Wird ein Fahr­zeug so­wohl ge­werb­lich als auch pri­vat ge­nutzt (du­al use), ist je­den­falls dann, wenn sich die pri­va­te und die ge­werb­li­che Nut­zung in et­wa die Waa­ge hal­ten, für die Ent­schei­dung, ob ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf vor­liegt, ent­schei­dend auf den – ge­ge­be­nen­falls durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den – In­halt des Kauf­ver­trags ab­zu­stel­len. Ent­schei­dend ist letzt­lich, wie der Käu­fer ge­gen­über sei­nem Ver­trags­part­ner auf­tritt und wie die­ser das Auf­tre­ten vor dem Hin­ter­grund der tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten, ins­be­son­de­re der Le­bens- und Be­rufs­si­tua­ti­on des Käu­fers, un­ter An­le­gung ei­nes ob­jek­ti­vier­ten Maß­stabs ver­ste­hen kann.

OLG Cel­le, Ur­teil vom 04.04.2007 – 7 U 193/06

Sach­ver­halt: Die Par­tei­en strei­ten um die Rück­ab­wick­lung ei­nes Pkw-Kauf­ver­trags.

Der Klä­ger ist Rechts­an­walt. Er kauf­te von der Be­klag­ten am 09.12.2003 ei­nen neu­wer­ti­gen Ge­braucht­wa­gen Mer­ce­des-Benz E 500 (Erst­zu­las­sung: 22.05.2002) zu den für Neu­fahr­zeu­ge gel­ten­den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen für 52.000 €. Der Klä­ger be­haup­tet, es sei­en als­bald di­ver­se Män­gel – ins­be­son­de­re in der Elek­tro­nik des Fahr­zeugs – auf­ge­tre­ten. Mit Schrei­ben vom 09.06.2004 ver­lang­te er un­ter Hin­weis auf zwei ver­geb­li­che Werk­statt­be­su­che die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags.

Das Land­ge­richt hat der Kla­ge nach durch­ge­führ­ter Be­weis­auf­nah­me stattgegeben.​Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat­te kei­nen Er­folg.

Aus den Grün­den: II. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist – bis auf ei­ne Kor­rek­tur bei der Hö­he der vom Kauf­preis in Ab­zug zu brin­gen­den Nut­zungs­ent­schä­di­gung so­wie ei­ne Kor­rek­tur des Zins­sat­zes bei den Ver­zugs­zin­sen – nicht be­grün­det. Denn die vom Land­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen recht­fer­ti­gen, von den ge­nann­ten Kor­rek­tu­ren ab­ge­se­hen, ei­ne an­de­re Ent­schei­dung nicht.

1. Zu­tref­fend hat das Land­ge­richt aus­ge­führt, was mit der Be­ru­fung auch nicht mehr an­ge­grif­fen wird, dass die von dem ge­richt­li­chen Sach­ver­stän­di­gen fest­ge­stell­ten Män­gel, ins­be­son­de­re in der Fahr­zeu­ge­lek­tro­nik, tat­säch­lich vor­lie­gen und auch nicht – ent­ge­gen dem ur­sprüng­li­chen Vor­trag der Be­klag­ten – so un­er­heb­lich sind, dass die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags des­halb nicht in Be­tracht kä­me. Auch die üb­ri­gen Vor­aus­set­zun­gen für das Ein­grei­fen der vom Klä­ger be­an­spruch­ten Ge­währ­leis­tungs­rech­te sind nicht mehr im Streit, mit Aus­nah­me des Vor­lie­gens der streit­ge­gen­ständ­li­chen Män­gel be­reits zum Zeit­punkt des Ge­fahr­über­gangs.

2. So­wohl der Ab­schluss des Kauf­ver­trags als auch die Über­ga­be des Fahr­zeugs er­folg­ten am 09.12.2003. Die streit­ge­gen­ständ­li­chen Män­gel sind so­dann nach kur­zer Zeit, je­den­falls in­ner­halb der sich aus § 476 BGB für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf er­ge­ben­den Be­weis­last­um­kehr­frist von sechs Mo­na­ten seit Ge­fahr­über­gang, auf­ge­tre­ten. So ist das Fahr­zeug erst­ma­lig be­reits im April des Fol­ge­jah­res für meh­re­re Ta­ge (vom 19.04. bis zum 23.04.2004) zwecks Män­gel­be­sei­ti­gung in ei­ner Mer­ce­des-Benz-Werk­statt ge­we­sen.

Die Par­tei­en strei­ten al­ler­dings um die Rechts­fra­ge, ob ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf nach § 474 BGB vor­liegt und so­mit § 476 BGB An­wen­dung fin­det, wo­nach ver­mu­tet wird, dass wäh­rend der ers­ten sechs Mo­na­te auf­ge­tre­te­ne Män­gel be­reits bei Ge­fahr­über­gang vor­han­den wa­ren. Dies ist vom Land­ge­richt im Er­geb­nis zu­tref­fend be­jaht wor­den.

a) So­weit es für die Be­ur­tei­lung des Vor­lie­gens ei­nes Ver­brauchs­gü­ter­kaufs ge­mäß § 474 BGB un­ter Be­rück­sich­ti­gung der so­wohl pri­va­ten wie auch be­ruf­li­chen Nut­zung des Fahr­zeugs (sog. du­al use) auf die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se nach Ab­schluss des Kauf­ver­trags an­kä­me, wä­re die Be­weis­wür­di­gung des Land­ge­richts nicht zu be­an­stan­den. So­wohl der Steu­er­be­ra­ter als auch die Ehe­frau so­wie ei­ne Bü­ro­an­ge­stell­te des Klä­gers ha­ben im Ein­zel­nen be­stä­tigt und mit Zah­len be­legt, dass ei­ne ganz über­wie­gend pri­va­te Nut­zung vor­liegt. Ins­be­son­de­re kommt der Aus­sa­ge des Steu­er­be­ra­ters Ge­wicht zu, wo­nach von der Mög­lich­keit, „für das Fi­nanz­amt“ ein Fahr­ten­buch zu füh­ren, um ei­nen er­höh­te be­ruf­li­che Fahr­zeug­nut­zung steu­er­lich gel­tend ma­chen zu kön­nen, ab­ge­se­hen wird und der Klä­ger statt­des­sen le­dig­lich nach § 6 I Nr. 4 EStG 1 % des Lis­ten­prei­ses als Ein­kom­men ver­steu­ert.

Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass die täg­li­chen Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Ar­beits­stät­te als Teil der selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Tä­tig­keit i. S. des § 14 BGB ein­zu­ord­nen wä­ren. Denn dies ist nicht der Fall. Viel­mehr kön­nen, un­ab­hän­gig von der Fra­ge der steu­er­li­chen Be­hand­lung, im zi­vil­recht­li­chen Sin­ne nur sol­che Fahr­ten mit dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Mer­ce­des als Teil der be­ruf­li­chen selbst­stän­di­gen Tä­tig­keit an­ge­se­hen wer­den, die der Durch­füh­rung der an­walt­li­chen Tä­tig­keit die­nen, wie et­wa Wahr­neh­mung von Ge­richts- oder an­de­ren Ge­schäfts­ter­mi­nen.

Aber selbst wenn dies an­ders zu be­ur­tei­len wä­re, kommt auch die Be­klag­te mit ih­rer Rech­nung nur zu ei­nem An­teil be­ruf­li­cher Nut­zung in Hö­he von 55 %. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Um­stands, dass ein Fahr­ten­buch oder ähn­li­ches nicht ge­führt wer­den muss­te und es sich, eben­so wie bei den Ge­gen­rech­nun­gen des Klä­gers, nur um über­schlä­gi­ge Be­rech­nun­gen han­delt, ist da­her bei le­bens­na­her, wer­ten­der Be­trach­tung von ei­nem et­wa hälf­ti­gen Ver­hält­nis be­ruf­li­cher und pri­va­ter Nut­zung aus­zu­ge­hen. Die be­ruf­li­che Nut­zung über­wiegt al­so nicht, son­dern bei­de Nut­zungs­ar­ten hal­ten sich in et­wa die Waa­ge.

b) Zu­dem kommt, wor­auf die Be­klag­te be­reits in ers­ter In­stanz un­ter Hin­weis auf die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat, bei der Ein­ord­nung ent­we­der als ge­werb­li­ches Ge­schäft oder als Ver­brauchs­gü­ter­kauf nicht der spä­te­ren tat­säch­li­chen Nut­zung der Kauf­sa­che, son­dern dem Ge­schäfts­zweck nach dem er­klär­ten Par­tei­wil­len, al­so dem durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den In­halt des Ver­trags die ent­schei­den­de Be­deu­tung zu.

Be­reits die von bei­den Par­tei­en in­so­weit zi­tier­te Ent­schei­dung des BGH (Urt. v. 22.12.2004 – VI­II ZR 91/04, NJW 2005, 1045) weist, auch wenn sie die­se Fra­ge letzt­lich of­fen­lässt, dar­auf hin, dass es nach den Ge­setz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en auf die er­kenn­ba­ren Um­stän­de des be­tref­fen­den Ge­schäfts an­kom­me. Auch wird der Ver­brau­cher­be­griff im eu­ro­päi­schen Ge­mein­schafts­recht un­ter Be­zug ge­nom­men, wo­nach die Ein­ord­nung als Ver­brau­cher aus­schei­de, wenn sich der Leis­tungs­emp­fän­ger als Be­rufs­an­ge­hö­ri­ger aus­ge­be und die an­de­re Par­tei in­so­weit gut­gläu­big sei.

In ei­ner spä­te­ren Ent­schei­dung ei­nes an­de­ren Se­nats hat der BGH dann aus­drück­lich klar­ge­stellt, nach dem Wort­laut der Ver­brau­cher­de­fi­ni­ti­on des § 13 BGB sei die ob­jek­tiv zu be­stim­men­de Zweck­rich­tung des Ver­hal­tens ent­schei­dend. Es kom­me dar­auf an, ob das Ver­hal­ten der Sa­che nach dem pri­va­ten – dann Ver­brau­cher – oder dem ge­werb­lich-be­ruf­li­chen Be­reich – dann Un­ter­neh­mer­tum – zu­zu­ord­nen sei. Wer sich selbst in den un­ter­neh­me­ri­schen Ge­schäfts­ver­kehr be­ge­be und so auf­tre­te, ge­be zu er­ken­nen, dass er sich dem Recht des Un­ter­neh­mers un­ter­wer­fen und die­ses sei­ner­seits auch in An­spruch neh­men wol­le. Dar­an müs­se sich der Be­tref­fen­de auch fest­hal­ten las­sen und kön­ne nicht im Nach­hin­ein auf­grund ab­wei­chen­der Ge­ge­ben­hei­ten ei­nen Ver­brauchs­gü­ter­kauf gel­tend ma­chen (BGH, Urt. v. 24.02.2005 – III ZB 36/04, NJW 2005, 1273).

Dem­entspre­chend muss auch im hier vor­lie­gen­den um­ge­kehr­ten Fall gel­ten, dass dann, wenn je­mand, der tat­säch­lich ein Un­ter­neh­men hat oder ei­ne be­ruf­lich selbst­stän­di­ge Tä­tig­keit aus­übt und den Kauf­ge­gen­stand so­wohl pri­vat wie auch ge­werb­lich oder be­ruf­lich nutzt (du­al use), bei Ver­trags­ab­schluss aber nicht zu er­ken­nen gibt, dass er sich dem Recht des Un­ter­neh­mers un­ter­wer­fen und die­ses sei­ner­seits auch in An­spruch neh­men wol­le, son­dern „als Pri­vat­mann“ auf­tritt, dem­entspre­chend be­han­delt wer­den muss, al­so auch Ver­brau­cher­rech­te nach §§ 474 ff. BGB für sich in An­spruch neh­men kann. Je­den­falls dann, wenn, wie im vor­lie­gen­den Fall dar­ge­legt, die pri­va­te und ge­werb­li­che Nut­zung der Kauf­sa­che sich in et­wa die Waa­ge hal­ten, so­dass ein rechts­miss­bräuch­li­ches Er­schlei­chen von Ver­brau­cher­schutz­vor­schrif­ten nicht in Re­de ste­hen kann, muss dem ge­ge­be­nen­falls durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den In­halt der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung ent­schei­den­de Be­deu­tung bei der Ein­ord­nung als ge­werb­li­ches oder als Ver­brauchs­gü­ter­ge­schäft zu­kom­men. Ent­schei­dend ist al­so letzt­lich, wie der Käu­fer ge­gen­über sei­nem Ver­trags­part­ner auf­tritt und wie die­ses Auf­tre­ten vor dem Hin­ter­grund der tat­säch­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten, ins­be­son­de­re der Le­bens- und Be­rufs­si­tua­ti­on des Käu­fers, vom Ver­käu­fer un­ter An­le­gung ei­nes ob­jek­ti­vier­ten Maß­stabs ver­stan­den wer­den kann.

In­so­weit gilt hier ein groß­zü­gi­ge­rer Maß­stab als nach dem Recht der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft, wo­nach je­der Be­zug zu ei­ner be­ruf­li­chen Tä­tig­keit be­reits die Ver­brau­che­r­ei­gen­schaft auf­hebt (EuGH, NJW 2005, 653; vgl. auch Pa­landt/Hein­richs, BGB, 66. Aufl., § 13 Rn. 3). Das Ge­mein­schafts­recht ge­stat­tet die Aus­deh­nung des Ver­brau­cher­schut­zes nach den Ver­brau­cher­rechts­richt­li­ni­en, die auf dem Prin­zip der Min­dest­har­mo­ni­sie­rung be­ru­hen. Hier­von hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber in § 13 BGB Ge­brauch ge­macht. Da­nach sind nur sol­che Rechts­ge­schäf­te dem Ver­brau­cher­schutz ent­zo­gen, die selbst­stän­di­gen be­ruf­li­chen Zwe­cken die­nen (vgl. Pa­landt/Hein­richs, a. a. O., § 13 Rn. 3; fer­ner aus­führ­lich und m. w. Nachw. Prüt­ting, in: Prüt­ting/We­gen/Wein­reich, BGB, § 13 Rn. 6).

Für den vor­lie­gen­den Fall ist da­nach von ei­nem Ver­brauchs­gü­ter­kauf aus­zu­ge­hen. Zwar kommt die Be­klag­te, in­so­weit fol­ge­rich­tig, zur ge­gen­tei­li­gen Schluss­fol­ge­rung, weil sie be­haup­tet, der Klä­ger ha­be das Fahr­zeug aus­drück­lich als Un­ter­neh­mer, näm­lich für die Rechts­an­walts­so­zie­tät be­stellt. Das Ge­gen­teil er­gibt sich in­des aus dem Ver­trags­for­mu­lar, weil dort bei der Fra­ge nach der „Be­stel­lung in Aus­übung be­ruf­li­cher oder selbst­stän­di­ger Tä­tig­keit“ das Käst­chen „Nein“ an­ge­kreuzt ist und fer­ner im Ru­brum un­ter „Fir­ma/Na­me“ so­wie „Art der Un­ter­neh­mung“ nur der Na­me des Klä­gers oh­ne Be­rufs­zu­satz und oh­ne Hin­weis auf „die Kanz­lei“ auf­ge­führt ist. Zwar ist die wei­ter­hin an­ge­ge­be­ne pos­ta­li­sche An­schrift die­je­ni­ge der Rechts­an­walts­kanz­lei. Dies ist je­doch nur durch Ver­gleich der An­schrif­ten, et­wa an­hand des Ge­schäfts­bo­gens des Klä­gers, er­kenn­bar, so­dass die­se An­ga­be nicht die Be­haup­tung zu tra­gen ver­mag, der Klä­ger ha­be bei Ab­schluss des Kauf­ver­trags er­kenn­bar als ge­werb­li­cher Un­ter­neh­mer ge­han­delt. Schließ­lich ist auch die Rech­nung nicht et­wa auf die „Rechts­an­wäl­te und No­ta­re Dr. N“, son­dern auf „Herrn Dr. N.“, al­so dem äu­ße­ren An­schein nach für ei­ne Pri­vat­per­son aus­ge­stellt.

Es gibt dem­ge­gen­über kei­ner­lei ob­jek­ti­ve An­knüp­fungs­punk­te da­für, dass der Klä­ger hier als Rechts­an­walt auf­ge­tre­ten wä­re und das Fahr­zeug nach sei­ner ei­ge­nen Er­klä­rung oder nach den er­kenn­ba­ren Um­stän­den für ge­werb­li­che Zwe­cke er­wor­ben hät­te. Die Be­klag­te schweigt sich viel­mehr über die nä­he­ren Um­stän­de der Ver­trags­an­bah­nung, über das Auf­tre­ten des Klä­gers bei der Be­stel­lung, sei­ne et­wai­gen An­ga­ben zu sei­ner be­ruf­li­chen Si­tua­ti­on aus, so­dass sie sich an dem In­halt der schrift­li­chen Be­stel­lung des Klä­gers, die von ih­rem ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter D auf­ge­nom­men und aus­ge­füllt wor­den ist und durch de­ren An­nah­me der Kauf­ver­trag letzt­lich zu­stan­de ge­kom­men ist, fest­hal­ten las­sen muss. Zu­dem ist zu be­den­ken, dass es sich in­so­weit nicht nur um ei­ne bei­läu­fi­ge, als blo­ße In­di­ztat­sa­che zu wer­ten­de An­ga­be han­delt, son­dern die Fra­ge nach der Be­stel­lung in Aus­übung ge­werb­li­cher oder be­ruf­li­cher Tä­tig­keit er­sicht­lich auf die dar­an an­knüp­fen­den, hier im Streit ste­hen­den Rechts­fol­gen ab­zielt und da­her ei­ne ganz be­son­ders wich­ti­ge An­ga­be für die Be­klag­te dar­stellt. Bei le­bens­na­her Be­trach­tung ist des­halb da­von aus­zu­ge­hen, dass so­wohl die et­wai­ge Auf­nah­me der Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung im Kopf des Ver­tra­ges als auch die An­kreu­zung oder Nich­tan­kreu­zung der Be­stel­lung in Aus­übung ge­werb­li­cher oder be­ruf­li­cher Tä­tig­keit mit be­son­de­rer Sorg­falt und Ge­nau­ig­keit er­fol­gen. Die An­nah­me, ein Kun­de tre­te an die Be­klag­te her­an und er­klä­re, er sei Rechts­an­walt, als sol­cher be­nö­ti­ge er ein Ge­schäfts­fahr­zeug, er wol­le die­ses für die Rechts­an­walts­so­zie­tät be­stel­len und bit­te um ent­spre­chen­de Rech­nungs­aus­stel­lung auf die Kanz­lei, der Ver­käu­fer der Be­klag­ten aber gleich­wohl we­der die Be­zeich­nung der So­zie­tät, hier al­so „Dr. N – Rechts­an­wäl­te und No­ta­re“ auf­nimmt noch die Be­stel­lung in Aus­übung be­ruf­li­cher Tä­tig­keit zu­tref­fend an­kreuzt, ist vor die­sem Hin­ter­grund kaum nach­voll­zieh­bar.

So­weit die Be­klag­te erst­mals in ih­rer Re­plik im Be­ru­fungs­ver­fah­ren un­ter Be­nen­nung ih­res Ver­käu­fers D als Zeu­gen gel­tend macht, die An­kreu­zung des „Nein“ in dem Be­stell­for­mu­lar be­tref­fend die Fra­ge nach der Be­stel­lung in Aus­übung be­ruf­li­cher oder ge­werb­li­cher Tä­tig­keit sei ver­se­hent­lich er­folgt, hat sie es, wie oben be­reits dar­ge­legt, ver­säumt, ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­trag zu hal­ten. So hat sie nicht vor­ge­tra­gen, wie es im Ein­zel­nen zur An­bah­nung des Ge­schäfts ge­kom­men ist, und in­wie­fern der Klä­ger ent­we­der aus­drück­lich oder aus den Um­stän­den er­sicht­lich als Un­ter­neh­mer bzw. als Be­stel­ler für die Rechts­an­walts­so­zie­tät auf­ge­tre­ten wä­re, und wie die Si­tua­ti­on und die Um­stän­de bei der Aus­fül­lung des For­mu­lars im Ein­zel­nen ge­we­sen sind. Ab­ge­se­hen von der Zu­läs­sig­keits­pro­ble­ma­tik nach § 531 II ZPO kam ei­ne Be­weis­auf­nah­me durch Ver­neh­mung des Zeu­gen D des­halb nicht in Be­tracht, weil sie auf ei­ne pro­zes­su­al nicht zu­läs­si­ge Aus­for­schung des Sach­ver­halts hin­aus­ge­lau­fen wä­re.

Ist so­mit nach den ob­jek­ti­ven Um­stän­den bei Ab­schluss des Ver­tra­ges da­von aus­zu­ge­hen, dass ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf und kein ge­werb­li­ches Ge­schäft vor­lag, ist es un­schäd­lich, dass der Klä­ger in sei­ner Kla­ge­schrift selbst aus­ge­führt hat, er ha­be das Fahr­zeug als Un­ter­neh­mer i. S. des § 14 BGB er­wor­ben. In­so­weit – im Be­ru­fungs­rechts­zug spricht er in die­sem Zu­sam­men­hang selbst von „miss­ver­ständ­lich oder auch fälsch­li­cher­wei­se“ – mag es dem Klä­ger dar­um ge­gan­gen sein, den Ver­zugs­zins­satz von acht Pro­zent­punk­ten über dem ge­setz­li­chen Ba­sis­zins­satz für ge­werb­li­che Ge­schäf­te be­an­spru­chen zu kön­nen. Fer­ner ist es mög­lich, dass er die Trag­wei­te für die zi­vil­recht­li­chen Ge­währ­leis­tungs­vor­schrif­ten nicht im Blick ge­habt hat. Je­den­falls ist der Se­nat an die Selbst­be­zeich­nung als Un­ter­neh­mer nicht ge­bun­den, weil es sich in­so­weit nicht um ein Zu­ge­ständ­nis von Tat­sa­chen, son­dern um ei­ne (sich im Er­geb­nis als un­zu­tref­fend er­wei­sen­de) recht­li­che Wer­tung han­delt.

3. Hin­sicht­lich der Nut­zungs­ent­schä­di­gung ist an den ak­tu­el­len Ki­lo­me­ter­stand von 56.996 an­zu­knüp­fen, den der Klä­ger auf Fra­ge des Se­nats im Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung un­wi­der­spro­chen sei­tens der Be­klag­ten an­ge­ge­ben hat. Hier­von sind 339 km ab­zu­zie­hen, die der in ers­ter In­stanz ein­ge­schal­te­te Sach­ver­stän­di­ge mit dem Wa­gen zu­rück­ge­legt hat. Es er­gibt sich dann ein be­rei­nig­ter Ki­lo­me­ter­stand von 56.657 km, so­dass ab­züg­lich des Ta­chostands bei Über­ga­be des Mer­ce­des ei­ne Lauf­leis­tung von (56.657 km – 7.680 km =) 48.977 km ver­bleibt, für die der Klä­ger ei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung zu leis­ten hat.

Die Par­tei­en sind sich, wor­auf auch das Land­ge­richt zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat, dar­über ei­nig, dass in­so­weit 0,5 % des Kauf­prei­ses je 1.000 ge­fah­re­ne Ki­lo­me­ter in An­satz zu brin­gen sind. Dies ent­spricht zwar nicht der üb­li­chen Be­rech­nungs­me­tho­de bei Ge­braucht­fahr­zeu­gen, ist aber im Hin­blick auf den hier vor­lie­gen­den Ver­kauf zu den All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen für Neu­wa­gen in der Sa­che wohl ver­tret­bar. Je­den­falls ist in­so­weit auf den er­klär­ten Par­tei­wil­len ab­zu­stel­len, den die Par­tei­en auf ent­spre­chen­de Fra­ge des Se­nats in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­ein­stim­mend be­stä­tigt ha­ben.

Da das Fahr­zeug 52.000 € ge­kos­tet hat, sind 0,5 % hier­von 260 €. Für die Ge­samt­lauf­leis­tung von 48.977 km er­rech­net sich da­her ei­ne Ge­samt­nut­zungs­ent­schä­di­gung von … 12.734,02 €. Ge­gen­über dem An­spruch der Be­klag­ten auf die Nut­zungs­ent­schä­di­gung hat der Klä­ger in­des un­wi­der­spro­chen mit ei­ner Ge­gen­for­de­rung in Hö­he von 659,07 € … die Auf­rech­nung er­klärt, so­dass letzt­lich 12.074,95 € ver­blei­ben. Nach Ab­zug die­ses Be­trags von der Kla­ge­for­de­rung er­gibt sich der zu­er­kann­te Be­trag von (52.000 € – 12.074,95 € =) 39.925,05 €.

4. Eben­so sind die Ver­zugs­zin­sen auf fünf Pro­zent­punk­te über dem Ba­sis­zins­satz zu er­mä­ßi­gen, weil, wie oben … im Ein­zel­nen dar­ge­legt, ein ge­werb­li­ches Ge­schäft i. S. von § 288 II BGB nicht vor­liegt, son­dern ein Ver­brauchs­gü­ter­kauf …

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