Zur Zu­rech­nung des Wis­sens, das ein frü­he­rer, in­zwi­schen ver­stor­be­ner Ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH ei­ner KG beim An­kauf ei­nes Fahr­zeu­ges er­langt hat­te, wenn die KG we­gen arg­lis­ti­gen Ver­hal­tens beim Wei­ter­ver­kauf des Fahr­zeugs in An­spruch ge­nom­men wird.

BGH, Ur­teil vom 17.05.1995 – VI­II ZR 70/94

Die­se Ent­schei­dung ist zum „al­ten“ Schuld­recht und vor In­kraft­tre­ten der ZPO-Re­form 2002 er­gan­gen. Sie kann nicht oh­ne Wei­te­res auf das seit dem 01.01.2002 gel­ten­de Recht über­tra­gen wer­den (so ist z. B. an die Stel­le der Wan­de­lung der Rück­tritt vom Kauf­ver­trag ge­tre­ten). Die ge­nann­ten Vor­schrif­ten exis­tie­ren heu­te mög­li­cher­wei­se nicht mehr oder ha­ben ei­nen an­de­ren In­halt.

Sach­ver­halt: Die Be­klag­te, ein in Form ei­ner GmbH & Co. KG be­trie­be­nes Bus- und Rei­se­un­ter­neh­men, ver­kauf­te mit Ver­trag vom 16.10.1989 ei­nen Om­ni­bus zum Preis von 145.000 DM zu­züg­lich 14 % Mehr­wert­steu­er an den Klä­ger. In der Ver­trags­ur­kun­de heißt es un­ter an­de­rem:

„Erst­zu­las­sung 06.02.1989 … Käu­fer ist be­kannt, dass das Fahr­zeug zur­zeit in Stutt­gart ab­ge­stellt ist. Ver­käu­fer haf­tet nicht für Män­gel; Fahr­zeug geht über wie be­sich­tigt …“

Der Bus war 1981 als Son­der­an­fer­ti­gung für ei­nen ara­bi­schen Scheich ge­baut, 1982 nach Sau­di-Ara­bi­en ge­lie­fert und dort zu­min­dest Pro­be ge­fah­ren wor­den. Da dem Be­stel­ler das Fahr­zeug nicht zu­sag­te, kam es nicht wei­ter zum Ein­satz, son­dern wur­de 1987 – nach fünf­jäh­ri­ger Stand­zeit in Sau­di-Ara­bi­en – wie­der zur Her­stel­le­rin H in Stutt­gart ver­bracht. Von die­ser er­warb es die Be­klag­te im Jahr 1988. Am 09.04.1989 er­litt das Fahr­zeug bei ei­nem Un­fall Schä­den an der rech­ten Vor­der­ach­se und am rech­ten Vor­der­rad; der Re­pa­ra­tur­auf­wand be­lief sich nach Kal­ku­la­ti­on der Kas­ko­ver­si­che­rung auf 5.613,62 DM zu­züg­lich Mehr­wert­steu­er.

Mit Schrei­ben vom 12.07.1991 er­klär­te der Klä­ger die An­fech­tung des Kauf­ver­trags we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung und er­hob schließ­lich, nach­dem au­ßer­ge­richt­li­che Ei­ni­gungs­be­mü­hun­gen ge­schei­tert wa­ren, Kla­ge, mit der er im We­ge des Scha­dens­er­sat­zes die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeugs ver­lang­te.

Der Klä­ger hat be­haup­tet, die Be­klag­te ha­be ihm bei Ver­trags­schluss arg­lis­tig vor­ge­spie­gelt, das in Re­de ste­hen­de Fahr­zeug sei am 06.02.1989 erst­zu­ge­las­sen wor­den, und sie ha­be ihm das Bau­jahr so­wie die Un­fall­schä­den arg­lis­tig ver­schwie­gen.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und aus­ge­führt, die Be­klag­te ha­be dem Klä­ger of­fen­ba­rungs­pflich­ti­ge Un­fall­schä­den ver­schwie­gen. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist oh­ne Er­folg ge­blie­ben. Vom Klä­ger im We­ge der un­selbst­stän­di­gen An­schluss­be­ru­fung kla­ge­er­wei­ternd gel­tend ge­mach­te Fi­nan­zie­rungs­kos­ten hat das Be­ru­fungs­ge­richt teil­wei­se zu­er­kannt. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wur­de das Be­ru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sa­che an das Be­ru­fungs­ge­richt zu­rück­ver­wie­sen.

Aus den Grün­den: I. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat of­fen­ge­las­sen, ob dem Klä­ger das Vor­lie­gen der Un­fall­schä­den ver­schwie­gen wor­den ist. Es hat ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Klä­gers aus § 463 Satz 2 BGB aber des­halb be­jaht, weil die­ser arg­lis­tig über das Al­ter des Fahr­zeugs ge­täuscht wor­den sei. Da­zu hat es aus­ge­führt:

Der Man­gel des Om­ni­bus­ses sei in dem von der Par­tei­ver­ein­ba­rung ab­wei­chen­den frü­he­ren Bau­jahr, der Pro­be­fahrt und an­schlie­ßen­den fünf­jäh­ri­gen Stand­zeit in Sau­di-Ara­bi­en zu se­hen, was zwar nicht die Ge­brauchs­taug­lich­keit, wohl aber die Wert­schät­zung der Kauf­sa­che be­ein­träch­ti­ge. Ei­ne un­güns­ti­ge Ei­gen­schafts­ab­wei­chung lie­ge auch dann vor, wenn man die von der Be­klag­ten be­haup­te­ten münd­li­chen An­ga­ben des frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rers S her­an­zie­he, das Fahr­zeug sei meh­re­re Jah­re vor der Erst­zu­las­sung am 06.02.1989 ge­baut wor­den. Selbst dann ha­be der Klä­ger nicht da­von aus­ge­hen müs­sen, ein be­reits acht Jah­re al­tes Fahr­zeug zu er­wer­ben. Die Be­klag­te sei ver­pflich­tet ge­we­sen, den Klä­ger über das Vor­han­den­sein der ge­nann­ten Män­gel auf­zu­klä­ren, de­ren Kennt­nis sie selbst nicht wirk­sam be­strit­ten ha­be. Da­zu ge­nü­ge nicht die pau­scha­le Be­haup­tung, sie ha­be dem Klä­ger sämt­li­che In­for­ma­tio­nen mit­ge­teilt, die sie selbst von der Her­stel­le­rin er­hal­ten ha­be. Auch wenn man wei­ter un­ter­stel­le, der frü­he­re Ge­schäfts­füh­rer S der Be­klag­ten ha­be al­le ihm per­sön­lich be­kann­ten In­for­ma­tio­nen über das Fahr­zeug wei­ter­ge­ge­ben, wä­re die Arg­list der Be­klag­ten nicht aus­ge­schlos­sen. Sie müs­se sich näm­lich das Wis­sen des­je­ni­gen zu­rech­nen las­sen, der für den An­kauf bei der Her­stel­le­rin ver­ant­wort­lich und von die­ser zu­tref­fend über den Om­ni­bus in­for­miert wor­den sei. Die Wis­sens­zu­rech­nung daue­re auch über das Aus­schei­den oder den Tod ei­nes Or­gan­ver­tre­ters hin­aus fort. Zu­dem ha­be die Be­klag­te die Mög­lich­keit ge­habt, In­for­ma­tio­nen über das Fahr­zeug schrift­lich fest­zu­hal­ten. Ha­be die Be­klag­te das ihr zu­zu­rech­nen­de Wis­sen dem Klä­ger nicht mit­ge­teilt, so ha­be sie arg­lis­tig ge­han­delt, da sie bil­li­gend in Kauf ge­nom­men ha­be, dass der Käu­fer den Man­gel nicht ken­ne und bei ent­spre­chen­der Auf­klä­rung den Kauf­ver­trag (so) nicht ge­schlos­sen hät­te. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten, der Klä­ger sei so sehr an dem Er­werb des Fahr­zeugs in­ter­es­siert ge­we­sen, dass er es auch in Kennt­nis des tat­säch­li­chen Al­ters er­wor­ben hät­te, schlie­ße we­der das Be­ste­hen der Auf­klä­rungs­pflicht noch die Arg­list aus, weil der Klä­ger nur zur Zah­lung ei­nes ge­rin­ge­ren Kauf­prei­ses be­reit ge­we­sen wä­re. Der Klä­ger kön­ne ne­ben der Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses auch die­je­ni­gen Auf­wen­dun­gen er­stat­tet ver­lan­gen, die er zu des­sen Fi­nan­zie­rung ha­be tä­ti­gen müs­sen. Für die – un­strei­tig – von ihm mit dem Om­ni­bus zu­rück­ge­leg­ten 6.000 km müs­se er sich 9.000 DM im We­ge der Vor­teils­aus­glei­chung an­rech­nen las­sen.

II. Die­se Aus­füh­run­gen hal­ten der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung nicht in al­len Punk­ten stand.

1. Als recht­li­che Grund­la­ge für das Kla­ge­be­geh­ren kom­men § 463 BGB und Ver­schul­den bei Ver­trags­schluss in Be­tracht.

Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob in der er­heb­li­chen Ab­wei­chung des tat­säch­li­chen Al­ters vom ver­trag­lich zu­grun­de ge­leg­ten auch oh­ne Ein­schrän­kung der Ge­brauchs­taug­lich­keit ein – hier even­tu­ell ver­schwie­ge­ner – Feh­ler i. S. des § 459 I BGB zu se­hen ist (ab­leh­nend: BGH, Urt. v. 09.10.1980 – VII ZR 332/79, BGHZ 78, 216 [218]; Urt. v. 26.10.1978 – VII ZR 202/76, NJW 1979, 160 [un­ter I 2 a]; be­ja­hend: So­er­gel/Hu­ber, BGB, 12. Aufl., § 459 Rn. 305; MünchKomm-BGB/H. P. Wes­ter­mann, 2. Aufl., § 459 Rn. 37; Rein­king/Eg­gert, Der Au­to­kauf, 5. Aufl., Rn. 1597 f.). Je­den­falls han­delt es sich beim Bau­jahr um ei­ne zu­si­che­rungs­fä­hi­ge Ei­gen­schaft i. S. des § 459 II BGB (vgl. BGH, Urt. v. 09.10.1980 – VII ZR 332/79, BGHZ 78, 216 [218]; Urt. v. 26.10.1978 – VII ZR 202/76, NJW 1979, 160 [un­ter I 2 a], Rein­king/Eg­gert, a. a. O. Rn. 1597, 1893), von der die Wert­schät­zung ei­nes Kraft­fahr­zeugs we­sent­lich ab­hängt. Die Arg­lis­t­haf­tung des § 463 Satz 2 BGB, auf die der Klä­ger sei­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che stützt, greift auch ein, wenn der Ver­käu­fer das Vor­han­den­sein ei­ner tat­säch­lich nicht vor­han­de­nen Ei­gen­schaft, oh­ne die­se zu­zu­si­chern, in arg­lis­ti­ger Ab­sicht vor­spie­gelt (vgl. Se­nat, Urt. v. 25.03.1992 – VI­II ZR 74/91, NJW-RR 1992, 1076 [un­ter III 2 a] m. w. Nachw.; BGH, Urt. v. 29.01.1993 – V ZR 227/91, WM 1993, 1099 [un­ter An­schluss­re­vi­si­on I 2]). Da­ne­ben kann der Käu­fer bei vor­sätz­lich fal­schen An­ga­ben des Ver­käu­fers Er­satz des Ver­trau­ens­scha­dens we­gen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss ver­lan­gen (vgl. BGH, Urt. v. 03.07.1992 – V ZR 97/91, WM 1992, 1997 [un­ter II 3]; Urt. v. 14.10.1994 – V ZR 196/93, WM 1995, 263 [un­ter II 1]). Der Vor­rang der Ge­währ­leis­tungs­vor­schrif­ten be­steht nur ge­gen­über An­sprü­chen aus fahr­läs­si­gem Ver­hand­lungs­ver­schul­den (vgl. Se­nat, Urt. v. 16.01.1991 – VI­II ZR 335/89, WM 1991, 589 [un­ter II 3 a aa]). Die Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug um Zug ge­gen Rück­ga­be der Kauf­sa­che und den Er­satz der Fi­nan­zie­rungs­auf­wen­dun­gen kann der Käu­fer, wenn die üb­ri­gen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, so­wohl beim „gro­ßen Scha­dens­er­satz“ im Rah­men des § 463 Satz 2 BGB (vgl. So­er­gel/Hu­ber, a. a. O., § 463 Rn. 49; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 2000, 2004) als auch im Rah­men des Ver­trau­ens­scha­dens bei Ver­hand­lungs­ver­schul­den be­an­spru­chen. Da­nach kann der Käu­fer ver­lan­gen, so ge­stellt zu wer­den, wie wenn es nicht zu dem Kauf ge­kom­men wä­re (vgl. BGH, Urt. v. 03.07.1992 – V ZR 97/91, WM 1992, 1997 [un­ter II 3 a]).

2. Die bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts tra­gen ei­ne Scha­dens­er­satz­ver­pflich­tung der Be­klag­ten we­der aus § 463 Satz 2 BGB noch aus dem Ge­sichts­punkt des Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss.

a) Für die Re­vi­si­ons­in­stanz ist von dem auch vom Be­ru­fungs­ge­richt zu­grun­de ge­leg­ten Vor­trag der Be­klag­ten aus­zu­ge­hen, ihr frü­he­rer Ge­schäfts­füh­rer S ha­be sein ge­sam­tes Wis­sen über die „Vor­ge­schich­te des Om­ni­bus­ses“, näm­lich, dass die­ser meh­re­re Jah­re vor der Erst­zu­las­sung durch die Be­klag­te ge­baut und nach Sau­di-Ara­bi­en ge­bracht wor­den war, an den Klä­ger wei­ter­ge­ge­ben. Ob dem ver­stor­be­nen Ge­schäfts­füh­rer M der Be­klag­ten beim An­kauf des Bus­ses dar­über hin­aus – wie der Klä­ger be­haup­tet hat – wei­te­re Ein­zel­hei­ten über das Fahr­zeug mit­ge­teilt wur­den, ins­be­son­de­re das tat­säch­li­che Bau­jahr, Pro­be­fahrt und fünf­jäh­ri­ge Stand­zeit in Sau­di-Ara­bi­en, kann of­fen­blei­ben. Die­ses zu­sätz­li­che – dem Ge­schäfts­füh­rer S un­be­kann­te& – Wis­sen des M, wor­auf das Be­ru­fungs­ge­richt den Vor­wurf der Arg­list stützt, kann der Be­klag­ten nicht zu­ge­rech­net wer­den.

b) Nicht zu be­an­stan­den ist der Aus­gangs­punkt des Be­ru­fungs­ge­richts, die ein­zel­nen Tat­be­stands­merk­ma­le der Arg­list i. S. des § 463 Satz 2 BGB könn­ten beim Han­deln von Per­so­nen­mehr­hei­ten auf Ver­käu­fer­sei­te aus­ein­an­der­fal­len (vgl. BGH, Urt. v. 08.12.1989 – V ZR 246/87, BGHZ 109, 327 [331]).

aa) Die­se auch vom Be­ru­fungs­ge­richt zi­tier­te Recht­spre­chung be­trifft die Zu­rech­nung des Wis­sens von Or­gan­ver­tre­tern im Ver­hält­nis zur ju­ris­ti­schen Per­son. Letz­te­re muss sich das Wis­sen al­ler ih­rer ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Or­gan­wal­ter zu­rech­nen las­sen, selbst wenn das „wis­sen­de“ Or­gan­mit­glied an dem be­tref­fen­den Rechts­ge­schäft nicht selbst mit­ge­wirkt hat bzw. nichts da­von ge­wusst hat. Auch das Aus­schei­den aus dem Amt oder der Tod des Or­gan­ver­tre­ters steht dem Fort­dau­ern der Wis­sens­zu­rech­nung nicht ent­ge­gen (vgl. BGH, Urt. v. 08.12.1989 – V ZR 246/87, BGHZ 109, 327 [331]; Urt. v. 23.10.1958 – II ZR 127/57, WM 1959, 81 [un­ter II 5] m. w. Nachw.; ab­wei­chend in der Li­te­ra­tur u. a. MünchKomm-BGB/Reu­ter, 3. Aufl., § 28 Rn. 5 f.; Bau­mann, ZGR 1973, 284 [295]; Schil­ken, Wis­sens­zu­rech­nung im Zi­vil­recht, 1983, S. 138 f; Flu­me, BGB AT I/2, § 11 IV [S. 398 ff., 403]).

bb) Die Be­klag­te als Kom­man­dit­ge­sell­schaft ist aber kei­ne ju­ris­ti­sche Per­son. Für sie han­delt in Form der Kom­ple­men­tär-GmbH le­dig­lich ei­ne sol­che (§§ 161 II, 125 HGB). Ob bei or­gan­schaft­li­cher Ver­tre­tung von Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten die Kennt­nis ei­nes Ge­sell­schaf­ters über die die Arg­list be­grün­den­den Um­stän­de aus­reicht (so wohl BGH, Urt. v. 16.02.1961 – III ZR 71/60, BGHZ 34, 293 [297]; Baum­bach/Hopt, HGB, 29. Aufl., § 125 Rn. 4; Gru­ne­wald, Fest­schr. f. Beusch, 1993, S. 301 [318 f.]) oder ob es dem­ge­gen­über auf das Ken­nen und Ken­nen­müs­sen der­je­ni­gen ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaf­ter an­kommt, die am kon­kre­ten Ge­schäft mit­ge­wirkt ha­ben, mit der Fol­ge, dass die Kennt­nis an­de­rer Ver­tre­ter nur un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 166 II BGB be­acht­lich ist (MünchKomm-BGB/Schramm, 3. Aufl., § 166 Rn. 20; So­er­gel/Lep­ti­en, BGB, 12. Aufl., § 166 Rn. 5; Hu­eck, Das Recht der OHG, 4. Aufl., § 19 III bei Fn. 16; Schil­ken, a. a. O., S. 116 ff.), kann da­hin­ste­hen. Die Zu­rech­nung von Wis­sen ei­nes aus­ge­schie­de­nen oder gar ver­stor­be­nen Or­gan­mit­glieds kommt bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten nicht in Be­tracht, da sie in ih­rem Be­stand nicht in dem Ma­ße von den je­weils han­deln­den Ge­sell­schaf­tern un­ab­hän­gig sind wie ju­ris­ti­sche Per­so­nen von ih­ren Or­gan­ver­tre­tern. Trotz ei­ner sehr weit­ge­hen­den Ver­selb­stän­di­gung, wel­che die OHG und KG in die Nä­he der ju­ris­ti­schen Per­son rückt und die An­wen­dung zahl­rei­cher für die­se gel­ten­den Re­geln recht­fer­tigt, sind OHG und KG hin­sicht­lich ih­rer Rechts­per­sön­lich­keit nicht an­ders zu be­han­deln als die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (vgl. Schil­ken, a. a. O., S. 117 f.).

cc) Kei­ner Ent­schei­dung be­darf auch die Fra­ge, ob auf ei­ne GmbH & Co. KG, wie vor­lie­gend die Be­klag­te, be­züg­lich der Wis­sens­zu­rech­nung mög­li­cher­wei­se des­halb die für die ju­ris­ti­sche Per­son gel­ten­den Grund­sät­ze An­wen­dung fin­den könn­ten, weil die Kom­ple­men­tär-GmbH als ver­tre­tungs­be­rech­tig­tes Or­gan ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son ist.

Dies führ­te zu kei­ner Zu­rech­nung des Wis­sens, das der ver­stor­be­ne frü­he­re Ge­schäfts­füh­rer M er­langt, dem han­deln­den Ge­schäfts­füh­rer S aber nicht wei­ter­ge­ge­ben hat. Die Fort­dau­er der Wis­sen­zu­rech­nung über das Aus­schei­den ei­nes Or­gan­ver­tre­ters hin­aus wird we­sent­lich da­von ab­hän­gig ge­macht, ob es sich um ty­pi­scher­wei­se ak­ten­mä­ßig fest­ge­hal­te­nes Wis­sen han­delt (BGH, Urt. v. 08.12.1989 – V ZR 246/87, BGHZ 109, 327 [332]; Boh­rer, DNotZ 1991, 124 [127, 129]). So liegt der Fall hier in­des­sen nicht. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts kann es für ein Bus­un­ter­neh­men nicht als ty­pisch gel­ten, die über den Om­ni­bus er­hal­te­nen In­for­ma­tio­nen, die das Be­ru­fungs­ge­richt als er­heb­lich an­ge­se­hen hat, schrift­lich fest­zu­hal­ten und auf­zu­be­wah­ren. Ob ei­ne sol­che Pflicht ein Kfz-Han­dels­un­ter­neh­men trifft (vgl. da­zu LG Mün­chen I, Urt. v. 27.01.1988 – 31 S 11767/87, ZIP 1988, 924 m. Anm. Rein­king/Kip­pels, ZIP 1988, 882, bzgl. der Wis­sens­zu­sam­men­rech­nung von Re­pa­ra­tur- und Ver­kaufs­ab­tei­lung), braucht nicht ent­schie­den zu wer­den. Die Be­klag­te be­treibt da­ge­gen ein Om­ni­bus­un­ter­neh­men und Rei­se­bü­ro. Alt­fahr­zeu­ge gibt sie nach un­be­strit­te­nem Vor­trag bei Neu­an­schaf­fun­gen dem Her­stel­ler in Zah­lung. So woll­te sie auch im vor­lie­gen­den Fall ver­fah­ren. Das Fahr­zeug be­fand sich, wie der schrift­li­che Kauf­ver­trag er­gibt, wie­der bei der Her­stel­le­rin in Stutt­gart, als die Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit dem Klä­ger zum Ab­schluss ka­men.

Ob hier et­was an­de­res zu gel­ten hät­te, wenn – wie die Be­klag­te selbst be­haup­tet hat – zwi­schen der Be­klag­ten und der Her­stel­ler­fir­ma ein schrift­li­cher Kauf­ver­trag ge­schlos­sen wor­den ist und dar­in An­ga­ben zum Bau­jahr oder ei­ner „Erst­zu­las­sung 1982“ ent­hal­ten wä­ren, be­darf kei­ner Ent­schei­dung. Denn es fehlt bis­her an ent­spre­chen­dem Vor­trag des in­so­weit be­weis­pflich­ti­gen Klä­gers.

Auch das wei­te­re vom Be­ru­fungs­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Ar­gu­ment, der Käu­fer dür­fe nicht schlech­ter ge­stellt wer­den, als wenn er es mit ei­ner ein­zi­gen na­tür­li­chen Per­son zu tun ge­habt hät­te, ver­hilft dem Klä­ger vor­lie­gend nicht zum Er­folg. Das Wis­sen, das der Be­klag­ten zu­ge­rech­net wer­den soll, lag in der Per­son des ver­stor­be­nen Ge­schäfts­füh­rers. Hät­te der Klä­ger mit ei­ner na­tür­li­chen Per­son kon­tra­hiert, wür­de das Wis­sen ei­nes Ver­stor­be­nen sei­nem Rechts­nach­fol­ger auch nicht zu­ge­rech­net.

III. 1. Nach al­le­dem kann das an­ge­foch­te­ne Ur­teil kei­nen Be­stand ha­ben. An ei­ner Ent­schei­dung in der Sa­che selbst ist der Se­nat ge­hin­dert (§ 565 III Nr. 1 ZPO), da wei­ter­hin ei­ne Haf­tung der Be­klag­ten we­gen – vom Be­ru­fungs­ge­richt of­fen­ge­las­se­nen – arg­lis­ti­gen Ver­schwei­gens des Un­fall­scha­dens in Be­tracht kommt, es hier­zu aber noch tat­säch­li­cher Fest­stel­lun­gen be­darf.

2. Soll­te das Be­ru­fungs­ge­richt nach er­neu­ter münd­li­cher Ver­hand­lung ei­ne Scha­dens­er­satz­pflicht der Be­klag­ten wie­der­um be­ja­hen, ist für die im We­ge der Vor­teils­aus­glei­chung an­zu­rech­nen­den, vom Klä­ger ge­zo­ge­nen Nut­zun­gen auf Fol­gen­des hin­zu­wei­sen:

Die zeit­an­tei­li­ge li­nea­re Wert­min­de­rung ist im Ver­gleich zwi­schen tat­säch­li­chem Ge­brauch und vor­aus­sicht­li­cher Ge­samt­nut­zungs­dau­er aus­ge­hend vom Brut­to­kauf­preis im We­ge der Schät­zung (§ 287 ZPO) zu er­mit­teln (vgl. Se­nat, Urt. v. 26.06.1991 – VI­II ZR 198/90, BGHZ 115, 47 [49 ff.]; Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 803, 2008 ff.). Bei Kraft­fahr­zeu­gen wird die Nut­zungs­dau­er re­gel­mä­ßig in Ki­lo­me­tern be­mes­sen. Vor­lie­gend ist die üb­li­cher­wei­se län­ge­re Ge­samt­lauf­leis­tung von Nutz­fahr­zeu­gen – auch Om­ni­bus­sen – im Ver­gleich zu Per­so­nen­kraft­wa­gen zu be­ach­ten (s. auch OLG Saar­brü­cken, Urt. v. 20.09.1989 – 1 U 58/88, NJW-RR 1990, 493). Bei ge­brauch­ten Kraft­fahr­zeu­gen ist der kon­kre­te Alt­wa­gen­preis mit der vor­aus­sicht­li­chen Rest­fahr­leis­tung ins Ver­hält­nis zu set­zen und mit der tat­säch­li­chen Fahr­leis­tung des Käu­fers zu mul­ti­pli­zie­ren (vgl. Rein­king/Eg­gert, a. a. O., Rn. 2015) …

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