, de­ren An­rech­nung die Klä­ge­rin auf die auf das Dar­le­hen aus dem Jahr 2007 ge­zahl­ten Zin­sen mit der Re­vi­si­on ver­langt, in Ab­zug zu brin­gen.

[26]   III. Das Be­ru­fungs­ur­teil kann da­her bis auf ei­nen Be­trag von 8.509,13 € kei­nen Be­stand ha­ben. Die­ser Be­trag er­rech­net sich aus zwei Teil­be­trä­gen, näm­lich ei­nem Teil­be­trag von 6.738,74 €, der sich aus der Dif­fe­renz des der Klä­ge­rin von dem Be­ru­fungs­ge­richt zu­ge­spro­che­nen Be­trags von 34.191,81 € und der nur in Hö­he von 27.453,07 € ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on er­gibt, und zum an­de­ren aus dem Be­trag von 1.770,39 €, in des­sen Um­fang das Be­ru­fungs­ge­richt die Pro­zess­zin­sen be­reits mit den Kos­ten der Zwi­schen­fi­nan­zie­rung ver­rech­net hat. In­so­weit ist die Re­vi­si­on un­be­grün­det.

[27]   We­gen des ver­blei­ben­den Be­trags von 25.682,68 € ist das Be­ru­fungs­ur­teil nach §§ 562 I, 563 I ZPO auf­zu­he­ben und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­zu­ver­wei­sen. Dem Se­nat ist in­so­weit man­gels Ent­schei­dungs­rei­fe ei­ne ab­schlie­ßen­de Sach­ent­schei­dung ge­mäß § 563 III ZPO nicht mög­lich. Auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts lässt sich le­dig­lich er­mit­teln, dass in dem Zeit­raum vom 21.12.2012 bis zum 04.05.2017 Pro­zess­zin­sen in Hö­he von 25.682,68 € ge­zahlt wor­den sind. Die Hö­he der in die­sem Zeit­raum von der Klä­ge­rin und ih­rem Ehe­mann ge­zahl­ten Dar­le­hens­zin­sen hat das Be­ru­fungs­ge­richt – von sei­nem Rechts­stand­punkt fol­ge­rich­tig – nicht fest­ge­stellt. Dies wird nach­zu­ho­len sein. Soll­te sich da­bei er­ge­ben, dass die von der Klä­ge­rin und ih­rem Ehe­mann ef­fek­tiv ge­zahl­ten Dar­le­hens­zin­sen hin­ter den im glei­chen Zeit­raum an­ge­fal­le­nen Pro­zess­zin­sen zu­rück­blei­ben, kommt in dem Um­fang der Dif­fe­renz ei­ne An­rech­nung nicht in Be­tracht.

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