Ein Käu­fer, der ei­nen Man­gel be­sei­ti­gen lässt, oh­ne dass er dem Ver­käu­fer Ge­le­gen­heit zur Man­gel­be­sei­ti­gung ge­ge­ben oder ihn zu­min­dest ver­stän­digt hat, hat we­der An­spruch auf Er­satz der Re­pa­ra­tur­kos­ten noch An­spruch auf Er­stat­tung der vom Ver­käu­fer er­spar­ten Auf­wen­dun­gen.

AG Straus­berg, Ur­teil vom 14.12.2011 – 23 C 160/11

Sach­ver­halt: Der Klä­ger ver­langt von dem Be­klag­ten Scha­dens­er­satz für ei­ne Re­pa­ra­tur, die an ei­nem von dem Be­klag­ten er­wor­be­nen Pkw vor­ge­nom­men wur­de.

Am 18.02.2011 schloss der Klä­ger mit dem Be­klag­ten, der ei­nen Ge­braucht­wa­gen­han­del be­treibt, ei­nen Kauf­ver­trag über ei­nen Mer­ce­des-Benz C 280 T. Laut Vor­be­sit­zer wies das Fahr­zeug bei sei­ner Erst­zu­las­sung im Ok­to­ber 2001 ei­nen Ki­lo­me­ter­stand von 99.569 auf. Den Kauf­preis in Hö­he von 9.200 € zahl­te der Klä­ger nach ei­ner 15-mi­nü­ti­gen Pro­be­fahrt bar.

Er brach­te das Fahr­zeug bei ei­nem Ki­lo­me­ter­stand von 100.052 am 21.03.2011 zu ei­ner Mer­ce­des-Benz-Werk­statt, wo es ent­spre­chend der Rech­nung der F-GmbH vom 22.03.2011 re­pa­riert wur­de.

Mit Schrei­ben vom 27.04.2011 for­der­te der Klä­ger den Be­klag­ten ver­geb­lich zur Zah­lung der Re­pa­ra­tur­kos­ten von 811,82 € auf.

Er be­haup­tet, er ha­be star­ken Ben­zin­ge­ruch in dem Pkw wahr­ge­nom­men, und es sei ein enor­mer Kraft­stoff­ver­brauch von ca. 20 Li­tern auf 100 Ki­lo­me­ter zu ver­zeich­nen ge­we­sen. Er ha­be Angst be­kom­men, dass der Pkw ab­bren­ne. Wie sich her­aus­ge­stellt ha­be, war – was un­strei­tig ist – die Ein­spritz­an­la­ge am Mo­tor des Pkw ver­schmutzt. Die­se ha­be, so be­haup­tet der Klä­ger, nicht mehr ge­ar­bei­tet.

Die Kla­ge hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Dem Klä­ger steht ge­gen den Be­kla­gen kein An­spruch aus §§ 280 I, 281 BGB i. V. mit §§ 437 Nr. 3, 440 BGB auf Scha­dens­er­satz we­gen ei­nes Man­gels an dem ge­brauch­ten Pkw … zu.

Da­hin­ge­stellt kann blei­ben, ob ei­ne ver­schmutz­te Ein­spritz­an­la­ge bei ei­nem Pkw mit ei­ner Erst­zu­las­sung von 2001 und ei­ner Lauf­leis­tung an die 100.000 km über­haupt ei­nen Sach­man­gel i. S. von § 434 I BGB dar­stellt. Denn es han­delt sich bei der Vor­nah­me der Re­pa­ra­tur an dem vor­ge­nann­ten Pkw um ei­ne ei­gen­mäch­ti­ge Er­satz­vor­nah­me des Klä­gers, die die­ser un­ge­ach­tet der Nach­bes­se­rungs­rech­te des Be­klag­ten … vor­ge­nom­men hat. Erst wenn der Käu­fer er­folg­los ei­ne an­ge­mes­se­ne Frist zur Nach­er­fül­lung ge­setzt hat, kann er min­dern. Das gilt grund­sätz­lich auch für den An­spruch auf Scha­dens­er­satz statt der Leis­tung we­gen §§ 280 I, III, 281 BGB (vgl. BGH, Urt. v. 23.02.2005 – VI­II ZR 100/04, NJW 2005, 1348; Urt. v. 21.12.2005 – VI­II ZR 49/05, NJW 2006, 1195). Die Selbst­be­sei­ti­gung des Man­gels durch den Käu­fer, oh­ne dass ei­ne Nach­er­fül­lung ver­langt wird, führt grund­sätz­lich zum Ver­lust ei­nes An­spruchs aus § 437 BGB, denn die Nach­er­fül­lung wird dann un­mög­lich i. S. von § 275 I BGB (vgl. Pa­landt/Wei­den­kaff, BGB, 70. Aufl., § 437 Rn. 4a). Dem Ver­käu­fer wird da­durch sein An­die­nungs­recht ge­nom­men (vgl. BGH, Urt. v. 23.02.2005 – VI­II ZR 100/04, NJW 2005, 1348; Urt. v. 07.12.2005 – VI­II ZR 126/05, NJW 2006, 988). So liegt der Fall hier.

Dem Klä­ger war es zu­mut­bar und mög­lich, selbst wenn man von ei­nem star­ken Ben­zin­ge­ruch und ei­nem enor­men Sprit­ver­brauch aus­geht, den Pkw zu­nächst dem Be­klag­ten vor­zu­stel­len. Je­den­falls aber bei Vor­stel­lung in ei­ner Fach­werk­statt, vor der Re­pa­ra­tur, war es dem Klä­ger zu­mut­bar, den Be­klag­ten zu ver­stän­di­gen, um ihm die Mög­lich­keit zu ge­ben, die Re­pa­ra­tur dort oder wo­an­ders vor­neh­men zu las­sen oder Ein­wen­dun­gen hier­ge­gen zu er­he­ben.

Da­hin­ge­stellt kann in­so­weit auch blei­ben, dass die Re­pa­ra­tur­rech­nung des Au­to­hau­ses F-GmbH vom 22.03.2011 je­den­falls nicht al­lei­ne die Be­sei­ti­gung ei­ner Ver­schmut­zung der Ein­spritz­an­la­ge zum Ge­gen­stand ha­ben mag … Al­lei­ne die Po­si­ti­on der „Dros­sel­klap­pen­rei­ni­gung“ mit ei­nem Be­trag in Hö­he von 15,60 € net­to be­zieht sich nach­voll­zieh­bar auf ei­ne Rei­ni­gung im Mo­tor­be­reich.

2. Der Klä­ger hat ge­gen den Be­klag­ten auch kei­nen An­spruch auf Er­stat­tung der vom Be­klag­ten er­spar­ten Auf­wen­dun­gen aus § 326 II 2, IV BGB. Denn auch in­so­weit war … Vor­aus­set­zung, dass der Klä­ger dem Be­klag­ten die Mög­lich­keit gibt, im Hin­blick auf ei­nen Man­gel Ab­hil­fe zu schaf­fen.

3. Auch ein An­spruch auf Auf­wen­dungs­er­satz aus §§ 683, 677 BGB kann der Klä­ger ge­gen den Be­klag­ten nicht gel­tend ma­chen.

Zwar wä­re ein et­wai­ger ent­ge­gen­ste­hen­der Wil­le des Be­klag­ten dann un­be­acht­lich, wenn die Maß­nah­me und da­mit auch die Auf­wen­dun­gen zur Ab­wen­dung ei­ner dro­hen­den Ge­fahr gel­ten wür­den (arg. § 680 BGB). Je­doch han­delt es sich bei ei­nem star­ken Ben­zin­ge­ruch und ei­nem Sprit­ver­brauch von ca. 20 Li­tern auf 100 Ki­lo­me­ter noch nicht um ei­ne dro­hen­de un­mit­tel­ba­re Ge­fah­ren­ab­wehr. Dies gilt auch dann, wenn der Klä­ger sub­jek­tiv Angst da­vor hat­te, dass der Pkw ab­brennt. Denn zum ei­nen hät­te der Klä­ger bin­nen der 15-mi­nü­ti­gen Pro­be­fahrt, so­fern es sich um ei­nen star­ken Ben­zin­ge­ruch bei ver­schmutz­ter Ein­spritz­an­la­ge han­del­te, dies auch so wahr­neh­men müs­sen. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 30.11.2011 hat er hier­zu je­doch vor­ge­tra­gen, dass er ei­nen sol­chen Ge­ruch nicht wahr­ge­nom­men ha­be bzw. nicht dar­auf ge­ach­tet ha­be. Zum an­de­ren war die Ge­fahr spä­tes­tens dann auch nach sub­jek­ti­ven Maß­stä­ben be­ho­ben, als der Klä­ger den Pkw in ei­ner Werk­statt vor­ge­stellt hat. Hier wa­ren aber die gel­tend ge­mach­ten Auf­wen­dun­gen noch nicht ent­stan­den.

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