1. Weicht der Kraft­stoff­ver­brauch ei­nes ver­kauf­ten Neu­fahr­zeugs um we­ni­ger als 10 % von den Her­stel­ler­an­ga­ben ab, so stellt dies ei­ne nur un­er­heb­li­che Min­de­rung des Fahr­zeug­wer­tes i. S. des § 459 I 2 BGB dar (Fort­füh­rung von BGH, Urt. v. 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55).
  2. Be­zie­hen sich die Her­stel­ler­an­ga­ben auf den Kraft­stoff­ver­brauch des Fahr­zeugs in den Fahr­be­rei­chen „Stadt­zy­klus“, „kon­stan­te Ge­schwin­dig­keit von 90 km/h“ und „kon­stan­te Ge­schwin­dig­keit von 120 km/h“ so­wie auf den „Eu­ro- Mix“ als den Durch­schnitts­wert die­ser drei Fahr­zy­klen, so ist für die Er­heb­lich­keit ei­ner Ab­wei­chung von den Her­stel­ler­an­ga­ben grund­sätz­lich al­lein der Ver­brauch im „Eu­ro-Mix“ maß­geb­lich.

BGH, Ur­teil vom 18.06.1997 – VI­II ZR 52/96

Sach­ver­halt: Auf­grund ei­ner Be­stel­lung vom 07.06.1991 er­warb der Klä­ger bei der Be­klag­ten ei­nen Pkw Mer­ce­des-Benz Typ 600 SE zum Preis von ins­ge­samt 205.732,61 DM. In der Be­triebs­an­lei­tung, die Ge­gen­stand der Ver­trags­ver­hand­lun­gen war, ist der Kraft­stoff­ver­brauch des Fahr­zeugs mit 20,7 l im Stadt­zy­klus, 11,8 l bei 90 km/h, 13,7 l bei 120 km/h und 15,4 l im „Eu­ro-Mix“, je­weils pro 100 km, an­ge­ge­ben.

Mit der Kla­ge ver­langt der Klä­ger die Zu­stim­mung der Be­klag­ten zur Wan­de­lung des Kauf­ver­trags und die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses ab­züg­lich ei­ner Nut­zungs­pau­scha­le von 23.967,15 DM. Er macht gel­tend, der Wa­gen sei man­gel­haft, weil der tat­säch­li­che Kraft­stoff­ver­brauch er­heb­lich über den Her­stel­ler­an­ga­ben lie­ge. Die Be­klag­te be­strei­tet dies.

Das Land­ge­richt hat ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten des TÜV Rhein­land ein­ge­holt. Da­nach er­ga­ben die nach den Vor­ga­ben der Rats­richt­li­nie der EG 80/1268/EWG vor­ge­nom­me­nen Mes­sun­gen ei­nen Kraft­stoff­mehr­ver­brauch des Fahr­zeugs ge­gen­über den Her­stel­ler­an­ga­ben von – je 100 km – 2,0 l (= 9,66 %) im Stadt­zy­klus, 0,3 l (= 2,54 %) bei 90 km/h, 0,7 l (= 5,11 %) bei 120 km/h und 1,0 l (= 6,49 %) im „Eu­ro-Mix“.

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen; das Ober­lan­des­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klä­gers zu­rück­ge­wie­sen. Auch die Re­vi­si­on hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat aus­ge­führt:

Zwar ge­he bei der Fra­ge, wel­cher auf der Grund­la­ge der EG-Richt­li­nie er­mit­tel­te Mehr­ver­brauch nicht mehr un­we­sent­lich sei, die Ten­denz da­hin, die Gren­ze eng zu zie­hen. Ei­ne un­ter 10 % lie­gen­de Ab­wei­chung stel­le aber ei­nen i. S. des § 459 I 2 BGB un­be­acht­li­chen Man­gel dar. Da das ver­kauf­te Fahr­zeug die­sen Grenz­wert in kei­nem der drei Ge­schwin­dig­keits­be­rei­che über­schrei­te, kom­me es nicht dar­auf an, ob für das Aus­maß der Ab­wei­chung der „Eu­ro- Mix“ maß­geb­lich sei, oder ob es aus­rei­che, dass die To­le­ranz­gren­ze in ei­nem der drei Be­rei­che über­schrit­ten wur­de.

II. Da­ge­gen wen­det sich die Re­vi­si­on oh­ne Er­folg.

Die Re­vi­si­on stellt zur Nach­prü­fung, ob der Sach­ver­stän­di­ge, auf des­sen Gut­ach­ten sich das Be­ru­fungs­ge­richt stützt, den Kraft­stoff­mehr­ver­brauch in zu­tref­fen­der Wei­se – näm­lich auf der Grund­la­ge der EG-Richt­li­nie – er­mit­telt ha­be, und weist dar­auf hin, dass der er­ken­nen­de Se­nat in sei­nem Ur­teil vom 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55 – auf den tat­säch­li­chen Kraft­stoff­ver­brauch des ver­kauf­ten Fahr­zeugs ab­ge­stellt ha­be, der nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Be­klag­ten bei 19,47 l/100 km ge­le­gen ha­be. Dem ist aus meh­re­ren Grün­den nicht zu fol­gen.

a) In dem Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 fin­det sich an der von der Re­vi­si­on zi­tier­ten Stel­le (WM 1996, 828 = NJW 1996, 1337 un­ter III, in­so­weit in BGHZ 132, 55, 63 nur teil­wei­se ab­ge­druckt) zwar in der Tat der Aus­druck „tat­säch­li­cher Kraft­stoff­ver­brauch“. Er wird dort aber nicht als Ge­gen­satz zu ei­nem Ver­brauch ver­wen­det, der sich auf der Grund­la­ge der sei­ner­zeit gel­ten­den DIN-Norm 70030 er­gibt, son­dern er­klärt sich aus den im da­ma­li­gen Rechts­streit be­haup­te­ten, aber nicht fest­ge­stell­ten Fahr­zeug­ma­ni­pu­la­tio­nen durch den Käu­fer. Ei­ner an­de­ren Stel­le des ge­nann­ten Ur­teils ist zu ent­neh­men, dass der Sach­ver­stän­di­ge den Kraft­stoff­ver­brauch ge­ra­de nach die­ser DIN- Norm er­mit­telt hat­te (BGH, Urt. v. 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55, 60 [un­ter II 2 a]). Nur von dem sich da­nach er­ge­ben­den Mehr­ver­brauch im Ver­gleich zu den Her­stel­ler­an­ga­ben ist der Se­nat bei sei­ner Be­ur­tei­lung aus­ge­gan­gen.

b) Es mag sein, dass der Käu­fer ei­nes Neu­wa­gens – wie die Re­vi­si­on meint – mehr an An­ga­ben über den tat­säch­li­chen Kraft­stoff­ver­brauch „im nor­ma­len Be­trieb“ als an den nach der EG-Richt­li­nie er­mit­tel­ten „La­bor­wer­ten“ in­ter­es­siert ist. Das be­sagt in­des­sen nichts dar­über, wel­che Be­schaf­fen­heits­merk­ma­le im kon­kre­ten Ver­trag ver­ein­bart wor­den sind. In der Be­triebs­an­lei­tung, an­hand de­rer dem Klä­ger ge­gen­über, sei­nem ei­ge­nen Vor­trag fol­gend, bei den Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen Er­klä­run­gen über den Ben­zin­ver­brauch des Wa­gen ab­ge­ge­ben wor­den sind, heißt es nach den Zah­len­an­ga­ben für die ein­zel­nen Fahr­zy­klen: „Die Kraft­stoff­ver­brauchs­an­ga­ben wur­den nach EG-Richt­li­ni­en er­mit­telt.“ Wa­ren die Er­klä­run­gen des Ver­käu­fers der Be­klag­ten, was un­ter­stellt wer­den kann, als An­ge­bot ei­ner Ver­ein­ba­rung über ei­ne be­stimm­te Ei­gen­schaft des Pkw zu ver­ste­hen (zwei­felnd für der­ar­ti­ge Fäl­le Tiedt­ke, EWiR 1996, 643), so konn­ten sie nur so Ver­trags­in­halt wer­den, wie es ih­rem aus­drück­li­chen Wort­laut ent­spricht, näm­lich als „nach den EG-Richt­li­ni­en er­mit­tel­ter Kraft­stoff­ver­brauch“. Dem Klä­ger als Er­klä­rungs­emp­fän­ger war da­mit je­den­falls er­kenn­bar, dass die Her­stel­ler­an­ga­ben auf ei­ner ver­ob­jek­ti­vie­ren­den Grund­la­ge be­ruh­ten und dass sich der bei in­di­vi­du­el­ler Fahr­wei­se er­ziel­te Kraft­stoff­ver­brauch mit den an­ge­ge­be­nen Wer­ten nicht de­cken muss­te. Selbst wenn der Klä­ger, wie die Re­vi­si­on gel­tend macht, „über die Funk­ti­on der EG-Richt­li­nie nicht auf­ge­klärt“ wor­den ist, kann dies nicht da­zu füh­ren, die der Be­klag­ten zu­zu­rech­nen­den Er­klä­run­gen in ei­nem mit dem er­kenn­bar Ge­woll­ten un­ver­ein­ba­ren Sin­ne aus­zu­le­gen.

c) Aus dem Ge­sag­ten folgt, dass es auf den von der Be­klag­ten ein­ge­räum­ten Kraft­stoff­ver­brauch von 19,47 l/100 km nicht an­kommt. Die Be­klag­te hat zwar an der von Re­vi­si­on be­zeich­ne­ten Ak­ten­stel­le vor­ge­tra­gen, dass sie bei den von ihr vor­ge­nom­me­nen Über­prü­fun­gen ei­nen Ver­brauch von 19,47 l/100 km – ge­meint of­fen­bar als Durch­schnitts­wert der drei Fahr­zy­klen – ge­mes­sen ha­be. Sie hat aber zu­gleich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Mes­sun­gen „nicht nach den Kri­te­ri­en für Eu­ro­mix“ – al­so zum Bei­spiel im Stadt­zy­klus auf ei­nem Fahr­leis­tungs­prüf­stand (vgl. Nr. 3.1.1 des Anh. I der Richt­li­nie 80/1268/EWG i. V. mit Nr. 2.4.1 des Anh. III der Rats­richt­li­nie 70/220/EWG) – er­folgt wa­ren, son­dern auf der „Haus­stre­cke“ des Klä­gers. Über­zeu­gend und in Über­ein­stim­mung mit dem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten führt das Be­ru­fungs­ge­richt aus, dass die tat­säch­li­chen Ver­brauchs­wer­te im üb­li­chen Ver­kehrs­ge­sche­hen von ei­ner Rei­he un­wäg­ba­rer, von Fall zu Fall ver­schie­de­ner Fak­to­ren ab­hän­gen und sich folg­lich nicht auf ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner in Ge­stalt ei­ner tech­ni­schen Norm brin­gen las­sen (vgl. da­zu z. B. auch Rein­king, DAR 1990, 170, 171).

2. Mit dem Be­ru­fungs­ge­richt und ent­ge­gen dem An­griff der Re­vi­si­on ist der er­ken­nen­de Se­nat der An­sicht, dass der rechts­feh­ler­frei fest­ge­stell­te Kraft­stoff­mehr­ver­brauch in kei­nem der drei Fahr­zy­klen und auch nicht im „Eu­ro-Mix“ als dem Durch­schnitts­wert die­ser Fahr­zy­klen die Un­er­heb­lich­keits­gren­ze des § 459 I 2 BGB über­schrei­tet.

In sei­nem Ur­teil vom 14.02.1996 (BGHZ 132, 55, 62 [un­ter II 2 a cc]) hat der Se­nat ei­ne Ab­wei­chung von den Ver­brauchs­an­ga­ben des Her­stel­lers um 13 % im Drit­tel­mix nicht mehr für un­er­heb­lich ge­hal­ten, oh­ne ei­ne Grenz­zie­hung „nach un­ten“ vor­zu­neh­men. Die­se Un­er­heb­lich­keits­gren­ze hält er nun­mehr in Über­ein­stim­mung mit dem Be­ru­fungs­ge­richt – wie auch in der In­stanz­recht­spre­chung und im Schrift­tum ver­schie­dent­lich vor­ge­schla­gen oder doch er­ör­tert (vgl. z. B. OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 12.03.1992 – 13 U 222/91, OLGR 1992, 249; LG Aa­chen, Urt. v. 26.06.1991 – 11 O 203/90, MDR 1992, 231; LG Es­sen, Urt. v. 22.02.1989 – 5 O 256/87, VRS 77, 9; LG Köln, Urt. v. 11.01.1995 – 20 O 212/93, zit. bei Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 6. Aufl., Rn. 417 Fn. 50; Nie­b­ling, WiB 1996, 537; Stau­din­ger/Hon­sell, BGB, 13. Be­arb., § 459 Rn. 93; Pa­landt/Putzo, BGB, 56. Aufl., § 459 Rn. 13) – erst bei ei­ner Ab­wei­chung von 10 % für über­schrit­ten. Ei­ne nied­ri­ge­re Gren­ze wird mit ei­ner Aus­nah­me in kei­ner der im Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 (BGHZ 132, 55, 60 [un­ter II 2 a aa und bb]; vgl. auch Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 417) an­ge­führ­ten Stel­lung­nah­men aus Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur für an­ge­mes­sen ge­hal­ten. Le­dig­lich Rein­king (DAR 1990, 170, 172 f.; eher vor­sich­ti­ger Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 417 a.E.) sieht die Feh­ler­gren­ze schon bei ei­nem Mehr­ver­brauch von 7 % als er­reicht an. Die Fak­to­ren, aus de­ren Ad­di­ti­on da­bei der Grenz­wert ge­bil­det wird, näm­lich die – an­ge­nom­me­ne – Mes­sun­ge­nau­ig­keit von 5 % und ei­ne Fer­ti­gungs­to­le­ranz von 2 %, ent­fer­nen sich in­des­sen vom Maß­stab des § 459 I 2 BGB. Da­nach kommt es auf die Er­heb­lich­keit oder Un­er­heb­lich­keit der Min­de­rung des Wer­tes oder der Taug­lich­keit der ver­kauf­ten Sa­che an. Ei­ne er­heb­li­che Min­de­rung der Ge­brauchs­taug­lich­keit des Fahr­zeugs bleibt in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den au­ßer Be­tracht (vgl. auch BGH, Urt. v. 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55, 62 [un­ter II 2 b], wo die dem­ent­spre­chen­de Auf­fas­sung des dor­ti­gen Be­ru­fungs­ge­richts un­be­an­stan­det ge­las­sen wird), weil die bei ei­nem un­ter 10 % lie­gen­den Kraft­stoff­mehr­ver­brauch ge­gen­über den Her­stel­ler­an­ga­ben ge­ring­fü­gig nied­ri­ge­re „Reich­wei­te“ des Tank­in­halts nicht mehr als ei­ne blo­ße Be­läs­ti­gung des Käu­fers mit sich bringt. Mit der dann als Kri­te­ri­um ver­blei­ben­den Min­de­rung des Fahr­zeug­werts (so auch der Aus­gangs­punkt in BGH, Urt. v. 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55, 60 [un­ter II 2]) ha­ben in­des­sen die von Rein­king (DAR 1990, 170, 172 f.) und von der Re­vi­si­on, die so­gar für ei­ne noch nied­ri­ge­re To­le­ranz­gren­ze von nur 4 % ein­tritt, für ihr Er­geb­nis an­ge­führ­ten Mes­sun­ge­nau­ig­keit und Fer­ti­gungs­to­le­ran­zen we­nig zu tun. Sie mö­gen für die er­reich­ba­re Zu­ver­läs­sig­keit der Her­stel­ler- oder Ver­käu­feran­ga­ben aus­sa­ge­kräf­tig sein, be­sa­gen aber nichts über den Grad der Wert­min­de­rung des Fahr­zeugs. Die nun­mehr vom er­ken­nen­den Se­nat für den Re­gel­fall an­ge­nom­me­ne 10 %-Gren­ze er­scheint ei­ner­seits prak­ti­ka­bel, sie trägt an­de­rer­seits der in Zei­ten stei­gen­der Kraft­stoff­prei­se, er­höh­ten Um­welt­be­wusst­seins (zu bei­den Ge­sichts­punk­ten vgl. be­reits BGH, Urt. v. 14.02.1996 – VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55, 62 [un­ter II 2 a cc]) und des ho­hen tech­ni­schen Stan­dards der heu­ti­gen Au­to­pro­duk­ti­on ver­stärk­ten Be­deu­tung des Kraft­stoff­ver­brauchs Rech­nung, oh­ne all­zu klein­li­chen Ge­währ­leis­tungs­wün­schen der Käu­fer­sei­te Vor­schub zu leis­ten.

Die Gren­ze von 10 % wird bei dem vom Klä­ger er­wor­be­nen Pkw im „Eu­ro-Mix“ (Mehr­ver­brauch von 6,49 %) und auch in den Fahr­zy­klen ei­ner kon­stan­ten Ge­schwin­dig­keit von 90 km/h (+ 2,54 %) und 120 km/h (+ 5,11 %) deut­lich un­ter­schrit­ten. Im Stadt­zy­klus wird der Grenz­wert zwar na­he­zu er­reicht (+ 9,66 %). Dar­auf kommt es aber ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on schon des­halb nicht an, weil ent­schei­dend grund­sätz­lich al­lein die Ab­wei­chung im Durch­schnitts­wert al­ler drei Fahr­zy­klen („Eu­ro-Mix“) sein kann (a. A. LG Es­sen, Urt. v. 22.02.1989 – 5 O 256/87, VRS 77, 9, 10; Rein­king, DAR 1990, 170, 173; auch OLG Mün­chen, Urt. v. 16.12.1986 – 13 U 4562/86, NJW 1987, 3012, 3013, dort al­ler­dings bei Über­schrei­tung der Werks­an­ga­ben in ei­nem der drei Be­rei­che um mehr als 40 %). Da­für spricht be­reits der Wort­laut der Richt­li­nie 80/1268/EWG. Nach Nr. 3.1 des Anh. I ist der Kraft­stoff­ver­brauch „nach den Ver­fah­ren der fol­gen­den Ab­sät­ze zu be­stim­men“, in de­nen so­dann die maß­geb­li­chen drei Fahr­zy­klen auf­ge­führt wer­den.

Das legt das Ver­ständ­nis na­he, dass nur der Durch­schnitt aus der Sum­me al­ler drei Ver­fah­ren („nach den Ver­fah­ren“) den maß­geb­li­chen Wert er­gibt, der in der Be­triebs­an­lei­tung als „Eu­ro-Mix“ auch aus­drück­lich an­ge­ben ist. Vor al­lem aber be­ruht das Ver­fah­ren des „Eu­ro-Mix“ – eben­so wie das­je­ni­ge des Drit­tel­mix auf der Grund­la­ge der DIN-Norm 70030 – er­sicht­lich auf der Er­fah­rung dass ein Fahr­zeug nur sel­ten aus­schließ­lich oder ganz über­wie­gend al­lein in ei­nem der drei Fahr­zy­klen, ein Groß­teil der Wa­gen viel­mehr zu et­wa glei­chen An­tei­len in al­len drei Fahr­zy­klen be­wegt wird. Da­von ist als „ge­wöhn­li­cher Ge­brauch“ i. S. des § 459 I BGB aus­zu­ge­hen. Der „nach dem Ver­tra­ge vor­aus­ge­setz­ter Ver­brauch“ kann ein an­de­rer sein, wenn ver­trag­lich, sei es auch nur kon­klu­dent, ein an­de­rer Ge­brauchs­zweck ver­ein­bart wird. In dem von den Par­tei­en ge­schlos­sen Ver­trag ist da­von kei­ne Re­de. Der Klä­ger hat selbst vor­ge­tra­gen, er be­nutz­te den We­gen „mit et­wa glei­chen Fahr­stre­cken im Stadt­ge­biet, auf Land­stra­ßen und auf Au­to­bah­nen“.

Ob ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung an­ge­zeigt ist, wenn die To­le­ranz­gren­ze auch nur in ei­nem Fahr­zy­klus be­son­ders weit – wie in dem vom OLG Mün­chen (Urt. v. 16.12.1986 – 13 U 4562/86, NJW 1987, 3012) ent­schie­de­nen Fall – über­schrit­ten ist, be­darf kei­ner Ent­schei­dung.

Der Re­vi­si­on kann auch nicht dar­in ge­folgt wer­den, dass das Be­ru­fungs­ur­teil schon des­halb der Auf­he­bung un­ter­lie­ge, weil es nicht die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen zu der im Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 für maß­geb­lich ge­hal­te­nen Wert­min­de­rung des Pkw ge­trof­fen ha­be, die aus der Re­la­ti­on zwi­schen dem durch den Kraft­stoff­mehr­ver­brauch wäh­rend der Ge­samt­fahr­leis­tung des Fahr­zeugs sich er­ge­ben­den Be­trag und dem Kauf­preis fol­ge.

a) Im Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 ist die Wert­min­de­rung zu­nächst al­lein und iso­liert un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Hö­he des Mehr­ver­brauchs er­ör­tert (BGHZ 132, 55, 60 [un­ter II 2 a]) und be­jaht wor­den (BGHZ 132, 55, 62 [un­ter II 2 a cc]). Die sich an­schlie­ßen­de Min­der­wert­be­rech­nung durch Ver­gleich der Kraft­stoff­mehr­kos­ten und des Kauf­prei­ses (BGHZ 132, 55, 62 f. [un­ter II 2 b]) stell­te ei­ne durch die Be­grün­dung des sei­ner­zeit an­ge­grif­fe­nen Be­ru­fungs­ur­teils ver­an­lass­te Zu­satz­er­wä­gung dar, weil das Be­ru­fungs­ge­richt auf das Ver­hält­nis des Kraft­stoff­mehr­ver­brauchs zu den Ge­samt­be­triebs­kos­ten – und nicht zum Fahr­zeug­wert – ab­ge­stellt hat­te.

b) Im Üb­ri­gen be­darf es der von der Re­vi­si­on ver­miss­ten Fest­stel­lun­gen nicht, um ei­ne ver­gleich­ba­re Be­rech­nung wie im Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 durch­zu­füh­ren. Der Sach­ver­stän­di­ge hat er­mit­telt, dass der Pkw im „Eu­ro-Mix“ ge­gen­über der Her­stel­ler­an­ga­be 1 l Ben­zin je 100 km mehr ver­braucht. Nach dem Vor­trag des Klä­gers, auf den die Re­vi­si­on hin­weist und von dem zu sei­nen Guns­ten aus­ge­gan­gen wer­den kann, hat­te der Wa­gen ei­ne Ge­samt­lauf­leis­tung von 300.000 km und be­trug der Kraft­stoff­preis 1,60 DM/l. Die Ge­samt­kos­ten des er­höh­ten Kraft­stoff­ver­brauchs mach­ten mit­hin 3.000 × 1,60 DM = 4.800 DM aus. Das sind in Re­la­ti­on zum An­schaf­fungs­preis des Fahr­zeugs nur 2,3 % (ge­gen­über 4,5 % im Se­nats­ur­teil vom 14.02.1996 ). Woll­te man den von Tiedt­ke in sei­ner An­mer­kung zum Se­nats­ur­teil (EWiR 1996, 643, 644 [un­ter 3.1]) ge­äu­ßer­ten Be­den­ken ge­gen ei­ne vol­le Be­rück­sich­ti­gung der Wert­min­de­rung fol­gen, wür­de sich der ge­nann­te Pro­zent­satz noch ver­rin­gern.

3. Der Re­vi­si­on ver­hilft schließ­lich auch nicht die Rü­ge zum Er­folg, das Be­ru­fungs­ge­richt ha­be den un­ter Be­weis ge­stell­ten erst­in­stanz­li­chen Vor­trag des Klä­gers über­gan­gen, dass der Ver­käu­fer V der Be­klag­ten bei der Er­ör­te­rung des Kraft­stoff­ver­brauchs im Zu­ge der Ver­trags­ver­hand­lun­gen „ver­si­chert (ha­be), der Klä­ger könn­te sich auf die mit­ge­teil­ten Ver­bräu­che bei ei­nem Mer­ce­des ver­las­sen, der Ver­brauch kön­ne al­len­falls 0,5 l je 100 km über die an­ge­ge­be­nen Wer­te hin­aus­ge­hen; mit mehr brau­che er nicht zu rech­nen“.

Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob der Klä­ger die­se – von der Be­klag­ten be­strit­te­ne, vom Land­ge­richt für un­er­heb­lich ge­hal­te­ne und in der Be­ru­fungs­be­grün­dung nicht ein­mal durch ei­ne Be­zug­nah­me wie­der­hol­te – Be­haup­tung über­haupt zum Ge­gen­stand des Be­ru­fungs­rechts­zu­ges ge­macht hat. Eben­so we­nig be­darf der Ent­schei­dung, ob der Wirk­sam­keit der be­haup­te­ten münd­li­chen Er­klä­rung die in der Be­stel­lung vom 07.06.1991 und in den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Be­klag­ten ent­hal­te­ne Schrift­form­klau­sel ent­ge­gen­steht.

Dem Vor­trag des Klä­gers ist schon kei­ne Zu­si­che­rung ei­nes be­stimm­ten Kraft­stoff­ver­brauchs des ver­kauf­ten Neu­fahr­zeugs durch die Be­klag­te zu ent­neh­men. In­so­weit wird an den aus­führ­li­chen Über­le­gun­gen des Se­nats im Ur­teil vom 14.02.1996 (VI­II ZR 65/95, BGHZ 132, 55, 58 ff. [un­ter II 1 b aa–cc]) fest­ge­hal­ten. Der Klä­ger muss­te sich ver­nünf­ti­ger­wei­se sa­gen, dass der Ver­käu­fer der Be­klag­ten über die Be­schaf­fen­heit des Neu­fahr­zeugs, das ur­sprüng­lich erst im Jah­re 1993 aus­ge­lie­fert wer­den soll­te, kei­ne An­ga­ben ma­chen konn­te. Der im Klä­ger­vor­trag ver­wend­te Aus­druck, V ha­be ihm „ver­si­chert“, er kön­ne sich auf die Her­stel­ler­an­ga­ben ver­las­sen, recht­fer­tigt oh­ne nä­he­re Mit­tei­lung des Wort­lauts nicht ei­ne Wer­tung als Zu­si­che­rung. Ge­ra­de wenn der Ver­käu­fer sich als Be­leg für sei­ne An­ga­ben auf ei­nen Her­stel­ler­pro­spekt oder ei­ne Be­triebs­an­lei­tung be­zieht, muss dem Käu­fer klar sein, dass der Ver­käu­fer kei­ne Ga­ran­tie für die Be­schaf­fen­heit ei­nes erst noch zu lie­fern­den kon­kre­ten Fahr­zeugs über­neh­men will. Dem an­geb­li­chen Hin­weis auf den Her­stel­lerna­men („bei ei­nem Mer­ce­des“) hat schon das Land­ge­richt zu Recht nur an­prei­sen­den Cha­rak­ter bei­ge­legt.

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